Die Erlebnisse der Jenina K. in einer anderen Welt
Die Erlebnisse der Jenina K. in einer anderen Welt - # 3

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Jenina
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Re: Die Erlebnisse der Jenina K. in einer anderen Welt

Post 31 im Thema

Beitrag von Jenina » Di 2. Jan 2018, 08:34

Mädels,

ja die böse "Transe". Das ist tatsächlich als Schimpfwort gedacht. Genau so wie "Schwuchtel". Man kann sich nun darüber aufregen dass es viele Menschen, besonders ganz junge, völlig unerfahrene, gibt die diese Worte im Mund führen und sie für ihre Machtkämpfe in ihren Cliquen gebrauchen.

Genau darum geht es bei der Verwendung solcher Worte: um Macht zu bekommen über andere. Und darum müssen wir diese Worte benutzen um sie für uns selber zurückzugewinnen. So wie oben beschrieben.

Nun weiss ich natürlich, dass es für viele Transsexuelle noch mal etwas ganz anderes ist. Das widerspricht dem Selbstverständnis ihrer Identität. Deshalb ist es natürlich dann besonders schwer wenn man nicht nur mit einem Schimpfwort bedacht wird sondern auch noch falsch eingeschätzt wird. "Transe" impliziert ja unterschwellig auch so etwas wie "Spassveranstaltung" in der Denkweise der meisten Menschen. Wir müssen aber bedenken, dass diese Menschen nichts von den Tatsachen und Varianten der sexuellen Identität wissen. Sie wissen also nichts über spezifische Gefühlswelten von Transsexuellen und Transvestiten.

Im Übrigen ist es auch für eine Transvestiten keine "Spassveranstaltung". Ich kenne nur welche, denen es bitterer Ernst ist so zu sein wie sie sind. Auch wenn es ihnen einen Heidenspass macht wenn sie unter Leute gehen. Aber der Hintergrund ist eben ein ernster. Leider gibt es auch TS denen das nicht bewusst ist...

Darum müssen wir offensiv damit umgehen wie man uns bezeichnet und dies für uns ausnutzen. Ich glaube ich habe die Geschichte schon mal erzählt, aber trotzdem noch mal:

Wir waren in größerer Gruppe in einer bedeutenden nordhessischen Stadt unterwegs und standen wartend irgendwie so unverbindlich mitten in der Fussgängerzone herum. Da wurden zwei junge Männer auf uns aufmerksam, keineswegs selber so ganz unauffällig: gefärbtes Haar und heftige Piercings. Man sah wie sie erst verstohen zu uns hinsahen und tuschelten. Da fasste sich der eine ein Herz und kam auf uns zu. Er fragte "Entschuldigung, sind Sie Transvestiten?". Da das auf die Mehrheit zutraf riefen wir fast im Chor "Ja!". Das machte den jungen Mann völlig verdutzt, aber er erholte sich schnell und bat uns um ein Selfie, was wir auch gerne mit uns geschehen ließen. Die beiden waren jedenfalls sichtlich beeindruckt und haben bestimmt etwas gelernt fürs Leben.

Und damit alle etwas lernen aus unserem Leben für ihres, nämlich tolerant zu sein und neugierig für neue Erkenntnisse und für mehr Empathie, müssen wir selbstbewusst auftreten und uns nicht von so blöden kleinen lächerlichen Wörtern klein kriegen lassen. Meinetwegen auch in gendergerechter Sprache...

Jenina
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Re: Die Erlebnisse der Jenina K. in einer anderen Welt

