Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?
Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang? - # 19

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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gerda joanna
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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 271 im Thema

Beitrag von gerda joanna » Di 4. Dez 2018, 23:37

Hallo Svenja - schwer da was zu sagen da nur ihr beide euch selber kennt und den Weg auch bisher gemeinsam gegangen seid. Ratschläge per Tastenschlag und Posting kann man viele geben, nur ob die ankommen ist eine andere Frage - auf jeden Fall braucht alles Zeit - und einfordern kannst Du es ja auch nicht...
Auf jeden Fall - alles Gute und lass Dich nicht unterkriegen.
Alles Liebe Gerda Joanna
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Michelle_Engelhardt
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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 272 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Mi 5. Dez 2018, 06:51

Liebe Svenja,

wenn ich Deinen Beitrag lese, schrillen bei mir alle Alarmglocken. Er ist voller Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Resignation. Bleibt alles so wie bisher oder kommt es gar zu einem Rückschritt, gehst Du psychisch vor die Hunde....das garantiere ich Dir!

Rede dringend mit Deiner Frau!! Schütte Dein Herz aus und erzähle ihr alles, was Dich belastet. Vielleicht öffnet es ihr die Augen und sie beginnt zu verstehen, was in Dir vorgeht. Wenn ihr euch wirklich noch liebt, findet ihr vielleicht einen gemeinsamen Weg. Ich würde es euch von ganzem Herzen wünschen.

Alles Liebe
Michelle
bleib ich morgen früh liegen hab ich wenigstens das beste draus gemacht!

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 273 im Thema

Beitrag von Bea Magdalena » Mi 5. Dez 2018, 08:18

sbsr hat geschrieben:
Di 4. Dez 2018, 09:31
Tja, wie soll ich sagen, wir sind wieder auf Anfang.

Ich sollte ernsthaft damit aufhören, von vermeintlichen positiven Entwicklungen zu erzählen. Noch am Freitag am Stammtisch habe ich eigentlich voller Freude erzählt, dass meine Frau zwar immer noch nicht glücklich mit mir ist, aber ich wenigstens den Eindruck habe, dass sie langsam damit leben kann. Leider ein kompletter Irrtum.

Als hätte meine Frau gestern Marias Thread gelesen, brach am Abend mal wieder die Welle herein. Alles ging von vorne los, das gleiche wie und warum, die gleichen Fetischisten Beurkundungen irgendwelcher Internet Psychologen, ein weiteres Mal bin ich schuld an ihrer gesundheitlichen Situation, dazu Unzufriedenheit über die Lebenssituation. Nach eigener Aussage hat sie versucht, sich damit zu arrangieren, doch es gelingt ihr nicht.

Wenigstens habe ich nun eine Erkenntnis, was sie stört. Nämlich alles! was für Männer nicht normal ist. Erlaubt ist, wo ein Etikett mit einer Herrengröße drin ist. Alles andere verletzt sie. Wieder einmal wurde eines der Hauptprobleme deutlich, sie will es nicht und ich mache es trotzdem, ohne sie gefragt zu haben. Also die Machtlosigkeit.

Wir haben das Gespräch beendet, oder besser gesagt abgebrochen, mit zwei konkreten Punkten. Meine Fingernägel sind zu lang, und Bodys sind Ausdruck purer Weiblichkeit und somit absolut inakzeptabel, auch wenn man unterm Pullover nichts davon sieht. Also habe ich meine Bodys im Schrank nach hinten geworfen, und meine Fingernägel komplett entlang der Fingerkuppen abgeschnitten. Es ist ihr nicht einmal aufgefallen, auch heute Morgen nicht.

Langsam glaube ich, das alles ist nur Illusion, ich bilde mir ein mit langen Fingernägeln und ein wenig weiblicher Unterwäsche könnte ich glücklich sein. Der Wunsch nach all den vielen schönen Sachen, die Mädels einfach so haben und tragen können ohne darüber nachdenken zu müssen, ist so stark dass ich Angst davor habe er könnte wahr werden. Mit den Fingernägeln habe ich sprichwörtlich einen Teil von mir abgeschnitten. Aber es hat mich nicht umgebracht, ich sitze hier, wünsche mir meine langen Nägel zurück, und frage mich gleichzeitig was ich davon hätte. Unterm Pullover habe ich ein T-Shirt an und es hält genauso warm, hat mich der Body wirklich glücklicher gemacht?!

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Sind es ein paar Kleider, die man eh nur ein mal im Monat anzieht, wirklich wert eine sowieso kaputte Ehe aufs Spiel zu setzen? Wahrscheinlich hat meine Frau Recht, als Mann blamiert man sich doch eh nur bei Nachbarn und Kollegen, wenn man mit Mädchensachen rum läuft. Ist es das wert?! Was haben mir die Sachen gebracht außer komischen Blicken und Streit zuhause?! 35 Jahre lang habe ich mich damit abgefunden, ein Mann zu sein und keine Mädchensachen haben zu dürfen. Ich weiß nicht was mich geritten hat auf die Idee zu kommen, ich könnte das von heute auf morgen ändern. Die Welt ist nun mal so und ich zu klein, um das zu ändern, warum soll ich mir diesen Kampf antun, wenn die Alternative doch so einfach ist.

