Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?
Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang? - # 4

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Anja
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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 46 im Thema

Beitrag von Anja » Mi 7. Feb 2018, 14:06

Hallo Svenja,

vielleicht hilfts ja weiter.
Ich hatte mal eine längere Beziehung mit einer Frau, die mit meiner Leidenschaft für Damensachen auch nichts anfangen konnte. Ich habe das Thema aber immer zu Anfang einer Beziehung angesprochen, so war ich nie in der Zwickmühle mich später irgendwann outen zu müssen. Jedenfalls einigten wir uns darauf, das sie es nicht sieht, ich also meinem Verlangen z.B. im Schlafzimmer nachgehe, während sie im Wozi nen Film guckt oder so... Wenn sie mal nicht zu Hause war, war die Freiheit natürlich größer. Aber so kam ich nie in Erklärungsnot falls ich mal etwas vergaß wegzuräumen oder musste meine Sachen verstecken.
deine Frau hat glaube ich keine Ahnung, was du ihr eigentlich sagen willst, mit den ganzen Andeutungen. Sie bezieht es immer auf einen Mann.
Ich glaube mit Andeutungen kommst du nicht weiter, irgendwann wirst du mit der Wahrheit rausrücken (müssen). Wenn sie die dann kennt, ist das eine ganz andere Diskussionsgrundlage und sie kann dein Verlangen dann vielleicht nachvollziehen.
Wie auch bei meiner damaligen Freundin kann ihr natürlich das eine oder andere peinlich sein. Aber dann kann man auch Kompromisse finden, mit denen beide leben können. Zur damaligen Zeit hatte mir das jedenfalls gereicht, das ich Damensachen anziehen und so Zeit verbringen konnte. Sie hat ein Recht darauf zu sagen, das sie das nicht sehen möchte. Sie hat aber nicht das Recht mir das zu verbieten...

Grüße
die Anja
WER WILL FINDET WEGE. WER NICHT WILL FINDET GRÜNDE.

sbsr
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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 47 im Thema

Beitrag von sbsr » Mi 7. Feb 2018, 20:50

Hallo Anja,

ganz so einfach ist das leider nicht. Mir geht es tatsächlich um Crossdressing im wörtlichen Sinn, also um Kleidung, die ich schön finde und deshalb gerne tragen würde, die es so für Männer aber nicht gibt. Ich habe keine Bestrebungen als Frau zu leben. Wenn ich als Frau zum Stammtisch gehe, dient das Passing in erster Linie dazu, kein allzu großes Aufsehen zu erregen. Natürlich nicht nur, ich liebe auch das Gefühl von langen Haaren und fühle mich geschminkt hübscher, also ein Teil Mädchen ist unbestritten dabei.

Im Schlafzimmer im Kleid rum sitzen ist nicht das, was ich möchte, das gibt mir nichts. Im Kleid zur Arbeit oder Einkaufen wird auf ewig ein Traum bleiben, damit kann ich aber auch halbwegs gut leben. Oberteile und Jacken in schönen Farben und bequeme Schuhe mit leichtem Absatz würden mir zunächst schon reichen.

Eine solche Vereinbarung würde bedeuten, ich könnte die Sachen nie tragen wenn sie dabei ist und müsste sozusagen beim Verlassen und Betreten des Hauses immer die Kleidung wechseln.
Außerdem spielt, soweit ich die Reaktionen meiner Frau deuten kann, das Thema Fremdschämen eine große Rolle, also auch dann wenn sie nicht dabei ist. Ich bin mir immer noch nicht sicher (ich glaube sie auch nicht), ob sie wirklich ein Problem damit hätte, mich in Damenkleidung zu sehen. Oder ob das weit größere Problem ist, dass sie Angst vor negativen gesellschaftlichen Reaktionen hat, wenn ihr Mann "so" in der Öffentlichkeit rum läuft.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 48 im Thema

Beitrag von Anja » Do 8. Feb 2018, 09:20

Hallo Svenja,

mein damaliger Kompromiss sollte lediglich als Beispiel dienen. Damit meinte ich nicht das es genauso auch für dich / euch passen soll. Ich wollte damit nur aufzeigen, das es auch Lösungen geben kann, wenn der Partner garnicht damit zurecht kommt. Wenn es dir eigentlich darum geht, Frauensachen im Alltag zu tragen, ist das natürlich keine Lösung.
Die könnt ihr nur gemeinsam finden.
Ich drücke dir jedenfalls die Daumen, das du noch einen Weg findest, zu deiner Frau durchzudringen.

