'Outing' bei der PKV - Kündigung?
'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Antworten
Tara
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 105
Registriert: Fr 27. Jan 2017, 09:15
Geschlecht: transidente Frau
Pronomen:
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 144 Mal
Gender:

'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 1 im Thema

Beitrag von Tara » Fr 27. Jan 2017, 19:46

Hallo,
ich habe per Suche keine aktuellen Themen dazu gefunden. Auch auf die Gefahr hin, dennoch auf ältere Beiträge verwiesen zu werden, wage ich mal meine Frage:

Ich bin seit über 20 Jahren in der privaten KV als Beamter versichert. Wie ich in meiner Vorstellung in einem anderen Thread 'kurz' beschrieben habe, bin ich ein MzF-TG-Beginner und kann nur grob ahnen, was mich auf meinem künftigen Weg noch alles erwartet. Ungeachtet meiner recht depressiven, schwierigen Vergangenheit war ich noch nie beim Psychologen. Momentan bereite ich mein 'Outing' vor, auch außerhalb der eigenen 4 Wände als Frau aufzutreten, was mit den 'üblichen' Zweifeln und Ängsten einhergeht, die so manche andere wohl ebenfalls hatte. Wenn ich es nicht alleine schaffen sollte, Familie und Kollegen Amok laufen, ich isoliert und gemobbt würde, dann käme ich ohne einen Psychiater vermutlich nicht mehr auf die Beine. Es könnte aber auch schlichtweg so sein, dass ich z.B. eine Nadel-Epilation anstrebe und einen anderen Arzt als einen Psychiater brauche.

Nach meiner Kenntnis wäre es jedoch vor dem Besuch beim Arzt zur Absicherung notwendig, die KV wegen der Kostenübernahme zu informieren. Wie sollte ich denen beweisen können, dass ich erst jetzt von meinem TG erfahren habe, weil ich jahrzehntelang alles verdrängte und dafür mit massenhaft anderen Problemen zu kämpfen hatte? Dafür gibt es keine 'Beweise', weil ich keine professionelle Hilfe aufsuchte. Die PKV könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass ich damals bei Vertragsabschluss TG verschwieg und mich kurzerhand kündigen. Ich habe keine Rechtsschutzversicherung, sodass ich mir keine rechtlichen Schritte dagegen leisten kann und sobald es vor Gericht ginge, kapitulieren müsste.

Soweit ich mich bisher durch die komplizierte Rechtsthematik zum Thema durchgelesen habe, müsste ich wohl ohnehin spätestens bei einer VÄ/PÄ vor Gericht ein Gutachten des behandelnden Psychiaters einreichen, während das Gericht eigene Gutachter auf meine Kosten teuer bestellt. Also käme irgendwann doch der 'Zwang' - selbst wenn mit dem öffentlichen Auftreten als Frau alles psychisch erträglich bliebe - einen Psychologen aufzusuchen, um gewisse Auflagen z.B. vom Gericht erfüllen zu können?

Eine Hormonbehandlung und OP stehen bei mir noch nicht zur Debatte und die Erhöhung der Beiträge wegen TG bei der PKV ist mir inzwischen bekannt.

Liebe Grüße
Tara
Selbstdiagnose MzF-TG - und was nun ... ?

ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2102
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Hat sich bedankt: 1834 Mal
Danksagung erhalten: 1063 Mal
Gender:

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 » Fr 27. Jan 2017, 20:24

Hallo, liebe Tara,

zunächst Gratulation, dass Du mich dazu bringst, meine Schweigsamkeit zu beenden,
denn der letzte Thread "Women's marches" beschäftigt mich noch/liegt mir im Magen. :oops:
Mir geht es wirklich nur um einen korrekten Umgangston und darum, hilfreiche Informationen weiterzugeben!

Zu Deinen Bedenken:
Wie andere PKKs vorgehen, weiß ich nicht. Ich bin bei der Bayerischen Beamtenkrankenkasse versichert.
Wie privat üblich, bezahle ich Arztrechnungen und reiche ich sie hinterher bei der KK ein.
-> Anfangs wurden Rechnungen im Zusammenhang mit TS dort intern von einer speziellen Abteilung bearbeitet und getrennt abgerechnet.
Später wurden sie normal mit den übrigen Rechnungen abgerechnet.