Und dann schaue ich die Fotos vom Stammtisch letzten Freitag an und sehe liebe Menschen neben mir, und ein Lachen in meinem Gesicht.
Hallo Svenja,

ich fühle mit Dir! Ich kann nachempfinden, wie frustrierend es sich für Dich anfühlt, nach kleinen Schritten vorwärts, plötzlich wieder am Anfang zu stehen.

Darf ich Dich indiskret fragen, war Deine Ehe zuvor in Ordnung?
Für mich hört es sich irgendwie nach Machtkampf an. Kleines Beispiel: Wären es die langen Fingernägel gewesen, die Deine Frau gestört haben, dann hätte sie auch bemerken müssen, dass sie nun kurz geschnitten sind. Ich denke, die Frauenkleidung ist Dein schwacher Punkt oder auch die beste Angriffsfläche, daher wird der Kampf an diesem Thema ausgetragen.
Wenn es einer/einem um die "Oberhand in der Beziehung" geht, dann haben beide!!! bereits verloren.

Bei der Unterbekleidung ist es doch absolut egal, was Du trägst, das sieht doch eh niemand. Da kann ich Deine Frau nicht verstehen.

Für mich wirkt es auch so, als würdet Ihr Euch in einer negativen Spirale drehen. Ihr solltet Euch beide vielleicht wieder bewusst werden, was Ihr an Eurem Partner liebt, vielleicht auch aufschreiben, und dann auf dieser Basis das Gespräch beginnen. Einfach mal das Positive am Partner suchen, auch sehen und vor allem auch aussprechen! Alle beide!

Vielleicht schafft es Deine Fraui irgendwann, Dir Deine Ausflüge als Mädel zu gönnen, weil Du dich wohlfühlst und es Dir besser geht. Deine Freude kehrt dann doch auch wieder zu ihr zurück.

Falls ich mit meinem Gefühl falsch liegen sollte, vergiss das Ganze bitte.
Ich wünsche Euch beiden viel Kraft und Erfolg!

Liebe Grüße
Bea
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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 274 im Thema

Beitrag von Sasha » Mi 5. Dez 2018, 09:36

Hallo Svenja,
ich fühle mit Dir, dieses Dilemma zerreibt Euch beide. Ich habe auch keinen Rat für Dich, denn es gibt keinen einfachen Weg. Während eines Burnouts habe ich gelernt, daß nur eine längere Zeit des Insichgehens und das schrittweise Annehmen von bisher ungenutzten Möglichkeiten einem die Kraft zurückgibt, wieder in die Spur zu kommen. Glücklicherweise habe ich damals einen Psychotherapeuten gefunden, der mich nicht mit Rat- und Vorschlägen zugemüllt hat, sondern half, Kraft zur Selbsthilfe zu sammeln (er begleitet mich jetzt auch bei der Transition).
Liebe Grüße, Sasha
Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich (K. Adenauer)
Eigentlich bin ich ganz anders, doch ich komme viel zu selten dazu (Ö. von Horváth)
Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch anders zu sein (S. de Beauvoir)

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 275 im Thema

Beitrag von sbsr » Fr 7. Dez 2018, 10:56

Einmal mehr möchte ich eine Diskussion aus einem anderen Thread hier aufgreifen, um den dortigen Rahmen nicht zu sprengen.

Selienne, wenn Du einverstanden bist, würde ich mich gerne diesbezüglich hier weiter mit Dir austauschen. Die Sichtweise einer kritischen Ehefrau wäre mir sehr wertvoll, und vielleicht kannst Du mir helfen zu erkennen, wie oder warum meine Äußerungen "auf der anderen Seite" so missverständlich ankommen.

Eine Anmerkung, die ich in dem Zusammenhang wichtig finde, ich persönlich möchte keine Frau werden, Hormone und OP kommen für mich nicht in Frage. Ich habe grundsätzlich kein Problem damit ein Mann zu sein, ich habe nur ein Problem damit das zu erfüllen, was gemeinhin von Männern erwartet wird. Insbesondere in Sachen Kleidung und anderer Äußerlichkeiten.

Ich bitte im Vorfeld schon mal um Entschuldigung, wenn die folgenden Ausführungen etwas umfangreicher werden.

Selienne hat geschrieben:
Do 6. Dez 2018, 16:56
Voll am Thema vorbei. Es geht nicht darum, dass sich Crossdresser nun endlich Sillis ankleben wollen oder nicht, sondern dass Partnerinnen nunmal eine Gewöhnungsphase brauchen, und es völlig normal und menschlich ist, sich solche Fragen zu stellen.
Vielleicht solltest du dir die halt auch mal ganz ernsthaft stellen. Oder möchtest du behaupten, du würdest sofort himmelhochjauchzend "Toll! Lass mal schauen, wer von uns den längeren Bart kriegen kann" ausrufen?
Das sind zwei verschiedene Dinge. Zunächst, vollkommen verständlich, dass die Frau zunächst komplett überfordert ist. Nur darum ging es mir nicht, sondern ich habe das Gefühl, dass ein wenig das Verständnis fehlt (auch nachvollziehbar, woher sollte es kommen wenn man selbst nicht "so" ist), was das trans* sein für uns bedeutet. Es geht nicht um Bart weg oder dran, auch nicht um Silikonbrüste. Es geht um Gefühle, Selbstwahrnehmung und oftmals um die Flucht aus einer ungeliebten Rolle. Mich verletzt das sehr, wenn das mit Bart ankleben und Socken in der Hose abgetan, ja ich möchte fast sagen lächerlich gemacht wird.

