Wieso das Warum wichtig ist - oder auch nicht
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Michelle_Engelhardt
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 1 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Ich habe mir zu Beginn meines Weges auch eine Menge Gedanken gemacht. Die Frage nach dem "Warum" kam mir allerdings nie in den Sinn. Ich denke auch nicht, das es darauf irgendeine Antwort gibt. Mich haben andere Fragen beschäftigt.....wie reagieren Freunde und Verwandte, wie kommen meine Kinder mit der Situation klar, wie sieht meine berufliche Zukunft aus? Was ist die bessere Alternative.....unglücklicher Mensch mit gesichertem Einkommen oder glücklicher Mensch mit im schlimmsten Fall Hartz4? Wie lange kann ich der Belastung noch standhalten und was passiert, wenn ich es eines Tages nicht mehr aushalte.....Strick?.....Psychiatrie? Das waren Dinge, die mich beschäftigt haben.

Nun bin ich, bis auf ganze wenige Ausnahmen.....(Achtung!....alkoholgeschwängertes Posting :mrgreen: http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... einsamkeit), eine grenzenlose Optimistin und mein Lebensmotto lautet: "Alles wird gut". "Schwarzmaler" verursachen bei mir regelmäßig Kopfschütteln. Ich entscheide viele Dinge eher nach meinem Gefühl, als mit meinem Verstand und fahre damit auch meistens recht gut. Der ein oder andere "Griff ins Klo" passiert mir natürlich auch. Zudem bin ich, insbesondere seit ich so leben kann wie ich möchte und seit ich in 2014 gerade so dem Tod von der Schippe gesprungen bin, mit einer geradezu kindlichen Unbekümmertheit ausgestattet. Fluch oder Segen?....keine Ahnung! Ein Beispiel: Eine sehr liebe Freundin von mir fängt schon Wochen vor einem geplanten Krankenhausaufenthalt an, Listen zu erstellen, was alles mit muss und was vorher noch erledigt werden muss. Michelle hingegen packt am Vorabend ihre Tasche mit ein paar Klamotten, Waschzeug, Medikamenten, Handy und Laptop. Nun ja, Menschen sind halt sehr individuell und das ist auch gut so.

Ansonsten habe ich konsequent mein Ziel verfolgt und war glücklicherweise auch nie von Zweifeln an der Richtigkeit meines Tuns geplagt. Wenn gewisse Institutionen meine Situation als Krankheit bezeichnen, so finde ich das zwar nicht besonders schön, aber wenn diese Bezeichnung dazu dient mein Ziel zu erreichen, nehme ich das eben in Kauf. Es gibt schlimmeres...oder wie Frau Merkel mal sagte: "Wichtig ist, was hinten raus kommt."

LG
Michelle
Zuletzt geändert von Michelle_Engelhardt am Fr 7. Apr 2017, 10:37, insgesamt 1-mal geändert.
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ExuserIn-2019-12-18
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 2 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Hallo Gabi,

die Suche nach der Vergangenheit ist die Suche nach der Zukunft. Wir hoffen, wenn wir vergangenes verstehen, Sicherheit für das Jetzt und Mut für das kommende zu finden.
Jede(r) ist etwas anders ausgeprägt und darum nähert er sich der Sache auch immer etwas anders - aber der Kern ist oft ähnlich. Nicht umsonst gibt es Geschichtswissenschaften ...
Heute ist der Tag "der Krankheit" habe ich im Radio gehört. Die Volkskrankheit Depression wurde als Krankheit des Jahres in den Fokus gerückt. Das passt ganz gut zu Deinem Thema, den ich habe oft erlebt, dass zu viel Grübel und Graben zu einer Depression führen kann. Das Wissen aus der Vergangenheit für gute Entscheidungen in der Gegenwart ist wichtig .... das Verstecken hinter Geschehenem aber problematisch. Keiner kann ohne seine Vergangenheit leben, so sehr man sich das auch wünscht. Aber man kann feststellen, dass man nur aus Ihr lernen kann - nicht sie ändern!
Die Identität jeder Person ist im Wandel und wer gelernt hat, nicht zu stark und lange an dem Warum zu klammern, kann ein positives Leben führen ....
Zu wissen woher man kommt ist hilfreich, zu wissen wohin man gehen möchte nützlich ... zu wissen wo man steht ist aber lebensnotwendig ....

