Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...
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zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Anja
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Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 1 im Thema

Beitrag von Anja » Do 8. Feb 2018, 13:23

...gilt man schon als geschlechtsverwirrter Freak.

Moinsen!
In ihrer Kolumne „Familie und Gedöns“ schreibt Lisa über alles, womit sich Eltern so beschäftigen (müssen), diesmal: Warum gilt ein Mädchen, das als Ritter zum Kita-Fasching gehen will, als Cool Kid, und ein Junge im Elsa-Kostüm als Freak?
Ich fand den Artikel ganz interessant.

Grüße
die Anja
WER WILL FINDET WEGE. WER NICHT WILL FINDET GRÜNDE.

Mina
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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 2 im Thema

Beitrag von Mina » Do 8. Feb 2018, 13:58

Weil man "Kleider" am Leib trägt?
Deshalb müssen erstmal noch einige Eltern über ihren eigenen Schatten springen, fürchte ich. Im Zweifelsfall die Flasche „Pink Flamingo quick dry“ rausholen, außer man hat tatsächlich Anlass, um die körperliche Unversehrtheit des eigenen Kindes zu fürchten, sollte es in einem bestimmten Aufzug irgendwo aufkreuzen.
Ich will doch wirklich nicht mehr als ein paar grundsätzliche Basics empathischen Verhaltens. Jedes Kind soll selbst entscheiden, was es in welcher Phase seiner Entwicklung gut findet. Es geht einzig und allein darum, verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen; es geht darum, dem eigenen Kind zu signalisieren, dass es machen kann, was es will, aber die Vorlieben anderer auch immer völlig in Ordnung sind.
ein paar grundsätzliche Basics empathischen Verhaltens

Und wie so oft im Leben, scheitert es am einfachsten und kleinsten Teil des großen Ganzen.

Bild

Bleibt zu klären wie es am geschicktesten umgesetzt werden kann, das die Gesellschaft in ihren "Inneren" Regeln offener und toleranter wird. Und meine Kindheit trägt ebenfalls Beispiel für die ungeschriebenen Gesetze des Umgangs. In der Grundschule mußte ich in den Wintermonaten immer Baumwollstrumpfhosen drunter tragen. Mir selbst machte das nichts aus - oh wunder. Aber im Sportunterricht, in der Bengelumkleide. Ratet mal was da los war als ich anfing mich umzukleiden. Na, Ihr könnt es Euch denken.
Und obwohl ich das Erlebnis zur Revolte gegen Strumpfhosen zuhause angemeldet habe, mußte ich sie weiter tragen. Ja, das war so schlimm für mich, die Hänsellei, das mir die Lust auf Strumpfhosen in jeglicher Form und Art bis heute vergangen ist. Drauf gepfiffen - es gibt halterlose Strümpfe! (gitli)

Ob Du Mann oder Frau bist, bestimmt nicht Deine Kleidung. Sondern ganz und gar Dein Herz! (he)

Bild
Und ich wünsche Euch allen ein erfülltes Leben. Macht´s gut, bleibt Euch treu.

Manluwen
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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 3 im Thema

Beitrag von Manluwen » Do 8. Feb 2018, 21:42

Ich erinnere mich gerade daran...ich glaube ich war 6 oder 7 Jahre jung. Oftmals war am Wochenende meine 3 Jahre ältere Cousine bei uns zu Besuch.
Als es dann am Sonntag zum Packen der Reisetasche kam hatte ich schon ein Nachthemd oder einen Rock oder andere Teile bei Seite gebracht.
Ich musste immer aufpassen das ich nicht entdeckt wurde wenn ich diese Sachen angezogen hatte....aber es musste kommen wie es kommen musste. Ich bin mit dem Nachthemd eingeschlafen :))b
Am nächsten Morgen entdeckte dann meine Mutter beim Wecken wie ich im Bett lag....das war der Aufreger des Jahres mit 4 Wochen Hausarrest...du bist doch kein Mädchen du wirst Mal der Mann in der Ehe sein. Ja, ich glaube meine Eltern sagten auch sowas wie Freak....

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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 4 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 9. Feb 2018, 09:25

Moinsen,
Manluwen hat geschrieben:
Do 8. Feb 2018, 21:42
...du bist doch kein Mädchen...
Genau das hat mein Opa mal zu mir gesagt, als er mich umarmt hat und dabei festgestellt hat, das ich einen BH an hatte :lol:
Ich glaube zu dem Zeitpunkt war ich noch keine 10 Jahre alt...

