Andrea — meine Erlebnisse
Andrea — meine Erlebnisse - # 5

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 61 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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Danke Deborah, Emma und Triona für die netten Kommentare! Ja, es war ein netter Abend, bis auf die gewöhnungsbedürftige Musik eben. Diesmal hatte ich mich auch nicht umgezogen, bei anderem Outfit (langer Rock) in der Vergangenheit aber schon.
Ich versuche ständig, Reaktionen von anderen Leuten mitzubekommen. Außer den üblichen kurzen Blicken ist mir allerdings noch nie etwas Besonderes aufgefallen. Vielleicht ist aber meine Beobachtungsgabe nicht besonders gut.
Danke Triona für deine Vorschläge zur Bereicherung des kulturellen Angebots! Leider bin ich bis Ende Mai anderweitig "ausgebucht". Ich nehme dir deinen "Missbrauch" nicht übel. Wenn du solche Informationen aber öfter loswerden möchtest, wäre ein eigener Thread dafür vielleicht doch angebracht. Es wird sich sicher auch für mich mal eine Gelegenheit bieten, zu einer dieser folkloristischen Darbietungen zu kommen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 62 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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19.4.2013
Auf diesen Tag hatte ich mich schon lange gefreut. Es sollte meine bisher weiteste Reise als Andrea werden. Ich hatte mir extra dafür einen Tag Urlaub genommen und bereits am Vorabend meinen Koffer gepackt.
Der angekündigte Wetterumschwung machte die Auswahl eines passenden Outfits schwierig. Beinahe erst in letzter Minute entschied ich mich für meine weinrote Bluse, einen knielangen blau-weiß gepunkteten Rock, schwarze Pumps und darüber einen grünen Blazer.
Nachdem ich meine Tochter in die Schule verabschiedet hatte, habe ich mich in Andrea verwandelt. Ich hatte über 3 Stunden Zeit, bis mein Zug fuhr, so ging die Verwandlung diesmal ganz ohne Stress vonstatten. Etwa eine Stunde Fahrt in Regionalzügen, dann noch einmal umsteigen, das erste Mal als Andrea in einen ICE!
Der Zug war voll besetzt, aber für mich kein Problem, ich hatte ja eine Platzkarte. Meine Sitznachbarn, zuerst ein junger Mann, dann eine Frau etwa in meinem Alter, waren beide sehr in ihre Reiselektüre vertieft, sodass sie mich kaum beachteten. Außer wenn ich von meinem Fensterplatz mal an ihnen vorbei musste, haben wir nicht miteinander gesprochen.
Die Fahrt ging nach Frankfurt/M. Dort hatte ich mich mit Deborah (Ladylike) aus unserem Forum verabredet. Sie wartete auf dem Bahnsteig schon auf mich. Nach einer herzlichen Begrüßung (dank unserer Galeriefotos hatten wir uns sofort erkannt), ging es in ein nahegelegenes Hotel, wo ich seit Wochen zwei Übernachtungen gebucht hatte. Deborah buchte nachträglich auch eine Übernachtung, um mehr Zeit gemeinsam zu haben.
Nach einer kurzen Verschnaufpause gingen wir gleich gemeinsam los. Deborah war auch sehr feminin gekleidet, wie eben ihr Name schon sagt: ladylike. Auch ihre Stimme klingt einigermaßen authentisch, während ich daran wohl noch etwas arbeiten muss.
In der Fußgängerzone wollten wir ein Foto von uns machen lassen, hatten aber zunächst einen ungünstigen Platz gewählt, da einige Obdachlose sich dort zur Ruhe gelegt hatten. Ich überlegte noch, wo wir uns hinstellen könnten, um die nicht mit im Bild zu haben, als mich ein junger Mann etwas ungehalten ansprach. Er hatte meine Suche offenbar falsch gedeutet und fragte, ob ich mich wohl schäme, hier zu fotografieren, denn das wäre keine Touristenattraktion. Wie gesagt, diese "Attraktion" interessierte uns in keinster Weise, aber ich ließ mich auf keine Diskussion ein und sagte: "Gut, wir gehen ja schon weiter."
In sicherem Abstand starteten wir einen zweiten Versuch. Ich fragte einen Mann, ob er uns mal fotografieren würde; er meinte aber, dass sein (etwa 12-jähriger) Sohn das besser könne. Also erklärte ich dem Sohn meine Kamera und wie wir uns gern hinstellen möchten.
Ja, er konnte es wirklich, und als ich ihn zum Schluss für seine gute Arbeit lobte, fragte er zu meiner Überraschung, ob ich eine echte Frau sei. Wie er wohl darauf komme, wollte ich wissen, worauf er sagte, dass ich etwas komisch aussehe. "Ja, heute ist das so", sagte ich, merkte aber hinterher, dass so nicht klar war, ob ich damit mein komisches Aussehen oder meine Echtheit meinte. Wie auch immer, der Junge wird sich schon seine Gedanken darüber gemacht haben. Es war das erste Mal, dass ich diesbezüglich in der Öffentlichkeit angesprochen wurde.
Das Ergebnis dieser Fotosession habe ich in meine Galerie gestellt (gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=7091).
Es gab viele Geschäfte in der Frankfurter Innenstadt, in die ich gern mal reingeschaut hätte, aus Zeitmangel habe ich mich aber auf ein Schuhgeschäft beschränkt, das auch Übergrößen anbot. Das Angebot war nicht übermäßig umfangreich, aber fast alle Modelle auch in meiner Größe (43) verfügbar, ein für mich völlig neues Einkaufserlebnis. Ich habe schließlich ein Paar schwarze Pumps gekauft. Mit 85 € waren die zwar nicht ganz billig, drückten vorn auch noch leicht, aber ich hoffe, die passen sich, da aus echtem Leder, meinem Fuß noch an.
Deborah hatte in einem anderen Laden noch etwas zu besorgen, bevor wir uns den Dom, die Nikolaikirche und den Römer, Frankfurts berühmten Marktplatz anschauten. Danach suchten wir uns in der Nähe eine Gaststätte zum Abendbrot. Die Lokalitäten in der Frankfurter Innenstadt waren an diesem Abend gut besucht. Bei den (im Gegensatz zum Wetterbericht) noch milden Temperaturen, entschlossen wir uns, draußen Platz zu nehmen.
