Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann
Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann - # 2

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Nicole Doll
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 16 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Sa 3. Nov 2018, 12:11

TSandra75 hat geschrieben:
Sa 3. Nov 2018, 09:54
Wahnsinn was für eine Entwicklung. Respekt.
Ich las kürzlich noch von einem ähnlichen Fall - Michael/ Megan in den USA. Bei Ihr war es die Unverträglichkeit der weiblichen Hormone die Sie zur Untscheidung zwischen Leben als Mann oder dem Tod nahe sein zwang. Wie tragisch.
....
LG
Sandra
Hallo Sandra,

die Geschichte erscheint mir ziemlich aufgeblasen. Was wäre jetzt, wenn ich keine weiblichen Hormone vertragen würde? - Es wäre nichts anders. Ich würde meinen Weg als Nicole einfach weiter gehen. Zurück in die Männerrolle? Bei dem Gedanken wird mir schlecht. Bei den Hormonen zweifle ich sowieso, da bei einem Alter von fast 60 die Wirkung vermutlich gering sein dürfte und die Nebenwirkungen stark. Auch eine GaOP ist für mich keine Option.

Wenn man sich als Frau fühlt, dann ist das so - mit oder ohne Hormone oder OP. Da ist eigentlich nur die Frage, was oder wie viel man machen möchte, damit es mit dem Aussehen (Passing) stimmt. Mit fast 60 kann ich da gelassen heran gehen. Doch frage ich mich immer wieder, wie weit ich gehen würde, wenn ich noch jung wäre. Ich denke: Je größer die Erwartungen an das gesellschaftliche Leben (noch) sind, desto größer ist auch der Leidensdruck.

Also frage ich: Wer will hier mit dieser Geschichte was sagen? Oder wer bezahlt dafür? Soll die Transition generell in Frage gestellt werden? Hormone machen keine Frau aus. Wer in die Männerrolle zurück kehrt, hat entweder sein wahres Ich aus Verzweiflung aufgegeben oder fühlt sich nicht wirklich als Frau, ist also non-binär mit großem männlichen Anteil (ich sehe mich als non-binär mit zunehmend weiblichem Anteil).

Bei jungen Menschen ist oft die Erwartung an die Transition groß. Sie sind verzweifelt und sehen keinen anderen Weg. Entsprechend groß kann danach auch die Enttäuschung sein. Wer nicht vorher schon (gefühlt) eine Frau IST, bleibt auch mit HRT und GaOP ein Mann (oder stark männlich non-binär)!

Liebe Grüße
Nicole
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ChristinaF
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 17 im Thema

Beitrag von ChristinaF » Sa 3. Nov 2018, 12:34

Hallo Nicole,
im Grunde hast du recht. Aber, dass mit 60 Hormone keine oder kaum Wirkung zeigen, kann ich nicht unterschreiben. Bin ja auch in dieser Altersklasse. Und bei mir haben die Hormone voll das erreicht, was ich mir wünschte.
Brustwachstum anfangs AA bis heute zu A, weiche, zarte Haut, keinerlei Körperbehaarung auch der Bart ist weg (hier half jedoch auch die IPL), emotionale Veränderung, weichere Gesichtszüge usw.
Ich weiß, dass das jetzt nur für mich gilt; aber auch andere TS Frauen wird es ähnlich gehen.
Liebe Grüße
Christina

Tatjana_59
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 18 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Sa 3. Nov 2018, 12:51

ChristinaF hat geschrieben:
Sa 3. Nov 2018, 12:34
Hallo Nicole,
im Grunde hast du recht. Aber, dass mit 60 Hormone keine oder kaum Wirkung zeigen, kann ich nicht unterschreiben. Bin ja auch in dieser Altersklasse. Und bei mir haben die Hormone voll das erreicht, was ich mir wünschte.
Brustwachstum anfangs AA bis heute zu A, weiche, zarte Haut, keinerlei Körperbehaarung auch der Bart ist weg (hier half jedoch auch die IPL), emotionale Veränderung, weichere Gesichtszüge usw.
Ich weiß, dass das jetzt nur für mich gilt; aber auch andere TS Frauen wird es ähnlich gehen.
Liebe Grüße
Christina
Genau diesen Worten kann ich mit nun auch fast 60 Jahren voll und ganz anschließen.
Körperbehaarung ist zwar noch da, aber sehr gering. Bart auch, wird aber weniger durch Nadel Epi.
Ansonsten Brüste kleines B
Weiche Haut, weichere Gesichtszüge.
Das emotionale ist fast außerirdisch, zumindest für mich.
Mir geht es rundweg gut, nein sehr gut.