Liebe Grüße
VanessaL
Sylvia
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 3 im Thema

Beitrag von Sylvia »

Gutes und wichtiges Thema...

Ich bin derzeit bei einer Psychotherapeutin wegen einer leichten Depression. Grundsätzlich ist das Verhaltenstherapie, was ich auch richtig und wichtig finde. Trotzdem nerve ich sie immer, ob und wann wir denn auch mal zur Biographiearbeit kommen. Das Crossdressing war auch schon Thema, und für mich persönlich wäre es zum Verständnis meiner derzeitigen Lage schon wichtig, zu "graben", wo in der Vergangenheit Weichen gestellt wurden, die ich bisher nicht durch eigenes Nachdenken erkannt habe...

Insofern denke ich: Das Eine schließt das Andere nicht aus. Es ist wichtig, in die Zukunft zu schauen und Ballast abzuwerfen, aber ein Bewusstsein für die Weichenstellungen in der Vergangenheit ist mindestens genauso wichtig.

LG,
Sylvia
ExuserIn-2019-12-18
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 4 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Hallo Sylvia,

ich weiß, was Du mit Ballast-Abwerfen meinst,
glaube aber nicht, dass dieses Bild wirklich passt. Die Vergangenheit lässt sich nicht abwerfen ... nur tragen oder ertragen. Sie ist ein Teil von uns und formt uns. Nicht umsonst heißt es ja, jeder hat sein Päckchen zu tragen ...
Wenn Du keinen inneren Leidensdruck verspürst, rate ich die Vergangenheit "ruhen zu lassen". Ich habe noch niemanden gesprochen, der auf dieser Suche glücklich geworden ist ... wenn, suche dort nur Gründe aber erwarte keine Lösungen.

Liebe Grüße
Vanessa
Zuletzt geändert von ExuserIn-2019-12-18 am Fr 7. Apr 2017, 15:25, insgesamt 1-mal geändert.
Joe95
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 5 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Warum wir so sind wie wir sind?
Das Entstehen und Entwickeln des Körpers ist eine derart komplexe Angelegenheit das sie doch wirklich keiner so genau nachvollziehen kann. Das dann noch in Einklang mit der Seele und ihrer Entwicklung zu bringen?
Dazu dann Erziehung, Umfeld und sonstige äussere Einflüsse...

Irgendwo hab ich mal gelesen "setz dich auf eine Kreissäge und dann sag welcher Zahn gerissen hat!".
Ich glaub das ist leichter als herauszufinden was in unserer Entwicklung uns zu uns selbst werden lies.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
Exuser-2018-07-15

Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 6 im Thema

Beitrag von Exuser-2018-07-15 »

In der eigenen Vergangenheit zu forschen, ist ein nicht unwesentlicher Beitrag zur Selbsterkenntnis. Hier ein interessantes Goethe-Zitat zu diesem Thema aus einem der nicht in Kartons schlummernden Bücher meiner kleinen Bibliothek:
Hierbei bekenne ich, dass mir von jeher die große und so bedeutend klingende Aufgabe: Erkenne dich selbst! immer verdächtig vorkam, als eine List geheim verbündeter Priester, die den Menschen durch unerreichbare Forderungen verwirren und von der Tätigkeit gegen die Außenwelt zu einer innern falschen Beschaulichkeit verleiten wollten. Der Mensch kennt nur sich selbst, insofern er die Welt kennt, die er nur in sich und sich nur in ihr gewahr wird. Jeder neue Gegenstand, wohl beschaut, schließt ein neues Organ in uns auf.
Am allerfördersamsten aber sind unsere Nebenmenschen, die zu vergleichen und daher nähere Kenntnis von uns zu erlangen, als wir selbst gewinnen mögen.
Ich habe daher in reiferen Jahren große Aufmerksamkeit gehegt, inwiefern andere mich wohl erkennen möchten, damit ich in und an ihnen, wie an so viel Spiegeln, über mich selbst und über mein Inneres deutlicher werden könnte.