Grüße
die Anja
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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 49 im Thema

Beitrag von sbsr » Fr 9. Feb 2018, 13:58

Keine Sorge, hab Dich schon richtig verstanden, und nochmal drüber nachgedacht ist was dran. Immerhin verstecke ich meine jetzige Alltagskleidung ja jetzt auch schon. Das könnte so bleiben, sie bräuchte auch künftig nichts davon sehen, nur dass ich nicht ganz so kreativ mit Waschen und Trocknen sein müsste. Das wäre schon mal eine Erleichterung.

Naja, im Moment gebe ich jetzt trotzdem erst mal Ruhe. Ich habe mich etwas beruhigt und komme wieder klar mit der Aussicht auf einmal im Monat Frau sein. Nur Bekleidungsgeschäfte muss ich wohl in nächster Zeit meiden, damit es zu keinem weiteren "will ich haben" Anfall kommt.
LG, Svenja

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 50 im Thema

Beitrag von Brigitta » Fr 9. Feb 2018, 15:27

Hallo Svenja,
wenn Dir das reicht ...
sbsr hat geschrieben:
Fr 9. Feb 2018, 13:58
... komme wieder klar mit der Aussicht auf einmal im Monat Frau sein ...
... ist doch schon viel erreicht!
Bei mir ist es seltener als einmal im Monat, dass ich die Gelegenheit zum 100% Frausein habe, ...
... doch in der übrigen Zeit betreibe ich eben Crossdressen im wörtlichen Sinne ... und komme damit gut zurecht.
(smili)

Allerdings würde bei mir bedeuten ...
Nur Bekleidungsgeschäfte muss ich wohl in nächster Zeit meiden, damit es zu keinem weiteren "will ich haben" Anfall kommt.
... dass ich auch auf's Internetsurfen verzichten müsste, denn da erscheinen ständig so attraktive Angebote auf meinem Bildschirm ... :mrgreen:
(ki)

Liebe Grüße
Brigitta ))):s
Nicht jede Frau kann eine Gazelle sein. (Elena Uhlig)

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 51 im Thema

Beitrag von sbsr » Fr 9. Feb 2018, 19:02

Brigitta hat geschrieben:
Fr 9. Feb 2018, 15:27
wenn Dir das reicht ...

Bei mir ist es seltener als einmal im Monat, dass ich die Gelegenheit zum 100% Frausein habe, ...
Einmal im Monat zum Stammtisch, das muss sein. Nicht immer ganz einfach, Klamotten und Utensilien unbemerkt ins Auto und wieder zurück zu schaffen, aber inzwischen bin ich schon Profi im Umziehen und Stylen im Auto. Das ist so eine tolle Runde jedes mal dort, da lohnt sich jede Mühe.

Ich versuche mir einzureden, dass mir das reicht. Auch wenn ich mir wünschen würde, öfter so ausgehen zu können.
LG, Svenja

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 52 im Thema

Beitrag von Mina » Fr 9. Feb 2018, 19:26

sbsr hat geschrieben:
Fr 9. Feb 2018, 19:02
Ich versuche mir einzureden, dass mir das reicht. Auch wenn ich mir wünschen würde, öfter so ausgehen zu können.
Musik ist nicht relativ. Oftmals verbirgt sich die Wahrheit dahinter. Du wirst geliebt, Du selbst liebst. Was wäre aufrichtige und wahrhafte Liebe? Das kompromisslose zueinandergestehen?