Es ist schwierig für mein trans* Level ein Pendant zu finden. Langhaarperücke, Makeup, Kleid und Pumps (ich verwende keine Silikoneinlagen), würde umgekehrt bedeuten, kurze Haare, kein Makeup, Hose und Pullover, und Turnschuhe. Genau wie meine Frau tagtäglich. Nur hinkt der Vergleich an dieser Stelle genauso, wie die Bart Sache. Eine Frau wird durch kurze Haare und Hosen nicht zum Mann, und ein Mann wird mit Perücke und Kleid nicht zur Frau. Der Unterschied ist nur, eine Frau brauchst sich für diese Erscheinungsform in keinster Weise zu rechtfertigen, selbst wenn die Sachen aus der Herrenabteilung stammen, ein Mann aber schon. Ich weiß, dass es in unserer Gesellschaft halt nunmal so ist, aber ich verstehe nicht warum, und sehe es deshalb als unfair an, wenn meine Frau mir deshalb Geistesgestörtheit vorwirft und unser Leben anzweifelt.

Selienne hat geschrieben:
Do 6. Dez 2018, 16:56
Schon wieder am Thema vorbei. Es geht nicht um Monster oder nicht - gerade in der Art wie Maria hier schreibt ist sie ganz weit weg davon, ihren Mann als Monster zu betiteln.
Es ist aber nunmal eine völlig andere Seite, die sich da auftut. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie unterschiedlich Christine und Chris sind. Das fängt schon bei der Art an, wie Christine auftritt. Da ist eine komplett andere Ausstrahlung vorhanden als normal. Die Körpersprache ist komplett anders und die Figur ist dann auch noch eine ganz andere.
Nach - wie in diesem Fall - 18 Jahren (!) Beziehung ist man der Meinung, seinen Partner in- und auswendig zu kennen. Das geht mir mit meinem Mann auch so, und wir hatten ein bisschen mehr als die Hälfte der Zeit um, als er sich geoutet hat.
Und auf einmal, zack, für mich wie aus dem Nichts: Christine. Mit allen o.g. Eigenschaften.
Würdest du da nicht an allem zweifeln, was du über deine Beziehung weißt? Immerhin konnte da jemand über Jahre hinweg eine so große und wichtige Seite von sich komplett verstecken. Ich finde, das ist eine völlig normale Reaktion, vor allem am Anfang.
Das Monster war bildlich gesprochen, um zu verdeutlichen, wie stark der Unterschied dargestellt wird. Insbesondere liest man immer wieder, dass "alles in Frage" gestellt wird. Ich weiß nicht ob Du schon einmal beobachtet hast, wie sich Menschen in verschiedenen Umfeldern verhalten. Zu mir hat eine Arbeitskollegin einmal gesagt, wenn sie mich nicht auch privat kennen würde, würde sie mich bei der Arbeit manchmal für ein ganz schönes **Schimpfwort mit A** halten.

Natürlich verändern wir uns dementsprechend auch, der eine mehr, der andere weniger, ich denke auch ganz stark abhängig von der Ausprägung des trans* Seins. Und ja, das kann einer Partnerin Angst machen, ihren Mann zu verlieren, oder es kann den Eindruck machen, man lebt (Achtung, Metapher) mit einem Alien zusammen. Ich kann an dieser Stelle nur von mir sprechen, was ich auch ich weiß nicht wie oft versucht habe meiner Frau zu verdeutlichen, das wichtigste an uns war nicht gelogen oder gespielt, nämlich die Zuneigung und Liebe zu unseren Frauen und unseren Familien.

Selienne hat geschrieben:
Do 6. Dez 2018, 16:56
sbsr hat geschrieben:
Do 6. Dez 2018, 16:12
Wichtig wäre gerade in dieser Situation, in der die Partnerin wirklich hilflos da steht, dass sie Ihrem Mann glaubt, was er sagt. Da ist dieses Misstrauen, er hat mich jahrelang belogen und betrogen und erzählt jetzt was von alles halb so wild. Die Reaktion ist verständlich, nur ist sie kontraproduktiv. Wir (also zumindest gehe ich da von mir aus) würden Euch gerne alle Eure Fragen beantworten, aber dazu müsst ihr uns glauben und vertrauen.
Ich wage zu behaupten, dass keine wirklich so denken will. Aber es lässt sich anfangs einfach sehr sehr schwer vermeiden. Mir war auch klar, dass das nicht produktiv ist und ich habe bis vor einem halben Jahr noch meine Zweifel gehabt, ob es jetzt beim Crossdressen bleibt oder nicht. Macht mich das jetzt also auch zu einem bösen Wesen, dass Christine nicht akzeptieren kann?
Dazu möchte ich kurz und klar sagen, niemand ist deshalb ein böses Wesen! Auch Frauen, die ihre Männer deshalb verlassen, empfinde ich nicht als böse. Mir geht es nur darum, dass dem Mann eine faire Chance gegeben wird. Nach einem missglückten Outing besteht oft eine "einmal Dieb, immer Dieb" Moral, auch im Zusammenhang mit dem oben erwähnten "alles in Frage stellen". Er hat mich in einer Sache belogen, also lügt er immer, egal was er sagt.

