Körper gegen Gefühl
Körper gegen Gefühl - # 6

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ExuserIn-2017-12-27
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Re: Körper gegen Gefühl

Post 76 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2017-12-27 » Mi 8. Nov 2017, 19:48

achso ich jammer nicht , wenn man aber 4 Monate massive Schmerzen im Unterleib hat vergeht einem das Lächeln.

Du schreibst man soll einfach so sein und sich freuen ... leider klappt das nicht bei allen wie oben beschrieben und da gehts nicht um mich sondern alle Menschen mit Körperdiskrepanz.

Mina
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Re: Körper gegen Gefühl

Post 77 im Thema

Beitrag von Mina » Mi 8. Nov 2017, 20:18

uta hat geschrieben:
Mi 8. Nov 2017, 19:48
Du schreibst man soll einfach so sein und sich freuen ... leider klappt das nicht bei allen wie oben beschrieben und da gehts nicht um mich sondern alle Menschen mit Körperdiskrepanz.
Uta, ich habe Dich längst verstanden. Ich kann zwar nicht in Dich reinfühlen aber ich verstehe was Du meinst. Trotz allem hast Du Dein Ziel erreicht - Du fühlst Dich wohl und kannst Deinen Weg hin zum "Wohlfühlen" teilen. Erfahrungen und Misstände teilen. Und auch das ist es was es bedeutet: Nimm Dich an. Kämpfe für Dich. (flo)
Und ich wünsche Euch allen ein erfülltes Leben. Macht´s gut, bleibt Euch treu.

ChrisTina73
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Re: Körper gegen Gefühl

Post 78 im Thema

Beitrag von ChrisTina73 » Mi 8. Nov 2017, 21:45

Hallo Mädels, Hallo Männers (falls welche mitlesen),

@ Anja, nicht geklaut, auch wenn die Reihenfolge des Threads was anderes sagt. Als ich früher sehr viel Musik gemacht habe, merkte ich oft, das es scheinbar "Schwingungen" zu gewissen Zeiten gibt, die parallel von mehreren Menschen gleichzeitig unabhängig voneinander wahrgenommen wurden, erkennbar an gleichen Song Ideen, die man sich später nach "fertiger" Produktion gegenseitig die Demos präsentierte. Zu dieser Zeit gabe es diese Informationsvielfalt im Internet noch nicht mit nem 19k Modem, wo man jede Minute bezahlen musste ;)

Aber um mal zurück zum Thema zu kommen. Wir denken, das die Welt schon immer so war wie sie ist. doch gab es auch eine Zeit vor der Industriealisierung und Bildung für alle, wo der Mensch einfach Mensch war. Wem interessierte, was Bauer X für ein Mensch war oder der Wanderarbeiter oder machte sich Gedanken, warum ein Mensch so ist wie er ist? Und wer sollte es überliefern, das die Individuen damals so interessant waren, als das man darüber redete? Als der Großteil der Menschen anfingen, Tür an Tür zu wohnen, fing damit nicht auch das vergleichen und das intensive Wahrnehmen der kleinen Unterschiede an? Warum wurde zum Beispiel die Homosexualität unter jungen Männern im antiken Griechenland geradewegs gefördert? (https://de.wikipedia.org/wiki/Homosexua ... iechenland) und auch die Sexualität zwischen Jugendlichen und "älteren" Männern kein Tabu, sofern beide es wollten.
Welche Wirkung hatte der "Missbrauchsskandal" in katholischen Interaten? Wie fühlt sich ein Jugendlicher, dem es wirklich gefallen hat und der es auch wollte (wer traut sich das überhaupt vorzustellen von den vielen "konditionierten Menschen", die sich dadurch nur in ihren Ansichten bestätigt fühlen)? Wir dürfen nicht vergessen, das es auch nur Menschen mit persönlichen Prägungen sind, die solche Steine ins Rollen bringen und in den Medien streuen, und ich weiß, das ich grad zu Beginn der Pubertät sehr neugierig war und wir mal 3 Jungs waren ;) letztendlich gingen wir aber nicht sehr weit und fanden es wesentlich erregender, uns Fotos von nackten Frauen anzuschauen :D
Das zum Thema Körper.

Wie sieht es mit dem Gefühl aus?
Wenn ich zurück denke, verhielt ich mich bis zum einsetzen der Pubertät Jungs Gegenüber anders als den Mädchen und auch das Spielen war anders. und wenn mich ein Mädchen interessierte, war ich auch manchmal verlegen und hatte Angst, sie könnte mich nicht mögen. Mit Einsetzen und Fortschreiten der Pubertät wurde ich jedoch sensibler. Ich wurde unsicher bzgl. meiner Männlichkeit, war Anfangs von der Körpergröße ziemlich klein geraten und auch eher zierlicher rückblickend. Auch meine Männlichkeit im "primitven" Sinne betrachtend empfand ich mich als zu klein bestückt (genannt "Schwanzvergleich"), das aber damals schon sehr bewußt, was meine "Komplexe" zusätzlich verstärkte.
Dann wiederum schämte ich ich mich oft für meine "triebhafte" Natur im Inneren und manchmal fragte ich mich schon, wie es wohl wäre, ein Mädchen zu sein, auf der anderen Seite wollte ich aber immer eine feste Freundin mit allem drum und dran haben, war aber nicht grad der Typ Mann, auf den die Frauen fliegen. Dafür war ich damals zu weich und sensibel.
Ich war ein guter Zuhörer, war sehr verständnisvoll, zu verständnisvoll. mit dem Unterschied, das ich mich jetzt auch Männern gegenüber so verhielt, was viele als "schwul" interpretierten, selbst die Frauen, denen Gegenüber ich meine sexuellen Regungen "verweigerte" und verdrängte aus Angst, das Bild zu vermitteln, nur das eine zu wollen ;)