Aus: "Bedeutende Fördernis durch ein einziges geistreiches Wort.", 1822, Naturwissenschaftliche Schriften aus einer Werkausgabe von 1924
In der Kerkerszene in Faust I dann die Aufforderung:
Lass das Vergangene vergangen sein!
Ja, auch mit Zitaten kann sich jeder nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip seine eigene Welt wunschgemäß zusammenbasteln ...

Zu Lebzeiten wusste der Mann genau, wie tief er graben durfte, um nicht Opfer seiner eigenen Komplexe zu werden. Er hatte ein sicheres Gespür für das zugelassene Maß an Selbsterkenntnis, wodurch er eben nicht zum zweiten Plessing wurde und im Gegensatz zu diesem Dichter einem tragischen Schicksal entging.
Keiner hat es m.E. besser als Goethe verstanden, noch zu Lebzeiten seine eigene Vergangenheit perfekt aufzubereiten, um gem. der Schlussfolgerung aus dem ersten Zitat der Nachwelt bereits vorzugeben, was sie von ihm zu denken habe - genial.


Vielleicht noch ein interessanter Bezug zum Thema aus der psychoanalytischen Ecke:
Nach der erfolgreichen Amerikareise von Freud und Jung wurden Spucknäpfe und Zigarrenkisten der Wiener Mittwochsgesellschaft (in Freuds Wartezimmer) beiseite geschoben und 1910 die Internationale Psychoanalytische Vereinigung gegründet, in welche nur aufgenommen wurde, wer bereit war, sich selbst einer Analyse zu unterziehen. Insbesondere der neue, vorrangig sexuelle Bezug versprach mitunter peinliche Resultate der verordneten Selbsterkenntnis. Neben Hickhack, Kleinkrieg, Abspaltungen und Ausschlussverfahren fanden Jung als erster Vorsitzender und Präsident sowie Freud, eher ehrenhalber als 'wissenschaftlicher Präsident', noch etwas Zeit, um der eigentlichen Arbeit nachzugehen und dabei u.a. herauszufinden, dass Erinnerungen als infragekommende Komplex-Ursachen umso kollektiver wurden, je weiter diese zurückreichten. Das bestätigte die Theorie des phylogenetischen Ursprungs des Unbewussten, d.h. des zutiefst stammes- und abstammungsgeschichtlichen Ursprungs des Einzelnen (bitte nicht mit irgendeiner fehlgeleiteten Rassentheorie verwechseln, die bei Freud und Jung keine Rolle spielte).
Jede Individualität wird demnach mehr von kollektiven, menschheitsumspannenden Mustern bestimmt und beeinflusst, als sie sich eingestehen wollte. Letztlich lässt sich danach jede besondere Ausprägung auf solche Psychophoren (Freud) oder Archetypen (Jung) zurückführen. Lediglich die Art und Weise, wie diese subjektiv zur Ausformung gelangen, ist vielfältig. Während die Muster einerseits assimiliert werden, führen sie andererseits ggf. zu Konflikten, deren Verdrängung dann Ursache einer pathologischen Störung wird.

Das Wühlen in der Vergangenheit und die einhergehende Selbsterkenntnis sind Dinge, denen ich so lange gefolgt bin, bis sie mich zu meiner Identität geführt und dadurch zu einer Heilung des Selbst beigetragen haben. Jetzt hänge ich das ganze Thema Introspektion gerne an den Nagel, um mich dem Leben mit seinen neuen Problemen zu stellen.