Und der übersetzte Text:

Dein Herz ist nicht offen, deshalb muss ich gehen
der Bann wurde gebrochen, ich liebte dich so
Freiheit kommt, wenn du lernst, gehen zu lassen
Kreation kommt, wenn du lernst, nein zu sagen
geh fort

du warst meine Lektion, die ich lernen musste
ich war deine Festung, die du verbrennen musstest
Schmerz ist eine Warnung, dass etwas falsch ist
ich bete zu Gott dass es nicht lange dauern wird


es gibt nichts mehr, was man versuchen könnte
es gibt keinen Platz mehr, an dem man sich verstecken könnte
es gibt keine größere Kraft, als die Kraft des "aufwiedersehens"

Dein Herz ist nicht offen, deshalb muss ich gehen
der Bann wurde gebrochen, ich liebte dich so
du warst meine Lektion, die ich lernen musste
ich war deine Festung, die du verbrennen musstest

es gibt nichts mehr, was man versuchen könnte
es gibt keinen Platz mehr, an dem man sich verstecken könnte
es gibt keine größere Kraft, als die Kraft des "aufwiedersehens"
es gibt nichts mehr zu verlieren
es gibt kein Herz mehr zu zerquetschen
es gibt keine größere Kraft, als die Kraft des "aufwiedersehens"
lerne, auf wiedersehen zu sagen
ich lerne, auf wiedersehen zu sagen


Quelle: http://www.songtexte.com/uebersetzung/m ... 6a17e.html
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 53 im Thema

Beitrag von sbsr » Di 13. Feb 2018, 09:23

Hallo Michi,

ich beantworte das jetzt mal hier, in Ninas Thread geht es ja um was anderes.
MichiWell hat geschrieben:
Mo 12. Feb 2018, 17:56
sbsr hat geschrieben:
Mo 12. Feb 2018, 09:29
Das Kleid hatte ich vorher nur im Keller anprobiert, wenn die Liebste im Wohnzimmer am Fernseh Schlafen war. Wir haben in unserem "Partykeller" einen antiken Spiegel hängen, der ist aber nur einen knappen halben Meter groß.
Makeup hatte ich mir erst wenige Tage vorher anlässlich des Stammtischs gekauft und nur im Badezimmer kurz ausprobiert, ob und wie damit der Bartschatten in den Griff zu bekommen ist.
ganz ehrlich: Das hätte ich nicht gekonnt. Ich hätte hinterher noch stundenlang gezittert und wäre aus Angst vor Entdeckung fast gestorben.
sbsr hat geschrieben:
Mo 12. Feb 2018, 09:29
... Arme und Beine enthaart, ...
Wie hast du das vor deiner Frau verheimlicht? Oder entfellst du dich regelmäßig?
Die Neugier war größer als die Angst. Mit T-Shirt und Hose bekleidet nur kurz das Kleid drüber gezogen, probieren ob es mir überhaupt passt und wie es mit Petticoat fällt. Mein erstes Stammtisch Kleid ist ein ärmelloses Strech Sommerkleid ohne Reisverschluss, da kommt man ohne Probleme recht schnell raus.

Außerdem kann man die Gewohnheiten der Partnerin manchmal auch zu seinem Vorteil nutzen, sie ist nämlich etwas faul was Treppensteigen betrifft. Selbst wenn sie in den paar Minuten aufgewacht wäre und etwas aus dem Keller gebraucht hätte, wäre sie nicht runter gegangen, sondern hätte gesehen dass im Treppenabgang Licht brennt, ich also unten bin, dann hätte sie mich gerufen damit ich das Gewünschte mit hoch bringe :D

Das Makeup habe ich nur ein wenig ausprobiert, also nicht komplett geschminkt, sondern nur an Kinn und Wange ein wenig drauf um zu testen, wie sich das auftragen lässt und ob es deckt. Ein klein wenig Kayal, auch nur um zu sehen wie das geht, und festzustellen dass ich mich dafür zu ungeschickt anstelle. Danach alles doppelt und freifach mit Waschlotion abgewaschen, damit keine Rückstände bleiben.

Da ist das Abschminken nach dem Stammtisch anspruchsvoller. Meine Frau hat die Eigenheit, nicht ins Bett zu gehen, so lange ich nicht zuhause bin. Das heißt ich muss mit Abschminktüchern im Auto alles möglichst restlos weg bekommen. Zumindest so weit, dass sie im Halbschlaf nichts bemerkt.

Arme und Beine rasiere oder epilliere ich regelmäßig, das ist sie gewohnt. Beim ersten mal war sie etwas erstaunt, fand es aber eigentlich gut.
LG, Svenja

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 54 im Thema

Beitrag von MichiWell » Di 13. Feb 2018, 21:19

Hallo Svenja,

danke für die ausführliche Antwort. Ich mach's heute mal kurz, mir geht's nicht so gut.
Ich hab mich auch schon unterwegs abgschminkt, aber ich hatte hatte immer das Gefühl, dass man das kilometerweit riecht.