Post 32 im Thema

Beitrag von Jenina » Do 29. Mär 2018, 09:23

Mädels,

aus gegebenem Anlass mal wieder ein kleiner Ausschnitt aus meinem Buch. Dieses Mal will ich eingehen auf eine Replik einer lieben Foristin :
Hat dir schon einmal jemand gesagt, dass Sätze wie die da oben nicht nur dümmlich klingen ("Philosophie zum Selbstzweck ist wie Selbstbefriedigung"), sondern auch eine Zumutung für andere Menschen hier im Forum darstellen, die möglicherweise keine sozialistische Kaderschulung durchlaufen haben und deshalb eine diametral andere Auffassung vom Sinn und Zweck von Philosophie, Kunst und Wissenschaft vertreten?
Nun, dummerweise habe ich auch Arthur Schopenhauers Büchleien "Eristische Dialektik - Oder -Die Kunst Recht zu behalten" gelesen. Unsere liebe Foristin beginnt hier also gleich mal mit Regel Nummer 38 von 38, dem "argumentum ad personam". Auf Deutsch: sie wird gleich persönlich. Wo es doch zunächst um das "argumentum ad rem" oder "argumentum ad hominem" hätte gehen solle.

Ihr seht, ich kann auch ganz schön klugscheißerisch sein. Und sarkastisch dazu. Wer das nicht verstehen will sollte mal wieder meinen Disclaimer in der Signatur lesen...

Wie ich schon schrieb, ist das nicht der erste Angriff zu diesem Thema und deshalb habe ich eine kleine Parabel geschrieben zu Bildung und dem Willen dazu.

Die Wanderer am Berg

Eine Parabel

Es waren einmal eine Gruppe von Menschen, die hatten von einem schönen Land gehört, von weiten Landschaften, Sonne und einem leichten Leben. Dahin wollten sie aufbrechen.
Also wanderten sie los, durch weite Ebenen. Doch da kamen sie an einen steilen Berg. Dahinter sollte das verheißene Land liegen. Was nun ? Sie beratschlagten.
Da fassten sich die stärksten und mutigsten ein Herz und stiegen den steinigen und schwierigen Weg bergan. Sie mussten viele unbekannte Prüfungen bestehen und sich sehr anstrengen. Doch endlich waren sie auf dem Gipfel angelangt.
Da riefen die im Tal zurückgebliebenen „Wir wollen auch in das gelobte Land !“ Da besannen sich die auf dem Berg nicht lange und warfen lange Seile ins Tal. „Kommt mit herauf, wir helfen euch !“.
Und so machten sich die nächsten auf den Weg. Ihnen wurde tatkräftig geholfen, aber sie mussten immer noch selber genug tun. Bald waren auch sie oben und nun ging es immer leichter, denn es waren mehr Leute zum ziehen am Seil auf dem Berg.
Schließlich war nur noch eine kleine Gruppe übrig geblieben. „Kommt doch endlich herauf, wir helfen euch doch!“. „Nein wir haben keine Lust. Es strengt zu sehr an. Kommt gefälligst herunter und grabt uns einen Tunnel unter dem Berg !“
Da beratschlagten sich die oben eine Weile und riefen dann „ Das können wir nicht. Wir haben nicht das Werkzeug, kein Dynamit. Aber wir ziehen euch. Kommt doch endlich !“. Doch von unten kam nur immer wieder ein lautes „Nein, wir wollen nicht!“.
Schweren Herzens zogen die auf dem Berg weiter. Doch sie ließen die Seile zurück. Sie kamen bald in das schöne Land und es war noch schöner als sie sich je vorgestellt hatten. Nun hatten sie das Leben, dass sie sich immer gewünscht hatten. Die zuerst aufgestiegen waren, freuten sich, dass sie das große Wagnis eingegangen waren und dass sie den anderen helfen konnten. Die anderen freuten sich, dass sie Hilfe erhalten hatten und selber mithelfen konnten.
Und so zogen sie noch einmal zurück auf den Berg und errichteten einen hohen Turm, von dem man das wunderschöne Land überblicken konnte. Und daran schrieben sie in großen Buchstaben „Denk-mal“.
Die aber auf der anderen Seite des Berges waren immer noch nicht weiter. Sie schrien „Du böser, blöder Berg. Du allein bist schuld, dass wir nicht in das gelobte Land kommen !“ Und sie ergehen sich in Selbstmitleid und Schmerz. Und sehen doch nicht die hilfreichen Seile, die sie nur zu fassen brauchen.
Der Berg aber heißt der Berg des Wissens und wer ihn erklimmt, wird schönere und bessere Landschaften schauen und Freude erfahren mit anderen Menschen.


