Die Angst vor dem Raus gehen
Die Angst vor dem Raus gehen - # 6

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Simone 65
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 76 im Thema

Beitrag von Simone 65 » Sa 27. Jan 2018, 01:55

Hallo . Eigentlich sollten wir Christine helfen und nicht Angst machen .
Das Rausgehen kann so schön sein . Unter Menschen sein . Christine habe keine Angst , es wird nichts passieren. Du wirst angesehen , bestimmt . Geniesse es eine Frau zu sein . Du wirst Komplimente bekommen , hoffe ich doch .
Es wird So viel passieren.
Wer weiss , was die Zukunft bringt.
Liebe Grüße Simone.
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .

Brigitta
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 77 im Thema

Beitrag von Brigitta » Sa 27. Jan 2018, 13:15

Hallo Simone,
(moin)
danke dafür, dass Du den Faden wieder auf Christines Ausgangsfrage zurückführst!
Simone 65 hat geschrieben: Eigentlich sollten wir Christine helfen und nicht Angst machen ...
... das ist es doch, auch wenn ich die anderen Themen, auf wen wir beim Rausgehen stoßen können ... :roll:
... oder wie gefährlich das für uns dann sein kann, ... jetzt nicht ganz verdrängen will.

Doch zurück zu Dir, Christine ...
... kannst Du nicht Deine Partnerin um Hilfe bitten ...
Christine75 hat geschrieben: Das ich eine Partnerin habe, die mich voll unterstützt,
macht es natürlich leichter, sich zumindestens in den eigenen 4 Wänden zu bewegen.
... warum denn nur in den eigenen 4 Wänden?
Vielleicht ist sie auch bereit mit Dir einen Shopping-Ausflug zu machen? Das könntet Ihr doch beide genießen - Du bist nicht allein
beim Rausgehen und sie hat bestimmt auch Spaß dabei; außerdem belebt das vielleicht sogar die Partnerschaft, wenn Ihr Modefragen diskutiert oder Euch gegenseitig beim Kleidungskauf beraten könnt ...
(smili)
Liebe Grüße
Brigitta ))):s
Nicht jede Frau kann eine Gazelle sein. (Elena Uhlig)

Magdalena
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 78 im Thema

Beitrag von Magdalena » So 28. Jan 2018, 09:36

Hallo ,

ja den Sprung nach draußen ist sehr schön und eine Befreiung von Zwängen. Und sicher möchte ich die Angst nicht noch verstärken. Im Gegenteil, die positiven Erlebnisse überwiegen und ich kann die Ausflüge richtig genießen. Zum Teil auch darum, weil ich mir vorher Gedanken gemacht habe, damit es ein guter Tag wird.

Ich hatte ja von den"Besorgten Bürgern" geschrieben. Denen muss ich nicht gerade in die Arme laufen. Die Route ihrer Spaziergänge ist bekannt. So wähle ich mir andere Orte aus.

Ein Museumsbesuch, ein Bummel durch Geschäfte und Fußgängerzonen, der Besuch einer Veranstaltung, es gibt viele Möglichkeiten raus zu gehen und das Leben einfach nur genießen.
In diesem Sinn die Ängste zu Hause lassen und einfach raus gehen. Ist der erste Schritt getan , fällt der zweite Schritt schon leichter.

Viele liebe Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.

ULI67
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 79 im Thema

Beitrag von ULI67 » So 28. Jan 2018, 10:07

Das Rausgehen macht süchtig... je länger ich nicht mehr unterwegs war, desto kribbeliger werde ich.
Ja... ich bin eine Frau 👩

Lina
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 80 im Thema

Beitrag von Lina » So 28. Jan 2018, 13:29

ULI67 hat geschrieben:
So 28. Jan 2018, 10:07
Das Rausgehen macht süchtig... je länger ich nicht mehr unterwegs war, desto kribbeliger werde ich.
Ja, eine Weile - bis es zur Normalität wird.

