Warum so spät?
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Christine75
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Warum so spät?

Post 1 im Thema

Beitrag von Christine75 » Mo 5. Mär 2018, 01:39

Viele von uns haben die Frau, die lange im stillen Kämmerlein des männlichen Körpers gehockt hat, erst spät heraus gelassen.
Ich, frage mich, warum das so ist? Denn die meisten von uns haben sicherlich ihre ersten Erfahrungen mit Frauenkleidung bzw. dem weiblichen ich schon in der Kindheit oder Jugend gemacht.
Meine erste Berührung hatte ich mit 14 und trotz des schönen Gefühls in Strumpfhosen, habe ich es später wieder weit weg von mir gewiesen. Lag vielleicht an der Erziehung zum Mann und dem sozialen Umfeld.
Erst als ich, relativ spät mit 26, von zu Hause auszog, wurde das Thema wieder interessant für mich. Mit Schuhen und Nagellack fing es dann an, danach mit Strumpfhosen. zuerst auch aus sexuellem Reiz, später wurde daraus Normalität, auch in Verbindung mit Damen Oberbekleidung,Slips BH und schließlich Siliconbrüsten und Perücke. Doch erst heute, mit 42, seit 2 Jahren an der Seite meiner Partnerin, die mich als Christine voll unterstützt, lasse ich mein eigentliches Geschlecht mehr und mehr raus. Wohin und wie weit mich das noch bringt weiß ich jetzt noch nicht. Aber es wundert mich schon, das ich diesen Weg nicht schon viel eher eingeschlagen habe.
Wie war das bei euch?

Michelle_Engelhardt
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Re: Warum so spät?

Post 2 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Mo 5. Mär 2018, 07:14

Ich hatte dieses Thema schon mal kurz in meiner Geschichte angesprochen. In meiner Pubertät rückte das Ganze mit der ersten festen Freundin sehr in den Hintergrund und blieb dann auch dort für die kommenden 25 Jahre. Ich hatte das Gefühl, das nicht mehr brauchen zu müssen und vergrub es ganz tief in mein Unterbewusstsein. Heirat, das erste Kind, das zweite Kind und ich als alleinverdienender Familienvater, der neben dem Vollzeitjob noch einen Nebenverdienst annahm, damit die Familie über die Runden kam. Da war für Michelle weder Platz noch Zeit, bis sie sich dann eines Tages mit voller Macht durchsetzte.

Ich blicke nicht traurig zurück auf die vermeintlich verlorene Zeit, denn auch in meinem alten Leben habe ich einige sehr schöne und coole Dinge erlebt, die ich als Michelle in der Form sicherlich nicht erlebt hätte. Heute, nach über 5 Jahren Frau bin ich allerdings glücklicher und zufriedener als jemals zuvor.

LG Michelle
klingt komisch, ist aber so

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Re: Warum so spät?

Post 3 im Thema

Beitrag von Sycorax » Mo 5. Mär 2018, 09:38

Hallo,

also ich habe da so meine eigene Theorie.
Zum einen wird es bei jedem mehr oder weniger am Selbstbewustsein liegen was mit der Zeit größer wird. Ich würde das so für mich sehen.
Zum anderen hat das junge Gehirn relative gute Filter um bestimmte Dinge einfach auszublenden. Diese werden mit der Zeit schlechter oder wir haben einfach zuviel um die Ohren und irgendwann ist jedes System überlastet und wir können uns bestimmter Dinge nicht mehr erwähren. Vielleicht hat es was mit Hormonen zu tun, Veränderungen im Gehirn. Ich denke die Gründe sind vielfältig. Vielleicht kommen bei dem einen oder anderen auch noch Medikamente hinzu welche bestimmte Wesenszüge verstärken oder aber auch erst sichtbar machen.
Liebe Grüße
Renée

Schließt sich eine Tür, öffnet sich wo anders eine andere.

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Re: Warum so spät?

