...und es ist heute nicht einfacher
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Ralf-Marlene
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...und es ist heute nicht einfacher

Post 1 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene » Mo 15. Apr 2019, 17:50

https://www.zeit.de/gesellschaft/famili ... ettansicht
Immer noch die "Scheißschwuchtel"
Homosexualität ist präsenter und normaler geworden: Eigentlich müsste das Coming-out für Jugendliche heute einfacher sein als früher. Aber für viele ist es das nicht.
...
André zum Beispiel lebt in zwei Welten. Die eine teilt er mit Jugendlichen, die ähnlich fühlen wie er, hier ist er glücklich. In der anderen, seiner Hamburger Stadtteilschule, erzählt er niemandem mehr, dass er schwul ist. "In der Schule beiße ich die Zähne zusammen." Bis heute sei "Scheißschwuchtel" die beliebteste Beleidigung unter den Jüngeren, sagt er. André muss nur noch die Abiturprüfungen bestehen, dann ist seine Schulzeit vorüber. Deshalb ist es ihm egal, wenn seine Klassenkameraden nun diesen Text lesen.

Es ist Freitagabend, das Café und die Gemeinschaftsräume im Keller des Magnus-Hirschfeld-Centrums (mhc), einer Begegnungsstätte für Homosexuelle, Transpersonen und Queere in Hamburg, werden voller. Immer freitags treffen sich hier Jugendliche, fläzen sich auf die alten Sofas und Sessel, kickern, trinken was, reden. Für viele von ihnen ist das Zentrum eine wichtige Adresse. André sagt: "Seit ich vor etwa einem Jahr das mhc entdeckt habe, geht es für mich bergauf."
...
Als er in der sechsten Klasse war, hat ein Zwölftklässler ihn als Schwuchtel beschimpft, über ein Geländer geworfen und ihn dabei am Kopf verletzt. André hat deshalb die Schule gewechselt.
Kurz vor dem mittleren Abschluss vertraute er sich auf der neuen Schule seinem besten Freund an und machte wieder eine schlimme Erfahrung: Der Freund erzählte es der ganzen Clique, daraufhin haben ihn die ehemaligen Freunde auf WhatsApp geblockt.
...
Nach dem inneren Coming-out, also dem Zeitpunkt zu dem sie sich selbst über ihre sexuelle Orientierung klar werden, brauchen Jungen im Schnitt drei Jahre, bis sie einer anderen Person davon erzählen. Das hat die Studie Coming-out und dann …?! des Deutschen Jugendinstituts im Jahr 2015 gezeigt. Mädchen brauchen zwar im Schnitt 1,8 Jahre bis zum sogenannten äußeren Coming-out, aber auch sie machen ihre Homosexualität jahrelang mit sich allein aus.

Timmermans sagt, nicht wenige der LGBTQ-Jugendlichen laufen Gefahr, die negativen Folgen des Stresses dieser Zeit ein Leben lang mit sich herumzutragen. Ihre psychische und physische Gesundheit könne dauerhaft darunter leiden, das zeigten verschiedene Studien. Auch die Suizidrate ist höher als unter heterosexuellen Jugendlichen.
...
Ralf-Marlene

Ute2506
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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 2 im Thema

Beitrag von Ute2506 » Mo 15. Apr 2019, 18:49

"Homosexualität ist präsenter und normaler geworden: Eigentlich müsste das Coming-out für Jugendliche heute einfacher sein als früher. Aber für viele ist es das nicht."
Ja, wenn man das eindimensional betrachtet dann könnte man denken dass es heute einfacher sein müsste: weil man ja öffentlich drüber redet, weil es Vorbilder gibt die 'anders' sind, müsste es akzeptiert sein.

Ein Hinweis, warum es nicht einfacher ist, liefert die ZEIT zum Glück gleich mit, Zitat: "Bürgermeister, Firmenchefinnen, Lehrer: Viele Menschen gehen offen damit um, dass sie homosexuell sind."
Die Beispiele sind alle aus der oberen Etage der Werteskala.

Wenns dann doch nicht so einfach ist, gehts vielleicht um die soziale Rangordnung in der Gruppe. Hier ist es leider ein beliebtes Mittel, über Vorurteile seinen eigenen Status zu festigen, oder den Status des anderen abzuwerten. Beispiele die auf den Status zielen, gibts genug. Untersuchungen dazu gibts auch. Grund genug auch für Fussballer, sich eben nicht zu outen (hier gibts sogar gut dokumentierte homophobe Äußerungen seitens des Trainers...)

