Zwei CD-Damen erleben Premieren ...
Zwei CD-Damen erleben Premieren ...

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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ExuserIn-2015-02-14

Zwei CD„Damen erleben Premieren ...

Post 1 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2015-02-14 »

Liebe Leserinnen, ich möchte Euch auf einen Kurztripp ins vergangene Wochenende mitnehmen, also geniesst es!
Voller Euphorie fiebere ich dem Freitag und Samstag entgegen. Ein ganz besonderes Wochende liegt da vor mir, weil es gespickt mit vielen neuen Erfahrungen und Erlebnissen sein wird, bezeichne ich es als mein persönliches Premieren-Wochenende.
Meine erste, große Premiere wird das persönliche Treffen mit Andrea in natura sein. Wie werden wir beiden CD-Lädies wohl miteinander und aufeinander reagieren? Da unsere kulturellen Interessensgebiete sehr identisch sind, werden wir doch ganz kompatibel sein. Als zweites, besonders Highlight steht der Besuch der Frankfurter Oper am Samstagabend an. Im festlichen Ladylike-Outfit in die Oper zu gehen, war schon ein lang gehegter Wunsch von mir, der jetzt in die Tat umgesetzt wird.
Eine gewisse Aufregung, gepaart mit einer großen Portion Neugier, überkommt mich als ich das Parkhaus mit dem Auto verlasse, um in Richtung Frankfurt aufzubrechen. Die Metamorphose in Deborah ist mir schnell und ordentlich von der Hand gegangen. Mein Outfit ist sehr frühlingshaft, vielleicht zu sehr, aber ich bin einfach eine frühlingshafte und farbenfrohe Optimistin. Schnell erreiche die Frankfurter City, da bis zu Andreas Ankunft noch genügend Zeit verbleibt, werde ich zuerst das Hotel in Bahnhofsnähe ansteuern, um mein reserviertes Zimmer zu belegen. Nach einigem Suchen finde ich direkt vor dem Hotel einen entsprechenden Parkplatz. Zum ersten Mal in meinem jungen Leben als Deborah betrete ich ein Hotel. Was für eine Premiere, ein absolutes Novum. Innerhalb von fast einem Jahr ist aus der schüchternen Deborah doch eine ziemlich selbstbewusste kleine Lady geworden. Die jetzt mit dem Koffer in der linken Hand und dem schwarzen Täschen in der Rechten die Hotel -Lobby betritt. Die Empfangsdame wird auf mich aufmerksam, ich nenne meinen weiblichen Namen und die Reservierungsnummer. Freundlich überreicht sie mir die Schlüsselkarte und fragt zugleich nach meiner Kreditkarte. Leider besitze ich in dem Moment keine Kreditkarte, denn mein männlicher Name könnte mich auf der Karte enttarnen, so etwas will Deborah auf keinen Fall. Somit muss das Zimmer von mir bar bezahlt werden. Sie stellt mir die Rechnung aus und wünscht mir noch einen angenehmen Aufenthalt. Eine nette Person denke ich mir so, sie zeigte auch keine irritierende Reaktion, war wohl doch sehr überzeugend als echte Lady.
Das Zimmer ist sauber, modern und praktisch eingerichtet, leider funktioniert die Klimaanlage nicht. Schnell verstaue ich mein Sachen im Schrank. Bis zum Eintreffen von Andrea verbleiben noch etwa 30 Minuten. Zeit zum Ausruhen.
Nach einer 15minütigen Ruhepause mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Verlasse das Hotel, laufe quer durch die Kaiser zum Bahnhof. An einigen Ecken stehen die Damen vom horizontalen Gewerbe und bieten ihre Dienste an. Das Bahnhofsviertel ist nicht die allerbeste Seite von Frankfurt.
Im Bahnhof warte ich an Gleis 6 auf Andreas Ankunft. Der ICE fährt ein, hält, und ein Strom von Reisenden ergießt sich in den Bahnhof. Nur, wo bleibt meine Andrea? Nach einer kleinen Weile sehe ich sie endlich. Lächelnd kommt sie auf mich zu, wir umarmen uns. Schick sieht sie aus, wie sie da im grünen Bläzer und schwarz-gepunkteten Rock so vor mir steht.
