Kritik an Lehrer-Studie zu sexueller Orientierung
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Anne-Mette
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Kritik an Lehrer-Studie zu sexueller Orientierung

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 19. Sep 2017, 10:18

Moin,

der TAGESSPIEGEL berichtet über ein Thema, das die Pädagogen in Berlin beschäftigt: http://www.tagesspiegel.de/berlin/homop ... 43554.html

Gruß
Anne-Mette

MichiWell
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Re: Kritik an Lehrer-Studie zu sexueller Orientierung

Post 2 im Thema

Beitrag von MichiWell » Di 19. Sep 2017, 11:19

Diese Fragen in Studie finde ich nicht in Ordnung.

Was hat die sexuelle Orientierung der Lehrer in so einem Fragebogen zu suchen? *1)

Ebenso finde ich es nicht in Ordnung, dass die CDU und FDP damit jetzt Wahlkampf betreiben, wo sie doch daran beteiligt waren.

Das ist einfach nur verlogen und scheinheilig.
Würde man ehrlich dagegen sein, wäre man 2015 degegen vor- und an die Öffentlichkeit gegangen.


*1) Die sexuelle Orientierung ist eine rein persönliche Eigenschaft, und kein Befähigungsnachweis zur Eignung als Lehrkraft oder ähnliches. Ich kann nur davor warnen, nicht zum Opfer seiner eigenen Ideologie zu werden. So sehr man sich auch aus besten Absichten heraus dafür interessieren mag, wie viele oder wenige homosexuelle Lehrer es geben mag. Es spielt keine Rolle. Allein die Tatsache, dass man sich Gedanken darüber macht, ist eine Diskriminierung, und hält womöglich in Zukunft gute Lehrer von einer Bewerbung/Anstellung ab, weil sie sich fragen, ob ihre sexuelle Orientierung die richtige für die entsprechende Schule ist, und/oder Personalentscheider werten die Bewerber nach ihrer mutmaßlichen sexuellen Orientierung.

Viel wichtiger ist, wie Lehrer generell zu den Punkten stehen, und wie sie dementsprechend auf die Schüler einwirken. Man stelle sich vor, es würde nach der Hautfarbe oder ethnischen Abstammung der Lehrer gefragt.

Hier noch ein Beispiel, bei dem allen sofort klar sein dürfte, warum solche Fragen bescheuert sind:
AfD will Homosexuelle in Thüringen zählen lassen

Ich wiederhole mich nochmal als Schlusswort:
Ich kann nur davor warnen, nicht zum Opfer seiner eigenen Ideologie zu werden.


Gruß
Michi
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Mirjam
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Re: Kritik an Lehrer-Studie zu sexueller Orientierung

Post 3 im Thema

Beitrag von Mirjam » Di 19. Sep 2017, 15:28

Hallo Michi,

das was du hier schreibst
MichiWell hat geschrieben:
Di 19. Sep 2017, 11:19
Was hat die sexuelle Orientierung der Lehrer in so einem Fragebogen zu suchen? *1)

...

*1) Die sexuelle Orientierung ist eine rein persönliche Eigenschaft, und kein Befähigungsnachweis zur Eignung als Lehrkraft oder ähnliches. Ich kann nur davor warnen, nicht zum Opfer seiner eigenen Ideologie zu werden. So sehr man sich auch aus besten Absichten heraus dafür interessieren mag, wie viele oder wenige homosexuelle Lehrer es geben mag. Es spielt keine Rolle. Allein die Tatsache, dass man sich Gedanken darüber macht, ist eine Diskriminierung, und hält womöglich in Zukunft gute Lehrer von einer Bewerbung/Anstellung ab, weil sie sich fragen, ob ihre sexuelle Orientierung die richtige für die entsprechende Schule ist, und/oder Personalentscheider werten die Bewerber nach ihrer mutmaßlichen sexuellen Orientierung.

Viel wichtiger ist, wie Lehrer generell zu den Punkten stehen, und wie sie dementsprechend auf die Schüler einwirken. Man stelle sich vor, es würde nach der Hautfarbe oder ethnischen Abstammung der Lehrer gefragt.
sehe ich etwas differenzierter. Denn ich könnte mir schon vorstellen, dass die sexuelle Identität bzw. Orientierung der Lehrer_innen und deren Einstellung zu derartigen Themen, insbesondere auch ihr Umgang mit einschlägigegn Beleidigungen, durchaus korrelieren. Und diese Korrelation zu untersuchen könnte eben interessant sein. Problematisch wird es allerdings dann, wenn Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind. Dazu müsste ich allerdings den Fragebogen genau kennen. So ganz geheuer ist mir das Ganze allerdings nicht ...

