Selbsthass und Ehrlichkeit
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dunkles_sternchen
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Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 1 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen » Sa 19. Aug 2017, 15:23

Hallo zusammen,

Aufhänger dieses Themas war eigentlich der gestrige Nacht-Chat, in dem nicht ganz ehrlich war. Ich habe das aber nur der letzten Userin gesagt, die das - verständlicherweise - auch nicht sonderlich gut fand. Kurz: Ich behauptete, dass ich nie von Männern "angebaggert" werde, was so nicht stimmt - es passiert tatsächlich hin und wieder. Ob das nun daran liegt, ob sie mich wirklich attraktiv finden oder eher meine Vergangenheit "durchschaut" haben, weiß ich nicht. Vielleicht auch, weil ich schwarz rumlaufe ... ich frage ja nich.

Ich will das auch nicht unkommentiert lassen:
Meine Transition verlief nicht ganz glücklich - im Gegenteil. Es ist/war alles eher ein Albtraum, weil so ziemlich alles schief lief - die OPs, die HRT, Versuche Haare zu retten. In mir hat sich jede Menge Hass angestaut auf meinen Körper und es gibt Tage, wo das besonders stark ist - da kommt dann oft vieles zusammen, der Frust, die Wut, meine chronischen Schmerzen ... Alkohol. Naja. Und dann passiert es, dass ich mich selbst "mobbe" und runtermache und so ein Abend war gestern. Dann passiert sowas, dass ich vieles viel schlechter rede, als es ist ... und mit "belügen" hat das nichts zu tun, es ist reiner Selbsthass. :(

Mir ist schon klar, dass Außenstehende das nur schwer verstehen oder nachvollziehen können. Mein Psychologe weiß darum - nur ist der Körper wie er ist, er ist krank, und 5 Jahre Hormone haben irgendwie kaum Spuren hinterlassen, als erhielte ich Placebos. Weiblich bin ich im Personenstand, aber sonst ... :cry:

Ich meine, ich wollte das einfach nicht im Raum stehen lassen. Wenn man mich jetzt generell als unglaubwürdig einstuft, dann ziehe ich auch weiter ... so ist das Leben manchmal. Ich wollte helfen und jemandem die Angst vor den PostOP-Leben nehmen. Ich habe auch Angst, wenn ich abends allein unterwegs bin. Aber das haben alle Frauen und das ist kein TS-Problem. Das gehört dazu, so blöd es klingt.

Sternchen

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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 2 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 19. Aug 2017, 16:04

Moin,

da sind wir wieder beim Thema
Weiblich bin ich im Personenstand, aber sonst ...
Was hättest Du gerne erreicht?
Manche Ziele, die den Körperbau und das "Passing" betreffen sind (leider) unrealistisch.
Die Hormone werden schon Spuren hinterlassen haben; nur sind sie für Dich vielleicht nocht so sichtbar(?)
als erhielte ich Placebos
Es wurde doch sicherlich untersucht, wie der "Hormonpegel" aussieht.

Ich bin auch manchmal unzufrieden; aber Selbsthass ist zerstörerisch - und vermasselt einige Optionen.

Viele liebe Grüße
Anne-Mette

ab08
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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 3 im Thema

Beitrag von ab08 » Sa 19. Aug 2017, 18:02

Hallo Sternchen,

bei Deinem Beitrag dachte ich an meine, im März verstorbene, Mutter:
-> "Man muss das Leben eben nehmen, wie das Leben eben ist!"
Bzgl. Hormone, ob ich die Wirkung sehe, hängt bei mir von der Situation + von meiner Stimmung ab.
Meine Mitmenschen sehen mich sicher anders... -> Allerdings im Laufe der Jahre ändert sich durch die HET sicher was.
Aber auch bzgl. Aussehen, das mir nicht besonders wichtig ist, hilft mir ein Lebensmotto meiner Mutter:
-> "Hübsch sein, ist mir nicht wichtig! - Lieb/freundlich möchte ich sein!"
Meine Mutter wollte freundlich auf Mitmenschen wirken. - Freude auszustrahlen, war ihr sehr wichtig. :wink:

Ob man/frau Lebensziele erreicht, hängt auch von den eigenen Prioritäten ab,
also von dem, was einem selbst wirklich wichtig ist. :wink:
Ganz liebe Grüße
Andrea )))(:
Zuletzt geändert von ab08 am Sa 19. Aug 2017, 20:06, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 19. Aug 2017, 18:05

Guten Abend,
-> "Man muss das Leben eben nehmen, wie das Leben eben ist!"
... wenn das immer so einfach wäre (smili) )))(:

Außerdem ist es sicherlich gut, sein Leben mitzugestalten.