Nach kurzer Begrüßung geht's ab ins Hotel. Andrea checkt nach identischem Modus wie ich ein. Ich begleite sie noch bis aufs Zimmer, gönne ihr eine kleine Verschnaufpause. Wir verabreden uns in etwa 15 Minuten in Richtung City aufzubrechen. Andrea ist brennend vor Neugier und so stöckeln wir beide in Richtung Zeil los. Für mich ist es eine ganz neue Erfahrung in Begleitung einer CD-Freundin unterwegs zu sein. Einfach wieder so eine wundervolle Premiere. Relativ schnell erreichen wir die Frankfurter Shoppingmeile, genannt "Zeil".
Wir wollen an einem Sitzrondell ein paar Fotos von uns schießen, werden dabei von Obdachlosen aber ziemlich Missverstanden und schlagen verbal auf uns ein. Wir ergreifen die Flucht und verschwinden schnell in der Menschenmassse. Der zweite fotografische Anlauf gelingt doch wesentlich besser. Andrea bittet einen etwa 10jährigen Jungen uns zu fotografieren, was er auch bereitwillig macht. Als Nächstes möchte Andrea neue Pumps kaufen, da sie ein spezielles Geschäft mit Übergrössen kennt, gehen wir direkt dort hin.
Nach dem wir das Geschäft betreten haben, wendet sich eine Verkäuferin zu Andrea und fragt nach ihren Wünschen. Eine Biofrau mit großen Füssen wird parallel von ihr bedient, ich setze mich auf eine kleine Couch, und lausche dem Verkaufsgespräch. Andrea sucht nach entsprechenden Schuhen, ich geniesse die Situation en femme'mit einer Freundin im Schuhgeschäft zu sein. Irgendwie so selbstverständlich schön und absolut feminin. Die Verkäuferin behandelt uns wie zwei echte, reife Damen, sollte sie uns doch durchschaut haben, so lässt sie sich nichts anmerken. Sehr professionell, wie ich finde. Andrea wird nach einer gewissen Zeit fündig und ersteht ein Paar Pumps.
Unser nächstes Ziel ist der Frankfurter Römer, langsam schlendern wir dorthin. Andrea muss immer wieder in ihrem Schritttempo von mir gebremst werden, weil sie mir zu schnell ist. Als Deborah habe ich mir eine bewusst langsame Gangart mit kurzen Schritten angewöhnt, so ganz anders als mein männliches Pendant.
Zwischendurch besichtigen wir die Paulskirche, gelangen zum Römer und lassen die Szenerie auf uns einwirken. Langsam spüren wir eine gewisse Leere im Oberbauch, unsere knurrenden Mägen erinnern uns an das Abendessen.
Zurückgehend über die Zeil finden wir ein hungerstillendes Restaurant. Da die Abendluft noch recht mild ist, setzen wir uns nach draußen, genießen dabei die untergehende Sonne.
Ich mache mir bewusst, es ist Freitagabend, ich sitze mit Andrea im Strassenrestaurant, wir erzählen, kommen uns dabei menschlich näher und wir sind zwei passable CD-Frauen. So schön kann das Leben sein. Wieder so eine Premiere!
Nach dem Essen stellt sich eine leichte Müdigkeit ein, wir beschließen in Richtung Hotel zurückzugehen. Das nächtliche Frankfurt ist voller testosterongesteuerter Männer, die in ihrem archaischen Weltbild Frauen als Freiwild betrachten. Ihr versteht, was ich meine? Je näher wir unserem Hotel kommen, desto brisanter wird der Testosterongehalt in der Luft. Wir müssen durch eine solche Ansammlung hindurchlaufen, selbstbewusst kreuzen wir die jungen laut gestikulierenden Machos, und da ist auch schon das rettende Hotel in Sicht.
Wir verabreden uns, den Abend an der Hotelbar ausklingen zulassen. Auf dem Zimmer angekommen ziehe ich mir einen dunkelblauen engen Rock, schwarze Lackpumps und meine Rüschenbluse an. So gehts ab in die Bar. Andrea bestellt sich ein Glas Wein und ich bevorzuge einen ordentlichen Scotch zum Entspannen. Wie es sich für zwei Damen gehört, tratschen und erzählen wir die ganze Zeit, bis es wir schließlich um halb elf müde und erschöpft ins Bett gehen. Man(n) ist doch nicht mehr die Jüngste. Was für ein schöner Tag als Ladylike, und dazu noch die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag, rundherum, ohne Unterbrechung nur Lady sein zu konnen. Einfach grandios! Noch so eine Premiere.
Liebe Lerserinnen dies ist der erste Teil meines, unseres fantastischen Premienenwochenendes. Fortsetzung folgt, also dran bleiben!
Liebe Grüsse Deborah LL.
Inga
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Re: Zwei CD„Damen erleben Premieren ...