Selbstverständlich informierte ich die BBK beim Abschluss des Vertrages nicht über meine Transsexualität. *)
Die KK erfuhr davon erst, als entsprechende Behandlungen durchgeführt wurden. Es kann sein, dass ich 2007, bevor ich zum Psychiater**) ging, dort kurz anrief. Mein Kontakt zur KK war immer eng. Soweit ich mich erinnere, ließ ich Behandlungen aber nicht genehmigen, bzw. dies war nicht nötig.

*) Eine Vorabinformation bei Vertragsabschluss wäre im Grunde ein Zwangsouting und menschenrechtswidrig.-> Das kann also niemand erwarten. :wink:
**) Ich ging direkt zum Psychiater. Zu Fachärzten gehe ich meist ohne Überweisung.

Liebe Grüße,
mach Dir nicht unnötig Sorgen/notfalls ruf dort an
Andrea

Nachtrag: TS ist eben TS also Schicksal. Bisweilen sind da Behandlungen erforderlich und müssen von der KK übernommen werden.
Wenn Du Dir ein Bein brichst, muss die KK ja auch bezahlen. (Natürlich Einzelzimmer kostet extra, so wird auch bei TS nicht alles übernommen.)
-> Für die GAOP erwartete Bogenhausen eine formelle Bestätigung der Kostenübernahme durch die KK, aber das klappte problemlos.
Das war aber das einzige Mal (außer beim Zahnarzt etc.), dass ich eine Kostenübernahme der KK brauchte.
Zuletzt geändert von ab08 am Fr 27. Jan 2017, 20:40, insgesamt 2-mal geändert.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Tara
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 105
Registriert: Fr 27. Jan 2017, 09:15
Geschlecht: transidente Frau
Pronomen:
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 144 Mal
Gender:

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 3 im Thema

Beitrag von Tara » Fr 27. Jan 2017, 20:34

Hallo, liebe Andrea,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort! Es war bei Dir sicher sehr hilfreich, dass Du einen engen Kontakt zu Deiner PKK hattest / hast.
Das ist bei mir leider nicht gegeben. Ich reiche nur ein paar Rechnungen im Jahr ein und hatte bisher nichts Besonderes, das eine Anfrage gerechtfertigt hätte.
Ich gebe zu, dass ich ziemlich vorsichtig bin - vielleicht sogar übervorsichtig - sodass ich wegen der Kostenübernahme gerne vorab schriftlich anfragen würde. Es gibt Ärzte, die ohne Voranfrage erst gar keine Behandlung beginnen. Und damit steht dann wieder - zumindestens theoretisch - die Kündigung im Raume.

Ob menschenrechtswidrig oder nicht: Die Vertragsbedingungen sind eigentlich klar diktiert, d.h. wer irgendetwas wissentlich verschweigt, handelt nach deren Regelungen vertragswidrig und muss mit Kündigung rechnen.
Ich danke Dir herzlich für die Weitergabe Deiner Erfahrungen und Deine Einschätzung!

Liebe Grüße
Tara
Selbstdiagnose MzF-TG - und was nun ... ?

ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2102
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Hat sich bedankt: 1834 Mal
Danksagung erhalten: 1063 Mal
Gender:

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 4 im Thema

Beitrag von ab08 » Fr 27. Jan 2017, 20:49

Tara hat geschrieben:
Fr 27. Jan 2017, 20:34
Die Vertragsbedingungen sind eigentlich klar diktiert, d.h. wer irgendetwas wissentlich verschweigt, handelt nach deren Regelungen vertragswidrig und muss mit Kündigung...
Liebe Tara,

es ist ja kein "wissentliches Verschweigen".
Auch wenn Du transsexuell bist, könnte es z.B. ja auch sein, dass Du trotzdem ein Leben lang in der Rolle "Mann" lebst.
Zunächst ist TS ja eventuell nur ein unbestimmtes Gefühl. -> Nur wenn der Leidensdruck zu groß wird, wird eine Behandlung nötig.

