TAGESSPIEGEL: Queere Angst vorm Pflegeheim
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Anne-Mette
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TAGESSPIEGEL: Queere Angst vorm Pflegeheim

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 13. Apr 2017, 16:39

Moin,

Eine Berliner Hochschule erforscht jetzt die Herausforderungen der Altenpflege von Homosexuellen und Transsexuellen.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/queer ... 59588.html

Dazu müssten wir uns wohl anschauen, welche Menschen damit gemeint sind.
Wenn ich es genau betrachte, dann kann es dabei nur um Menschen gehen, die "im Alter" einen transsexuellen Weg gehen(?).
Oder ist es so, dass Menschen mit einem "ehemaligen transsexuellen Hintergrund" auch einen (körperlichen) Sonderbedarf haben?

Gruß
Anne-Mette

ab08
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Re: TAGESSPIEGEL: Queere Angst vorm Pflegeheim

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 » Do 13. Apr 2017, 17:37

Danke für dieses Thema, Anne-Mette,

bin ja gerade von der Reha zurück...

Dort wurde ich ausgezeichnet versorgt. Ärzte, Therapeuten, Schwestern etc. waren sehr empathisch. Aber der Altersdurchschnitt bei den Patienten war hoch. Während es in den ganzen Jahren mit Schülern/Eltern nie Probleme gab, war es dort anders. Zwei Mitpatientinnen machten den Alltag für mich ziemlich schwierig.
Beispiel -> Komplimente kamen, es tut gut und ich freu mich darüber...Wenn sich nun jemand schnell einmischt und mich wiederholt durch entsprechende Pronomen (er, ihm ...) auf die männliche Schiene schiebt, finde ich das überhaupt nicht toll. -> Jedenfalls gab es dort zwar viele nette Bekanntschaften mit Herren und Damen, aber eben auch zwei Mitpatientinnen, die mir so das Leben schwer machten.
-> Daher zweifle ich nun, ob ein normales Altenheim/ eine normale Seniorenresidenz das Richtige für mich ist.
Zudem sollten wir auch an die allgemeine Entwicklung denken (vgl. Queer.de) -- http://www.queer.de/abstimmen_ergebnis.php?wahl=732

Liebe Grüße
Andrea )))(:

P.S. An der anderen Klinik reagierte ein Arzt, der bei mir Blut abnehmen sollte, etwas komisch. -> Als ich nach wiederholten "Versprechern" (Herr...) auf der korrekten Anrede(Frau...) bestand, weigerte er sich, die Behandlung durchzuführen und ging... War nicht weiter tragisch, denn so kam halt einige Stunden später eine Kollegin.
Zuletzt geändert von ab08 am Do 13. Apr 2017, 20:24, insgesamt 6-mal geändert.
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Svetlana L
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Re: TAGESSPIEGEL: Queere Angst vorm Pflegeheim

Post 3 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Do 13. Apr 2017, 17:47

Ich denke, bei der ganzen Problematik geht es nicht nur um körperliche Sonderbedarfe, sondern in nicht unerheblichem Umfang auch um das ganze psychische Drumherum. Da geht es um Ausgrenzung, fehlende Empathie usw. Das betrifft m. E. nicht nur trans*.
Die LADS hat dazu übrigens auch mal ein Factsheet herausgegeben.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

Lex
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Re: TAGESSPIEGEL: Queere Angst vorm Pflegeheim