Grüße
die Anja
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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 5 im Thema

Beitrag von Dolores59 » Fr 9. Feb 2018, 10:47

Diese Aussage hat es mir besonders angetan:
Vor einigen Tagen posteten wir auf Facebook einen älteren Text einer Community-Autorin, in dem die Autorin an die Notwendigkeit von rosa Glitzerklamotten auch für Jungs erinnert. Sie schreibt: „(...) deswegen ist es unbedingt notwendig, dass wir unseren Blick schärfen für all die Momente, in denen wir unseren Söhnen Sachen, die als weiblich konnotiert sind, vorenthalten. Diese vermeintlich weiblichen Dinge sind nämlich genauso wertvoll!
Man kann rosa Glitzerklamotten mögen oder nicht, das ist ok.

Aber alleine auf Grund des Geschlechts einem Kind so etwas vorzuenthalten, sorgt dafür, die Geschlechterrollen zu zementieren.

LG
Dolores
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Psalm 139,14)

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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 6 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Fr 9. Feb 2018, 11:57

Moin,

heute sollte das eigentlich schon mal gehen - zumindest zu Fasching, aber wir sehen ja, dass dass immer noch nicht so einfach ist.
Zu Meiner Kinderzeit war das ein No-Go! Als Junge ende der 50-zgerJahre als Prinzessin auf dem Kinderfasching in Starnberg, nein das hätte meine Mutter schon aus Selbstschutzgründen nicht mitgemacht; und dann das Gerede im Kindergarten oder dann in der Grundschule. Es mag es aber bestimmt vereinzelt gegeben haben, nur kann ich mich nicht daran erinnern.

Grüße aus dem Hohen Norden, Ulrike-Marisa (snow)

Dolores59
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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 7 im Thema

Beitrag von Dolores59 » Fr 9. Feb 2018, 12:25

Meine Eltern scheinen damit weniger Probleme gehabt zu haben, wie diese Fotos aus meiner frühen Kindheit zeigen:

Bild
Ganz oben auf der Treppe im weißen Hängerchen bin ich, ca. 1958 aufgenommen.

Bild
Und der Strampler ist auch nicht gerade jungenhaft mit Puffärmeln und Stickerei (1957). Ich habe keine großen Schwestern, von denen ich "geerbt" habe.

Kann sein, dass meine Großmutter (im Hintergrund) die Teile selbst genäht hat, denn sie war Schneiderin von Beruf.

Zwischenzeitlich habe ich dennoch nichts mit Mädchenklamotten anfangen können. Im Gegenteil, meine Mutter hat mal versucht, mir eine Mädchenhose zu verpassen. Ich habe mich strikt geweigert, diese zu tragen. War wohl 10/12 Jahre zu der Zeit.

LG
Dolores
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(Psalm 139,14)

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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 8 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Fr 9. Feb 2018, 12:52

Hi Dolores,

so Hängerchen habe ich im Sommer im Garten auch angehabt, als ich ganz klein war, die waren von meiner älteren Cousine und es wurde damals gespart. Da habe ich aber keine Bilder mehr davon; aber erinnern kann ich mich noch, zumal ich auch Mädchenunterwäsche aufgetragen habe zu der Zeit. So war das damals eben. Und außerdem hatte sich meine Mutter immer eine Tochter gewünscht; da ist leider nichts draus geworden - erst heute wieder.... :wink:

Gruß, Ulrike-Marisa

Anja
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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 9 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 9. Feb 2018, 13:13

@Dolores

Wie süß! (he)

Grüße
die Anja
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Elizabeth
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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 10 im Thema

Beitrag von Elizabeth » Di 1. Mai 2018, 01:23

Es war ein paar Jahre später (und leider wars nicht ich):
Mitte der Sechziger war ein Schulkamerad im Kostüm (vermutlich von der älteren Schwester, beige, dezenter, knieumspielender Rock) incl. Handtasche beim Fasching:
Leider hab ich keine ältere Schwester!
Ulrike-Marisa hat geschrieben:
Fr 9. Feb 2018, 11:57
Moin,

heute sollte das eigentlich schon mal gehen - zumindest zu Fasching, aber wir sehen ja, dass dass immer noch nicht so einfach ist.
Zu Meiner Kinderzeit war das ein No-Go! Als Junge ende der 50-zgerJahre als Prinzessin auf dem Kinderfasching in Starnberg, nein das hätte meine Mutter schon aus Selbstschutzgründen nicht mitgemacht; und dann das Gerede im Kindergarten oder dann in der Grundschule. Es mag es aber bestimmt vereinzelt gegeben haben, nur kann ich mich nicht daran erinnern.