Post 2 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Deborah,

welch schöner abwechslungsreicher Premierentag! Andrea hat ja von eurem Wochenende schon eine aus Ihrer sicht ins Netz gestellt. Doch deine Perspektive ist eine andere. Da bin ich gespannt auf die Fortsetzung.

Liebe Grüße
Inga
geraldine
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Re: Zwei CD„Damen erleben Premieren ...

Post 3 im Thema

Beitrag von geraldine »

Hallo Deborah !
Du bist ja so ein "Frühaufsteher".
Herzlichen Dank.
Ich war ja schon lange gespannt wie Euer
gemeinsames Wochenende verlaufen wird.
Es ist einfach schön Eure Berichte zu lesen
und an Euren Gefühlen teilhaben zu dürfen.
Sehr schön.
Bin gespannt wie es weitergeht.
L G Geraldine
Heike40HH

Re: Zwei CD„Damen erleben Premieren ...

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Beitrag von Heike40HH »

Hallo deborah,
eine sehr schöne Geschichte. Hast Du toll geschrieben. Die Menschen scheinen ja doch tolleranter zu sein als ich denke. Ich bin gespannt auf die nächsten Teile Deiner Geschichte.
Ein solches Wochenendende wäre auch ein TRaum von mir.
Heike
Andrea aus Sachsen
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Re: Zwei CD„Damen erleben Premieren ...

Post 5 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Danke Deborah für den lebendigen und anschaulichen Bericht! Beim Lesen konnte ich die Stunden mir dir noch einmal erleben.
Ich bin schon gespannt auf den 2. Teil.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
ExuserIn-2015-02-14

Re: Zwei CD„Damen erleben Premieren ...

Post 6 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2015-02-14 »

Liebe Leserinnen - vielen Dank für Eure netten Resonanzen! Wie ich herauslesen konnte, seid Ihr doch sehr gespannt auf den fantastischen Ladyday am Samstag. Los geht's.

Die Luft im Zimmer ist heiß, die Klimaanlage streikt weiterhin, der Lärm der Strasse dringt sogar durch das geschlossene Fenster. Ich wache auf und fühle mich wie gerädert. Ein erholsamer Nachtschlaf fühlt sich irgendwie anders an, denke ich mir. Das wird deine Falten im Gesicht noch tiefer erscheinen lassen, da brauche ich heute ein gutes Make-up. Ich schaue auf meine Uhr, es ist 5.00 in der Frühe. Eigentlich meine übliche Zeit zum Aufstehen. Langsam gehe ich ans Tagewerk, als erstes gehe ich Duschen und danach gibt es eine gründliche Generalinspektion meines ramponierten Erscheinungsbildes. Der Nagellack hat irgendwie gelitten und das Dunkelrot gefällt mir nicht mehr. Jetzt nehme ich mir ausgiebig Zeit für eine intensive Umlackierung. Ein helles Rot ziert meine Nägel, ich lackiere ein zweites Mal nach, um die Festigkeit zu erhöhen. Denn sie sollen noch den Opernabend in strahlendem Rot überstehen.
Der Faltenteppich im Gesicht wird ordentlich glatt gebügelt, mittels eines teuren und guten Make-up's in Facon gebracht. Lippen in kirschrot geschminkt, etwas Rouge auf die Wangen und meine kastanienbraune Perücke aufgesetzt. Langsam kommt meine mir vertraute Deborah zum Vorschein.
Die Kleiderwahl für den heutigen Tag wird zur Qual. Ich habe vier Röcke und fünf Blusen, zwei Blazer und Strickjacken, dazu noch 5 Paar Pumps, von den Dessous reden wir nicht, für die eineinhalb Tage mitgenommen. Deborah du bist irgendwie "crazy", sage ich so zu mir. Nach langem Hin und her entscheide ich mich für meinen schwarz gepunkteten Faltenrock, weiße Bluse, orangefarbene Peeptoes und Blazer. Später wird sich mein Outfit als sehr luftig und etwas kühl herausstellen. Wer schön sein will, der muss auch Kühle ertragen können.
Gegen 8.30 h treffe ich mich mit Andrea zum Frühstück, mein Appetit hat nicht gelitten und so frugal Speise ich auch. Nur so richtig wach werde ich noch immer nicht. Der Frühstücksraum ist mit vielen Holländern und Schweizern männlichen Geschlechts besetzt. Eine Biofrau erblicke ich vis-a-vis, später werde ich sie im Aufzug treffen und einen netten Small-talk mit ihr halten. Wir werden von den Gästen kaum beachtet. Das Frühstück ist relativ schnell beendet. Anschließend checke ich offiziell aus. Meine ganzen Sachen deponiere ich im Zimmer von Andrea. Wofür ich dankbar bin.

