Kinder von CD´s - wie verarbeiten die das Outing
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PiaK
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Kinder von CD´s - wie verarbeiten die das Outing

Post 1 im Thema

Beitrag von PiaK » Mo 13. Sep 2010, 23:54

Hallo liebe Mädels,
ich bin verheiratet und habe erwachsene Kinder. Meine Familie weiß nichts von meiner Leidenschaft.
Im Forum lese ich hin und wieder, dass sich die Partnerin nach dem Outing getrennt haben oder wie sie damit umgehen.
Mich würde in dieser Hinsicht interessieren, wie es die Kinder aufnehmen und verarbeiten bzw. in ihrer Umwelt erklären, dass ihr Vater ein CD ist?

Liebe Grüsse

Twinny )))(:

Anne-Mette
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Re: Kinder von CD´s - wie verarbeiten die das Outing

Post 2 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 14. Sep 2010, 08:45

Moin,

ältere und fast erwachsene Kinder haben es sicherlich leichter.
Die größten Schwierigkeiten hatte unser Jüngster mit damals 14...15 Jahren. Er war sehr geprägt von der
deutschen "Liedkultur" (Sido, Bushido usw.) Er hat mir auch mal erklärt, dass zu erkennen sein muss, ob einer Frau oder Mann ist.
Die anderen Beiden gehen selbstverständlich und alltäglich damit um. Ich erhalte zwar keine Belobigungen, aber sie nehmen es weitesgehend als normal an, auch wenn Freundinnen oder Freunde kommen.
Nun sind alle drei Kinder selbständig. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei jüngeren Kindern, die man zur Schule/zum Kindergarten fahren muss, schwieriger sein könnte.
Da werden dann doch häufig Vergleiche angestellt und festgestellt, wer keinen Vater oder einen "anderen Vater" hat.

Gruß
CPG

Natascha

Re: Kinder von CD´s - wie verarbeiten die das Outing

Post 3 im Thema

Beitrag von Natascha » Di 14. Sep 2010, 12:26

Ich persönlich würde das nicht so öffentlich machen. An Fasching oder ähnlichen Anlässen ists o.k. Habe meine Kinder schon einmal mitbekommen. Das ist dann nicht so schlimm finde ich.

Ansonsten würde mich eigentlich nur mal reizen, mal in eine Disco zur Lady´s Night zu gehen. Aber das auch nur in perfektem, nicht übertriebenen Outfit und Styling. So dass es möglichst nicht auffällt. Da ist es ja auch fern von den Kindern.

Ich sehe das ganze nicht unbedingt als total zwanghaftes Verlangen, sondern ich habe nur spaß daran. Muss es nicht täglich öffentlich ausleben. Eher nur, um einige Leute mal so richtig zu schocken. An der Faschingsparty, die war privat bei Freunden, hat keiner gelacht, die waren eher nur total baff. :shock: Hätten die nie gedacht. Kam gut rüber. :lol:

judith
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Re: Kinder von CD´s - wie verarbeiten die das Outing

Post 4 im Thema

Beitrag von judith » Mi 6. Okt 2010, 23:28

Hallihallo,

also wir (meine Frau und ich) haben lange hin und her übererlegt und eigentlich sollten unsere beiden (7 + 9) es erst in ein paar Jahren erfahren. So trug ich meine Röcke etc. nur abends. Aber ältere Kinder bleiben immer länger wach und so nutzte ich den Tag vor unserem gemeinsamen Urlaub und begrüßte meine Kinder entsprechend gekleidet nach der Schule an der Haustür (meine Frau war davon nicht so begestert, konnte mich anderseits aber verstehen). Nach den ersten kindlichen Holdrios habe ich ihnen dann erklärt warum ich Frauenkleider trage und mich ihren Fragen gestellt. Danach wollten beide unbedingt meine hohen Stöckelschuhe anprobieren und die Sache war gegessen. Im Urlaub (in der Ferienwohnung) trug ich dann intensiv Frauenkleider um meine Kids daran zu gewöhnen. Seither haben sie sich bei Freunden und Verwandten noch nie verplappert (hoffe ich mal). Peinlich (für mich) war dann höchstens im Discounter die Frage meiner Tochter, ob ich denn auch Strumpfhosen bräuchte. Aber da muss und will ich eben darüberstehen.

Ich kann euch daher nur empfehlen, euch das Leben leichter zu machen und euch zumindest im engeren Familienkreis zu outen.

Gruß Judith
Ein langer Flur mit Fließenboden und dann das gleichmäßige Klappern meiner Absätze - einfach herrlich.

Crossy

Re: Kinder von CD´s - wie verarbeiten die das Outing

Post 5 im Thema

Beitrag von Crossy » Do 7. Okt 2010, 08:08

Was soll daran peinlich sein? Jeder hat wohl irgend wo seine Leiche im Keller. Ich habe mich damals geoutet und erfuhr auf diesem Weg, das mein bester Kumpel sich von seiner Lebensgefährtin am Hundehalsband ins Schlafzimmer führen lässt. Also,
keine falsche Scham und drauf los. So erkennstt du die wahren Freunde.