Nachdem wir uns gestärkt und die Rechnung bezahlt hatten, wurde es doch etwas kühl und wir gingen ins Hotel zurück. Dort genossen wir noch an der Bar den im Übernachtungspreis enthaltenen Begrüßungstrunk, bevor sich jede von uns auf ihr Zimmer zurückzog.
Für mich war dieser Tag auch in anderer Beziehung Neuland: Zum ersten Mal in Frankfurt/M. ist das jetzt die erste und bisher einzige Stadt, in der ich nur als Andrea weilte.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 63 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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20.4.2013
Kurz vor 7 Uhr bin ich im Hotel aufgestanden und habe mich wieder als Andrea zurechtgemacht. Gegen 8.30 Uhr war auch Deborah fertig und wir gingen zum Frühstück. Ich trug heute einen knielangen ausgestellten Karorock, ein grünes Langarmshirt, schwarze Stiefel und darüber einen grau melierten Blazer (in der Vergangenheit fälschlicherweise als Hahnentrittmuster bezeichnet).
Darunter trug ich auch meinen Polsterrock. Deborah machte mich aber darauf aufmerksam, dass durch den engen Bund des Karorockes die Taille etwas übertrieben eingeschnürt wirkte. Nach einem Blick in den Spiegel musste ich ihr Recht geben und wechselte auf leichte Schaumstoffeinlagen.
Deborah musste am Abend wieder heimfahren und checkte deshalb aus. Ihren Koffer ließ ich sie bis dahin in mein Zimmer stellen. Jetzt aber hatten wir noch einen ganzen Tag vor uns.
Wir besuchten zuerst das Jüdische Museum. Etwas Ähnliches hatte ich mir ja Anfang des Jahres bereits in Fürth angesehen. Die Ausstellung hier in Frankfurt ist etwas umfangreicher, zeigt aber genauso anschaulich das Wesen und die Geschichte dieser Glaubensgemeinschaft über viele Jahrhunderte hinweg, insbesondere mit lokalem Bezug.
Danach war es schon Zeit zum Mittagessen. Wir gingen dazu in ein kleines Lokal auf der anderen Mainseite. Auf der Brücke wehte ein steifer Wind, der unsere Frisur ziemlich zerzauste. So mussten wir vor dem Betreten der Gaststätte vor einem Schaufenster als Spiegel unsere (künstliche) Haarpracht erst einmal wieder in Form bringen.
Wir mussten zwar etwas auf das Essen warten, weil das kleine Lokal sich nach uns noch mehr mit Gästen füllte, aber es hat sehr gut geschmeckt.
Am Ufer des Mains findet man eine Vielzahl an Museen, die ihresgleichen sucht. Wir entschieden uns für das "Städel", einer Galerie für alte und zeitgenössische Kunst, vorrangig Gemälde. Die Sammlung ist ziemlich umfangreich, hier hätten wir durchaus einen ganzen Tag verbringen können. Ein Bild aus der zeitgenössischen Abteilung ist uns besonders aufgefallen. Deborah machte mich darauf aufmerksam, dass die beiden Frauen auf dem Bild zumindest von der Farbgebung her ähnliche Outfits wie wir trugen. Ich glaubte dagegen, in den Gesichtern der Frauen auch männliche Züge zu erkennen. Sollten das etwa Crossdresser sein?
Leider erlaubte es unsere Zeit nur, uns einen Bruchteil der Ausstellung anzusehen. Wir ließen uns im Museumscafe noch einen Kaffee und Kuchen schmecken, bevor wir ins Hotel zurückgingen, um uns für den Höhepunkt des Tages zurechtzumachen.
Aufmerksame Leser meiner Beiträge können sich schon denken, was jetzt kommt. Wir schminkten uns noch einmal neu und wechselten unser Outfit. Ich zog mein rotes Abendkleid an, Deborah ein schwarzes Kostüm. Wir wollten den Tag mit einer Opernaufführung ausklingen lassen.
Bis zum Opernhaus waren es etwa 500m Fußweg. Anfängliche Bedenken wegen der stark von Ausländern frequentierten Gegend, durch die wir da mussten, erwiesen sich als unbegründet. Mit unseren festlich eleganten Outfits waren wir aber schon ein Blickfang und gelegentlich schauten die Passanten schon mal. Ich staunte vor allen, wie gut Deborah mit ihren hohen Schuhen laufen konnte. Nur ganz so schnell ging es damit nicht und so musste mich Deborah manchmal bremsen, wenn ich ihr wieder einmal davonzulaufen drohte.
Von den anderen Besucherinnen sah ich etwa fünf, die ähnliche lange Abendkleider trugen wie ich, meist in schwarz, einmal in blau. Ein rotes Kleid sah ich auch; es war aber nicht ganz so lang. Kostüme wie sie Deborah trug, waren etwas zahlreicher vertreten, aber auch in verschiedenen Farben. Ansonsten sahen wir viele weibliche Crossdresser, vielleicht die Hälfte der Besucherinnen. Solange da eine gewisse festliche Note erhalten bleibt, ist das ja in Ordnung, aber es gab auch Besucher (männliche und weibliche), die in Jeans und Turnschuhen kamen.
An diesem Abend wurde Don Carlos von Giuseppe Verdi aufgeführt. Bei meinem Lieblingskomponisten konnte musikalisch eigentlich nichts schiefgehen. Die Inszenierung war eher traditionell ohne übermäßig spektakuläre Effekte. Sehenswert vielleicht das einfache Bühnenbild, das nur durch Heben oder Senken einzelner Bereiche des Bühnenbodens den verschiedenen Szenen angepasst wurde.
Vor der Vorstellung gab es in einem separaten Raum eine Einführung in das Werk, die aber ganz anders aufgebaut war, als ich es von der Oper in Chemnitz gewöhnt bin. Hier wurde viel weiter ausgeholt und mit den Gedanken von Friedrich Schiller zu seinem gleichnamigen Drama begonnen, auf dem Verdis Oper basiert. Interessenten können hier noch etwas mehr über das Werk nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Don_Carlos_(Verdi)
Mir hat die Aufführung sehr gut gefallen. In der Pause stießen wir mit einem Glas Wein auf unseren ersten gemeinsamen Opernabend an. Wie es Deborah gefallen hat, ich hoffe, sie wird sich hier selbst einmal dazu äußern.
Wir gingen gemütlich zum Hotel zurück, wo wir uns leider verabschieden mussten. Deborah holte ihren Koffer ab, wechselte noch einmal ihre Schuhe (Autofahren in High-Heels geht nicht gut) und trat die Heimreise an.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
geraldine
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 64 im Thema