Jenina

P.S. Leider kann ich erst mal eine Woche nicht mit Euch streiten, Jenina fährt in Urlaub und hat nur das Tablet mit, mit dem ist es etwas mühsam...
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Sasha
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Re: Die Erlebnisse der Jenina K. in einer anderen Welt

Post 33 im Thema

Beitrag von Sasha » Do 29. Mär 2018, 11:04

Hallo Jenina,

das ist eine wirklich schöne Parabel und sie passt (leider) gut in unsere heutige Zeit (aber früher sicher auch). In manch' anderer Form ist sie mir auch schon länger bekannt. Würden doch nur genug Menschen verstehen, was damit gemeint ist - und dann auch danach handeln...

Was ich nicht erkennen kann: den Bezug zu dem "argumentum ad personam" w.o. zitiert. Sei`s drum, politische Färbereien hier sind nicht mein Ding...

viele Grüße, Sasha

P.S. meiner Erfahrung nach schliessen "Recht haben" und "Recht behalten bzw. bekommen" einander aus, aber das ist ein ganz anderes Thema...
Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich (K. Adenauer)
Eigentlich bin ich ganz anders, doch ich komme viel zu selten dazu (Ö. von Horváth)
Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch anders zu sein (S. de Beauvoir)

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Re: Die Erlebnisse der Jenina K. in einer anderen Welt

Post 34 im Thema

Beitrag von Jenina » Sa 8. Sep 2018, 11:30

Hallo,

mal wieder etwas sehr persönliches von mir...

Diesmal geht es um Bilder. Ich denke, man hat davon als Transgender besonders viele in seinem Kopf, bestimmt mehr als die "normalen" Menschen sie haben. Es liegt für mich an der Diskrepanz von Außen und Innen, als Ergebnisse meiner Identität.

Es sind aber nicht nur die inneren Bilder. Viele werden das auch kennen. Man hat auch das Bestreben diese Bilder festzuhalten, wenn man versucht, sie im realen Leben darzustellen - wenn man sich auch real verwandelt hat. Man fotografiert sich selber. Etwas was mir als Mann niemals einfallen würde. Aber die Flüchtigkeit der Erscheinung Jenina erfordert, dass sie festgehalten wird im Bild.

Dass ich das mit vielen teile zeigt die Galerie dieses Forums. Die "sozialen Medien" leben ja auch von der Selbstdarstellung. Aber ist es nicht mehr, ist es etwas anderes als nur eine Selbstdarstellerin zu sein? Ich denke ja, es ist die Suche danach, ob das Innere auch nach Außen sichtbar gemacht werden kann und wie dieses gelingt wenn man es sich dann anschaut, als wären es nur ganz normale Fotos. Was sie freilich nicht sind, es sind Spiegel der Seele.

Dabei muss es nicht immer das professionelle Fotoshooting sein. Das ist freilich besser für die Bestätigung, denn die Ergebnisse sind oft nah an dem erstrebten Ideal. Oft sind sie aber auch einfach zu schön. Wenn alle Mädels wie Elli Hunter aussehen ist es auch nicht so toll, die Individualität ist dann flöten gegangen.

Ich selber habe sofort nach meinem Outing intensiv damit angefangen meine weibliche Erscheinung im Foto festzuhalten. Das sind oft ganz einfache Fotos ohne jeden Anspruch. Es ist eher eine Dokumentation der aktuellen Situation, auch einer Entwicklung und Veränderung. Man wird schließlich einerseits älter, aber auch erfahrener und hat andere Prioritäten bei seinem Selbstbild und damit seinem Selbstporträt.

Das Porträt gehört auch immer dazu. Nicht alle Mädels tun das. Schon gar nicht wenn es an eine Veröffentlichung geht, sei es selbst in einem geschlossenen Raum wie diesem Forum. Seltsamerweise habe ich keine Angst Gesicht zu zeigen, was ja auch einen übertragenen Sinn hat. Für manche ist das mutig, warum nicht für mich? Ich weiß es selber nicht.

