Intersexuellen Kindern eine Chance geben!
Intersexuellen Kindern eine Chance geben!

Antworten
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 12078
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Hat sich bedankt: 464 Mal
Danksagung erhalten: 3394 Mal
Gender:

Intersexuellen Kindern eine Chance geben!

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 18. Jan 2017, 10:07

„Kosmetische Eingriffe an intersexuellen Kindern gehen nicht zurück!!!“ Haben wir kürzlich mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen müssen
(viewtopic.php?f=139&t=13274).
Vieles in Krankenhäuser geschieht „im Verborgenen“ – oder Behandlungen werden an Gesetze und Verordnungen angepasst oder Diagnosen so umgeschrieben, dass man sich dort nicht in Gefahr begibt, Behandlungsrichtlinien zu missachten.
Dabei bleibt das Kindeswohl, wie Erfahrungen intersexueller Menschen zeigen, auf der Strecke.
Weil viele Behandlungen „im Verborgenen“ stattfinden, haben von solchen Behandlungen betroffene Menschen später Mühe mit der Frage: „was haben sie als Kind mit mir gemacht?“
Manche Eltern wurden mit dem Ratschlag entlassen: „aber sagen sie nichts; wenn niemand und auch das Kind nichts davon weiß, wird es ganz normal aufwachsen".

Um so erfreulicher ist es, wenn KinderärztInnen, Hebammen, KrankenhausmitarbeiterInnen und andere medizinische Fachkräfte den Eltern sagen: „informieren Sie sich, lassen Sie sich unabhängig beraten, damit Sie Entscheidungen in Bezug auf medizinische Maßnahmen für das Kind mit dem bestmöglichen Informationshintergrund treffen können".
Dabei sollte das Angebot der Peer-Beratungen genannt und den Menschen ans Herz gelegt werden.
Beratungsmöglichkeiten gibt es in ganz Deutschland - für Erwachsene, aber auch für Kinder.
Werdende oder „neue“ Eltern können von den Erfahrungen anderer Eltern profitieren.

Gruß
Anne-Mette

ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2098
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Hat sich bedankt: 1803 Mal
Danksagung erhalten: 1053 Mal
Gender:

Re: Intersexuellen Kindern eine Chance geben!

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 » Mi 18. Jan 2017, 22:12

Danke, liebe Anne-Mette,

was mich extrem bekümmert, wie sehr diese Taten durch die Umstände auch später in der Tabuzone bleiben. Eltern schweigen häufig.
Aber auch Betroffene halten ihre Verstümmelungen, wenn sie es als Erwachsene - meist durch Zufall - erfahren, in der Regel geheim.
(Auf sowas ist jemand nämlich selten stolz!! -> So überträgt sich das Schweigen fast immer auf die operierten nun erwachsenen Kinder! )
Bisweilen versuchen sie als "Transsexuelle" irgendwie zum ursprünglichen, meist im frühen Babyalter weg operierten, Geschlecht zurück zu finden.
Es ist ein Drama!

Liebe Grüße
Andrea,

die in ihrem Leben vielen Menschen begegnete...
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

s_Roeckchen
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 728
Registriert: Sa 5. Jun 2010, 23:40
Pronomen:
Wohnort (Name): MUC
Hat sich bedankt: 28 Mal
Danksagung erhalten: 67 Mal
Gender:

Re: Intersexuellen Kindern eine Chance geben!

Post 3 im Thema

Beitrag von s_Roeckchen » Fr 20. Jan 2017, 22:42

Eltern sollten den Mut aufbringen entgegen des ärztlichen Rats, wenn es dem Kind gut geht ohne andere gesundheitliche Beeinträchtigungen befürchten zu müssen, das Kind aus der Klinik mit zu nehmen.
Was wollen die dagegen unternehmen? Jugendamt informieren mit der Begründung, wir wollen da noch etwas rumschippeln? Antwort ist nur: körperliche Unversehrtheit!
Doch leider bauen Ärzte oft genug ein Bedrohungsszenario, das bei den Eltern nur noch zu Panik führt.