Post 4 im Thema

Beitrag von Lex » Do 13. Apr 2017, 21:29

Ist zwar noch ne Weile hin, aber ich denke, sobald ich nicht mehr allein leben kann, werde ich es wie die Elefanten halten: Mich zurückziehen und per Suizid richten, da ja heutzutage keine Raubtiere existieren, die mich ins Jenseits befördern. Für alle, die jetzt schockiert reagieren, hier die Erklärung. Ich möchte, wenn ich alt bin, keinem Pfleger oder Arzt unnötig zur Last fallen und da ich mir 100%ig sicher bin, dass ich weder Lebenspartnerin, noch Kinder haben werde, da niemand je an mir Interesse gezeigt hat, zeigt und zeigen wird, wird das auch kein familiäres Chaos auslösen. Ich will nicht mit der Gewissheit vor mich hin "rotten", wie eine Ware in einem billigen Pflegeheim behandelt zu werden, von Leuten, die demotivierter und allgemein gestresster nicht sein könnten. Ich will nicht unter dem Verlust meines geistigen Vollbesitzes vor mich hinsabern und stupide darauf warten, dass mich die nächste Schlaftablette abmurkst. Und ich werde nicht billigend in Kauf nehmen, einmal zu einer Pflegekatastrophe zu werden, wie meine Mutter, gereizt, aggressiv und unbeweglich. Zumal ich wohl zu der ersten Generation gehören werde, die trotz jahrelanger Arbeit keine Rente mehr bekommen wird, und eine Altersvorsorge so unmöglich gemacht wird. Nicht mit mir. Und mich dann auch noch von grantigen alten Hampeln herumschupsen zu lassen, weil meine Zellen ein X UND ein Y-Chromosomen aufweisen, sehe ich nicht ein. Aber bis dahin ist es noch lang, und die Chancen sind hoch, dass wir ohnehin alle im radioaktive Staub krepieren, den fette, durchgeknallte und inkompetente Staatsführer zu verantworten haben. Ein hoch auf die Zukunft der Menschheit. Nicht!

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Re: TAGESSPIEGEL: Queere Angst vorm Pflegeheim

Post 5 im Thema

Beitrag von Lex » Do 13. Apr 2017, 21:37

An Ab08: Warum haben Sie den Arzt nicht gefragt, warum er so eine Lapalie wie Blutabnehmen verweigert? Nadel rein, Plaster drauf, fertig. Warum sollte da das Geschlecht eine Rolle spielen? Manchmal ist die Welt ein bekloppter Ort... -_-

Zu meinem vorherigen Text, jaja, ich weiß. Triefender Pessimismus. Egal, manchmal hat man(n) auch so seine Tage. Grundsätzlich jedoch ist daran nichts falsch, seinen Tod zu planen. Im Anbetracht der gegenwärtigen Entwicklungen....
Manchmal mach ich die Zeitung auf, und denk mir: "Herrgott! Ist den die gesamte Welt verrückt geworden?" Gerade, wenn man so jung ist, schockiert es, was derzeit alles passiert. Meine Klassenkameraden sind schon teils so desillusioniert, und demoralisiert, dass sie einfach alles ignorieren, und nur noch den Moment leben, ohne zu planen und sich Sorgen um die Zukunft zu machen, frei nach der Devise: "Wenns knallt, ists auch egal." Ist das die gewünschte Mentalität einer ganzen Generation? Ein Leben in naiver Ignoration, wohl wissend, das Wahnsinnige die Welt lenken? Eine humanitäre Katastrophe ist das....

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Re: TAGESSPIEGEL: Queere Angst vorm Pflegeheim

Post 6 im Thema

Beitrag von ab08 » Do 13. Apr 2017, 22:23

Lex hat geschrieben:
Do 13. Apr 2017, 21:37
Warum haben Sie den Arzt nicht gefragt, warum er so eine Lapalie wie Blutabnehmen verweigert?
:lol: Hallo Lex,
soviel Zeit hatte ich in der Situation leider nicht. Als ich die Anrede kritisierte, weigerte er sich, mich zu behandeln und verschwand... *) :lol:
In verschiedensten Situationen machte ich seit 2007/2008 die Erfahrung: Logik hilft im Ernstfall selten.
*) Wir begegneten uns auch später nie mehr.

LG Andrea

P.S. Es liegt sicher auch an mir: Wenn mich jemand falsch anspricht, wird er von mir stets konsequent verbessert. :wink:
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------
@all
Übrigens habe ich den Eindruck, dass in solchen Einrichtungen heute oft auch Personen mit vorgefassten Meinungen arbeiten, die dort fehl am Platz sind.
Da hilft auch ein Ausweis oder eine GAOP nix! - Da wird über Dich bestimmt! - Da wirst Du eingeordnet und Dir gesagt, was Du bist! - Widerspruch hilft da wenig!
-> Ähnlich wie manche Schüler(Falscher Vorname/schaut nicht intelligent aus/...) bei inkompetenten Lehrkräften von vornherein schlechte Karten haben... :wink:
Zuletzt geändert von ab08 am Fr 14. Apr 2017, 08:45, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: TAGESSPIEGEL: Queere Angst vorm Pflegeheim