In letzter Zeit habe ich den Mut besessen, mich zu zeigen ohne die vollständige Verwandlung, ohne die Perücke, die das Aussehen doch sehr wesentlich verändert. Noch vor kurzer Zeit hätte ich das vehement abgelehnt. Also auch das ein Zeichen der Entwicklung.

Man kann das alles sehen in meinem Galeriealbum. Da findet man die übliche Bilder von diversen Outfits, aber eben auch die besagten Portraits.

Wenn man digitale Fotos macht kommt man zwangsläufig auch mit der Bearbeitung der Bilder in Berührung. Und irgendwann kommt man dann auch zu Bearbeitungen, die über das einfache Verbessern hinausgehen. Das habe ich versucht für mich unzusetzen und dabei zu versuchen, eine Aussage in das Bild hineinzutragen, die über die bloße Abbildung von "weiblicher Schönheit" hinausgeht.

In meiner Galerie im Album "Experimente" kann man einige Ergebnisse betrachten. Ich möchte sie hier für Euch beschreiben, was man sieht und was man darin sehen kann, es sind auch Abbildungen von Gefühlen und Befindlichkeiten.

Zunächst das Bild "Wild":
1725
Es ist eines der ersten Fotos, die ich kurz nach meinem Outing (siehe oben...) gemacht habe. Da war ich in einer Verwirrung der verschiedensten Gefühle. Vor allen war es Bewunderung für diese schöne Frau, die auf den Bildern zu sehen war. So hatte ich das nie zuvor gesehen. Eines davon hat einen Ausdruck von Wildheit, heraus zu kommen aus dem Schneckenhaus, sich durchzusetzen. Das habe ich versucht umzusetzen, unterstützt mit einer posterartigen Bearbeitung, die das Ganze noch plakativer machen soll.

Das nächste ist das Bild"Andy lässt grüßen":
1628
Es ist eine Hommage an Andy Warhol, man braucht da nichts zu erklären. Ich bin ein großer Freund moderner Malerei, eher der gegenständlichen Sorte und auch eher den etwas älteren Malern der Moderne. Aber darauf kommen wir noch...

Das dritte Bild heißt "Gefangen":
1627
Es ist etwas verstörend, doch das soll so sein. Eine Leinwandtextur hebt das Bild ins graphische. Einerseits stellt es die verschiedenen Fetische dar, die mich immer mal wieder quälen, hier in Form von übertriebener Schminke und exzessiven Piercings. Es zeigt innere Zerrissenheit, die so ausgelebt besser auszuhalten ist. Manchmal muss es raus. Zum anderen sind da die Schatten der Jalousie in der leuchtenden Sonne. Es soll das Problem darstellen, dass man sich hinter der Jalousie versteckt, wo man doch nach draußen, in die leuchtende Sonne, drängt. Ich denke das kennen viele von Euch...

Das letzte Bild für heute habe ich "Judith in Jena" genannt:
1719
Wir waren dieses Jahr im Urlaub in Wien. Dort ist Kunst so präsent, dass man sich ihr nicht entziehen kann, im Gegenteil, man muss sich geradezu darauf einlassen. Eben auch auf meine Vorliebe für die Malerei der Moderne. Wenn man dann mit den Originalen konfrontiert ist, dann haut es einen fast um vor Emotion. Und deshalb dieses Bild als Fotomontage aus dem Bild "Judidth 1" von Gustav Klimt und einem Foto von mir. Klimt ist gerade in Wien omnipräsent, denn sein Todesjahr jährt sich zum hundertsten Mal. Gerade dieses Bild im Original atmet die pure Weiblichkeit, ja erotische Verführung in ihrer anregendsten Form. Die Fotomontage zeigt nun die weibliche Seite von Jenina, nicht nur das Gesicht sondern auch die Brust sollen die weiblichen Begierden in Jeninas Inneren darstellen. Das Ganze Gegenteil von dem ewigen: "trans* hat nichts mit Sexualität zu tun...", ein Satz den ich noch nie unterschreiben konnte.

Ich hoffe, Ihr konntet mir folgen und erkennt wenigstens etwas den Teil meines Inneren, den ich darzustellen versucht habe. Und vielleicht hat es Euch sogar ein wenig gefallen.

Jenina
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