Beitrag von geraldine »

Hallo Andrea und Deborah !
Ich freue mich für Euch, das Ihr eine so schöne Zeit mit einander hattet.
Ich kann mir gut vorstellen wie aufgeregt "man" ist
.Auf den "Höhepunkt" auf den
"man"sich so freut.
Auch das Foto von Euch sieht sehr gut aus .
Also Euch beiden herzlichen Glückwunsch für ein so schönes Erlebnis.
Ich hoffe liebe Deborah, das Deine Erwartungen alle in Erfüllung gegangen sind.
Dir liebe Andera, hab dank für den anschaulichen Bericht.
Jetzt weiß ich was so alles in der Frankfurter Oper abgeht.
Auch hätte ich das Publikum anders eingeschätzt.
Dank Deiner Ausführungen weiß ich jetzt mehr.
Euch beiden noch eine schöne Zeit auf den Zukünftigen Besuch
zum Beispiel in der Dresdner Semper Oper ?
Danke für die schönen Ausführungen
Seid recht lieb gegrüßt
Geraldine
triona
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 65 im Thema

Beitrag von triona »

Andrea aus Sachsen hat geschrieben:.
... Ansonsten sahen wir viele weibliche Crossdresser, vielleicht die Hälfte der Besucherinnen...
:mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: Na wenn das nix ist! Aber schön gesagt.
(Gabs da hier nicht irgendwo mal 'nen Faden "Crossdresser-Sichtungen oder so ähnlich? :mrgreen: )