Was das ganze natürlich nicht einfacher machte war die Tatsache, das ich als Scheidungskind allein bei der Mutter (sie war noch 18, als ich geboren wurde und hatte sich immer ein Mädchen gewünscht und als sie nach der Geburt erfuhr, ich bin ein Junge, mußte sie erstmal im Buch nach n Namen schauen) aufgewachsen, zum "Tröster" und "Modeberater" wurde :D also nicht unbedingt Umstände, die förderlich für eine männliche Identität sind. Den Vater, neu verheiratet und 3 weitere Töchter und 2 weitere Söhne, empfand ich auch eher distanziert, wenn ich am Wochenende bei ihm war. Er trank oft, war jetzt nicht gewalttätig, aber lebte doch eher in einer anderen Welt. Er hatte seine Familie und manchmal fühlte ich mich dort wie ein "Fremdkörper", nicht richtig dazugehörend. Das meine 2 Halbbrüder auch richtige "Eigenbrödler" sind, sei nur am Rande bemerkt.
Woran mach ich also fest, was männlich und was weiblich ist, das ich beurteilen könnte, ich bin innerlich eine Frau? Rein "Entwicklungstechnisch" hätte ich wohl die besten Voraussetzungen und es wäre für mich bestimmt ein leichtes, das einem Psychologen zu "verklickern".

Es existiert in/durch meine/n Augen in jeder Psyche eine "Sollbruchstelle" (Nichts ist so starr, als das es unerschütterlich wäre), die so individuell ist, wie jeder Einzelne von Uns. Und doch hat das, was an die Oberfläche gekommen ist, bei uns allen das selbe Bild: "Frau/Weiblichkeit", also muß es ein "archetypisches" Bild sein, so ursprünglich, das jeder einzelne von uns es mit eigenen Inhalten und Ausdrücken/Äusserlichkeiten "schmückt", um es zu begreifen und nach dem Ursprung sucht.
Und doch lässt es einen nicht los. Das nennt man wahrlich "Ergriffen sein".

@Frauke: Ich denke eher, mit dem Alter kommt auch mehr innere Gelassenheit, Dinge zuzulassen, die man vorher nicht für möglich hielt.

Ist die Vergangenheit ein Traum, so ist die Zukunft ein Wunsch. Wir reden von der Vergangeheit, als wenn sie heute real ist - geschmückt mit heutigen Gedanken und Worten - und doch hatten wir damals nur eine leise Ahnung, das sich dahinter etwas Großartiges verbergen könnte. NUN trauen wir unseren Gefühlen, erkennen ohne Zweifel Ihre "Richtigkeit" an und sind doch oft überfordert, es im richtigen Licht zu betrachten und das "Richtige" zu tun.

LG

ChrisTina


Mußt ins Breite dich entfalten,
Soll sich dir die Welt gestalten;
In die Tiefe mußt du steigen,
Soll sich dir das Wesen zeigen.
Nur Beharrung führt zum Ziel,
Nur die Fülle führt zur Klarheit,
Und im Abgrund wohnt die Wahrheit.

Friedrich von Schiller


Ach übrigens: https://www.fem.com/leben-familie/Milch ... en-stillen
Der Weg hinein scheint für viele rückblickend der Schwierigste, aber auch nur, weil sie den Weg heraus noch nicht gefunden haben...

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Re: Körper gegen Gefühl

Post 79 im Thema

Beitrag von juli » Do 9. Nov 2017, 00:17

Moin Conny Andrea
Wenn der Körper und das Gefühl/Geschlechtsidentität/Geist ..., nicht übereinstimmen, kann dann nur der Körper angepasst werden?

Kann nicht auch das Gefühl/Geschlechtsidentität/Geist .... , in irgendeiner Weise verändert werden.
Jetzt melde ich mich auch noch mal ...
mach schon Spass all das zu lesen ;-)

Du willst den Körper so anpassen dass ... Gefühl/Geschlecht/Geist ... in Einklang sind.
Oder fragst ob Diese durch Veränderung in Einklang gebracht werden können.

Ich sag mal ----Klar das geht beides ---

Aber ... Mit welchem Ziel, wie erlebst du Einklang?
Indem dein Geist, dein Körper die Gesellschaft Dir stimmiger erscheinen? ... Du legst am Ende doch deine Regeln für dich selbst fest!

