Nicoles Galaxie
Nicoles Galaxie - # 7

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Nicole Doll
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Re: Nicoles Galaxie

Post 91 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Sa 9. Jun 2018, 11:22

Kapitel 12; Zwei Enbys

Es war am späten Abend als ich von der Selbsthilfegruppe in Koblenz nach hause fuhr. Sie (er?) saß auf einer Bank an der Bushaltestelle - kurze schwarze Haare, schwarzes Top, schwarz-weiß-gestreifte weite Hose, silbrig glänzende flache Schuhe. Das Gesicht war für eine Frau ziemlich kantig, dafür hatte der Körper wohl geformte weibliche Rundungen. Zuerst war das Geschlecht für mich unklar, nach genauerem Hinsehen bin ich mir aber ziemlich sicher: biologisch weiblich.

Der Bus kam und sie stieg zusammen mit mir ein. Irgendwo bei Emmelshausen (etwa 1/3 meines Weges) stieg sie wieder aus. Ich hatte die ganze Zeit irgendwie das Bedürfnis sie anzusprechen, traute mich aber nicht. Offensichtlich war es ihr unangenehm, dass ich sie musterte. Sie schaute mich nie direkt an. So wie ich bei ihr biologisch weiblich erkannte, wird sie bei mir biologisch männlich erkannt haben. Da kam wohl die Frage auf: Was kann dieser Kerl in Frauenkleidern nur von mir wollen? War es wieder dieses weit verbreitete Vorurteil? Glaubte sie vielleicht ich wäre schwul und würde in ihr einen Mann sehen? War sie deswegen so abweisend? Ich bin aber als Mann hetero und sah in ihr eine Frau. Oder ist sie lesbisch und sah mich als Mann?

Irgendwie war sie das Gegenteil meiner Erscheinung. Als Frau hat man es da nur einfacher. Kurze Haare und weitgehend androgyne Kleidung und fertig ist der weibliche Crossdresser, der nirgendwo besonders auffällt. Als Mann geht da nur ganz oder gar nicht. Ein paar weibliche Akzente und schon wird man als Tunte, Schwuchtel oder Transe angesehen - also dann entweder gleich richtig „Transe” oder ganz Mann bleiben.

Was ich aber schade finde: Da treffen offensichtlich zwei Enbys (Nicht-Binäre, die sich irgendwo zwischen Mann und Frau einordnen) zusammen und gehen sich aus dem Weg. Bei ihr war es ganz bestimmt nur Unsicherheit und Unkenntnis, die sich dann auf mich übertrug. Dabei ist es zum Kennenlernen doch unwichtig ob jemand schwul, lesbisch, trans* oder sonst irgendwas ist. Zudem hatte ich zuvor in der Selbsthilfegruppe schon genug an Gesprächen teilgenommen. Also hatte keinen großen Nerv mehr jemanden anzusprechen.

Habe ich jetzt vielleicht sogar versäumt auf eine potentielle Partnerin zuzugehen? Wenn sie selbst Enby ist, kann es doch sein, dass sie - im Gegensatz zu den meisten normalen Frauen - versteht, was in mir vorgeht. Wenn ich sie wieder treffe, sollte ich sie also ansprechen. Verlieren kann ich dabei doch nichts. Aber ich fahre nicht oft nach Koblenz. Da ist ein zweites Treffen unwahrscheinlich. Sonst gibt es wenige Gelegenheiten mit anderen Enbys zusammen zu treffen. Da sie keine (vollständige) Transition zum anderen Geschlecht anstreben, fühlen sie sich in Transgender-Selbsthilfegruppen immer wieder als Außenseiter, wenn es wieder einmal nur um die ganzen Probleme bei der Transition geht. Also trifft man sie dort eher selten.

Eure Nicole
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ExuserIn-2018-08-05
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Re: Nicoles Galaxie

Post 92 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-08-05 » Sa 9. Jun 2018, 11:45

Nicole Doll hat geschrieben:
Sa 9. Jun 2018, 11:22


Was ich aber schade finde: Da treffen offensichtlich zwei Enbys (Nicht-Binäre, die sich irgendwo zwischen Mann und Frau einordnen) zusammen und gehen sich aus dem Weg. Bei ihr war es ganz bestimmt nur Unsicherheit und Unkenntnis, die sich dann auf mich übertrug. Dabei ist es zum Kennenlernen doch unwichtig ob jemand schwul, lesbisch, trans* oder sonst irgendwas ist. Zudem hatte ich zuvor in der Selbsthilfegruppe schon genug an Gesprächen teilgenommen. Also hatte keinen großen Nerv mehr jemanden anzusprechen.
Hallo Nicole,

nur weil ihr vermutlich eine Gemeinsamkeit habt, heißt das doch nicht dass man sich sympathisch sein muss und die "Pflicht" besteht auf Grund dieser Basis Kontakt zulassen zu müssen. Dann schreibst Du: Bei ihr war es ganz bestimmt nur Unsicherheit und Unkenntnis, die sich dann auf mich übertrug. Da ist mir viel zu viel Spekulation drin, Du nimmst es zwar an, aber stimmt es denn auch? Ich verstehe Dein Bedürfnis nach Nähe und Kontakt, aber manchmal interpretiert man zu viel in andere Leute rein, was eigentlich in einem selbst ist und den Wunsch nach etwas ausdrückt.
Dir ist ja schon aufgefallen, dass sie dich nicht direkt angeschaut hat. Da würde ich dann mal behaupten, dass da von ihr aus einfach kein Interesse vorhanden war. Und das erste bei einem "Kennenlernprozess" ist immer der Blickkontakt. Wenn dieser ausbleibt, obwohl die entsprechende Person eindeutig wahrgenommen wurde, dann kann man davon ausgehen dass einfach kein Interesse besteht. So traurig das ganz oft sein kann, ich kenne es ja selbst.

LG Kati
Ich trage niemals Make-up, alles an mir ist natürlich!

Jaddy
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Re: Nicoles Galaxie

Post 93 im Thema

Beitrag von Jaddy » Sa 9. Jun 2018, 11:52

Wir haben hier in Bremen eine ziemlich junge, sehr diverse Gruppe. Standard-Treffpunkt ist das monatliche "TransCafe". Viele von denen waren beim Termin am 1.6. auch dabei. Sehr offen für alle Varianten. Da fühle ich mich schon ziemlich gut. Ich bin da zwar am oberen Altersende, aber offenbar noch akzeptabel ;) Vielleicht auch, weil ich keine Intimpartner.innen suche.

Ein Problem sind schon die fehlenden Codes. Aus der optischen Präsentation kann man kaum schliessen, wie jemand verortet. Eine Möglichkeit sind die Flaggen als Anhänger oder Pins. Ansonsten setze ich auf positiv-selbsbewusste Ausstrahlung und wenn es passt ein freundliches Lächeln mit einem "hey" oder "schick" als Opener.

Nicole Doll
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Re: Nicoles Galaxie

Post 94 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Di 12. Jun 2018, 13:09

Jaddy hat geschrieben:
Sa 9. Jun 2018, 11:52
Ein Problem sind schon die fehlenden Codes. Aus der optischen Präsentation kann man kaum schliessen, wie jemand verortet. Eine Möglichkeit sind die Flaggen als Anhänger oder Pins.
Hallo Jaddy,

es möchte bestimmt nicht jeder der ganzen Welt zeigen: Schaut alle her, ich bin Enby. Doch ein paar klärende Worte statt einfach weg zu schauen hätten mein Kopfkino ganz schnell beendet und mein Beitrag hätte sich bestimmt erübrigt. Aber so ist es wohl mit dem Kopfkino - bei beiden Enbys, wobei nur bei einem sicher ist, dass er (sie? es?) sich als solcher fühlt.

LG Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 95 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Di 12. Jun 2018, 14:29

Kapitel 13; Transtopia beim Aldebaran

In Kapitel 10 habe ich bereits über meinen Science-Fiction-Roman berichtet. Nun ist das Problem mit dem gigantischen Übergewicht meiner Astronauten aufgrund der relativistischen Masse nach Einstein und Lorentz schon lange gelöst, aber mit dem Schreiben will es nicht so recht weiter gehen. Meine Astronauten haben ihr Ziel - einen ziemlich merkwürdigen Planeten in einem seltsamen Sonnensystem (um einen lichtschwachen Neutronenstern herum) in der Nähe der Sterns Aldebaran (das Auge des Stieres im Sternbild Stier, 50 Lichtjahre von der Ede entfernt) - erreicht und mit der dort lebenden Zivilisation, die unserer weit überlegen ist, Kontakt aufgenommen.

