Valeries Welt
Valeries Welt - # 29

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 421 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Fr 12. Okt 2018, 16:53

Teil 2 Kap. 11: Erste Außeneinsätze in Frankreich

Sie waren kaum vorauszuplanen, diese Außeneinsätze nach neuen Kundenkontakten, fielen aber ständig irgendwann einmal an. Unterstreichen sollte man hier die beiden Worte kleinen Worte ständig und irgendwann, sie brachten eine Menge neuer Überraschungen in ihr Leben. Der freelancer im Verkauf ist im Prinzip ein Jäger in einem zugewiesenen Gebiet auf eigene Rechnung, und Valerie war hier die Jägerin. Keine griechische Diana mit dem Bogen, eher eine moderne Form der Jägerin, aber die Prinzipien der Jagd galten im Grunde unverändert, es gab das Jagdgebiet, bestimmt Regeln waren dort einzuhalten, und das zu jagende Wild war nicht nur Opfer, sondern hatte auch seine Möglichkeiten und Chancen, dann ging die Jägerin leer aus.

Nicht, dass sich Valerie ständig und täglich und immer in Jagdstimmung befand, aber potentiell konnte die Jagd immer losgehen, sie musste stets auf der Hut sein. Der Schnellste gewinnt, der Zweite hat schon verloren. So ist das im Immo-Management.

"Es tut uns leid aber wir haben das Objekt gerade an ein anderes Büro gegeben"

Da war schon eine gewisse Spannung drin, in diesem Geschäft. Wenn irgendetwas passierte, dann konnte es alles sein, oder aber auch nichts. Zum Beispiel die Spannung beim Abhören des Anrufbeantworters, oder wenn man ein eMail von einer unbekannten neuen Adresse kriegte:

"Den kenne ich nicht... Was ist das für einer...? Könnte daraus 'was werden...?

Dann musste sie halt los, dann setzte sich die kleine Immo-Maschinerie in Bewegung. An Valerie soll es nicht liegen. Sie kann sich selbst Druck machen, sozusagen von Null auf Hundert gehen, wenn ein Kunde "mit Auftrag drohte". Dann musste schnell improvisiert werden, ein paar kurze Telefonate in der Zentrale, Rückfragen beim Kunden, mehr Infos anfordern, oder am besten gleich einen Besuchstermin mit ihm vereinbaren. Prima, die haben ja sogar Fotos geschickt. Die könnte man ja mal gegenchecken im Internet, ein Segen dass es Google Earth gibt, also reinzoomen, das ist aber ein hübsches Häuschen, und das Dörfchen aha das scheint ja so was von putzig zu sein... Na, mal sehen. Also sie muss mal wieder los, also Gunnar Bescheid geben, vielleicht Erica anrufen, Michael muss sowieso immer wissen, wo sie ist. Dann schnell ein kleines Hotel irgendwo in der Nähe vom Ziel gebucht, zwei Nächte? oder nur eine Übernachtung? Sie bleibt eine Optimistin, will es aber nicht überreizen. Sie kann ja immer verlängern.

Ist genügend Diesel im Tank, ja? Dann schnell den Koffer gepackt, Zahnbürste, bisschen Wäsche, und ab geht's.

Oft mussten große Strecken gefahren werden für diese Kontakte vor Ort mit Anbietern von Ferienimmobilien, also Franzosen, die eine Ferienimmobilie für den deutschen Markt anzubieten hatten. Besichtigungen mussten dann gemacht werden, Besprechungen vor Ort standen an, und all das zog sie jetzt ganz alleine durch. Mit Micheals Unterstützung hatte sie einen großen Leasingwagen angeschafft (der lief auf Michaels Firma), das war ein Mercedes mit automatischem Getriebe, wirklich ganz komfortabel auf der Langstrecke Stuttgart, Mulhouse, Lyon, Valence, Marseille, ab Lyon begann der Süden, das merkte man an den Temperaturen.

