FAZ: Das gute Recht der Eltern
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Anne-Mette
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FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 11. Nov 2014, 21:57

Moin,

"Kinder sind seit Jahren die Versuchsobjekte der Gender-Theorie".
Mit diesem Satz beginnt ein Artikel/Kommentar der FAZ, den Heike Schmoll verfasste.

Wer sich ein Urteil bilden möchte; kann hier nachlesen:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 58831.html

Gruß
Anne-Mette

Sylvia
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 2 im Thema

Beitrag von Sylvia » Mi 12. Nov 2014, 07:54

"Sachlich über Gender-Theorien zu streiten, scheint ähnlich unmöglich wie der nüchterne Diskurs über die Inklusion. Anhänger der Gender-Theorie nehmen an, dass sich das biologische Geschlecht bis zur Belanglosigkeit dekonstruieren lässt. Geschlechtsunterscheidungen wären dann nur die Ergebnisse sozialer Prägung, in den Augen der Gender-Theoretiker geradezu gewaltsame Zuschreibungen von Identität, häufig unter dem Diktat der Heterosexualität."

Der Kommentar beurteilt m.E. die Lage weitgehend richtig. Und nu?

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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 3 im Thema

Beitrag von Marielle » Mi 12. Nov 2014, 12:46

Hallo zusammen, Hallo Sylvia,

in wie fern beurteilt die Autorin aus deiner Sicht die Lage "weitgehend richtig"?

Das es "unmöglich scheint über Gender-Theorien sachlich zu streiten" mag ja eine halbwegs treffende Analyse der Situation sein. Warum das so ist, ist aber eine Frage an beide Seiten der Diskussion.


Das sich "das biologische (!) Geschlecht" dekonstruieren liesse, bzw. das irgendjemand ernstzunehmend versucht dies zu tun, wäre mir neu. Was die Autorin vermutlich meint, ist die Dekonstruktion des, im Denken der Sachstandswahrer_innen fest an das biologische Geschlecht gekoppelten, sozialen Geschlechts, der Geschlechterrolle. Spannend wäre es, ihre Meinung zur Ableitung der 'Nicht-Gleichberechtigung' von Frauen aus dem biologischen Geschlecht zu hören. Das wurde in Deutschland immerhin bis in die 1960er Jahre von Seiten der Gesetzgebung getan, andernorts wird das noch heute so praktiziert. Ob sie das auch zurückhaben will?


Ich halte diesen Kommentar für hinterhältig, weil er, unter anderem über das eingefügte Bild der Demonstration der besorgniserregenden Eltern, eine Botschaft transportiert ohne sie zu benennen und, wie fast immer in diesem Zusammenhang, ohne einen gehaltvollen Alternativvorschlag zu machen. Das Begriffe unsachlich (falsch) verwendet werden, macht da auch nicht mehr viel aus.

Habt es gut

Marielle
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 4 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne » Mi 12. Nov 2014, 13:03

Ups, ich denke, dass die Autorin aus meiner Sicht die Lage weitgehend falsch beurteilt. Was nun?

Das macht die Autorin ja mit Absicht, schließlich führt die "FAZ" eine Kampagne gegen das ach so schlimme Gendering. Da soll auch in der konservativen Intelligenzija der Boden bereitet werden für den Kulturkampf gegen all das Trans- und Homo-Geschwurbel, das unsere Gesellschaft infiltriert. Verzeiht mir meine Sprache, aber so langsam bin ich es leid, mich mit deren Positiionen auseinanderzusetzen. Haben die keine Zeitmaschine, mit der sie in die Sechziger zurückreisen können, als alles besser war?

Im Artikel wird den Gender-Wissenschaftlern mangelnde Distanz zu ihrem Forschungsgegenstand vorgeworfen - als ob es schaden würde, wenn ich mich mit etwas auskenne ... Lustig! Und so ungelenk, wie es formuliert ist, wird daraus: "weil sie Frauen sind". Ist klar, die wahren Gender-Experten sind die Männer, wie die netten Kommentare unter dem Text auch zeigen.