Gruß
Anne-Mette

ab08
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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 5 im Thema

Beitrag von ab08 » Sa 19. Aug 2017, 18:11

Hallo, liebe Anne-Mette,

danke für den Einwand... (gitli)
Damit meinte ich keineswegs, dass ich nicht, wenn mir etwas wichtig ist, mich nicht mit ganzer Kraft darum bemühe. :wink:
Das mache ich selbstverständlich und vieles klappt dann auch...
Nur... wenn etwas für mich & meine Möglichkeiten wirklich unerreichbar ist, dann trauere ich dem nicht nach,
sondern suche mir andere, erreichbare Ziele und bin damit auch zufrieden & glücklich :wink:

Liebe Grüße
Andrea
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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 6 im Thema

Beitrag von -Mia- » Sa 19. Aug 2017, 19:10

Hallo dunkles sternchen,
ich finde es schade das du so vieles negativ siehst. Klar ist nicht immer alles so schön aber das geht vielen Menschen so, auch mir. Aber ich versuche immer das beste draus zu machen und glaub mir das ist auch nicht immer so einfach, nur es nützt nichts sich nur mit den schlechten Dingen zu beschäftigen. Viel mehr sollte man sich auf die schönen Dinge des Lebens konzentrieren. Das ist etwas was man lernen kann und auch sollte. Denn so wie man sich fühlt das strahlt man auch aus und wenn man positives ausstrahlt so erfährt man auch gleich viele neue positive Dinge. Das ist wie ein Domino Effekt.
Ich wünsche dir das du es schaffst dein Leben positiver zu sehen und glücklich wirst !

LG Mia ))):s
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.

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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 7 im Thema

Beitrag von dooris » Sa 19. Aug 2017, 19:41

Liebes Sternchen,
ich war heute Nacht auch noch mit euch im Chat, wie du dich erinnern kannst.
Du schriebst mit einer 20 Jährigen...
Ihr habt mich gefragt und gelöchert, warum ich mir Hilfe in einer Klinik hole, ihr habt euch darüber " unterhalten" wer nun der der Beste Operateur ist...
Alles gut, aber das was ich aus eurem Dialog rauslesen konnte war, das D. noch nicht so weit ist...
Liebe Grüße
Doro

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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 8 im Thema

Beitrag von Delfinium » Sa 19. Aug 2017, 20:20

Dooris,

Ich war heut Nacht auch im Chat und natürlich ist es nicht einfach. Man sollte sich die Zeit lassen die man braucht und abwägen welcher Operateur und welche OP Methode einem am meisten zusagt. Da sollte man 100% hinter dem Operateur stehen und eine individuelle gute Wahl treffen. Das ist der größte Schritt den man machen kann und dieser sollte gut geplant werden. Ich will diesen Weg gehen und da es mich mein Leben lang begleitet möchte ich bei diesem Eingriff ungerne zu einem Operateur gehen dem ich selbst nicht zu 100% vertrauen kann. Da die OP vorraussichtlich erst in 2-3 Jahren stattfindet habe ich ja noch genug Zeit mir zu überlegen bei wem ich mich unters Messer lege :)

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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 9 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen » So 20. Aug 2017, 03:37

Es ging mir jetzt gar nicht primär um eine Thematik, sondern eher darum, dass man mich versteht und das auch durchaus mal "sowas" passieren kann. Das alles hat eine lane Vorgeschichte und die schiebt man nicht eben mal beiseite.