Grüße aus dem Hohen Norden, Ulrike-Marisa (snow)
LG Elly

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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 11 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Di 1. Mai 2018, 07:13

Es muss ca. 1980 gewesen sein, da war Fasching im Kindergarten mit Thema “Zigeuner” (heute würde das wahrscheinlich wegen political correctness nicht mehr gehen).
Ich weiß noch das ich eigentlich als Cowboy oder Indianer gehen wollte- aber meine Mutter hatte mir ein Zigeunerinkostüm besorgt. Mit langem Glockenrock, Bluse und Kopftuch.
In der Erinnerung war es mit peinlich- die Bilder von damals sprechen Eine andere Sprache.

Aufreger??
Kein bisschen damals.


Jahre später in der Umkleide - Mädchen und Jungen zusammen bei Schwimmunterricht.
Ich hatte ein Unterwäscheset an das ich zur Kommunion geschenkt bekommen hatte.
Ganz glatter Stoff mit Mini Mouse Druck darauf.
Mir gegenüber zieht sich mein Schwarmmot mir in einer Kabine (die offen war) um.
Sie hat die gleiche Unterwäsche an.
UPS...
Kurze Diskussion- das sei doch nur für Mädchen- starke Gegenrede von mir - das ist doch nur Kleidung-

Kein aufreger.
Würde das heute passieren, würde sowohl Lehrer als als auch meine Eltern vom Anwalt der anderen Familie hören.

Früher war manches entspannter aber halt auch verklemmter und oft wurde was verdrängt.
VLG
Lorelai
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

Ronda_PTL
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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 12 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Di 1. Mai 2018, 07:19

Hi liebe @AndersDenkende@!

Die sture und immer noch vorherrschende Verurteilung der kindlichen, unverstellten Lust an allem was Schrank, Kostüme, Farben, Materialien, Schminke & Glitter hergeben, die natürlich auch bei JUNGS vorhanden ist, solange sie nicht in genderabhängige, sozialisierte Normen gepresst werden, ist inzwischen auch von so vielen Studien wissenschaftlich als weder pädagogisch noch gesellschaftlich sinnvoll nachgewiesen, dass es schier unfassbar scheint, wie zementiert diese "Erziehungsziele" auch heute noch sind.

Ein Junge im Vorschulalter hat meist genauso Interesse am Experimentieren und Schlüpfen in vermeintlich "weibliche Rollenbilder" ohne Hemmungen vor "Mädchenkram", wie jede "Prinzessin", wenn Erzieher und Eltern es nicht mit Negativismen und "Das macht ein Junge nicht!"-Sprüchen belegen. So wie jedes Mädchen mit Technik und "Jungenszeug" spielen und sich erforschen sollte, ohne Abwertungen durch ihre Umgebung. Doch wenn die Prägung auf konformistisches Verhalten und solch normative Klischees schon im Kleinkindalter beginnt, brauchen wir uns nicht wundern, dass sich NICHTS im Erwachsenendasein wirklich ändert. 😢😤

Traurige Grüße
Ronda. 👩🏻

"Wear what YOU dare! It's just clothes."
"Life is what happens, while you're busy making other plans." [† John Lennon]

MichiWell
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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 13 im Thema

Beitrag von MichiWell » Di 1. Mai 2018, 13:06

Lorelai74 hat geschrieben:
Di 1. Mai 2018, 07:13
In der Erinnerung war es mit peinlich- die Bilder von damals sprechen Eine andere Sprache.
Dazu kann ich eine Erinnerung beisteuern, die dieser Satz getriggert hat.

Zu meinem 11. oder 12. Geburtstag bekam ich von einer Verwandten, die selbst (nur) 3 Mädchen hatte, eine hellbraune Strickstrumpfhose geschenkt. Vermutlich hat sie sich wenig bis nicht dabei gedacht, und vielleicht war es auch nur ein weitergereichter Fehlkauf, denn ihre Töchter waren alle älter als ich.

