Tipps zum "reinschnuppern"
Tipps zum "reinschnuppern" - # 3

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Jaddy
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Re: Tipps zum "reinschnuppern"

Post 31 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mo 19. Feb 2018, 11:24

Laila-Sarah hat geschrieben:
Do 18. Jan 2018, 16:32
zu b) Wären wir in der Antike geboren wären wir keine Freaks. Es gibt auch andere Gesellschaften in der Geschichte wo sexuelle Abweichungen nicht verteufelt waren. Den momentanen Freak Zustand haben wir der katholischen Kirche zu verdanken zusammen mit der hoch hochtechnisierten Gesellschaft. Die Kirche hat die sexuelle Binärität als Norm erklärt. Jesus loves you - but only as a boy ;) Man kann Menschen besser kontrollieren wenn man Sie normt (Abweichungen sind Kaka) und ihre Lüste minimiert (Sex nur abends im Ehe-zimmer). Die hochtechnisierten Gesellschaft hat durch ihre Produktionsnormen (Produkte sind absolut identisch durch hohe Qualitätskontrollen und Produktionsstandards) die Menschen dazu gebracht auf alles was von der Norm abweicht mit dem Finger zu zeigen und zu lachen. Zu dick, zu große Nase, zu kleine Brüste. Früher ware Menschen toleranter. Nicht weil sie aufgeklärter waren, sondern weil sie es so kannten von der Natur und dem Lebewesen und Pflanzen.
Bei Referenzen auf frühere Zeit und ferne Kulturen bin ich immer extrem vorsichtig. Einzelne Aspekte mögen da in Berichten ganz nett klingen, aber viele andere wären für uns heutige Menschen sicherlich nicht erstrebenswert.

Viele Kulturen kennen ein drittes oder auch viertes soziales Geschlecht, aber in allen sind auch damit Vorgaben und Einschränkungen verbunden, was Ein&Auskommen, Betätigungen, Beziehungen, Familie und Sexualität betrifft.

"Die katholische Kirche" und "die hochtechnisierte Gesellschaft" sind auch keine aussergesellschaftlichen Naturphänomene, sondern Ausdruck der Wünsche und Bedürfnisse vieler Menschen, die unbewusst und häufig mehr ungeplant zusammenwirken und sich lange halten. Gilt ebenso für die kulturellen Faktoren in anderen Ecken und Zeiten der Menschheit.(*)

Treibende Kraft ist meines Erachtens vor allem ein Bedürfnis: Mensch möchte sich in seiner Umgebung auskennen. Eine einigermassen stabile Vorstellung haben, wie die Welt tickt und was zu erwarten ist für die absehbare Zukunft. Alle Strukturen zielen genau darauf ab. Unsicherheit ist Gift und Verunsicherung / Angst vor der Zukunft mobilisiert die übelsten Kräfte in sonst ganz normalen Menschen. Daher auch das Beharrungsvermögen von Traditionen, Konventionen, Riten.

Die Lösung für uns und andere diverse Menschen ist aber auch recht banal: Stetig zeigen, dass wir existieren und keine Bedrohung sind. Und dass jeder unnötige Konflikt mehr kostet, als er bringt. Dass wir letztlich die gleichen Bedürfnisse haben.

Eigentlich wollte ich noch einen Absatz über die Anfälligkeit von Monokulturen anfügen, aber den spare ich mir erst mal :)

(*) Btw, die kath. Kirche hat viele lokale Riten vereinahmt und christianisiert, die nicht der reinen Lehre entsprachen, aber den Menschen ein Bedürfnis waren. Andere Religionen ebenso. Religionen prägen Menschen, aber letztlich sind sie von den lebenden Menschen geprägte Formen. "Die Technik" wandelt sich bereits in einigen Bereichen unter den Bedürfnissen der Menschen nach individueller Passgenauigkeit von der reinen Massenproduktion zur Losgröße 1. Da sind die unzähligen Varianten bei Autos nur eine schwache Idee.