Ich würde jetzt drei Dinge differenieren und neu sortieren wollen:
1. Körper kannst du verändern ...tut er übrigens ständig selbst (zB. Alterungsprozess, Selbstheilung ....Haare grau färben ;-)
2. Geist kannst du aktiv selbst verändern ... hat sicher eine Rückkopplung auf deinen Körper
z.B. indem du lernst Dinge so zu nehmen wie sie sind, bzw. aktiv zu verändern (Bierbauch vs. Diät > das macht natürlich was mit deiner Körperwahrnehmung)

3.Ich würde sagen Gefühle sind der "Botenstoff" zwischen Körper und Geist ... Gefühle verändern sich natürlich ebenso wie Körper und Geist ...
sind aber ggf nicht so einfach anzupassen bzw. zu verändern wie der Körper oder deine Geisteshaltung.


4. Seele jetzt wirds interessant ...
Hat die Seele eine Geschlechtsidentität?
Verschmilzen in der Seele Körper und Geist im "Einklang" miteinander?

Du fragst nach den Möglichkeiten der Anpassung
Ich denke es geht viel mehr um sich ANNEHMEN als sich Anpassen.
Die Zukunft war früher auch besser

Conny-Andrea
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Re: Körper gegen Gefühl

Post 80 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea » Do 9. Nov 2017, 07:38

Hallo ihr Lieben,

Junge, Junge, ich bin verblüfft wie viel verschiedene Antworten und genauso viel verschiedene Sichtweisen meine einfache Frage ausgelöst hat. Aber ich freue mich darüber sehr, denn ich verstehe dadurch vieles besser. (yes)

Bestimmt geht es einigen anderen auch so. Meine Eingangsfrage würde ich mittlerweile als beantwortet bezeichnen (siehe u.a. Post 56 von Jackie und Post 65 von Uta). :()b

Durch die vielen Meinungen haben sich aber auch neue Fragen und Antworten ergeben. Ich versuche mal einige davon zu benennen.


@ Vicky
Vicky_Rose hat geschrieben:
Mi 8. Nov 2017, 15:51
Die Veränderungen herbei zu führen, die wir uns wünschen, heißt das nicht, dass wir in diesen tiefen Bereichen nichts ändern können. Im Gegenteil, es wäre verwunderlich, wenn wir in uns etwas "hardwaremäßig" Verdrahtetes haben sollen, wenn alles andere veränderlich ist.
Der Zeitungsartikel aus Post 65 widerspricht da ganz eindeutig. Auszug aus diesem Artikel: Der niederländische Neurobiologe am Amsterdamer Institut für Hirnforschung, Dick Swaab, hat bereits 1995 im renommierten Wissenschaftsmagazin „Science“ einen Artikel über seine Forschungen veröffentlicht: An sechs verstorbenen Transsexuellen, geboren in männlichen Körpern, hat Swaab Nervenknötchen in der Gehirnregion Hypothalamus nachgewiesen, die typisch für Frauengehirne sind.

Ich persönlich hätte eher gedacht, dass man die Psyche beeinflussen kann um die Geschlechtsidentität zu verändern. Nach diesem Zeitungsartikel scheint das aber nicht möglich. Wobei sich jetzt die Frage stellt, ob diese Nervenknötchen sich erst gebildet haben, weil die Menschen sich weiblich verhielten/dachten.


@ Mina
Mina hat geschrieben:
Mi 8. Nov 2017, 19:26
Warum hast Du dann "theoretisch" Frauensachen in Deinem Profilbild an?
Diese Frage verstehe ich nicht. Wieso "theoretisch"?


@ ChrisTina
ChrisTina73 hat geschrieben:
Mi 8. Nov 2017, 21:45
Wenn ich zurück denke, verhielt ich mich bis zum einsetzen der Pubertät Jungs Gegenüber anders als den Mädchen und auch das Spielen war anders. und wenn mich ein Mädchen interessierte, war ich auch manchmal verlegen und hatte Angst, sie könnte mich nicht mögen. Mit Einsetzen und Fortschreiten der Pubertät wurde ich jedoch sensibler. Ich wurde unsicher bzgl. meiner Männlichkeit, war Anfangs von der Körpergröße ziemlich klein geraten und auch eher zierlicher rückblickend. Auch meine Männlichkeit im "primitven" Sinne betrachtend empfand ich mich als zu klein bestückt (genannt "Schwanzvergleich"), das aber damals schon sehr bewußt, was meine "Komplexe" zusätzlich verstärkte.
Dann wiederum schämte ich ich mich oft für meine "triebhafte" Natur im Inneren und manchmal fragte ich mich schon, wie es wohl wäre, ein Mädchen zu sein, auf der anderen Seite wollte ich aber immer eine feste Freundin mit allem drum und dran haben, war aber nicht grad der Typ Mann, auf den die Frauen fliegen. Dafür war ich damals zu weich und sensibel.
Wenn man die Worte "klein" und "zierlich" gegen "dick" ersetzt, trifft diese Beschreibung perfekt auf mich zu. Und eigentlich hat sich das bis heute nicht geändert. Ich bin im Laufe der Zeit zwar klüger geworden, aber immer noch unsicher geblieben.