Obwohl ich einerseits nichts lieber gewollt hätte, als endlich wieder eine eigene Strumpfhose im Schrank zu haben und so auch offiziell tragen zu dürfen, machte ich gegenüber meiner Mutter eine Szene und eine derart heftige Abwehrreaktion, dass die Strumpfhose folgerichtig in den Schrank meiner jüngeren Schwester wanderte.

Ich war damals von meinen Gefühlen regelrecht zerrissen. Ich war wütend auf mich, die anderen und die ganze Welt. Man gab sich tolerant, und doch konnte ich immer sehr deutlich spüren, dass ich nicht so sein durfte, wie ich eigentlich war.

Ich finde, das ist eine Erfahrung, die kein Kind auf dieser Welt machen müssen sollte.


Liebe Grüße
Michi
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen.

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

Inga
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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 14 im Thema

Beitrag von Inga » Di 1. Mai 2018, 17:59

Hi, Michi,

diese innere Zerrissenheit über etwas Vielleicht-Mädchenhaftes, was ich vielleicht gerne gewollt hätte, mich aber nicht getraut habe zu zeigen, sondern heftig abgelehnt habe, hatte ich in der Jugendzeit auch.

Dieses heftige Unterdrücken der weiblichen Seiten in jungen Jahren hatte ich auch. Ich war so zwischen 14 und 16. In der Nachbarschaft hatte den Friseur meines Vertrauens. Auch wenn sich andere Jungens damals die Haare lang wachsen ließen, ließ ich mir von ihm immer einen Haarschnitt für "brave" Jungens schneiden, was der Friseur zu meiner Zufriedenheit auch immer tat: so die Ohren gerade bedeckt oder frei, Scheitel und vielleicht ein paar Haarsträhnen in die Stirn fallend. Das Ergebnis kam mir immer sehr jungenhaft vor. Auch als er mir bei meinem Lieblingshaarschnitt die Ponyfranssen etwas kürzer als sonst schnitt und in die Stirn kämmte. Es gefiel mir. Als ich vom Friseur nach Hause kam, meinte mein älterer Bruder, mit den Pony hätte ich jetzt einen Haarschnitt wie ein Mädchen. Lauthals habe ich dagegen protestiert und war ihm bitterböse, dass da etwas scheinbar Mädchenhaftes an mir sichtbar sein könnte. Ich war doch Junge und fand doch alles an mir inklusive der Haare eine sehr jungenhafte Erscheinung. Wahrscheinlich wollte mich mein Bruder damals nur ärgern, was er bei anderen Angelegenheiten auch tat, und ich bin voll darauf abgefahren. Was ich damals überhaupt nicht in Erwägung zog, dass da vielleicht auch mädhenhafte Züge in mir waren, die auch mal gezeigt werden wollten. Und ein mädchenhafterer Haarschnitt vielleicht auch für einen Jungen wie mich eine gute Gelegenheit sein könnte.

Hätte es damals schon dieses Forum gegeben, ich hätte sicherlich anders gedacht. Doch das Internet war ja damals noch nicht erfunden. Und so lernte ich erst Jahrzehnte später, meine weiblichen Seiten in mir nicht reflexartig zu unterdrücken, sondern mehr Raum zu geben.

Liebe Grüße
Inga

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Re: Kaum hat man als Junge mal ein Kleid an...

Post 15 im Thema

Beitrag von Inga » Di 1. Mai 2018, 22:51

Anja hat geschrieben:
Do 8. Feb 2018, 13:23
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Grüße
die Anja
Hi, Anja,

ich denke, wir leben in einer ziemlich patriarchalen Welt, wo Männer oft mehr gelten als Frauen. Die Frauenbewegung kämpft seit Jahrzehnten um Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft. Da sind Mädchen die sich mit der weiblichen Rolle nicht abfinden wollen, coole Vorkämpferinnen für die Gleichstellung. Jungen hingegen, die sich teilweise in die Frauenrolle und ihre Attribute hinein wünschen, verzichten damit auf ein Stückchen Männermacht. Wer will in dieser Ellenbogengesellschaft schon ein Kind darin unterstützen, auf Macht zu verzichten und sich sozusagen freiwillig schwach zu machen?

Ich finde es auch nicht schön. Doch so scheint die Mehrheit der Gesellschaft zu ticken.

Liebe Grüße
Inga
Zuletzt geändert von Inga am Mi 2. Mai 2018, 01:07, insgesamt 1-mal geändert.

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