"Von falschen Körpern und echten Menschen"
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zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Fabiane
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"Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 1 im Thema

Beitrag von Fabiane » So 15. Apr 2018, 18:18

Hallo liebe Leute,

hier mal wieder ein Buchtipp:

„Von falschen Körpern und echten Menschen – Transsexualität und die Konstruktion von Geschlecht in einer zweigeschlechtlichen Welt“ von Sarah Röhm

Grob gesagt geht es der Autorin um die Macht der binären Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft, die nach ihrer Ansicht so stark ist, dass er (viele) Transsexuelle dazu bringt, ihre Biologie diesen Rollen anzupassen. Man muss dieser Meinung nicht folgen, zum Nachdenken und Überprüfen der eigenen Einstellungen anregen kann sie aber allemal, finde ich. Weiter geht es Sarah Röhm darum zu zeigen, wie die bei den meisten Menschen unbewusst gelebten Geschlechterrollen bei Transsexuellen ins Bewusstsein rücken und den Anpassungsprozess prägen.

„Von falschen Körpern und echten Menschen“ ist ein soziologisches, Genderforschungs-geprägtes, eher „kopfiges“ als emotionales Fachbuch und von etlichen wissenschaftlichen Begriffen durchzogen, durch die sich die nichtwissenschaftlichen Leser/innen zeitweise ganz schön durchbeißen müssen – am Schluss aber (zumindest aus meiner Sicht) geistig angeregt sind. Das Buch beschreibt viel mehr, als dass es wertet. Detail am Rande: Interessant (und angenehm) finde ich, dass die Autorin bei der Pluralbildung durchweg die weibliche Form verwendet, ganz im Gegensatz zum Duden. :wink:

Nähere Infos zu dem handlichen Büchlein gibt es z.B. hier:
http://www.fembooks.de/Sarah-Roehm-Von- ... ichen-Welt

Euch allen eine gute Zeit und liebe Grüße,
Fabiane

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Re: "Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 2 im Thema

Beitrag von Frauke » So 15. Apr 2018, 19:20

Ich kann nicht beurteilen, ob es wenige, viele oder keine transsexuellen Menschen gibt, welche sich der "Macht der binären Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft" unterordnen (falls es diesen Konstrukt überhaupt gibt), um ihre Biologie anzupassen.

Zu der Zeit, als ich mir meiner "Abweichung" langsam bewusst wurde, aber noch gar nicht einordnen konnte, um was es sich genau handelt, war ich keiner imaginären Macht oder einem fremden Druck ausgesetzt (allenfalls meinem inneren). Es soll ja auch Menschen geben, die sich ihrer Identität bewusst sind, ohne Gruppendynamik oder anderem ausgesetzt zu sein bzw. sich diesem unterzuordnen.

Jenina
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Re: "Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 3 im Thema

Beitrag von Jenina » Mo 16. Apr 2018, 08:20

Liebe Fabiane,

das scheint mir ein sehr interessantes Buch. Vor allem weil mich genau diese Frage schon lange beschäftigt im Angesicht so mancher TS die ich persönlich kenne und die völlig verschiedene Wege gehen. Eben auch den selbstbestimmten, der so gar nicht in das künstliche Konstrukt vom "falschen Körper" passen will.

Nur leider ist das Büchlein mit 30 € für runde 100 Seiten etwas teuer. Als E-book gibt es das wohl nicht, oder? Schade, es könnte in der Community bestimmt eine angeregte Diskussion anregen, vorausgesetzt, dass frau sich darauf einlassen will. Ich habe nämlich die Befürchtung, dass so manche das nicht an sich heranlassen will.

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Fabiane
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Re: "Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 4 im Thema

Beitrag von Fabiane » Mo 16. Apr 2018, 08:50

Liebe Jenina,

bei Amazon ist eine "Kindle-Edition" für 15,99 Euro verfügbar, auch bei Buchhandlungen gibt es Downloads, z.B. hier: www.osiander.de . Das Taschenbuch kostet nach meinen Infos 19,95 Euro.

"Angeregte Diskussionen", genau, darum ging's mir auch mit dem Buchhinweis.

Liebe Grüße von Fabiane

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Re: "Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 5 im Thema

Beitrag von Jenina » Mo 16. Apr 2018, 12:23

Fabiane,

'tschuldigung, hatte mich vertippt und nicht gemerkt: meinte natürlich 20 €.

Kindle nützt mir direkt nix (müsste ich erst umwandeln), und als PDF (fragwürdige Qualität auf dem Reader) der gleiche Preis von gut 16 € (diesmal stimmts aber) - da muss ich noch mal überlegen. Auf jeden Fall ist das für viele, die das direkt angeht und die meistens wegen ihres Weges nur wenig Geld haben, aber trotzdem viel zu teuer. Fachbuch eben... :(

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Re: "Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 6 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 16. Apr 2018, 12:35

Bai Amazon kann man ins Buch schauen und einige Seiten lesen. Ich finde es soweit nicht schlecht, aber es überzeugt mich auch nicht. Wie es schon anklang: ein Denkanstoß ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: "Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 7 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mo 16. Apr 2018, 18:11