LG Tatjana

Nicole Doll
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 19 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Sa 3. Nov 2018, 13:47

Hallo Christina und Tatjana,

mir steht da wohl vor allem meine Ärzte-Phobie im weg, einen vorsichtigen Versuch mit einer "HT-Light" zu starten. Ohne Kontrolle ist mir das zu gefährlich, und Arztbesuche setzen mich extremem Stress aus. Hinzu kommt, dass es zum nächsten kompetenten Psychotherapeuten zwecks Indikation für mich eine "Weltreise" ist.

Ich habe sowieso den Eindruck, dass mein Kopf die Hormone schon stark verändert hat: recht zarte Haut, Brüste in gut Größe A, selteneres Bedürfnis nach (männlicher) sexueller Befriedigung. Auch glaube ich, dass mein früher recht starker Bartwuchs nachgelassen hat - oder ist es nur das Grau statt früher dunkelbraun?

LG Nicole
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Vincent
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 20 im Thema

Beitrag von Vincent » Sa 3. Nov 2018, 16:30

Dieser Artikel hat mich sehr berührt, vor allem ein Absatz darin, den ich selbst so erlebt habe:
Wieder ein Mann zu sein, fühlt sich leicht an,
ein bisschen wie nach Hause kommen
nach einem tollen Urlaub
Ich bin froh, dieses Experiment, gemacht zu haben,
gemacht für einen sehr kurzen Zeitraum, und natürlich ohne längerfristige Konsequenzen.

Nur meine langen Haare habe ich damals danach radikal abgeschnitten, und das Thema "Frau" war durch.
Diesen Urlaub zu wiederholen wäre nicht abwegig, aber auch anstrengend und nicht echt.

Bildlich gesprochen bin ich danach langsam ein bisschen in Richtung Urlaubsort gezogen und will da derzeit auch nicht mehr weg, weg von der Insel vor dem Land Mars und dem Land Venus am Horizont.

Bei Geschichten, wie der im Artikel, habe ich immer den Verdacht, dass unsere starre Gesellschaft viele Menschen nötigt, sich für eine Seite zu entscheiden und nicht zulässt einfach sie selbst zu sein, sich zu geben, sich zu verhalten und zu kleiden, wie sie es selbst wünschen, ohne engen Rollenmustern genügen zu müssen.

Viele Grüße
Vinzent

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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 21 im Thema

Beitrag von Jenina » Sa 3. Nov 2018, 17:53

Hallo,

das ewig alte Thema. Eigentlich sollte uns das zu denken geben und nicht die Reaktion auslösen "aber bei mir ist alles prima". Das mag sein, aber meine mittlerweile fast 9 Jahre in der trans* Community haben mir immer wieder gezeigt, dass das eben nicht auf alle Fälle zutrifft. Und es gibt wenig Empathie für diejenigen, die gescheitert sind und deren psychische Probleme nicht kleiner, oft eher noch größer geworden sind. Schade...

Die Sache mit dem trans* Sein ist offenbar eben nicht so schwarz und weiß wie es einige wenige immer wieder behaupten und die leider etwas zu laut damit sind. Warnende Worte zur Vorsicht und zu reiflicher Überlegung werden oft als Meckerei abgetan. Für mich ist aber offenbar, dass in der angeblich alternativlosen vollständigen Transistion eine Gefahr liegt. Denn die ist nur für wenige die ersehnte "Rettung" vor den Problemen, die die Zerrissenheit als trans* Mensch notwendig mit sich bringt. Es ist für mich keine Alternative mit den Verheißungen der Transistion die längst überlebte Welt der strikt bipolaren Geschlechtsidentität noch zu verfestigen.

Wir wollen immer eine bunte Gesellschaft. Dazu passt nicht, dass man sich den alten Modellen zwanghaft anpasst. Auch hier in diesem Fall gibt es nur Mann und Frau und wieder Mann. Das kann so nicht stimmen. Es existiert das Dazwischen. Das anzuerkennen ist nicht so einfach nach vielen, vielen Jahren einer Kultur die das einfach ignoriert hat obwohl das Phänomen immer da war. Wie man das lebt, dazu sollten wir mehr an Möglichkeiten in Betracht ziehen.