LG,

Lalilaluna :()b

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Re: Kritik an Lehrer-Studie zu sexueller Orientierung

Post 4 im Thema

Beitrag von ab08 » Di 19. Sep 2017, 16:09

Hallo,

ich kann die Sache nicht einordnen...

Aber eine Anmerkung aufgrund meiner beruflichen Erfahrung: "Teilnahme ausdrücklich erwünscht" bedeutet in dem Bereich im Grunde "ist Pflicht"
Eine "Soll"-Bestimmung ist nämlich eine "Muss"-Bestimmung. Als ehemalige Vertreterin eines Berufsverbandes erscheint es mir das als problematisch.
Ich betrachte es daher als unerlaubten Eingriff in die Privatsphäre der Kollegen.
Ergo -> Wahrscheinlich bzw. eventuell "Gut gemeint" aber so geht es halt nicht... :wink:

Liebe Grüße
Andrea
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz


MichiWell
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Re: Kritik an Lehrer-Studie zu sexueller Orientierung

Post 6 im Thema

Beitrag von MichiWell » Di 19. Sep 2017, 16:35

Lalilaluna hat geschrieben:
Di 19. Sep 2017, 15:28
sehe ich etwas differenzierter. Denn ich könnte mir schon vorstellen, dass die sexuelle Identität bzw. Orientierung der Lehrer_innen und deren Einstellung zu derartigen Themen, insbesondere auch ihr Umgang mit einschlägigegn Beleidigungen, durchaus korrelieren. Und diese Korrelation zu untersuchen könnte eben interessant sein.
Glaube mir, ich sehe das auch sehr differenziert. Das wird sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit korrelieren. Aber ich verstehe nicht, wozu das gut sein soll? Dann müsste man ja auch Gewalttäter, Drogenjunkies und was noch alles als Lehrer haben wollen. Schließlich haben die ja einschlägige Erfahrungen damit.

Viel wichtiger finde ich, dass Menschen generell eine entsprechende Einstellung zu bestimmten Sachverhalten vermitteln. Denn es ist doch so, dass man einem schwulen Lehrer eher als einem anderen unterstellen wird, da vor allen in seinem eigenen Interesse Position zu beziehen. Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die gerne von Genderideologie und ähnlichem faseln.
Lalilaluna hat geschrieben:
Di 19. Sep 2017, 15:28
Problematisch wird es allerdings dann, wenn Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind. Dazu müsste ich allerdings den Fragebogen genau kennen. So ganz geheuer ist mir das Ganze allerdings nicht ...
Ich habe da beruflich entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen, um das einschätzen zu können. Du wirst mir wahscheinlich dennoch nicht glauben, dass eine Deanonymisierung gar nicht so schwer ist, wie es auf den ersten Blick oft scheint. Aber wenn der Personenkreis klein ist, und/oder hinreichend wohl überlegte und relevante Fragen gestellt werden, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Person zuordnen. Was solche Ergebnisse in der Hand der falschen Leute bedeuten, brauche ich dir wohl nicht zu erklären.

Nicht ohne Grund sind deshalb nur die Daten sicher, die gar nicht erst erhoben werden.

Beispielsweise kann jede Person mit Handy allein anhand ihres Bewegungsprofils zweifelsfrei identifiziert werden. Dazu genügen selbst in einer dicht besiedelten Großstadt 3-4 Orte, an denen sie sich häufiger aufhält in Verbindung mit den Daten, die der Staat über uns alle aus mehr oder weniger berechtigten Gründen speichert. Ähnlich einfach ist das mit Fragebögen. Man muss schon aktiv werden, und einen erheblichen Aufwand betreiben, um das zu verhindern. Menschen lassen sich oft sehr leicht identifizieren, um so sicherer, je mehr man von ihnen abverlangt, bzw. sie bereitwillig preisgeben. Übrigens ist auch die Nutzung der gern gepriesene Freiwilligkeit und die Nichtbeantwortung einzelner Fragen immer eine Antwort. Und frage mal die Werbeindustrie, was die alles über Menschen weiß. Und die sammeln die scheinbar unsinngsten und nutzlosesten Daten. Wenn du magst, dann informiere dich mal über die Thematik.

Wie auch Andrea anmerkt, ist das evtl. gut gemeint, aber dennoch nicht gut getan.