Liebe Grüße
Michi
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen.

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 55 im Thema

Beitrag von sbsr » Mi 7. Mär 2018, 11:59

Es hat begonnen, Strumpfhosen Teil 2: Ein geplantes Zwangs-Outing.

Vor einiger Zeit habe ich eigentlich tatsächlich für meine Frau zwei Light Legs Strumpfhosen gekauft, weil sie auch regelmäßig über schwere Beine klagt. Sie hat direkt eine davon zur Arbeit angezogen, kam am Abend nach Hause und die Strumpfhose war im Zwickel gerissen. Insofern eine kleine Anti-Schleichwerbung, die Dinger halten nicht, was sie versprechen. Ersatz habe ich problemlos bekommen, allerdings lagen die beiden Päckchen derweilen unangetastet in ihrem Kleiderschrank.

Angesichts des kalten Wetters in den letzten Wochen dachte ich mir, für den Schrank waren sie zu teuer, habe mir eine raus genommen und statt meiner üblichen Stütz-Kniestrümpfen angezogen. Nach mehrmaligem Tragen muss sie nun in die Wäsche. Keine Ahnung warum und wieso, aber mir ist entgegen anderlautender Gedanken in letzter Zeit dieses Versteckspiel einfach zu dumm geworden. Deshalb habe ich die Strumpfhose nicht zu "meiner" Schmutzwäsche im Kellerversteck, sondern in unseren normalen Wäschekorb im Badezimmer gepackt. Die fehlende Packung im Schrank hat sie bislang noch nicht bemerkt, spätestens beim Ausräumen der Wäsche wird ihr die Strumpfhose in die Hände fallen, wohl wissend, dass sie sie nicht selbst getragen hat.

Jetzt könnte man denken, warum ich nicht einfach gesagt habe, "ich nehme mir eine von den Strumpfhosen". Vermutlich hätte das wieder eine Diskussion gegeben. Im Nachhinein kann ich sagen, mir war es auf dem Weg ins Büro zu kalt, deshalb habe ich mir eine davon genommen. Sie selbst hat es nicht bemerkt, also scheint es nicht aufgefallen zu sein.

Fraglich ist nun nur noch, wie weit ich mich bei diesem zu erwartenden Gespräch traue. Das wird wohl situations- und stimmungsabhängig sein.
LG, Svenja

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 56 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Mi 7. Mär 2018, 13:58

Hi Svenia, hallo@all PTL hier!

Habe mir jetzt die Mühe gemacht praktische alle Beiträge des Threads zumindest diagonal nachzulesen und je mehr ich las, desto trauriger und auch manchmal wütender wurde ich. (ag)

Warum? -- Nun, wenn wir uns mal vor Augen führen, dass es im Jahre 2018 p.Chr.n., in einer angeblich so aufgeklärten, toleranten und weltoffenen Gesellschaft wie der unseren, noch derartiger Verrenkungen, Tricksereien, Heimlichkeiten und Verbiegungen bedarf, um einer Partnerin, Ehefrau, dem Umfeld, ... usw. wenigstens ein klitzekleines bisschen Ignoranz auszutreiben, die eigentlich selbstverständliche TOLERANZ und OFFENHEIT abzutrotzen, dann sind das weiß Gott keine individuellen Probleme mehr, sondern da läuft gesellschaftlich etwas verdammt schief!

Wie lange wollen wir uns das noch bieten lassen?

Überall werden CD's (TG/TS/TI) noch immer / IMHO wieder mit zunehmender Tendenz abgelehnt, stigmatisiert oder pseudo-akzeptiert, aber die Grunderkenntnis, dass WIR alle weder pervers, noch abnormal, noch krank sind, sondern lediglich ANDERS als der Mainstream, als die NORM desselben, ist alles andere als in den Hirnen und Herzen verankert bzw. angekommen.
Ich habe schon lange keine Lust mehr Lebenszeit und Energie darauf zu vergeuden, gegen diese IGNORANZ und die STIGMATA anzurennen.

