Ich möchte von meinem 1. Komplettgestylt-Ausflug berichten.
Verzeiht mir bitte das ich hier erstmal nur ganz sachlich davon erzähle. Meine Gedanken und Gefühle dazu muss ich erst sortieren.
Ich will voraus schicken daß ich BH-Größe 95 habe. Die Dame von Specialtrade riet mir zu einer Körbchengröße C damit die Proportionen zu meinem Oberkörper stimmen. Beim Auspacken der Brüste musste ich erstmal schlucken, aber jetzt hatte ich sie da und dann wird es auch so probiert.
Also es fing heute morgen mit dem Termin bei einer Kosmetikerin an. Die Adresse hatte ich mir im Internet gesucht. War also völlig unbekannt. OK, ich war, logisch oder, etwas früher dran und musste 10 Minuten vor dem Laden in der Fußgängerzone direkt neben einer Sparkassenfiliale warten. Da ich mich ja zuhause schon fertig gekleidet hatte, stand ich nun da: Jeansrock, Strumpfhose, Pumps, Top und mit gut gefülltem BH und über dem Hals: eindeutig Mann. Komisch geschaut hat niemand. Manche haben vielleicht einen 2. Blick riskiert. Punkt 10:00 Uhr kommt die Kosmetikerin, eine Türkin. Sie begrüßt mich freundlich und ist überhaupt nicht erstaunt oder erschrocken von meinem Äußeren. Nach einer Rückfrage ihrerseits was ich bezwecken möchte und der Antwort von mir, es soll ganz einfach tagestauglich sein macht sie sich gleich ans Werk. Nachdem Sie mir meine mitgebrachte Perücke gerichtet hat begutachte ich das erste Mal Sophia im Spiegel in voller Größe. Ich bin positiv überrascht! Na gut, ich erkenne mein Gesicht noch, aber die ganze Spiegelsicht wirkt auf mich schon sehr fraulich. Selbst die Brüste sind plötzlich nicht mehr zu groß. Es passt alles.
Die Kosmetikerin wünscht mir viel Spaß für meinem Shoppingtripp und schon geht es raus auf die Straße.
Ich habe erst mal gar keine Zeit nachzudenken was gerade passiert, denn ich bin voll damit beschäftigt auf meine Haltung und meinen Schritt zu achten. So sind die ersten 3-4 Minuten zum Auto schnell verflogen ohne das ich es groß mitbekomme.
Ich hatte ja vor mit den öffentlichen Verkehrsmittel ca 30 Minuten ins nächste Einkaufszentrum zu fahren. Das habe ich aber dann kurzfristig wegen den sommerlichen Temperaturen gestrichen. Ich wollte nicht im heißen Bus vor den Augen aller zerfließen. So ging es mit dem Auto los. In der Galleria angekommen, wurde das Auto im Parkhaus abgestellt. Jetzt die 10cm Heels angezogen, ein letzter prüfender Blick in den Autospiegel, Hände an die Brüste, alles sitzt, und los.
Ich verschließe das Auto, Schlüssel in die Handtasche und dann geht es rein den Center. Erste Schrecksekunde, gleich an der Eingangstür mustert mich ein Mann mittleren Alters. Ich denke mir, schau nur, und laufe geradeaus weiter. Hat doch gar nicht wehgetan, das gibt Auftrieb. Ich schlendere dann 2 Stunden durch die Geschäfte der Galleria, denn ich möchte ja eigentlich mein Outfit wechseln. Egal wo ich mich umschaue oder frage, Sommerkleider sind Mangelware. Und bei Street One oder Esprit brauch' ich ja gar nicht zu schauen, da hört es ja mit Größe 38 auf, und bei meinem Oberkörper braucht es 42. Wobei, beim Rock reicht mir locker eine 38.
Es macht mir richtig Spaß in an den Kleiderständern zu wühlen. Manchmal kommt eine Verkäuferin und fragt ob sie mir helfen kann. Ich werde von allen mehr als freundlich bedient. Klar erkennen die alle sofort das ich ein Mann bin, aber spüren lassen sie es mich nicht.
Zwischendurch gönne ich mir einen Cappuccino in einem Café, und dann kommt was kommen muss. Der natürliche Drang nach der Toilette. Beim zusteuern auf die Türen geht Sophia ganz selbstverständlich in die mit dem D. Über diese Selbstverständlichkeit bin ich fast etwas erschrocken.
