Artikel: Trans*-Ausweise in D zwischen 1909 und 1933...
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Jaddy
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Artikel: Trans*-Ausweise in D zwischen 1909 und 1933...

Post 1 im Thema

Beitrag von Jaddy » Fr 16. Feb 2018, 03:00

"The Early 20th-Century ID Cards That Kept Trans People Safe From Harassment"

Man könnte sagen, wir waren schon mal fast soweit. Bereits in der Kaiserzeit wurden offizielle Ausweise für Transpersonen ausgestellt.

https://www.atlasobscura.com/articles/t ... chfeld.amp

MichiWell
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Re: Artikel: Trans*-Ausweise in D zwischen 1909 und 1933...

Post 2 im Thema

Beitrag von MichiWell » Fr 16. Feb 2018, 07:36

Jaddy hat geschrieben:
Fr 16. Feb 2018, 03:00
Man könnte sagen, wir waren schon mal fast soweit. Bereits in der Kaiserzeit wurden offizielle Ausweise für Transpersonen ausgestellt.
Hallo Jaddy,

genau so ist es. Ich lese grad ein Buch von Hirschfeld, und es ist schon erstaunlich, wie weit wir schon einmal waren.

Aber in kürzester Zeit wurden diese mehr als 2 Jahrzehnte Fortschritt der Menschlichkeit wieder zurückgedreht.
Und niemand sollte blind darauf vertrauen, dass das heute nicht wieder passieren kann.


Liebe Grüße
Michi
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Re: Artikel: Trans*-Ausweise in D zwischen 1909 und 1933...

Post 3 im Thema

Beitrag von Jenina » Fr 16. Feb 2018, 08:17

Jaddy,

danke für den Artikel. Schön wie die unschätzbare Leistung von Hirschfeld gewürdigt wird. Man sollte das in seinem eigenen Lande auch mal wieder tun. Nur gibt es gerade heute wieder Bestrebungen nicht zuletzt Hirschfeld als Wegbereiter des "Genderwahns" hinzustellen und damit als Wurzel allen Übels, dass unsere reinen Deutschen Burschen und Mädel so fürchterlich verführt und von der Zeugung kleiner strammer Soldaten und Hausmüttelein abhält.

Ein Mann, dessen zweihundertsten Geburtstag wir dieses Jahr feiern dürfen sagte einmal: „Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce." Hoffen wir, dass es diesmal bei der Farce ohne Tragödie bleibt.

Was genau die Intention war, trans* Menschen einen Ausweis auszustellen würde ich aber all zu gerne wissen. Um ihnen zu helfen wohl eher nicht, ich befürchte da eine Stigmatisierung. Und wozu man das dann benutzen konnte ist eben diese Tragödie. Diese möchten einige (leider auch hier im Forum) aber offenbar lieber vergessen. Wer Geschichte* vergessen will kann aber keine Gegenwart und schon gar nicht die Zukunft gestalten.

Jenina

* es soll ja sogar Lehrer für Geschichte geben die davon befallen sind und sich redlich verdient haben mit dem Namen eines Kastenbrotes angeredet zu werden...
Disclaimer: Dies ist eine persönliche Meinung, sie ist möglicherweise inkompatibel mit Deinem Glauben/Lifestyle/Parteiprogramm!

Svetlana L
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Re: Artikel: Trans*-Ausweise in D zwischen 1909 und 1933...

Post 4 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Fr 16. Feb 2018, 08:57

Jenina hat geschrieben:
Fr 16. Feb 2018, 08:17
* es soll ja sogar Lehrer für Geschichte geben die davon befallen sind und sich redlich verdient haben mit dem Namen eines Kastenbrotes angeredet zu werden...
Ein Schelm, wer dabei an "AfD-Bernd das Brot" Höcke denkt :mrgreen:

In diesem Jahr jährt sich übrigens am 14.05. zum 150. Mal der Geburtstag und zum 83. Mal der Todestag von Magnus Hirschfeld. Das ist eine hervorragende Chance, sein Leben und Wirken entsprechend zu würdigen und ich gehe mal davon aus, dass die großen Verbände dies auch tun werden. Die Post soll zu diesem Anlass übrigens eine Sonderbriefmarke herausgeben.

Der Berliner Senat bekennt sich in seiner Koa-Vereinbarung übrigens zur Wiedererrichtung des Magnus-Hirschfeld-Instituts und eines Elberskirchen-Hirschfeld-Hauses. Bleibt abzuwarten, ob, wann und wie das umgesetzt wird. In Berlin haben wir ja seit letztem Jahr schon das "Hirschfeld-Denkmal" am Magnus-Hirschfeld-Ufer, das in Nähe des Hauptbahnhofs und vis-a-vis von Frau Merkels Amtssitz entlang der Spree verläuft.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

MichiWell
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Re: Artikel: Trans*-Ausweise in D zwischen 1909 und 1933...

Post 5 im Thema

Beitrag von MichiWell » Fr 16. Feb 2018, 18:29

Jenina hat geschrieben:
Fr 16. Feb 2018, 08:17
Was genau die Intention war, trans* Menschen einen Ausweis auszustellen würde ich aber all zu gerne wissen. Um ihnen zu helfen wohl eher nicht, ich befürchte da eine Stigmatisierung.
Im Artikel habe ich einen Absatz gefunden, der Hinweise darauf liefert:
Perhaps dozens of these passes were granted by German police between 1909 and 1933, the year Adolf Hitler became chancellor. The term “transvestitism” at that time encompassed people of all gender identities, from those who occasionally wore men's or women’s clothes on weekends, to those who today might well identify instead as transgender, a term that was not in common usage at the time. Cross-dressing individuals were vulnerable to arbitrary decisions of the police, usually according to how well they “passed.” While it wasn’t illegal to cross-dress, per se, the practice often led to charges of being a “public nuisance,” which could mean six weeks’ imprisonment or a fine of 150 marks—and police were “often keen to exercise their extensive regulatory powers," writes historian Kate Caplan in "The Administration of Gender Identity in Nazi Germany," a 2011 paper in History Workshop Journal.
und auf deutsch:
Vielleicht wurden Dutzende dieser Pässe zwischen 1909 und 1933, dem Jahr, in dem Adolf Hitler Kanzler wurde, von der deutschen Polizei bewilligt. Der Begriff "Transvestitismus" umfasste zu dieser Zeit Menschen aller Geschlechtsidentitäten, von denen, die gelegentlich am Wochenende Männer- oder Frauenkleider trugen, bis hin zu jenen, die sich heute wohl als Transgender identifizieren, ein Begriff, der zu dieser Zeit nicht gebräuchlich war. Cross-Dressing-Personen waren anfällig für willkürliche Entscheidungen der Polizei, in der Regel, je nachdem, wie gut sie "bestanden". Während es nicht illegal war, sich zu kleiden, per se, führte die Praxis oft zu der Anklage, ein "öffentliches Ärgernis" zu sein, was eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen oder eine Geldstrafe von 150 Mark bedeuten konnte - und die Polizei war" oft daran interessiert, ihre weitreichenden regulatorischen Befugnisse auszuüben ", schreibt die Historikerin Kate Caplan in" Die Verwaltung der geschlechtlichen Identität in Nazi-Deutschland " Werkstatt Journal.
Also war der Ausweis wohl eine Art Legitimation oder Attest, um die Betreffenden vor der Polizeiwillkür zu schützen.


Michi
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