Und mit der Oper konntest du diesmal ja zufrieden sein. :D


liebe grüße
triona
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 66 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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21.4.2013
Nach zwei erlebnisreichen Tagen mit Deborah stand für mich jetzt noch die Heimfahrt an. Noch einmal habe ich mich im Hotel als Andrea zurechtgemacht und bin frühstücken gegangen. Als Outfit wählte ich diesmal etwas ganz anderes: meinen schwarzen Hosenanzug. Auch meine neuen Pumps passten gut dazu.
Bereits nach dem Frühstück drückten die neuen Schuhe aber schon wieder stärker, sodass ich doch meine alten Pumps vorzog. Offensichtlich macht wohl doch vor meiner Fuß-OP kein Schuhkauf einen Sinn. Nach dem Auschecken ließ ich die Dame an der Rezeption noch ein Foto von mir machen. Ihr könnt es in meiner Galerie sehen (gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=7092).
Ansonsten verlief die Rückreise ohne besondere Vorkommnisse. Ich kann nicht behaupten, in meinem scheinbar unauffälligeren Outfit (Hosen) auch tatsächlich weniger aufgefallen zu sein. Gerade wenn ich durch einen Zug laufe, da schaut schon fast jeder zweite auf den Gangplätzen mal kurz auf, wer da entgegenkommt. Mir ist da jedenfalls kein Unterschied zur Hinfahrt (als ich einen Rock trug) aufgefallen.
Es war seit langem das erste und überhaupt erst das zweite Mal, dass ich als Andrea draußen Hosen trug. Dem Gefühl, eine Frau zu sein, tat das keinen Abbruch, aber ein bisschen neidisch habe ich doch auf die wenigen Frauen geschaut, die der klassischen Damenbekleidung den Vorzug gaben.
Das Wetter zeigte sich an diesem Tag schon fast wieder sommerlich. Da bin ich auf dem Heimweg schon etwas ins Schwitzen gekommen. Unter diesen Umständen war es ganz angenehm, zu Hause meine Sachen erst einmal auszuziehen. dass es danach aber wieder in den Männermodus ging, empfand ich dagegen weniger prickelnd.
Es war ein erlebnisreiches Andrea-Wochenende, an das ich noch lange zurückdenken werde. Dass es zu Ende war, darüber brauchte ich nicht allzu traurig zu sein, denn es sind ja schon wieder neue Sachen in Planung.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 67 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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Hallo alle zusammen,
ich möchte mich hiermit noch einmal für die netten Kommentare zu meinen Berichten und Bildern bedanken!
Übrigens, falls es jemand noch nicht gelesen hat, Deborah hat einen für meine Begriffe noch schöneren Bericht über unser gemeinsames Wochenende geschrieben: viewtopic.php?f=6&t=6253
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 68 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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10.5.2013
Dieses Wochenende stand mit dem Forumstreffen in Berlin ein Höhepunkt an, der reichhaltige Erlebnisse versprach. Meinen Koffer hatte ich bereits am Vorabend gepackt und alle anderen Sachen zurechtgelegt.
Da heute, am Freitag nach Christi Himmelfahrt schulfrei ist, war meine Tochter bei ihrer Mutter und ich konnte diesen Andrea-Tag so beginnen, wie ich es am liebsten mag, ganz ohne Männermodus.
Gleich nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg. Als Outfit hatte ich einen kurzen engen schwarzen Rock, eine Bluse mit Blumenmuster, gemusterte schwarze Strumpfhosen, Pumps und darüber einen grünen Blazer ausgewählt. Das Wetter war zunächst nicht sehr freundlich, es regnete. Da wurde beim Umsteigen an einem kleinen Bahnhof mein Passing gleich auf eine harte Probe gestellt, als sich alle Wartenden in dem kleine Wartehäuschen drängten. Aber wie üblich bin ich wieder einmal nicht besonders beachtet worden. Nur ein etwa 10-jähriger Junge musterte mich etwas länger. Gut, so ganz unauffällig war ich als einzige Frau im Rock natürlich nicht.
Ab Leipzig ging es dann mit dem ICE weiter. dort saß ich zusammen mit einer Familie in einer Vierersitzgruppe. Die Eltern mir gegenüber hatten anfangs wohl noch etwas Nachtschlaf nachzuholen, während die etwa 14-jährige Tochter neben mir in ein Buch vertieft war. Später unterhielten sich alle drei miteinander, sodass ich erneut keine Beachtung fand.
Am Bahnhof Berlin-Südkreuz angekommen, war es bereits Zeit zum Mittagessen. Ich begnügte mich aber mit einem kleinen Imbiss, bevor es mit der S-Bahn weiter Richtung Schönhauser Allee ging. Ich hatte ein Zimmer in dem von den Organisatoren des Treffens empfohlenen Hotel 103 gebucht. Das Hotel war zwar eigentlich für eine andere Altergruppe ziemlich einfach eingerichtet, aber vom Komfort her völlig ausreichend, mit gutem Preis-Leistungsverhältnis eben.
Ich hatte noch etwas Zeit zum verschnaufen, meinen Koffer auszupacken und mein Outfit für den abendlichen Theaterbesuch zurechtzulegen. Das Wetter hatte sich inzwischen gebessert, bei angenehmen Temperaturen schien zeitweise sogar die Sonne.
Zunächst ging es zum ersten Teil des Forumstreffens ins Café Morgenrot. Es waren vom Hotel nur vier Stationen mit der Straßenbahn. Ich war etwa eine halbe Stunde vor der Zeit da, aber nicht ungewollt, da ich wegen des Theaterbesuchs nicht lange bleiben konnte. Zunächst wartete ich, den Eingang im Blick, ob ich jemanden von uns entdecke, doch leider Fehlanzeige!
Dafür bestätige sich immer wieder eine Beobachtung, die ich bereits zu Beginn meines ersten Berlin-Besuchs als Andrea machte: Die Kleidung der Leute ist hier deutlich vielfältiger, als ich es von zu Hause gewöhnt war. Das macht meines Erachtens Berlin (zumindest die Gegenden, die ich kennengelernt habe) zu einem guten Pflaster fürs Crossdressing, da unsereins so auch bei nicht ganz perfektem Passing nicht sonderlich auffällt.