Vivian

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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 12. Nov 2014, 14:54

Moin,

ich denke, diese Artikel arbeiten sehr erfolgreich daran, Unwahrheiten zu verbreiten. Dass sie damit erfolgreich sind, beweisen die zahlreichen Leserkommentare, z.B. "Wer kann denn bitte guten Gewissens sein Kind in die Schule schicken, wenn er weiss dass es dort umerzogen werden soll?".

Allerdings ist für mich die Frage, ob es sich um "echte Kommentare" handelt. Mag auch sein, dass sie von solchen Stellen befeuert werden, die ein großes Interesse daran haben, dass es nicht zu einer ehrlichen fachlichen Auseinandersetzung kommt.

Gruß
Anne-Mette

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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 6 im Thema

Beitrag von Marielle » Mi 12. Nov 2014, 15:29

nochmals Hallo zusammen,


ich fürchte schon, dass die Kommentare ein Abbild der Bürger_innen-Meinung sind.



Zu meinem obigen Beitrag möchte ich noch was ergänzen:

Natürlich weiss ich, dass es tatsächlich auch Leute gibt, die über die (De-)Konstruktion des 'biologischen Geschlechts' nachdenken (die erwähnte J. Butler, J. Voss, A. Fausto-Sterling und andere). Daraus aber die Verallgemeinerung, "die" (sprich: alle...

Anhänger der Gender-Theorie nehmen an, dass sich das biologische Geschlecht bis zur Belanglosigkeit dekonstruieren lässt. Geschlechtsunterscheidungen wären dann nur die Ergebnisse sozialer Prägung, in den Augen der Gender-Theoretiker geradezu gewaltsame Zuschreibungen von Identität, häufig unter dem Diktat der Heterosexualität.

zu machen, ist genau die Art , die ein paar Zeilen weiter oben als "aggressive Form" angeprangert wird.

Wer über Butlers Ideen diskutieren will, soll das sagen. Da findet sich genug Diskussionsstoff. Wer aber informative, auf Gleichberechtigung zielende Unterrichtsinhalte ablehnt, soll das sagen. Darüber gibt es m.E. allerdings nichts zu diskutieren, solange auf einen ursprünglichen Vorschlag (dem damaligen Arbeitspapier zum Bildungsplan) nur Verunglimpfung und Desinformation folgt.

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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 7 im Thema

Beitrag von Sylvia » Do 13. Nov 2014, 09:12

Hm, da ich wusste, dass sich Widerspruch regen würde, konnte ich mir gestern den Kommentar nicht verkneifen. Allerdings war ich gestern den kompletten Tag beruflich unterwegs, so dass ich erst jetzt dazu komme, wieder etwas dazu zu sagen.

Eure Antworten zeigen m.E. durchaus im Ansatz genau die Problematik der "unmöglichen Diskussion" über dieses Thema. Was bei Euch durchklingt, auch wenn es nicht explizit formuliert wird, ist eben genau das "jeder, der sich erlaubt, die Gender-Diskussion aufs Korn zu nehmen, ist ein homo- und wasweißichnichtwasnochalles-phobes Arschloch...".

Das geht nach meinen Erfahrungen an der Wirklichkeit vorbei. Für die große Mehrheit der Menschen gehört "unser" Thema eben nicht zu ihrer Lebenswirklichkeit, entsprechend seltsam kommt es ihnen vor und entsprechend seltsam kommt ihnen auch der enorme Geldmitteleinsatz (Forschung) sowie das Überengagement vieler Vertreter von Genderthemen vor. In diesem Zusammenhang steht auch die Bemerkung über die Nähe der Forscher zu ihrem Thema. Wissenschaftlichkeit beruht auf professioneller Distanz. Die kann ich ehrlich gesagt bei den meisten Professixen, die sich öffentlich äußern, auch nicht erkennen. Diese Äußerung sind in der Regel durch und durch ideologisch und schaden damit m.E. (um jetzt mal auf den Punkt zu kommen) der Diskussion und "unserem" Anliegen, das doch sein sollte, nicht mehr als exotisch und seltsam wahrgenommen zu werden.