Die 2 Stunden vergehen wie im Flug, ich habe noch keine andere Kleider gefunden, und ich mache mich auf den Weg in die Fußgängerzone die ca 500m nach der Galleria beginnt. Puhh, beim Verlassen des Zentrums habe ich das Gefühl gegen eine Hitzewand zu laufen. Jetzt merke ich erst so richtig das ich eine Strumpfhose an habe. Es ist zwar eine 15den aber selbst mit dieser wird es warm zwischen den Beinen. Wenn ich so durch die Passanten schaue, bin ich die einzige Frau die Strumpfhosen trägt. Das Laufen in den Heels dagegen ist kein Problem, das habe ich ja auch lange genug geübt. Mir fällt aber auf das viele trotz der Sommerhitze mit schwarzen Leggings rumlaufen. Und nach dem die Sommerkleiderfront schon extrem ausgedünnt ist, beschließe ich deshalb kurz entschlossen, mir auch eine Legging und ein Kleidchen obendrüber zu kaufen. Gleich im zweiten Laden, Sophia wird wieder bestens beraten, werde ich fündig. Bezahlt und im Laden gleich umgezogen. War überhaupt kein Problem für das Personal, warum auch.
Bs ich mich versah war schon wieder eine Stunde um. Ich suchte mir noch ein Straßencafe, gönnte mir noch einen Cappuccino und ein Rosinenbrötchen. Beobachtete die vorbeigehenden Leute und musste feststellen das niemand von mir, Sophia, direkt Notiz nahm. Jetzt den Weg zurück zum Parkhaus im Einkaufszentrum. Die Füße laufen noch wie geschmiert, ich bin fast etwas überrascht. Auf dem Weg Richtung Kosmetikerin gehe ich noch Tanken. Da steht eine junge Verkäuferin hinter der Theke und tut als ob da jeden Tag 4-5 Crossdresser vorbei kommen. Freundlich und zuvorkommend, und gar nicht erschrocken oder abweisend. Überhaupt stelle ich fest, das man einfach anders angesprochen und bedient wird. Es kommt mir irgendwie einen Tick freundlicher, hilfsbereiter vor als wenn ich als Mann zum einkaufen gehe.
10 Minuten nach 15:30, dem geplanten Termin, komme ich leicht verspätet bei meinem Kosmetikstudio an. Die Kosmetikerin wartet schon auf mich. Sie fragt mich wie es war? Ich meine aufregend und spannend. Schön! Auf meine Verwunderung das ich absolut nichts negatives erlebt habe, meinte sie was ich denn erwartet hätte? Stimmt, selbst Gruppen von 5-6 jungen Kerls oder Mädels die mir entgegen gekommen sind haben nicht reagiert, und wenn dann nicht negativ. Ach ja, da fällt mir ein: die Sonnenbrille die ich zum geistigen Schutz dabei habe? Ich hatte kein einziges Mal das Bedürfnis mich dahinter zu verstecken.
Sie fragt mich noch ob ich das jetzt öfter machen werde, worauf ich ihr keine richtige Antwort geben konnte.
Da fiel mir auf, alles gut geplant, aber jetzt muss ich genauso als Mann wieder zum Auto laufen wie ich heute früh gekommen bin. Also in Heels, Legging, buntes Kleidchen, gutgefüllter Busen und einem Männerkopf oben drauf. Macht mir aber nichts aus, ich schwebe fast zum Wagen. Als wollte ich es wirklich provozieren gehe ich dabei noch ein Brötchen in einer Bäckerei holen. Die Verkäuferin schaut abwechselnd in mein Gesicht und auf meinen Busen, bedient mich dabei freundlich mit einem Lächeln und wünscht mir noch einen schönen Tag. Das gebe ich gerne zurück. Den hatte ich schon!
Ich setzte mich in mein Auto und fahre die 100km nach Hause. Dabei ist es als schwebe ich die ganze Strecke die ich als Sophia zurückgelegt habe noch mal im Geiste ab.
Ist jetzt ein etwas längerer Bericht geworden. Ich hoffe ihr nehmt mir das nicht übel. Es hat mir einfach unheimlich viel Spaß gemacht als Sophia in der Öffentlichkeit zu bewegen. Was das auch immer für mich heißen mag.
Ja meine Gefühle muss ich für mich jetzt mal verarbeiten. Ich weiß noch gar nicht wo und wie ich was einordnen muss und was das für mich im einzelnen bedeutet.
Was ich aber jetzt schon sagen kann ist, es war ganz bestimmt nicht mein letztes Mal das ich komplett gestylt auf die Straße gegangen bin. Allerdings muss es beim nächsten mal nicht mehr 35-° haben.
Und wie man heute so schön sagt: Es war voll geil!