Andrea aus Sachsen
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Re: Kinder von CD´s - wie verarbeiten die das Outing

Post 6 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen » So 24. Feb 2013, 13:34

.
Hallo alle zusammen,
ich hatte vor einigen Wochen an anderer Stelle (viewtopic.php?f=97&t=5744&start=15#p62421) schon mal angeregt, unsere Erfahrungen beim Outing vor den Kindern zusammenzutragen. Offensichtlich ist aber mein Beitrag in der kontroversen Diskussion dort untergegangen.
Ich mochte meinen Vorschlag deshalb hier noch einmal erneuern:
Lasst uns in Ermangelung wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse zum Outing vor Kindern unsere eigene Studie zum Thema machen! Jede(r), der/die seine/ihre Kinder eingeweiht hat, möge bitte seine/ihre Erfahrungen hier aufschreiben. Den Stellenwert einer wissenschaftlichen Studie wird diese Sammlung sicher nicht erreichen, aber als Grundlage für weitere Diskussionen könnte sie schon nützlich sein.
Bitte tragt hier aber nur praktische Erfahrungen (positive und negative) nach einem tatsächlichen Outing ein. Für Meinungen wie, wann und ob überhaupt sich vor Kindern outen, gibt es andere Threads. Versucht dabei bitte, die Situation auch aus der Sicht der Kinder darzustellen (wenn möglich, noch mal nachfragen).
Ich hoffe auf eine rege Beteiligung, kann aber leider selbst (noch) nichts dazu beitragen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen

Lieschen
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Re: Kinder von CD´s - wie verarbeiten die das Outing

Post 7 im Thema

Beitrag von Lieschen » Fr 28. Feb 2014, 01:46

Hallo,

Andreas Vorschlag, Erfahrungsberichte hier zu sammeln, ist gut. Ich habe 3 Kinder und bin´s strategisch gut angegangen.
1. Zunächst habe ich es meiner Tochter erzählt. Am Küchentisch, meine Frau saß daneben. In gewisser Weise war es ein Heimspiel: meine Tochter ist 26 und studiert Gender Studies (Geschlechterforschung). Sie reagierte amüsiert ("Papa, du ???????") und verblüfft, daß sie als angehende Fachfrau mein CD nie bemerkt hat ("Ach, DAS war in dem Koffer auf dem Kleiderschrank!"). Nach zwei Minuten kamen schon die ersten Frotzeleien ("Meinen BH kriegst du aber nicht!"). Im Ganzen redeten wir etwa 15 Minuten zu dem Thema. In den nächsten Tagen kamen noch einige Fragen nach. Aber das war´s auch schon.
2. Meinem 17-jährigen Sohn erzählte ich es etwa eine Woche später. Wieder am Küchentisch, gelegentlich kam meine Frau dazu. Die erste Frage meines Sohns war, ob seine Schwester das auch schon wisse und was die dazu gesagt habe. Als ich deren Reaktion beschrieb, meinte er, er fände es auch okay. Auch hier war das Gespräch nach kurzer Zeit beendet und es kamen in den nächsten Tagen noch einige Fragen nach. Mein Sohn ist aktiv in der Schul-AG gegen Trans- und Homophobie und meinte noch ganz erfreut, daß es ja schön sei, nicht nur über dieses Thema zu reden. Sondern daß er jetzt sogar jemanden persönlich kenne.
3. Seit einem halben Jahr haben wir eine 18-jährige US-amerikanische Gastschülerin. Sie kam am dritten Tag aus der Schule mit einem Fragebogen zur Gastfamilie. Gefragt wurde nach Alter, Schulbildung, Hobbies usw. Als sie mich nach meinen Hobbies fragte, nannte ich das Crossdressing. (Natürlich war ein gewisses Risiko dabei. Im schlimmsten Fall wäre sie schreiend zur Austauschorganisation gelaufen und hätte eine andere Familie gefordert. Aber was wäre die Alternative gewesen? Soll ich mich 12 Monate verstecken? Never, diese Zeiten sind vorbei!) Sie war genauso perplex wie meine leiblichen Kinder, grinste sich eins, stellte noch zwei/drei Fragen dazu und gut war´s.
Inzwischen ist es so, daß ich vorm Rausgehen meist noch eben meinen Sohn frage, ob "alles richtig sitzt". Meist zuppelt er dann noch ein bißchen an mir rum. Und mit unserer Gastschülerin beratschlage ich mich gern, welches Tuch wohl am besten zur Jacke paßt. Was die wohl erzählt, wenn sie wieder in den USA ist?
Ich habe einen Handwerksbetrieb und hier habe ich die gleiche Herangehensweise gewählt: zunächst als Lieschen einen befreundeten Geschäftspartner XY zu Hause besucht und erzählt. Eine Woche später im Mannmodus unseren Vorarbeiter zu Hause besucht und ihm und seiner Frau erzählt. Auch er fragte, wer bisher von Lieschen wisse. Und als ich XY erwähnte und daß dieser es ganz ok fände, meinte er, er fände es auch okay. Eine Woche danach erzählte ich es am Ende einer Mitarbeiterbesprechung allen Mitarbeitern. Auch hier sofort die Frage, wer schon von Lieschen wisse. Während ich aufzählte, lehnte sich unser Vorarbeiter ganz cool zurück nach dem Motto "natürlich weiß ich es schon längst und ich finde es ganz okay". Damit war das Thema durch. Obwohl: in den folgenden Tagen sagten mir mehrere Mitarbeiter, sie hätten es unglaublich mutig von mir gefunden, vor allen sowas Persönliches zu erzählen.

Mein Fazit: es erst Einzelnen, starken Menschen erzählen. Danach den "Schwächeren". Und: Offenheit macht stark. WIR sind die Starken!

Tschüs, Lieschen
An die Rausgemobbten und/oder Ausgeschlossenen, die hier evtl. (nur) noch still mitlesen (Hugo, Darialena, Breakfast@Tiffany, ingedie2te u. A.): bitte schreibt mir doch kurz, in welchen Foren ihr euch jetzt aufhaltet.
lieschen-77ätgmx.de

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