Post 7 im Thema

Beitrag von Daenerys Targaryen » Fr 14. Apr 2017, 08:30

Lex hat geschrieben:
Do 13. Apr 2017, 21:29
(…) Ich will nicht mit der Gewissheit vor mich hin "rotten", wie eine Ware in einem billigen Pflegeheim behandelt zu werden, von Leuten, die demotivierter und allgemein gestresster nicht sein könnten. Ich will nicht unter dem Verlust meines geistigen Vollbesitzes vor mich hinsabern und stupide darauf warten, dass mich die nächste Schlaftablette abmurkst. Und ich werde nicht billigend in Kauf nehmen, einmal zu einer Pflegekatastrophe zu werden, wie meine Mutter, gereizt, aggressiv und unbeweglich. Zumal ich wohl zu der ersten Generation gehören werde, die trotz jahrelanger Arbeit keine Rente mehr bekommen wird, und eine Altersvorsorge so unmöglich gemacht wird. Nicht mit mir. Und mich dann auch noch von grantigen alten Hampeln herumschupsen zu lassen, weil meine Zellen ein X UND ein Y-Chromosomen aufweisen, sehe ich nicht ein. Aber bis dahin ist es noch lang, und die Chancen sind hoch, dass wir ohnehin alle im radioaktive Staub krepieren, den fette, durchgeknallte und inkompetente Staatsführer zu verantworten haben. Ein hoch auf die Zukunft der Menschheit. Nicht!
Ich teile deine Meinung. Allerdings gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass sich in den nächsten Jahren vermehrt Wohn- und Betreuungsmodelle für Senioren etablieren, die auch LGBT-freundlich sind, z.B. WGs. Dort könnten dann z.B. auch jüngere Menschen aus der LGBT-Szene helfen, in dem sie für die Senioren einkaufen oder mit ihnen Spiele spielen etc. Neben den gesundheitlichen Problemen gilt es ja vor allem, das Alleinsein zu mindern. Ich kenne viele TS, die Angst davor haben, im Alter zu vereinsamen.

Von daher finde ich den Artikel und die Forschung dieser Berliner Hochschule gut. Es macht Hoffnung, dass sich mehr Menschen mit LGBT-Senioren beschäftigen.

Liebe Grüße Daenerys
Me too.

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Re: TAGESSPIEGEL: Queere Angst vorm Pflegeheim

Post 8 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Fr 14. Apr 2017, 09:12

Daenerys Targaryen hat geschrieben:
Fr 14. Apr 2017, 08:30
Allerdings gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass sich in den nächsten Jahren vermehrt Wohn- und Betreuungsmodelle für Senioren etablieren, die auch LGBT-freundlich sind, z.B. WGs. Dort könnten dann z.B. auch jüngere Menschen aus der LGBT-Szene helfen, in dem sie für die Senioren einkaufen oder mit ihnen Spiele spielen etc. Neben den gesundheitlichen Problemen gilt es ja vor allem, das Alleinsein zu mindern. Ich kenne viele TS, die Angst davor haben, im Alter zu vereinsamen.
Daenerys, da triffs du so ziemlich genau das hier. Und in Planung im Schöneberger Kiez hier in Berlin ist auch ein entsprechendes lesbisches Projekt. Warum sollte so etwas nicht auch für trans* möglich sein?
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

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Re: TAGESSPIEGEL: Queere Angst vorm Pflegeheim

Post 9 im Thema

Beitrag von Inga » Sa 15. Apr 2017, 00:38

Hallo, miteinander,

ich sehe keinen Grund, so pessimistisch zu sein wie Lex. Ich denke, dass in dem Thema "Würdevoller älter werden" einige Bewegung ist, die es Menschen wie uns leichter machen wird, älter zu werden. Da ist außerdem die Chance, dass wir unsere eigene Zukunft jetzt schon mitgestalten können.

Liebe Grüße
Inga

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