Therapeut(in): Sinnvoll, und wie auswählen?
Therapeut(in): Sinnvoll, und wie auswählen?

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Michelle_Engelhardt
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Re: Therapeut(in): Sinnvoll, und wie auswählen?

Post 1 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Hallo Sara,

puh...das sind viele Fragen, die Dich derzeit beschäftigen. Dummerweise können die meisten Fragen wohl von niemandem hier so richtig beantwortet werden, außer von Dir selbst. Vielleicht noch nicht jetzt, aber vermutlich in Zukunft, wenn Du klarer siehst und Deine Gefühle besser einordnen und verstehen kannst. Mir hat kein Therapeut gesagt, das ich transident bin. Ich habe mein wahres Ich vielmehr durch viele Gespräche mit Gleichgesinnten und nicht zuletzt auch das Internet, mit seiner Fülle an Informationen zum Thema, gefunden. Erst als ich mir sicher war, das ich transsexuell bin und mein weiteres Leben als Frau leben will, habe ich therapeutische Hilfe bzw. Begleitung gesucht. Die daraus resultierende Diagnose F 64.0 war dann auch keine Überraschung sondern Bestätigung, was mir schon klar war.

Liebe Grüße
Michelle
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Anne-Mette
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Re: Therapeut(in): Sinnvoll, und wie auswählen?

Post 2 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

hier findest Du etwas: viewtopic.php?p=118377#p118377

Gruß
Anne-Mette
Svetlana L
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Re: Therapeut(in): Sinnvoll, und wie auswählen?

Post 3 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Explorer hat geschrieben:...Ich habe seit Jahren Homepages und Youtube-Videos und Erfahrungsberichte und Bücher gewälzt zu dem Thema, so dass ich mich frage, ob ein Fachmann oder eine Fachfrau wirklich viel "klüger" ist als ich es selbst bin...
Ich denke, das die Therapie nicht in erster Linie dazu da ist, dein Wissen über Transsexualität auf den aktuellsten Stand zu bringen, sondern unterstützend und in Zusammenarbeit mit dir herauszufinden, was Sache ist. Da spielen noch andere Faktoren eine Rolle, die du dir als nicht psychologisch vorbelastete Person (vermute ich mal) nur bedingt bei youtube aneignen kannst, z.B. bestimmte Frage-/Innterviewtechniken und sonstigen "Psychokram". Dabei ist die fachliche Seite die eine Sache, die aber allein nichts bringt, wenn die Chemie zwischen euch nicht stimmt. Deshalb sind in meinen Augen auch persönliche Empfehlungen eines_einer Therapeutin mit Vorsicht zu genießen bzw. können ein persönliches Kennenlernen nicht ersetzen. Ich weiß aber auch, dass das auf dem Land natürlich noch schwieriger umzusetzen ist als hier in der Großstadt. Trotzdem wünsche ich dir, dass du fündig wirst und dabei auch eure Beziehung nicht auf der Strecke bleibt. Manche Psychologen bieten wohl im Rahmen einer Therapie auch Gespräche für Partner_innen, Familienmitglieder usw. an, aber da habe ich keine Erfahrungen.
Hawadehre
Svetlana

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Re: Therapeut(in): Sinnvoll, und wie auswählen?

Post 4 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Sara,

hab eigentlich bei dem Thema wenig Ahnung, denn im Grunde machte ich alles stets mit mir allein ab.
//Hatte schließlich jahrzehntelang dafür Zeit... :oops: Unterrichtete zwar seit 2004 in Psychiatrie, hatte aber keinen Bedarf für professionelle Gespräche...//
Der Erstgutachter(Psychiater) /TSG war der Standard-Tipp in der SHG. Die Zweitgutachterin(Psychologin) bestimmte das Gericht.
Gespräche mit anderen Betroffenen (vgl. Daenerys) trifft aber, trotz aller Autodidaktik, teilweise auch bei mir zu...

Liebe Grüße
Andrea
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Re: Therapeut(in): Sinnvoll, und wie auswählen?

Post 5 im Thema

Beitrag von Marielle »

'nabend zusammen, Hallo Sara,

es geht wohl um diesen Beitrag, der in dem verlinkten Thread wiederum verlinkt ist: viewtopic.php?f=125&t=10260#p118248

Da gibt's zwar leider auch keine Adressen in Österreich, aber eine ganz brauchbare Sicht auf Ziele und Nutzen von psychologischer Beratung.


Abseits davon finde ich die Aussage von Daenerys grossartig! Das Ziel, unabhängig von Erwartungen und Zuweisungen, glücklicher zu werden, als das Mass der Dinge zu sehen .... das ist es.

Mit dem Ziel und einer Idee vom Weg dahin braucht man wahrscheinlich gar keine_n Therapeut_in mehr. Oder anders, ein_e Therapeut_in, die jemanden auf diesen Weg bringen kann, ist sicherlich ganz weit vorne in ihrem Fach.

Hab's gut

Marielle
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Re: Therapeut(in): Sinnvoll, und wie auswählen?

Post 6 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Liebe Sara und/oder Explorer,

eine Beobachtungs-Anregung möchte ich Dir doch noch mitgeben:

> Ich will sehen, ob es nur ein zeitweiliger Rausch oder eine Möglichkeit des Eskapismus ist, oder ob es mir auch durch Probleme und Krisen helfen kann. Wie "Sara" reagiert, wenn es mir nicht so gut geht.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass "Geschlechtlichkeit" nicht immer wichtig ist, bzw. in meinem Alltag nicht immer eine Rolle spielt. Gerade in Zeiten besonderer Anforderungen geht es anscheinend, zumindest in meinem Fall, nicht um "als Frau" oder "als Mann", sondern um das akut zu lösende Problem. Erst in Zeiten, in denen Freiräume zum Nachdenken existieren, tritt bei mir ein bewusstes Empfinden meiner Geschlechtlichkeit ins Bewusstsein zurück.