Liebe Grüße
Michi
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Mirjam
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Re: Kritik an Lehrer-Studie zu sexueller Orientierung

Post 7 im Thema

Beitrag von Mirjam » Di 19. Sep 2017, 17:05

Hallo Michi,

sorry wenn ich dir da teilweise widersprechen muss. Denn wenn du schreibst
MichiWell hat geschrieben:
Di 19. Sep 2017, 16:35
Glaube mir, ich sehe das auch sehr differenziert. Das wird sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit korrelieren. Aber ich verstehe nicht, wozu das gut sein soll? Dann müsste man ja auch Gewalttäter, Drogenjunkies und was noch alles als Lehrer haben wollen. Schließlich haben die ja einschlägige Erfahrungen damit.
dann frage ich mich schon, was das miteinander zu tun hat? Meinst du, weil auch Gewalttäter etc. diskriminiert werden? Das fände ich zwar immer noch problematisch, solange es hierbei um die Person und nicht um die Tat geht, trotzdem sehe ich einen deutlichen Unterschied. Denn sie schaden mit ihrem Tun anderen, was bei der sexuellen Orientierung gleich welcher Art auch immer nicht der Fall ist -- mal abgesehen von Pädophilie, aber die ist hier auch nicht Thema.

Und natürlich wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit korrelieren -- aber die Aufgabe bzw. das Wesen von Wissenschaft besteht doch darin, diese Korrelation möglichst genau herauszufinden und nicht bei einem "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zu bleiben.

Bei dem, was du im zweiten Teil schreibst, gebe ich dir allerdings weitgehend Recht, zumindest erscheint es mir sehr gut nachvollziehbar. Deswegen schrieb ich ja in meinem letzten Beitrag auch, dass mir das Ganze nicht ganz geheuer erscheint. Was wohl etwas zu vorsichtig formuliert ist ...

LG,

Lalilaluna :()b

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Re: Kritik an Lehrer-Studie zu sexueller Orientierung

Post 8 im Thema

Beitrag von MichiWell » Di 19. Sep 2017, 20:50

Hallo Lalilaluna,

ich mache mir oft Gedanken, und möchte versuchen, verstanden zu werden. Also gehe bitte davon aus, dass ich das nicht unbedacht dahin schreibe. (Auch wenn mir freilich Fehler und Irrtümer unterlaufen können.)
Lalilaluna hat geschrieben:
Di 19. Sep 2017, 17:05
dann frage ich mich schon, was das miteinander zu tun hat?
Aus meiner Sicht ist nicht entscheidend, was ein Mensch ist, sondern wie er handelt.

Deswegen finde ich es, dass es nicht darum gehen sollte, ob homosexuelle Lehrer häufiger Verständnis haben als heterosexuelle Lehrer. Die Homosexualität selbst ist keine besondere Befähigung, die einen homosexuellen Lehrer gegenüber einem heterosexuellen Lehrer kompetenter macht. Darum auch die leicht provokante Antithese mit Gewalttätern und Drogenjunkies.

Was zählt ist einzig die positive Einstellung zu und das respektvolle Verhalten gegenüber "irgendwie anderesartigen" Menschen.
Lalilaluna hat geschrieben:
Di 19. Sep 2017, 17:05
Und natürlich wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit korrelieren -- aber die Aufgabe bzw. das Wesen von Wissenschaft besteht doch darin, diese Korrelation möglichst genau herauszufinden und nicht bei einem "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zu bleiben.
Korrelationen zu finden, ist keine "Aufgabe" der Wissenschaft, sondern eher eine beliebte Spielwiese für Statistiker. Daten sammeln, und daraus Korrelationen herauslesen, kann jeder mäßig begabte Mensch. Mit Wissenschaft hat das erst mal wenig zu tun, eher mit Kaffeesatzleserei, und dementsprechend fallen auch die Ergebnisse aus. Berichte, die mit den Worten "Amerikanische Forscher haben herausgefunden" beginnen, sorgen deswegen auch recht oft für Erheiterung, und haben nicht selten mit Wissenschaft so viel zu tun, wie das Vorabendprogramm bei RTL mit dem richtigen Leben.

Wissenschaftler dagegen entwickeln Theorien, versuchen diese zu beweisen oder zu widerlegen, suchen Kausalitäten. Statistik ist da nur ein Werkzeug von vielen.

Hier noch eine Seite, die ich in immer mal gerne für ein besseres Verständnis verlinke: Über das beliebte Gleichsetzen von Korrelation und Kausalität
So gut kann ich das nicht erklären.

Liebe Grüße
Michi
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