Andrea — meine Erlebnisse
Andrea — meine Erlebnisse - # 7

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Inga
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 91 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Andrea,

Gute reise!

Liebe Grüße
Inga
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 92 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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16.8.2013
Der erste Andrea-Tag nach meinem Urlaub hätte eigentlich schon früh beginnen sollen. Aber ein Handwerker bat mich, den Termin vom Vortag um einen Tag zu verschieben. Diesen Termin konnte er leider auch nicht einhalten. Das hat mich schon ein wenig geärgert, aber was soll"™s?! Ich hatte mir ohnehin nicht allzu viel vorgenommen, nur einen Besuch in Sachsenmeyers Kabarettkiste in Chemnitz.
Wenige Tage vorher schrieb mir Jaqueline (ehemals Claudia1975), dass sie wieder in Chemnitz sei und ob wir etwas gemeinsam unternehmen können. Also bestellte ich gleich zwei Kabarettkarten. Wir hatten uns ja bereits beim letzten Crossdressertreffen in Chemnitz kennengelernt.
Wie schon oft in ähnlichen Situationen, bin ich bereits am Nachmittag nach Chemnitz gefahren und habe noch einem kleinen Einkaufsbummel gemacht. Die Angebote im SSV sind derzeit ja kaum zu übersehen. Vielleicht konnte ich noch ein schickes Sommerkleid oder eine ebensolche Bluse preiswert erstehen.
Ich trug übrigens meinen knielangen schwarz-weiß gepunkteten Rock, dazu meine weiße Bluse, hautfarbene Strumpfhosen und weiße Sandaletten, also das gleich Outfit wie beim Besuch der Sternwarte vor vier Wochen.
Nachdem ich die Damenabteilung in der Galeria Kaufhof fast komplett "abgegrast" hatte, ohne etwas für mich ansprechendes zu finden, stand ich plötzlich vor mehreren Ständern mit schwarzen engen Röcken. Meinen hatte ich vor einiger Zeit entsorgt, weil an mehreren Stellen die Nähte nicht mehr hielten. Da kam mir dieses überaus umfangreiche Angebot gerade recht.
Ich hatte über eine Stunde und drei Gänge in die Kabine gebraucht, um mich für einen zu entscheiden. Er geht etwas über das Knie, was nicht ganz dem aktuellen Modetrend entspricht, mir aber besser gefällt.
Ich ging noch einen Kaffee trinken und als ich damit fast fertig war, sah ich Jaqueline in einem roten Kleid vorbeilaufen. Zum Hinterherrufen war sie etwas zu weit weg. Also trank ich schnell aus, lief in ihre Richtung und sah sie in einem Kosmetikgeschäft. Auch sie hat mich gleich wiedererkannt.
Langsam machten wir uns auf den Weg zur Kabarettkiste, wo wir uns eigentlich verabredet hatten. Ich hatte das Angebot genutzt, während der Sommermonate per E-Mail bestellte Karten zum halben Preis zu bekommen. In der Tat steckt Sachsenmeyers Kabarettkiste zur Zeit etwas im "Sommerloch". Nur etwa 20 Leute wollten das Programm "Wer zuletzt lacht "¦" sehen.
Der Titel sagt nicht viel über den Inhalt aus, aber wie in jedem Kabarett, standen auch hier die großen und kleinen Alltagsprobleme auf der Tagesordnung, insbesondere die Beziehung zwischen den Geschlechtern und die Politik. Zu letzter kamen einige Anspielungen zur kommenden Bundestagswahl, sodass davon auszugehen ist, dass dieses Programm ständig aktualisiert wird. Ob zuvor oder zuletzt, es gab auf jeden Fall viel zu lachen.
Während der Pause bestellten wir uns etwas zu trinken. Dabei hat uns die Frau am Tresen erkannt und zu unserem Erstaunen die Getränke gratis überlassen. Ganz vertraut mit unserer Problematik war sie dann aber doch nicht, indem sie uns als Drag Queens bezeichnete und nicht wusste, ob sie die männlich oder die weibliche Anrede verwenden sollte.
Nach der Vorstellung haben wir die Frau daraufhin noch einmal angesprochen. Sie war ganz aufgeschlossen, hat sich für unseren "Nachhilfeunterricht" bedankt und uns alles Gute für unseren weiteren Weg gewünscht.
Jetzt war es auch schon Zeit, mich von Jaqueline zu verabschieden. Ich konnte gemütlich durch die Chemnitzer Innenstadt zum Bahnhof schlendern und an einer Eisdiele noch ein Eis genießen, bevor es wieder nach Hause ging.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 93 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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17.8.2013
Ich hatte die Gelegenheit für noch einen Andrea-Tag. Diesmal ging es aber gleich früh los, das heißt, ich habe bereits die Brötchen beim Bäcker als Andrea geholt. Dazu hatte ich noch einmal das gleiche wie am Vortag im Kabarett angezogen: schwarz-weiß gepunkteter Rock, weiße Bluse, hautfarbene Strumpfhosen und weiße Sandaletten.
Im Laufe des Vormittags habe ich in zwei Damenmodegeschäfte ganz in meiner Nähe reingeschaut, in der Hoffnung, noch ein paar preiswerte Sommersachen abzustauben, denn auch diese Läden werben kräftig mit SSV-Sonderangeboten.
So umfangreich, wie man es der Werbung nach vermuten könnte, waren die Sonderangebote dann aber doch nicht. Gut, es sind ja nur kleine Läden. Ein knielanges, sehr farbenfrohes Sommerkleid fiel mir besonders ins Auge. Da konnte ich zumindest einer Anprobe nicht widerstehen. In Größe 44 passte es hervorragend: Oben figurbetont und nach unten ausgestellt, zusammen mit dem Polsterrock von Olenas Crossdressingmode macht es eine für meine Begriffe sehr gute Figur.
Ich trat vor die Kabine, um mich in einem größeren Spiegel zu betrachten. Die Verkäuferin meinte auch, dass mir das Kleid gut stehe. Ich äußerte noch Bedenken, ob es nicht doch zu bunt sei. Daraufhin sagte die Verkäuferin, dass der Alltag grau genug sei und dass ein paar farbliche Akzente nichts schaden könnten. Damit hatte sie natürlich recht, und ich habe mich entschlossen, das Kleid zu kaufen. Das Superschnäppchen war es mit 56€ zwar nicht, aber mir war es das wert.
Am Nachmittag bin ich zu Hause geblieben. Bei fast schon wieder tropischen Temperaturen von über 30-°C wäre es draußen nicht sehr angenehm gewesen. Ich habe zuerst mal meinen Kleiderschrank inspiziert, ob sich da vielleicht ein Outfit für zuhause findet. Ich dachte da an einige Teile, die ich schon vor Jahren gekauft hatte, als die "Straßentauglichkeit" für mich noch nicht zur Debatte stand. Das Ergebnis war frustrierend:
Ein ärmelloses kurzes Kleid sah "unmöglich" aus, ein anderes mit langem Arm hatte einen viel zu großen Ausschnitt und meine Jeanshose ist unbequem, weil zu eng. Am ehesten kamen noch ein Jeansmini und zwei etwas unscheinbare lange Röcke in Betracht, aber dazu fehlte ein passendes einfaches Oberteil (z.B. T-Shirt). Da weiß ich ja, wonach ich bei meinen nächsten Einkaufstouren mal Ausschau halten muss.
Ich habe dann mein Straßenoutfit vom Vormittag angelassen und erst mal meine Urlaubsfotos und andere Mitbringsel sortiert.
Als es sich gegen Abend draußen etwas abgekühlt hatte, unternahm ich noch einen ausgiebigen, fast zweistündigen Spaziergang durch meine Heimatstadt. Bei dieser Gelegenheit habe ich gleich mein neues Kleid eingeweiht. Es ließ sich natürlich nicht vermeiden, auch auf Bekannte zu treffen, aber das sehe ich inzwischen gelassen. Meine "Tarnung" hat offenbar wieder einmal gut funktioniert.
Leider habe ich kein Foto mit meinem neuen Outfit, werde aber bei Gelegenheit eins nachreichen.
Ich musste auch wieder einmal daran denken, wie ich vor über 30 Jahren an gleicher Stelle meine ersten Spaziergänge im weiblichen Outfit absolvierte. Was hat sich doch seit dem alles verändert! Hätte mir damals jemand gesagt, ich mache das mal ganz entspannt bei Tageslicht, ohne dass mich eine(r) erkennt, ich hätte ihn für völlig verrückt erklärt.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Kerstin
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 94 im Thema