Laila-Sarah
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Re: Tipps zum "reinschnuppern"

Post 32 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Mo 19. Feb 2018, 16:30

Hallo Jaddy,
Jaddy hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 11:24
Bei Referenzen auf frühere Zeit und ferne Kulturen bin ich immer extrem vorsichtig. Einzelne Aspekte mögen da in Berichten ganz nett klingen, aber viele andere wären für uns heutige Menschen sicherlich nicht erstrebenswert.
Viele Kulturen kennen ein drittes oder auch viertes soziales Geschlecht, aber in allen sind auch damit Vorgaben und Einschränkungen verbunden, was Ein&Auskommen, Betätigungen, Beziehungen, Familie und Sexualität betrifft.
Ich gebe dir da natürlich recht, denn ich bin kein Zeitzeuge der Antike. Aber finde meine Aussagen immer noch schlüssig. Denn wir haben einiges an Informationen von dem was geschrieben und überliefert wurde und ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass früher alles besser war und die Gesellschaft generell und immer viel toleranter war etc. Die Information hier bezog sich spezifisch auf die CD/TS/TV Geschichte. Meine These lautet, dass alle Bereiche des Lebens heutzutage zunehmen genormt und konsolidiert werden und alle Grauzonen zunehmend kartografiert werden und verschwinden. Ich denke früher gingen einfach viel mehr Sachen die heute als "anormal, dies oder das" gelten durch ohne genauer spezifiziert werden zu können. Das wir zunehmend unmöglicher. Lass uns mal von der Antike wegschauen und in die 60er bzw. 70er Jahre blicken. Da konnten Männer sich ziemlich schräg anziehen und das war gesellschaftlich akzeptiert und war nicht als CD oder sonstiges etikettiert. Ich habe Bilder von den 70er von meinen Verwandten die heute definitiv als nicht straight betitelt worden würden. Aber das war alles sehr normal damals. Die Leute haben auch sexuell mehr experimentiert ohne zu riskieren für das Eine oder Andere abgestempelt zu werden. Heutzutage lehnen sich die Leute nicht mehr so weit aus dem Fenster, wenn sie nichts riskieren wollen und die Industrie folgt der Zurückhaltung und so gibt es so gut wie keine Konfektion für Herren was nicht ins enge Korsett der Gesellschaft passt wie Herren sich anzuziehen haben.

Ich hoffe da sind wir uns einig ? Das geht in allen Bereichen weiter. Es gab früher viel mehr Währungen, Automarken. Also kurz Vielfalt. Das sind die Schattenseiten der ständigen Normierungs- und Konsolidierungswahn.
Jaddy hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 11:24
"Die katholische Kirche" und "die hochtechnisierte Gesellschaft" sind auch keine aussergesellschaftlichen Naturphänomene, sondern Ausdruck der Wünsche und Bedürfnisse vieler Menschen, die unbewusst und häufig mehr ungeplant zusammenwirken und sich lange halten. Gilt ebenso für die kulturellen Faktoren in anderen Ecken und Zeiten der Menschheit.(*)
Ich will hier niemandem zu nahe treten. Mit der katholischen Kirche ist es auch so eine Sache: Du siehst, dass ich einen sehr atheistischen Weltbild habe. Aber ich habe da sehr bewusst differenziert und nicht von Religion oder Christentum an sich geredet. Ich habe auch nie behauptet, dass Religionen Naturphänomene sind. In der tat sind Naturphänomene etwas was jegliche Diskussion unnötig macht weil sie einfach passieren und basta. Aber wenn du mir erzählst das Katholizismus ein Ausdruck eines Bedürfnisses und von allen Betroffenen gewollt ist, dann muss ich dir vehement widersprechen. Ich kann nicht glauben, dass mehrere Kreuzzüge, die Auslöschung der Ureinwohner zweier Kontinente und die anschließende Zwangsmissionierung, die Versklavung von Afrika und die jahrhundertelange Kolonialisierung der Welt von der "Religion des Friedens" von allen "Beteiligten" gewollt ist.