@ Juli
juli hat geschrieben:
Do 9. Nov 2017, 00:17
Du willst den Körper so anpassen dass ... Gefühl/Geschlecht/Geist ... in Einklang sind.
Oder fragst ob Diese durch Veränderung in Einklang gebracht werden können.
Ja, ich will wie alle Menschen glücklich sein. Da ich ein sehr unsicherer Mensch bin (siehe oben), ist es für mich nicht so einfach wie für dich. Ich glaube, dass wenn mein Körper und mein Gefühl übereinstimmen, dieses Glücklichsein möglich wäre. Ob ich dann als Mann oder als Frau lebe ist doch egal, Hauptsache glücklich.
juli hat geschrieben:
Do 9. Nov 2017, 00:17
Aber ... Mit welchem Ziel, wie erlebst du Einklang?
Indem dein Geist, dein Körper die Gesellschaft Dir stimmiger erscheinen? ... Du legst am Ende doch deine Regeln für dich selbst fest!
Das kann ich aber nur, wenn ich genügend Selbstvertrauen habe. Und davon bin ich noch weit entfernt.
juli hat geschrieben:
Do 9. Nov 2017, 00:17
Du fragst nach den Möglichkeiten der Anpassung
Ich denke es geht viel mehr um sich ANNEHMEN als sich Anpassen.
Ich habe Ziele die ich erreichen möchte, z.B. das Glücklichsein. Wenn ich mich so ANNEHME wie ich jetzt bin, werde ich diese Ziele nie erreichen. Man könnte diesen Zustand dann auch als Resignation bezeichnen. Das ganze Leben ist Veränderung, also muss ich mich auch verändern.

@ Alle ihr Lieben, Vielen Dank für eure rege Teilnahme an diesem Thread (smili). Allein die Tatsache, das euch das Thema interessiert, zeigt mir wie wichtig es ist, alles in Frage zu stellen was mich umtreibt.

Liebe Grüße von Conny-Andrea

Jenina
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Re: Körper gegen Gefühl

Post 81 im Thema

Beitrag von Jenina » Do 9. Nov 2017, 08:20

Conny-Andrea hat geschrieben:
Mi 8. Nov 2017, 18:56
Hallo Uta,
uta hat geschrieben:
Mi 8. Nov 2017, 18:41
Hier findest du vielleicht ein paar Antworten. http://www.schwaebische.de/region/baden ... 65874.html
Auszug aus diesem Artikel: Der niederländische Neurobiologe am Amsterdamer Institut für Hirnforschung, Dick Swaab, hat bereits 1995 im renommierten Wissenschaftsmagazin „Science“ einen Artikel über seine Forschungen veröffentlicht: An sechs verstorbenen Transsexuellen, geboren in männlichen Körpern, hat Swaab Nervenknötchen in der Gehirnregion Hypothalamus nachgewiesen, die typisch für Frauengehirne sind.

Wenn das stimmt, wäre es ja der eindeutige Beweis, dass auf psychologische Art keine Änderung des "sich als Frau fühlen" möglich ist.
....
Vorsaicht! Vorsicht! Diese angebliche "Beweise" sind nicht veriviziert.

Alte Regel beachten: eine Korrelation ist noch keine Kausalität! Mit einfacheren Worten: wenn sich eine Sache häuft kann, muss es aber kein Beweis für eine bestimmte Ursache sein. Beispiel: in einer Region steigt die Geburtenrate, Gleichzeitig steigt die Population der Störche. Das ist der eindeutige Beweis, dass die Störche die Babies bringen!

Gerade diese gewollte Eindeutigkeit wird niemand erreichen können, auch wenn es von einigen immer mal wieder so dargestellt wird. Körper und Gefühle ändern sich ständig und man muss ständig Anpassungen vornehmen. Es gibt die von mir oben postulierte Rückkopplung bedseitig zwischen Körper und Gefühl wohl tatsächlich. Man ist als Mensch nie fertig.

Das wird Dich, liebe Conny-Andrea, nun leider nicht befriedigen. :?

Denn die Unsicherheit, die Du verspürst wird bleiben, sie ist ein Teil Deiner Persönlichkeit. Genau das ist eben keine Resignation. Du musst Dich zuerst von diesem Denken befreien. Du solltest vielleicht für Dich anerkennen, dass es ein Diskrepanz zwischen Körper und Gefühl gibt und das das ein Tatsache ist, die Du nicht aktiv ändern kannst. Aber Du kannst diese Tatsache für Dich annehmen indem Du sie so gut wie möglich zu leben versuchst. Es geht tasächlich un das Leben, das Erleben dieser Gefühle vor allem. Das muss man lernen.

Ich selber musste das lernen nach meinem Outing, denn ich war jahrzehtelange Unterdrückung gewohnt. Ich lebe jetzt quasi zwischen beiden Welten und passe Gefühl und Körper (eingeschränkt mit Hilfe von kleidungstechnischen Mitteln) an die Situation an. Ich habe keine Probleme mit meinem zu überwiegender Zeit gelebten Mannsein und genieße das auch. Denn ich muss nicht alles erfüllen was angeblich einen Mann ausmacht. Dafür habe ich meine weibliche Seite und kann diese bei passender Gelegenheit auch zeigen. Wobei auch diese Seite nicht alle Facetten umfasst die eine Cis-Frau durchlebt. Wichtig war für mich auch, das ich den Mut hat mich selbst als Transvetit zu bezeichnen, im übrigen nur die lateinische Variante von Crossdresser. Das sit so wenn ein Homosexueller Mensch es geschafft hat sich selbst als Schwulen oder Lesbe zu benennen und zu sagen "und das ist gut so"!