Beitrag von Kerstin »

Hallo Andrea
Es ist schon irre was du alles so anstellst.
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.......
Ich musste auch wieder einmal daran denken, wie ich vor über 30 Jahren an gleicher Stelle meine ersten Spaziergänge im weiblichen Outfit absolvierte. Was hat sich doch seit dem alles verändert! Hätte mir damals jemand gesagt, ich mache das mal ganz entspannt bei Tageslicht, ohne dass mich eine(r) erkennt, ich hätte ihn für völlig verrückt erklärt.
Na das macht ja Mut, mal schaun wie das bei mir wird.


Liebe Grüße
Kerstin
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 95 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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20.8.2013
Ich möchte zunächst noch einmal auf meinen letzten Andrea-Tag zurückkommen.
Als ich vergeblich versucht hatte, aus meinen "Altbeständen" ein geeignetes Outfit für zuhause zusammenzustellen und wieder auf mein "Straßenoutfit" vom Vormittag zurückgriff, merkte ich, dass meine Halskette fehlte. Nachdem ich eine Weile gesucht hatte, fiel mir ein, dass ich sie wahrscheinlich beim Kauf des Kleides in der Umkleidekabine liegenlies.
Was nun? Der Laden hatte bereits geschlossen; erst am Montag hätte ich nachfragen können. Da musste ich aber wieder (im Männermodus) arbeiten.
Mich als männlicher Verwandter oder Bekannter auszugeben und nach der Kette zu fragen, erschien mir angesichts der Tatsache, dass ich in unmittelbarer Nähe wohne, zu riskant. Ich wollte die Kette aber auch nicht einfach liegenlassen. Besonders wertvoll war sie ja nicht, aber da ich vorhabe, demnächst öfter mal in den Laden reinzuschauen, wollte ich nicht den Eindruck erwecken, ich hätte den Verlust gar nicht bemerkt. Ich entschied mich deshalb für eine dritte Variante: als Andrea nach der Kette fragen.
Dazu musste ich meine Arbeitszeit um eine Stunde vorverlegen, um bis kurz vor Ladenschluss noch etwa 60 Minuten Zeit für die Verwandlung zu haben. Das war nur zu schaffen, indem ich mir am Vorabend alles genau zurechtlegte. Ich staunte selbst, wie ich das in der rekordverdächtigen Zeit geschafft hatte. Sogar das nicht zwingend notwendige Lackieren der Fingernägel ging noch. Als Outfit hatte ich etwas ganz alltägliches ausgewählt: lange schwarze Hose, weiße Bluse, schwarze Sandaletten.
So kam ich 10 Minuten vor der Schließung in den Laden und fragte bei der Verkäuferin nach. Sie meinte daraufhin nur: "Ach, Sie waren das! Ich hätte die Kette fast schon einer anderen Kundin untergeschoben." Sie holte die Kette aus einen Schubfach hervor, ich bedankte mich und wünschte noch einen schönen Abend.
Weil das aber für einen Andrea-Tag viel zu wenig war, habe ich gleich noch meine Tageseinkäufe erledigt. In der Innenstadt machten die Läden gerade zu, also musste ich in einen Supermarkt an Rande der Stadt. Für die Hinfahrt konnte ich den (letzten) Bus nehmen, zurück musste ich laufen, was ich aber nicht als Nachteil empfand, weil ich so länger als Andrea unterwegs sein konnte.
Dieser Andrea-Tag (eigentlich nur —Abend) war nur sehr kurz, aber ich freute mich, dass alles so gut geklappt hat.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 96 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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14.9.2013
Der heutige Andrea-Tage sollte wieder einmal kulturellen Hochgenuss bieten: Ich hatte mir einen Besuch der Dresdner Semperoper vorgenommen. Ein wenig bekanntes Stück stand auf dem Spielplan, dadurch hielt sich die Nachfrage nach Karten in Grenzen. So habe ich mit der Reservierung bis zwei Tage vorher gewartet, als es immer noch etwa 250 Karten gab.
Gegen 9 Uhr habe ich das Haus verlassen. Mein Outfit hatte ich aus einigen neuen Teilen zusammengestellt: kurzer roter enger Rock, weiße Bluse mit blauen Blumenmotiven, schwarze Strumpfhosen und Pumps, darüber ein schwarzer Blazer.
In Dresden angekommen, deponierte ich zunächst meinen Koffer im Hotel und machte mich dann auf den Weg zur Theaterkasse, um meine reservierte Karte abzuholen. Alles verlief problemlos. Damit war der Abend gesichert, aber bis dahin blieb ja noch etwas Zeit.
Gleich neben der Semperoper befindet sich der berühmte Dresdner Zwinger. Dort ließ ich wieder einmal von einem anderen Besucher ein Foto von mir machen: gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=7787
Es war übrigens ein schöner sonniger Herbsttag und es wurde so warm, dass ich kurz darauf den Blazer ausziehen musste. Nachdem ich mir voriges Jahr die Gemäldegalerie Alte Meister angesehen hatte, ging ich diesmal in die Porzellansammlung. Die Ausstellung zeigt kunstvolle Stücke von chinesischem, japanischem und Meißner Porzellan aus der Sammlung August des Starken (1670 "¦ 1733).
Danach war es erst einmal Zeit zum Mittagessen. Ganz in der Nähe fand ich ein stilvolles historisches Gewölberestaurant. Die Bedienung (in historischen Kostümen) war freundlich, und das Essen hat sehr gut geschmeckt.