Mit der "hochtechnisierten Gesellschaft" ist leider der Glaube der Menschen an die Vielfältigkeit der Natur verloren gegangen. In der Natur variiert alles. Es gibt viele Größen, Formen und Farben für Apfel. In der "hochtechnisierten Gesellschaft" ist alles genormt nach irgendwelchen ISO Normen. Alle Produkte müssen innerhalb von klar definierten Toleranzgrenzen für Qualität und Inhaltsstoffe sein. Alle Packungen müssen in die Regale passen. Das form unterbewusst die Gesellschaft. Die Menschen projizieren diese Maßstäbe auch in ihre Mitmenschen.
Jaddy hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 11:24
Die Lösung für uns und andere diverse Menschen ist aber auch recht banal: Stetig zeigen, dass wir existieren und keine Bedrohung sind. Und dass jeder unnötige Konflikt mehr kostet, als er bringt. Dass wir letztlich die gleichen Bedürfnisse haben.
Da gebe ich dir völlig recht aber möchte auch von dir wissen wie du dazu stehst ? Viele hier im Forum wollen ja gesellschaftlich akzeptiert werden und passen sich mit allen Mittel die Ihnen zur Verfügung steht der Gesellschaft an. Sie wollen "so zu sagen" mit der Umwelt verschmelzen und als Frauen wahrgenommen werden. Bei dir sehe ich da eine Punkrock-Haltung. Ich beziehe das auf deinen Dresscode im allgemeinen. Ich meine rosa Prinzesinnen-Ballkleid und Vollbart sind als Kombination sehr polarisierend. Ist es deshalb weil du die Toleranzen der Normalos höher setzen möchtest ? Das würde der Community helfen. Aber könnte das die 0815 Bürger noch weiter traumatisieren ?

Liebe Grüße
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Jaddy
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Re: Tipps zum "reinschnuppern"

Post 33 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mo 19. Feb 2018, 18:57

Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 16:30
Ich gebe dir da natürlich recht, denn ich bin kein Zeitzeuge der Antike. Aber finde meine Aussagen immer noch schlüssig. Denn wir haben einiges an Informationen von dem was geschrieben und überliefert wurde und ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass früher alles besser war und die Gesellschaft generell und immer viel toleranter war etc. Die Information hier bezog sich spezifisch auf die CD/TS/TV Geschichte.
Also bei Westeuropa bin ich ziemlich sicher, dass es mindestens in den letzten 2000 Jahren dezidierte Kleidungsvorschriften für Männer, Frauen und Kinder gab, und zwar ausserdem schön nach Rang und Ständen sortiert, in Farben und Formen beschränkt. Die Moden wechselten, aber so völlig frei in der Kleidungswahl wie heute war es meines Wissens noch nie.

Auch bei den antiken Gesellschaften Europas würde es mich stark wundern, wenn nicht zwischen Männer- und Frauenkleidung ziemlich genau unterscheidbar gewesen wäre. Bestimmt nach anderen Kriterien als bei uns heute, aber für jeden Zeitgenossen deutlich erkennbar.

Kannst Du da Beispiele bringen, wann und wo es für CD/TV/TS einfacher gewesen wäre als heute?
Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 16:30
Meine These lautet, dass alle Bereiche des Lebens heutzutage zunehmen genormt und konsolidiert werden und alle Grauzonen zunehmend kartografiert werden und verschwinden. Ich denke früher gingen einfach viel mehr Sachen die heute als "anormal, dies oder das" gelten durch ohne genauer spezifiziert werden zu können. Das wir zunehmend unmöglicher. Lass uns mal von der Antike wegschauen und in die 60er bzw. 70er Jahre blicken. Da konnten Männer sich ziemlich schräg anziehen und das war gesellschaftlich akzeptiert und war nicht als CD oder sonstiges etikettiert. Ich habe Bilder von den 70er von meinen Verwandten die heute definitiv als nicht straight betitelt worden würden. Aber das war alles sehr normal damals. Die Leute haben auch sexuell mehr experimentiert ohne zu riskieren für das Eine oder Andere abgestempelt zu werden.
Da habe ich andere Erfahrungen. Zum einen gab es in den 60er und 70er Jahren reichlich Gegenwind für die (insgesamt wenigen) "Hippies", "Gammler", "Ausgeflippten". Noch so um ca. 1982 herum bekam ich in der Strassenbahn von einer betagten Dame zu hören, man solle mir nicht nur die (schulter)langen Haare, sondern auch noch was anderes abschneiden. Well, wenn die oder ich damals schon gewusst hätten... Heute, siehe unten, kein Thema mehr. Haarfarben, Tattoos, Piercings, Klamotten sind heute viel bunter und extravaganter, nicht zuletzt weil die Mode- und andere Industrie begierig jeden Trend aufnehmen und superschnell passende Produkte dazu rausbringen.