Und wenn die Außerirdischen dort uns weit überlegen sind, gibt es dort bestimmt auch nicht so fest genagelte Geschlechterrollen wie bei uns. Bei entsprechendem Verstand sollte man da doch darüber stehen können. Also lernen meine Astronauten ein „Transtopia” kennen, in dem das Geschlecht - männlich, weiblich, beides oder irgendwie anders - nicht mit einer festen Rolle in der Gesellschaft verknüpft ist.

Beim Versuch diese außerirdische Gesellschaft zu beschreiben hänge ich nun immer wieder mit unserer im Hirn fest betonierten Mann-Frau-schwarz-weiß-Denkweise fest. Kann es so etwas wie Trans* ohne feste Geschlechterrollen überhaupt geben? Ich selbst sehe mich als nicht-binär. Also fühle ich mich nicht im falschen Körper und möchte diesen auch nicht vollständig an das weibliche Geschlecht anpassen. Nur mit der von mir erwarteten Rolle als Mann habe ich nie wirklich etwas anfangen können. Wie wäre es also, wenn es eine solche Rolle gar nicht gäbe? Woher kommt dieses Gefühl im falschen Körper zu stecken? Ist es wirklich vor allem genetisch bedingt, oder resultiert es eher aus einer extremen Ablehnung der dem biologischen Geschlecht zugeordneten Rolle?

Einen Aspekt soll es in meiner außerirdischen Gesellschaft nicht geben: eine Möglichkeit mit einer angleichenden Operation und der Herstellung von künstlichen Hormonen Geld zu verdienen. Es gibt also keinerlei wirtschaftliches Interesse an einer Transition. Wer bei uns an Transitionen Geld verdient, dürfte schon einmal kein Interesse daran haben, dass Männer in Frauenkleidern oder umgekehrt vollständig in der Gesellschaft integriert und akzeptiert sind, und folglich konservative Ansichten vertreten. Dann ist doch - zumindest aus meiner Sicht - zu erwarten, dass meine Außerirdischen gar keine Transition brauchen. Wie viel macht also der Druck aus endlich in dieser Gesellschaft irgendwo hin zu passen? Was würde ich machen, wenn ich noch jung wäre und den ganzen Weg mit Beruf und Familie noch vor mir hätte? Würde ich vielleicht, obwohl ich mich als nicht-binär einstufe, den ganzen Weg der Transition gehen, nur weil ich die Chance sehe endlich ohne ständiges Outing als Frau glücklich zu leben?

Ich habe mein ganzes Leben nicht in diese Gesellschaft gepasst. Und jetzt muss es nicht mehr passen. Wenn ich mich also so, wie ich jetzt herum laufe, wohl fühle, kann ich doch zufrieden sein. Muss ich da das Risiko einer Operation und der Nebenwirkungen der Hormone auf mich nehmen? - Ich denke nicht. Wäre also Trans* in meiner außerirdischen Gesellschaft überhaupt ein Thema? Und haben wir es vor allem wegen wirtschaftlicher Interessen so schwer als Mensch, der sich irgendwo zwischen den Geschlechtern sieht, einen Platz in dieser Gesellschaft zu finden?

Ich frage mich immer wieder, was ich gemacht hätte, wenn ich nicht - letztlich nur widerwillig und Zähne knirschend - den Weg gegangen wäre, den man von mir erwartet hatte. Irgendwo war da immer in meiner Fantasie der Gitarrist in einer Rockband - Ritchie Blackmore von Deep Purple. Und wie er wollte ich lange Haare haben - mit denen es dann bei der Bundeswehr vorbei war. Also übte ich Gitarre und versuchte in einer Band unterzukommen. Ich machte es aber nur neben dem Studium. Und als dieses zum Abschluss kam, wählte ich den einfacheren und vermeintlich sichereren Weg als Ingenieur. Als Künstler geht aber vieles, was normalerweise in der Gesellschaft nicht geht. So gab es auch schon in der Zeit, als ich noch Schüler oder Student war, einen Mann im Kleid, der als Sänger großen Erfolg hatte. Hier ein Video - auch wenn es nicht gerade mein Musikgeschmack ist:



So viel Unterschied zu dem Bild, das ich heute abgebe, gibt es da doch gar nicht. Ich müsste nur die Haare noch länger wachsen und den Bart stehen lassen. Und vielleicht wären meine Schuhe bei Demis Roussos das Tüpfelchen auf dem i gewesen :mrgreen: - aber ich laufe auch gerne barfuß herum. Hätte ich also damals wirklich eine Frau sein wollen, oder hätte ich mich einfach nur als Mann mit langen Haaren im Kleid oder Rock wohl fühlen können? Jedenfalls habe ich in den vielen Jahren und Jahrzehnten sehr viel Frust in der verhassten Rolle als Mann angesammelt, der jetzt meine Gefühle stark zum Weiblichen hin beeinflusst.

Wie sollen also die Bewohner meines „Transtopia” da beim Aldebaran aussehen? Was für eine Kleidung sollen sie tragen? Wie sollen sie miteinander umgehen? - Alles, was mir dazu einfällt, ist mir am Ende immer noch viel zu spießig und ähnelt zu sehr den Zuständen auf unserem Planeten. Wie wäre es aber, wenn Homo oder Trans* überall einfach nur ganz normaler Alltag wäre? - doch ganz bestimmt nicht wie hier bei uns beim CSD. Aber genau dieses Bild habe ich im Kopf. Und deshalb hänge ich bei meinem Roman mal wieder fest.

Zur Erklärung: Meine Aldebaraner sollen uns Menschen sehr ähnlich sein - die Folge eines universellen biologischen „Bauplanes”, der sich in einem drahtlosen intergalaktischen Netzwerk nach dem Prinzip der Resonanz über das ganze Universum verbreitet (ein gläubiger Mensch nennt so etwas Gottes Schöpfung).

Eure Nicole

PS: Ich wollte hier eigentlich ein Foto rein stellen, das ich letztes Jahr beim CSD in Koblenz gemacht habe. Es zeigt einen Travestie-Künstler. Darf ich das gemäß dem neuen Datenschutz-Gesetz überhaupt? :?
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Re: Nicoles Galaxie

Post 96 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mi 13. Jun 2018, 00:03

Mein erster Gedanke zu deinen Aldebaranern war "findet Nemo". Genauer gesagt der Clownfisch an sich, noch genauer das dieser sein Geschlecht wechseln kann.

Die Aldebaraner beherrschen also interstellare Raumfahrt, sind uns also Technisch sehr weit überlegen.
Das heißt aber nicht das technische entwicklung ihnen so wichtig ist wie uns. sie könnten damit ja wesentlich langsamer sein als wir, aber dafür Jahrtausende vor uns angefangen haben. Es könnte also eine sehr alte Rasse sein.
Wer sagt uns das es nicht schon immer bei ihnen eine Art Zweigeschlechtlichkeit gab, ähnlich wie bei den Clownfischen, nur eben im laufe der Jahrtausende ausgebildet und mittlerweile vielleicht sogar bewusst steuerbar?
Was die Kleidung betrifft, wer sagt denn das sie sowas überhaupt haben?
Vielleicht hat ihr Planet garkeinen Mond. Kein Mond - keine Achsneigung, keine Achsneigung - keine Jahreszeiten. Da könnte es doch durchaus sein dass es nie eine Notwendigkeit für Kleidung gab.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.

Albert Einstein hat schon gesagt: Was im Internet steht stimmt immer!

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Re: Nicoles Galaxie

Post 97 im Thema

Beitrag von Jenina » Mi 13. Jun 2018, 08:03

Nicole,

wie wir schon bei Stanislaw Lem nachlesen konnten, haben uns die Bewohner vom Aldebaran bereits besucht.

Sie können jede beliebige Gestalt annehmen, allerdings haben sie bei ihrem Besuch keine Frauengestalt gewählt sondern die eines stockbetrunkenen Dorfdödels in der polnischen Provinz. Das ging schlecht aus, zumal auch ihr Übersetzer - der Thelepathikus - nur unverständliche Botschaften von sich gab. So gerieten sie also an den Rivalen unseres Säufers und wurden von ihm, er war ebenfalls erheblich betrunken, leider totgeschlagen. So endete die Invasion vom Aldebaran in einem Fiasko. Traurig...