Der Hass auf mich selbst entwickelte sich bereits in meiner Kindheit - ob das nun meine schmale Statur war oder das mich Leute nicht ernstnahmen ... ich hatte einfach nie eine Präsenz und war bestenfalls das "schlechte Beispiel". Meine Vielbegabung (siehe Hochsensibilität -> Vielbegabung) wurde nie gefördert, sondern als sonderbar angesehen. Intelligenz hin und her ... irgendwann entstand in mir eine Art Rebellin, weil ich mich zunehmend unverstanden fühlte. Mit der Transition - und auch der körperlich, steigenden Diskrepanz - wurde ich dann tatsächlich sehr rebellisch, was heute meine ganze Art prägt.

Normalerweise dient die Transition einer Angleichung und der Glättung des Missempfindens ... bei mir schlug das aber ins Gegenteil um. Jede Unwilligkeit seitens meines Körpers potenzierte im Grunde meinen Selbsthass. Irgendwann verselbstständigt sowas und hat tiefe Fundamente. Dann kommen da Leute mit so blumigen Vorschläge wie "liebe dich doch mal" ... das kann natürlich nicht funktionieren, wenn Hass eine etablierte Kompenente ist, die über 20 Jahre reifte und explizit auch mit der Transition an Volumen gewonnen hat. Wie soll ich denn einen Körper lieben, der irgendwie gar keine Vagina wollte, keine Brust ... der lieber ne Glatze hätte, als ne schicke Frisur - der mit letzter Kraft nach 5 Jahren immer noch massig Haare am Bauch wuchern lässt, als irgendwie diese Kraft sinnvoll zu benutzen???

Ich kann das nich. Sorry. Da bin ich stur.
Entweder wir sind ein Team oder kotzen uns an. Und derzeit kotzen wir uns an.

Daenerys Targaryen
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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 10 im Thema

Beitrag von Daenerys Targaryen » So 20. Aug 2017, 06:59

Hallo dunkles_sternchen,

ich kann nachvollziehen, wie es dir geht. Meiner Meinung nach ist Transsexualität eine Art "Deformation", die durch geschlechtsangleichende Maßnahmen mal besser und mal schlechter gemildert werden kann. Das Gefühl des Selbsthasses kennen, glaube ich, viele von uns. Darüber wird in der Tat zu wenig und oft unaufrichtig gesprochen. Ist aber irgendwie auch verständlich, schließlich ist es einfacher, vom prickelnde Gefühl zu schwärmen, in High Heels herum zu stöckeln oder in Uni-Cafés über genderqueerem Feminismus zu debattieren.

Es gibt leider kein Patentrezept, um die Wunden zu heilen, die wir aufgrund unserer TS mit uns herumschleppen. Es ist schwer genug, heraus zu finden, wer man selbst ist. Dann den richtigen Zugang zu sich zu finden, ist eine Mammutaufgabe. Ich kann die Tage nicht zählen, an denen ich schon morgens beim ersten Blick in den Spiegel in Tränen ausgebrochen bin. Inzwischen wird es langsam besser, weil ich für mich einen Weg suche, meinen Körper auch mit seiner CIS-Männlichkeit zu akzeptieren. Aber das ist sehr sehr schwer. Und ich bin noch lange nicht da, wo ich sein möchte.

Liebe Grüße, Daenerys
Me too.

Magdalena
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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 11 im Thema

Beitrag von Magdalena » So 20. Aug 2017, 07:26

Hallo Sternchen,

ich glaube, viele durchleben Stunden, Tag, Monate in denen man mit sich und der Welt nicht zufrieden ist. Auch hadert man mit dem eigenen Körper, der nicht zu einem passen will. Es gibt viele verschiedene Arten seine Unzufriedenheit zu erleben. Die Einen werden Magersüchtig, weil sie sich zu dick finden. Andere rennen in die Muckibude (Fitnessstudio) um Muskeln aufzubauen. Und dann gibt es noch Menschen wie uns, die in der für sie gedachten Geschlechterrolle nicht angekommen sind. Ja und eine Angleichung, die bei jedem auch anders ausfällt und verläuft, kann das Problem zu sich zu stehen, nicht lösen. Ein Rezept kann ich dir nicht ausstellen. Aber vielleicht solltest Du versuchen Dich so anzunehmen wie Du bist. Glaub mir nicht alle sind perfekt. Wir müssen alle etwas dafür tun um so zu Leben wie wir es möchten. Also ich kann dich verstehen, wenn du sagst; Du hasst Deinen Körper. Nur leider hast Du nur den einen und kannst ihn nicht umtauschen, so schön es auch wäre. Also musst du lernen Deinen Körper anzunehmen und versuchen etwas aus Deinem Körper zu machen. Und wenn es notwendig ist täglich zu rasieren. Und dann versuchen Spaß am Leben zu haben und die trüben Gedanken in einer dunklen Ecke zurücklassen.

Viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.

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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 12 im Thema

Beitrag von ab08 » So 20. Aug 2017, 08:40

dunkles_sternchen hat geschrieben:
So 20. Aug 2017, 03:37
Entweder wir sind ein Team oder kotzen uns an.
Hallo Sternchen,

herzlichen Dank für Deinen ehrlichen Beitrag, der mir half, Dich etwas besser zu verstehen. (gitli) Ich weiß trotzdem wenig über Dich, aber Deiner von mir zitierten Gegenüberstellung/Alternative widerspreche ich dennoch heftig, denn ich halte dies für eine grobe Fehleinschätzung:

Wir sind nie wirklich ein Team! - Das könnten wir auch nie sein! - Denn, bei allen Gemeinsamkeiten, die es zwischen Menschen bisweilen gibt, gilt:
-> Jeder Mensch ist einzig/einzigartig und das wird sich nie ändern!
-> Wir können also nur versuchen, möglichst gut miteinander auszukommen.
Daher versuche ich, egal wie es in mir aussieht (!) *), der Umwelt freundlich zu begegnen bzw. wenn ich das wieder mal nicht schaffe, entferne ich mich.
(Übrigens bzgl. "Rückzug" habe ich den Eindruck, dass Du das ähnlich machst ("Gemeinsamkeit"), denn so verstand ich Deinen ansonsten ausgezeichneten Beitrag.)

Liebe Grüße
Andrea )))(:



*) Was dann allerdings bisweilen durchaus zur Folge hat, dass ich in der richtigen Umgebung mein Herz ausschütte... :wink:
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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 13 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » So 20. Aug 2017, 08:57

Hallo,

was ich nun schreibe, ist an alle gerichtet, die hier mit lesen. Unter anderem auch durch meinen Kontakt zu einer SHG fühle ich mich geradezu zu einer Transtition gedrängt. Psychotherapie, Hormone, Namensänderung usw. sind da Dauerthema. Ich fühle mich aber irgendwo zwischen Mann und Frau. Deshalb strebe ich keine Transition an. Als Rentnerin, die ich bald sein werde, bringt mir auch eine Namensänderung keine Vorteile. Wenn ich als Frau draußen herum laufe, fragt mich ja keiner nach meinem Ausweis. Da halte ich mir doch die Seelenklempner vom Leib! Spaß - den ich in meinem neuen Leben als Frau gerne haben möchte - macht eine Therapie bestimmt nicht. Und zum Reden gehe ich zur SHG.

Selbsthass kenne ich nur zu gut. Er hat mein Leben als Mann kaputt gemacht. Erst als Nicole erlebe ich so etwas wie Liebe zu mir selbst. Dabei stört es mich nicht wirklich, dass ich körperlich ein Mann bin. Als Nicole spüre ich aber den Druck nicht mehr, mit dem ich in die Rolle als Mann gedrängt wurde. Soll ich mir nun mit einer Transition und einem "angemessenen" Passing als Frau neuen Druck machen, der dann vielleicht wieder zu Selbsthass führen könnte?

Also kann ich ALLEN nur empfehlen, einzig und alleine auf ihr Inneres zu hören und sich nicht in irgend etwas hinein quatschen zu lassen. Wer seinen männlichen Körper hasst, wird sicherlich um eine Transition - mit allen ihren Risiken und Nebenwirkungen - nicht herum kommen. Wer sich aber auch so als Frau wohl fühlt, sollte es vielleicht - falls es beruflich notwendig ist - mit einer Namensänderung gut sein lassen und sich nur äußerlich zur Frau verwandeln. Ich habe da schon einmal mit Haare wachsen lassen und färben angefangen. Was ich sonst noch mache, (Bart epilieren oder so) wird sich zeigen. Bei Transmännern sehe ich die Sache genauso.