Post 4 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Mo 5. Mär 2018, 10:19

Moin,

...vielleicht, weil das Leben es vorhereinfach nicht hergegeben hat. Bei mir ist es ähnlich wie bei Michelle, seit frühester Jugend war das Thema, der Wunsch, Mädchen, später Frau zu sein vorhanden, wurde aber durch die nicht vorhandenen Möglichkeiten der Kommunikation und mangelndem Wissen und letztlich männlicher Sozialisation hin bis zu Familie und Kindern sehr stark in den Hintergrund verbannt. Erst als meine Kinder nun groß waren und ich Informationen hatte - über das Internet, habe ich für mich erkannt, was mit mir los ist und schlussendlich die Ulrike vor 6 Jahren für mein Leben zugelassen inklusive Outing meiner Frau und den Kindern gegenüber, was nicht so gut aufgenommen wurde; aber das ist eine ganz andere Sache. Nun bin ich 64 und lebe mit meinen privaten Freiheiten und Möglichkeiten weitgehend ständig als Ulrike, nur der Rock als Kleidungsstück ist zu Hause tabu, da kann meine Frau nicht mit leben und nicht über ihren Schatten springen...

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:

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Re: Warum so spät?

Post 5 im Thema

Beitrag von Cybill » Mo 5. Mär 2018, 11:27

Ganz einfach, weil unsere Umwelt so früh noch nicht bereit für uns war und...
... weil wir noch nicht reif genug für das Selbsteingeständnis unseres Wesens waren.

Alles andere ist schmückendes Argumentationsbeiwerk.

Amen.

- Cy
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

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Re: Warum so spät?

Post 6 im Thema

Beitrag von Saari » Mo 5. Mär 2018, 11:30

Liebe Ulrike-Marisa, wenn bei Dir, ..."nur der Rock als Kleidungsstück zu Hause tabu" ist, ist es ein an sich trauriger Umstand.
Gerade zu Hause ist ein Rock überaus angenehm beim Tragen.
Versuche doch Deine Frau zu überzeugen, dass es für Dich eine wesentliche Erleichterung wäre.

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Re: Warum so spät?

Post 7 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Mo 5. Mär 2018, 12:03

Hallo Saari,

...der Rock ist eben doch das als weiblich festgelegte Kleidungsstück, das eine große Außenwirkung z.B. den Nachbarn gegenüber auch hat. Im Dorf bin ich nicht geoutet und das möchte meine Frau nicht.: Status Quo. Im Haus mag sie mich nicht im Rock sehen (sie selbst mag keine Röcke tragen), da bei uns doch oft auch irgendjemand aus der Nachbarschaft oder aus dem Dort reingeschneit kommt; Dorf eben und die Türen sind tagsüber offen. :wink:


Grüße, Ulrike-Marisa

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Re: Warum so spät?

Post 8 im Thema

Beitrag von Anja » Mo 5. Mär 2018, 13:15

Moinsen,

ich weiß es ganz genau. Ich musste erst die richtige Partnerin finden. Während ich das Crossdressen 30 Jahre lang versucht habe zu verdrängen, es sein zu lassen, mich dafür geschämt habe, hat meine Frau meinen Umgang mit dieser Leidenschaft umgedreht. Sie hat mich gefragt, warum ich mich dafür schäme. Was für eine Frage. Ein Mann tut so etwas nicht, also hat er sich dafür zu schämen! Aber sie sagte, das ich mich dafür nicht schämen bräuchte, wenn es mir gefällt soll ich es doch machen! Darauf wäre (und bin) ich selbst nie gekommen. Sie gab mir Sachen von sich, machte Schminkversuche mit mir, lackierte mir die Nägel...
Von da an hat es noch mal 8 Jahre gedauert, bis ich wirklich kapiert habe, das eine Frau in mir steckt...
Ohne meine Frau würde ich mich wohl immer noch schämen.

Grüße
die Anja
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Re: Warum so spät?

Post 9 im Thema

Beitrag von Jasmine » Mo 5. Mär 2018, 13:53

Anja hat geschrieben:
Mo 5. Mär 2018, 13:15
Ich musste erst die richtige Partnerin finden.
Warum so spät? Erziehung von einer sehr strengen Mutter in den vermeintlich mir vorgezeichneten Bahnen/ der Rolle könnte eine Erklärung sein. Wenn man von klein an täglich vorgebetet bekommt wie ich mich zu verhalten habe und was ich machen darf und was nicht. Vielleicht auch das Umfeld? Dann die ersten Beziehungen, die erste Ehe, wen wundert es das alles nicht funktionierte. Vielleicht hat auch die Gesellschaft schuld, wer weiss. Aber auch ich konnte mich erst in meiner zweiten Ehe öffnen/outen. Das meine Partnerin so verständnisvoll und liebevoll ihre Jasmine akzeptiert und unterstützt ist wunderbar. Ich musste also erst diese wunderbare Frau treffen, die mir die Kraft gab meinen Weg zu gehen.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: Warum so spät?