Auch die sexuelle Experimentierfreudigkeit war meines Wisens auf eher kleine Gruppen beschränkt. Ich weiss es aus der BDSM-Szene insoweit, dass aus den verhuschten Grüppchen mit konspirativen Treffen und verschwurbelten Magazinen inzwischen eine blühende Szene geworden ist. Meine "old school"-Mentoren hantierten Anfang der 90er noch mit Pseudonymen. "Die Geschichte der O" war indiziert, es gab drei Spezialversender und im Quelle-Katalog gab es ein Modell "Massagestab". Heute kriegt man alles bei Amazon, Durex macht Gleitgelwerbung im Fernsehen und die Sex-Shops sind hell und offen und die Leute gehen einfach vorne rein. Die VHS macht Trantrakurse, in der Brigitte gibt es SM-Tipps. So viel zum Thema Industrie :) Das ist nicht mal Normierung. Das ist fast schon Banalisierung.
Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 16:30
Heutzutage lehnen sich die Leute nicht mehr so weit aus dem Fenster, wenn sie nichts riskieren wollen und die Industrie folgt der Zurückhaltung und so gibt es so gut wie keine Konfektion für Herren was nicht ins enge Korsett der Gesellschaft passt wie Herren sich anzuziehen haben.

Ich hoffe da sind wir uns einig ? Das geht in allen Bereichen weiter. Es gab früher viel mehr Währungen, Automarken. Also kurz Vielfalt. Das sind die Schattenseiten der ständigen Normierungs- und Konsolidierungswahn.
Ich teile einen Teil Deiner Beobachtungen, aber folge nicht Deinen Schlüssen :)

Die Konsolidierung in etlichen Branchen sehe ich auch, aber die Triebkraft ist aus meiner Sicht vor allem Geld. Erstens der Geiz der Kunden, zweitens die Gewinnmaximierung der Firmen. Ein Shirt nur in S, M, L und XL anzubieten ist einfach günstiger als von 32 bis 58 jeweils mit und ohne Taillierung und verschiedenen Ärmellängen.

Währungen, sorry, ich bin Euro-Fan. Ich hab Veranstaltungen in Dänemark gemacht, zu der auch Briten, Österreicher und Schweizer kamen. Ein idiotischer Aufwand.

Bei Autos... Marken gibt es, aber nur wenige Konzerne. Liegt auch an den Kosten für Entwicklung, Produktion, Vermarktung. Ich rechne allerdings mit mehr Vielfalt in Zukunft bei den E-Fahrzeugen. Da kann aus technischen Gründen viel besser modularisiert und OEM-gebaut werden.

Bei der Vielfalt für Männerklamotten gebe ich Dir recht, da wird es erst langsam besser. Aber ich erinnere mich nicht, dass es in den 60er, 70er, 80er Jahren wirklich mehr Vielfalt als heute gegeben hätte. Ist mein Bauchgefühl. Vielleicht können da andere mal Beispiele bringen.