Wir brauchen uns auch nicht mehr zum 1001 Mal dafür rechtfertigen, was bis zur französischen Revolution / bis zur Zeit der AUFKLÄRUNG völlig selbstverständlich war: Männer wie Frauen trugen eine Mode, die sie SCHMÜCKTE, die sie zu Individuen der Selbstinszenierung machte. Verspielte Elemente, Absätze aller Art, Strumpfhosen, fließende Stoffe, Spitze, Farbigkeit, Schminke, ... alles war UNISEX und galt als vornehm sogar, weil es von den oberen Schichten der Bevölkerung bis nach "unten" durchsickerte. Doch dann -- mit der sonst so wichtigen "AUFKLÄRUNG" -- wurde alles weiche, weibliche, schmückende, farbige, spielerische, ... ganz aus dem Männerbild der nachfolgenden Epochen mehr und mehr verbannt. Plötzlich musste der Mann ein normiertes, konfektioniertes und konformistisches Bild abgeben, dass ER als Mann wahrgenommen wurde -- wehe wenn er es nicht tat, dann traf ihn fortan die geballte Ausgrenzung! :roll: (Von den kurzlebigen Flashbacks einiger Momente der Zeitgeschichte mal abgesehen)

Kurzum: Wir leiden heute noch an den Folgen dieses historischen Einschnittes, von dem sich bisher nur die BioFrauen erholt haben, NICHT aber das Männerbild in seinen Grundfesten. DAS ist das eigentliche Problem, gegen das endlich die Mannsbilder aufbegehren müssen, bevor sie noch den Rest an INDIVIDUALITÄT verloren haben werden. Zu beliebig austauschbaren Objekten der reinen Nützlichkeit im besten Fall verkommen. Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, dass der /die eine oder andere hier (so wie ich selbst) das Glück hat, ein weltoffenes, kluges und tolerant-mutiges weibliches Wesen als Partnerin an der Seite hat! Das sollte uns höchstens Mut machen, dass wir etwas VERÄNDERN können. Aber keineswegs nur in der Komfortzone der Nutzung der mühsam eroberten Nische verharren! (yes) (yes)

In diesem Sinne, hoffe ich, mein "Rant", mein "Manifest", hat Euch nicht zu sehr verschreckt, denn ich kenne den Effekt auch aus anderen Foren, wo man / frau erst einmal Grassroots-Arbeit in den eigenen Reihen oft leisten muss ...

Rebellische Grüße,

Eure Ronda. (na)
"Life is what happens, while you're busy making other plans." [† John Lennon]

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 57 im Thema

Beitrag von sbsr » Mi 7. Mär 2018, 16:27

Hallo Ronda,

zunächst danke für Dein Interesse an meiner Geschichte. Ich gebe Dir vollkommen und uneingeschränkt Recht, dass wir mit einem erheblichen Missstand leben müssen. Trotzdem, versteh mich nicht falsch, bringen mich, in diesem meinem Fall hier mich ganz persönlich, Parolen nicht weiter. Ich merke das, wie stellenweise geschildert, am eigenen Leib, auf wie viel Ablehnung man stoßen kann, wegen Banalitäten. Da nutzen aus eigener leidvoller Erfahrung keine Reden, keine historischen Quellen und keine Referenzen. Meine Frau hat mit mir ein Problem, völlig egal wie viele Trans* Meschen es gibt, wie viele davon verständnisvolle Partnerinnen haben, oder was der Nachbar treibt.

Nach den vielen erfolglosen Redeversuchen bleiben für mich nur zwei Möglichkeiten. Eine davon, auf deren Stand ich bis vor kurzem noch war, ist weiter verstecken. Eines Morgens bin ich aufgewacht, habe mir einen Body vom hinter den T-Shirts versteckten Haufen aus dem Schrank geangelt, und kam zu dem Schluss, ich will/kann/schaffe das nicht mehr. Also wird jetzt die zweite Möglichkeit in Kraft treten, nämlich ihr zeigen, hey schau her, ich trage Strumpfhosen und Du merkts es nicht mal, also wo ist das Problem?! Ohne Argumente wie "früher..." oder "andere machen...", sondern ich möchte die Sachen anziehen, trotzdem bin ich unverändert ich.
LG, Svenja

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 58 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Mi 7. Mär 2018, 17:23

Hallo Svenia,

schade, dass Du meinen Beitrag als "allgemeine Parolen" missverstehst. Das ist er keinesfalls. Er hat SEHR viel mit Deiner individuellen Lage zu tun, Du bist geradezu ein perfektes Beispiel für das grundsätzliche Dilemma, in dem so viele von uns stecken.