Was lernen wir daraus: beim "Verkleiden" Augen auf! (smili)

Jenina
Disclaimer: Dies ist eine persönliche Meinung, sie ist möglicherweise inkompatibel mit Deinem Glauben/Lifestyle/Parteiprogramm!

Nicole Doll
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Re: Nicoles Galaxie

Post 98 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mi 13. Jun 2018, 12:32

Hallo Jenina, hallo Joe,

Stanislav Lem - eine ziemlich schwere Lektüre. Da habe ich so einen Dinosaurier-Planeten im Hinterkopf, auf dem diese Viecher als "Stadtschreitwerke" in ihrem Inneren bewohnt sind und durch riesige Sümpfe waten (Buchtitel: Lokaltermin). Der übrige Planet außerhalb dieser Sümpfe ist vollständig "vergripst", also die "Intelligenz" durchdringt dort alles bis tief in den Boden hinein. Hier hat es Stanislav Lem natürlich - wie auch bei der schief gelaufenen Invasion von Aldebaran - auf unsere Zustände in Politik und Gesellschaft vor allem in Osteuropa abgesehen.

Was bei Stanislav Lem das Lesen enorm erschwert, sind seine neuen Begriffe, die er für die beschriebenen fremdartigen Dinge einführt. Vielleicht liest es sich im polnischen Original besser als in einer deutschen Übersetzung, aber dafür reicht mein Polnisch nicht aus. Ich wähle da lieber eine einfache Sprache - na ja, wie einfach die ist, könnt ihr ja alle hier im Forum lesen. (moin)

Kurz zum "Verkleiden": Vielleicht sollten meine Aldebaraner, wie Joe es vorschlägt, tatsächlich ganz auf Kleidung verzichten. Oder doch nicht ganz? - mir schwebt da so ein etwas breiterer "Gürtel" um die Hüften vor und sonst jede Menge Ketten aus Perlen und Muscheln. Auf ihrem Planeten ist es jedenfalls dauerhaft warm. Jahreszeiten gibt es dort nicht und auch keinen Tag-und-Nacht-Wechsel. Einen kurzen Ausschnitt aus meinem Roman mit einer Beschreibung dieses Planeten schicke ich jetzt einmal hinterher.

LG Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 99 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mi 13. Jun 2018, 13:40

Kapitel 14; Der Heimatplanet der Aldebaraner

Hier also der Ausschnitt aus meinem Roman:

..........

Dann sagt die synthetische Stimme: „You may take a look to our planet from outer space and enter our inside area. But du not try to land. Good luck!” Also: Wir dürfen einen Blick aus dem Weltraum auf den Planeten werfen und einen inneren Bereich betreten. Landen dürfen wir aber nicht. Was um alle Welt soll das nun bedeuten?

Da wir nicht mehr befürchten müssen abgeschossen zu werden, steuern wir auf den innersten der vier Planeten zu. wir nähern uns aus dem Orbit heraus. So ist die zum Zentralstern hin gerichtete Seite angestrahlt und erscheint grau. Auf der im Schatten befindlichen Seite gibt es viele helle Flecken, die offensichtlich Licht abgeben. Dann ist dieser Planet riesengroß - fast so groß wie bei uns Jupiter. Da müsste doch die Gravitation jedes Lebewesen zerquetschen.

Unser Raumschiff wird aber nur wenig von diesem Planeten angezogen. Was ist das nur für ein seltsames Gebilde? Die hellen Bereiche auf der Schattenseite leuchten so stark, dass es niemals künstliches Licht aus großen Städten sein kann. Es müssen gewaltige Lichtquellen sein. Wir steuern mehr auf die dunkle Seite zu. Bald erkennen wir, dass das Licht aus großen Löchern in dem Planeten heraus kommt. Das Licht verändert sich mit dem Abstand. Es muss also eine sehr starke Lichtquelle weit hinter diesen Löchern geben.

Der im Funkspruch genannte innere Bereich muss sich wie die Lichtquelle im Inneren dieses Planeten befinden. Ich Frage also Jelena und Rasputin*, die mit mir zusammen im Kommandostand sind: „Wir dürfen einen Inneren Bereich betreten. Wenn dieser Planet also hohl ist, dürfen wir dann doch in ihn hinein, oder verstehe ich das etwa falsch?”

*Die meisten Astronauten meiner Weltraum-Rebellen verwenden Decknamen.

Jelena antwortet: „Ich denke, du verstehst das richtig.” Rasputin nickt nur mit dem Kopf.

Also steuern wir langsam auf eins der Löcher zu. Es ist sehr groß, so etwa 500 bis 800 Kilometer Durchmesser. Auf der Innenseite ist es hell erstrahlt und außen ist in der Dunkelheit nichts zu erkennen. Als wir in das Loch eindringen, sehen wir einen riesigen Gletscher, der den gesamten Rand des Loches umschließt. Wir gelangen in das Innere einer Hohlkugel, in deren Zentrum ein kleiner Stern leuchtet. Das ist also die starke Lichtquelle.

Das gesamte Innere der Hohlkugel ist von dem kleinen Stern erleuchtet. Erst jetzt wird uns klar, wie so weit vom Zentralgestirn entfernt hoch entwickeltes Leben möglich ist. Der kleine Stern im Zentrum dieses großen Planeten liefert die dafür notwendige Energie. Außen dürfte die Temperatur auf der Oberfläche des Planeten in der Nähe des Absoluten Nullpunktes bei -273°C liegen.

Wir nähern uns dem kleinen Stern im Zentrum, der die Hülle unseres Raumschiffs nun ordentlich aufheizt. Nun sehen wir die Hohlkugel mit ihren vielen Löchern von der Innenseite her. Die Gletscher um die Löcher herum gehen bald in einen gelb und grün gefärbten Bereich über. Noch weiter von den Löchern entfernt wechseln sich große dunkelblaue und hellbraune Flächen ab.

Das müssen Ozeane und dazwischen Wüsten sein. Vegetation an Land gibt es offensichtlich nur dort, wo die Gletscher Wasser spenden. Zwischen den gelb-grünen Bereichen bei den Gletschern und den vermuteten Ozeanen durchziehen unregelmäßige dunkle Linien wie Adern die braunen Flächen. Das könnten Flüsse sein, in denen das Wasser von den Gletschern zu den Ozeanen gelangt. An deren Ufern dürfte es eine üppige Vegetation geben, sodass man deren Verlauf gut aus dem Weltraum erkennen kann.

Während Jelena, Rasputin, Smörebröd und ich wie gebannt aus den Fenstern schauen, betritt Jelenas kleiner Sohn den Kommandostand. Er holt eine Kiste, klettert auf sie hinauf und beugt sich über eins der Fenster. Dann fragt er: „Ist das der Planet wo diese bösen Leute wohnen?”

Ich muss erst einmal schlucken. Dann antworte ich: „Nein, da wohnen keine bösen Leute. Aber wir sind das erste mal hier. Also wissen wir nichts über das, was es da unten gibt. Deshalb sind wir so neugierig.”

Der Junge schaut mich verwundert an und sagt: „Was wollen wir denn dann hier, wenn wir nichts von denen da unten wissen? Und was bedeutet neugierig?”

Jelena nimmt ihren kleinen Sohn an die Hand und führt ihn aus dem Kommandostand hinaus. Aus der Entfernung ist nun zu hören wie die beiden intensiv miteinander reden. Da muss Jelena ihrem Sohn bestimmt ganz viel erklären. Wir steuern unser Raumschiff erst einmal näher an die innere Oberfläche des Planeten heran.

Die Computerstimme hat gesagt: Wir sollen im Weltraum bleiben. Für unser Verständnis bedeutet das außerhalb der Atmosphäre. Dann dürften wir uns der Oberfläche bis etwa 30 oder 40 Kilometer Höhe nähern. Also tasten wir uns langsam heran. Nirgendwo ist ein Raumschiff zu sehen. In 45 Kilometern Höhe stoppen wir unsere Annäherung und machen Aufnahmen mit hoch auflösenden Kameras.