Post 10 im Thema

Beitrag von Theresa » Mo 5. Mär 2018, 14:58

Warum so spät? Ich habe es einfach nicht gewusst. Habe, wie die Meisten, früh angefangen, Mieder und Strumpfhosen zu tragen. Aber das war irgendwie losgelöst von mir. Wie hinter einer Riffelglasscheibe hinter der man nichts genaues erkennen kann.
Auch hätte ich mir das damals niemals eingestanden irgendwas mit "trans" zu sein. Man hatte mitbekommen dass es sowas gab aber das war es auch schon.
Auch der erste Kontakt mit Trans-Leuten auf den Korsett - treffen mit der 90er Jahre änderte daran nichts. Mag sein dass ich mir vielleicht mehr Gedanken darüber machte als allgemein üblich.
Ich habe immer versucht, meine Vorstellung von weiblicher Kleidung auf meine Partnerinnen zu projektieren und konnte es mir nicht vorstellen, daß das für andere Männer eher befremdlich ist.

Bis zu diesem Abend, als es mal wieder "mein" Thema das Thema war und meine damalige Partnerin meinte:"Du bist ja selber eine Frau." Hätte sie mal besser nicht gemacht. ...
Mit dieser simplen Bemerkung war die Riffelglasscheibe zurbrochen... 52 Jahre hat sie gehalten.
Zuletzt geändert von Theresa am Mo 5. Mär 2018, 17:26, insgesamt 1-mal geändert.
Beachten sie auch unbedingt die Hinweise im Kleingedruckten auf der Rückseite dieser Nachricht!

Helen52
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Re: Warum so spät?

Post 11 im Thema

Beitrag von Helen52 » Mo 5. Mär 2018, 16:26

Cybill hat geschrieben:
Mo 5. Mär 2018, 11:27
Ganz einfach, weil unsere Umwelt so früh noch nicht bereit für uns war und...
... weil wir noch nicht reif genug für das Selbsteingeständnis unseres Wesens waren.
Ein Selbsteingeständnis setzt voraus das es etwas zu gestehen gibt. Aber gestehen kann ich nur etwas was ich auch benennen kann.
Für mich gab es nur viele Puzzleteile - angefangen von dem kleinen Jungen der lieber mit Mädchen spielte - zu dem 14-jährigen Mädchen im Spiegel des Kleiderschranks der Mutter. Viele dieser Puzzleteile sammelte ich über 40 Jahre lang den Karton mit der Abbildung des fertigen Puzzles fand ich nur durch Zufall und plötzlich ergab alles einen Sinn.

Da ich nie aktiv nach einer Erklärung für mein „Anderssein-Gefühl“ suchte konnte ich auch keine Lösung finden.
„Warum erst jetzt - warum so spät “ nach dem outing bei meiner Frau ist diese Frage die einzige welche ich ihr nicht plausibel erklären konnte.
Ich glaube ich war zulange auf diesem Planeten mit Östrogen-Atmosphäre.
Rechtschreibfehler sind im Sinne der Autorin künstlerisch wertvoll

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Re: Warum so spät?

Post 12 im Thema

Beitrag von Inga » Mo 5. Mär 2018, 22:56

Hi,

für Ingas Werdegang war das Internet wichtig und das gab es früher einfach noch nicht. Informationen zum Thema Crossdressing und Trans* waren selten und dürftig. Mit Travestitenshows konnte ich wenig anfangen. Und das war es dann auch schon. Da lebte ich mein kleines Geheimnis in Träumen ohne überhaupt die Idee zu haben, mich auch als Frau sehen zu können. Als ich im Internet dann eines Tages auf einen Verwandlungs- und Begleitservice stieß, war es um mich geschehen. Die Suche nach Gleichgesinnten und der rege Austausch in Foren wie diesem taten ihr übriges, um mit mir besser klar zu kommen - und einen gehöerigen Anteil in hübschen Kleidern und so anzulegen.

Liebe Grüße
Inga

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Re: Warum so spät?

Post 13 im Thema

Beitrag von Stefanie » Sa 17. Mär 2018, 22:29

Es sind doch viele Faktoren. Zunächst mal hat Inga völlig recht. Früher gab es weder das Internet noch sonstige Quellen, über die man auch nur zufällig hätte stolpern können. Sowas wie Crossdressing war außer am Fasching ganz einfach nicht existent. Und auch der damalige Zeitgeist spielt sicher eine Rolle. Heute, im Zeichen von "Genderwahn" und geschlechtlicher Selbstbestimmung ist vieles leichter geworden.