Ich habe irgendwie den Eindruck, dass Psychologen, Ärzte und Krankenhäuser bei der Transsexualität ein gutes Geschäft wittern und deshalb gerne zur Transition drängen. Na ja, ein Psychologe würde das wohl als Paranoia ansehen.

LG Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

Daenerys Targaryen
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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 14 im Thema

Beitrag von Daenerys Targaryen » So 20. Aug 2017, 09:53

Nicole Doll hat geschrieben:
So 20. Aug 2017, 08:57
(…) Unter anderem auch durch meinen Kontakt zu einer SHG fühle ich mich geradezu zu einer Transtition gedrängt. Psychotherapie, Hormone, Namensänderung usw. sind da Dauerthema.
Liebe Nicole, liebe Alle,

ich höre das immer wieder von Betroffenen und kann nur raten, bei SHGs vorsichtig zu sein. Jemanden zu einer Transition zu drängen, geht echt GAR NICHT!! Es sind oft nicht mal die Moderator_innen, die die Teilnehmer_innen zu einer Transition drängen, sondern andere SHG-Teilnehmer_innen. Da entstehen schnell Gruppendynamiken, die keine Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse nehmen. Und gerade in der Findungsphase kann das fatal sein. Von daher ist das...
Nicole Doll hat geschrieben:
So 20. Aug 2017, 08:57
Ich fühle mich aber irgendwo zwischen Mann und Frau. Deshalb strebe ich keine Transition an.
...völlig in Ordnung. NIEMAND kann Verantwortung für dich übernehmen außer du selbst. Du bist du und hast dafür keine Rechenschaft abzulegen.
Nicole Doll hat geschrieben:
So 20. Aug 2017, 08:57
Ich habe irgendwie den Eindruck, dass Psychologen, Ärzte und Krankenhäuser bei der Transsexualität ein gutes Geschäft wittern und deshalb gerne zur Transition drängen. Na ja, ein Psychologe würde das wohl als Paranoia ansehen.
Ein guter Psychologe würde das als gesunde Vorsicht einschätzen. Aber leider schaufeln in der Tat jede Menge unqualifizierte Personen auf unsere Kosten die Taschen voll. Dazu kommen politische Aktivist_innen und Pseudo-Interessenvertretungen, die versuchen, uns für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Man kann nur versuchen, möglichst hart an sich selbst zu arbeiten und nicht auf die falschen Leute reinzufallen.

LG Daenerys
Me too.

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Re: Selbsthass und Ehrlichkeit

Post 15 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 20. Aug 2017, 11:09

Hallo Nicole,

wir hatten das Thema schon in einem andern Forum, dass es solche "Selbsthilfegruppen" gibt, in denen die Ziele klar vordefiniert sind, und es viel dabei auch der Begriff "Hardcore-TS". Eine Bekannte berichtete, dass es auch in Jena so eine Gruppe gibt (oder gab), die sehr klare "Vorstellungen" hatte, was die Besucherinnen zu sein haben, und gar wie sie sich kleiden, stylen und verhalten sollen. Ich glaube, mache verwechseln da etwas mit den anonymen Alkoholikern.

Bei unsereins geht es aber nicht um die "Abstinenz" von allem, was irgendwie an den Mann in uns erinnert. Wenn die Transition in deiner Gruppe das anzustrebende Primärziel ist, dann ist das definitiv nicht die richtige Gruppe für dich. Wegen solchen Fällen finde ich den Ausdruck "Selbsthilfegruppe" im Falle von Trans* auch immer unpassender. Die Bezeichnung "Selbstfindungsgruppe" gefällt mir da tausendmal besser. Schau dich mal um, bestimmt findest du noch etwas Besseres. Das Puplikum bei den Treffen in Leipzig und Chemnitz, zu denen ich regelmäßig fahre, ist sehr bunt. Teilzeitfrauen, angehende wie auch bereits Vollzeit lebende Transfrauen und -männer von 17-70 sowie auch deren Partner, Angehörige und Freunde bilden eine lockere und entspannte Runde, in der ich mich einfach wohlfühlen und ich selbst sein kann.


Liebe Grüße
Michi
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen.

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

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