Wir lassen uns Zeit und niemand stört uns. Bald haben wir so viele Bilder, dass wir davon eine exakte Karte der gesamten Innenseite dieses Planeten anfertigen können. Aus Messungen kennen wir nun auch die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Temperaturen an der Oberfläche. Die Atmosphäre besteht aus Stickstoff, Sauerstoff, Kohlendioxid und geringen Mengen anderer Gase. Sie ist der auf der Erde so ähnlich, dass wir sie ohne Probleme atmen könnten. Die Temperaturen reichen von -150°C über den Gletschern in der Nähe der Löcher bis zu +60°C in den Wüstengebieten. In den grün-gelben Bereichen liegen sie im Mittel zwischen +10°C und +25°C.

Wir sind erstaunt, dass wir so irdische Verhältnisse irgendwo weit draußen im Weltraum antreffen. Wenn wir es dürften, könnten wir einfach landen und ohne Raumanzug oder Atemmaske aussteigen. Damit wird mir sofort klar, warum wir nicht landen dürfen. In der Atmosphäre dieses Planeten können nicht nur wir gut überleben, sondern auch alle irdischen Mikroorganismen. Und wenn die sich explosionsartig vermehren, können sie gefährliche Krankheiten bei den Bewohnern des Planeten auslösen, da diese keine Antikörper gegen sie besitzen. Das Verbot hat also nichts mit einer Ablehnung gegen uns zu tun, es ist lediglich eine Vorsichtsmaßnahme. Man hat uns gewissermaßen Quarantäne verordnet.

Da wir uns nun ein Bild vom Inneren dieses Planeten gemacht haben, verlassen wir die Hohlkugel durch eins der Löcher und kreisen in einen Orbit zwischen dem Planeten und dem ersten seiner fünf Monde ein. Diese Monde haben alle eine Oberfläche aus Stein und etwa die halbe Größe der Erde. Bei ihnen gibt der wie bei allen uns sonst bekannten Monden und Planeten keine Löcher, aus denen ein kleiner Stern in ihrem Zentrum hinaus scheint. Die drei weiteren großen Planeten haben wir bisher nur weit aus der Ferne gesehen. Also wissen wir nichts über ihren Aufbau oder ihr Aussehen.

Wie Leben auf der Innenseite der Hohlkugel nicht nur möglich ist, sondern sich auch hoch entwickeln kann, erscheint uns nun plausibel. Entscheidend dabei ist, dass die Hohlkugel aus festem Material sehr dünn ist. Dadurch wirkt die Gravitation am Rand der Löcher nicht einfach senkrecht nach unten, sondern schräg zu der großen Masse der Hohlkugel hin. Der Rand der Löcher wird damit zu einer extrem hohen Bergkette, die über die Atmosphäre hinaus ragt.

So gelangt kein Wasserdampf auf die extrem kalte Außenseite, wo er kondensieren und für immer als Eis verbleiben würde. Ohne diese Bergketten wäre das Innere der Hohlkugel absolut trocken und lebensfeindlich. Dichte Wolken gibt es nur über den Gletschern an den Hängen der hohen Bergketten. Sonst ist es überall völlig wolkenlos. Das erklärt die Wüstengebiete zwischen den Ozeanen. Süßwasser und damit eine üppige Vegetation gibt es nur um die großen Gletscher herum, wo sich das Wasser sammelt, bevor es zu den Ozeanen hin abfließt.

Siedlungen haben wir nur in den Wüstengebieten gesehen. Es sind sehr große Städte. Bei den Gletschern war unter der dichten Vegetation nichts zu erkennen. Wenn es Süßwasser nur in der Nähe der Gletscher gibt, müssen die Städte künstlich mit Wasser versorgt werden. Man wird also mit Rohrleitungen oder offenen Kanälen das Wasser von den vermuteten Flüssen oder den Gletschern in die Städte bringen.

Soweit erscheint alles logisch. Wie konnte aber diese dünne löchrige Hohlkugel entstehen? Aus dem Wirbelprinzip ergibt sich zwar, dass alle Planeten hohl sein und im Zentrum eine kleine Sonne besitzen müssen. Diese Sonne heizt das Innere auf, sodass es flüssig wird. Damit aber eine Hohlkugel, die aus einer Flüssigkeit besteht, nicht unter dem Einfluss der Schwerkraft in sich zusammen fällt, muss sie vollkommen geschlossen und mit einem unter Druck stehenden Gas gefüllt sein.

Es ist zudem erstaunlich, wie die Kernfusion in einem so kleinen Stern wie im Inneren dieser löchrigen Hohlkugel ohne einen äußeren Gasdruck stabil ablaufen kann. Da haben wir offensichtlich das Wirbelprinzip immer noch nicht vollständig verstanden, obwohl wir danach die Antriebe unserer Raumschiffe konstruieren und bauen.

Wie konnte also dieser seltsame Planet entstehen? Wenn der kleine Zentralstern dieses Sonnensystems ein weißer Zwerg ist, war er vor einigen Millionen oder Milliarden Jahren einmal ein Stern wie unsere Sonne. Als er seinen Kernbrennstoff aufgebraucht hatte, blähte er sich dann für einige Millionen Jahre zu einem roten Riesenstern auf. Das erklärt, warum es weiter innen keine Planeten gibt. Sie sind vor langer Zeit vom Plasma des roten Riesen verschlungen worden.

Der heute bewohnte Planet müsste entsprechend seiner Größe und seines Abstandes vom Zentralstern ein Gasriese wie bei uns Jupiter oder Saturn sein und kein hohler löchriger Steinplanet, dessen Hohlkugel dünn wie eine Eierschale ist. Sein Entstehen hat vermutlich irgendwie mit dem Aufblähen des Zentralsterns zu einem roten Riesen zu tun. Wie kann aber aus einem Gasriesen ein so seltsames Gebilde entstehen? Oder war dieser Planet nie ein Gasriese und ist ganz anders entstanden? Ich brenne regelrecht auf die Antworten zu diesen Fragen. Und die können nur die Aldebaraner beantworten.

.........

Wir setzen den Funkkontakt mit den Aldebaranern fort. Es gibt viele weitere Sendungen bei denen immer mehr unserer vielen Fragen an die Aldebaraner beantwortet werden. Auf die Frage wie der hohle Planet mit seiner dünnen Kugelschale entstand, erhalten wir folgende Erklärung:

Vor vielen Millionen Jahren war das Planetensystem der Aldebaraner sehr ähnlich wie unseres. Den Zentralstern umkreisten zunächst einige Steinplaneten und dann weiter außen, wie bei uns Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun, vier sehr große Planeten,von denen die inneren Gasriesen wie Jupiter und Saturn waren. Auf zwei der inneren Steinplaneten hat es gemäß der Chronik zum IgWA* bereits Leben gegeben.

*Intergalaktischer Weltraum-Atlas

Es wird von einem grünen und einem braunen Planeten berichtet. Die Umlaufbahn des braunen Planeten war näher an seinem Zentralstern. Auf ihm gab es ein heißes Wüstenklima. Das Klima auf dem grünen Planeten dürfte ähnlich dem auf der Erde zur Zeit der Dinosaurier gewesen sein, also feucht und warm mit üppiger Vegetation. Über den Entwicklungsstand der Lebewesen dort ist nichts weiter bekannt.

Als der Zentralstern schließlich seinen Wasserstoff für die Kernfusion aufgebracht hatte, blähte er sich zu einem roten Riesen auf. Die inneren Steinplaneten verglühten dabei im Plasma des Riesensterns. Der innere Gasriese, also der heutige erste Planet dieses Systems, wurde so aufgeheizt, dass der größte Teil seiner Gashülle in den Weltraum hinaus gedrängt wurde.

Es verblieb eine recht dünne, heiße flüssige Hülle, die den kleinen Stern im Zentrum des Planeten in relativ geringem Abstand umgeben hatte. Als die äußere Gashülle fehlte, wirkte nichts mehr dem Druck entgegen, unter dem das vom Stern im Zentrum aufgeheizte Gas im inneren der flüssigen Hülle stand. Die Hülle dehnte sich sehr stark aus und wurde immer größer und dünner.

Schließlich stülpten sich überall dort, wo die Hülle am dünnsten war, Kuppeln aus zähflüssigen Material nach außen. Diese Kuppeln wurden immer höher, und ihre Wände wurden immer dünner. Schließlich platzte die größte von ihnen auseinander. Das unter Druck stehende Gas entwich nach draußen in den Weltraum.