Als ich nach etwa 15 Minuten Wartezeit niemanden von uns erblicken konnte, ging ich ins "Morgenrot" hinein und sah an einem der Tische Mona und Frau. Dank der Galeriebilder im Forum hatte auch sie mich sofort erkannt. Wir mussten noch etwa eine halbe Stunde warten, bis nach und nach die nächsten eintrafen: Marielle mit Frau, Flodur, Cher, Isabel, Marlen, Paula mit Frau (ich hoffe, ich habe niemanden vergessen).
Die äußeren Bedingungen, um sich etwas näher kennenzulernen, waren nicht optimal. Eine für meine Begriffe zu laute Musik erschwerte eine Unterhaltung erheblich. Gut, es war ja nur der Auftakt zum Forumstreffen, und ich musste mich kurz nach 16 Uhr ohnehin vorerst verabschieden, da ich noch ins Theater wollte. Für die Karte, die ich dafür übrig hatte, fand sich allerdings unter den Forumsmitgliedern kein(e) Interessent(in).
Ich fuhr also wieder ins Hotel zurück, und erneuerte noch einmal mein Makeup. Als Outfit wählte ich das, was ich schon des Öfteren in der Chemnitzer Oper trug: knöchellanger weinroter Rock, dunkelblaue Bluse, schwarze Sandaletten. In meiner Heimatstadt hatte ich aber bisher immer erst einen alltagstauglichen Rock und andere Schuhe angezogen und dann im Opernhaus gewechselt. Angeregt durch die oben beschrieben vielfältigen Kleidungsstile, verzichtete ich diesmal darauf und bin gleich im festlich eleganten Outfit mit der U-Bahn durch die Stadt zum Schillertheater gefahren.
Dort sollte als Ausweich für die zur Zeit geschlossene Staatsoper Unter den Linden eine Aufführung von Richard Wagners Oper "Der fliegende Holländer" stattfinden. Dass die Veranstaltung offiziell ausverkauft war, bot mir die Möglichkeit, die Karte, die ich für meine leider verhinderte Freundin Emma gekauft hatte, doch noch loszuwerden.
Am Rande einer kleinen Menschentraube vor dem Theater entdeckte ich einen Herrn mit einem Schild in der Hand: Suche 2 Karten! Ich sprach ihn an und sagte, dass ich eine Karte anbieten könne. Er wollte den Preis wissen, und ich zeigte ihm den Aufdruck 72 €. Daraufhin drückte er mir 75 € in die Hand, sagte: "Stimmt so." und wir bedankten uns gegenseitig. Dass das Ganze so schnell und problemlos vonstatten geht, hätte ich nie gedacht. Später bedankte sich auch seine Frau noch einmal bei mir. Sie hatte neben mir Platz genommen und der Mann für sich noch eine zweite Karte erstehen können.
Durch dieses schnelle Geschäft hatte ich nun jede Menge Zeit, mich im Theater und unter den Leuten etwas umzusehen. Ich bin, was die Kleiderordnung betrifft, einiges gewöhnt, aber das, was ich hier sah, hat selbst mich schockiert. Gut, 80% der Besucher(innen) trugen angemessene Kleidung, die sich dezent vom Alltagsoutfit abhob. Weitere 10% sind mir besonders positiv aufgefallen, aber die restliche 10% - so würde ich bestenfalls auf Arbeit gehen.
Von der Aufführung meiner ersten Wagner-Oper hat mir das Bühnenbild am besten gefallen. Es zeigte einen Bibliothekssaal mit einem überdimensionalen Wandbild, das aufgezogen und dann selbst als Szenenbild dienen konnte. Das bot eine Reihe interessanter szenischer Effekte. Erstaunt war ich über die gute Textverständlichkeit (in Deutsch). Die eingeblendeten Übertitel wären gar nicht nötig gewesen.
Trotz 2-½ Stunden Spielzeit ging das ganze ohne Pause über die Bühne. Die drei Aufzüge, die als Basis für eine Aufteilung hätten dienen können, gingen hier völlig nahtlos ineinander über, sodass es keine einzige Gelegenheit für einen Zwischenapplaus gab. Bei italienischen und französischen Opern kommt dieser üblicherweise nach jeder berühmten Arie.
Musikalisch legte Wagner viel Wert auf dramaturgische Authentizität. Die Musik spiegelt gut die Stimmung der jeweiligen Szenen wider. Die schönen Melodien seiner italienischen Zeitgenossen fehlen dafür.
Um ein kleines Fazit zu ziehen: Der Ausflug in für mich fremde Gefilde war durchaus interessant, meine Favoriten sind aber nach wie vor die italienische Meister des 19. Jahrhunderts.
Wer sich näher für das Werk interessiert, kann hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fliege ... %C3%A4nder
Bezüglich der Rückfahrt ins Hotel mit öffentlichen Verkehrsmitteln waren ja im Forum einige Bedenken bezüglich Sicherheit geäußert worden. Diese schienen anfangs völlig unbegründet, da zahlreiche Theaterbesucher auf diesen Weg ihre Heimfahrt antraten. So war die U-Bahn anfangs mindestens zur Hälfte mit den seriösen Damen und Herren, die mit mir die Vorstellung besucht hatten, besetzt. Nach und nach stiegen diese aber aus und nach 15 Stationen saß ich inmitten von Jugendlichen, die mich aber (wieder einmal) nicht beachteten. Interessant fand ich einen jungen Mann, der sich während der Fahrt von seiner Freundin die Fingernägel lackieren ließ. War das der Einstieg in eine Crossdresser-Karriere?
Da ich in der nicht stattgefundenen Opernpause einen kleinen Imbiss eingeplant hatte (das nächste Mal schaue ich genauer ins Programmheft), knurrte mir nun etwas der Magen. In der Schönhauser Allee konnte ich aber bei einem Bäcker, der gerade seinen Laden schließen wollte, noch ein Baguette erstehen.
Das war der erste Teil des Forumstreffens aus meiner Sicht. Fortsetzung folgt.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Yasmine
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 69 im Thema