So viel für den Moment,
nix für ungut und beste Grüße,
Sylvia

Marielle
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 8 im Thema

Beitrag von Marielle » Do 13. Nov 2014, 12:27

Hallo, Guten Tag,

wie sollte man auch ohne Widerspruch eine ordentliche Diskussion führen? :wink:

Nach meiner Auffassung argumentierst du gleich zu Beginn mit einer Behauptung (auch durch "m.E." kenntlich gemacht, ok), die schlicht falsch ist. Ich kann von mir und den beiden anderen, die sich hier beteiligt haben, sagen, dass wir sehr wohl an einer offenen Diskussion interessiert sind. Aber eben nicht in der Form, wie sie insbesondere von denen betrieben wird, die die Einführung dieser Themen in den Schulunterricht ablehnen. Zur Erinnerung: Es gab ein Arbeitspapier mit Vorschlägen, dass durch eine Reihe von Leuten nicht sachlich 'wegdiskutiert' wurde, sondern gegen das mit einer öffentlichen Petition (die zunächst so 'einseitig' formuliert war, dass ihr Wortlaut erheblich geändert werden musste) vorgegangen wurde. Seit dem wird, wieder aus meiner persönlichen Sicht, nahezu ausschliesslich mit unhaltbaren Argumenten und Behauptungen gearbeitet, ohne dass es irgendeinen sachlichen Vorschlag zur Annäherung gegeben hätte. Stattdessen werden abstruse Theorien verbreitet, von Sexspielen in Kindergärten bis hin zum Vorwurf der Pädophiliefreundlichkeit. Ich bin überzeugt davon, dass die meisten Menschen bereit sind, über Art und Umfang von Bildungsinhalten dieser Art zu reden; ich selbst bin es aber nicht, wenn man mich in die Nähe von Verbrechern stellt.

Zur Sache: Ich bin nicht der Ansicht, dass 'unser Thema' an der Lebenswirklichkeit der Leute vorbeigeht. Es sind schliesslich auch sie selbst und ihre Kinder, die einen, bestenfalls, fassungslos angucken, wenn man mit 'männlicher Physiognomie' und im Rock im Supermarkt steht. Das wäre auch für sich allein kein Problem; sollen sie gucken. Es sind aber auch deren Kinder die ihre Mitschüler_innen nicht 'nett' behandeln, wenn diese nicht 'normal' sind; da hört der Spass allerdings endgültig auf. Meiner Ansicht nach wünschen sich viele, dass vieles an ihrer Wirklichkeit vorbeigehen möge; das zeugte aber nicht grade von offenem Interesse an einer funktionierenden Gesellschaft gleichberechtigter Mitglieder_innen.

Über den Punkt der öffentlich finanzierten Gender-Forschung kann man diskutieren, keine Frage. Eine Frage ist aber, warum diese Diskussion von seiten der 'Gegner_innen' mit der Bildungsplandebatte verwoben wird. Haben die in ihrer, von einer natürliche Ordnung geprägten, Weltsicht so wenig Sachargumente, dass sie auf solche Hilfskonstrukte angewiesen sind? Ich denke, so ist es. Mit Staatskosten als 'Argument' lässt sich jede Debatte gut an die Stammtische bringen.

Unter der Überschrift "223 Professuren in 30 Fachgebieten" * schreibt Schmoll: "Ziel einer solchen Erziehung wäre, dass jeder Einzelne seine geschlechtliche Identität am Ende aus einer Vielzahl von Auswahlmöglichkeiten herauszufinden vermag. " Das hat erstens nichts mit den Professorengehältern zu tun und, viel prägnanter: Der Konjunktiv "wäre" bedeutet meiner Lesart nach, dass sie eben dieses Ziel ablehnt. Wie kann man damit aus ihrem Artikel den Willen zu einer sachlichen Diskussion ableiten?


Ich glaube tatsächlich nicht, dass es die grosse Masse der Bevölkerung ist, die so denkt. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es naiv wäre, diese erkennbare Kampagne zu unterschätzen.