Oh, ich kann mich schon noch erinnern, als ich 17 war, bin ich abends ab und zu wach gelegen und hab davon geträumt, wie schön es doch wäre, mal ein Kleid oder einen Rock mit Rüschen anzuziehen. Dass aus dem Traum später mal Realität werden könnte, habe ich damals nicht mal im Ansatz gedacht. Eher hatte ich dabei ein starkes inneres Gefühl, dass bei mir das eine oder andere Schräubchen locker wäre, und dass es besser wäre, da niemals drüber auch nur ein Wort rauszulassen.

Nur einmal, es war 1983, da stand in der Bravo mal ein doppelseitiger Bericht über einen Jungen, der sich im falschen Körper fühlte und eine Geschlechtsumwandlung machen wollte. Es waren Bilder dabei, worauf er in Mädchenkleidern zu sehen war. Dieser Bericht hat mich sehr mitgenommen, ich hab ihn damals wieder und wieder gelesen (und ich habe das Heft, Ausgabe 22/1983 heute noch immer). Aber dass ich SELBER mal ein Kleid anziehen würde - nein, das war damals so weit weg wie der Mond. Eher hätte ich mir die Zunge abgebissen, als meiner Mutter zu erzählen, dass ich gern mal einen Rock haben wollte...

Nur: was würde ich in der heutigen Zeit, in der selben Situation machen? Mann müsste halt nochmal jung sein :roll:

Liebe Grüße
Stefanie

MichiWell
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Re: Warum so spät?

Post 14 im Thema

Beitrag von MichiWell » Sa 17. Mär 2018, 22:55

Stefanie hat geschrieben:
Sa 17. Mär 2018, 22:29
Nur einmal, es war 1983, da stand in der Bravo mal ein doppelseitiger Bericht über einen Jungen, der sich im falschen Körper fühlte und eine Geschlechtsumwandlung machen wollte.
Hallo Stefanie,

das ging mir ähnlich. Es war Ende der 1980er Jahre, ich gerade bei der Armee, und da war ein halbseitiger Artikel in der Tageszeitung, über einen jungen Mann. Als Aufhänger die Geschichte, wie er im Rock und schwarzer Feinstrumpfhose in den Dorf-Konsum ging und dann alles weitere. Ich hab auch ganz verstohlen gelesen, dass es ja keiner von den anderen mitbekommt, was mich so in den Bann zog. Leider konnte ich die Zeitung unter den gegebenen Umständen nicht aufheben, wäre viel zu riskant gewesen.

Ich hatte damals auch nicht den Mut, irgendwem von mir zu erzählen. Selbst vor meiner Freundin beim Studium, die mich zum Fasching richtig schön als Mädel zurecht gemacht hatte, und mich hinterher feststellend fragte, dass es mir doch wohl sehr gefallen hätte in den Sachen, habe ich das strikt geleugnet. Und ich wette, die hätte mich voll unterstützt, war schon eine ganz besondere Frau. Naja, es ist vorbei ... Chance vertan.


Liebe Grüße
Michi
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen.

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

Flodur
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Re: Warum so spät?

Post 15 im Thema

Beitrag von Flodur » So 18. Mär 2018, 14:33

Aufgewachsen als der §175 noch angewandt wurde;
vom Verteidigungsminister aus Bayern ohne Hals kam der Spruch: "Die kalten Krieger sind uns lieber als die warmen Brüder";
schon der Versuch (als Junge) sich die Haare etwas länger wachsen zu lassen führte in vielen Familien zu Dramen und Verstoßung:
Zeit der APO in Berlin; Reaktion des Establishments: Verzweifelte Wut!
Spruch des damaligen berliner Polizeichefs: "Ihr müsst ihnen doch nur in die Gesichter schauen!"
(Vergleicht doch mal in historschen Aufnamen das freundliche Lächeln Rudi Dutschkes (in Anzug und Krawatte) mit den wutverzerrten Fratzen der Schupos!)

Das war das prägende Klima in dem ich aufwuchs. Anderssein war krankhaft und böse!

Es war unvermeidbar, dass so ein Klima auch prägend wurde.
Ich habe mich immer selbst vor meinem Anderssein geekelt.
Und das gilt heute noch: Wenn ich fertig angezogen meine Erscheinung im Spiegel überprüfe muss ich den Kopf/das Gesicht ausblenden sonst schaudert mich.

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