Für den Nachmittag nahm ich mir noch den erst vor einigen Monaten wiedereröffneten Mathematisch-Physikalischen Salon vor, eine Sammlung historischer technischer Geräte (Uhren, Teleskope, Globen, Brennspiegel, Mess- und Hilfsmittel zu Himmelsbeobachtung und Landvermessung u.a.). Ich hatte die Ausstellung schon mal als Kind gesehen, konnte mich aber kaum noch an Einzelheiten erinnern. Dadurch war der Besuch für mich eine interessante Neuentdeckung.
So, nun wurde es langsam Zeit, an den kulturellen Höhepunkt des Tages zu denken. Schnell noch einen Kaffee in einer Konditorei am Altmarkt getrunken und dann ging es ins Hotel zurück. Ich erneuerte noch einmal mein Makeup und zog mein rotes Abendkleid an, das ich bei vergangenen Opernbesuchen schon oft getragen hatte. Nicht ganz unproblematisch war dabei das Rasieren des Rückenausschnittes. Es bedurfte einiger Verrenkungen vieler Kontrollen mit dem Spiegel, bis ich mir sicher war, dass alles weg ist. Bei meinen vergangenen Auftritten in diesem Kleid hatte ich immer eine Begleitung dabei, die das übernehmen konnte.
Trotz dieser Widrigkeiten war ich rechtzeitig fertig und konnte mich ganz entspannt auf den Weg zu Oper machen. Zehn Minuten Fußweg durch die Dresdner Innenstadt in diesem festlichen Outfit — da gab es schon den einen oder anderen Blick von Passanten. Gesagt hat aber niemand etwas. Hier ein älteres Bild an gleichem Ort: gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=5445
Vor der Oper musste ich an zwei Herren vorbei, die versuchten, noch einige Karten loszuwerden. Einer sprach mich direkt an: "Hat die Lady schon eine Karte?" Ich bejahte und ging weiter. An der Garderobe gab ich das Bolerojäckchen ab, dass ich mir für den Weg übergezogen hatte, und beobachtete wieder einmal die Leute.
Ich fange mal mit der schlechten Nachricht an: Es gab wieder einige Besucher, die scheinbar das Opernhaus mit einer Gartenkneipe verwechselt hatten, aber das war vielleicht nur eine Handvoll. Die große Mehrheit trug dagegen angemessene festliche Kleidung. In einem Punkt war ich trotzdem völlig überrascht: Die schönen Kleider, Röcke und Hosenanzüge der Damen — fast alle in Schwarz! Die Herren hatten bekanntlich sowieso keine andere Wahl. Vereinzelt sah ich ein paar Sachen in Weiß oder Pastelltönen, aber etwas Farbenfrohes, danach musste ich lange suchen. Eine etwa 10-köpfige Gruppe ganz junger Damen (15 bis 20 Jahre) fiel mir da besonders positiv auf, weil sie einige farbliche Akzente setzten, aber ganz in Rot, da war ich an diesem Abend wohl die einzige. Andrea als leuchtender Mittelpunkt der Semperoper — daran habe ich nicht mal im Traum gedacht!
In der Pause musste ich zuerst mal auf die (Damen-)Toilette. Da kam es einmal mehr zu der prickelnden Situation, dass ich im Vorraum zusammen mit anderen Damen warten musste, bis eine Kabine frei wurde. Da kam mir wieder der Gedanke, wenn jetzt eine etwas merkt und losschreit: "Hilfe ein Mann!" Aber nichts dergleichen geschah.
Ich hatte mich danach noch nach einem Imbiss angestellt. Ein älteres Paar hatte wohl die gleich Idee und ich hörte die Frau sagen: "Komm, wir stellen uns hinter diese Dame in dem schönen roten Kleid!" Ich drehte mich kurz um und wir lächelten uns an.
Eh ich es vergesse: An diesem Abend wurde die nicht so bekannte Oper "Macbeth" von Giuseppe Verdi aufgeführt. Sie basiert auf der gleichnamigen Tragödie von William Shakespeare (1564 — 1616) und es geht um die Gier nach Macht, die einige nicht davon abhält, auch über Leichen zu gehen. In dieser Inszenierung wurde die Handlung in eine fiktive Militärdiktatur der Gegenwart verlegt. Dadurch kam besonders deutlich zum Ausdruck, dass dieses bedingungslose Machtstreben heute noch genauso existent ist wie zu Shakespeares Zeiten. Und dazu die Musik von Verdi — einfach Spitze!
Näheres zur Handlung und Entstehungsgeschichte des Werkes könnt ihr hier nachlesen: Macbeth
Und was ich noch erstaunlich fand: Die Veranstaltung war so gut wie ausverkauft. Wo kamen da nur die vor zwei Tagen noch fehlenden 250 Besucher her?
Als Abschluss dieses erlebnisreichen Andrea-Tages hätte vielleicht noch ein Glas Wein in stilvollem Ambiente gepasst, aber dazu fehlte mir dann doch eine Begleiterin. So blieb es bei einem nochmaligen 10-minütigen "Schaulaufen" zurück zum Hotel.
Um mal bezüglich der Kleidung ein kleines Resümee zu ziehen: Ich habe meinen Auftritt in dem doch etwas auffälligen Outfit durchaus genossen. Es gibt für mich also keinen Grund, künftig bei festlichen Anlässen darauf zu verzichten. So ein "kleines Schwarzes", wie es die meisten Besucherinnen an diesem Abend trugen, würde mich aber auch reizen. Ich werde es mal auf meiner Einkaufswunschliste notieren.
Zuletzt geändert von Andrea aus Sachsen am Di 17. Sep 2013, 14:28, insgesamt 4-mal geändert.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Anne-Mette
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 97 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

es gefällt mir (obwohl ich ganz anders bin) außerordentlich gut, wie Du das "Andrea-Sein" zelebrieren kannst.
Für mich ist es ein Genuss, Deine Berichte zu lesen ---))) (flo) ---)))