---

Ich kann auch nur alle - sofern die sich noch Sorgen machen - genauer zu überlegen, wovor ihr eigentlich konkret Angst habt. Ja, es IST gefährlich draußen in der großen Welt. Es GIBT Leute, von denen Probleme eher zu erwarten sind als andere, und es gibt Stadtgebiete, Umstände und Situationen, wo eher Probleme zu erwarten sind ...

ABER IST DAS wirklich das wovor ihr Angst habt - falls ihr überhaupt Angst habt? Oder ist das nur der rationelle Teil des Hirns, das immer sorgfältig eine "rationelle" Begründung findet, nachdem das Unbewusste - möglicherweise aus ganz anderen Gründen - schon Angstsignale ausgesendet hat?
Umgekehrt finden Leute ja auch immer scheinrationelle Gründe, weshalb sie den Gegenstand "X" kaufen wollen, obwohl die Entscheidung zu 90% Emotionsgesteuert war. Ihr habt bestimmt alle eine Armbanduhr. Man bekommt locker eine Armbanduhr, die zuverlässig ist und alle allgemeinüblichen Funktionen besitzt - Uhrzeut, Wecker, an- und ausschaltbares Stundensignal usw. - so eine Uhr bekommt man locker für 10 Euro. Ich postulere, dass die von Euch eine Uhr besitzt, die über 10 Euro gekostet hat, die Kaufentscheidung überwiegend aus Emotionen heraus trafen. Aber einen "rationellen" Grund würdet ihr auch dafür finden.

Das Gleiche gilt fürs nicht en femme ausgehen - finden wir wir doch mal ein paar Sachen, die die Angst begründen könnten.

Nachbar könnte mich sehen - und dann, was konkret würde dann passieren? Ich könnte überfallen werden - Samstag Mittag bei Karstadt? Wie wahrscheinlich ist das? Ich könnte von Jugendgruppen in der S-Bahn beschimpft werden, ageessionen ausgesetzt werden. OK sehe ich ein - Ausweichmöglichkeiten? Privatauto, Taxi, CarSharing evtl. Wovor könnten wir sonst Angst haben - findet sich schon was.

Die Frage ist, ob es nicht einen ganz anderen Grund hat - Ich persönlich, wenn ich jemanden vor mir Hätte, die jetzt da in der Wohnung stehen würde, bereit in die Stadt zu gehen, Shoppen, zu einem Event oder gottweißwas, und sich jetzt nicht traut raus zu gehen - ich persönlich würde mit ihr vorgehen, wie bei einer x-beliebigen anderen Abneigung oder gar Phobie.
Egal, ob es nun kleine Räume - Aufzüge z.B., Spinnen, Reptilien, fliegen im Flugzeug, sprechen vor einer Gruppe Menschen die Ängste auslöen, oder ob es das zeigen vor Menscnen in einer ungewohnten Situation - z.B. en femme in der Öffentlichkeit - haben hat alles eines gemeinsam: Nicht real gefährlich und löst bei vielen Menschen unüberwindbare Ängste aus.

So was kann man mit einer hypnotischen Technik beheben, die speziell dazu konzipiert wurde. Dauert in der Regel max. einer halben Stunde und ist meistens dauerhaft erfolgreich.

Magdalena
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 81 im Thema

Beitrag von Magdalena » So 28. Jan 2018, 13:57

Hallo,

wie Simone so schön schreibt, wir sollten nicht soviel über angstmachendes schreiben. Sondern Mut zusprechen den Gang in die Öffentlichkeit zu wagen.Neben der vermeintlichen Angst ist es doch die eigene Unsicherheit, mit der viele kämpfen. Und sicherer kann ich nur werden, wenn ich mich der Herausforderung stelle. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und am Ende kann man nur gewinnen. Das Leben en femme genießen, so heißt der Gewinn.

Viele liebe Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.

Johanna Dornal
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 82 im Thema

Beitrag von Johanna Dornal » So 28. Jan 2018, 14:44

Hallo, genau so ist es nämlich. Die Unsicherheit anfangs ist fraglos da. Sie zu überwinden ist das Ziel. Ängste habe ich auch vor dem Rausgehen, aber der Leidensdruck zwingt mich einfach dazu. Am Mittwochabend ist es so weit. Ausgang, zwar zu einem Gendertreff, aber ich bin raus aus den vier Wänden. Und dort fühle ich mich sicher. Und wenn man immer sicherer wird, wer weiß?