Du sagst ja selber, Du wolltest nicht so denken. Deshalb war es mir wichtig, diesen Punkt anschaulich darzustellen, damit Frauen wie Maria ihre Denkweise hinterfragen und wenigstens versuchen, dem Mann zuzuhören und vor allem zu glauben.

Selienne hat geschrieben:
Do 6. Dez 2018, 16:56
So wie mir deine Antwort jetzt gerade scheint, bist du einfach drei Schritte weiter als eine Partnerin, die sich grade frisch mit dem Thema auseinandersetzt (-setzen muss). Natürlich ist es wichtig, auch zu verdeutlichen, dass jemand, der Frauenkleider trägt kein Monster ist und ich verstehe auch, dass gerade jemand, der solche Zurückweisung erfahren hat, das ganz stark in den Fokus rücken möchte. Mir wäre das auch wichitg, wäre ich wegen einiger meiner Eigenschaften von meinem Mann verlassen worden.
Leider wirken einige Antworten - deine inbegriffen - nicht so, als habest du versucht, dich in Marias Position zu versetzen.
Da habe ich tatsächlich ein Problem, das muss ich zugeben. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte, aber ich muss gestehen es gelingt mir nur sehr bedingt. Der Grund dafür ist nicht, dass ich drei Schritte weiter bin, sondern ich sehe das von meiner Seite aus wesentlich neutraler. Wie beschrieben geht es bei mir vorrangig um Kleider und Äußerlichkeiten. Ich war selbst total überrascht, welche Welle das bei meiner Frau ausgelöst hat, die nicht verstehen kann, dass es mit den Klamotten getan ist.

Nichtsdestotrotz, ich mache meiner Frau, wie auch allen anderen Frauen, die mit einem Crossdresser nichts zu tun haben wollen, keinen Vorwurf. Wenn meine Frau ihre Androhung wahr macht und sich scheiden lassen will, wäre ich traurig, aber nicht zornig. Mir ist nur wichtig zu verdeutlichen, dass auch ich unsere Ehe nicht absichtlich kaputt gemacht habe. Maria hatte den Wunsch geäußert, ihr Mann soll doch einfach wieder ihr Mann sein, das ist für ihn nicht machbar. Wir würden uns von unseren Frauen wünschen, sie könnten uns akzeptieren, für viele ist dies eben auch nicht möglich.

Selienne hat geschrieben:
Do 6. Dez 2018, 16:56
Bis hierhin aber finde ich, dass sie absolut toll mit dem Outing ihres Mannes umgeht. :) Trotz aller Verwirrung und Zweifel hat sie immerhin den Weg ins Forum gefunden, tauscht sich hier mit anderen - sowohl Partnerinnen als auch.. heißt das jetzt Betroffene..? - aus, ohne da einen großen Unterschied zu setzen und spricht auch ganz offen ihre Zweifel und Sorgen an.
Absolut, dafür ehrlichen Respekt und mindestens beide Daumen hoch! Ich wäre überglücklich, wenn meine Frau wenigstens einen Bruchteil so weit mitgehen könnte wie Maria oder Du.

Selienne hat geschrieben:
Do 6. Dez 2018, 16:56
Und falls es dann, wenn alles ein bisschen gesackt ist, immernoch solche tiefen Zweifel bleiben, dann würde ich es begrüßen, würdest du noch einmal genau so ansetzen wie jetzt. :)
Das verstehe ich nicht, vor allem den letzten Halbsatz?
LG, Svenja

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heike65
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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 276 im Thema

Beitrag von heike65 » Fr 7. Dez 2018, 13:10

sbsr hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 12:49
Anja hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 10:27
Was wäre z.B. im umgekehrten Fall, wenn eure Freundin / Frau keine Kinder bekommen könnte. Und sie nach 10 Jahren Ehe damit um die Ecke kommt, wenn ihr das Thema Kinderwunsch ansprecht? Und sie es von Anfang an gewusst hat. Fändet ihr das nicht fies?
Meine Frau hat mir nach mehr als 10 Jahren Ehe gesagt, dass sie keine Kinder will, obwohl ich seit Beginn unserer Beziehung den Wunsch geäußert habe. Trotzdem ist es ihre Entscheidung, ich kann sie schlecht dazu zwingen.