Ein Regenbogen ist schöner als das Grau der dunklen Wolken dahinter. Grau entsteht aus schwarz und weiß - und das sind keine Farben.

Jenina
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Bianca D.
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 22 im Thema

Beitrag von Bianca D. » So 4. Nov 2018, 16:36

Moin,

interessanter Artikel. Die Erfahrungen, die er dort aus seiner Zeit als Kathrin beschreibt, kann ich nur bestätigen, sei es das Gefühl, abends allein ein paar angetrunkenen Männern zu begegnen aber auch der Umgang unter Frauen. Von einer verschworenen Gemeinschaft war die Rede.. klingt zwar etwas übertrieben, aber ein bißchen ist da wohl dran.
Auf jeden Fall gehört da schon sehr viel Mut zu, diesen Schritt wieder zurück zu nehmen! Respekt! Übrigens, eine Bekannte von mir ist auch wieder umgedreht auf ihrem ,nun seinem Weg. Scheint es also wohl öfters zu geben.

LG Bianca

Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial

Joe95
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 23 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 5. Nov 2018, 17:07

Jenina hat geschrieben:
Sa 3. Nov 2018, 17:53
...Die Sache mit dem trans* Sein ist offenbar eben nicht so schwarz und weiß wie es einige wenige immer wieder behaupten und die leider etwas zu laut damit sind. Warnende Worte zur Vorsicht und zu reiflicher Überlegung werden oft als Meckerei abgetan. Für mich ist aber offenbar, dass in der angeblich alternativlosen vollständigen Transistion eine Gefahr liegt. Denn die ist nur für wenige die ersehnte "Rettung" vor den Problemen, die die Zerrissenheit als trans* Mensch notwendig mit sich bringt. Es ist für mich keine Alternative mit den Verheißungen der Transistion die längst überlebte Welt der strikt bipolaren Geschlechtsidentität noch zu verfestigen...

Eine Gelegenheit mal drüber nachzudenken.
Bin ich eine derjenigen, die zu laut sind?
Meine Transition ist doch sooo einfach.
Irgendwann habe ich für mich angenommen eine Frau zu sein, den Rest bezahlt die Krankenkasse.
Eine extreme Vereinfachung und funktioniert nur - wirklich nur - wenn man Erwartungen ähnlich meinen hat.
Ich fürchte das sind die wenigsten.
Dunkles_Sternchen scheint da ganz andere Erwartungen zu haben.
Wie meine Erwartungen sind?
Nun, ich habe für mich akzeptiert eine Frau zu sein.
Damit habe ich akzeptiert eine Frau zu sein, die absolut nicht nach Frau aussieht und die vermutlich ohne Wink mit dem Zaunpfahl - wohl eher Strommast - keiner als solche erkennt.
Eigentlich ist meine Transition damit schon abgeschlossen, wo sie bei anderen noch garnicht angefangen hat.
Alles, was jetzt kommt, ist Zugabe.
Eine Hormontherapie, von der ich mir eine schöne Oberweite, glattere Haut und eine Weiblichere Figur erwünsche. Ausserdem soll sie dafür sorgen dass das, was mich so quält, inaktiv wird. Das dann bitte ohne Nebenwirkungen.
Das wären meine Wünsche. Das mit dem "inaktiv" ist meine realistische Erwartung, mit Glück ohne Nebenwirkungen.
Die GaOp.
Eine gelungene, komplette Operation würde ich mir natürlich wünschen, aber da gibt es - zumindest jetzt noch - so furchtbar viele Ungewissheiten. Meine Erwartungen dahingehend wäre eine Orchiektomie. Alles andere ist Zugabe.
Das andere, Bart- und Körperbehaarung, Stimme und einige chirurgische Möglichkeiten, sind noch so weit von mir entfernt dass ich nicht mal Wünsche habe, geschweige denn Erwartungen.

Der Moment, in dem ich für mich akzeptierte eine Frau zu sein, war für mich so befreiend, dass ich akzeptierte das diese Frau eine häßliche Transe ist.
Natürlich wünsche ich mir mehr und ich tu was ich kann dafür, aber je weniger ich erwarte, um so weniger kann ich enttäuscht werden.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 24 im Thema

Beitrag von Jenina » Di 6. Nov 2018, 07:42

Joe95 hat geschrieben:
Mo 5. Nov 2018, 17:07
...
Der Moment, in dem ich für mich akzeptierte eine Frau zu sein, war für mich so befreiend, dass ich akzeptierte das diese Frau eine häßliche Transe ist.
Natürlich wünsche ich mir mehr und ich tu was ich kann dafür, aber je weniger ich erwarte, um so weniger kann ich enttäuscht werden.
Hallo Joe. Dien Post hat mir sehr gefallen. Nein, Du gehörst nicht zu den Lauten. Die sind in diesem Forum auch so gut wie gar nicht vertreten, weshalb es mir ja hier so gut gefällt.