Ich selbst habe ein Frühchen (30.Woche) und kenne die Argumente der Ärzte bzgl. Kindswohl. Da kann ich mir gut vorstellen wie da bei intersexuellen Kindern argumentiert wird.
BTW: das Frühchen ist inzwischen ein gesunder 17jähriger.

s'Röckchen
...ridicule is nothing to be scared of...
(A.Ant "Prince Charming")

lilijana
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 588
Registriert: So 21. Dez 2014, 09:16
Geschlecht: TS MzF
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Heilbronn
Hat sich bedankt: 99 Mal
Danksagung erhalten: 208 Mal

Re: Intersexuellen Kindern eine Chance geben!

Post 4 im Thema

Beitrag von lilijana » Sa 21. Jan 2017, 16:15

Hallo,

wie sollen Eltern da den Mut aufbringen, wenn sie nicht aufgeklärt sind. Da kommt so ein möchtegern Arzt daher und erzählt ihnen eine Geschichte, wie schwer es ihr Kind doch später haben wird, wenn es später mal in die Pubertät kommt und die Sexualität für sich entdeckt. Als gute Eltern möchte man natürlich seinem Kind solches Leid ersparen und macht was die Ärzte für richtig halten.
Die Eltern sollten bereits vor der Geburt umfassend durch unabhängige aufgeklärt werden, wenn es nicht durch die Ärzte passiert. Vielleicht könnten auch Hebammen etwas dazu beitragen, jedenfalls sollte das Thema in den Ausbildungsplan oder ins Studium mitaufgenommen werden. Nur so denke ich wird sich was ändern.

Grüße
Lilijana
Manche Menschen brauchen lange, bis sie geboren wurden.

s_Roeckchen
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 728
Registriert: Sa 5. Jun 2010, 23:40
Pronomen:
Wohnort (Name): MUC
Hat sich bedankt: 28 Mal
Danksagung erhalten: 67 Mal
Gender:

Re: Intersexuellen Kindern eine Chance geben!

Post 5 im Thema

Beitrag von s_Roeckchen » So 22. Jan 2017, 17:33

Das ist was ich der Ärzteschaft ankreide. Als Eltern bist du in einer Zwangssituation, aber anstatt die Eltern zur Ruhe kommen zu lassen, auf Hilfs- oder besser noch Beratungsangebote hinzuweisen, wird Druck auf Dich ausgeübt. Läßt Du auf diese Aktion eine adäquate Reaktion folgen, wird dir sofort vorgeworfen, dich interessiert das Kindswohl nicht.
Meine Meinung dazu, anstatt die Eltern als Partner fürs Kindswohl mit in eine fundierte Entscheidung einzubeziehen, ist die vorherrschende Denke, wir sind die Mediziner, wir wissens besser (anders tickende Exemplare gibt es, sind aber rar).
Das mit Aufnahme in Lehrpläne ist ein guter Ansatz, nur darf das wieder nicht von Indoktinierten gelehrt werden.

s'Röckchen
...ridicule is nothing to be scared of...
(A.Ant "Prince Charming")

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 12078
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Hat sich bedankt: 464 Mal
Danksagung erhalten: 3394 Mal
Gender:

Re: Intersexuellen Kindern eine Chance geben!

Post 6 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » So 22. Jan 2017, 17:41

Moin,
auf Hilfs- oder besser noch Beratungsangebote hinzuweisen,
Anlass für mein Posting war, dass die Ärztin eines Krankenhauses bei mir angerufen hat, um für so eine Beratungssituation zu sorgen.
Ich denke, das ist ein Beispiel, das Schule machen sollte: nicht drängeln, sondern Beratungsmöglichkeiten vor Ort kennen, nennen und zugänglich machen.

Gruß
Anne-Mette

Antworten

Zurück zu „Intersexuelle Menschen, Intersexualität“