Wenn Du unsicher bist, würde ich an Deiner Stelle dort mal anrufen*) und mich "unverbindlich informieren".
Wenn Du z.B. sagst, dass Du nur vermutest, dass Du TS sein könntest und was man da im Ernstfall machen kann...
(So selten ist TS nicht, KK kennen sich meist ganz gut aus und sind vorbereitet. /Zumindest die Spezialisten)

Liebe Grüße, alles Gute und viel Erfolg
Andrea

*) Schriftlich würde ich es zunächst nicht machen... Erst, wenn es ausdrücklich verlangt wird, schicke ich offizielle Schreiben. :wink:


Bei mir war die Reihenfolge so:

Psychiater, später Erstgutachter für das Amtsgericht -> Endokrinologe (HET, da indiziert durch den Psychiater) -> dann informierte ich die Hausärztin
Der Psychiater, kompetent bzgl.TS, stellte keinerlei Vorbedingungen. - Der Endokrinologe behandelte seit 2004 ohnehin meine Schilddrüse.

________________________________________________________________________________________________________________

Nachtrag:
So wie ich die KK's kenne, könnte die Bewilligung einer "Nadelepilation" ohne vorherige Diagnose "TS" durch einen Psychiater schwierig werden... :oops:
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Tara
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 105
Registriert: Fr 27. Jan 2017, 09:15
Geschlecht: transidente Frau
Pronomen:
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 144 Mal
Gender:

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 5 im Thema

Beitrag von Tara » Fr 27. Jan 2017, 20:55

Liebe Andrea,

da hast Du zweifellos recht, dass ich nichts wissentlich verschwieg. Das Problem ist leider nur, dass manche PKV die dreiste Tour fährt und leider das 'Wissentliche' unterstellt. Ist die Kündigung erstmal draußen, stehe ich noch dümmer da als zuvor.
Ich freue mich für Dich, dass es bei Dir keine Probleme mit der PKV gab! Es ist schön, auch einmal etwas Positives zu lesen.
Ich bin gespannt, ob noch mehr Erfahrungen mitgeteilt werden ...

Liebe Grüße
Tara
Selbstdiagnose MzF-TG - und was nun ... ?

Svetlana L
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 557
Registriert: Sa 7. Mai 2016, 06:47
Geschlecht: trans*-Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 133 Mal
Danksagung erhalten: 369 Mal
Gender:

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 6 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Fr 27. Jan 2017, 21:40

Ich habe erst Anfang dieser Woche meine PKV und die Beihilfestelle darüber informiert, dass ich nun Svetlana bin. Hintergrund war der, dass ich jetzt erste Arztrechnungen auf den Namen Svetlana bekommen habe und ich beide vorab darüber informieren wollte. Geäußert haben sich bislang beide noch nicht. Dass meine PKV das Vertragsverhältnis kündigt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich habe ja beim Vertragsabschluss nichts wissentlich verschwiegen. Und selbst wenn ich mich als trans* sehe, heißt das ja erstmal noch lange nicht, dass ich deswegen auch zwangsläufig ärztliche Leistungen in Anspruch nehmen werde.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

Tara
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 105
Registriert: Fr 27. Jan 2017, 09:15
Geschlecht: transidente Frau
Pronomen:
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 144 Mal
Gender:

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 7 im Thema

Beitrag von Tara » Sa 28. Jan 2017, 06:19

Hallo Svetlana,
danke für deinen Erfahrungsbericht! Habe nur eine Anfänger-Verständnisfrage:
Wenn du bereits Rechnungen auf 'Svetlana' ausgestellt bekamst, war anscheinend deine VÄ/PÄ vor Gericht bereits durch.
Hattest du die Kosten für den Psych zwecks Erstgutachter beim AG komplett alleine getragen, sodass deine PKV erst jetzt involviert ist?