Herzliche Grüße
Anne-Mette
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 98 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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15.9.2013
Früh im Hotel war wie üblich zuerst Anziehen, Schminken, Frühstücken und Kofferpacken angesagt. Ich trug wie am Vortag meinen roten engen Rock, die weiß-blaue Bluse, schwarze Strumpfhosen, Pumps und darüber meinen schwarzer Blazer.
Angeregt durch einen Beitrag hier im Forum, hatte ich mir vorgenommen, heute einen Teil von Dresden zu besuchen, in dem ich noch nie war. Nach dem Hinweis sollte es mehrere markante Aussichtspunkte auf die Stadt und das Elbtal geben, die alle an einer Straßenbahnlinie liegen.
Meinen für die Heimfahrt gepackten Koffer konnte ich noch einmal im Hotel deponieren. Beim Verlassen des Hauses merkte ich, dass es draußen nieselte, und mein Schirm lag noch im Koffer. Also ging ich zur Rezeption zurück und lies mir den Koffer noch einmal geben. Wie sich später herausstellte, wäre diese Aktion eigentlich nicht nötig gewesen, denn das Nieseln hatte schon aufgehört und ansonsten blieb das Wetter zwar trüb, aber trocken.
Wie ich herausgefunden hatte, fährt die Linie 11 Richtung Bühlau an einigen Aussichtspunkten vorbei. Ich besorgte mir eine Tageskarte der Dresdner Verkehrsbetriebe und stieg in die nächste "11" ein. Nach etwa 15 Minuten war ich an der Haltestelle Waldschlösschen. Von dort bietet sich ein schöner Blick auf die erst vor wenigen Tagen eingeweihte umstrittene Waldschlösschenbrücke.
Die Straßenbahnfahrt war dort erst einmal wegen Gleisbauarbeiten zu Ende. Nach weiteren drei Stationen, jetzt im Schienenersatzverkehr, sollte es bei den Elbschlössern einen weiteren Aussichtspunkt geben. Dieser liegt aber nicht direkt an der Straße. Nach einem kurzen Fußweg durch einen Park kam ich zum Lingnerschloss, von dessen Terrasse aus sich ein weiterer schöner Panoramablick bietet. Ein Schild wies mich auf eine Ausstellung im Schloss zu dessen Geschichte und dem ehemaligen Besitzer hin, aber diese öffnete erst in einer Stunde.
Ich nutzte die Zeit, um mir die nur zwei Straßenbahnstationen entfernte Gedenkstätte Bautzener Straße, die ehemalige Untersuchungshaftanstalt der Stasi anzusehen. Dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte, das dort aufgezeigt wird, war natürlich ein gewaltiger Kontrast zu dem, was ich mir sonst an diesem Wochenende angesehen habe. Interessant war es auf jeden Fall. Da an diesem Sonntagvormittag nur wenige Besucher den Weg hierher fanden, bot sich die Gelegenheit zu einem längeren Gespräch mit der Frau an der Kasse. Hinterher stellte ich mir wieder einmal die Frage, ob sie eventuell gemerkt hat, dass ich nicht "echt" bin. Mir ist jedenfalls (wieder einmal) nichts aufgefallen, was darauf hindeuten könnte.
Jetzt konnte ich noch einmal zum Lingnerschloss fahren, welches nach dem ehemaligen Besitzer Karl August Lingner (1861 - 1916) benannt ist, dem Erfinder des ODOL-Mundwassers und Gründer des Dresdner Hygienemuseums. Die Ausstellung, die inzwischen geöffnet hatte, war nicht sehr umfangreich, da das Schloss zur Zeit umfassend restauriert wird. Da ich aber über diese Sache bisher so gut wie nichts wusste, hatte ich auf jeden Fall wieder etwas dazugelernt.
Auf der Terrasse des Schlosses befindet sich eine Selbstbedienungsgaststätte. Ich nutzte die Gelegenheit zum Mittagessen und konnte dabei die Aussicht auf Dresden und das Elbtal genießen.
Auf der (Damen-)Toilette kontrollierte ich noch einmal das Makeup, bevor ich mit Bus und Straßenbahn wieder ins Zentrum fuhr, meinen Koffer im Hotel abholte und die Heimreise antrat.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 99 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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21.9.2013
Während meiner Überlegungen, was ich denn an meinem nächsten Andrea-Tag unternehmen könne, stieß ich vor einigen Tagen auf einen Zeitungsartikel: Im Chemnitzer Kabarett hat ein neues Stück Premiere. Das wäre doch was, aber üblicherweise sind die Karten für derartige Veranstaltungen schon Wochen vorher ausverkauft. So war ich doch etwas erstaunt, als ich beim Blick auf die Kabarett-Webseite nichts von Ausverkauf lesen konnte. Die Antwort auf meine noch etwas ungläubig abgeschickte Reservierungsanfrage kam prompt:
Sehr geehrte Frau "¦,
Ihre Reservierung geht in Ordnung. Bitte holen Sie Ihre Karte bis spätestens 19.30 Uhr an der Abendkasse ab.