Habt einen guten Tag

Marielle

*) Wikipedia sagt: 2012 gab es an den 428 Hochschulen in Deutschland 43.862 Professoren. Davon sind 223 tatsächlich echte 0,51%...... sieht so ein vordringliches Problem für die Staatskasse oder das Bildungswesen aus?
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 9 im Thema

Beitrag von LaraC » Do 13. Nov 2014, 13:00

"Unmöglich" würde ich die Diskussion nicht unbedingt nennen. Das Problem ist doch viel eher, dass die meisten Kritiker keine Ahnung vom Thema, das sie kritisieren, haben. Sie wissen nicht, was da geforscht wird und worum es bei "der Gender-Debatte" (die es so als uniformen Block ja gar nicht gibt) überhaupt geht. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Kritiker ein homophobes/misogynes A*loch ist. Aber da sie ganz oft ohne jegliches Hintergrundwissen (und ohne den Wunsch, es sich anzueignen, um qualifiziert an der Diskussion teilnehmen zu können) nur aus ihren Vorurteilen heraus "argumentieren", bleibt oft nicht viel mehr hängen als: "Nach meinem Bauchgefühl ist das schlecht." Und da scheinen eben oft die diesem Bauchgefühl zu Gründe liegende Vorurteile und Einstellungen durch: man will zurück zu einem Menschen-, Frauen-, Familien- und Sexualbild der 50er. Mit den dazugehörigen homophoben und misogynen Einstellungen.

Ich möchte mich hier Marielle anschließen: ich bin durchaus an einer echten Diskussion interessiert. Aber von der Seite der Kritiker wird nicht sachlich argumentiert, sondern vorurteilsbehaftet und teilweise mit falschen Behauptungen. Und auf der Ebene ist eine sinnvolle Diskussion tatsächlich unmöglich - was aber leider an den Kritikern liegt...
Blog: http://genderkreativ.wordpress.com/

Sylvia
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 10 im Thema

Beitrag von Sylvia » Fr 14. Nov 2014, 08:48

LaraC hat geschrieben:"Unmöglich" würde ich die Diskussion nicht unbedingt nennen. Das Problem ist doch viel eher, dass die meisten Kritiker keine Ahnung vom Thema, das sie kritisieren, haben. Sie wissen nicht, was da geforscht wird und worum es bei "der Gender-Debatte" (die es so als uniformen Block ja gar nicht gibt) überhaupt geht. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Kritiker ein homophobes/misogynes A*loch ist. Aber da sie ganz oft ohne jegliches Hintergrundwissen (und ohne den Wunsch, es sich anzueignen, um qualifiziert an der Diskussion teilnehmen zu können) nur aus ihren Vorurteilen heraus "argumentieren", bleibt oft nicht viel mehr hängen als: "Nach meinem Bauchgefühl ist das schlecht." Und da scheinen eben oft die diesem Bauchgefühl zu Gründe liegende Vorurteile und Einstellungen durch: man will zurück zu einem Menschen-, Frauen-, Familien- und Sexualbild der 50er. Mit den dazugehörigen homophoben und misogynen Einstellungen.

Ich möchte mich hier Marielle anschließen: ich bin durchaus an einer echten Diskussion interessiert. Aber von der Seite der Kritiker wird nicht sachlich argumentiert, sondern vorurteilsbehaftet und teilweise mit falschen Behauptungen. Und auf der Ebene ist eine sinnvolle Diskussion tatsächlich unmöglich - was aber leider an den Kritikern liegt...
Ich glaube, Ihr macht es Euch zu einfach. Und begeht den gleichen Fehler, der im Artikel angesprochen wird und der interessanterweise auch in dem wirklich sehr gut geschriebenen Artikel über Vivian angesprochen wird: "Eine ausschließlich auf Büchern und Fußnoten beruhende Bildung sei gefährlich, so Wallace: „Das Gefährlichste an akademischer Bildung ist, dass es die Neigung zur Überinterpretation verstärkt."

Natürlich gibt es die Stammtischbrüder, deren Horizont bei Fußball und Bier endet. Aber oft dienen die m.E. nur als Vorwand, um sich mit den Sorgen vieler Menschen gar nicht erst auseinandersetzen zu müssen. Denen wird dann generalisiert ein „Menschenbild der 50er“ unterstellt und damit ist man als fortschrittlicher Mensch fein raus, weil man mit solchen Deppen ja nicht diskutieren kann.