ExuserIn-2018-07-15

Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 83 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-07-15 » So 28. Jan 2018, 15:43

Magdalena hat geschrieben:
So 28. Jan 2018, 13:57
... wie Simone so schön schreibt, wir sollten nicht soviel über angstmachendes schreiben. Sondern Mut zusprechen den Gang in die Öffentlichkeit zu wagen.
Da gebe ich Magdalena uneingeschränkt Recht und versuche mal, etwas beizusteuern:

Ich hatte speziell große Angst davor, en femme in Bus und Bahn (sprich im "öffentlichen Nahverkehr") unterwegs zu sein. Als Teilzeitfrau war es mir ausnahmslos gelungen, diese Situation zu vermeiden. Nach nur einem halben Jahr Doppelleben war es jedoch soweit und ich stand morgens um vier vorm Spiegel, um mich für den ersten Tag als Vollzeitfrau zu rüsten. Zum Glück hatte ich Styling & Make-up inzwischen gut trainiert, um nach einer Stunde fertig zu sein. Aufgeregt stieg ich ins Auto, ab zum nächsten Bahnhof, erwischte die Bahn und fuhr zur Arbeit. Erst mittags kamen meine Emotionen wenigstens etwas herunter, dass mir plötzlich die Nahverkehrsangst einfiel. Na sowas, die hatte ich glatt vergessen ...

Bei der Rückfahrt dachte ich daran und suchte Gründe, Angst zu haben: Hm, die Teenis da drüben, die mich nur kurz mit Blicken streiften und ohne Luft zu holen quasselten; die von oben bis unten bekleckerten Bauarbeiter multinationaler Herkunft, die ab und an verstohlen glotzten, sich an ihrer Flaschbier festhielten und Unverständliches redeten; der smarte Kerl gegenüber, der anscheinend viel Wert drauf legte, dass ich nicht merkte, dass er mich unauffällig ansah; die jugendlichen Türken, die mich minutenlang musterten, um dann ohne jegliche Provokation mit ihren Handys zu spielen; die Biofrauen mit den Turnschuhen, die meine Pumps begutachteten oder schließlich der freundliche Ausländer, der mir beim Aussteigen den Vortritt ließ?

Inzwischen kucken :shock: längst kaum noch Leute und der Grund dafür ist ziemlich simpel: Weil auch ich weniger kucke :shock: . Am Anfang kuckten :shock: mehr, weil ich mehr kuckte :shock: , wer kuckt :shock: oder kucken :shock: könnte oder vielleicht so tat, als würde er nicht kucken :shock: . So einfach.

Am ersten Tag 24 Stunden Frausein bewegten mich ganz andere Probleme, denn im Schrank befanden sich fast ausschließlich Partykleider. Der Schritt zur Vollzeitfrau kam dank einer gewagten spontanen Entscheidung meiner seit Monaten eingeweihten Chefin ("Dann kommst du eben morgen auch mit deiner Frauenfrisur und in Frauensachen, siehst ja sowieso schon fast aus wie eine Frau.") sehr plötzlich und ich hatte große Mühe, meine ersten Büro-Outfits zusammenzustellen ...

Aber zurück zum wirklich allerersten Mal. Ohne Hilfe hätte ich mich nicht getraut. Darum kann es nie falsch sein, sich Begleitung zu suchen, ob nun Transfreundin oder Ehefrau (falls sie seelisch und moralisch bereit ist). Es ist ja keine Angst, sondern einfach fehlende Routine. Wo sollte die denn auch herkommen? Die eigenen vier Wände taugen nicht sonderlich viel zum Üben, denn erst draußen zeigt sich, ob die hohen Hacken nicht doch zu hoch oder das kurze Röckchen nicht doch zu kurz ist. Das Outfit sollte schon mehr praktikabel als gewagt sein, um keine vermeidbaren Probleme zu inszenieren. Spätestens beim Schritt zur 24/7-Weiblichkeit stellst du das vielleicht ohnehin fest. Da fällt mir eine wichtige, nicht weniger witzige Empfehlung in einem Leitfaden zum "Coming Out im Job" ("Trans* in Arbeit" oder so ähnlich) ein, in der es sinngemäß heißt, man solle sich unbedingt vorher ein alltagstaugliches Outfit zurechtlegen. Das hat in der Tat jemand geschrieben, der wusste, wovon er redet ...