Wer gern noch mehr Lesestoff mag:
https://www.spektrum.de/lexikon/biologi ... nung/55610
https://www.bpb.de/izpb/9680/was-sind-vorurteile?p=all

lexes
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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 3 im Thema

Beitrag von lexes » Mo 15. Apr 2019, 19:03

das


ist


einfach


nur


traurig


Ein Problem einer noch Immer nicht aufgeklärten Gesellschaft .... dabei ist die Sachlage so glockenklar ... Wie bitter

Laila-Sarah
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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 4 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Mo 15. Apr 2019, 19:39

Hatte ich letztens wieder:

S-Bahn, Heimfahrt, eigentlich ein toller Abend. Steigen doch 2 junge Glatzen (so ca. 16-18 Jahre) in das fast leere Wagon und setzen sich gegenüber. Erst wird geglotzt, erst ganz positiv und ich ahne schon böses, dann stößt einer mit dem Ellenbogen auf einen anderen und sagt zu den Kollegen noch für mich hörbar: "du, das ist keine echte Frau", dann vorschülerhaftes Gegrinse und aufgeregtes Genuschel. Danach meine einer von denen "hey Süße rede mal, ich will deine Stimme hören". Im gleichen Augenblick kamen zum Glück einige arabisch sprechende Jungs herein und die Aufmerksamkeit galt auf einmal den Ausländern. Man war ich froh darüber und bin gleich die nächste Station ausgestiegen. Als Verabschiedung gab es ein "geh nur du Sch***z lutschende Schw*****el und grüß deinen Stecher" hinterher. Es war ein ziemlich kafkaeskes Ereignis und die ganze positive Energie war leider auch flöten. Aber hinterher denke ich, ist es sogar Glück im Unglück gewesen.

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Jasmine
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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 5 im Thema

Beitrag von Jasmine » Mo 15. Apr 2019, 20:54

Nein, einfacher wird es manchmal nicht. Aber ich sehe es immer aus folgender Perspektive:
Nicht ich habe ein Problem, sondern die die sich nicht an gesellschaftsübliche Umgangsformen
halten. Früher hätte mich sowas noch beeinträchtigt, heute habe ich genug Selbstvertrauen
um über solchen Anfeindungen zu stehen.
Liebe Grüße Jasmine
Ich bin wie ich bin --- Ich lebe meinen Traum

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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 6 im Thema

Beitrag von FallenMycraft » Mo 15. Apr 2019, 21:09

Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 19:39
Hatte ich letztens wieder:

S-Bahn, Heimfahrt, eigentlich ein toller Abend. Steigen doch 2 junge Glatzen (so ca. 16-18 Jahre) in das fast leere Wagon und setzen sich gegenüber. Erst wird geglotzt, erst ganz positiv und ich ahne schon böses, dann stößt einer mit dem Ellenbogen auf einen anderen und sagt zu den Kollegen noch für mich hörbar: "du, das ist keine echte Frau", dann vorschülerhaftes Gegrinse und aufgeregtes Genuschel. Danach meine einer von denen "hey Süße rede mal, ich will deine Stimme hören". Im gleichen Augenblick kamen zum Glück einige arabisch sprechende Jungs herein und die Aufmerksamkeit galt auf einmal den Ausländern. Man war ich froh darüber und bin gleich die nächste Station ausgestiegen. Als Verabschiedung gab es ein "geh nur du Sch***z lutschende Schw*****el und grüß deinen Stecher" hinterher. Es war ein ziemlich kafkaeskes Ereignis und die ganze positive Energie war leider auch flöten. Aber hinterher denke ich, ist es sogar Glück im Unglück gewesen.

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Ohh mein Gott, wie schlimm ist das denn. Da hast du wohl wirklich Glück im Unglück gehabt. Genau das sind die Gründe, warum mich meine Frau nicht gedresst in die Bochumer Innenstadt lässt. Ich kann mir gut vorstellen, dass einem das den ganzen Tag versauen kann! Ich schicke Dir mal eine virtuelle Umarmung rüber. (dr)

LG Daniela (flow)
"Imitation ist die höchste Form der Bewunderung" - Lt. Cmd. Data, Star Trek TNG

MichiWell
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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 7 im Thema

Beitrag von MichiWell » Mo 15. Apr 2019, 22:39

Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 19:39
Hatte ich letztens wieder:
Hallo Laila,

fühle dich einfach mal ganz lieb gedrückt. (dr)

Michi
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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 8 im Thema

Beitrag von MichiWell » Mo 15. Apr 2019, 22:43

Jasmine hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 20:54
Nicht ich habe ein Problem, sondern die
Hallo Jasmine,

ganz nüchtern betrachtet hast du natürlich Recht. Aber es nützt dir/mir/uns recht wenig, wenn die, die Probleme haben, uns dann welche machen, indem sie übergriffig werden und uns bedrohen.