Bei der Frage, was ich mit dem Rest dieses (Andrea-)Tages anfange, kam mein nur im weiblichen Modus vorhandenes Kunstinteresse durch: Ich nahm mir die aktuellen Sonderausstellungen der Chemnitzer Kunstsammlungen vor.
Also habe ich mich bereits am frühen Nachmittag in Andrea verwandelt um bin nach Chemnitz gefahren. Ich trug dabei, mangels Zeit, etwas Neues zusammenzustellen, noch einmal das gleiche Outfit wie am vergangenen Wochenende in Dresden: kurzer roter enger Rock, weiße Bluse mit blauen Blumenmotiven, schwarze Strumpfhosen, Pumps und darüber meinen schwarzen Blazer.
Besonders gespannt war ich auf die Sonderausstellung, die dem belgischen Architekten Henry van de Velde und dem norwegischen Maler Edvard Munch gewidmet war. Beide feiern dieses Jahr ihren 150. Geburtstag. Über van de Velde hatte ich bereits vor einigen Wochen bei einem Besuch der Villa Esche, seinerzeit seinem ersten Auftrag in Deutschland, einiges erfahren. Den Maler Edvard Munch kannte ich bisher nicht, habe aber gelernt, dass es außer dem Geburtsjahr noch einige andere Verbindungen gibt, die eine gemeinsame Ausstellung beider Künstler rechtfertigen. Unter anderem hatte Munch die Familie Esche als Auftraggeber van de Veldes zu Beginn des 20. Jahrhunderts porträtiert.
Zu diesem Teil der Kunstsammlungen wurde eine Führung angeboten, welcher ich mich gern anschloss.
Eine weitere Sonderausstellung ist dem britischen Künstler Allen Jones gewidmet. Durch seine Bilder und Skulpturen zieht sich wie ein roter Faden eine ungewöhnliche, teils auch provokante Darstellung der Weiblichkeit.
Nicht uninteressant waren auch Bilder eines iranischen Fotografen und Filmemachers. Am interessantesten fand ich eine Reihe von Fotos, die alle durch eine von Regentropfen übersäte Glasscheibe gemacht wurden. Je nachdem, was dahinter nur schemenhaft zu erkennen war, ergaben sich auf der Scheibe ganz unterschiedliche Licht- und Farbeffekte.
Übrigens hatte an der Führung eine Frau teilgenommen, die bis auf eine etwas andere weiße Bluse genau das gleiche trug wie ich.
Die Zeit bis zum Beginn der Kabarettvorstellung nutzte ich, um noch etwas in diversen Damenmodegeschäften zu stöbern. Gefunden habe ich nichts passendes, was aber nicht schlimm war, da ich kurzfristig nicht zwingend etwas Neues brauchte. Ein enger schwarzer Rock hatte mir zwar sehr gut gefallen, ihn gab"™s sogar im Sonderangebot für 15 €, aber nur in Größe 42 und das war mir um die Hüfte doch zu schlabbrig. Ich nutzte aber die Gelegenheit, in der Kabine mein Makeup für den Kabarettbesuch noch einmal aufzubessern.
Kurz nach 19 Uhr habe ich dann meine Karte an der Abendkasse abgeholt und in der verbleibenden Zeit in der Kabarettkneipe noch etwas zum Abendbrot gegessen.
An diesem Abend trat übrigens ein Gastensemble auf und es wurde auch kein klassisches Kabarettstück gespielt, sondern ich würde es mal als ein Mittelding zwischen Kabarett und Musical bezeichnen. Das Stück nannte sich dementsprechend auch: Babytalk — Das Kinder-krieg-Musical. Vielleicht kennt es die eine oder andere von euch schon. Babytalk wurde 2000 in Berlin uraufgeführt und seitdem schon auf einigen anderen Bühnen gespielt.
Es geht darin um ein junges Paar, das ein paar Probleme hat, mit dem Thema Kinderwunsch umzugehen. Für mich ist dieses Thema zwar abgeschlossen, aber deshalb nicht uninteressant, denn wenn ich es etwas allgemeiner formuliere, geht es um Verständigungsprobleme zwischen Mann und Frau.
Wie ich weiter oben schon andeutete, war die Nachfrage nach diesem Stück bei weitem nicht so groß wie nach den sonstigen Veranstaltungen an diesem Ort. Etwa 20% der Plätze blieben leer. Positiv überrascht war ich dagegen von der Kleiderordnung. Während ich sonst hier nur etwas bessere Alltagskleidung sah, war diesmal fast durchweg eine gewisse festliche Note erkennbar. Mindestens 10 Frauen (von etwa 50) trugen einen Rock oder ein Kleid.
Ich hatte übrigens wieder das Vergnügen, einen Platz gegenüber dem Eingang zu bekommen, wo ich nur über die Bühne hinkam. Naja, dieses "Schaulaufen" vor den anderen Besuchern bin ich ja inzwischen gewöhnt und da diesmal deutlich mehr Frauen elegant gekleidet waren, bin ich vielleicht auch weniger aufgefallen.
Die Aufführung kam offenbar sehr gut an, denn es gab reichlich Beifall. Die Zeit danach reichte für mich gerade so, um ganz entspannt zum Bahnhof zu laufen und nach Hause zu fahren.
Beim Aussteigen auf dem Bahnhof meiner Heimatstadt fragte mich ein junger Mann, ob ich mich hier auskenne und als ich bejahte, wie er zu einer bestimmten Straße komme. Ich sagte, dass ich in die gleiche Richtung müsse und er mitkommen könne. Etwa 500 m gingen wir gemeinsam und unterhielten uns ein wenig darüber, wo wir herkommen, hinwollen und anderes. Dann verabschiedeten wir uns kurz. Bemerkungen zu meiner Person machte er nicht. So blieb ich wieder im Unklaren, ob er vielleicht gemerkt hat oder ahnte, dass ich nicht "echt" war.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
ExuserIn-2015-02-14

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 100 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2015-02-14 »

Hallo, Andrea,

wie immer schreibst Du sehr detailiert und mitreißend über Deine Erlebnisse. Vielen Dank für die schriftstellerischen Ausführungen und Einblicke in Deine Andrea-Welt.