Nach meinem "ersten Mal" war ich dann zu 99,9% alleine unterwegs, wagte mich nur vier Wochen später schon auf meine erste Reise, mit dem Auto zu verschiedenen (Cis-) Partylocations in der sog. "Republik". Passiert ist nie irgendwas Schlimmes, denn warum sollte ich denn als Frau unvorsichtiger sein als ich das als Mann war? Einen Bahnwaggon mit Nunchako-schwingenden nicht ausgelasteten Jugendlichen zu betreten ist jetzt wie früher ebenso tabu wie einen Drink bei einer Feier unbeaufsichtigt stehen zu lassen (Stichwort: K.O.-Tropfen). Nur den Quatsch mit der Nahverkehrsangst beendete ich erst als Vollzeitfrau. Das erspart mir jetzt immense Parkgebühren und blödsinnige Fahrerei durch die Innenstadt, die ich ohnehin nicht leiden kann.

Das Einzige, was mich mehrmals wöchentlich extrem ins Schwitzen bringt - aber nicht aus Angst, sondern Verärgerung - ist der verflixte falsche Ausweis. Durch meine spezielle Vorgeschichte muss ich noch zwei von drei Wartejahren absolvieren, bevor ich überhaupt den Antrag bei Gericht stellen kann. Dieses ständige ätzende Zwangs-Outing (erst recht, wenn ich als Frau wahrgenommen werde) bei Paketshops, Fahrscheinkontrollen, (erstmaligen) Arztbesuchen usw. macht mich ungeachtet aller Glücksgefühle zeitweise wütend. Ich fühle mich vom Gesetzgeber diskriminiert und entmündigt. Aber das reicht lange nicht, mir auch nur einen einzigen Tag zu verderben, den ich vollständig als Frau leben darf - was auch immer für ein Schwachsinn in den Papieren steht.

LG
Semele (so)

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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 84 im Thema

Beitrag von Sabinemaus12 » So 28. Jan 2018, 16:20

Hallo Christine

Versuche es mit dem rausgehen doch jetzt an Fasching/Karnevall. Da sind viele verkleidet unterwegs und man fällt nicht so auf.
Letzten Karnevall habe ich mich auch schick gemacht und bin so einkaufen geganngen im Supermarkt. Das ist schon eine herausforderung. Man sollte sich nicht den Kopf zerbrechen was die anderen denken. Sind mit dem Einkauf beschäftigt. Mich hat dabei keiner dumm angemacht. An der Kasse habe ich ein lächeln bekommen, weil sie sich gefreut hat.
Nur Mut zum rausgehen.

Gruß Sabine

Nicole Doll
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 85 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » So 28. Jan 2018, 18:42

Hallo Christine und Sabine,

Karneval ist immer eine gute Gelegenheit für einen ersten Versuch - dann darf es auch notfalls ein Kollege sehen; wie vor etwa 20 Jahren bei mir.

Nun bin ich seit etwa einem dreiviertel Jahr en femme draußen unterwegs. Da gibt es so gut wie keine Angst mehr. Aber das Prickeln vor dem Rausgehen fehlt irgendwie. :( Und deshalb geistert bei mir gerade durch den Kopf meine lebendig gewordene Gummipuppe Michelle beim Karneval auszuführen :idea: - obwohl ich sonst mit Karneval nichts am Hut habe.