Beitrag von Yasmine »

Toller Bericht, ich freue mich auf die Fortsetzung...
LG
Yasmine
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 70 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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11.5.2013
Der morgendliche Blick aus dem Hotelfenster versprach einen schönen Tag: Sonnenschein und fast wolkenloser Himmel. Ich entschied mich deshalb für ein sommerliches Outfit: knielanges rot-weiß gemustertes Kleid, hautfarbene Strumpfhosen, cremefarbene Sandaletten. Wegen der noch nicht ganz sommerlichen Temperaturen zog ich dann draußen meinen grünen Blazer darüber.
Zunächst aber ging ich nach dem Schminken zum Frühstück. Es waren nur etwa 5 Gäste im Frühstücksraum. Obwohl ich kleidungstechnisch einen deutlichen farblichen Akzent setzte, bin ich nicht sonderlich aufgefallen. Nur ein Mann schaut kurz auf, als ich an seinem Tisch vorbeiging. Verständlich, denn die beiden Damen ihm gegenüber (wahrscheinlich Frau und Tochter) sahen dagegen eher wie "graue (bzw. jeansblaue) Mäuse" aus.
Ein kleiner Lichtblick waren zwei dazukommende junge Damen, wahrscheinlich Ausländerinnen, farbig, die ähnlich farbenfrohe Kleider trugen. Nur ihr Schuhwerk (ähnlich Badeschuhe) sah nicht besonders damenhaft aus.
Gegen 10 Uhr machte ich mich auf den Weg Richtung Sonntag-Club, unseren Treffpunkt. Das waren nur gut 5 Minuten zu Fuß. Anfangs sah es dort noch sehr leer aus, aber nach und nach trafen sie ein. Etwa 15 Forumsmitglieder und 5 Ehefrauen hatte ich gezählt. Es war nett, sich in immer wieder wechselnden Gesprächsgruppen auszutauschen. Persönliche Kontakte sind eben durch Online-Medien nicht zu ersetzen.
Von den Frühstücksbrötchen, die es im Sonntags-Club gab, habe ich mir zwei als Ersatz fürs Mittagessen aufgehoben. Danach gab es erst mal eine allgemeine Auflösung; einige wollten richtig Mittagessen, andere lieber Einkaufen. Ich habe mir die Gedenkstätte zur Berliner Mauer an der Bernauer Straße angesehen.
Auf dem Areal, wo die Häuser standen, die nach 1961 den brisantesten Teil der deutsch-deutschen Grenze bildeten, befindet sich heute eine Gedenkstätte mit teilweise freigelegten Fundamenten, vielen Informationstafeln und abhörbaren Tondokumenten.
Während der Besichtigung war ich plötzlich von einer Schulklasse oder Jugendreisegruppe umringt, aber auch für die war ich völlig uninteressant.
Ich musste mich beeilen, um gegen 16 Uhr wieder im Sonntags-Club zu sein. Dort sahen wir uns die RTL2-Reportage über Flodur aus unserem Forum an und diskutierten anschließend im großen Kreis darüber und über das, was uns sonst noch so bedrückte.
Für den Abend hatte ich mir noch eine Karte für das Improvisationstheater "BühnenRausch" gleich gegenüber vom Sonntags-Club reservieren lassen. Vorher musste ich aber noch etwas gegen meinen inzwischen wieder knurrenden Magen tun. Da es Mona und Frau genauso ging, suchten wir eine Gaststätte in der Nähe auf und ließen uns gemeinsam das Abendessen schmecken.
Jetzt musste ich mich schon wieder beeilen, um vor dem Besuch im "BühnenRausch" mein Makeup noch einmal zu erneuern. Gleichzeitig wechselte ich noch mal mein Outfit: meinen blau-weiß gepunkteten Rock, die weinrote Bluse, hautfarbene Strumpfhosen und schwarze Pumps. Ich glaube, das hatte ich vor drei Wochen bei meinem Treffen mit Deborah schon mal getragen. Da ich sah, dass dunkle Wolken aufzogen, nahm ich vorsichtshalber meinen Schirm mit, erreichte aber noch trockenen Fußes das Theater. Erst in der Pause sah ich, wie ein kräftiger Schauer niederging, aber da konnte es mir ja egal sein.
Improvisationstheater kannte ich bisher nur vom Hörensagen. Es geht darum, aus ein paar Stichworten, welche die Zuschauer vorgeben, Szenen zu entwickeln, die vorher nie geprobt wurden. An der Vorstellung, zu der sich etwa 40 Zuschauer einfanden, wirkten drei Schauspieler (zwei Männer, eine Frau), ein Pianist zur musikalischen Untermalung und ein Beleuchtungstechniker mit.
Nachdem ich gesehen hatte, wie perfekt teilweise die Handlungen der Mitwirkenden aufeinander abgestimmt waren, kam sicher nicht nur ich zu der Überzeugung: Das kann nicht alles spontan entstanden sein. Was aber könnte da schon zumindest gedanklich vorgearbeitet worden sein? Diese Frage kann vielleicht beantworten, wer sich die Zeit nimmt, mehrere gleichartige Vorstellungen zu besuchen und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Auch wenn ich diese Zeit nicht haben werde, hat mir das Ganze sehr gut gefallen, denn ich war wieder um einige Erfahrungen reicher.
Nach der Vorstellung, der Regen hatte derweil wieder aufgehört, bin ich noch mal rüber in den Sonntags-Club, um zu sehen, wer von "uns" noch da ist. Dort lief inzwischen eine kleine Travestieshow. Zu dieser öffentlichen Veranstaltung waren auch zahlreiche andere Gäste gekommen. Von "uns" konnte ich Mona mit Frau, Cher und Inga entdecken. Von der Show habe ich nur den Schluss des ersten Teiles mitbekommen. Die mitwirkenden "Damen" zeigten zwar für ein Partyoutfit ein beeindruckendes Passing, inhaltlich riss mich deren Darbietung aber nicht vom Stuhl. Zu einer ähnlichen Einschätzung kamen auch die anderen, mit denen ich mich in der Pause unterhielt. Wir entschlossen uns, den zweiten Teil nicht mehr anzusehen. So verabschiedete ich mich von Mona mit Frau und Cher. Inga ging noch ein Stück in Richtung zu meinem Hotel mit, bevor auch wir Tschüss (bis zum nächsten Mal?) sagten.
Damit war mein Beitrag zum Forumstreffen beendet. Es folgt aber noch ein dritter Teil meines Berichtes, denn irgendwie musste ich ja wieder nach Hause kommen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
geraldine
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 71 im Thema

Beitrag von geraldine »