Und Normierung? Da gibt es diese wunderbare Gurkenfabel, bei der angeblich "Die EU", wer immer das auch sein mag, die Gurken normiert und alle anderen verboten hätte. Stimmt ja nicht. Das waren von den großen Handelskonzernen eingetütete Handelsklassen. Und klar haben die Konzerne gesagt, "wir kaufen euch Produzenten nur noch Handelsklasse A ab", weil die gerade Gurken besser stapel- und berechenbar sind. Da wiegen alle Paletten gleich viel. Also vergleichbare Preise und besseres gegeneinander Ausspielen der Produzenten. Und warum? Siehe oben: Kunden wollen billige Sachen, Aktionäre wollen Dividende. Fahr zum Hofladen oder lass dir ne Gemüsekiste vom Hipsterkochlieferservice bringen: krumme Gurken, alte Haustierrassen, seltene Gemüsesorten. Gibt's alles, nur nicht bei Aldi, Rewe, real. Aber der Gegentrend zur Supermarktware existiert - wird aber durch den Reallohnverlust seit Mitte der 80er Jahre gebremst.

Aber von wegen aus dem Fenster lehnen: Ich sehe draussen diverse Stile und Trends nebeneinander. Veganer, Überzeugungsgriller, Outdoorfreaks, urbane Hipster, Musiktrends von Folk bis Metal, Fahrrad-Evangelisten, SUV-Fans, Mittelalterleute, SciFi-Nerds, etc.pp. Und das wird so ingesamt gesehen prima toleriert. Übrigens auch gleichgeschlechtliche Paare, "wilde Ehen", Poly-Familien, usw.

Wir haben eine viel buntere Landschaft als früher, schon weil mittels Internet jede noch so kleine Gruppe zueinander findet - leider auch Verschwörungstheoretiker, Humbug-Gläubige und Faschos. Alle diese Grüppchen werden heute mit Produkten und Medien bedient, je nach Größe und Kaufkraft. Wenn eines heutzutage sicher ist, dann dass jede Marktnische umgehend mit Produkten geflutet wird.
Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 16:30
Jaddy hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 11:24
"Die katholische Kirche" und "die hochtechnisierte Gesellschaft" sind auch keine aussergesellschaftlichen Naturphänomene, sondern Ausdruck der Wünsche und Bedürfnisse vieler Menschen, die unbewusst und häufig mehr ungeplant zusammenwirken und sich lange halten. Gilt ebenso für die kulturellen Faktoren in anderen Ecken und Zeiten der Menschheit.(*)
Ich will hier niemandem zu nahe treten. Mit der katholischen Kirche ist es auch so eine Sache: Du siehst, dass ich einen sehr atheistischen Weltbild habe. Aber ich habe da sehr bewusst differenziert und nicht von Religion oder Christentum an sich geredet. Ich habe auch nie behauptet, dass Religionen Naturphänomene sind. In der tat sind Naturphänomene etwas was jegliche Diskussion unnötig macht weil sie einfach passieren und basta. Aber wenn du mir erzählst das Katholizismus ein Ausdruck eines Bedürfnisses und von allen Betroffenen gewollt ist, dann muss ich dir vehement widersprechen. Ich kann nicht glauben, dass mehrere Kreuzzüge, die Auslöschung der Ureinwohner zweier Kontinente und die anschließende Zwangsmissionierung, die Versklavung von Afrika und die jahrhundertelange Kolonialisierung der Welt von der "Religion des Friedens" von allen "Beteiligten" gewollt ist.
Die äusseren Aktionen wie Kreuzzüge und Missionierung haben zwar mit der Unterdrückung abweichender Lebensweisen und Weltsichten schon etwas zu tun, aber Dir ging es doch vor allem um die Wirkung innerhalb der Gesellschaften, oder? Also genauer darum, dass Abweichler in der unmittelbaren Umgebung sanktioniert wurden. Da bin ich eben der Ansicht, dass dies nicht ohne ein Grundbedürfnis von Otto und Liesa Normalbürger nach "geordneten Verhältnissen" möglich war. Das wechselwirkte natürlich mit den vorhandenen Ordnungsmächten. Vereinfacht: Wenn die Menschen nicht ohnehin eine Abneigung gegen Ungewohntes sozial vererbt hätten, hätte sich die katholische Kirche vermutlich auch anders entwickelt. Ihre heutige, verglichen mit 1500 fast schon humanistische Einstellung kommt ja nicht von ungefähr, sondern wurde von äusseren Kräften bewirkt, denen sich die Kirche anpassen musste, um ihre Kundschaft zu halten.