LG
Tara
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 7 im Thema

Beitrag von Sylvia »

VanessaL hat geschrieben: Fr 7. Apr 2017, 10:52 Hallo Sylvia,

ich weiß, was Du mit Ballast-Abwerfen meinst,
glaube aber nicht, dass dieses Bild wirklich passt. Die Vergangenheit lässt sich nicht abwerfen ... nur tragen oder ertragen. Sie ist ein Teil von uns und formt uns. Nicht umsonst heißt es ja, jeder hat sein Päckchen zu tragen ...
Wenn Du keinen inneren Leidensdruck verspürst, rate ich die Vergangenheit "ruhen zu lassen". Ich habe noch niemanden gesprochen, der auf dieser Suche glücklich geworden ist ... wenn, suche dort nur Gründe aber erwarte keine Lösungen.

Liebe Grüße
Vanessa
Hallo Vanessa,

es gibt ja inneren Leidensdruck, sonst säße ich wohl auch nicht in der Therapie und sonst würden mich diese Fragen nicht so beschäftigen. Und, ja, ich suche vorrangig Gründe, diese Gründe können aber m.E. schon auch zu Lösungen beitragen. Ich habe halt einfach Schwierigkeiten damit, wenn Menschen Vergangenheit einfach ignorieren und begraben wollen. Sowohl, was persönliche Biographien als auch, was die "große" Geschichte angeht. Das "Früher" ist m.E. immer wichtig, um das "Jetzt" zu verstehen.

Lg,
Sylvia
Chiara77
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 8 im Thema

Beitrag von Chiara77 »

Danke Gabi!

Ja ich bin vom Thema anscheinend abgekommen. Es interessiert mich auch weiterhin das Warum. Doch bisweilen bin ich nicht weiter gekommen. Genetik? Sozialisation? Ich meine durch die Untersuchung / Belichtung der einzelnen Bereiche ist dann schon hilfreich. Daher - auch weil es als nebensächlicher Thema in meiner Therapiesitzungen behandelt wird - kam ich bislang noch nicht wirklich weiter.... Die These meiner Therapeutin dass ich in meiner Kindheit so mir Geborgenheit und Wärme zukommen ließ, konnte ich aber schnell abtun, denn ich hab dann etwas ausführlicher über meine Erlebnisse diesbezüglich erzählt. Kann aber durchaus ein Zahn dieser Kreissäge sein ;)

LG,
Chiara
ab08
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 9 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo,

"Warum?" "Woher?" -> An anderer Stelle verwies ich auf Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexualit%C3%A4t
Dort gibt es auch den Abschnitt Ursachen,
Ich kopierte die Teile, mit denen ich für mich persönlich was anfangen kann:

... Harry Benjamin ... Transsexualismus ... Sonderform der Intersexualität
... Mittlerweile stützen einige Untersuchungen, die auf körperliche Ursachen bzw. Prädispositionen hindeuten, die ursprüngliche Vermutung Benjamins. Diese wird mittlerweile durch von Zhou und Kollegen publizierte Daten gestützt.[7][8][9] Sie fanden Hinweise darauf, dass in der pränatalen Entwicklungsphase dieselben Sexualhormone zu unterschiedlichen Zeitabschnitten zum einen die Morphologie der Genitalien und zum anderen die Morphologie sowie die Funktion des Gehirns beeinflussen.

Einer anderen Studie zufolge könnte ein hormonelles Ungleichgewicht während der Embryonalentwicklung dazu beitragen, dass ein Mensch transsexuell geboren wird.[10]

Ein weiteres Indiz dafür, dass Transsexualität höchstwahrscheinlich angeboren ist, ist die frühe Selbsterkenntnis transsexueller Kinder und Jugendlicher. Nach[11] können Kinder durchschnittlich in einem Alter von 8,5 Jahren ihre Geschlechtsidentität zuordnen. In der Studie mit über 100 transsexuellen Kindern und Jugendlichen lag die Bandbreite der Selbsterkenntnis in einem Alter zwischen 4 und 13 Jahren.

...