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Anja
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Re: Körper gegen Gefühl

Post 82 im Thema

Beitrag von Anja » Do 9. Nov 2017, 11:19

Hallo Conny-Andrea,
Conny-Andrea hat geschrieben:Das kann ich aber nur, wenn ich genügend Selbstvertrauen habe. Und davon bin ich noch weit entfernt.
Ich kann dir nur aus meiner Erfahrung sagen, das ich als Mann auch kaum Selbstvertrauen hatte. Dieses Verlangen nach Weiblichkeit, bzw. Frauensachen begleitet mich seit frühester Kindheit. Schon recht früh war mir auch klar, das das für einen Jungen nicht normal ist. Dieses Wissen schwang häufig im Alltag mit, vor allem wenn ich mit anderen Jungs / Männern zusammen war.
Das änderte sich aber, als ich begann, als Frau zu leben. Ich der Rolle fühle ich mich bedeutend wohler, sie passt einfach viel besser zu mir als das Leben davor. Und wenn man mit sich selbst im Reinen ist, stärkt das natürlich auch das Selbstbewusstsein. Aber um zu Erkennen, wo der Weg lang führt, der einen glücklich macht, ist der Bauch viel geeigneter als der Kopf.

Zum Thread-Thema möchte ich mich auch noch mal äußern. Ich lese immer wieder "ich war schon immer eine Frau". Aktuell gerade in diesem Artikel Aus Gerhard wird Sarah. Das kann ich von mir nicht behaupten. Es war ein langer Weg hin zu dieser Erkenntnis, behindert von der äußeren Definition durch andere und durch meinen offensichtlich nicht weiblichen Körper.
Als ich mich irgendwann anfing mich intensiver (mit Hilfe des Internets) mit dem Thema zu beschäftigen wusste ich, das ich DWT bin.
2011 habe ich mich das erste Mal komplett als Frau zurecht gemacht. Da wusste ich, das ich ein Crossdresser bin.
Im Laufe der Jahre 2013 begann ich weibliche Gefühle in mir zu entdecken, also mich manchmal weiblich zu fühlen (meist an meinen Frauentagen). Mit Hilfe des Internets wusste ich, ich bin ein Bi-Gender (oder auch Two-Spirit)
2014 musste ich mir selbst eingestehen (was garnicht so einfach war) das ich mich eigentlich immer weiblich fühle, auch an Männertagen. Ich wusste, ich bin eine Transfrau.

Wie auch der Körper sich im Laufe der Jahre ändert, so ist auch die Identität im Fluss. Rücklickend ergeben die ganzen Punkte eine Gerade. Aber damals wusste ich genau, das es das jetzt ist. Bis ich dann doch wieder unsicher wurde, ob die Schublade noch passt...
Ich könnte jetzt auch sagen, ich war schon immer eine Frau, nur war mir das nicht klar.
So sehe ich das aber nicht. Jeder Abschnitt damals gehört genauso zu meinem Leben, wie der heutige.

Also auch das Gefühl ändert sich , aber ich glaube es ist nicht im Wortsinn eine Änderung, eher eine Findung, eine Entwicklung zu der Persönlichkeit die man sein soll, eine bessere Version von einem selbst.

Grüße
die Anja
WER WILL FINDET WEGE. WER NICHT WILL FINDET GRÜNDE.

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Re: Körper gegen Gefühl

Post 83 im Thema

Beitrag von Brigitta » Do 9. Nov 2017, 11:43

Hallo Anja,
das ist ein wichtiger Aspekt:
Wie auch der Körper sich im Laufe der Jahre ändert, so ist auch die Identität im Fluss.
Mit der Zeit ändert sich einiges - die Gefühle, Interessen, aber auch die Intensität, mit der ich mich mit dem Thema beschäftige.
Wobei es natürlich Phasen gibt, wo es mal mehr und dann wieder weniger ausgeprägt ist;
ebenso wie manche Gefühle mal im Vordergrund stehen, mal im Hintergrund ... so wie Du zuletzt geschrieben hast:
Also auch das Gefühl ändert sich , aber ich glaube es ist nicht im Wortsinn eine Änderung,
eher eine Findung, eine Entwicklung zu der Persönlichkeit die man sein soll, eine bessere Version von einem selbst.
(ap)
Liebe Grüße
Brigitta ))):s
Nicht jede Frau kann eine Gazelle sein. (Elena Uhlig)

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Re: Körper gegen Gefühl

Post 84 im Thema

Beitrag von Jenina » Do 9. Nov 2017, 12:14

Anja hat geschrieben:
Do 9. Nov 2017, 11:19
...
Wie auch der Körper sich im Laufe der Jahre ändert, so ist auch die Identität im Fluss. Rücklickend ergeben die ganzen Punkte eine Gerade. Aber damals wusste ich genau, das es das jetzt ist. Bis ich dann doch wieder unsicher wurde, ob die Schublade noch passt...
Ich könnte jetzt auch sagen, ich war schon immer eine Frau, nur war mir das nicht klar.
So sehe ich das aber nicht. Jeder Abschnitt damals gehört genauso zu meinem Leben, wie der heutige.