Versteht mich nicht falsch, alles, was ich sagen will ist, dass m.E. die Tatsache, dass man sich als außerhalb der Mehrheit stehend wahrnimmt, häufig zu einer übersteigert egozentrischen Haltung führt, die die Berechtigung anderer Lebensentwürfe (nämlich derjenigen, über die man als „normal“ spricht) negiert. Das ist ein „Anerkennung einfordern“ aber selbst nicht in gleichem Maße ausüben. Und diese Haltung wird eben auch von vielen Nicht-Trans, CD etc.-Menschen so empfunden, auch daher kommt der Protest gegen die Bildungspläne von Tuider und Co..

Ich selbst bin da naturgemäß durchaus zwiegespalten. Natürlich wünsche ich mir oft, weibliche Kleidungsstücke anziehen zu können und damit rauszugehen, ohne, dass jemand blöd guckt oder doofe Bemerkungen macht. Trotzdem verstehe ich die Irritation und empfinde sie in der Regel auch nicht als aggressiv und dumm.

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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 11 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 14. Nov 2014, 09:05

Guten Morgen,
"Eine ausschließlich auf Büchern und Fußnoten beruhende Bildung sei gefährlich, so Wallace: „Das Gefährlichste an akademischer Bildung ist, dass es die Neigung zur Überinterpretation verstärkt."
Darum geht es meiner Meinung nach nicht - und schon überhaupt nicht "ausschließlich".

Ich habe gestern auf ein Interview mit Elisabeth Tuider verlinkt: http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... =57&t=9349

Einen Satz habe ich besonders herausgestellt: Ganz wichtig(!) Tuider: Unser Ansatz ist: Die Jugendlichen geben die Themen vor - nicht die pädagogisch Tätigen.

Ach ja, ein wenig Hintergrund-Info "was Jugendliche so sehen und machen" (ist leider viel zu kurz und natürlich nicht repräsentativ, aber es gibt auch andere Untersuchungen): http://www1.wdr.de/fernsehen/informatio ... en100.html


Gruß
Anne-Mette

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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 12 im Thema

Beitrag von LaraC » Fr 14. Nov 2014, 09:19

Jetzt reden wir schon wieder darüber, warum man oder warum man nicht über bestimmte Themen diskutieren kann. Das bringt uns doch nicht wirklich weiter.

Ich für meinen Teil möchte gerne über das Thema selbst reden. Und ich würde mich gerne mit tatsächlich fundierten Argumenten gegen "die Gender-Ideologie" (was immer das eigentlich sein mag) auseinandersetzen. Nur leider gibt es keine. Es gibt nur das diffuse Gefühl der Kritiker, dass ihnen da etwas Angst macht und sie dagegen vorgehen müssen. Und so gerne ich darüber diskutieren möchte, ein unbestimmtes Gefühl ist keine Grundlage für eine Diskussion. Wer also echte Argumente zum Thema hat: nur her damit - ich habe bisher noch keine gesehen.

Worüber ich allerdings nicht reden möchte, ist, dass Menschen dumm sind, Angst vor allem haben, was sie nicht kennen, und dann mit Fackeln und Heugabeln darauf losgehen. Das weiß ich schon. Akzeptieren kann und will ich es trotzdem nicht.
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 13 im Thema

Beitrag von Sylvia » Fr 14. Nov 2014, 09:40

LaraC hat geschrieben:
Worüber ich allerdings nicht reden möchte, ist, dass Menschen dumm sind, Angst vor allem haben, was sie nicht kennen, und dann mit Fackeln und Heugabeln darauf losgehen. Das weiß ich schon. Akzeptieren kann und will ich es trotzdem nicht.
Steht das bei mir irgendwo? Ich denke nicht… Was soll der Quatsch mit den Fackeln und Heugabeln also? Hältst Du das für objektives Diskutieren? Genau davon rede ich: Die, die anderer Meinung sind, sind die mit Fackeln und Heugabeln. Von da ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zur N-Keule.