Etwa gegen Halbzehn verlassen wir das Hotel in Richtung "Jüdisches Museum" unserem ersten Etappenziel. Andrea legt für eine feine Dame ein ordentliches Tempo vor, was mir sehr missfällt, denn meine Füsse schmerzen noch etwas vom Vortag. Ausserdem ist die Schrittlänge nicht ladylike, also bitte etwas langsam Andrea. Schnell erreichen wir das Museum, nach einer intensiven Einlasskontrolle plus Körperscanning, mit anschließender Handtaschenverwahrung, komme ich mir wie ein Terrorist vor. Ich denke mir, was für eine Schande für das neue Deutschland, dass jüdische Einrichtungen wieder eine solche Angst haben müssen. Im Museum wird sehr ausführlich vermittelt, wie jüdisches Leben sich seit dem 8. Jahrhundert in Frankfurt entwickelte, wie entscheidend es die Stadt prägte, wie es verfolgt und ermordet wurde. Mir wird dabei der tiefsitzende Antisemitismus vieler Jahrhunderte bewusst. Leider, kein ausschließlich deutsches Problem.

Wir sind nach etwa 2 Stunden mit der musealen Besichtigung fertig. Unsere Mägen signalisieren uns ein Sättigunsbedürfnis. Ich schlage vor, dass wir auf der anderen Mainseite, im Stadtteil Sachsenhausen, uns eine Gaststätte suchen.
Da unser nächstes Etappenziel, das Städle-Museum, direkt auf dem Weg liegt, gehen wir über die luftige Fussgängerbrücke hinüber nach Sachsenhausen.
Nach 15minütiger Gehzeit stoßen wir auf ein sogenanntes "Modernes Gasthaus". Beim Eintreten fällt die helle Atmosphäre und das moderne Ambiente auf. Wir nehmen einen der noch wenigen freien Plätze ein, eine sehr nette, junge Bedienung kommt sofort zu uns und erfragt unsere Getränkewünsche. Mir gefällt die Kleine mit ihrer natürlichen und freundlichen Ausstrahlung. Mein männlicher Teil meldet sich zurück, ich beschließe mit ihr zu flirten. Deborah - was machst du da für unanständige Sachen! Ich bestelle wie immer ein Radler und verschwinde sofort in Richtung Damentoilette. Meine zerzauste Frisur muss in Ordnung gebracht werden, außerdem muss auch die Fassade kontrolliert werden.
Zur Damentoilette geht's an mit Männern besetzten Tischreihen vorbei, dabei fixiert mich der eine oder andere Mann etwas intensiver. Selbstbewusst lasse ich meine Rock schwingen und schreite die Treppe zur Toilette herab.
Zwei jüngere Biofrauen warten ungeduldig im Handwaschraum vor den Toiletten. Da es mir nur um mein Fassadencheck geht, stelle ich mich direkt vor den Spiegel, hole Kamm, Lippenstift und Rollpuder aus meiner Tasche um mich zu verschönern. Die Mädels schauen mir dabei interessiert zu, selbstbewusst mache ich mit meiner Prozedur weiter, packe alle Utensilien wieder ein und gehe zurück zum Tisch. Andrea möchte jetzt auch zur Toilette und verschwindet schnell.
Zwischenzeitlich bringt mir die süße Kellnerin mein bestelltes Radler. Ich bitte sie sehr nett und charmant lächelnd um einen Strohhalm. Ihre prompte Reaktion lautet:"Damit der Lippenstift nicht verschmiert, und dabei lächelt sie verschmitzt."
Ich antworte:"Sie habe zu 100% mein Problem erkannt." Wir müssen beide herzhaft Lachen. Das Eis ist gebrochen und ich vermute, sie hat uns wunderbare falsche Lädies durchschaut. Wie natürlich und locker sie damit umgeht, finde ich einfach toll. Andrea kommt zurück und wir bestellen unser Essen. Die Gaststätte scheint ein beliebter Treffpunkt für jüngere Leute zu sein, mittlerweile ist der Raum komplett gefüllt. Zwischendurch bittet unsere Kellnerin um Geduld, weil so viele Gäste gekommen sind, dauert es einfach länger. Ich zeige entsprechend Verständnis und wir wechseln noch nette Worte.
Langsam aber sicher läuft uns die Zeit davon, denn wir wollen doch noch unbedingt ins Museum. Spätestens gegen vier Uhr wollen wir wieder im Hotel sein, denn zum Auftakeln für die Oper benötigen wir etwas Zeit.
Endlich kommt das langersehnte Essen, es schmeckt gut und ist wirklich reichlich. Meine nette Kellnerin kommt immer mal wieder vorbei und fragt:"Ob alles in Ordnung sei?" Ich mache Komplimente und verspreche, dass ich garantiert wiederkomme, weil das Essen gut und die Bedienung absolut freundlich sei. Wir verabschieden uns und geben ein gutes Trinkgeld.
So jetzt geht es im Sauseschritt in Richtung Museum. Vorbei an endlosen Flohmarktständen, die das Museumsufer in Beschlag genommen haben. Uns verbleiben knappe 2 Stunden zur Besichtigung. Die Meister vom Klassizismus bis zur Neuzeit jagen an uns vorbei, jedes Bild auf seine Art genial und herausfordernd. Die Ausstellung so umfangreich, dass ein zweiter Besuch von mir geplant wird. Zum Abschluss werde ich von Andrea zum Kaffeetrinken im internen Cafe'eingeladen. Wir entdecken uns beiderseitige Vorliebe für Mohnkuchen, wenn das keine 100% Übereinstimmung. Andrea wird mir mit der Zeit immer vertrauter, sie ist bescheiden und sehr umgänglich. Eine wirklich sympathische CD-Freundin.
Glücklicherweise ist der Rückweg zum Hotel recht kurz, weil Frankfurt eine sehr kompakte Stadt, im Vergleich zu London, ist man schnell von A nach B. So kommen wir pünklich gegen 16 Uhr im Hotel an.