LG Deborah!
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 101 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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5.10.2013
Hier muss ich mal mit der Vorgeschichte beginnen: Eigentlich sollte ich nach einer geplanten Fußoperation zu Hause sitzen müssen und meinen Fuß ruhigstellen. Durch ein Missverständnis ist die Sache aber (wieder einmal) verschoben worden. Jetzt stand ich vor der Aufgabe, sämtliche Aktivitäten der nächsten 2 Monate neu zu planen.
Ich erinnerte mich daran, dass Andrea(66, die aus Ostfriesland) vor einigen Wochen von einem geplanten Urlaub in Dresden schrieb und dazu noch Tipps und eine Begleitung suchte. Tipps konnte ich geben, aber das andere ging ja nicht wegen der OP. Ich wäre gern mitgekommen, besonders weil Andrea(66) ein Konzert besuchen wollte auf das ich bei meinem letzten Dresden-Besuch aufmerksam geworden bin. Schon damals wäre ich gern hingegangen, wenn ich nicht an diesem Abend schon etwas anderes vorgehabt hätte.
Die Verschiebung der OP änderte natürlich die ganze Situation. Wie ich erfuhr, hatte Andrea(66) mit Nicole(.b) bereits eine Begleitung für ihren Dresden-Urlaub gefunden. Beide freuten sich aber, dass ich noch dazustoßen würde, auch wenn das bei mir nur für einen Tag gehen sollte.
Jetzt kam es nur noch darauf an, kurzfristig eine Hotelübernachtung zu buchen und noch eine Konzertkarte zu bestellen. Das mit der Übernachtung war gar nicht so einfach. Am liebsten hätte ich ja das gleiche Hotel wie Andrea und Nicole genommen, aber dort gab es nur noch einige Restplätze zu für mich unakzeptablen Preisen. Ein preiswertes Hotel gleich um die Ecke, wo ich in der Vergangenheit schon mehrmals übernachtet hatte, war komplett ausgebucht. Nach längerem Suchen fand ich etwa 2 km vom Zentrum entfernt noch eine bezahlbare Alternative.
Die Bestellung der Konzertkarte, die ich gegen meine Gewohnheit online versuchte, lief problemlos durch, bis ich merkte, dass ich irgendwann den falschen Knopf gedrückt und ein ganz anderes Datum ausgewählt hatte. Umbuchung oder Neubestellung war so kurzfristig nicht mehr möglich, aber in einem Ticketcenter in Chemnitz kam ich doch noch zu meiner Karte.
Jetzt konnte es endlich losgehen. Ich musste, wie schon oft in der Vergangenheit, 6 Uhr aufstehen, mich in Andrea verwandeln und etwas frühstücken, um kurz nach 8 Uhr das Haus zu verlassen. Als Outfit hatte ich einen knielangen Karorock, ein grünes Langarmshirt, braune Strumpfhosen und Stiefeletten ausgewählt. Da es draußen schon ziemlich kühl war, zog ich meinen schwarzen Anorak darüber.
Gegen 10 Uhr war ich in Dresden und machte mich auf den Weg zu dem Hotel, in dem Andrea(66) und Nicole(.b) bereits seit 2 Tagen nächtigten. Andrea winkte mir schon durchs Fenster des Foyers zu, während Nicole noch beim Frühstück saß. Andrea bot mir auch die Möglichkeit, meinen Koffer vorläufig in ihrem Hotelzimmer abzustellen. Dankenswerterweise wies sie mich gleich darauf hin, dass sich bei mir eine Laufmasche zeigte. Zum Glück hatte ich für solche Fälle vorgesorgt und eine Ersatzstrumpfhose im Koffer.
Inzwischen war auch Nicole mit dem Frühstück fertig. Auch wir begrüßten uns herzlich. Jetzt konnten wir drei "Damen", aus völlig unterschiedlichen Gegenden kommend, in Dresden gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen.
Andrea(66) trug übrigens zu ihrer schwarzen Hose eine mehrfarbige Tunika, schwarze Pumps und darüber einen hellgrauen Parka. Nicole hatte einen kurzen Rock, Strumpfhosen, Stiefel und darüber einen Kurzmantel an, alles in Schwarz — offenbar ihre Lieblingsfarbe.
Wir hatten vorher kurz abgesprochen, dass es zu einigen Aussichtspunkten über die Stadt gehen sollte. Einzelheit dazu überließen Andrea und Nicole mir, da ich mich offenbar am besten hier auskenne. Ich nahm diese Rolle als Stadtführerin gern an und wählte eine kleine Rundfahrt aus, bei der auch ich noch etwas Neues kennenlernen konnte. Die äußeren Bedingungen dazu konnten nicht besser sein: Den ganzen Tag schönes sonniges Herbstwetter!
Nach einigen Stationen mit der Straßenbahn stiegen wir in einen Bus um, der uns über die Loschwitzer Brücke, besser bekannt als das "Blaue Wunder", auf die andere Elbseite brachte. Von dort führt eine der ältesten Standseilbahnen der Welt (erbaut 1895) in ein etwa 100 m höher gelegenes Villenviertel von Dresden. Von der Terrasse einer Gaststätte aus gleich neben der Bergstation gab es einen ersten herrlichen Ausblick auf die Stadt und das Elbtal.
Weiter ging es ein Stück zu Fuß durch das stellenweise etwas verlassen wirkende Villenviertel. Seitens meiner Begleiterinnen wurde schon die Befürchtung geäußert, dass wir hier falsch wären, aber ich hatte den Stadtplan genau studiert. Nach etwa 10 Minuten kamen wir wie vorgesehen zu einer Straßenbahnhaltestelle, von wo aus es nur zwei Stationen (zur Zeit allerdings im Schienenersatzverkehr) bis zu den Elbschlössern waren, einem weiteren Höhepunkt unserer Rundfahrt.
Nach einem kurzen Fußweg durch einen Park standen wir auf der Terrasse des Lingnerschlosses und konnten erneut den herrlichen Ausblick genießen. Das war genau der Punkt, an dem meine letzte Besichtigungstour vor drei Wochen endete. Hier hatten wir die Gelegenheit zu einem kleinen Imbiss oder Mittagessen. Meine Begleiterinnen waren aber von dem offenbar reichhaltigen Frühstück im Hotel noch satt. Also fuhren wir mit der "Ersatzstraßenbahn" weiter bis zur Haltestelle Waldschlösschen.
Von dort gibt es den besten Blick auf die kürzlich fertiggestellte Waldschlösschenbrücke. Wir diskutierten kurz über Sinn oder Unsinn des wegen der Brücke verlorengegangenen UNESCO-Welterbetitels, bevor wir, jetzt mit der "richtigen" Straßenbahn, die letzte Etappe unserer Stadtrundfahrt in Angriff nahmen. Es ging am Bahnhof Neustadt vorbei, über die Marienbrücke wieder zurück ins Zentrum.
Dort trennten sich zunächst unsere Wege. Nicole ließ sich im Atelier Changeable für die Abendveranstaltung noch einmal "aufhübschen". Andrea(66) tat das gleiche in ihrem Hotelzimmer und ich machte mich auf den Weg zu meinem Hotel. Nach 5 Stationen mit der Straßenbahn war ich bereits da. Das Einchecken bereitete, wie erwartet, keine Probleme, ich hatte ja wie üblich unter meinem weiblichen Namen reserviert.
Ich erneuerte noch einmal mein Makeup und zog für das Konzert etwas Festliches an: knielanger enger schwarzer Rock, weinrote Satinbluse, schwarze Strumpfhose mit Rautenmuster und schwarze Pumps. Da mir inzwischen der Magen etwas knurrte, fuhr ich etwas zeitiger in die Innenstadt zurück und lies mir in einer Bäckerei in der Altmarktgalerie einen Kaffee und ein Stück Kuchen schmecken.