Also auch das Gefühl ändert sich , aber ich glaube es ist nicht im Wortsinn eine Änderung, eher eine Findung, eine Entwicklung zu der Persönlichkeit die man sein soll, eine bessere Version von einem selbst.
....
Liebe Anja,
besser hätte ich das nicht sagen können. (ap) Manchmal wünsche ich mir das alle solche Klarheit gewonnen haben, denn damit ist man wohl ein glücklicher Mensch geworden. Immer unter der Anerkennung der Tatsache, dass das Leben immer im Fluss ist, wie ja auch Brigitta es gerade bestätigt.

Eine "bessere Version von einem selbst" - das werde ich mir merken und für mich anwenden. Nun müssen wir nur noch Conny-Andrea dahin kriegen... :wink:

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Re: Körper gegen Gefühl

Post 85 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Do 9. Nov 2017, 13:08

Beispiel: in einer Region steigt die Geburtenrate, Gleichzeitig steigt die Population der Störche. Das ist der eindeutige Beweis, dass die Störche die Babies bringen!
Aber in den 1960er-Jahren war es genau umgekehrt. Da nahmen die Geburtenraten und die Population von Störchen ab. Da muss es doch einen Zusammenhang geben. Oder ist das eine Verschwörung der Störche ... )))(: :lol:
eine Entwicklung zu der Persönlichkeit die man sein soll,
oder die man sein will. An dieser Stelle wird es für mich interessant. Was will ich ? Will ich Frau sein oder Mann oder etwas anderes ? Frau sein ist schön, aber ist das meine Identität ? Das Bild von Männlichkeit, das ich habe, ist nicht gerade das beste. Ist das der Grund, weshalb ich zur Weiblichkeit tendiere ? Oder ist (ein gewisses Maß) Weiblichkeit eine Eigenschaft von mir ? Wenn ich die positiven Aspekte im Männlichkeitsbild betone, bekomme ich da nicht eine Veränderung meiner Einstellungen zu den Geschlechtern ?
An sechs verstorbenen Transsexuellen, geboren in männlichen Körpern, hat Swaab Nervenknötchen in der Gehirnregion Hypothalamus nachgewiesen, die typisch für Frauengehirne sind.
Conny, Du kennst vielleicht die Untersuchung zu den Gehirnen von Taxifahrern in London. Dort wurde festgestellt, dass die Region, die für die Orientierung zuständig ist, bei diesen Menschen deutlich besser entwickelt ist als bei dem Rest der Bevölkerung. Bedeutet das, dass nur Menschen mit einem entsprechenden Gehirn Taxifahrer werden können ? Natürlich nicht, das Gehirn hat sich in entsprechender Weise angepasst. Warum sollte das bei der von Dir genannten Untersuchung nicht auch möglich sein ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Körper gegen Gefühl

Post 86 im Thema

Beitrag von Anja » Do 9. Nov 2017, 13:49

Moinsen,
Vicky_Rose hat geschrieben:
Do 9. Nov 2017, 13:08
eine Entwicklung zu der Persönlichkeit die man sein soll,
oder die man sein will. An dieser Stelle wird es für mich interessant.
Und genau das klappt eben nicht. Ich kann nicht der Mensch sein der ich sein will. Ich habe ja all die Jahre versucht, ein Junge, ein Mann zu sein. Quasi den Erwartungen der Umwelt, Erwartungen die ich an mich selbst hatte (durch den männlichen Körper) zu entsprechen, funktioniert nicht.
Wie viele Transfrauen und Männer haben so viel verloren, weil sie diesen Weg gehen mussten. Weil sie eine Transfrau oder ein Transmann sein sollen.
Wenns dem Willen nach ginge, wäre ich nach über 30 Jahren schämen, verdrängen, es nicht mehr machen wollen wohl ein ganz normaler Mann.

Nein, ich glaube fest daran, das es so sein soll, so sein muss, wie es jetzt ist. Mein Körper und mein Gefühl (ganzheitlich gesehen) haben mir gezeigt, das ich diesen Weg gehen muss. Gewollt habe ich das nicht.

Grüße
die Anja
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Re: Körper gegen Gefühl

Post 87 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea » Do 9. Nov 2017, 13:54

Hallo ihr Lieben,
Jenina hat geschrieben:
Do 9. Nov 2017, 08:20
Vorsaicht! Vorsicht! Diese angebliche "Beweise" sind nicht veriviziert.
Das ist mir schon klar, deshalb hatte ich geschrieben: "Nach diesem Zeitungsartikel scheint das aber nicht möglich". :wink:
Jenina hat geschrieben:
Do 9. Nov 2017, 08:20
Denn die Unsicherheit, die Du verspürst wird bleiben, sie ist ein Teil Deiner Persönlichkeit. Genau das ist eben keine Resignation. Du musst Dich zuerst von diesem Denken befreien. Du solltest vielleicht für Dich anerkennen, dass es ein Diskrepanz zwischen Körper und Gefühl gibt und das das ein Tatsache ist, die Du nicht aktiv ändern kannst. Aber Du kannst diese Tatsache für Dich annehmen indem Du sie so gut wie möglich zu leben versuchst. Es geht tasächlich un das Leben, das Erleben dieser Gefühle vor allem. Das muss man lernen.