Wie es weitergeht, verrate ich Euch im letzten Teil unserer Premieren-Erlebnisse.
geraldine
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Re: Zwei CD„Damen erleben Premieren ...

Post 7 im Thema

Beitrag von geraldine »

Liebe Deborah !
Du enttäuschst mich nicht.
Prima !
Wie immer sehr lebendig geschrieben.
Bin weiter gespannt auch mit Andrea.
Du hast eine schöne Art die Dinge zu beschreiben.
Seid recht lieb gegrüßt
Geraldine
ExuserIn-2015-02-14

Re: Zwei CD„Damen erleben Premieren ...

Post 8 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2015-02-14 »

Hallo Ihr lieben Leserinnen,
wir kommen jetzt zum großen Finale in der Frankfurter Oper.
Ermüdet von den vielen Aktivitäten des Tages erreichen wir unser Hotelzimmer. Andrea und ich benötigen eine kleine Verschnaufpause, bevor es ans bombastische Auftakeln für den Opernbesuch geht.
Meine Füsse schmerzen, weil sie so langanhaltend, fast 2 Tage lang, auf 8 cm hohen Pumps durch Frankfurt gehen mussten. Wieder so eine Premiere! Raus aus den Schuhen, und eine intensive Fussgymnastik entspannt die geschundenen Treter. Andrea erobert zuerst das Badezimmer, um ihre ganze Schönheit zu entwickeln.
Derweil überlege ich mir, wie ich mir mein komplettes Outfit für den Abend zusammenstelle werde. Wo habe ich nur meine neue, funkelnde Uhr-Armband-Kombination verlegt? Ich kann sie im Koffer nicht finden. Leider muss ich sie zu Hause vergessen haben. Da ich sie extra für festliche Anlässe kaufte, bin ich etwas traurig.
Mittlerweile ist Andrea mit ihrer Verschönerungsaktion erfolgreich vorangekommen, fein geglättet und geschminkt kommt sie aus dem Bad. Ab jetzt gehört die Dusche mir, ich spüre den belebenden Wasserstrahl auf meinem Körper und regeneriere mich. Das tut gut! Nach dem Duschen geht es an die Neugestaltung meiner Fassade. Eine gründliche Rasur - ohne Schnittverletzung - ist die Basis, danach wird dezent Make-up aufgetragen und zum Schluss der 24h-Lippliner. Fast perfekt erscheint mir meine Renovierungsarbeit.
Andrea steht derweil im langen, roten Abendkleid vor mir, so wie ich sie von den Bildern her kenne. Sie ist beeindruckend. Ich dagegen springe noch in Dessous durchs Zimmer, zuerst ziehe ich meine schwarzen halterlosen Nahtstrümpfe und eine zweite Glanzstrumpfhose darüber an. So sind die Beine glänzend verpackt. Ein enger, schwarzer, raffinierter, kniefreier Rock umschließt meine Taille, daruber eine schwarz-gepunktete Plessierbluse mit Rüschenärmel betont zusätzlich meine Figur. Für fast 60 Jahre noch ganz passabel anschaulich, denke ich mir beim Betrachten im Spiegel.
Die schwarzen Lackpumps mit 10cm Absätzen geben den sicheren Halt und Überblick. Man(n) glaubt es kaum, ich laufe irgendwie gerne in diesen High-heels. Als krönender Abschluss setze ich mir meine tief schwarze Perücke auf, hänge mir noch diverse, weiße Perlenketten um Hals und Arme. Der neue schwarze Blazer mit der weißen Umrandung gibt noch den letzten Pfiff. Fertig ist Ladylike für das großer Opernerlebnis. Andrea zieht noch ihr schwarzes Bolerojäckchen und einen Blazer an. Andrea drängelt, denn sie möchte noch die historische Einführung zu Verdis Oper "Don Carlos" mitbekommen. Also auf geht's.