Hallo Andrea !
Hab recht herzlichen Dank für Deinen schönen anschaulichen Bericht.
Du gibst mir das Gefühl mit dabei zu sein.
Ich ärgere mich richtig doll,das es bei mir nicht so geklappt hat.
Es gibt bestimmt noch ein nächstes Treffen 2014 ?
Mach weiter so.
Sei recht lieb gegrüßt
Geraldine
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 72 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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12.5.2013
Der Tag begann wieder mit Sonnenschein. Ich zog noch einmal das Gleiche an wie bei der Anreise am Freitag: kurzer enger schwarzer Rock, Bluse mit Blumenmuster, gemusterte schwarze Strumpfhosen, Pumps, grüner Blazer.
Im Frühstücksraum waren diesmal deutlich mehr Gäste als am Vortag, vorrangig Familien. Ich fand noch einen einzigen freien Tisch. In dieser Menge bin ich überhaupt nicht aufgefallen. Eine der Damen vom Vortag trug wieder ihr buntes Kleid, aber auch das grässliche Schuhwerk dazu.
Ursprünglich hatte ich mich mit dem Gedanken getragen, noch mal im Sonntags-Club vorbeizuschauen, um mich zu verabschieden. Nach den Erfahrungen der letzten beiden Tage wäre aber, wenn 11 Uhr vereinbart war, vor 11.30 Uhr kaum jemand da und um diese Zeit wollte ich schon wieder im Zug sitzen.
Um die Zeit zwischen Frühstück und Abreise zu überbrücken, habe ich mir noch den ehemaligen Grenzübergang Bornholmer Straße angesehen. Das waren vom Hotel etwa nur 10 Minuten zu Fuß. Heute erinnern nur noch ein kleiner Mauerrest, eine Gedenktafel und einige Informationstafeln an die deutsche Teilung und den historischen Tag der Grenzöffnung.
Danach habe ich im Hotel ausgecheckt und die Heimreise angetreten. Es ging ohne besondere Vorkommnisse mit der S-Bahn bis Berlin-Südkreuz, dann im ICE bis Leipzig und mit Regionalzügen wieder in meine Heimatstadt. Auf dem Leipziger Hauptbahnhof habe ich einen Strauß Rosen gekauft, als Geschenk für meine Mutter zum Muttertag. Sie hat sich sehr darüber gefreut.
Leider musste ich dann zu Hause wieder in den Männermodus wechseln. Doch 64 Stunden ununterbrochen Andrea sein, das war ein neuer Rekord!
Wenn ich über die vergangenen drei Tage etwas weniger erfreuliches schreiben sollte, so fällt mir nur mein im Hotelzimmer vergessener Schminkspiegel ein. Dieser Verlust ist aber zu verschmerzen. Ich habe mir inzwischen für 4,99 € einen neuen gekauft.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
ExuserIn-2015-02-14

Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 73 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2015-02-14 »

Hallo Andrea!
Vielen Dank für den schönen Bericht. Du hast die Berliner Tage so interessant und ausführlich beschrieben, da fühlte es sich so an, als ob man(n) real dabei gewesen wäre. Gerne wäre ich mit Dir in die Oper gegangen, ein solches Angebot hätte ich sofort angenommen. Da haben die Anderen wohl etwas verpasst! Das Treffen 2014 ist für mich ein absolutes Muss, ich hoffe es findet auch statt.
Wir werden uns garantiert schon früher zu einem gemeinsamen Opernabend verabreden, da bin ich mir sicher.
Alles Gute für Dich!
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 74 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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8.6.2013
Nach vierwöchiger Pause gab es endlich wieder einen Andrea-Tag. Ich musste zeitig aufstehen, da ich bereits gegen 8 Uhr das Haus als Andrea verlassen wollte. Da die vergangene Woche etwas stressig verlief, hatte ich keine Zeit, mir wieder mal ein neues Outfit zusammenzustellen. Ich griff deshalb auf das zurück, was ich bereits bei meinem Berlin-Besuch getragen hatte (kurzer enger schwarzer Rock, Bluse mit Blumenmuster, gemusterte schwarze Strumpfhosen, Pumps), das Wetter sollte ja ähnlich werden.
Anfangs hatte ich noch einen grünen Blazer an, aber den zog ich noch auf dem Weg zum Bahnhof wieder aus, weil ich bereits zu schwitzen anfing.
Mein Reiseziel war Plauen im Vogtland, wo ich mich mit meiner Freundin Emma verabredet hatte. Sie holte mich bereits am Bahnhof ab, bevor wir unsere Sachen ins Hotel brachten. Das Hotel hatten wir gebucht, weil wir noch eine Abendveranstaltung besuchen wollten. Aufmerksame Leser meiner Berichte können sich schon denken, was da noch kommt, aber dazu später mehr. Emma hatte übrigens ein ähnliches Outfit gewählt: Unten herum (Rock, Strumpfhosen und Schuhe) in Schwarz und dazu ein buntes Oberteil.
Zunächst wollten wir an einer Stadtführung teilnehmen. In der Tourist-Information sagte man uns, dass die Mindestteilnehmerzahl 7 wäre, bisher aber nur 6 Anmeldungen vorlägen. Alle Teilnehmer waren aber bereit, 50 Cent dazuzugeben, sodass auch der 7. Platz bezahlt war und die Führung trotzdem starten konnte.
Ich war vor etwa 40 Jahren als Jugendlicher mal in Plauen, kann mich aber an nichts Besonderes mehr erinnern. Umso überraschter war ich, welch vielfältiges Bild diese kleine Stadt bietet. Historische Bausubstanz mit bis zu 500 Jahre alten Gasthäusern, durch DDR-Architektur "verschandelte" historische Gebäude und moderne Einkaufstempel stehen einvernehmlich nebeneinander. Vielerorts sind Spuren der seit Jahrhunderten hier ansässigen Textilindustrie zu finden, die es mit der Plauener Spitze sogar zu Weltruhm brachte. Bekanntestes Ereignis der jüngsten Geschichte war der Beginn der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR (nicht, wie vielfach angenommen, in Leipzig). An dem dazu errichteten Denkmal endete die fast 2-stündige Führung. Weder die Stadtführerin noch die anderen Teilnehmer am Rundgang nahmen besonders Notiz von uns, obwohl wir mit unseren damenhaften Outfits durchaus etwas aus dem Rahmen gefallen sind. Sonst war eher Freizeitbekleidung angesagt.
Inzwischen stellte sich ein leichtes Hungergefühl ein und an unseren Füßen machte sich das Kopfsteinpflaster immer mehr bemerkbar. Angeregt durch die Stadtführung gingen Emma und ich in eins der liebevoll wieder hergerichteten historischen Gasthäuser. Wir wurden, wie nicht anders zu erwarten, freundlich empfangen und das Essen hat auch sehr gut geschmeckt.
Als nächstes war Einkaufen angesagt. Am meisten reizte mich ein Schuhgeschäft, das sich auf Übergrößen spezialisiert hat. Emma kannte es schon, aber für mich war es schon beeindruckend, gleich mehrere Regale mit (Damen-)Schuhen in meiner Größe vorzufinden. Wir hatten uns über eine Stunde Zeit gelassen, um in Ruhe in diesem Fundus zu stöbern. Die meisten Schuhe waren mir vorn leider zu eng, ein altes Problem von mir, das ich demnächst mit einer Fuß-Operation zu lösen hoffe.
Bei einem Paar brauner Stiefeletten konnte ich nicht widerstehen, weil ich von dieser Art noch nichts habe. Die Freude wird allerdingt durch die Preise getrübt. 119 € musste ich dafür hinblättern. Emma hatte ein Paar schöne Stiefel gefunden. Die sahen wirklich Klasse aus, aber für über 200 €, das war dann doch zu viel des Guten.
Solange es unsere Zeit erlaubte, gingen wir noch durch einige Bekleidungsgeschäfte. Dort fand ich allerdings nichts Passendes. Emma konnte sich wenigstens über eine dunkelblaue transparente Bluse freuen. Wir tranken noch einen Kaffee bevor es zurück ins Hotel ging.
Jetzt galt es, sich für den kulturellen Höhepunkt des Tages zurechtzumachen. Im Vogtlandtheater gab es die Premiere der "Csárdásfürstin", einer Operette von Emmerich Kálmán. Ich trug, wie schon oft bei derartigen Anlässen, meinen knöchellangen weinroten Rock, schwarze Sandaletten und eine blaue halbtransparente Bluse. Emma wählte ein knielanges dunkelblaues Kleid.
Eine kleine Episode möchte ich nicht verschweigen, weil sie mich in meiner Anfangszeit wahrscheinlich sehr schockiert hätte, heute aber kalt ließ. Auf den Weg zum Theater kam uns ein junger Mann entgegen, der im Vorbeigehen "Na, meine Herren" sagte, sonst aber weiterging. Da ich in eine andere Richtung blickte, hatte ich diesen Halbsatz fast überhört, aber Emma bestätigte mir, dass wir wohl damit gemeint waren. Wenn dem so sei, muss ich dem Mann eine sehr gute Beobachtungsgabe bescheinigen, denn viel Zeit hatte er nicht, uns zu mustern.
"Die Csárdásfürstin" kannte ich bisher nur dem Namen nach. Jetzt weiß ich mehr: Es ist eine typische Operette, wie sie Ende des 19. / Anfang des 20.Jahrhunderts zu Hauf entstanden. Die Handlung eher banal, dafür eine wohlklingende, mitreißende Musik. Einige Stücke daraus kannte ich wohl, konnte sie bisher nur nicht zuordnen. Zusammen mit dem Bühnenbild, den Kostümen und der gesamten Inszenierung ergab das Ganze ein sehenswertes eindrucksvolles Kunstwerk ohne spektakuläre Spezialeffekte. Emma hat es übrigens auch sehr gut gefallen. Wer sich für die Handlung und Entstehungsgeschichte interessiert, kann hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Cs%C3% ... C3%BCrstin
Weniger berauschend fand ich wieder einmal die Kleidungswahl einiger Theaterbesucher. Gerade bei einer Premiere hatte ich eigentlich etwas mehr Niveau erwartet.
Nach der Vorstellung gab es im Foyer eine kleine Premierenfeier, zu der sich aber nur schätzungsweise 30 Besucher einfanden. Die anderen haben sich das Glas Sekt entgehen lassen, das die Theaterleitung allen spendierte. Theaterleiter und Regisseur hielten kurze Ansprachen, nachdem sich alle Mitwirkenden eingefunden hatten. Wir hatten die Möglichkeit, mit all denen ins Gespräch zu kommen, fanden aber keinen Anknüpfungspunkt. So verließen Emma und ich fast als letzte Besucher das Theater.
Obwohl ich mich kurzfassen wollte, ist es doch wieder ein stattlicher Bericht geworden. Bei einem derart erlebnisreichen Tag eigentlich kein Wunder!
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea — meine Erlebnisse