Ich selber musste das lernen nach meinem Outing, denn ich war jahrzehtelange Unterdrückung gewohnt. Ich lebe jetzt quasi zwischen beiden Welten und passe Gefühl und Körper (eingeschränkt mit Hilfe von kleidungstechnischen Mitteln) an die Situation an. Ich habe keine Probleme mit meinem zu überwiegender Zeit gelebten Mannsein und genieße das auch. Denn ich muss nicht alles erfüllen was angeblich einen Mann ausmacht. Dafür habe ich meine weibliche Seite und kann diese bei passender Gelegenheit auch zeigen. Wobei auch diese Seite nicht alle Facetten umfasst die eine Cis-Frau durchlebt. Wichtig war für mich auch, das ich den Mut hat mich selbst als Transvetit zu bezeichnen, im übrigen nur die lateinische Variante von Crossdresser. Das sit so wenn ein Homosexueller Mensch es geschafft hat sich selbst als Schwulen oder Lesbe zu benennen und zu sagen "und das ist gut so"!
Du, und ihr alle habt ja eigentlich so recht. Wenn es doch nur nicht so schwer wäre eure Ratschläge umzusetzen. Es klingt immer so selbstverständlich: "Du musst es einfach tun". Aber es ist für mich schwer. Ich habe 50 Jahre gebraucht um mich zu outen, die Entwicklung wird jetzt nicht im Minutentakt so weitergehen. :?

Anja hat geschrieben:
Do 9. Nov 2017, 11:19
Ich kann dir nur aus meiner Erfahrung sagen, das ich als Mann auch kaum Selbstvertrauen hatte. Dieses Verlangen nach Weiblichkeit, bzw. Frauensachen begleitet mich seit frühester Kindheit. Schon recht früh war mir auch klar, das das für einen Jungen nicht normal ist. Dieses Wissen schwang häufig im Alltag mit, vor allem wenn ich mit anderen Jungs / Männern zusammen war.
Das änderte sich aber, als ich begann, als Frau zu leben. Ich der Rolle fühle ich mich bedeutend wohler, sie passt einfach viel besser zu mir als das Leben davor. Und wenn man mit sich selbst im Reinen ist, stärkt das natürlich auch das Selbstbewusstsein. Aber um zu Erkennen, wo der Weg lang führt, der einen glücklich macht, ist der Bauch viel geeigneter als der Kopf.

Zum Thread-Thema möchte ich mich auch noch mal äußern. Ich lese immer wieder "ich war schon immer eine Frau". Aktuell gerade in diesem Artikel Aus Gerhard wird Sarah. Das kann ich von mir nicht behaupten. Es war ein langer Weg hin zu dieser Erkenntnis, behindert von der äußeren Definition durch andere und durch meinen offensichtlich nicht weiblichen Körper.
Als ich mich irgendwann anfing mich intensiver (mit Hilfe des Internets) mit dem Thema zu beschäftigen wusste ich, das ich DWT bin.
2011 habe ich mich das erste Mal komplett als Frau zurecht gemacht. Da wusste ich, das ich ein Crossdresser bin.
Im Laufe der Jahre 2013 begann ich weibliche Gefühle in mir zu entdecken, also mich manchmal weiblich zu fühlen (meist an meinen Frauentagen). Mit Hilfe des Internets wusste ich, ich bin ein Bi-Gender (oder auch Two-Spirit)
2014 musste ich mir selbst eingestehen (was garnicht so einfach war) das ich mich eigentlich immer weiblich fühle, auch an Männertagen. Ich wusste, ich bin eine Transfrau.

Wie auch der Körper sich im Laufe der Jahre ändert, so ist auch die Identität im Fluss. Rücklickend ergeben die ganzen Punkte eine Gerade. Aber damals wusste ich genau, das es das jetzt ist. Bis ich dann doch wieder unsicher wurde, ob die Schublade noch passt...
Ich könnte jetzt auch sagen, ich war schon immer eine Frau, nur war mir das nicht klar.
So sehe ich das aber nicht. Jeder Abschnitt damals gehört genauso zu meinem Leben, wie der heutige.

Also auch das Gefühl ändert sich , aber ich glaube es ist nicht im Wortsinn eine Änderung, eher eine Findung, eine Entwicklung zu der Persönlichkeit die man sein soll, eine bessere Version von einem selbst.
Eine tolle Beschreibung, bin schon wieder sprachlos. (he) An dir ist wohl ein Pädagoge verloren gegangen. Ich habe Wort für Wort verstanden und nachvollziehen können. Was soll ich sagen, du hast ja sooo recht (dieses Kompliment habe ich gestern schon Mina gemacht, aber es passt schon wieder). Ich weiß gar nicht was ich sagen soll, ich muss die Eindrücke erst mal auf mich einwirken lassen.

Jenina hat geschrieben:
Do 9. Nov 2017, 12:14
Liebe Anja,
besser hätte ich das nicht sagen können. (ap) Manchmal wünsche ich mir das alle solche Klarheit gewonnen haben, denn damit ist man wohl ein glücklicher Mensch geworden. Immer unter der Anerkennung der Tatsache, dass das Leben immer im Fluss ist, wie ja auch Brigitta es gerade bestätigt.