So wurde ich erst einmal wieder zur "Nachteule". Ergebnis der nächtlichen Spaziergänge: Zieht man warme Sachen unter das Latex, hält man es drinnen - z. B. in einer Kneipe - kaum aus. Mit dem Latex direkt auf der Haut muss man draußen warme Sachen drüber ziehen, sonst friert man erbärmlich. Also: wer keine Probleme hat, der macht sich welche. :? Es wird wohl darauf hinaus laufen, dass Nicole oder Michelle - wenn überhaupt - in diesem Outfit zum Karneval geht. :wink:

Aber zurück zum Thema. Wenn der Arbeitgeber nichts erfahren soll, sehe ich als einzig vernünftige Lösung ein Hotelzimmer am Wochenende in einer anderen Stadt. Sich irgendwo auf einer (Behinderten-)Toilette umziehen nervt nur schrecklich - ich habe das zwei mal gemacht, danach ging es immer en femme durch unser Dorf zur Bushaltestelle. Sonst kann ich nur empfehlen nicht irgendwo alleine herum zu schleichen, sondern immer in die Menge zu gehen - da fällt man meistens überhaupt nicht auf - und man wird auch nicht dumm an gequatscht.

Helau und liebe Grüße
Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

Ronda_PTL
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 86 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » So 28. Jan 2018, 19:49

Magdalena hat geschrieben:
So 28. Jan 2018, 13:57
... wie Simone so schön schreibt, wir sollten nicht soviel über angstmachendes schreiben. Sondern Mut zusprechen den Gang in die Öffentlichkeit zu wagen.
Da gebe ich Magdalena uneingeschränkt Recht und versuche mal, etwas beizusteuern:

(...)

Inzwischen kucken :shock: längst kaum noch Leute und der Grund dafür ist ziemlich simpel: Weil auch ich weniger kucke :shock: . Am Anfang kuckten :shock: mehr, weil ich mehr kuckte :shock: , wer kuckt :shock: oder kucken :shock: könnte oder vielleicht so tat, als würde er nicht kucken :shock: . So einfach.

Am ersten Tag 24 Stunden Frausein bewegten mich ganz andere Probleme, denn im Schrank befanden sich fast ausschließlich Partykleider. Der Schritt zur Vollzeitfrau kam dank einer gewagten spontanen Entscheidung meiner seit Monaten eingeweihten Chefin ("Dann kommst du eben morgen auch mit deiner Frauenfrisur und in Frauensachen, siehst ja sowieso schon fast aus wie eine Frau.") sehr plötzlich und ich hatte große Mühe, meine ersten Büro-Outfits zusammenzustellen ...

Aber zurück zum wirklich allerersten Mal. Ohne Hilfe hätte ich mich nicht getraut. Darum kann es nie falsch sein, sich Begleitung zu suchen, ob nun Transfreundin oder Ehefrau (falls sie seelisch und moralisch bereit ist). Es ist ja keine Angst, sondern einfach fehlende Routine. Wo sollte die denn auch herkommen?

(...)

Das Einzige, was mich mehrmals wöchentlich extrem ins Schwitzen bringt - aber nicht aus Angst, sondern Verärgerung - ist der verflixte falsche Ausweis. Durch meine spezielle Vorgeschichte muss ich noch zwei von drei Wartejahren absolvieren, bevor ich überhaupt den Antrag bei Gericht stellen kann. Dieses ständige ätzende Zwangs-Outing (erst recht, wenn ich als Frau wahrgenommen werde) bei Paketshops, Fahrscheinkontrollen, (erstmaligen) Arztbesuchen usw. macht mich ungeachtet aller Glücksgefühle zeitweise wütend. Ich fühle mich vom Gesetzgeber diskriminiert und entmündigt. Aber das reicht lange nicht, mir auch nur einen einzigen Tag zu verderben, den ich vollständig als Frau leben darf - was auch immer für ein Schwachsinn in den Papieren steht.