Liebe Grüße
Michi
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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 9 im Thema

Beitrag von Helga » Mo 15. Apr 2019, 23:07

Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 19:39
Hatte ich letztens wieder:

S-Bahn, Heimfahrt, eigentlich ein toller Abend. Steigen doch 2 junge Glatzen (so ca. 16-18 Jahre) in das fast leere Wagon und setzen sich gegenüber. Erst wird geglotzt, erst ganz positiv und ich ahne schon böses, dann stößt einer mit dem Ellenbogen auf einen anderen und sagt zu den Kollegen noch für mich hörbar: "du, das ist keine echte Frau", dann vorschülerhaftes Gegrinse und aufgeregtes Genuschel. Danach meine einer von denen "hey Süße rede mal, ich will deine Stimme hören". Im gleichen Augenblick kamen zum Glück einige arabisch sprechende Jungs herein und die Aufmerksamkeit galt auf einmal den Ausländern. Man war ich froh darüber und bin gleich die nächste Station ausgestiegen. Als Verabschiedung gab es ein "geh nur du Sch***z lutschende Schw*****el und grüß deinen Stecher" hinterher. Es war ein ziemlich kafkaeskes Ereignis und die ganze positive Energie war leider auch flöten. Aber hinterher denke ich, ist es sogar Glück im Unglück gewesen.

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Hallo Laila-Sarah,
der Anfang deiner Scjilderung deutet darauf hin, dass dies kein spezifisches Crossdresser- Erlebnis war. Die Honks waren auf der Suche nach einem weiblichen "Opfer". Eine Bio- Frau wäre vermutlich auch mit Sprüchen aus der untersten Schublade und (un)zweideutigen Angeboten belästigt worden. Ich kann nicht einschätzen ob die Berliner Glatzen sich mit einem lässigen Spruch abfertigen lassen oder ob die Hemmschwelle zuzuschlagen sehr tief liegt. Ich denke ein Pfefferspray in der Handtasche (wie bei meiner Frau) bringt da ein wenig Selbstbewusstsein.
Liebe Grüße
Helga
Du hast nur ein Leben und du hast nur einen Körper - mach aus Beidem das Beste!

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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 10 im Thema

Beitrag von MichiWell » Mo 15. Apr 2019, 23:15

Helga hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 23:07
Ich denke ein Pfefferspray in der Handtasche (wie bei meiner Frau) bringt da ein wenig Selbstbewusstsein.
Allerdings sollte man die nötige Übung haben, und auch keine Skrupel, das Zeug im Ernstfall ohne Rücksicht einzusetzen. Ansonsten bringt man sich selbst noch mehr in Gefahr.

Ich würde eher einen Taschenalarm empfehlen. Den kann der Angreifer nicht gegen mich einsetzen.


Beste Grüße
Michi
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Laila-Sarah
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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 11 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Di 16. Apr 2019, 01:12

FallenMycraft hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 21:09

Ohh mein Gott, wie schlimm ist das denn. Da hast du wohl wirklich Glück im Unglück gehabt. Genau das sind die Gründe, warum mich meine Frau nicht gedresst in die Bochumer Innenstadt lässt. Ich kann mir gut vorstellen, dass einem das den ganzen Tag versauen kann! Ich schicke Dir mal eine virtuelle Umarmung rüber. (dr)

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Danke, Daniela. Solche Sachen passieren und zum Glück sehr selten aber ganz ehrlich gesagt geht mir diese ständige Opferrolle in der man ständig gesehen wird mächtig auf den Keks. Da muss in der Gesellschaft sehr viel passieren, damit Täter Skrupel bekommen.
MichiWell hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 22:39
Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 19:39
Hatte ich letztens wieder:
Hallo Laila,

fühle dich einfach mal ganz lieb gedrückt. (dr)

Michi
Danke Michi. Ich fühle mich schon viel besser (ki)
Helga hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 23:07