Vielleicht hilft der Aphorismus ja ein wenig weiter:

"Wo kämen wir hin, wenn jeder ginge um zu sehen, wohin man / frau käme, wenn man / frau nur ginge, um zu sehen, wohin man / frau kommt, wenn man / frau nur ginge!"

Alles Gute weiterhin!

LG Ronda.
"Life is what happens, while you're busy making other plans." [† John Lennon]

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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 59 im Thema

Beitrag von evacampelli » Mi 7. Mär 2018, 17:43

Liebe Svenja, liebe ... (alle die geschrieben haben)
ich habe mit großem Interesse und gleichzeitig zunehmender Irritation diesen Thread gelesen.
Lustig: Ich bin tatsächlich in der Situation das meine liebste Frau nahezu ausschließlich maskuline Kleidung trägt. Jeans und karriertes Holzfällerhemd sind die Regel.
Über Pumps und Strumpfhosen oder gar MakeUp brauch ich nicht mit meiner Frau zu sprechen: Sie hat schlicht nichts von alledem.
Gut, einen Bart klebt sie sich nicht an und Ihr Busen passt eben auch in die Hemden weil - die sind schon weit genug...
Und um die gestellte Frage zu beantworten: Ja, ich liebe sie und steh zu meinem "weiblichen Kerl".
Mein persönliches Verständnis für Deine Frau hält sich von daher in Grenzen.

Ich versteh Dich liebe Svenja aber auch nicht so ganz. Du schreibst in Deinem Profil:

Auf der anderen Seite ist der Wunsch, eine (männliche) Prinzessin zu sein, schöne Kleider zu tragen, und lange rote Haare zu haben.
Zudem bist Du auf Deinem Profilbild geschminkt und siehst wirklich sehr feminin aus.

Was treibt Dich um? Willst Du als Frau wahrgenommen werden (zumindest zeitweise) und genießt das? Das ist etwas anderes als Du es beschreibst.
Meine Frau will jedenfalls nicht als Mann wahrgenommen werden, sondern sie trägt eben gerne maskuline Kleidung. So what?
Ich bin wirklich etwas verwirrt.

Liebe Grüße
Eva

sbsr
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Re: Mini-/Micro-/Nano-Outing, ein Anfang?

Post 60 im Thema

Beitrag von sbsr » Mi 7. Mär 2018, 20:55

Ronda_PTL hat geschrieben:
Mi 7. Mär 2018, 17:23
schade, dass Du meinen Beitrag als "allgemeine Parolen" missverstehst. Das ist er keinesfalls. Er hat SEHR viel mit Deiner individuellen Lage zu tun, Du bist geradezu ein perfektes Beispiel für das grundsätzliche Dilemma, in dem so viele von uns stecken.
Hallo Ronda,

tut mir leid, wenn ich Dich falsch verstanden habe :oops: Natürlich trifft das was Du schreibst auf mich zu, genau wie auf viele andere hier. Ich wollte mit meiner Antwort nur sagen, es nützt nichts meiner Frau das zu erklären, das habe ich so oft erfolglos versucht. Nun bekommt sie die Erklärung hinterher in praktischer Form, in der Hoffnung, dass das was bringt. Bewirken wird es etwas, nur die Richtung ist noch offen.

evacampelli hat geschrieben:
Mi 7. Mär 2018, 17:43
Ich versteh Dich liebe Svenja aber auch nicht so ganz. Du schreibst in Deinem Profil:

Auf der anderen Seite ist der Wunsch, eine (männliche) Prinzessin zu sein, schöne Kleider zu tragen, und lange rote Haare zu haben.
Zudem bist Du auf Deinem Profilbild geschminkt und siehst wirklich sehr feminin aus.

Was treibt Dich um? Willst Du als Frau wahrgenommen werden (zumindest zeitweise) und genießt das? Das ist etwas anderes als Du es beschreibst.
Hallo Eva,

die Verwirrung kann ich Dir nicht verdenken, oft bin ich mir selbst nicht ganz sicher. Ich versuche es mal zu erklären.