Ohne den Gasdruck von innen brachen nun alle Kuppeln unter dem Einfluss der Schwerkraft zusammen. So entstanden viele Löcher in der zähflüssigen Hülle. Nun setzte der fehlende Gasdruck die Intensität der Kernfusion in dem kleinen Stern herab, und es fehlte ohne das Gas im Inneren eine direkte Übertragung der Wärme zur Hülle hin.

Die Hülle kühlte ab und erstarrte. Auf der Außenseite sanken die Temperaturen bis nahe an den absoluten Nullpunkt ab. In der Atmosphäre, die von der Gravitation auf der Oberfläche der Hülle festgehalten wurde, gab es sehr viel Wasserdampf. Außen kondensierte er und gefror zu Eis. Innen spendete nun der kleine Stern so viel Wärme, dass der Wasserdampf als Regen zu Boden fiel. So wurden die tiefsten Stellen auf der Innenseite der Hülle zu Ozeanen.

Die Gravitation wirkt bei jedem Körper immer zu seinem Massenzentrum hin. Bei einer gleichmäßig dicken Kugelschale wird so jeder Körper senkrecht zur Schale angezogen. Bei den Löchern wirkt aber die Gravitation umso mehr schräg vom Loch weg, je näher man an den Rand kommt. Damit wirkt der Rand der Löcher wie eine extrem hohe Gebirgskette, die weit über die Atmosphäre hinaus ragt. So kann, wie wir das bereits bei unserer Erkundung aus dem Weltraum vermutet hatten, kein Wasserdampf von der Innenseite der Kugelschale durch die Löcher nach außen gelangen.

Mit den Ozeanen und der Wärme, die der kleine Stern im Zentrum spendete, ergaben sich ideale Bedingungen für das Entstehen von Leben. Nun lief im inneren der Kugelschale die Evolution fast genauso ab wie bei uns auf der Erde. Es muss nur alles schneller gegangen sein. Da es in der erkalteten Hülle keinen Vulkanismus gibt, gab es keine dichten Staubwolken, die lange Zeit alles verdunkelten. Das Licht des kleinen Sterns erreichte von Anfang an die Ozeane, und Mikroorganismen konnten mit der Photosynthese Energie gewinnen. So entstand wie auf der Erde der Sauerstoff in der Atmosphäre.

.........

Eure Nicole
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Nicole Doll
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Re: Nicoles Galaxie

Post 100 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Di 19. Jun 2018, 15:44

Kurzer Nachtrag zum Thema Modellfliegerverein

Bisher brachte ich es nicht fertig auf dem Flugplatz aufzutauchen. Auf meine Anfrage auf dessen Homepage mit dem Link zu meinem Video erhielt ich wie erwartet keine Antwort. Wenn ich an einem Freitag - dann ist immer Lehrer-Schüler-Fliegen - gerade wieder daran dachte dort hin zu gehen, war es jedes mal sehr windig. Dann kommen nur die Anfänger zum Lehrer-Schüler-Fliegen auf den Platz. Alle anderen, die sich sonst immer freitags treffen, bleiben schön zu hause, weil sie keine Lust auf ein kaputtes Modell haben. Werner, unser Jugendbetreuer und Fluglehrer, startet dann immer das Modell und lässt die Schüler mal kurz an die Steuerknüppel, damit sie merken, dass es bei solchem Wetter mit dem Fliegen nicht viel bringt.

Samstags und Sonntags höre ich immer das Riesen-Modell unseres Vorsitzenden Stefan, wenn ich draußen unterwegs bin. An den Geräuschen erkenne ich dann, welche Kunstflugfigur er gerade für den nächsten Wettbewerb trainiert. Das Modell hat so um die drei Meter Spannweite und einen 250 cm³ Benzinmotor mit um die 15 PS. Bei der Größe lässt er es ziemlich hoch fliegen, weshalb man es weit entfernt noch hören kann. Ein wirksamer Schalldämpfer ist vorhanden, aber das nutzt nichts, wenn der Propeller ein lauteres Geräusch erzeugt als der Motor. Wenn Stefan auf dem Platz ist, bleiben die meisten anderen weg, weil er viel Zeit für sein Training in Anspruch nimmt. Und trotzdem muss er den Siegespokal oft jungen Piloten überlassen, gegen die er keine Chance hat.

Als ich letztlich mit einer Dose Bier (ich weiß, das ist nicht Ladylike, was mich aber nicht interessiert) auf der Terrasse eines Supermarktes saß, hörte ich Plötzich „Nikolaus?”. Es war einer meiner Vereinskameraden. Nachdem ich ihm kurz die Sache mit Nicole erklärt hatte, schüttelte er nur mit dem Kopf und ging weg.

Einige Zeit später war ich beim Einkaufen im Globus-Markt. Ich trug einen Rock mit Oberteil ähnlich wie auf diesem Foto. Ein anderer Vereinskamerad, der mit Freunden oder Familie - seine Begleitung kannte ich nicht - unterwegs war, lief mir zwischen den Regalen immer wieder über den Weg. Er sah mich an, aber erkannte mich offensichtlich nicht. Einen überraschten oder Irritierten Gesichtsausdruck zeigte er nicht. Also nehme ich an, dass er einfach eine ihm unbekannte Frau wahrnahm. Ich verzichtete darauf mich zu erkennen zu geben.

So viel also zu meinem Modellfliegerverein.

Eure Nicole
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Sasha
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Re: Nicoles Galaxie

Post 101 im Thema

Beitrag von Sasha » Di 19. Jun 2018, 17:21

Hallo Nicole,

die Reaktion des ersten Kameraden ist sehr beschämend für ihn selbst, doch wird er dies sicherlich nie erkennen.
Zum zweiten kann ich nichts sagen.

Meine Erfahrung mit Vereinen ist unter dem Strich auch eher unangenehm. Die meisten Mitglieder haben einen extrem einschränkenden Fokus auf ihre Rolle im Verein - welche das auch immer sei. Alles, was nicht 100% in dieses Sichtfeld hineinpasst, wird direkt abgelehnt. So zumindest meine Beobachtungen. Deswegen mache ich um jeden Verein den größtmöglichen Bogen.

Aber schade und bedrückend sind solche Reaktionen trotzdem.

VG Sasha
Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich (K. Adenauer)
Eigentlich bin ich ganz anders, doch ich komme viel zu selten dazu (Ö. von Horváth)
Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch anders zu sein (S. de Beauvoir)

Nicole Doll
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Re: Nicoles Galaxie

Post 102 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mi 4. Jul 2018, 14:46

Kapitel 15; Elitäres Gehabe

Hallo,

nun habe ich es endlich hinter mich gebracht - mein Coming Out beim Modellfliegerverein.

- Und nun? -

Also, ich war freitags in Simmern um etwas zu erledigen. Das Wetter war gut. Es war zwar windig, aber nicht sehr, also fast optimales Flugwetter. Also schaute ich einfach auf dem Modellflugplatz vorbei. Als ich ankam, stand nur ein Wohnmobil auf dem Parkplatz. Es war noch vor 14:00, also galt - zumindest nach der alten Regelung, die ich noch kannte - die von der Luftfahrtbehörde verordnete Mittagspause für Modelle mit Verbrennungsmotor.

Der Besitzer des Wohnmobils - ein neues Mitglied des Vereins - begrüßte mich freundlich. Ich erfuhr, dass sich im Verein wohl kaum etwas verändert hatte. Ich erzählte, dass ich vor einiger Zeit noch als Mann in diesem Verein aktiv war. Mit meinem Erscheinungsbild hatte er offensichtlich keine Probleme. Bald trudelten die Vereinsmitglieder ein. Es gab knappe Begrüßungen, mehr nicht. Dann wunderte ich mich. Das Stromaggregat wurde angeworfen, was freitags beim Lehrer-Schüler-Fliegen nicht üblich war, und einige der Modellflieger brachten Kuchen mit.

Bald kam auch Werner, der Jugendbetreuer und Fluglehrer, zusammen mit seiner Frau. Beide erkannten mich sofort und begrüßten mich. Sie erklärten mir, dass das mit Nicole für sie kein Problem ist. Und ich erfuhr, was da vorbereitet wurde. Es war der jährlich stattfindende Familientag - bei dem sich die Familien immer auf die (Ehe-)Partner und einige Kinder beschränken, die sowieso immer zum Fliegen kommen. Schließlich kamen auch die Kameraden, mit denen ich mich immer schon beim gemeinsamen Modellfliegen gut verstanden habe. Und bei denen war es - o Wunder - überhaupt kein Problem mit Nicole. Wir haben uns genauso unterhalten wie auch immer früher.