Kreuzzüge, Zwangsmissionierung, Völkermord und Sklaverei irgendwo anders auf der Welt interessierten mangels Bild- und Ton im Dorf hier nur, wenn die Steuern zu hoch waren oder die Kinder wegrekrutiert wurden.
Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 16:30
Jaddy hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 11:24
Die Lösung für uns und andere diverse Menschen ist aber auch recht banal: Stetig zeigen, dass wir existieren und keine Bedrohung sind. Und dass jeder unnötige Konflikt mehr kostet, als er bringt. Dass wir letztlich die gleichen Bedürfnisse haben.
Da gebe ich dir völlig recht aber möchte auch von dir wissen wie du dazu stehst ? Viele hier im Forum wollen ja gesellschaftlich akzeptiert werden und passen sich mit allen Mittel die Ihnen zur Verfügung steht der Gesellschaft an. Sie wollen "so zu sagen" mit der Umwelt verschmelzen und als Frauen wahrgenommen werden. Bei dir sehe ich da eine Punkrock-Haltung. Ich beziehe das auf deinen Dresscode im allgemeinen. Ich meine rosa Prinzesinnen-Ballkleid und Vollbart sind als Kombination sehr polarisierend. Ist es deshalb weil du die Toleranzen der Normalos höher setzen möchtest ? Das würde der Community helfen. Aber könnte das die 0815 Bürger noch weiter traumatisieren ?
*lach* also Punkrock hat mir noch niemand nachgesagt :)

Ich gehe zwar nicht im Ballkleid raus, dafür wäre es mir zu schade, aber bin ansonsten meist in Rock oder Kleid unterwegs. Der Bart ist inzwischen kürzer aber soll auch weiterhin erkennbar sein. Als Enbi gibt es bisher kaum Stilvorbilder für den Alltag, also trage ich, was ich schick finde.

Mein Alltagslook scheint weder in Bremen und im ländlichen Umland, noch in Hamburg, Berlin oder kleineren Städten wie Uelzen, Freiburg, Oldenburg zu polarisieren. Jedenfalls bekomme ich minimale Reaktionen. Also wenn man sich "aus dem Fenster lehnt", passiert einfach nix. Eine Traumatisierung kann ich mit ziemlicher Sicherheit ausschliessen :)

Ich weiss, dass ich draussen meine ständige kleine Demo bin. Das ist neben meinem eigenen Wohlgefühl auch ein wichtiger Punkt.

Allerdings kann ich auch Transpersonen verstehen, die im Stealth Mode leben möchten. Wer sich prima mit einer der etablierten Rollen identifizieren kann, aber aus einer Laune der Natur heraus biologisch die falschen Signale präsentiert, hat wohl kein Problem mit sozialen Geschlechterkonventionen an sich, sondern nur damit, falsch eingeordnet zu werden.

Dass durch die weitgehende Unsichtbarkeit gut integrierter Menschen nach der Transition die Normalität von Transidentität nicht gerade gefördert wird... tja, doofes Problem.

Für Enbis entfällt diese Möglichkeit. Für uns gibt es keine Anreden, Berufs- oder Verwandtschaftsbezeichnungen, praktisch nirgends die "richtige" Toilette. Wir sind selbst beim Kauf von Klamotten immer in der falschen Rubrik. Egal wie wir uns präsentieren, wir werden meistens binär eingeordnet, weil viele (_noch_) gar nicht auf die Idee kommen, dass eins weder auf die männliche, noch auf die weibliche soziale Rolle eingeschränkt werden will.

Also können wir (Enbis) nur auffallen. Und da ist mein Ansatz: Dann mit (eigenem) Stil.