Ich finde solche Vergleiche immer ungünstig. Deshalb, auch wenn ich anfangs selbst der Meinung war es heimlich durchziehen zu können, alles was über hin und wieder mal zuhause einen Rock anziehen hinaus geht, sollte wenigstens die Partnerin wissen. Wo genau die Grenze liegt ist schwierig zu beziffern.

Liebe Svenja,
bei dieser Antwort von dir im Paralleltrööd ist mir fast die Luft weggeblieben.
Ich frage mich ernsthaft warum du dir sowas antuen lässt, mir fehlen da wirklich die Worte.
Einen deutlich formulierten Kinderwunsch nach 10 Jahren abzuweisen und sich dann auch noch wie die Axt im Walde zu verhalten, ich hätte schon längst das weite gesucht, oder halt einfach mein Ding durchgezogen, hätte mich gekleidet wie ich möchte etc und hätte mich nicht einen deut darum gekümmert was die Lebenspartnerin dazu sagt.

Aus meiner sicht ist von dieser Partnerschaft nichts, aber auch rein gar nichts mehr zu erwarten, tue dir einen gefallen und such dir professionelle Hilfe und einen guten Anwalt.


schockierte Grüße
Heike

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 277 im Thema

Beitrag von sbsr » Fr 7. Dez 2018, 13:18

Weißt Du Heike, auch Wünsche werden einmal alt. Vieles habe ich lange erträumt, doch irgendwann ist nichts mehr davon wichtig. Ich hege keinen Groll gegen meine Frau.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

Elfy Adorabella
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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 278 im Thema

Beitrag von Elfy Adorabella » Fr 7. Dez 2018, 15:22

sbsr hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 13:18
Weißt Du Heike, auch Wünsche werden einmal alt. Vieles habe ich lange erträumt, doch irgendwann ist nichts mehr davon wichtig. Ich hege keinen Groll gegen meine Frau.
Liebe Svenja,
ich bin eine der eher stillen Mitleserinnen und halte mich generell zurück, aber was ich hier lese macht mich unendlich traurig. Das klingt so als würdest du nur noch als Maschine irgendein leben führen und es ist dir letzendlich egal was noch passiert. Du bist mitte 30 und hast so mit deinem Leben abgeschlossen, das kann nicht sein.

Ich rate dir, aus deinem alten Leben auszubrechen, auf dein inneres Herz zu hören und mal das zu tun, was für dich wichtig und gut ist. Ich habe es selber hinter mir und habe meine Ex verlassen weil sie keine Ahnung hatte wie schlecht es mir zum Ende der Beziehung ging.

Ist deine jetzige Situation auch nur annähernd für dich befriedigend? Aus vielen deiner Posts ist ersichtlich, dass du eigentlich dir ein anderes Leben vorgestellt hast, warum lässt du dir dann dein Leben von anderen vorschreiben?

Ich kann dir nur raten, mal über deine Wünsche und Ziele nachzudenken, mehr als dein halbes Leben liegt noch vor dir!

Elfy

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 279 im Thema

Beitrag von Selienne » Fr 7. Dez 2018, 15:23

sbsr hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 10:56
Selienne, wenn Du einverstanden bist, würde ich mich gerne diesbezüglich hier weiter mit Dir austauschen. Die Sichtweise einer kritischen Ehefrau wäre mir sehr wertvoll, und vielleicht kannst Du mir helfen zu erkennen, wie oder warum meine Äußerungen "auf der anderen Seite" so missverständlich ankommen.
Aber sowas von gerne, einer vernünftigen Diskussion bin ich nie abgeneigt. Und wir werden sicherlich beide was draus lernen können. (dr)

sbsr hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 10:56
Das sind zwei verschiedene Dinge. Zunächst, vollkommen verständlich, dass die Frau zunächst komplett überfordert ist. Nur darum ging es mir nicht, sondern ich habe das Gefühl, dass ein wenig das Verständnis fehlt (auch nachvollziehbar, woher sollte es kommen wenn man selbst nicht "so" ist), was das trans* sein für uns bedeutet. Es geht nicht um Bart weg oder dran, auch nicht um Silikonbrüste. Es geht um Gefühle, Selbstwahrnehmung und oftmals um die Flucht aus einer ungeliebten Rolle. Mich verletzt das sehr, wenn das mit Bart ankleben und Socken in der Hose abgetan, ja ich möchte fast sagen lächerlich gemacht wird.
Ich habe nie gesagt, dass es ein und das selbe ist. Ich denke, da reden wir beide ein bisschen aneinander vorbei. Ich nehme durchaus ernst, was in euch vorgeht und auch wenn ich es selbst nicht verstehen kann, so kann ich es doch akzeptieren.
Wir sind dort aber wieder an dem Punkt, wo ich denke, dass du gerade in dem Kontext, in dem es hier angesetzt war, zu weit denkst.
Es geht darum, wie eine Partnerin, die gerade mit der weiblichen Seite konfrontiert ist, damit umgeht. Da ist so viel Gefühlschaos, für das Denken, was du bereits an den Tag legst, ist da erstmal gar kein Platz. Mehr als das habe ich gar nicht versucht zu sagen.
Erstmal müssen alle Alarmsirenen wieder ausgehen, die da (zumindest bei mir) vor allem hießen "Um Himmels Willen, was ist mit der Beziehung, hält die das aus? Wird es beim Crossdressen bleiben oder steuert er vielleicht doch auf eine dauerhafte Lösung zu? Sehe ich meinen Mann denn jetzt auch noch in "normal" oder muss ich mich ab jetzt mit Frauenkleidern und langen Haaren abfinden?".
Ja, das ist verletzend, das ist misstrauisch und das ist vor allem erstmal eins: ängstlich. Aber es ist halt auch völlig normal. Erst, wenn dieser erste Schockmoment vorbei ist, kann gemeinsam konstruktiv an einer Lösung gearbeitet werden.
Ich weiß von meinem Mann, dass er sich diese Gedanken halt selbst auch gemacht hat, als es ihm so langsam gedämmert hat, dass die Frauenkleider eben kein Fetisch sind. Und mehr als dafür eintreten, dass man auch einer Partnerin ein bisschen Zeit nach dem Outing gibt, dass sich alles mal setzen kann und auch der Kopf wieder sortiert wird, möchte ich gar nicht erreichen.