Nun sah ich wieder alles: Den Flugplatz, Meine Fliegerkameraden, Die Modelle, Zubehör, Werkzeugkisten, ... eben alles, was man zum Modellfliegen braucht. Und da hätte ich am liebsten gleich wieder mit gemacht. Aber ohne Modell und Mitgliedschaft geht da natürlich nichts. Und da war auch wieder das, was mich speziell an diesem Verein immer störte. Nur störte es mich jetzt deutlich mehr als früher. Es ist eine Zweiteilung des Vereins in „Vorstands-Elite” und „Fußvolk”. Mit dem „Fußvolk” habe ich sofort auch als Frau wieder zusammen gefunden. Der „Vorstand” ignorierte mich aber weitgehend.

Ich erwähnte ja bereits den Vorsitzenden Stefan, der immer samstags und sonntags jede Menge Zeit für sich selbst und das Training mit seinem lärmenden Riesen-Kunstflugmodell beansprucht, sodass die anderen kaum zum Fliegen kommen. Und dann ist da noch Günter, - der mich knapp grüßte und dann das Stromaggregat in Betrieb setzte - dessen Kameraden beim Segel-Kunstflug mit ebenfalls riesengroßen Modellen (4 bis 5 m Spannweite) immer wieder ein ganzes Wochenende auf dem Flugplatz für sich alleine zum Üben beanspruchen.

Und das „Fußvolk” trifft sich immer freitags. Dann kommt der Strom (12 V zum Laden der Flugakkus) nicht aus dem Aggregat, sondern aus einer Solaranlage, die ich vor ein paar Jahren mit viel persönlichem Einsatz aber ohne Geld aus der Vereinskasse, repariert und wieder betriebsbereit gemacht habe. Da ist es dann auch plötzlich kein Problem, wenn neben Werners Modell zum Lehrer-Schüler-Fliegen auch noch ganz viele andere Modelle in der Luft sind. Dagegen ließ es sich Stefan immer anmerken, dass es ihm überhaupt nicht passte, wenn ich samstags oder sonntags für mein Elektro-Segelflugmodell zwei mal kurz die Start- und Landebahn und sonst nur eine Ecke mit Aufwind oder Thermik beanspruchte, zu der sein Kunstflugmodell gar nicht hin gelangte. Also muss ich hier George Orwell zitieren: Alle Kameraden sind gleich, aber einige sind gleicher.

Und warum funktioniert das alles so? - Zunächst einmal tut der Vorstand alles dafür, dass er immer wieder gewählt wird (irgendwelche Ähnlichkeiten zur CDU oder Angela Merkel sind natürlich nur rein zufällig :mrgreen: :mrgreen: ). Niemand darf beispielsweise etwas davon mitbekommen, wie mit den Mitgliedsbeiträgen, dem Modellfliegerverband oder der Luftfahrtbehörde umgegangen wird - das ist alles „streng geheime” Vorstandssache. Entsprechend dumm stellt sich dann natürlich jemand an, der „unerwünscht” für so eine Aufgabe gewählt werden sollte. So gibt es nur wenig Bereitschaft beim Vorstand mit zu machen. Wie viele vom „Fußvolk” dann noch Lust haben bei der Vollversammlung zu erscheinen und ihre Stimme abzugeben, kann man sich wohl vorstellen.

Ich denke, die meisten Kameraden sind damit zufrieden, dass sie in ihrer Nähe einen Platz zum Modellfliegen haben, wo sie sich immer freitags mit netten Kameraden treffen können. Zur Vollversammlung kommen sie dann entweder nicht oder sie zeigen wie ich früher immer nur mit einer Enthaltung, dass ihnen die Richtung des Vereins nicht passt.

- So viel also zu diesem Verein und meinem Coming Out dort -

Ich bin nun hin- und hergerissen von der Lust wieder freitags dort Kameraden zu treffen und meine Modelle fliegen zu lassen und dem Frust über diese Vereinsstruktur. Wenn ich nun wieder einmal knatschig bin, möchte ich meine Modelle und alles Zubehör einfach einpacken und wie auf einem Flohmarkt auf dem Vereinsgelände zum Verkauf anbieten - endlich weg mit den Erinnerungen an mein ödes früheres Leben. Aber was ist dann weg? - es ist doch nur die Ausrüstung zum Modellfliegen und nicht die Erinnerung! Und wenn ich dann doch wieder fliegen will, kann ich alles neu kaufen.

Nun muss ich an den Platz in der Gesellschaft denken, über den hier in einem anderen Beitrag diskutiert wird. Ich handele doch wieder nur nach einem alten eingefahrenen Muster: Ich suche nach diesem Platz und kann ihn nirgends finden. Dabei sollte ich es doch vielleicht endlich begriffen haben, dass ich mich - so wie es Joe in dem erwähnten Beitrag geschrieben hat - einfach so, wie ich jetzt bin, zeigen und meinen Platz beanspruchen sollte. Und wem das nicht passt, der kann mir doch aus dem Weg gehen.

Was den Modellflugplatz angeht, sollte ich vielleicht immer wieder einmal freitags dort erscheinen und mit den alten Kameraden reden. Dann wird sich doch irgendwann heraus stellen, ob es Sinn macht dort wieder einzusteigen. Falls nicht kann ich den ganzen Krempel auch später noch verkaufen. Der frisst ja kein Brot und vergammelt auch nicht.

Liebe Grüße
Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 103 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Do 12. Jul 2018, 21:19

Kapitel 16; Die jugendliche Nicole

Hallo,

auf der Suche nach den Fotos vom Panzerfahrer, die Lexes unbedingt sehen wollte, habe ich Mamas Fotoalben durchstöbert. Ich wollte diese Fotos nie sehen, weil sie immer nur diesen blöden Kerl zeigten, den ich nicht leiden konnte. Und Mama sammelte alle Bilder von ihrem kleinen Söhnchen, das nie wirklich groß werden durfte.

Und da fand ich nun ein Foto von einem jungen Mädchen, von dem ich nie wusste, dass es einmal existierte. Es zeigt Nicole im Alter von etwa 15 Jahren. - Ja ich weiß, jetzt widerspricht sich alles. Nicole ist ja erst etwas mehr als ein Jahr alt - dachte ich. Doch jetzt stoße ich auf ein Foto von ihr, das vor etwa 45 Jahren aufgenommen wurde. Also gibt es Nicole wohl doch schon viel länger, nur ich wusste nichts davon. Und einen Namen hatte sie damals noch nicht. Aber sie war da, nicht nur tief in mir drin, sondern auch ein gutes Stück äußerlich - hier das Foto.

LG Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 104 im Thema

Beitrag von lexes » Fr 13. Jul 2018, 10:05

das ist doch wirklich ein schickes Foto ... Ich liebe diese "Patina" ( bei Fotos eher der Verlust an Farbtiefe und Verschiebung in den Blau-Rot-Bereich )

Ich weiß was Du mit "der jungen Nicole" meinst...

Generell ... Die Frise , die Couch .... seeehr lässig

Nicole Doll
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Re: Nicoles Galaxie

Post 105 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Sa 15. Sep 2018, 18:10

Kapitel 17; (Gender)Queer im Elfenland

Ich möchte mich hier auch mal wieder melden. Mit meinen Science-Fiction-Roman und dem „Transtopia” bei den Aldebaranern hänge ich mal wieder in einer Schreibblockade fest. Das ist bei Nicole nun erheblich stärker ausgeprägt als früher bei Nikolaus. Beim „Schreiben nur für die Festplatte” fehlt eben das vom Forum inzwischen gewohnte Feedback.

Nun fällt mir aber ein, dass ich in meinem Fantasy-Roman „Die Rache einer Elfe” schon lange vor meinem Outing über (Gender)Queeres geschrieben habe. Es geht um einen Besuch meiner rachsüchtigen schönen Kriegerin Amandrin als junges Mädchen bei den Kobolden. In einem späteren Kapitel des Romans gibt es auch noch einen schwulen Drachenreiter.