Post 75 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

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9.6.2013
Das Anziehen und Schminken im Hotel ist für mich schon fast Routine. Um 9 Uhr wollten Emma und ich frühstücken gehen. Wie abgesprochen, waren wir beide genau 10 Minuten vorher mit der Prozedur fertig. Ich hatte mein rot-weiß gemustertes Sommerkleid angezogen, dazu hautfarbene Strumpfhosen und cremefarbene Sandaletten. Emma dagegen blieb ihrer Lieblingsfarbe Schwarz treu, nur ihre neue blaue Bluse sorgte für einen kleinen farblichen Akzent.
Die wenigen Gäste im Frühstücksraum beachteten uns kaum, nur ein kurzes "Guten Morgen" und später "Auf Wiedersehen", das war"™s. Anschließend packten wir unsere Koffer und checkten aus. Wir hatten uns wie üblich unter unseren Frauennamen angemeldet und alles ging wieder problemlos: Keine blöden Blicke, keine peinlichen Nachfragen!
Im Vergleich zum Vortag sah unser Programm heute sehr bescheiden aus, da wir bereit gegen Mittag die Heimreise antreten mussten. Die Zeit reichte gerade so, um uns noch das Spitzenmuseum anzusehen. Wie der Name schon vermuten lässt, kann man bzw. frau sich dort über die Geschichte, Herstellung und Verwendung der weltberühmten Plauener Spitze informieren.
Nach dem Rundgang baten wir die Frau an der Museumskasse, ein Foto von uns zu machen. Natürlich war sie so freundlich und erfüllte uns unseren Wunsch. Das Foto habe ich in meine Galerie gestellt: gallery/image_page.php?album_id=677&image_id=7357
Emma brachte mich noch zum Bahnhof und zwei Stunden später war ich wieder zu Hause. Damit war das Wochenende als Andrea leider schon wieder zu Ende.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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