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DANKE ---))) Semele für diesen IMHO sehr hilfreichen Beitrag, der die wichtigsten "Ängste & Sorgen" jede(r) PTL / TG / TS gut zusammenfasst. Genau diese Hürden, ob sie nun "nur" in unseren Horror-Phantasie existieren, oder sich als REALE Probleme manifestieren, sind die Schritte, die wir gehen sollten, um zu leben, wie wir uns wohl fühlen. "I did it my way!" (yes)

LG Ronda
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 87 im Thema

Beitrag von JanaH » Mo 29. Jan 2018, 04:29

Geht doch, (fast) niemand braucht den Pudel (flow) (ap) (ki)

Ronda_PTL
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 88 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Mo 29. Jan 2018, 10:11

JanaH hat geschrieben:
Mo 29. Jan 2018, 04:29
Geht doch, (fast) niemand braucht den Pudel (flow) (ap) (ki)
Das ist schon (fast) richtig, aber vom Zeitaufwand her, ist das bei mir eine Heidenarbeit, da ich im MM leider nur über "Schnittlauchlocken" verfüge. Für eine Quickie Outdoor Mission definitiv nicht geeignet. :cry:

LG Ronda
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 89 im Thema

Beitrag von Tron007 » Di 30. Jan 2018, 00:36

Ich gehe schon mal zum Müll Platz mit Frauen Kleidung raus es ist einfach nur schön.
Das Leben ist schön, Männer sind die schöneren Frauen.

Johanna Dornal
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Re: Die Angst vor dem Raus gehen

Post 90 im Thema

Beitrag von Johanna Dornal » Sa 3. Feb 2018, 13:55

Hallo.
So kanns gehen. Da habe ich noch vor wenigen Tagen über die Angst vor der Öffentlichkeit geschrieben und jetzt das:

Wieder ein Schrittchen. Wohl beseelt durch meinen neuen DGTI-Ausweis und einem schönen Diskussionsabend mit anderen Transgendern, es waren auch Transmänner darunter, habe ich gestern beschlossen, einen Ausflug zu machen, ganz ohne Begleitung anderer Transmenschen, also alleine.
Ich schnappte also meine Handtasche, nachdem ich mich "gestylt" hatte, und ging zum Parkplatz. Mein Ziel war eigentlich der Rossmann in einer Nachbarstadt, aber da ich nun wirklich nichts brauchte, verwarf ich das. Da fiel mir ein, daß ich am Tag vergessen hatte, Geld abzuheben. Also suchte ich mir eine Bank mit Automaten. In einer kleineren Stadt fand ich einen, da waren in dem Servicebereich drei, vier Männer, die mich aber gar nicht beachteten. Als ich wieder rausging, kam mir ein Kunde entgegen. Auch da keine Reaktion. Auch auf den Wegen hin und zurück beachtete mich keiner. Das klappte ja schon mal gut, ich faßte nun mehr Mut.
Ein Blick auf die Tankuhr verriet mir, daß ich eine Tankstelle aufsuchen sollte, Also steuerte ich eine an, tankte in Anwesenheit anderer kraftstoffaufnehmender Menschen, die aber auch mehr mit sich selbst beschäftigt waren. Eine Frau guckte mal zwar zu mir rüber, aber nicht weil sie mich "enttarnt" hätte. Einfach nur so. Ich ging dann zum bezahlen rein an die Kasse. Eine nette ca. 50jährige Kassiererin begrüßte mich, nahm das Geld und ich wünschte ihr noch einen schönen Abend, was sie freundlichst erwiderte. Ich kann nicht mal sagen, ob ihr irgendwas an mir auffiel. Ich glaube es jedenfalls nicht, sowas spüre ich irgendwie dann schon. Also kein komischer Blick, ich denke, sie nahm mich schon als Frau wahr. Ich gab mir im Vorfeld auch besondere Mühe, feminin auszusehen, jedenfalls war ich mit mir sehr zufrieden. Und das ist ja mal eine Voraussetzung, um sich auch draußen wohlzufühlen, finde ich.
Dieses Erlebnis war das Highlight in diesem noch jungen Jahr, und ich hoffe, daß ich jetzt den nötigen Mut für weitere Ausgänge bekommen habe. Geht doch. Und das Schönste ist, daß ich mich überwunden habe. Vielleicht ist der Knoten jetzt gelöst. (cow)
Liebe Grüße
Johanna

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