Mina
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Re: Tipps zum "reinschnuppern"

Post 34 im Thema

Beitrag von Mina » Mo 19. Feb 2018, 19:26

Jaddy hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 18:57
wann und wo es für CD/TV/TS einfacher gewesen wäre als heute?
Ich bin mir sehr sicher, das war es nie. Es ist für mich schlicht eine Illusion zu denken, es hätte keine Konsequenzen - egal in welche Richtung - zu tragen.

Jaddy, Deinen letzten Post unterschreibe ich vom ersten bis zum letzten Buchstaben.

Mir fehlt die Gabe das alles so darzustellen - Du hast es getan. Danke!

Und wer denkt, ich solle jetzt gefälligst nicht ausrutschen, liest den Beitrag von Jaddy einfach nochmal von vorne.

Denn genau das auf den Punkt, beschreibt auch meine Welt und Erfahrungen. Die Welt war tatsächlich nie offener und wirklicher als sie es heute ist.

Das schlechte Gefühl, anders zu sein, ja das kann viel bedeuten. Trotzdem muß man sich nicht bei jedem einzelnen Blick häuten.

Wir leben in einer offeneren Welt als damals, man muß es nur sehen.

Niemand kann uns an die Hand nehmen, uns zeigen "ist doch gar nicht schlimm", nein wir müssen es selbst tun. Angst und Bedenken zu haben ist das Eine, es haben aber auch andere.

Kurz gesagt, auch wenn wir eine noch so kleine Minderheit darstellen, wir haben es schwer mit ca 4% dauerhaft und immer sichtbar zu sein, dennoch haben wir das Recht, gesehen zu werden.

Lasst die Angst los und geht befreit hinaus. Es ist schön da, ganz ehrlich. )))(:

Liebe Grüße
Mina
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

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Re: Tipps zum "reinschnuppern"

Post 35 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Mo 19. Feb 2018, 20:05

Hallo Jaddy,

du hast ein Paar gute Punkte und grundsätzlich sind wir uns auch über sehr viele Fakten einig. Nur reden wir etwas aneinander vorbei. Ich finde was du da sagst nicht falsch aber es is für mich nicht unbedingt das Gegenargument zu dem was ich versuche auszusagen.

Dieses Szenario führt aus Erfahrung leicht zu einer Grundsatzdiskussion mit "ist es nicht", "ist es doch", "nein, ist es nicht". Und dafür sollte uns beiden unsere Zeit, die uns noch auf diesen wunderbaren blauen Planeten bleibt, viel zu schade sein. Oder ? :()b

Allerdings war dein Betrag genau richtig, denn habe ich auch so einiges gelernt:

z.B. was die Abkürzung Enbi bedeutet und wie eine Enbi Person, denkt, fühlt und empfindet. Das ist mein Hauptgewinn bei der ganzen Geschichte. Danke dafür (smili)

Liebe Grüße
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Re: Tipps zum "reinschnuppern"

Post 36 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Mo 19. Feb 2018, 22:34

Vielen, vielen herzlichen Dank
Dir Laila für die tolle Fragen und die tollen Gedanken
und euch allen für die tollen, tollen Beiträge.
WOW
Ich liebe dieses Forum inzwischen.. eine Diskussion wie diese hier ist einfach Gold!

Das mal als Vorrrede.

Ich denke wir haben eine Zeit in der es vor allem in der Wirtschaft Tendenzen gibt die Normierung unterstützen:
Die Wirtschaft versucht uns und vor allem die Kinder Rosa und blauen Produkten ab Kindesbeinen auf Rollen zu prägen, und alle helfen fleissig mit.
Das es Wurst, Gemüse und Bier noch nicht als Mann und Frau Edition gibt ist aber auch fast schon alles. Für die Wirsschaft ein sehr einträgliches Geschäft, das Frauen interessanterweise für ein "weibliches" Produkt durchaus mehr ausgeben als für das Männer für das "männliche" Produkt (stichwort: Pink Tax).
Wundert es uns aber, dass die Menschen um uns herum alles nur noch in die "Schubladen Mann&Frau" stecken wollen, wenn doch all die Dinge um uns herum in diese Dualität unterteilt sind?