Oft fuhr sie auch über Genf und Grenoble, oder gelegentlich auch die Languedoc-Autobahn hinunter in Richtung Pyrenäen, vorbei an den Mittelmeerstränden, Agde, Sete, Leucate, aber zum Baden im Meer blieb leider nie Zeit. Oder sie fuhr hinein in die Weingebiete des Roussillon und weiter nach Westen, in Richtung auf die Stadt Carcassonne in die Hügel hinein, die voller Kiefernwälder waren, gelegentlich ein paar einzeln stehende Zypressen, wie gemalt von Vincent van Gogh, und im Frühjahr voll mit dem schweren Geruch der Berggewürze des Südens, Rosmarin, Thymian, Salbei. In den Frühjahrsmonaten waren die Straßenränder hier oft voll mit gelben Ginsterbüschen, und es gab wirklich eine Menge an Ferienhäusern in diesen hübschen südfranzösischen Departements dort unten in der Region Okzitanien, das ist grob gesprochen die weitere Mittelmeer-Region Frankreichs.

Sie liebte diese Außeneinsätze. Der Kundenkontakt vor Ort war ihr viel interessanter und angenehmer als die Verwaltungsarbeit zuhause, wo sie doch meistens alleine war in ihrem Home Office.

Vor Ort lief das dann meistens immer ähnlich ab. Am Vortag die Anfahrt aus Deutschland mit 800, 900 oder mehr Kilometer Strecke auf der Autobahn, danach nur noch kurz eine Kleinigkeit essen, dann todmüde ins Hotelbett und schlafen. Am Morgen des Besuchstags klingelt der Wecker besonders aufdringlich, trotzdem: raus mit dir und schön duschen, frisch machen, was Hübsches anziehen. Nicht zu sexy, also flache Schuhe, denn diese Leute suchen ein seriöses deutsches Partnerbüro. Trotzdem, man darf durchaus bemerken, sie ist noch keine Vierzig, eher noch näher an den Dreissig dran. Nach dem Frühstück (nur Kaffee, süss, heiss, schwarz) ab ins Büro des lokalen französischen Partnerbüros, der war vom Ort oder aus der Nähe und kannte sich aus, eine große Hilfe, ohne diese Leute ginge es nicht, dieses Geschäft. Diese lokalen Büros waren die Quelle ihres Geschäfts, sie waren zu hofieren, ohne sie wäre niemals etwas gelaufen, denn von einem französisches Häusles-Besitzer kann nicht erwartet werden, dass er sich zwecks Vermietung seines Objekts direkt mit einem deutschen Büro in Verbindung setzt. Also man schätzte sich und brauchte sich gegenseitig, denn natürlich wollten die auch etwas vom Kuchen abhaben. Oft waren die Hausvermieter auch bereits mit dabei, das war eigentlich das allerbeste, dann war sie vor späteren Überraschungen sicher.

Man stellt sich also gegenseitig der Reihe nach vor

"Ahhh, bien, et vous etes la représentante de l'immobilier allemand? Je suis enchanté de faire votre connaisance, madame."

Das ging ihr immer runter wie Öl und bedeutet in etwa: Ahhh... sehr angenehm... Sie sind also die Vertreterin des deutschen Büros?

Und all das dient dazu, das Eis zu brechen. Ebenso wie die Routinen, die jetzt abgehen. Danach gibt es nämlich erst mal ringsum bisous (Wangenküsschen) und Umarmungen mit den Beteiligten. Valerie war darin absolut routiniert und konnte diese bisous oft mit zwei, drei, vier Personen nacheinander abwickeln wie eine kurze gymnastische Übung. Haben wir den Chef nicht vergessen? Wo ist eigentlich der Vermieter? Den Patron zu vergessen, das wäre nicht gegangen, wenn einer bisous brauchte, dann der Patron.
Das gehört sich einfach. Nach dem Chef alle anderen, kurz und schnell abgebusselt, und weiter zum nächsten. Ohne diese Formalien geht in Frankreichs Süden gar nichts. Erst danach versammelt man sich, nickt sich kurz zu:

"On y va?" (Gehen wir?)

und fährt ab zum Objekt der Begierde. Dort die Hausbesichtigung. Der erste Eindruck. Kann man das vermieten oder eher nicht so gut? Für welches Geld pro Woche? Valerie legte bei all dem Trubel, den die anderen um sie herum veranstalteten, immer Wert auf systematisches Arbeiten vor Ort, also hielt sie die Augen offen. Und immer schön die Checkliste ihrer Firma abarbeiten, das Haus abscannen, wie sie es bei sich nannte, Und alles dokumentieren, das wichtig ist, also Fotos machen. Zahl der Schlafzimmer? Wie viele Bäder? Salon mit cheminée? Quadratmeter Wohnfläche Gesamthaus und Nebengebäude? Größe des Grundstücks? Hat es Wasser und Strom? Nicht jedes Haus dort unten hat Wasser und Strom. Wie viele Toiletten? Die Zahl der Klos ist in Frankreich ein Kriterium für die Bemessung der Höhe der Wohnsteuer, das ist also wichtig. Gibt es ein Schwimmbad im Garten?