Eine "bessere Version von einem selbst" - das werde ich mir merken und für mich anwenden. Nun müssen wir nur noch Conny-Andrea dahin kriegen... :wink:
Ach du meine Güte, ihr seid so lieb, da können mir ja fast die Tränen kommen. :oops:
Mädels, ich bin echt froh, dass ich dieses Forum und damit auch euch gefunden habe. Was besseres kann einem unsicheren Menschen kaum geschehen. Ich bekomme hier so viel positive Resonanz, Ratschläge und Anteilnahme, das ist echt unglaublich.

Muss jetzt erst mal durchschnaufen ...

Liebe Grüße von Conny-Andrea

Jenina
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Re: Körper gegen Gefühl

Post 88 im Thema

Beitrag von Jenina » Do 9. Nov 2017, 15:12

Liebe Conny-Andrea,

wenn Du wüsstest wie gerade ich Dich verstehen kann.

In meinem 51. Lebensjahr habe ich mich erst getraut überhaupt dazu zu stehen dass ich trans* bin. Jetzt bin ich 8 Jahre weiter und so scheißklug wie das manchmal klingt bin auch nicht. Freilich hat man viele Erfahrungen gemacht. Aber man lernt immer noch.

Du kannst das, ich merke das... :!:
Und Minutentakt ist gar nicht von Nöten, eher das genaue Gegenteil: Ruhe und Besonnenheit und die richtigen Freundinnen (wie die hier im Forum).

Jenina
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Re: Körper gegen Gefühl

Post 89 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Do 9. Nov 2017, 15:32

Ich kann nicht der Mensch sein der ich sein will. Ich habe ja all die Jahre versucht, ein Junge, ein Mann zu sein. Quasi den Erwartungen der Umwelt, Erwartungen die ich an mich selbst hatte (durch den männlichen Körper) zu entsprechen, funktioniert nicht.
Natürlich klappt das nicht vor dem Hintergrund, den Erwartungen anderer zu entsprechen. Das ist ja nicht Dein Wille. Ich könnte mir vorstellen, dass ich ohne ein Leben en femme leben könnte, wenn es mir nicht gefallen würde, gelegentlich (mal mehr, mal weniger) en femme zu sein.

Damit will ich nicht sagen, dass das für alle so sein muss. Ich respektiere es vollauf, wenn jemand das körperliche Geburtsgeschlecht vollkommen ablehnt und entsprechende Konsequenzen zieht. Ich kann nur für mich sprechen. :)p

Und ich bin sehr dankbar für diese Diskussion, da es meine Gedanken klärt.
Viele Grüße
Vicky

ExuserIn-2017-12-27
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Re: Körper gegen Gefühl

Post 90 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2017-12-27 » Do 9. Nov 2017, 16:18

Hi hallo ,
das warum ist es so ? Ist völlig belanglos, es bringt gar nichts danach zu suchen.
Einzig und allein wichtig ist ,wie kommt man damit klar. Wenn man als Mensch mit Körperdiskrepanz auf die Welt kommt? Ohne Internet nicht weiß was mit einem los ist ,warum der Körper zum eigenen Geschlechtswissen nicht passt , versteckt man sich passt sich an.
Das funktioniert viele Jahre ganz gut ,die Psyche ist in der Lage Not und Krisensituationen gut zu unterdrücken bzw. auszublenden. Beispiel Natascha Kampusch ohne solch eine Ausblendung kann man so etwas nicht überleben.
Mein Thera hat mal auf meine Frage , warum ich das so lange ausgehalten habe gesagt, wenn sie mit dem ständigen Bewusstsein des Körpers der nicht passt , hätten leben müssen wären sie verrückt geworden. So hat die Psyche das ausgeblendet, trotzdem war es immer da, immer wieder wurde es mir bewusst das etwas nicht stimmt.

Der Körper den man hat zwingt einen so zu leben wie es die Gesellschaft erwartet. Aus diesem Dilema auszubrechen ist das Schwerste.
Es kommt bei vielen der Tag, an dem das Verdrängen nicht mehr funktioniert , an dem man verzweifelt nicht mehr weiter weiß.
Es gab mal ein Interview im Fernsehen mit einem Psychologen er sagte, wenn ein Mensch ein Problem mit seinem Geschlechtskörper hat, kommt er eines Tages zu mir egal wie lange er das verdrängen kann. Am Ende sitzen sie mit 70 bei mir, aber sie kommen alle!

Es kommen viele Dinge zusammen die einen Menschen verwirren. Verdrängung, Erwartungshaltung der Umwelt, Sexualität. Einzig und allein die Körperdisrepanz ist die Triebkraft für Veränderungen. Bin ich eine Frau mit männlichen Körpermerkmalen oder ein Mann mit weiblichen Merkmalen. Was ich bin ist aber in meinem Kopf und nur ich weiß das niemand sonst, deshalb ist die ganze Begutachtung lächerlich.
Das Leiden zu lindern treibt uns an sonst nix. Kein Mensch sucht sich das aus oder hat eine Wahl. Wenn Männer 5 -6 Operationen oder wir Frauen 2 -3 Op machen ist das kein Spass.

Viele draußen werfen mir vor ,du hast dir das doch ausgesucht bist doch selbst Schuld ! Wenn ich mir etwas aussuchen könnte, möchte ich eine ganz normale Frau sein , Kinder bekommen können und ein normales Leben führen, ohne Operationen ohne Begutachterei und Demütigungen immer wieder. Ein Leben ohne diese ganze Transitionssche....

Uta

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