Jenina hat geschrieben:
Mo 16. Apr 2018, 12:23
Kindle nützt mir direkt nix (müsste ich erst umwandeln)
*hust* kindle -> Calibre -> ePub -> Tolino (oder anderer Reader) *hust*
(mein ja nur)
*klickt zum Download bei Big A*

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Re: "Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 8 im Thema

Beitrag von Jenina » Di 17. Apr 2018, 08:59

Jaddy hat geschrieben:
Mo 16. Apr 2018, 18:11
...*hust* kindle -> Calibre -> ePub -> Tolino (oder anderer Reader) *hust*...
Ich schrieb ja solches. Ist nur ein Zeichen meiner Amazon-Allergie, die sich nicht entblöden ihre E-Books ausschließlich in ihrem proprietären Format zu liefern. Arroganz nervt mich nun mal un außerdem bin ich ein Verfechter von freien Datenformaten und freier Software (weshalb mein Calibre unter Linux betrieben wird).

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Re: "Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 9 im Thema

Beitrag von Mina » So 22. Apr 2018, 10:10

In Anlehnung zu dem empfohlenen Buch habe ich seit gestern Abend ein fiktives Kapitel aus meinem näheren Umfeld.

Wir saßen mit unserer Nachbarschaft im Garten und grillten zusammen. Und wie das so üblich ist bei uns, jeder trägt einfach unkompliziert etwas zum Essen bei. Jeder grillt für jeden, so unser Motto. Schön ist es jedesmal.
Und ebenso halten wir es auch mit der Sitzordnung welche als solche nicht existiert.
Jedenfalls saß ich meiner Nachbarin gegenüber, Mutter eines vier Jährigen (B)engels und Erzieherin in einem Kindergarten. Wir hatten das Thema Transidentität und Geschlechterrollen. Sie erzählte das es ganz oft vorkommt, das sich einige Jungen in der freien Spielzeit "schön" machen möchten. Sie ziehen sich dann ein Kleid an aus der Klamottenkiste und entsprechende Schuhe. Ganz stolz präsentieren sie sich dann und spielen Modenschau oder ähnliches.
Jedenfalls, erzählte sie, kam es letzte Woche dazu, das gerade eine Mutter des Jungen welcher sich gerade "schön" gemacht hatte, vorbeikam um ihm etwas zu bringen. Als sie den Sohnemann so sah ist sie komplett ausgestiegen und riss im das Kleid vom Leib. Schimpfte mit ihm. Ob er nicht mehr ganz dicht ist, so etwas macht ein Junge nicht.
Meine Nachbarin schritt pädagogisch natürlich sofort ein und erklärte der Mutter das sie bitte Haltung bewahren soll, ihr Sohn hatte schlicht das Bedürfniss sich schön zu machen und schön zu fühlen...etc...

Wir unterhielten uns noch lange darüber, das es wohl kein Wunder ist, das "wir" also immer dieses ungute Gefühl in uns tragen wenn wir das erste Mal rausgehen. In des Jungen Fall ist das Schlüsselerlebnis nun gestellt im Alter von ~5 Jahren.

Und solche Situationen gibt es so häufig berichtete meine Nachbarin. Ein ganz schrecklicher Zustand. Das Kind in seiner freien Persönlichkeitsentwicklung zu hindern. Da steckt kein erzieherischer Auftrag hinter. Das ist Manipulativ und gehört meiner Ansicht nach Sanktioniert.

Das wollte ich einfach mal losgeben, da es mich sehr beschäftigt hat und ein Stück weit erklärt weswegen die Gesellschaft teilweise so ist, wie sie eben ist - anerzogen! :((a
Vielfalt for President- yeeehaw!

MichiWell
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Re: "Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 10 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 22. Apr 2018, 14:33

Hallo Mina,

man weiß ja, dass noch sehr viel im Argen liegt. Aber wenn ich dann von so einem ganz konkreten Fall lesen muss, dann macht mich das schon sehr betroffen.

Aus Gesprächen mit anderen hörte ich auch immer wieder heraus, dass es in erster Linie Mütter sind, die erheblichen emotionalen Druck auf ihre Kinder ausübten, und ihnen Klischees einzuimpfen versuchten. Mehrfach hörte ich auch, wie die Väter von den Müttern instrumentalisiert wurden. Da hieß es nicht selten: "Warte nur, wenn dein Vater nachhause kommt." Eine Schilderung ist mir besonders in Erinnerung geblieben, wo die Betroffene (als kleiner Junge) vom Vater an der Wohnungstür erst liebevoll begrüßt wurde, um sodann, nach einen kurzen Gespräch des Vaters mit der Mutter, von diesem grün und blau geschlagen zu werden. (Was mehrfach so passierte.)

Das zu hören, hat mich schwer erschüttert, und macht mich noch heute immer wieder nachdenklich.


Michi

DISCLAIMER: Ich weiß sehr wohl, dass nicht alle Mütter böse und alle Väter Engel sind.
Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen. (Ernst Ferstl)

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie. (Aldous Huxley)

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Re: "Von falschen Körpern und echten Menschen"

Post 11 im Thema

Beitrag von Olivia » So 22. Apr 2018, 14:45

Hallo Mina,

daran sieht man, dass sich in vielen Bereichen trotz einiger großen Fortschritte nichts wirklich verändert hat - auch das ist Realität, leider - und nicht nur in Bayern...

Liebe Grüße von Olivia

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