Liebe Grüße aus Berlin zurück
Tara
Selbstdiagnose MzF-TG - und was nun ... ?

triona
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 656
Registriert: Sa 31. Mär 2012, 01:01
Pronomen:
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 84 Mal

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 8 im Thema

Beitrag von triona » Sa 28. Jan 2017, 08:47

Tara hat geschrieben:
Fr 27. Jan 2017, 19:46
Nach meiner Kenntnis wäre es jedoch vor dem Besuch beim Arzt zur Absicherung notwendig, die KV wegen der Kostenübernahme zu informieren.
Nein, mußt du nicht.
Nur bei größeren OP oder so Sachen wie z.B. Bartepilation werden i.d.R. vorab Kostenübernahmezusicherungen verlangt. (Meistens wird dann auch - abweichend vom normalen Verfahren - direkt vom Krankenhaus mit der PKV abgerechnet.)
Als privat Versicherte mußt du für Facharztbesuche i.d.R. nicht mal eine Überweisung vom Hausarzt vorweisen. Es sei denn, in deinem Vertrag steht etwas anderes.

Ich habe in meinem Fall erst die KK informiert, als ich meinen Namen ändern lassen wollte. (Die haben das bei mir ganz unbürokratisch sogar vor der gerichtlichen VÄ gemacht.) Davor habe ich einfach wie üblich Rechnungen eingereicht - oder auch nicht, wenn diese unterhalb von Selbstbehalt und Beitragsrückerstattung lagen.

Tara hat geschrieben:
Fr 27. Jan 2017, 19:46
Wie sollte ich denen beweisen können, dass ich erst jetzt von meinem TG erfahren habe, weil ich jahrzehntelang alles verdrängte und dafür mit massenhaft anderen Problemen zu kämpfen hatte? Dafür gibt es keine 'Beweise', weil ich keine professionelle Hilfe aufsuchte. Die PKV könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass ich damals bei Vertragsabschluss TG verschwieg und mich kurzerhand kündigen.
Die von dir gehegten Bedenken bezügl "Kündigungsgrund wg Verschweigen von Krankheiten bei Vertragsabschluß" hatte ich anfangs auch. Dies ist wohl aber bei TS für die Kasse schwer nachweisbar, wenn überhaupt anzubringen. Wie wollen die z.B. nachweisen, daß dir TS überhaupt als solche bewußt war, bzw daß du hättest wissen können / müssen, daß das überhaupt eine "Krankheit" ist? Schließlich können das doch offiziell nur Psychiater feststellen. (Ich war bis heute noch nie bei einem in Behandlung.)

Meine Erfahrungen beziehen sich auf die S_ignal-I_duna, eine "Billig-PKV" mit entsprechend hohen Eigenleistungen, nicht Beamter sondern selbstständig). Kann selbstverständlich sein, daß andere Kassen anders verfahren. Habe bislang allerdings noch nichts davon gehört.

Tara hat geschrieben:
Fr 27. Jan 2017, 19:46
... die Erhöhung der Beiträge wegen TG bei der PKV ist mir inzwischen bekannt.
Woher hast du denn das? Habe ich noch nie gehört.

Zwar hat die eine oder andere PKV schon versucht, nach erfolgter Personenstandsänderung MzF den höheren "Frauentarif" neu festzusetze. Meines Wissens sind sie damit aber bislang noch nicht durchgekommen. Vertrag ist schließlich Vertrag. Und da gilt das, was zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses gültig war. Nachträgliche "Änderung der Risikobewertung" geht nach einschlägigen Gerichtsurteilen zu Lasten des Versicherers.

Wie das bei Klagen von FzM gegen die PKV auf Senkung des Beitrags auf "Männertarif" ausgegangen ist, kann ich mich allerdings gerade nicht mehr erinnern. Ich vermute mal ähnlich, was dann wohl hieße, daß der alte Tarif bestehen bleibt. Ließe sich aber sicher irgendwo nachschauen.


liebe grüße
triona

_Leonie_

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 9 im Thema

Beitrag von _Leonie_ » Sa 28. Jan 2017, 09:28

Da ich auch Privatversichert bin habe ich mir natürlich auch schon Gedanken gemacht was meine PKV wohl dazu sagen wird. Mein Psychologe hat mich beim Vorgespräch gefragt was er in die Rechnung schreiben solle, ich habe nach der Wahrheit verlangt.
Ob meine Versicherung mich dafür fliegen lässt kann ich natürlich nicht sagen, auch was die Beihilfestelle dazu sagt weiß ich nicht. Die Erfahrungen die hier beschrieben wurden geben mir allerdings schon etwas Hoffnung :D

ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2102
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Hat sich bedankt: 1834 Mal
Danksagung erhalten: 1063 Mal
Gender:

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 10 im Thema

Beitrag von ab08 » Sa 28. Jan 2017, 10:19

Tara hat geschrieben:
Fr 27. Jan 2017, 20:55
Das Problem ist leider nur, dass manche PKV die dreiste Tour fährt und leider das 'Wissentliche' unterstellt. Ist die Kündigung erstmal draußen, stehe ich noch dümmer da als zuvor.
Liebe Tara,

dazu noch eine ganz persönliche Anmerkung. -> Wir sollten organisiert sein!!
In der gesamten beruflichen Laufbahn war ich im Bayrischen Philologenverband (bzw. Beamtenbund), seit den 80ern bin ich sogar aktives Mitglied (vgl.Profil).

Bei so einem Verhalten würde ich mich an den Rechtsschutz meines Berufsverbandes wenden.
-> Bei mir war der Dienstherr das Problem. Die Rechtsabteilung des Berufsverbandes half, die Zwangspensionierung rückgängig zu machen. Ohne die äußerst effektive Unterstützung durch den erfahrenen Rechtsanwalt des Verbandes hätte ich nach dem CO wahrscheinlich nicht weiter unterrichtet. :wink:

Bzgl. Tariferhöhung: Soweit ich weiß, hat die BBK heute eine geschlechtsunabhängige Tarifstruktur,
aber ich hab wenig Ahnung, da ich mich darum selten kümmere... :oops:

Ganz liebe Grüße
Andrea
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Tara
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 105
Registriert: Fr 27. Jan 2017, 09:15
Geschlecht: transidente Frau
Pronomen:
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 144 Mal
Gender:

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 11 im Thema

Beitrag von Tara » Sa 28. Jan 2017, 10:30

Liebe Andrea,

ja, danke für den Hinweis mit den geschlechtsunabhängigen Tarifen! Aber das gilt m.E. nur für Neuabschlüsse ab ~12/2012 (Unisex-Tarife). Dafür wurde es dann gleichmäßig für alle teurer und ich denke, dass die KKn vielleicht dennoch irgendwelche 'Risikotarife' aus dem Ärmel zaubern können - keine Ahnung.

Das ist ziemlich krass mit der Frühpensionierung. Auch bei unserer Behörde ist das mit Abstand das beliebteste Instrument des Dienstherrn, 'Probleme' zu lösen. Das wurde vor vielen Jahren sogar mal bei einer Kollegin versucht, die einen komlizierten Beinbruch hatte und sehr lange krank war ... Hat zum Glück nicht funktioniert.

Diese Gefahr wäre in jedem Fall eine Überlegung wert, in die Gewerkschaft einzutreten, damit ich nicht vollkommen schutzlos bin, wenn es schlimmstenfalls gegen den Dienstherrn vor Gericht gehen sollte.


Ganz liebe Grüße zurück und hab ein schönes Wochenende,

Tara
Selbstdiagnose MzF-TG - und was nun ... ?

Tatjana_59
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1459
Registriert: So 1. Jan 2012, 20:07
Geschlecht: TS - MzF
Pronomen:
Hat sich bedankt: 1056 Mal
Danksagung erhalten: 447 Mal

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 12 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Sa 28. Jan 2017, 10:57

Hallo Tara,

Ich möchte deine Bedenken einfach mal zerstreuen.
Ich bin seit über dreißig Jahren bei der Debeka privat versichert.
Ich bin selbstständig, habe keinen Beamtenstatus.