Die Kobolde lebten weit weg von den Siedungen der Elfen überall tief in den Wäldern. Von dort kamen sie Immer wieder zu den Elfen und plünderten deren Magazine. Die Elfen zogen sich dabei in ihre Häuser zurück und warteten, bis die Kobolde wieder davon ritten. Als „Gegenleistung” für die entwendeten Lebensmittel und Gegenstände, stellten die Kobolde immer etliche Flachen 'Braunen Würger' vor die Tür des Magazins. Das war ein sehr kräftiges Destillat aus Käutern und Pilzen mit viel Alkohol darin. Es war so ziemlich das einzige, was sie selbst herstellten und nicht bei den Elfen stahlen.

Hier also ein Auszug aus dem Roman vom Besuch bei den Kobolden:
.....
Amandrin ließ ihr Pferd zurück und schlich sich an das Dorf heran. Zwischen einer Hauswand und einem dichten Gebüsch kroch sie so weit an den Dorfplatz heran, dass sie ihn überblicken konnte. In der Mitte hatte man dort ein Lagerfeuer aufgeschichtet. Daneben stand ein Gestell mit einem Grillrost. Um den Platz herum in der Nähe der Häuser hatte man Tische und Stühle aufgestellt. An einem Haus waren Kisten aufeinander gestapelt. Davor standen auf einem Tisch viele Flaschen. Auf einem weiteren Tisch lag das Fleisch für den Grill.

Die Kobolde liefen herum und trugen alles zusammen, was man für ein Fest benötigte. Sie sahen alle abartig hässlich und schrecklich böse aus. Es war bereits fast dunkel, als man des Feuer anzündete. Dann wurde es plötzlich fast taghell. Große Lampen strahlten nun von allen Seiten auf den Platz. Es waren Lampen der Elfen, mit eingefangenem Sonnenlicht betrieben.

An einer Seite des Platzes fanden sich nun Musiker zusammen. Sie hatten große Trommeln, Trompeten, Fanfaren und Sackpfeifen. Bald trommelte, trötete und näselte alles durcheinander, so als wollte jeder Musiker für sich alleine erst einmal üben. Es war sehr laut und hörte sich schrecklich an. Keiner der Kobolde störte sich aber daran. Amandrin hatte die ganze Zeit große Angst. Sie blieb regungslos unter dem Gebüsch liegen und traute sich kaum zu atmen.

Nach und nach kamen nun die Kobolde auf dem Dorfplatz zusammen. Als das Feuer herunter gebrannt war, begann man das Fleisch zu rösten. Dann wurde gegessen und getrunken. Apfelwein, Honigwein und Brauner Würger flossen dabei in Strömen. Danach begannen die Musiker zu spielen. Nun ging es nicht mehr so durcheinander, es war aber wieder sehr laut und in den Ohren eines Elfen wenig melodisch.

Während man wie wild trommelte und die Trompeten, Fanfaren und Sackpfeifen spielten, führten die Kobolde wilde Tänze auf. Dabei zogen sie immer mehr Kleidungsstücke aus, bis sie schließlich alle nackt waren. Sie brüllten und schrien dabei wild durcheinander. Bei den Elfen wäre so etwas unmöglich gewesen.

Dann rannte eine Koboldfrau mit Krallen und Hörnern dicht an dem Gebüsch vorbei hinter die Häuser. Ein Kobold mit einer hässlichen Fratze, der am ganzen Körper behaart war, rannte hinter ihr her.

Er rief: "warte doch auf mich, du süße kleine Krallenziege."

Die Frau rief: "krieg mich doch, du Wuschelbärchen."

Die beiden rannten dann zwischen dem Dorf und dem Wald um die Häuser herum. Als sie einmal fast herum waren, erwischte der Mann die Frau und riss sie auf den Boden. Er stürzte sich auf sie. Dann lag sie breitbeinig auf dem Boden und der Mann ritt regelrecht auf ihr herum. Dabei schrie und stöhnte sie so laut sie konnte. Sie rief immer wieder: "Tiefer Bärchen, tiefer."

Amandrin hatte sich umgedreht und war auf die Rückseite des Hauses gekrochen. Nun bot das Gebüsch keine Deckung mehr. Die Krallenziege und der Wuschelbär waren aber so mit sich beschäftigt, dass sie die junge Elfe nicht bemerkten. Amandrin war vor Angst und Schrecken erstarrt und regungslos. Sie wagte es gar nicht sich vorzustellen, dass der Wuschelbär auch über sie her fallen könnte.

Eine schöne junge Elfe würde ihn sicherlich noch wilder werden lassen als diese hässliche Frau mit Hörnern und Krallen. Nachdem dieser Ritt immer schneller geworden war und die Frau immer heftiger geschrien und gestöhnt hatte, ließen sich die beiden auf den Boden fallen. Sie blieben eine Zeit lang liegen. Dann sprangen sie lachend und grölend auf und liefen davon. Amandrin erholte sich langsam von ihrem Schrecken. Dann wollte sie nur noch weg.

Sie stand auf und schlich zum Wald hinüber. Am Waldrand stolperte sie fast über zwei Koboldfrauen, die nackt im Unterholz lagen und aneinander herum fummelten. Sie stöhnten dabei genüsslich. Mit ihren Händen machten sie sie sich dabei an Körperteilen zu schaffen, die die Elfen immer bedeckt ließen.

Irgendwie sahen sie dort anders aus, als es Amandrin von ihrem eigenen Körper kannte. Sie hatten dort keine Haare und auch sonst war es irgendwie seltsam. Die Neugier trieb Amandrin dazu, stehen zu bleiben und länger dort hin zu sehen, obwohl sie Angst hatte, dass die beiden Frauen sie entdecken könnten. Die waren aber so mit sich beschäftigt, dass sie von Amandrin keine Notiz nahmen.

Schließlich schlich Amandrin weiter in den Wald zu ihrem Pferd. Nun wollte sie endgültig weg. Es war aber viel zu dunkel um den Pfad wieder zu finden, auf dem sie her gekommen war. Nur eine schmale Mondsichel spendete durch die Bäume hindurch etwas Licht. Das stand in einem starken Kontrast zu dem grell beleuchteten Dorfplatz.

Amandrin entschloss sich also, etwas zu schlafen und am nächsten Morgen den Weg zurück nach hause zu suchen. Zunächst war aber an Schlaf nicht zu denken. Auf dem Dorfplatz gab es ein lautes Geschrei. Dann krachte und schepperte es dort. Offensichtlich gab es eine schreckliche Prügelei.

Einige Zeit später schrie einer der Kobolde: "Schluss jetzt mit eurer blöden Streiterei. Ihr seit ja alle total besoffen. Geht endlich nach hause."

Dann ging das Licht aus. Es gab ein Gemurmel auf dem Platz und kurze Zeit später wurde es still. Endlich konnte sich Amandrin zur Ruhe begeben. Sie legte sich zusammen mit ihrem Pferd auf den Waldboden und kuschelte sich ganz dicht an das Pferd heran. Kurze Zeit später schlief sie ein.

Als sie aufwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Das Pferd war schon lange vorher vorsichtig aufgestanden und hatte sie auf dem Waldboden weiter schlafen lassen. Sie schaute sich um. Vor ihr stand nun in einer Rüstung mit Pfeilen, Bogen und Schwert der Wuschelbär und grinste sie an. In seinem Arm hielt er die Krallenziege. Sie trug ein Kleid, das viel zu schön für so eine hässliche Koboldfrau war. Hinter ihm standen die anderen Kobolde aus dem Dorf, Frauen und Männer.

Der Wuschelbär begann zu sprechen: "Was verschafft uns die Ehre für so einen reizenden Besuch? Sei gegrüßt, schöne Elfe. Warum hast du dich denn gestern bei uns nicht vorgestellt? Du hättest mit feiern können. Es gab Röstfleisch, Apfelwein, Honigwein und Braunen Würger - und eine herzerfrischende Prügelei. Jetzt hast du bestimmt Hunger und Durst. - Schade, wir Kobolde hätten alle gerne einmal eine so schöne Elfe in den Armen gehalten"

Die Krallenziege warf dem Wuschelbär einen bösen Blick zu. Amandrin entgegnete: "In den Armen gehalten? Auf mir rum geritten meinst du wohl, damit ich stöhne und schreie. Ich will jetzt nur noch hier weg. Lasst mich bitte gehen."