Mir geht es wie Ysabell: "Meine Gedanken dazu sind, dass es schon wichtig ist zu wissen, woher Trans kommt ..."

Obige Erklärungen reichen mir im Grunde und ich hab auch noch ein Indiz, dass es zumindest in meinem Fall wahrscheinlich so war:

Ich bin eine Hausgeburt. -> Damals(1950) gab es keinen Ultraschall etc. - Meine Eltern wünschten sich beide intensiv /bzw. hofften auf/ ein Mädchen. - Meine Mutter war auch bis zur Geburt überzeugt, dass ich ein Mädchen bin. Als die Hebamme bei der Geburt von einem Knaben redete, war sie überrascht und stritt kurz mit ihr. Nun stellte sich heraus, dass meine Mutter von Anfang an Recht hatte... Auch daher verstanden wir uns nach meinem CO so gut. :wink:

Liebe Grüße
Andrea )))(:

P.S. Meine Transsexualität beschäftigte mich mein ganzes Leben, bis zu meinem CO 2007/2008. -> In der Pubertät und den folgenden Jahren las ich zahlreiche psychoanalytische Bücher und suchte dort Antworten. Es war stets interessant, aber am Ende konnte ich damit im Bezug auf mein Problem wenig anfangen.
Für andere eventuell hilfreich, aber mir half das kaum weiter... :oops:
Zuletzt geändert von ab08 am Sa 3. Jun 2017, 09:34, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 10 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Liebe Andrea,

folgende Gedanken sind als Reaktion auf das von Dir Zitierte gedacht, nicht notwendigerweise an Dich gerichtet.

Der Ansatz, TS als Form der Intersexualität zu betrachten ("Gehirn-IS") ist mir sehr sympathisch, das Heranziehen früher Selbsterkenntnis als *Beweis* für eine angeborene Sitiation allerdings weniger: Es scheint mir auffällig, dass es anscheinend genügend statistische Häufungen in der Altersverteilung der Selbsterkenntnis gibt, dass TS-Forschende bereits länger von "early on-sets" und "late on-sets" sprechen. Das deckt sich auch mit den Beobachtungen, die man hier im Forum machen kann: Beachtlich viele Teilnehmer sprechen von einer Selbsterkenntnis in den 40er und 50er Lebensjahren. (Und heutiger Stand der Medizin ist, dass diese Menschen nicht weniger transsexuell sind als jene, die bereits im frühen Kindesalter darauf hinweisen können, dass ihre geschlechtliche Identität von der Fremd Zuordnung abweicht.)

Da ich keine Medizinerin bin, kann ich nur mutmaßen und die Bruchstücke des mir verfügbaren Wissens einbringen: Auf mich wirkt es, als besäßen TS einen hormonellen Schalter bzw. mindestens eine "Disposition" für spezielle Auswirkungen hormonelle Schwankungen . Einige sind bereits sehr früh (pränatal) "getriggert", so dass sich der Schalter schon vor der Geburt umgestellt hat, andere trifft es erst beim "adulten Hormonwechsel", bei m2f quasi in den "männlichen Wechseljahren" oder bei besonderen Hormonwechseln, bspw. nach entsprechenden Erkrankungen oder Medikation (wobei die Erkrankung meines Erachtens jeweils nur der *Auslöser* für das Sichtbarwerden bzw. "Ausbrechen" des TS ist - die Disposition ist bereits von Geburt an vorhanden).