sbsr hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 10:56
Das Monster war bildlich gesprochen, um zu verdeutlichen, wie stark der Unterschied dargestellt wird. Insbesondere liest man immer wieder, dass "alles in Frage" gestellt wird. Ich weiß nicht ob Du schon einmal beobachtet hast, wie sich Menschen in verschiedenen Umfeldern verhalten. Zu mir hat eine Arbeitskollegin einmal gesagt, wenn sie mich nicht auch privat kennen würde, würde sie mich bei der Arbeit manchmal für ein ganz schönes **Schimpfwort mit A** halten.

Natürlich verändern wir uns dementsprechend auch, der eine mehr, der andere weniger, ich denke auch ganz stark abhängig von der Ausprägung des trans* Seins. Und ja, das kann einer Partnerin Angst machen, ihren Mann zu verlieren, oder es kann den Eindruck machen, man lebt (Achtung, Metapher) mit einem Alien zusammen. Ich kann an dieser Stelle nur von mir sprechen, was ich auch ich weiß nicht wie oft versucht habe meiner Frau zu verdeutlichen, das wichtigste an uns war nicht gelogen oder gespielt, nämlich die Zuneigung und Liebe zu unseren Frauen und unseren Familien.
Auch hier ist mir bewusst, dass das Monster bildlich gesprochen war. Nur auch hier ist für mich die Frage, inwieweit dieses in Frage stellen nicht normal ist?
Ich kann dir gerne mal sehr konkrete Ausschnitte aus meiner Beziehung dazu geben.
Bei meinem Mann gibt es eigentlich zwei Arten von Menschen. Die, die denken, er haut ihnen gleich eine rein, und die, die ihm nicht zutrauen, einer Fliege etwas zu Leide zu tun (um das A-Wort-Beispiel mal aufzugreifen). Mir ist und war das seit ich ihn kennengelernt habe, immer bewusst gewesen. Trotzdem habe und hatte ich ein bestimmtes Bild von ihm in meinem Kopf, das er selbst durch sein Auftreten mir gegenüber ganze zehn Jahre lang aufrecht erhalten hat.
Und dann kam Christine.
Nun bin ich zu meinem und auch Chris' Glück in einer sehr liberalen Generation aufgewachsen, die ersten Trans-Freunde hatte ich schon in der Oberstufe, als aus Vanessa Vincent wurde und ein paar Jahre später aus Sarah Samuel. Von daher war es für mich kein totaler Weltuntergang und meine erste Reaktion war "Joa, tust ja keinem damit weh".
Trotz aller Liberalität und allem Verständnis und Offenheit und auf was ich sonst eigentlich ganz stolz bin, habe ich mir die oben genannten Fragen gestellt. Und es hat eine Weile gedauert, bis ich wieder zu meinem "normalen" Denken zurückkehren konnte.
Ich habe ihm auch keinerlei Lüge vorgeworfen oder sonst was, aber es braucht halt eine Weile, alles zu verdauen, für sich zu sortieren und mal ganz klar, auch skeptisch zu beobachten, ob das, was mir erzählt wurde, nun auch wirklich stimmt. Immerhin hat er vor mir ja vorher auch eine Rolle gespielt. Und nebenbei - das darfst du nicht vergessen - möchte ja auch ich als Partnerin den Menschen, den ich liebe, nicht zurückhalten, in seiner Entwicklung. Hätte ich also nicht gesehen, was ich gesehen habe, nämlich, dass es Chris reicht, Christine ab und an mal Raum zu lassen und dann auch wieder gut ist, hätte ich schon allein, weil ich mir nicht vorstellen kann mit einer Frau zusammen zu sein, die Beziehung beendet.
Wer den Weg zur Transition einschlägt, ist in meinen Augen ganz Frau, und damit aus meinem Beuteschema gestrichen.
Erst, nachdem sich also das alles geklärt und gesetzt hatte, ich meine Unsicherheit ablegen und auch beobachten konnte, dass alle Katastrophen, die ich mir ausgemalt habe, nicht eingetroffen sind, war für mich der Umgang auf deinem Level für mich überhaupt erst möglich.
Weitere Kommentare über deine Frau verkneife ich mir übrigens, sogar meine Mama kann mit ihrem Ex-Kollegen, Neu-Kollegin besser umgehen als deine Frau, und die geht bald in Rente. Kann am Alter also nicht liegen.