Im Privaten hingegen gibt es heute eine größere Anzahl an Lebensentwürfen und Lebensrealitäten als früher, die Vielfalt der Lebensentwürfe im Privaten steigt.
Ich denke es ist ein psychologisches Thema, dass wir vor allem die Lebensentwürfe wahrnehmen die nahe an unseren sind.. und uns unterbewusst mit diesen Vergleichen,
und dann manchmal das Gefühl haben es ist doch alles immer noch genauso eng.. (Aber in der Psychologie bin ich über die Küche nie hinausgekommen ;) )

Spannend finde ich aber, dass sich die Gesellschaft verändert.
Sieht man sich die in den Sozialwissenschaften etablierten 10 Sinus Milieus für Deutschland in den letzten Jahren jan , (mehr hier https://de.wikipedia.org/wiki/Sinus-Milieus),
dann gehen Traditionalisten und die Bürgerliche Mitte langsam zurück .. und Hedonisten und Eskapisten werden mehr.. :)
Es besteht also Hoffnung das die Gesellschaft zumindestens hier etwas lockerer wird.

Was früher war..
nun dass lässt sich schwierig erschliessen. Ich denke verglichen mit der meisten Zeit der jüngeren Menschheitsgeschichte so seit dem Jahre 0 haben wir es mit am besten, auch wenn wir immer
noch gegen Widerstände kämpfen und für Akzeptanz werben müssen.

Für dich Laila:
Von deinem Bild her ist dein Passing toll. Trau dich mal irgendwann raus.. vielleicht wo dich niemand kennt,
vielleicht mit ein paar anderen "Mädels" von hier.
Mich nehmen auch ein paar Mädels diese Woche zu meinem zweiten Mal enFemme mit und ich bin gespannt wie es wird.
Es ist einfach einfacher wenn man nicht alleine ist. Das gibt mir Sicherheit die mir auch bisher fehlt.
VLG
Lorelai
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

Laila-Sarah
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Re: Tipps zum "reinschnuppern"

Post 37 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Di 20. Feb 2018, 15:53

Hallo Lorelei,

Danke für den tollen Betrag und der Statistik. Natürlich hast du recht (wie auch Jaddy und Mina davor), denn es gibt auch so viel positives heut zu Tage was uns Mut macht und unsere Existenz vereinfacht.
Lorelai74 hat geschrieben:
Mo 19. Feb 2018, 22:34
Für dich Laila:
Von deinem Bild her ist dein Passing toll. Trau dich mal irgendwann raus.. vielleicht wo dich niemand kennt,
vielleicht mit ein paar anderen "Mädels" von hier.
Mich nehmen auch ein paar Mädels diese Woche zu meinem zweiten Mal enFemme mit und ich bin gespannt wie es wird.
Es ist einfach einfacher wenn man nicht alleine ist. Das gibt mir Sicherheit die mir auch bisher fehlt.
Zu dieser Erkenntnis bin ich mittlerweile auch gekommen. Einfach mal mit einer CD-Freundin in der Umgebung von Berlin mal ausgehen wäre eine tolle Sache. Nur fehlen zur Zeit die passenden Klamotten zum ausgehen (z.B ein Mantel und Stiefel) und leider auch die CD-Freundin. Teil eins ist einfach. Teil zwei: Vielleicht ergibt sich ja etwas mit der Zeit.

dir auch VLG
The trick is to keep breathing

Lorelai74
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Re: Tipps zum "reinschnuppern"

Post 38 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Di 20. Feb 2018, 17:11

Hallo Laila,

Ja es dauert vielleicht ein wenig die richtige(n) Freundinnen zu finden. Aber das wird.

Mantel und Stiefel habe ich auch nicht und wird bei mir auch schwierig bleiben, auch wenn meine Frau von meiner weiblichen Seite weiß und mich gewähren lässt.
Das wird schon.
Nur Zuversicht
Viele liebe Grüße
Lorelai

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