Liebe Grüße
Jackie
Today is the first day of the rest of my... forget it.
ab08
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 11 im Thema

Beitrag von ab08 »

Liebe Jackie,

danke für Deine Ergänzungen (Wahrscheinlich gibt es mehrere Gruppen/ Alterscluster) und andere Ursachen werden eventuell noch gefunden. Es sind nur Indizien /Häufigkeiten unter gewissen Vorgaben. Sicher kein "Beweis", wobei das mit Beweisen in Naturwissenschaft sowieso so eine Sache ist. Perfekt klappt das eigentlich nur in Mathematik. :lol:

-> Deshalb zitierte ich aus der aktuelle Wikipedia Seite die Teile mit denen ich für mich persönlich was anfangen kann. :wink:

Die Sache ist längst noch nicht abgeschlossen. - In den nächsten Jahren kommen sicher weitere Erkenntnisse dazu.
Andererseits scheint Harry Benjamin vieles bereits ganz gut erfasst zu haben.
Liebe Grüße
Andrea )))(:
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Mina
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Re: Wieso das Warum wichtig ist „ oder auch nicht

Post 12 im Thema

Beitrag von Mina »

Guten Morgen,

Naturwissenschaftlich betrachtet, sehe ich zwar einen Zusammenhang zwischen der Entwicklungsphase eines Embryos und einer späteren hormonellen Einflußnahme unserer Empfindungen. Möchte aber nicht soweit gehen an dieser Stelle bedeutsame Studien in Frage stellen.

Deswegen stellt sich die Frage nach dem "Warum" nicht für mich. In diesem Faden wurden sehr viele unterschiedliche Bereiche angeschnitten und Vermutungen ausgesprochen. Sicher, kann es vielschichtige Gründe geben, Weswegen Trans auftritt oder zu Tage kommt. In meinem Beispiel möchte ich gerne meine Gedanken dazu laut aussprechen.
Wir wissen, das wir alle die selben Hormone in uns haben. Nur in unterschiedlicher Konstellation oder besser Konzentration. Männliche wie auch weibliche. Das sind für mich die körperlichen Grundlegenden in Bezug auf die Einflussnahme des Empfundenen. Hormone steuern.
Das wissen wir. In wiefern unser "Geist" eine Rolle spielt kann ich nur vermuten, da schulmedizinisch eine Seele nur auf philosophischer Ebene existiert. Jeder für sich weiß aber das es eine Seele geben muss.

Wenn in der ersten Zellteilung nach der Befruchtung die genetischen Grundbausteine gelegt wurden, ist das die Basis der voranschreitenden Entwicklung. Ob nun hormonell bedingte Muttergefühle eine tragende Rolle spielen, lasse ich dahin gestellt.
Ich denke, nach vielen Grübelleien, in meinem Fall liegt der kausale Zusammenhang in den Genen meiner Eltern. Ich habe zwei Schwestern und die ersten Monate ging meine Mutter von einer dritten Tochter aus. Der Gyn. belehrte sie in den letzten Schwangerschaftswochen eines besseren.
Lange glaubte man das Geschlecht wird entschieden durch die Zeugungstemperatur.
Heute kann man nicht mehr davon ausgehen. Da ich nun weiß, das ich für die ersten Monate für meine Mutter ein Mädchen war, hat Ihr Empfinden meine Entwicklung beeinflusst? Oder war es umgekehrt und mein sich entwickelnder Embryo hat deutliche Signal an sie versendet? Worauf im Nachhinein die DNA aber einen Penis hat wachsen lassen weil es schlicht im Bauplan hinterlegt war? Dem Bauplan welcher durch die Fusion der beiden Genstränge gezeichnet wurde.

Auch wenn es soviele Studien gibt, ich bin mir unsicher und gehe in vielen Fallbeispielen nicht d'accord weil meine Seele etwas anderes sagt. Nicht zu verwechseln mit "Bauchgefühl".

Ich würde mich freuen wenn der Forschung hier ein Durchbruch gelingen würde und die Welt etwas greifbares hat, was uns das Leben automatisch leichter macht.

Doch ich weiß auch, das es auf naturwissentlichen Wege schwer sein wird die Seele zu beweisen. Bis jetzt liegt sie mehrheitlich noch im spirituellen Bereich.
Und das meinte ich in einem anderen Beitrag. Wenn die Seele weiblich ist, so kann das äusserliche Geschlechtsmerkmal nicht entscheiden was wir sind.

Schöne Pfingsten Euch allen 😘

Mina
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!
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