Mit unseren Handtaschen bewaffnet ziehen wir los in Richting Opernhaus. Wir sind schon zwei imposante Weibsbilder, wie wir da gegen 18.00 durch Frankfurt ziehen. Andrea mal wieder zu schnell für meine High-heels muss wieder abgebremst werden. Da der Fussweg nur knappe 10 Min. dauert ist also keine Eile geboten. Wir treffen auf eine 30köpfige Gruppe von jungen Asiatinnen. Es ist unsere persönliche Nagelprobe, denn irgendwie haben sie einen Blick für uns außergewöhnliche Lädies. Beeindruckt von der geballten Ladung an Schönheit und Größe ziehen sie nichtssagend an uns vorbei. Somit ist dieser überzeugende Test für uns bestanden.
Meine ursprünglich innere Aufgeregtheit wird von einer tiefen Relaxtheit abgelöst, ich freue mich riesig auf die Opernvorstellung. Meine erstes Opernerlebnis, da ich mehr so der Theaterfreund bin. Auf das berauschende Flair und Ambiente. Besonders auf die schönen Frauen, in ihren tollen Kleidern (werde da etwas enttäuscht sein) bin ich riesig gespannt.
Kurz nach 18.00 erreichen wir das Eingangsfoyer und gehen gezielt nach oben in den 1. Rang. Andrea gibt an der Garderobe ihren Blazer ab. Wir erkundigen uns, wo die entsprechende Einführung stattfindet. Der seperate Saal ist fast komplett besetzt, wir schreiten am gesamten Publikum vorbei gehend zu zwei freien Plätzen. Männer werfen interessierte Blicke zu uns herüber, ebenso Frauen, wir scheinen einen gewissen Eindruck zu hinterlassen. Es bereitet mir absolute Freude. Fein, die Beine übereinanderschlagend setzen wir uns. Ich spüre meine italienischen Seidenstrümpfe wie sie übereinandergleiten. Tolles Gefühl! Etwas Erotik muss sein.
Nach der halbstündigen Introduktion verlassen wir langsam schreitend den Saal, um nach unseren Plätzen zu sehen.
Ich hatte als Opernneuling ein gute Wahl getroffen, freie Sicht auf die Bühne und dazu noch ohne Genickstarre, weil im 1. Rang. Wir haben noch etwas Zeit um uns das Publikum genauer zu betrachten. Viele Frauen leider im Hosenanzug bzw. unmöglichen, unfestlichen Röcken und Blusen. Männer in Jeans, Turnschuhen und geringelten Frotteesocken. Ich bin schockiert über soviel profane Kleidung. Was für eine Un-kultur in der Oper? Da ein femininer Lichtblick, sie etwa Mitte 20, blond, sehr groß, Rubensqualitäten, tolles Köstum und High-heels in pink. Eine walkürenhafte Erscheinung, aber sehr schön anzusehen, rettet mein enttäuschtes Frauenbild.
Wir nehmen unsere Plätze neben fünf Biofrauen ein. Der Mann neben mir betrachtet mich intensiv, da sein neben ihm sitzendes Weibchen eher bieder erscheint, würde ich es auch so eine Augenweide verstohlen betrachten. Die Aufführung beginnt, ein kolossales und monumentales Bühnenbild nimmt mich gefangen, ich bin beeindruckt von der raffinierten Einfachheit des Bühnenbildes.