Ganz im Gegenteil gehörst Du zu denen, die mir helfen zu verstehen, was Transsexualität ist. Denn ich kenne viele dieser Gefühle einfach nicht, die Menschen wie Dich umtreiben. Dies aus dem Munde von "Betroffenen" (entschludige dieses unpassende Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein) zu hören ist mir wichtig. Ich lerne, es gibt eine Definition von Frau-Sein, die nicht in die Klischees passen, die auch ich offenbar immer noch habe. Dabei sollte ich es doch schon besser wissen, aber auch ich muss noch lernen. Danke dafür, dass Du - und einige andere hier - mir dabei helfen.

Leider ist es eben so, dass man Klischees nur in den seltensten Fällen erfüllen kann. Das führt zur Tragik, die einige wenige von uns betroffen hat. Mehr von Alternativen zu hören, wie man sein Leben einrichten kann ohne nicht wieder gut zu machende Fehler zu begehen, ist daher wichtig. Und das kann unser Forum schon leisten, man muss nur zuhören. Auch den Lebensentwürfen wie Deinem.

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Joe95
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 25 im Thema

Beitrag von Joe95 » Di 6. Nov 2018, 12:02

Jenina hat geschrieben:
Di 6. Nov 2018, 07:42
... "Betroffenen" (entschludige dieses unpassende Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein)
Ein besseres wüsste ich auch nicht...
Leider ist es eben so, dass man Klischees nur in den seltensten Fällen erfüllen kann. Das führt zur Tragik, die einige wenige von uns betroffen hat. Mehr von Alternativen zu hören, wie man sein Leben einrichten kann ohne nicht wieder gut zu machende Fehler zu begehen, ist daher wichtig. Und das kann unser Forum schon leisten, man muss nur zuhören. Auch den Lebensentwürfen wie Deinem...
Ich hatte über viele Jahre ein extremes Problem:
Das Passing, welches doch so wichtig ist.
Ich habe schon viele gesehen, Cd, Tv, Ts...
Sehr hübsche, geradezu schöne dabei. Trotzdem war es extrem selten dass ich sie nicht auf den ersten Blick erkannte.
Und dann soll ich mit dem Körper eines sechzigjährigen LKW-Fahrers eine Frau darstellen?

Irgendwann kamen dann die Gedanken...
Darstellen? Wieso Darstellen?
Ich brauche nichts darstellen. Ich muss niemand etwas zeigen oder gar beweisen.
Ok, um unauffällig zu leben bin ich einfach nicht hübsch genug. Aber was machen denn die cis-Frauen, die von der Natur in dieser Beziehung benachteiligt wurden?
Genau das selbe wie ich: Sie leben damit oder tragen ein Vermögen zu irgendwelchen Chirurgen oder weiß-der-Geier wohin.

Frag mal einer die cis-Frauen, die nicht wirklich fraulich aussehen, ob sie deswegen weniger Frau sind. Ich würd mich das nicht trauen. Ich würd es aber auch keiner von ihnen antun wollen, denn sie sind genau so Frau wie alle anderen. So sehe ich mich auch, eine Frau mit - egal wie man es nennt - körperlichen Makeln, Missbildungen.

Das Darstellen ist meiner Meinung nach auch der größte Unterschied zwischen Ts und Cd.
Ein Crossdresser möchte weiblichkeit darstellen. Dabei ist es egal ob er die eigene Weiblichkeit zum Ausdruck bringen möchte oder ob er einfach nur gerne diese Rolle spielt, er möchte darstellen, und zwar so perfekt wie möglich.

Bei Transsexuellen gibt es zwei Möglichkeiten:
Ich nehme den Kampf auf und versuche ebenfalls perfekt zu sein, oder ich bleibe wie ich bin und mach das beste draus.