Beim Abschluss meines Vertrages hatte ich keinen blassen Schimmer dass ich TS sein könnte, wusste noch nicht mal das es sowas gibt.
Ich hatte zwar wie die meisten hier einen Hang Damenwäsche zu tragen, das war zu diesem Zeitpunkt für mich einfachh pervers.
Sollte ich der Versicherung mitteilen dass ich ein perversling bin?
Ich dachte darüber nicht mal nach.
Ende 2011 begann ich mit vorsichtigem Outing weil der Druck in mir zu groß wurde, wusste da noch lange nicht was mit mir los ist, ich outete mich als Dwt.
Natürlich nicht der Versicherung gegenüber.
Mein Leben auf der Überholspur begann,es überholte mich zusehends.
Ich habe hier bei ein Tagebuch geführt, nimm dir die Zeit und lese das von Simone, es spiegelt in etwa mich wieder.
Irgendwann nahm ich einen Therapeuten mit ins Boot, musste ich. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich schon vollständig geoutet, mittlerweile als vermutlich Ts, als Frau.
Da erst beantragte ich die Therapie,ohne Angaben warum ich einen Therapeuten aufsuchte.
Die ersten Rechnungen diesbezüglich reichte ich bei der KV ein, noch auf meinen männlichen Namen.
Etwa ein halbes Jahr später, ***OHNE VÄ/PÄ*** reichte ich ohne bei der Versicherung nachzufragen Rechnungen ein mit meinem weiblichen Vornamen, von allen möglichen Arten, wenn ich die Praxis betrat ließ ich sofort meinen Namen ändern.
In der Rechnung wurde nun als Name Tatjana in Klammern vormals Gerhard S. angegeben.
Für die KV war meine Versicherungsnummer ausschlaggebend.
Ich bekam nicht Eine Rechnung zurück.
Nach meiner VA/PÄ, rechtskräftig seit sehr genau einem Jahr, teilte ich dies meiner KV erstmalig mit und reichte den gesamten Gerichtsbeschluss ein.
Bei Nachfragen meinerseits ob sich im Tarif etwas ändert in Bezug auf Beitrag da ich nun als Frau geführt werde, bekam ich Bescheid dass sich daran nichts ändern würde, da es auch rechtlich nicht zulässig ist.
Mein erster Antrag den ich stellen musste ist der zur Nadelepilation, da warte ich noch auf Bescheid, gehe aber davon aus (hoffe) dass das problemlos genehmigt wird.
Problem dabei ist dass es im Umkreis von mindestens 100 km keinen Hautarzt gibt der die Nadelepilation macht, ich daher zu einer Kosmetikerin gehen muss.
Das war jetzt auf die schnelle eine Kurzversion. Es steht aber alles drin was dir vermutlich wichtig ist.
Ich hoffe ich konnte deine Ängste etwas zunichte machen.

Gruß Tatjana

Tara
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 105
Registriert: Fr 27. Jan 2017, 09:15
Geschlecht: transidente Frau
Pronomen:
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung erhalten: 144 Mal
Gender:

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 13 im Thema

Beitrag von Tara » Sa 28. Jan 2017, 11:58

Hallo Tatjana,
ich hatte deinen Vorrednerinnen-/Schreiberinnen schon geantwortet, aber meine Beiträge hängen noch in der Pipeline zwecks Genehmigung.

Vielen Dank für deine Antwort und den Hinweis auf das Tagebuch von Simone, das ich mir sehr gerne anschauen werde. Aus euren Erfahrungen kann ich nur lernen, zumal mir einiges bevorsteht, denn meine Familie wird alles andere als verständnisvoll und tolerant reagieren. Aber ich mag nicht vom Thema abschweifen ...

Wirklich interessant, dass die Ärzte 'einfach so' deinen Namen änderten, ohne dass es bereits amtlich war. Im Massenabfertigungsverfahren in der Leistungsabteilung einer PKV kann ich mir schon vorstellen, dass die es zunächst nicht bemerkten und nur nach der Versicherungsnummer schauten. Aber wenn ich so überlege, welche Minibeträge mir die Beihilfe rausstreicht, obwohl die bei uns noch weitaus mehr unter Druck stehen und etliche Bearbeitungsrückstände haben ...
Dein Bericht macht mir in der Tat Mut, dass es nicht zum Schlimmsten kommen muss. Aber es schadet vielleicht nicht, vorher alles abzuklopfen, anstatt dann unverhofft reinzufallen. (Böse) Überraschungen wird es ohnehin genug geben, wie ich oben andeute.