Der Wuschelbär schaute Amandrin streng an und sagte: "Geehrte Elfe, wir sind Kobolde und keine wilden Tiere. Wir wären nur dann auf dir herum geritten, wie du es zu nennen pflegst, wenn du es ausdrücklich gewollt hättest. Uns Kobolden macht das jedenfalls unheimlich viel Spaß. Vielleicht solltest du es einfach einmal ausprobieren. - Ich möchte dir vorschlagen, dass du jetzt in unser Dorf kommst und erst einmal ordentlich frühstückst. Dein Pferd könnte auch mal wieder etwas zu sich nehmen. Dann schaust du dir unser Dorf an und sprichst mit uns. - Du bist doch nicht den weiten Weg hier her gekommen um sofort wieder weg zu gehen.- Wenn du aber gehen willst, kannst du natürlich gehen."

Amandrin zweifelte, ob sie den Kobolden trauen konnte. Sie hatte ja gelernt, dass Kobolde hinterlistig und böse waren. Wie weit wäre sie aber gekommen, wenn sie versucht hätte weg zu laufen? Also stand sie auf und ging mit den Kobolden in das Dorf.

Der Dorfplatz sah immer noch aus wie ein Schlachtfeld. Überall lagen Flaschen und abgenagte Knochen herum. Man war aber dabei alles weg zu räumen. Auf einem Tisch waren geröstetes Fleisch und verschiedene Beeren aus dem Wald angerichtet. Daneben stand ein Becher mit einer dampfenden dunkelbraunen Flüssigkeit. Amandrin setzte sich an den Tisch.

"Was ist das?" fragte sie und zeigte auf den Becher.

Eine Koboldfrau antwortete: "Das machen wir aus gerösteten Eicheln und Buchäckern. Davon werden wir wieder wach, wenn wir zu viel von dem Braunen Würger getrunken haben. Das gehört bei uns zu einem Frühstück immer dazu."

Amandrin nahm einen Schluck. Es schmeckte streng aber süß, nach Honig. Das heiße Getränk brachte sie tatsächlich in Schwung. Nun griff sie auch bei dem Fleisch und den Beeren zu. In der Zwischenzeit versorgten die Kobolde ihr Pferd.

Das Dorf wirkte auf Amandrin recht trostlos, Es gab keine bunt bemalten Schnitzereien an den Häusern und keine Gärten. Alles war dort einfach und funktionell. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie man sich dort wohl fühlen konnte. Und was sie von dem wilden Fest am letzten Abend halten sollte, wusste sie auch nicht.

Sie hatte bei den Elfen von wilden Gelagen der Kobolde gehört, bei denen es angeblich im Vollrausch von dem Braunen Würger jeder mit jedem treiben würde. Es wurde auch erzählt, dass die Kobolde bei einer Verlosung festlegen würden, wer jeweils der Vater war, wenn dann später die Kinder auf die Welt kamen. Zumindest bei dem Wuschelbär und der Krallenziege schien es aber anders zu sein.

Amandrin aß von den Fleisch und den Beeren und leerte den Becher mit dem heißen Getränk. Dabei starrte sie in Gedanken versunken in die Luft.

Ein Kobold fragte sie: "Schöne Elfe, erzähl uns doch bitte, warum du hier her gekommen bist, zu uns hässlichen, bösen und hinterlistigen Kobolden."

Amandrin antwortete: "Wir Elfen sagen oft zu unseren Kindern: wenn du dich nicht ordentlich benehmen willst, dann geh doch zu den Kobolden. Meine Eltern wollten nicht mehr, dass ich weiter in ihrem Garten mit helfe. Ich sollte mir in einem anderen Dorf eine Beschäftigung suchen. Da habe ich gedacht: das will ich nicht, dann schaue ich mir lieber einmal an, wie die Kobolde leben. Also bin ich hier her geritten. - Aber hier gefällt es mir auch nicht, ich reite wieder zurück."

Der Kobold entgegnete: "Schade, wir würden uns sehr freuen, wenn du hier bleiben würdest, aber wir halten niemanden gegen seinen Willen hier fest. Also lebe wohl, schöne Elfe, und finde bald, was du suchst."

Amandrin stand auf und rief: "Also lebt wohl, Kobolde."

Dann ging sie zu ihrem Pferd, stieg auf und ritt davon. Sie folgte wieder dem Pfad, auf dem sie her gekommen war. Dabei ging ihr einiges durch den Kopf. Irgendwie waren die Kobolde ganz anders, als man es ihr immer erzählt hatte. Die schreckliche Angst am Abend bei dem Fest war wohl völlig unbegründet.

Ihr wurde nun klar, dass es zwischen Mann und Frau bei den Elfen auch nicht wesentlich anders zuging als bei den bei den Kobolden. Nur Elfen redeten über so etwas nicht. Von anderen älteren Kindern hatte sie schon hier und da einiges gehört. Etwas seltsam war nur das, was die beiden Frauen da miteinander gemacht hatten. Konnte es aber vielleicht sein, dass es auch bei den Elfen so etwas gab und man darüber auch nicht redete?

Es gab jedenfalls immer einmal ein Paar zweier Jungen oder Mädchen, die eine sehr enge Freundschaft pflegten. Da musste es mehr geben, als das, was eine normale Freundschaft ausmachte. Amandrin hatte den Eindruck, dass sie an diesem einen Tag bei den Kobolden mehr gelernt hatte, als die ganzen langweiligen Jahre bei ihrem ständig schlecht gelaunten Lehrer.

Da sie ziemlich spät am Tag bei den Kobolden fort geritten war, wurde es bald dunkel. Es war nicht mehr hell genug um den Pfad zu erkennen. Also übernachtete sie erst einmal. Sie legte sich wieder neben ihr Pferd auf den Waldboden und schlief bald ein. Dann ging es recht früh am nächsten Morgen weiter. Amandrin war nun sehr gut gelaunt.

Sie dachte wieder an die alte Zeit mit Kobolden und Drachenreitern. Aus voller Brust sang sie das alte Lied von Scharanthurim dem Drachenzähmer. Es war ein typisches altes Lied mit einfacher Melodie und einfachem Reimschema, das man leicht auswendig lernen konnte. In den Büchern war es, wie die meisten Lieder und Gedichte der Elfen, in Runen-Kurzschrift verfasst. Der Name Scharanthurim bedeutet Mut eines Bären (Scharan = Mut, Thur = Bär). Also sang sie in der Sprache der Elfen:

Mit Kraft und Mut ritt er hinfort
weit weg zu einem Drachenort.
Den Drachen wollte er bezwingen,
sein Ei dann mit nach hause bringen,
ein braves Tier daraus zu machen,
das Koboldland dann zu bewachen.

Scharanthurim, so hieß der Reiter
trotz Grauen ritt er immer weiter.
Er hatte nur Axt, Schwert und Speer,
den Drachen töten, das war schwer.
Nun hoffte er auf großes Glück,
nur mit dem Ei wollt' er zurück.

Ins Drachenherz den Speer zu bringen,
welch' große Tat sollt' ihm gelingen?
Er sah sich in der größten Not,
traf nicht der Speer, so war er tot.
Doch siegte er mit List und Kraft,
und hat das Ei nach haus' geschafft.

Ein kleiner Drache wuchs heran,
und eine gute Zeit brach an.
Kein Drache flog mehr über's Land,
kein Kobold so sein Ende fand.
Scharanthurim wurd' Drachenreiter,
sein Ehr' und Ruhm erzählt man weiter.

Das Seitental führte Richtung Westen und wurde immer schmaler. Nicht weit vom Bach ragten dicht bewaldete steile Hänge nach oben. Bald erreichte Amandrin eine Weggabelung. Nach Norden führte dort ein Weg zu einem Wasserfall. Das Rauschen des Wasserfalles war in der Ferne zu hören. Nun waren es nur noch etwa zwei Stunden Fußmarsch bis zu ihrem Dorf.
.....
Um das ganze etwas plastischer zu machen hier noch eine Angabe zum Ort des Geschehens: Es ist ein Seitental der oberen Elbe (Im Roman 'Der Breite Fluss'), das von Bad Schandau zu einem Wasserfall führt. Heute fährt in diesem Tal eine Straßenbahn.

Eure Nicole

the-tram-2821010_640.jpg

PS: Der Roman passt natürlich - wie eigentlich immer bei mir - Überhaupt nicht ins Genre. Da haben die Elfen und Kobolde elektrisches Licht, und die Musik dürfte sich wie irgendwas zwischen Hardrock und Freestyle-Jazz angehört haben. )):m
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