Hallo Laila-Sarah,
der Anfang deiner Scjilderung deutet darauf hin, dass dies kein spezifisches Crossdresser- Erlebnis war. Die Honks waren auf der Suche nach einem weiblichen "Opfer". Eine Bio- Frau wäre vermutlich auch mit Sprüchen aus der untersten Schublade und (un)zweideutigen Angeboten belästigt worden. Ich kann nicht einschätzen ob die Berliner Glatzen sich mit einem lässigen Spruch abfertigen lassen oder ob die Hemmschwelle zuzuschlagen sehr tief liegt. Ich denke ein Pfefferspray in der Handtasche (wie bei meiner Frau) bringt da ein wenig Selbstbewusstsein.
Liebe Grüße
Helga
Hallo Helga. Zuerst einmal sahen die Jungs überhaupt nicht nach Berliner aus. Hatten T-Shirts mit irgendwas mit Thüringen an. Und vielleicht hätte es ja auch nicht eskaliert aber so sicher kann man sich nicht sein. Jedoch war der "Abschiedsspruch" doch ein Zeugnis von extremer Homophobie. Und ob wohl wir ja als CDs nicht unbedingt Homosexuell sind, scheint es der Grund gewesen zu sein warum ich bei denen beiden als Feind angesehen worden bin. Und da es ja um Homophobie bei diesem Thread ging, dachte ich passt es hier gut herein. Diese Leute dichten uns jenes an und stören sich auch an am meisten daran. Wie es schient. Sprich die denken, dass ich mich als Homsexueller so an "normale" Männer erschleiche. Wobei welcher gesunde Mensch würde sich an die beiden erschleichen?

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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 12 im Thema

Beitrag von Jasmine » Di 16. Apr 2019, 08:03

MichiWell hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 22:43
Hallo Jasmine,

ganz nüchtern betrachtet hast du natürlich Recht. Aber es nützt dir/mir/uns recht wenig, wenn die, die Probleme haben, uns dann welche machen, indem sie übergriffig werden und uns bedrohen.

Liebe Grüße
Michi
Da hast du natürlich Recht. Aber was bleibt mir denn sonst für eine Option?
Ich habe die Angst abgelegt, weil ich mein Leben nicht von anderen bestimmen lassen will.
Daraus ziehe ich auch mein Selbstbewusstsein. Ich kann Gewalttaten gegen meine
Person nicht verhindern, aber die Frage ist, wie ich leben will.
Wichtig ist mir, mich vorausschauend in der Öffentlichkeit zu bewegen, Konflikten
schon im Vorfeld aus dem Weg zu gehen.
Um es gleich anzumerken, es gab schon Übergriffe. Anfänglich hatte es mich belastet,
aber ich stellte mir bald die Frage "Wie will ich leben?" Will ich mich verstecken und vor allem+
will ich mein Leben von dieser Angst beherrschen lassen?
Dies ist nur meine Sichtweise dieser Dinge und wie ich damit umgehe.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 13 im Thema

Beitrag von Viggy » Di 16. Apr 2019, 10:45

der Anfang deiner Scjilderung deutet darauf hin, dass dies kein spezifisches Crossdresser- Erlebnis war.
Auch wenn die Jungs evtl. erst mal auf bioweibliche 'Gesellschaft' aus waren, so ist es dann doch ein typisches Crossdresser-Erlebnis.

So lange die Populisten und Rechten weiterhin Tiefschwarze und Halbbraune (politisch, nicht Hautfarbe) auf ihre Seite ziehen, wird das auch in Zukunft nicht einfacher für uns werden, auch wenn unsere Welt vermeintlich immer moderner wird.
Ich fürchte auch, dass hier ein neues Phänomen Besserung verhindern wird, das ist der zunehmende Anteil an Migranten im Umfeld und vor allem an den Schulen. Ich will jetzt hier nicht falsch verstanden werden und es liegt mir fern, gegen Ausländer loszuziehen, ich habe prinzipiell kein Problem mit dem Thema. Aber zu den von zuhause geprägten Dumpfbacken kommen nun auch Migranten, und vor allem islamisch geprägte Jugend wächst meist in einem ganz anderen Umfeld auf, die Toleranz zu solchen Themen liegt da natürlich auf einem anderen Niveau und das wird nun auch vermehrt in die Schulen getragen. Eine Horde jugendlicher mit patriarachalisch geprägter Erziehung findet es schnell mal cool, Menschen lächerlich zu machen, die nicht in ihre Gedankenwelt passen und mit steigendem Anteil wird es auch für tolerante Jugendliche immer schwieriger ihre Toleranz auch zu vertreten, oder gar sich dem coolen Kreis nicht anzuschließen.

Es mag sehr pessimistisch sein, aber Ich denke es ist noch ein sehr langer Weg, bis Homosexuelle, Transgender, und etc. wirklich frei, toleriert und gleichberechtigt leben können.