Zu Anne-Mette: „Die Jugendlichen geben die Themen vor…“. Nein, geben sie eben nicht. Pläne werden von Pädagogen gemacht und dem Schulbetrieb übergestülpt. Anders kann eine einigermaßen auf einem Stand und Niveau befindliche Bildungsvermittlung ja auch nicht funktionieren. Wenn die Jugendlichen die Themen vorgeben würden, könnten sie im Rahmen der bisherigen Unterrichtsangebote Informationen zu den fraglichen Themenfeldern einfordern und der Lehrer wäre gefragt, diesem Informationsbedarf nachzukommen. Das passiert aber hier nicht. Hier wird an vielen Stellen sicher gut gemeinte Lobbyarbeit betrieben, die durch ihre Aufdringlichkeit letztlich mehr schadet als nützt.

Sorry, wenn ich mit diesen Anmerkungen die Einigkeit hier störe, aber ich denke, etwas mehr Distanz zum eigenen Thema tut immer gut und entspannt letztlich die Diskussion, die doch nun wirklich mehr als verfahren und verstockt ist. Und schuld sind eben nicht immer nur die Anderen…

Anne-Mette
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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 14 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 14. Nov 2014, 10:08

Moin,
Pläne werden von Pädagogen gemacht und dem Schulbetrieb übergestülpt. Anders kann eine einigermaßen auf einem Stand und Niveau befindliche Bildungsvermittlung ja auch nicht funktionieren.
Ich will mich nicht mit Dir streiten, aber da habe ich andere Erfahrungen gemacht.
Dabei kann ich auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, bin Vater, Großvater und Pädagoge(gewesen).
Weiterhin war ich mehrere Jahre in der Elternvertretung (auch auf höherer Ebene) tätig.
... und habe Pädagogen in meinem nahen Umfeld, die immer noch in diesem Bereich tätig sind.

Ich habe mir meine Informationen nicht aus "zweiter Hand" angelesen.

Natürlich ist vieles Mist, was an den Schulen läuft und was von "oben" verordnet wird, aber nicht alles - und Miss-Stände sollten Punkt für Punkt erörtert werden und nicht in einem "Gesamtpaket".

Gruß
Anne-Mette

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Re: FAZ: Das gute Recht der Eltern

Post 15 im Thema

Beitrag von LaraC » Fr 14. Nov 2014, 10:31

Sylvia hat geschrieben: Steht das bei mir irgendwo? Ich denke nicht… Was soll der Quatsch mit den Fackeln und Heugabeln also?
Das ist genau meine (sicher über spitzte, das will ich zugeben) Darstellung von dem, was du gesagt hast: die Leute haben zwar keine Ahnung von den Inhalten der Gender-Diskussion oder des Bildungsplans, aber sie haben eine diffuse Angst. Diese Angst können sie nicht begründen. Dennoch protestieren sie, gehen auf die Straße, zwar nicht mit Fackeln und Heugabeln, sondern mit Transparenten (wie gesagt: überspitzt), um gegen etwas zu protestieren, was sie nicht verstehen. Genau das hast du so beschrieben.

Aber um zum eigentlichen Punkt zu kommen: Argumente gab es immer noch keine... ;)
Anne-Mette hat geschrieben: Natürlich ist vieles Mist, was an den Schulen läuft und was von "oben" verordnet wird, aber nicht alles - und Miss-Stände sollten Punkt für Punkt erörtert werden und nicht in einem "Gesamtpaket".
Denn das ist genau der Kern der Sache: wenn man sich mal wirklich mit den Inhalten des Bildungsplans auseinandergesetzt hätte (statt irgendwelchen falschen Behauptungen, die man aus dritter Hand hat, hinterherzulaufen), könnte man über einzelne Inhalte konkret diskutieren. Stattdessen wird die gesamte Idee einer Beschäftigung mit Vielfalt von Lebenswirklichkeiten im Grundsatz verteufelt - nur weil man Angst davor hat, dass das eigene "heile" Vater-Mutter-Kind-Familienbild plötzlich nicht mehr die ultimative Wahrheit sein könnte. Das ist eben keine Diskussionsgrundlage.
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