16.30 Uhr traf ich mich dann mit den anderen "Damen" im Dresdner Zwinger, wo im Marmorsaal das Konzert stattfinden sollte. Andrea(66) trug ein knielanges Kleid in verschiedenen Brauntönen, Nicole wieder komplett ihre Lieblingsfarbe schwarz. Sie hat ein Bild ihres Outfits in ihre Galerie gestellt. Wir gingen zum Marmorsaal, nahmen etwa in der Mitte der Zuschauer Platz und warteten auf das, was da kommt.
Die etwa 150 Plätze im Saal waren zu etwa 80% besetzt. Die allgegenwärtige Werbung für dieses Konzert und ein Kartenverkaufsstand für Kurzentschlossene direkt im Zwinger sorgten natürlich dafür, dass zahlreiche Besucher gleich im Straßenoutfit kamen. Die Mehrheit hatte sich aber doch für eine ein wenig, aber nicht übertrieben festliche Kleidung entschieden. Ich denke, da lagen Andrea, Nicole und ich mit unserer Wahl gerade richtig.
Gespielt wurden allseits bekannte Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Emmerich Kálmán und Johann Strauss. Ein nur sechsköpfiges Ensemble vorwiegend junger Musiker(innen) gab sich alle Mühe, die Veranstaltung zu einem Erlebnis werden zu lassen. Mit den originalen Orchesterfassungen der großen Strauss-Walzer konnten sie mit ihren bescheidenen Möglichkeiten natürlich nicht mithalten. Ich als eine, die öfter solche und ähnliche Veranstaltungen besucht, fand deshalb die Bezeichnung "Galakonzert" und den Untertitel "Leichte Klassik in höchster Vollendung" etwas hochtrabend. Inwiefern damit Klassik-unkundigen Leuten ein Zugang zu dieser Musik verschafft werden konnte, vermag ich nicht zu beurteilen.
Nachdem wir uns von der ansonsten herrlichen Musik haben berieseln lassen, wurde es langsam Zeit für eine richtige Mahlzeit. Wir fanden ein stilvolles Restaurant gleich neben der Frauenkirche. Zuerst sah es so aus, als wäre alles besetzt, aber auf Nachfrage führte uns eine Kellnerin zu dem möglicherweise einzigen noch freien Tisch. Das Essen einschließlich Nachtisch hat zumindest mir vorzüglich geschmeckt.
Danach beim Besuch der Toilette musste ich mich ganz auf einen Mann verlassen, der vor den Türen stand und mir eine davon aufhielt. Ich konnte nicht erkennen, was an der geöffneten Tür draußen dranstand, also blieb die etwas bange Frage, als was er mich erkannt hat. An den anderen Besucherinnen merkte ich schließlich, dass es die Damentoilette war.
Gegen 21 Uhr waren wir dann gesättigt und da es fürs Bett noch zu zeitig war, trafen wir uns noch im Hotelzimmer von Andrea(66) bei einer Flasche Wein und quatschten über dies und das. Erst kurz nach Mitternacht verabschiedete ich mich von den beiden "Damen" um zu meinem Hotel zu fahren. Da Andrea und Nicole deutlich längere Heimfahrtwege hatten und gleich nach dem Frühstück aufbrechen wollten, verabredeten wir uns für den Folgetag nicht noch einmal.
Wenn ich auch nur kurze Zeit an diesem Treffen beteiligt war, hat mir das Ganze viel Spaß gemacht. Andrea und Nicole waren nette Begleiterinnen. Deshalb an dieser Stelle nochmal meinen Dank an euch beide! Schön, dass ich euch kennenlernen konnte! Ich war positiv überrascht, wie sicher ihr bei eurem ersten Urlaub als Frau aufgetreten seid. Das Besondere an diesem Treffen war für mich auch, dass es aufgrund der weit voneinander entfernten Wohnorte, in dieser Konstellation wahrscheinlich so schnell nicht wieder stattfinden wird.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 102 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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6.10.2013
Während Andrea und Nicole wahrscheinlich schon die Koffer für ihre weite Heimreise gepackt hatten, blieb mir noch etwas Zeit, in Dresden etwas anzusehen. Zunächst aber begann der Tag wieder mit Schminken und dem Frühstück im Hotel. Nach dem Auschecken fuhr ich zunächst zum Bahnhof und verstaute meinen Koffer in einem Schießfach. An meinem Outfit hatte ich gegenüber dem Vortag nichts geändert (knielanger Karorock, grünes Langarmshirt, schwarzer Anorak, braune Strumpfhosen und Stiefeletten). Mein Ziel an diesem Vormittag war das Dresdner Residenzschloss.
Vor einigen Monaten wurde im dortigen restaurierten Riesensaal die Rüstkammer wiedereröffnet. Das ist eine Ausstellung zu historischen, meist besonders prunkvollen Ritterrüstungen und den dazugehörigen Waffen, wie sie bis ins 16. Jahrhundert hinein bei entsprechenden Turnieren, aber auch im Feld getragen wurden. Das Ganze wird ergänzt durch einige nachgestellte Kampfszenen aus diesen Turnieren.
Um etwas mehr Hintergrundinformationen zu bekommen, lieh ich mir ein Audioguide (elektronischer Museumsführer). Dazu sollte ich ein persönliches Dokument als Pfand hinterlegen. Hier erwies sich mein ÖPNV-Ausweis wieder einmal als sehr nützlich, denn mit meinem weiblichen Namen und Passbild drauf brauchte ich mich nicht zu outen. Die Ausstellung hatte ich zuletzt vor etwa 40 Jahren mal gesehen, als sie noch in einem Seitenflügel des Dresdner Zwingers untergebracht war.
Nachdem ich so wieder etwas dazugelernt hatte, entschied ich mich, die etwa 220 Stufen zur Aussichtsplattform des Hausmannsturms, dem höchsten Teil des Residenzschlosses, emporzusteigen. Auf dem Weg dorthin konnte ich auch das Werk der Turmuhr besichtigen; welches allerdings nur noch als Nachbau existiert, da das Original bei den Bombenangriffen 1945 zerstört wurde. Von der Plattform aus konnte ich den Blick auf den Theaterplatz, den Zwinger und andere Sehenswürdigkeiten der Dresdner Altstadt genießen.
Wieder zu ebener Erde, musste ich leider schon an die Heimfahrt denken. Ich fuhr mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof, holte meinen Koffer aus dem Schließfach und nahm noch einen kleinen Imbiss zu mir. Diesmal konnte ich wieder das Phänomen eines überfüllten Zuges erleben. Offenbar war ich nicht die Einzige, die nach einem Wochenendausflug in die sächsische Landeshauptstadt jetzt die Heimreise antreten wollte. Da ich aber etwa eine Viertelstunde vor Abfahrt am Zug war, erwischte ich gerade noch einen der letzten freien Plätze. Ansonsten verlief die Heimfahrt ohne besondere Vorkommnisse.
Ein schönes Andrea-Wochenende, an das ich noch lange denken werde, war damit leider schon wieder zu Ende.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Anne-Mette
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 103 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Abend,