Es gibt diverse Kleidung, die ich als praktisch ansehe. Dazu gehören Strumpfhosen. Das hat erst mal noch nicht so viel mit CD zu tun, sondern ist einfach warm, und unter der Anzughose sieht sie niemand.

Dann gibt es Sachen, die schon etwas weiblicher sind, für mich aber immer noch zur praktischen Alltagskleidung gehören. Wie zum Beispiel ein Body aus leicht glänzendem Material mit Spitzenoptik Saum, im Gegensatz zum 0-8-15 Baumwoll Modell. Ich könnte mit dem Baumwoll leben, der andere ist aber doch etwas hübscher. Ebenso darf es lieber eine Feinstrumpfhose sein, statt Wolle. Ich weiß nicht, auf welcher Stufe zur Weiblichkeit man das einordnen soll.

Bis hierher wäre es schon mal ein riesen Schritt, wenn meine Frau zumindest mit dem Baumwoll Body oder der Wollstrumpfhose klar käme. Dann kann alles weitere noch kommen.

Nun kommen die Sachen, wo es schon schwieriger wird. Ich hätte mich unlängst in eine rosa Jacke verkuckt. Es ist nur eine Jacke, also erst mal etwas was ja Männer auch tragen, aber die Farbe machts. Die Jacke würde ich trotzdem auch im Alltag als Mann tragen, also für mich auch noch Alltagskleidung, nur halt mit einem femininen Attribut. Dazu bräuchte ich aber nicht als Frau wahrgenommen werden. Mann mit ausgefallenem Geschmack, what ever.

Käme ich mit meiner Frau bis hier her, oder könnten wir kleine Blockabsätze oder Stiefel über der Jeans noch drauf legen, wäre das schon der Wahnsinn.

Noch eine Stufe weiter wären dann farbig lackierte Nägel, auch die würde ich als Mann offen tragen, ohne dafür "Frau sein zu müssen". Ebenso die von Natur aus dunkelblonden Haare im Herrenschnitt, nur gerne rötlich-blond gefärbt.

Bis jetzt waren wir immer noch bei Mann, manche würden metrosexuell sagen, wie auch immer. An dieser Stelle kommt nun ein großer Sprung. Jetzt kommen wir zu Kleidern, langen Haaren und Makeup. All das brauche ich nicht jeden Tag, das heißt ich möchte nicht notwendigerweise als Frau leben oder im Alltag so gesehen werden. Aber von Zeit zu Zeit für einen (halben) Tag richtig hübsch machen, ein schönes Kleid, schicke Schuhe, die Haare auf den Schultern spüren. Princess for a day. Bislang geht das nur zum Stammtisch, sonst gibt es nicht wirklich Gelegenheiten. Das ist für mich einfach nur unbeschreiblich schön, dazu gehört dann auch ein Mädchenname, und dann will ich auch möglichst als Frau wahrgenommen werden und lege Wert auf Passing (weiß nicht ob das immer so gelingt).

In dieser Form möchte ich das meiner Frau beibringen, so sie denn den ersten Schreck mit der Strumpfhose halbwegs verkraftet. Insofern gut, dass Du danach gefragt hast, ist für mich eine Gelegenheit, um das selbst auch nochmal geordnet zu bekommen.

Dazwischen gibt es noch Aspekte wie Sommerkleid im Alltag statt Shorts und T-Shirt. Am liebsten wäre mir, einfach als Mann eins anzuziehen. Damit die Leute nicht ganz so blöd schauen, gerne mit Perücke und ordentlich rasiert. Also aus der Ferne dann doch wieder als Frau wahrgenommen. Da schwimme ich irgendwo zwischen den Welten, das weiß ich eben selbst nicht so recht einzuordnen.

Ob ich, wenn es darauf ankäme, wirklich ein Leben als Frau bevorzugen würde, um das alles tun zu können, kann ich im Moment selbst nicht beantworten. Ich tendiere zu nein, schließlich geht es im Großen und Ganzen überwiegend um Kleidung. Ich habe kein Problem mit meinem männlichen Körper, stehe zu 100% auf Frauen, und bin vor der Art her doch mehr Mann.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

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