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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 14 im Thema

Beitrag von Phi » Di 16. Apr 2019, 14:46

Jasmine hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 20:54
Nein, einfacher wird es manchmal nicht. Aber ich sehe es immer aus folgender Perspektive:
Nicht ich habe ein Problem, sondern die die sich nicht an gesellschaftsübliche Umgangsformen
halten.
Diese Perspektive finde ich gut und hilfreich.
MichiWell hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 22:43
ganz nüchtern betrachtet hast du natürlich Recht. Aber es nützt dir/mir/uns recht wenig, wenn die, die Probleme haben, uns dann welche machen, indem sie übergriffig werden und uns bedrohen.
<das ist jetzt auch nur meine persönliche Sicht>
Ich denke, dass gerade diese (von Jasmine genannte) Herangehensweise hilft. Was ich beeinflussen kann, das bin ich, bzw. meine Reaktionen.

Wenn eine Person verletzende Worte spricht und ich diese aufgreife (also persönlich nehmen), dann ist dies schon der Treibstoff für meine nachfolgenden Gedanken und Gefühle darauf, dann spüre ich Verletzung, unangenehme Gefühle, Abwehr, ...
Wenn ich die Worte zwar höre, sie aber nicht aufgreife/annehme/"mir zu eigen mache", dann gehen sie einfach vorbei, ohne dass ich ein Gefühl der Verletzung oder des Schmerzes ausbilde, ohne dass ich Gedanken dazu erzeuge.

Und falls es trotzdem passiert, dass ich die Worte annehme/aufgreife, dann kann ich auf meine Reaktion schauen und versuchen, diese loszulassen und zu sehen, wie diese vergehen.

Mal fällt es mir leichter, mal schwerer - für mich funktioniert es.

Liebe Grüße
Phi

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Re: ...und es ist heute nicht einfacher

Post 15 im Thema

Beitrag von Ute2506 » Di 16. Apr 2019, 18:32

...erlaubt mir noch einen kleinen Ausflug in die Problematik der sozialen Rangordnung, erklärt an einem ironisch-drastisch überzeichneten Beispiel.

Zwei durchschnittliche Jungs, so 16-18 Jahre alt aus einem durchschnittlichen Bundesland, verabreden sich in Berlin um eine Frau in der S-Bahn anzubaggern. Natürlich um anschliessend, daheim in ihrer Peergroup, eine Rangstufe aufsteigen zu können. Dazu beschliessen sie, sich die Haare kurz zu schneiden und Springerstiefel anzuziehen, um sich klar nach außen als 'harte Jungs' abzugrenzen.
- Zuerst stellen sie fest, dass es in Berlin am Alexanderplatz überhaupt nicht auffällt wenn sie kurze Haare und Springerstiefel tragen. Also erstmal kein Punkt der sich in der Rangordnung auswirken würde.

In der S-Bahn treffen sie ein gutaussehendes (Trans-)mädel. Da sie ein klares Ziel haben, setzen sie sich gegenüber und starten einen Flirt der erste Früchte trägt. Dann fällt dem einen auf, dass das keine Bio-Frau ist.
- Der es früher gemerkt hat, ist nun rangmäßig im Vorteil gegenüber demjenigen, der es später gemerkt hat.
- derjenige, der es zu spät gemerkt hat, muss seinen Rang wieder korrigieren und beginnt mit Beleidigungen.
- die Sache schaukelt sich hoch, da jeweils der eine gegenüber dem anderen einen Punkt auf der Rangskala erringt, schliesslich war man ja wegen der Rangordnung in die S-Bahn gestiegen


Wenn man nun als Transmädel anfängt mit den zweien stärker zu interagieren, gibt es zwei mögliche Ausgänge:
- Das Mädel ist Sieger, und mindestens einer der Jungs steht als Verlierer da
- das Mädel ist Verlierer, und beide Jungs haben einen Punkt in der Rangordnung bekommen


Sollte man Sieger sein weil man schlagfertig pariert hat, steht es 2 Glatzen gegen ein Transmädel, also nicht so gut für den weiteren Fortgang der Interaktion. 2 gegen 1 ist eine Situation, die man nicht mehr so einfach gewinnt.
Sollte man Verlierer gewesen sein und es ist einem nichts körperliches passiert, hatte man zwar Glück, aber man fühlt sich hinterher schlecht (weil man auf der Rangstufe gegenüber den zweien abgestiegen ist).

Mein persönliches Fazit:
In so einer Situation unter keinen Umständen interagieren, sondern versuchen 'nicht da sein'. Z.B. Buch lesen, Zeitung lesen, aus dem Fenster schauen. Dadurch minimiert man die Ansatzpunkte für einen Konflikt der einen herunterzieht. Die Jungs werden sich ein lohnenderes Ziel suchen um ihren Status aufzubessern.

LG,
Ute

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