sbsr hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 10:56
Dazu möchte ich kurz und klar sagen, niemand ist deshalb ein böses Wesen! Auch Frauen, die ihre Männer deshalb verlassen, empfinde ich nicht als böse. Mir geht es nur darum, dass dem Mann eine faire Chance gegeben wird. Nach einem missglückten Outing besteht oft eine "einmal Dieb, immer Dieb" Moral, auch im Zusammenhang mit dem oben erwähnten "alles in Frage stellen". Er hat mich in einer Sache belogen, also lügt er immer, egal was er sagt.

Du sagst ja selber, Du wolltest nicht so denken. Deshalb war es mir wichtig, diesen Punkt anschaulich darzustellen, damit Frauen wie Maria ihre Denkweise hinterfragen und wenigstens versuchen, dem Mann zuzuhören und vor allem zu glauben
Nun, das war eine Überspitzung meinerseits. So wie von dir das Alien, Monster und die Socken in der Unterbuchs (das Bild gefällt mir übrigens mit jedem Mal besser, haha).
Ich möchte aber zu bedenken geben, dass es in dem speziellen Fall, auf den wir uns dort bezogen haben, eben kein missglücktes Outing ist. Auch in meinem Fall würde ich es nicht als missglücktes Outing bezeichnen. Trotzdem ist die Reaktion nicht so positiv, wie du sie dir wünschen würdest, oder?
Ich glaube, du deutest zu viel in dieses in Frage Stellen hinein. Vielleicht ist das auch einfach nicht gut von mir ausgedrückt, ich weiß es nicht. (Ich hätte notfalls gute Ausreden, warum ich mich nicht immer Bombe ausdrücke momentan, aber gut ;) )
Nichts desto trotz - und ich wiederhole mich - ist es einfach Part des ganzen Prozesses, sich und auch seinen Partner in Gedanken mal auf Herz und Nieren zu prüfen.
Es geht dabei auch nicht um lügen. Ich nenne es keine Lüge, eine solche, potenziell beziehungsbeendende Sache, nur sehr vorsichtig preiszugeben. Es geht viel mehr darum, alles nochmal unter die Lupe zu nehmen um zu sehen, wo man gegebenenfalls auch ansetzen kann.
Um wieder auf Chris und mich zurückzukommen: Im ersten Schock habe ich ihm gesagt, dass er zwar keinem damit weh tut, ich das aber nicht unbedingt sehen muss. Er "durfte" zwar und ich habe ihn nie als gestört oder Alien oder was auch immer wahrgenommen, aber ich hatte erstmal nicht das Bedürfnis ihn en femme zu sehen. Er ist dann zu einer Freundin gegangen, die ihn für die Stammtische geschminkt hat. Da hatte er erst einen schönen Nachmittag bei ihr und dann noch einen schönen Abend beim Stammtisch.
Als sich mein ganzes Gedanken- und Gefühlschaos diesbezüglich gelichtet hatte, quasi alles in Frage gestellt hatte und zu meinen Schlüssen gekommen bin, nämlich, dass Chris trotz Christine immer noch er selbst ist usw (ja, im Nachhinein und mit Distanz überhaupt nicht schwer zu erkennen, aber wenn du voll drin steckst, kannst du dich meist nicht so gut abgrenzen), kamen die nächsten Schritte. Unter anderem, dass ich mich mal durch den Berg an Frauenklamotten gewühlt habe, festgestellt habe, dass da dringend ein bisschen Styleberatung nötig ist und ihm mit den Sachen, die mir gefallen haben, mal ein Outfit zusammengebastelt hab. Oder wir gemeinsam mal aussortiert haben, was Fehlkäufe waren.

Und auch da ist das einzige, was ich möchte, einfach für ein bisschen mehr Zeit für jemanden in dieser Situation zu werben. Man kann dieses Hinterfragen nicht ausschalten, und es kann auch zu positiven Aktionen führen. Die Distanz, die man braucht, um schon an deine Denkansätze anzuschließen, ist in so einer frischen Situation nicht die Norm.

Und genau dort, mit dem Thema Zeit, kommen wir auch zum letzten Halbsatz. Wenn nämlich das erste, undistanzierte Gefühlschaos durch ist, man sich seine Gedanken und sein Bild gemacht hat, und sich alles ein bisschen beruhigt hat, aber immernoch diese sehr negativen Gedanken hat, dann wäre es super, jemanden zu haben, der einen mit deinen Beispielen überzeugt, nochmal in sich zu gehen. Wäre ich nicht zu meinen doch recht positiven Ansichten gekommen, hätte ich mir so einen Beitrag wie deinen sicherlich gewünscht.
Mehr, als dass er halt ein paar Wochen zu früh war, wollte ich gar nicht sagen.