In der Tat ließ mich das während meiner Selbstfindung überlegen, ob ich also "aus meinem stressigen Leben flüchte" - bin jedoch zu einem anderen Schluss gekommen, da sich das Empfinden ja genau erst *nach* der jeweiligen Stressphase einfindet, statt während dieser. Also sollte es keine Flucht gewesen sein, sondern eher mein "Ich", dass dann die mentale Nachbearbeitung übernahm / übernimmt.

Zumindest für mich war es eine sehr angenehme Erkenntnis, dass meine "Gender-Konflikte" nicht mein gesamtes Leben bestimmen. Sondern dass ich mich, wenn es darauf ankommt, auch noch mit dem normalen (und auch dem besonderen) Alltag auseinandersetzen kann, ohne ständig um das eine Thema zu kreisen.

Liebe Grüße
Jackie
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Re: Therapeut(in): Sinnvoll, und wie auswählen?

Post 7 im Thema

Beitrag von ab08 »

Explorer hat geschrieben: Aber ich habe Angst, bei meiner Selbstentfaltung zu viel Porzellan zu zerbrechen und andere Menschen zu verletzen.
Das versteh ich sehr gut und zeigt, dass Du ein sehr emphatischer Mensch bist. :wink:
Aber das läßt sich bisweilen nicht ganz vermeiden, wenn man sich selbst nicht völlig aufgibt...

Ganz liebe Grüße
+ Danke für Deine durchdachten Beiträge, die sich für andere sicher hilfreich sind.
Andrea
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Re: Therapeut(in): Sinnvoll, und wie auswählen?

Post 8 im Thema

Beitrag von rika »

Hallo Explorer,

lass' mich von meinen Erfahrungen mit Therapeuten schreiben.

Wie es so schön in Neudeutsch heißt, wurde ich während des Rosenkrieges durch meine damalige Frau im Familienkreis "geoutet". Es war das Jahr 2002, unsere Tochter war 9, ich 48 und ich wie fast alle hier schon seit meiner Jugend mit weiblicher Kleidung beschäftigt. Ich sprach einen Nachbarn an, ein damals bekannter Urologe in Frankfurt. Er empfahl mir, Prof. Sigusch am Institut für Sexualmedizin zu konsultieren, damit ich erfahre, wer/wie/was ich bin. Das tat ich auch ohne zu wissen, wie dieser Mensch tickt. Das Ergebnis waren € 2000 weniger auf dem Konto und eine 30-seitige Stellungnahme, in der er viel über seine Forschungen, die Indizes usw. schrieb und mich beschrieb, dass ich als Mann imponiere und als Crossdresser oder was auch immer völlig harmlos bin. Er riet, eventuell für meine Tochter einen Kinderpsychologen zu Rate zu ziehen, was ich nicht gemacht habe.

Dann ging ich zu einem Coach (in Amerika heißen so die Überlandomnibusse :lol: ) und erzählte ihm von mir. Er war sehr nett, wohnte auch hier in Braunfels und hörte mir 10 Stunden zu. Die einzige Erinnerung ist eine interessante Empfehlung: ich solle doch überlegen, für Menschen wie mich ein spezielles Hotel zu eröffnen. Nun ja, ich blieb den Metallen verbunden aber vielleicht wäre es ja eine interessante Möglichkeit gewesen.

Letztes Jahr brachten mich berufliche Probleme arg weit nach unten und im August beschloss mein Körper, mir die gelbe Karte zu zeigen. Der Verdacht auf schwere Depressionen hat sich leider bestätigt und so nehme ich jeden Morgen meine Pille fürs Lustigsein. Auch hier war ich bei einer Therapeutin, der ich sofort reinen Wein einschenkte und sie nach Vorankündigung auch mit rika konfrontierte.

Sie hat mir ungefähr 20 x zugehört, auch viel selbst erzählt und für die 50 min jeweils € 90 bekommen. Dann bin ich nicht mehr hingegangen, da ich den Eindruck hatte, dass ich sie nicht mehr brauche und mir helfen kann. Das berühmte "Wofür, ich schaffe es auch alleine" kam immer stärker durch. Seitdem geht es mir auch nicht schlechter sondern eher besser, da sich Dinge positiv entwickeln. Mich hat bei allen Gesprächen gestört, dass selbst in einer intensiven Phase die Sanduhr abgelaufen ist und der nächste Patient vor der Türe steht. Dieses Eingepresstwerden in eine therapeutische Stunde habe ich leider auch schon aus Kliniken gehört und das geht überhaupt nicht.

Ich kenne Menschen, die über Jahre zu Therapeuten gehen und habe den Eindruck, dass sie sie dort einfach mal eine Stunde Zuhören kaufen, da diese Fähigkeit im Jahrmarkt der Eitelkeiten sehr gelitten hat.

Und damit komme ich zu meinem Schluss: Therapeuten sind hoffentlich ausgebildete Zuhörer und wissen Vieles. Aber sie arbeiten im Stundentakt für Geld und das Schicksal der Patienten muss in der Praxis bleiben, sonst werden sie selbst welche. Wenn Du Menschen kennst, die nahe sind und wirklich zuhören und leise antworten, sind sie vielen Therapeuten weit überlegen. Ich durfte solche kennenlernen, sie halfen mir wirklich.

rika
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