Sie machte Fotos über Fotos vom Grundstück, Fotos von besonders charmanten Ecken im Garten, von Brunnen, alten Mauerteilen, von alten Bäumen, das waren Imagebilder, die man später in die Werbeanzeige würde einbauen können.

Immer vorher den Patron fragen, ob sie etwas am Objekt knipsen darf. Und dabei lächeln. Ist zwar schon klar dass er ihr nichts abschlägt, aber sie weiß, der Patron wird es mögen, wenn er von einer jungen Deutschen hofiert wird.

"Vous me permettez de faire un petit photo, Monsieur?"

Später die höheren Weihen, wenn das Gröbste geschafft und im Kasten ist: Hat das Haus Internet?, wie ist die Verkehrsanbindung, wie sind die Nachbarn? Und so weiter, as geht schon eine, zwei Stunden lang so. Dann, irgendwann später, man hätte inzwischen Haus und Garten abgelaufen, die Obstbäume gelobt, je nachdem ein paar Kirschen gegessen oder Feigen (qui'ils sont merveilleux vos figues"), dann den Hund gestreichelt, den Weinkeller besichtigt und auch den grenier (die Bühne) gesehen... Erst dann würde man sich schließlich am Wohnzimmertisch versammeln. Jetzt wird erst einmal ein Aperitif genommen oder man trinkt einen Pastis.

Sie bespricht sich kurz mit dem französischen Kollegen, dann sagt sie zum Patron:

"Ja Monsieur, es ist wunderbar. Wir machen Ihnen also ein schriftliches Angebot, wir denken wir können ihr Haus guten Gewissens in unserem europäischen Standard-Katalog anbieten, es ist ein Schnäppchen".

Oder aber, wenn es ein qualitativ richtig gutes Objekt ist:

""Monsieur, es ist eine Perle, ihr Haus. Ich empfehle Ihnen, einen Internetauftritt auf unserer Webseite zu buchen, wir machen das alles für Sie, inklusive Fotos und Videos, das kostet nur 500 Euro jährlich und bringt Ihnen eine Masse an Mietern, Sie müssen denen dann später nur noch den Mietvertrag zuschicken und Ihre Kontonummer. Alles andere macht unsere Firma, Versicherung, Schlüsselversand und Hausputz, das machen wir für Sie, alles Bingo".



Soviel für heute. Fortsetzung bald mal wieder. Heute war zum ersten mal ein wenig Kapitalismus in Valeries Welt, aber mit dem Eintritt in Micheals Firma hat sich unsere Kleine diesem System verschrieben, es ging jetzt nicht mehr um Analysen und paperwork wie in der Autoindustrie, sondern um knallhartes praktisches Verkaufsgeschäft und wie alles was sie anfasste, wollte sie auch das richtig gut machen. Nächstens werden wir erfahren, dass es in französischen Notariaten auch Männer gibt, und zwar attraktive Männer, ein solches Notariat lernt sie bald mal kennen, es ist in der Stadt Narbonne.

Lieben Gruß

Valerie

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 422 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Fr 12. Okt 2018, 22:24

An meinen kleinen Leserkreis.

Ich wollte euch für das Kommende WE noch eine gute Zeit wünschen und auch noch mitteilen, dass das 12. Kapitel gerade beendet wurde. Nachtarbeit, nächtliches Schreiben liegt mir, also warum eigentlich immer vorm TV hocken? Das neue Kapitel heißt:

"Alain, Delphine und Thierry" und handelt von ihren neuen französischen Freunden.

Hier, real, regnet es seit Tagen. Wir, meine Familie und ich sind zur Zeit dabei, unsere Zelte hier abzubrechen und wieder ins Stuttgarter Winterlager überzusiedeln. Abfahrt ist Sonntag, übermorgen und hoffentlich ist dann auch der Verkehr ruhig. Ich melde mich, wenn alles gut geht, Mitte nächster Woche wieder mit dem neuen Kapitel.

Liebe Grüße, Valerie :()b

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