Europäische Intersex-Bewegung in Wien: Kampf für Sichtbarkeit.
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Anne-Mette
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Europäische Intersex-Bewegung in Wien: Kampf für Sichtbarkeit.

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Beitrag von Anne-Mette » Do 30. Mär 2017, 12:24

Wien ist diese Woche das Zentrum des europäischen Intersex-Aktivismus. Grund dafür sind die menschenrechtsverletzenden Operationen und Behandlungen an intergeschlechtlichen Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen. Diese finden noch immer in mehr als zwanzig EU-Ländern statt, wie die Europäische Grundrechteagentur kritisiert.

"Geschlechtsverändernde Eingriffe an intergeschlechtlichen Menschen, die nicht vollkommen und umfassend aufgeklärt zustimmen können, stellen eine Verletzung der körperlichen Integrität dar und sind vehement abzulehnen", so Tinou Ponzer, Vize-Obmensch des Vereins intergeschlechtlicher Menschen Österreich. „Wir fordern daher rechtliche Anerkennung und umfassenden Schutz vor Diskriminierung. Insbesondere die Operationen und hormonellen Eingriffe an intergeschlechtlichen Kindern müssen sofort beendet werden!“ Auch das UN-Komitee gegen Folter verurteilt diese Operationen als unmenschliche Behandlungen und fordert deren Ende sowie Entschädigung für die Opfer.

Operationen nehmen nicht ab


Aktuelle Studien zeigen, dass trotz erhöhter medialer Aufmerksamkeit die Zwangsoperationen an intergeschlechtlichen Menschen nicht abnehmen. Anstatt Intergeschlechtlichkeit als natürliche Variation des Geschlechts anzuerkennen, werden Menschen mit gesunden Körpern weiterhin pathologisiert. 25 Jahre nach der Streichung von Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisationen finden sich im internationalen Katalog der Krankheiten, der „International Classification of Diseases“ (ICD-10), heute noch über 50 Diagnosen, die intergeschlechtliche Menschen als krank abwerten.

Die Bioethikkommission des Bundeskanzleramts hat sich mittlerweile mit der Thematik befasst. Eine Stellungnahme wird in den nächsten Wochen erwartet und gilt als richtungsweisend für die zukünftige gesetzliche Behandlung. „Es war längst überfällig, dass sich auch in Österreich ein Fachgremium mit dem Thema auseinandersetzt. Vergleichbare Stellen in Deutschland und der Schweiz haben das bereits vor Jahren gemacht“, so Eva Matt, Juristin der Plattform Intersex. „Wir erwarten uns von der Bioethikkommission wichtige Impulse für eine menschenrechtskonforme Lösung der medizinischen und rechtlichen Situation. Es braucht endlich auch in Österreich eine offen geführte Diskussion aller beteiligten Gruppen, um Veränderungen auch auf gesetzlicher Ebene herbeizuführen."

Intersex Konferenz 2017


"Intergeschlechtliche Menschen waren viel zu lange unsichtbar – das verändern wir", so Tobias Humer von VIMÖ. In den kommenden Tagen findet in Wien das weltweit erste Community Event von Mitgliedern des Europäischen Intersex-Dachverbands OII Europe statt. Es soll zur Vernetzung der regionalen Intersex-Initiativen beitragen. Gemeinsam mit der Wiener Antidiskriminierungsstelle (WASt) veranstalten der Verein intergeschlechtlicher Menschen Österreich und die Plattform Intersex am 1. April eine öffentliche Konferenz, zu der Vortragende aus ganz Europa und den USA anreisen. Ziel der Tagung ist die Sichtbarmachung von Intergeschlechtlichkeit in Österreich. "Eine Politik, die eine inklusive Gesellschaft anstrebt, muss sich auch mit den Bedürfnissen intergeschlechtlicher Menschen auseinandersetzen", so Tobias Humer abschließend.

Intersex-Aktivist_innen in Wien


http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_ ... ng-in-wien

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