Während ich mich in meinen Ausführungen (zumindest gedanklich) mehr auf den zeitlichen Aspekt bezogen habe (beziehen wollte), bist du eher an anderen Punkten, wie dem Bart, dem in Frage stellen und so weiter hängen geblieben.
Und ich gebe dir Recht, auf Dauer sind solche Gedanken sicherlich schädlich und man sollte versuchen, daran zu arbeiten, sie zu entschärfen oder mal aus einer anderen Perspektive schauen.

Im ersten Moment aber, in dem sich auch Maria in ihrem Thread zu befinden scheint, finde ich es absolut wichtig, dass sie alle Zweifel, Wünsche und Gedanken diesbezüglich einfach mal ausschreiben kann. Ihr wird im Laufe der Zeit sicherlich selbst auffallen, dass die Idee mit dem Bart hinkt. Trotzdem ist sie - überspitzt gesagt - doch erstmal das gesellschaftlich aufgedrückte Pendant, oder nicht?

Ich bin auf deine Antwort gespannt. :)
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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 280 im Thema

Beitrag von Martin-a » Fr 7. Dez 2018, 17:12

Hallo Svenja

Das was Du gerade erlebst, ist aber schon extrem scharfer Chili. Mit aller Macht von der Ehefrau zurück auf Feld 1 zurückgeschmissen zu werden, ist gar nicht gut. Svenja, falls Du meine Postings in Marias Thread gelesen hast, konfrontiere mal Deine Frau mit der Frage, was ein Mann für sie ist und was Du für sie giltst. Einerseits Jammern viele Frauen, dass Männer Langweiler sind. Doch wenn mal ein Mann aus dem immer kleiner werdenden goldenen Käfig ausbrechen will, ist es dann auch wieder nicht recht. Viele Frauen haben Angst vor Status- und Stabilitätsverlust. Das hat immer noch mit dem massiv verankerten Rollenbild zu tun, das auch noch heute herrscht, obwohl die Frauen heute freier und selbständiger sind.
Eigentlich schwimme ich nicht gegen den Strom. Ich stehe am Rand des Stromes und schaue den anderen Normalos zu, wie sie der Masse hinterherschwimmen und der erste in einem Wettbewerb sein wollen, den sie nicht gewinnen können.

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 281 im Thema

Beitrag von sbsr » Sa 8. Dez 2018, 09:26

Selienne hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 15:23
Ich bin auf deine Antwort gespannt. :)
Hallo Selienne,

vielen vielen Dank für Deine ausführliche Schilderung. Ich habe sie gelesen und verstehe Deine Sichtweise jetzt wesentlich besser. Ich möchte mir die Aussagen ein wenig durch den Kopf gehen lassen und mit der Situation zwischen meiner Frau und mir abgleichen.

Was mir beim ersten Lesen direkt aufgefallen ist, und was ich auch bei meiner Frau so bestätigen kann, ist dass nach dem ersten Schock wohl wirklich langsam ein Gewöhnungseffekt eintritt und allmählich ein "ist ja doch nicht so schlimm wie befürchtet" entsteht.
LG, Svenja

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 282 im Thema

Beitrag von Bea Magdalena » Sa 8. Dez 2018, 09:37

Elfy Adorabella hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 15:22
sbsr hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 13:18
Weißt Du Heike, auch Wünsche werden einmal alt. Vieles habe ich lange erträumt, doch irgendwann ist nichts mehr davon wichtig. Ich hege keinen Groll gegen meine Frau.
Liebe Svenja,
ich bin eine der eher stillen Mitleserinnen und halte mich generell zurück, aber was ich hier lese macht mich unendlich traurig. Das klingt so als würdest du nur noch als Maschine irgendein leben führen und es ist dir letzendlich egal was noch passiert. Du bist mitte 30 und hast so mit deinem Leben abgeschlossen, das kann nicht sein.

Ich rate dir, aus deinem alten Leben auszubrechen, auf dein inneres Herz zu hören und mal das zu tun, was für dich wichtig und gut ist. Ich habe es selber hinter mir und habe meine Ex verlassen weil sie keine Ahnung hatte wie schlecht es mir zum Ende der Beziehung ging.

Ist deine jetzige Situation auch nur annähernd für dich befriedigend? Aus vielen deiner Posts ist ersichtlich, dass du eigentlich dir ein anderes Leben vorgestellt hast, warum lässt du dir dann dein Leben von anderen vorschreiben?

Ich kann dir nur raten, mal über deine Wünsche und Ziele nachzudenken, mehr als dein halbes Leben liegt noch vor dir!

Elfy
Hallo Elfy, hallo Svenja,

ich hab einen anderen Eindruck gewonnen.
Ich glaube, Svenja liebt ihre Frau, trotz aller Hürden, die sie ihr auferlegt. Sie liebt sie immer noch, deshalb beschäftigt sie sich mit ihr und "kämpft" weiter.

Liebe ist nicht rational! Zum Glück nicht!

Svenja, ich wünsche Dir viel Kraft, Geduld und letztendlich auch Erfolg für Euch beide einen gangbaren Weg zu finden!

Liebe Grüße
Bea
future is female

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