Wer von der heterosexuellen Norm unserer Gesellschaft abweicht...
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Anne-Mette
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Wer von der heterosexuellen Norm unserer Gesellschaft abweicht...

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 5. Jul 2018, 20:08

... wird nach wie vor pathologisiert, marginalisiert und diskriminiert.

Eine Presse-Mitteilung zum Thema "Zwischen Diskriminierung und Emanzipation"

https://idw-online.de/de/news698914

Vicky_Rose
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Re: Wer von der heterosexuellen Norm unserer Gesellschaft abweicht...

Post 2 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Fr 6. Jul 2018, 10:16

Ich finde es immer wieder ärgerlich, um nicht zu sagen unanständig, wenn (vermutlich öffentlich) finanzierte Studien genutzt werden, um die Ergebnisse zu vermarkten. Wenigstens gibt es den Interviewanhang unter

https://shop.budrich-academic.de/wp-con ... ersion.pdf

Ich habe zunehmend Schwierigkeiten mit dem Thema "Diskriminierung". Neben den offensichtlichen Tatsachen stelle ich mir immer mehr die Frage, wie viel Diskriminierung herbei geredet wird, weil man ständig darüber redet. Wie groß ist denn die "gefühlte Diskriminierung" im Gegensatz zur tatsächlichen ? Ich denke, es gibt kaum eine Menschengruppe, die nicht an irgendeiner Stelle diskriminiert wird. Man muss nur hinschauen.

Nach Diskriminierung zu suchen bedeutet, Diskriminierung voraus zu setzen. Es verhindert eine unvoreingenommene Sichtweise und läuft damit in Gefahr, damit selber eine Diskriminierung zu sein.

In der Ankündigung des Verlags steht:
zeigt die Notwendigkeit der Dekonstruktion und Destabilisierung der gesellschaftlichen Normen der Zweigeschlechtlichkeit und des gegengeschlechtlichen Begehrens auf.
Ohne das Buch gelesen zu haben stellt sich mir die Frage, ob diese Notwendigkeit wirklich existiert. Aus meiner Sicht geht es nicht um die Normen, sondern um die Wertung die z.T. aus den Normen resultiert. Aus meiner Sicht manifestiert die Transsexualität die Existenz der Zweigeschlechtlichkeit. Das ist ja auch nichts schlimmes und muss auch nicht "dekonstruiert" werden. Problematisch ist die Bewertung, die sich z.B. im TSG widerspiegelt. Diese Norm in Gesetzesform gehört abgeschafft.

Aber worin liegt denn das eigentliche Problem ? Es steckt mMn in unser allen Köpfen. Wir, die Betroffenen machen uns unnötig klein und wagen es nicht, für uns einzustehen und der Rest hat zum Thema nichts oder nur sehr wenig Fundiertes zum Thema in den Köpfen. Das gleiche gilt für Ausländer, andere Hautfarben, andere xxx. Man könnte sogar sagen, das wir Transmenschen die Gesellschaft diskriminieren, in dem wir ständig darüber herziehen, wie sehr sie uns gegenüber negativ eingestellt wäre. Lese ich aber hier Erfahrungsberichte in der Öffentlichkeit, sind sie durchweg positiv. Wie kann das sein ?

Was wissen wir von der Gesellschaft, wenn wir uns in der Mehrzahl nicht in die Öffentlichkeit trauen und aus Angst Stubentransen bleiben ? Welche Chance hat die Gesellschaft uns kennen zu lernen, wenn wir uns nicht zeigen ? Die beste Möglichkeit Vorurteile aus dem Weg zu räumen, ist die Beschäftigung miteinander. Dazu braucht es mMn keine theoretische "Dekonstruktion und Destablisierung von Normen". Das geht völlig am Ziel vorbei. Zielführend ist der menschliche Kontakt mit der Erfahrung, dass er Andere auch ein Mensch ist, der nur anders lebt. Aus dem Weg geräumt werden, müssen die Vorstellungen, die in unser allen Köpfen über den Anderen spuken.

Ich will damit Diskriminierungen nicht klein reden. Aber für die Beseitigung sind auch wir selber zuständig. Mit Forderungen und Zwängen allein werden wird nicht viel erreichen. Es müssen uns Menschen kennen lernen. Und wir müssen auch in Rechnung stellen, dass die Welt da draußen anders ist als wir uns das vorstellen.
Viele Grüße
Vicky

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