Andrea macht sogar Nachtschicht (smili)

Deine Berichte sind sehr schön. Wenn ich die in Ruhe lese, dann ist es fast so, als wäre ich dabei gewesen.
Jedes Andrea-Erlebnis wird zelebriert und es ist Dir etwas wert; das lese ich in und zwischen den Zeilen (flo) ---))) (flo) ---))) (flo)

Gruß und gute Nacht :))b

Anne-Mette
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 104 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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Zunächst einmal vielen Dank euch allen, die ihr mit euren netten Kommentaren Anteil an meinen Erlebnissen nehmt!
Adriana hat geschrieben:Mich wundert nur das für den Audioguide "Pfand" hinterlegt werden muss, war dieser dann wenigstens Kostenfrei zu haben?
Hallo Adriana,
das mit dem Audioguide wird überall etwas anders gehandhabt. In allen Einrichtungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wird dafür ein Pfand, aber keine zusätzliche Gebühr verlangt. Woanders geht es ohne Pfand, dafür habe ich aber schon bis zu 2€ zusätzlich bezahlt.
Danke auch für deinen Tipp mit Amsterdam! Vielleicht kriege ich das mal "gebacken" — wenn es doch nur nicht so weit weg wäre!
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 105 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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24.10.2013
Bei uns sind gerade Herbstferien und meine Tochter ist bei Verwandten. Da hätte ich eigentlich die Möglichkeit, als Andrea etwas zu unternehmen, wenn ich nicht arbeiten müsste. Aber einen Abend habe ich mir dann doch gegönnt.
Bei der Suche nach einer interessanten Veranstaltung stieß ich auf eine Aufführung im Chemnitzer Schauspielhaus: Ring Of Fire - Eine Johnny-Cash-Hommage. Ich würde mich nicht unbedingt als Johnny-Cash-Fan bezeichnen, aber das, was ich bisher von diesem Sänger gehört hatte, fand ich gar nicht so schlecht. Es weckte in mir zumindest die Neugier, etwas mehr über sein Leben und seine Musik zu erfahren.
Zwei Tage vorher besorgte ich mir noch eine der Restkarten und hatte kurzfristig auch noch einen Termin zum Schminken im Zweithaarstudio Simone bekommen. Also ging ich nach Feierabend wieder dorthin, um mich in Andrea zu verwandeln. Ich trug danach einen knielangen engen schwarzen Rock, eine weinrote Satinbluse, hautfarbene, leicht glänzende Strumpfhosen, schwarze Pumps und darüber einen grünen (eigentlich mehr türkisen) Blazer. Ich habe wieder ein Foto für meine Galerie machen lassen: gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=8139
Nachdem ich die Tasche mit meinen Männersachen wieder im Bahnhofsschließfach verstaut und mir am Bankautomaten etwas Bargeld beschafft hatte, verblieb diesmal keine Zeit mehr für einen Einkaufsbummel. Ich wollte noch einen kleinen Imbiss zu mir nehmen, konnte aber nicht widerstehen, doch noch mal in ein Damenmodegeschäft reinzuschauen. Mir fielen einige wadenlange Godetröcke auf. Zwei davon in schwarz probierte ich an. Sie passten sehr gut zu der weinroten Bluse, die ich gerade trug. Ich entschied mich für einen aus einem leicht glänzenden Material. Der wirkt sehr festlich und ich werde ihn bestimmt bei einem meiner nächsten Theaterbesuche tragen.
Fast hätte ich dabei meine heutige Theateraufführung verpasst. Das Schauspielhaus erreichte ich noch rechtzeitig, den Imbiss musste ich aber auf die Pause verschieben.
Die Kleiderordnung der anderen Besucher(innen) war wieder einmal nicht sehr berauschend. Bei etwa der Hälfte konnte ich keinen rechten Unterschied zu üblicher Alltagskleidung feststellen. Bei der anderen Hälfte sah es zumindest ein wenig festlich aus, so wie ich es für angebracht erachte. Röcke oder Kleider trugen vielleicht etwa 20% der Damen.
In der Pause musste ich feststellen, dass es nur Getränke gab. Ich wurde auf eine Bar im gleichen Gebäude verwiesen. Da ich nach der Vorstellung noch über eine Stunde Zeit haben sollte, bis mein Zug nach Hause fuhr, fand ich dieses Angebot gar nicht mal schlecht.
Die Aufführung selbst lebte vor allem von der Musik Johnny Cashs. Dialoge zwischen den Liedern brachten den Zuschauern die wichtigsten Stationen aus dem Leben des Countrysängers nahe. Doch was wäre Johnny Cash ohne seine Duettpartnerin June Carter? Ihre Darstellerin im weißen Kleid im Stil der 60er Jahre stellte zumindest optisch alles andere in den Schatten.
Die musikalische Umsetzung fand ich dagegen nicht optimal. Irgendwie gefallen mir die Originalaufnahmen besser. Einer der Titel — "A boy named Sue" — hat zumindest indirekt etwas mit unserer Problematik zu tun: http://de.wikipedia.org/wiki/A_Boy_Named_Sue
Die Aufführung wurde von den Zuschauern im ausverkauften Schauspielhaus begeistert aufgenommen. Die Darsteller wurden zu immer weiteren Zugaben herausgefordert. Dadurch dauerte die Veranstaltung fast eine halbe Stunde länger als im Programm angegeben.
Jetzt hatte ich das Problem, dass wieder keine Zeit zum Essen blieb. Mit inzwischen etwas knurrendem Magen machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Dort fand ich schließlich doch noch die Gelegenheit für einen kleinen Imbiss. Es war zwar nur ein Fastfood-Restaurant, in dem ich mir als elegant gekleidete Dame etwas deplatziert vorkam, aber was soll"˜s, nachdem ein Mann gerade ging war ich die einzige im Raum.
Den Rest des Tages, 20 Minuten Bahnfahrt und 15 Minuten Fußweg, konnte ich bei angenehm mildem Herbstwetter noch einmal richtig genießen.
Um ein Fazit dieses Abends zu ziehen: Ich bin nicht mehr und nicht weniger Johnny-Cash-Fan als vorher, aber eine willkommene Abwechslung zu meinen sonst etwas anders gearteten kulturellen Erlebnissen war es allemal.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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