Ich wünsche dir eine möglichst erträgliche, erfolgreiche Epilation,

Gruß

Tara
Selbstdiagnose MzF-TG - und was nun ... ?

Svetlana L
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 557
Registriert: Sa 7. Mai 2016, 06:47
Geschlecht: trans*-Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 133 Mal
Danksagung erhalten: 369 Mal
Gender:

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 14 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Sa 28. Jan 2017, 13:55

Tara hat geschrieben:
Sa 28. Jan 2017, 06:19
Wenn du bereits Rechnungen auf 'Svetlana' ausgestellt bekamst, war anscheinend deine VÄ/PÄ vor Gericht bereits durch.
Hattest du die Kosten für den Psych zwecks Erstgutachter beim AG komplett alleine getragen, sodass deine PKV erst jetzt involviert ist?
Liebe Tara,

nein, VÄ/PÄ ist weder durch, noch geplant, noch überhaupt beabsichtigt, schon gar nicht nach dem bisher geltenden diskriminierenden, fremdbestimmten Verfahren nach dem TSG. Somit benötige ich auch keine Gutachter_innen.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

Tatjana_59
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1459
Registriert: So 1. Jan 2012, 20:07
Geschlecht: TS - MzF
Pronomen:
Hat sich bedankt: 1056 Mal
Danksagung erhalten: 447 Mal

Re: 'Outing' bei der PKV - Kündigung?

Post 15 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Sa 28. Jan 2017, 14:14

Tara hat geschrieben:
Sa 28. Jan 2017, 11:58
Hallo Tatjana,
ich hatte deinen Vorrednerinnen-/Schreiberinnen schon geantwortet, aber meine Beiträge hängen noch in der Pipeline zwecks Genehmigung.

Vielen Dank für deine Antwort und den Hinweis auf das Tagebuch von Simone, das ich mir sehr gerne anschauen werde. Aus euren Erfahrungen kann ich nur lernen, zumal mir einiges bevorsteht, denn meine Familie wird alles andere als verständnisvoll und tolerant reagieren. Aber ich mag nicht vom Thema abschweifen ...

Wirklich interessant, dass die Ärzte 'einfach so' deinen Namen änderten, ohne dass es bereits amtlich war. Im Massenabfertigungsverfahren in der Leistungsabteilung einer PKV kann ich mir schon vorstellen, dass die es zunächst nicht bemerkten und nur nach der Versicherungsnummer schauten. Aber wenn ich so überlege, welche Minibeträge mir die Beihilfe rausstreicht, obwohl die bei uns noch weitaus mehr unter Druck stehen und etliche Bearbeitungsrückstände haben ...
Dein Bericht macht mir in der Tat Mut, dass es nicht zum Schlimmsten kommen muss. Aber es schadet vielleicht nicht, vorher alles abzuklopfen, anstatt dann unverhofft reinzufallen. (Böse) Überraschungen wird es ohnehin genug geben, wie ich oben andeute.

Ich wünsche dir eine möglichst erträgliche, erfolgreiche Epilation,

Gruß

Tara
Den Ärzten ist es egal welcher Name im PC steht, Hauptsache die bekommen ihr Geld.
Mit der vorab Namensänderung beim Arzt ging es mir in erster Linie darum, im Wartezimmer nicht mehr als Herr S. aufgerufen zu werden.
Es war mir mega peinlich bei den ersten zwei/drei Arztbesuchen als Herr abgesprochen zu werden, im Rock oder Kleid und geschminkt.
Da hatte ich die Gaffer erst recht auf meiner Seite.
Mein Hausarzt fragte mich schon bei meinem ersten Besuch im Frauenmodus wie ich denn gerne von ihm angesprochen werden möchte.

Ich drück dir die Daumen für alle deine weiteren Schritte, egal in welcher Richtung.

PS: vor dem Outing in der Familie und bei Freunden hatte ich die meiste Angst. Ich hatte mit niemanden ein Problem.
Job musste ich mir kaum Gedanken machen. Da ich meine eigene Chefin bin.

Gruß Tatjana

Antworten

Zurück zu „Gesundheit, Medizin, Psychologie“