Ich fühle mich so, wie ich bin, akzeptiert.
Im Baumarkt stehe ich in Rock und Oberteil, mit lackierten Nägeln vor dem Mitarbeiter, der genau so mit mir redet wie vor zwanzig Jahren, als ich nur Jeans und T-Shirt trug. Im Supermarkt werde ich behandelt wie eine liebgewonnene Kundin ("warten Sie, ich hole..."). Beim shopen werde ich von wildfremden Frauen gefragt "...steht mir das... ...sind die Ärmel lang genug... ". Im Schwimmbad stehe ich in der Damendusche, es gibt keine merkwürdigen Blicke oder gar Worte.

Ich stehe immer noch am Anfang und mein Passing ist grauenhaft, aber ich weiß jetzt schon: Mein Leben als Frau ist schön!
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

Anja
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 26 im Thema

Beitrag von Anja » Di 6. Nov 2018, 15:06

Moinsen (moin)
Joe95 hat geschrieben:
Di 6. Nov 2018, 12:02
Ich fühle mich so, wie ich bin, akzeptiert.
Im Baumarkt stehe ich in Rock und Oberteil, mit lackierten Nägeln vor dem Mitarbeiter, der genau so mit mir redet wie vor zwanzig Jahren, als ich nur Jeans und T-Shirt trug. Im Supermarkt werde ich behandelt wie eine liebgewonnene Kundin ("warten Sie, ich hole..."). Beim shopen werde ich von wildfremden Frauen gefragt "...steht mir das... ...sind die Ärmel lang genug... ". Im Schwimmbad stehe ich in der Damendusche, es gibt keine merkwürdigen Blicke oder gar Worte.
Ich stehe immer noch am Anfang und mein Passing ist grauenhaft, aber ich weiß jetzt schon: Mein Leben als Frau ist schön!
Schön, so etwas zu lesen. Viele Transfrauen sind so unentspannt, sehen überall nur Makel....
Mit den Jahren als Frau sieht man vieles entspannter. Zu Anfang bin ich kaum ungeschminkt zur Mülltonne. Ich habe mir noch viele Gedanken über Kleidung usw. gemacht, also wie ich so angezogen woh auf andere wirke. Inzwischen mache ich mir da kaum noch Gedanken drüber.
Sonntag morgens stand ich in "Schlabberklamotten" (und natürlich ungeschminkt) beim Bäcker. Beim Warten in der Schlange unterhielt ich mich auch mit meinem Nachbarn.
Er gab dann irgendwann seine Bestellung auf und ich dann als Nächste. Als dann wieder eine Verkäuferin fragte "Wer bekommt als Nächstes?" Hörte ich neben mir einen Herrn sagen: "Ich. Sofern die Dame schon bekommt" (he) An meiner (männlichen) Stimme hat der Herr sich anscheinend nicht gestört. Der Gesamteindruck ist wohl entscheidend.
Und ich habe es nun in dieser Situation wirklich nicht drauf angelegt, möglichst "damenhaft" zu wirken :lol:

Grüße
die Anja
"Ein in sich gespaltenes Haus kann keinen Bestand haben"

Joe95
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 27 im Thema

Beitrag von Joe95 » Di 6. Nov 2018, 17:06

Anja hat geschrieben:
Di 6. Nov 2018, 15:06
...
Und ich habe es nun in dieser Situation wirklich nicht drauf angelegt, möglichst "damenhaft" zu wirken :lol: ...
Du warst entspannt und hast natürlich gewirkt.
Das verschafft dir einen Vorsprung, den holst du mit einer halben Stunde schminken nicht mehr auf.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
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Tamara Beaujambe
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Re: Artikel: Mann, Frau und jetzt wieder Mann

Post 28 im Thema

Beitrag von Tamara Beaujambe » Di 6. Nov 2018, 17:47

Hallo,

ein weiterer interessanter Lebenslauf mit 'Hin- und Rückfahrkarte' ist die von
'Genesis P. Orridge'

Er traf dann 'Lady Jay', die ihn so faszinierte, dass er sich ihr weitgehend angleichen wollte.
Es gibt dann Bilder in denen beide wie nach einer schönheits OP mit geschminkten, aber identischen blauen Flecken.
Klar, es sind Künstlernamen und die Bilder sehr inszeniert.
Fakt ist dagegen leider der tragische Tod von Lady Jay nach relativ kurzer Zeit.

Der Verlust des Menschen für den sie Ihre Identiät geändert hat , führte dann zur Rückkehr zum männlichen Dasein.

liebe Grüße
Tamara

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