Entspannt sitze ich neben Andrea, und lasse mich von der verdischen Musik gefangen nehmen. Da ich mich über Inhalt und historischen Bezug der Oper im Vorfeld informierte, so ist mir das Handlungsgeschehen verständlich. Ich kann mich ganz auf die Musik einlassen. Nur meine engen Pumps qüalen mich etwa, so ziehe ich sie einfach aus. Sieht ja niemand.
Nach etwa 2 Stunden gibt es eine kleine Pause. Andrea spendiert uns ein Gläschen Weißwein. Wir suchen uns einen freien Tisch und reflektieren etwas über die Oper. Vorübergehende Männer werfen Blicke auf meine zur Schau gestellten Beine. High-heels haben doch so ihre besondere Stimulanz bei den Herrn der Schöpfung. Ich bin absolut glücklich und geniesse den freien Blick auf Finanzzentrum von Frankfurt. Es ist hell erleuchtet, und vermittelt einen kolossalen Raum. Da ist der Bezug zur Oper, die auch von Macht, Liebe und Politik handelt. Verdi ist aktueller und politischer als ich dachte, ab heute hat er eine neue Verehrerin.
Das eindringliche Läuten erinnert uns daran unsere Plätze wieder einzunehmen. Die 5-aktige Opernversion dauert bis gegen 23.00. Es war für mich ein akustischer, visueller und gesellschaftlicher Hochgenuss. In Begleitung von Andrea ein ganz besonderes Erlebnis. Vielen, vielen Dank Andrea für diesen außergewöhnlich schönen, sinnerfüllten Opernabend.
Im Hotel angekommen verabschiede ich mich herzlich von meiner lieben CD-Freundin Andrea, wir umarmen uns intensiv und ich fahre zurück in mein männliches Leben. Leider!!!
Ein wahrhaft premierenhaftes Wochenende liegt hinter mir, viele neue Eindrücke habe ich gewonnen. Etwa 36 Stunden ganz und gar Frau sein zu können, war ein intensive und grandiose Erfahrung für mich. Das Leben kann so atemberaubend schön sein, und es sollte feminin gelebt werden.
Liebe Leserinnen - ich hoffe, dieses Wochenende hat Euch beim Lesen ebenso viel Freude bereitet wir mir.

Bis zum nächsten außergewöhnlichen Wochenende, Eure Deborah!
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Re: Zwei CD„Damen erleben Premieren ...

Post 9 im Thema

Beitrag von geraldine »

Liebe Deborah !

Ganz einfach.
D A N K E !

Geraldine
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Re: Zwei CD„Damen erleben Premieren ...

Post 10 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

Ladylike hat geschrieben:Vielen, vielen Dank Andrea für diesen außergewöhnlich schönen, sinnerfüllten Opernabend.
Hallo Deborah,
auch ich sage danke! Du warst eine liebeswerte und nette Begleiterin. Beim Lesen deines Berichtes konnte ich unseren gemeinsamen Opernabend noch einmal in Gedanken erleben!
Ich freue mich, mit meiner Idee dazu eine neue Leidenschaft in dir geweckt zu haben. Umgekehrt hat durch dich mein Interesse für Malerei und Kunst im Allgemeinen einen höheren Stellenwert bekommen. Es wäre deshalb schön, wenn es für dieses Wochenende irgendwann einmal eine Neuauflage gäbe. Bis dahin arbeite ich an meinem Schritttempo.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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