FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)
FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis) - # 4

Antworten
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13333
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 651 Mal
Danksagung erhalten: 4703 Mal
Gender:

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 46 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 28. Apr 2018, 08:34

Moin,

interessant, was man mit so einem Vorstoß anrichten kann.
Ich finde "Teilhabeausweis" nicht schlecht; denn meine vielen Jahre in der Selbsthilfegruppenarbeit haben mir gezeigt: vielen Menschen mangelt es an Teilhabe,
das sie eingeschränkt sind in ihrer Teilnahme am "öffentlichen Leben".
Dabei ist so ein Ausweis nur ein Baustein, um ihnen das Leben zu erleichtern und sie als Teil der Gemeinschaft zu sehen und ihnen Zugang zu vielen Stellen zu ermöglichen.

Im Kreise der SelbsthilfegruppenvertreterInnen erlebe ich viele Menschen, denen - auch durch den Ausweis - eine Teilhabe und Teilnahme an Veranstaltungen ermöglicht wird.
Also bitte vorsichtig(er) über das Thema reden/schreiben, wenn keine eigenen Erfahrungen vorliegen!

... und bitte nicht immer auf "die Bürkraten" schimpfen. Als ich einen "Schwerbehindertenausweis" für eine Angehörige beantragt habe, war der Bescheid nach gut 14 Tagen da. Danach konnte das Foto hochgeladen werden und nach weiteren 2-3 Wochen war der Ausweis im Briefkasten.

Gruß
Anne-Mette

Laura R
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 249
Registriert: Do 14. Feb 2013, 20:05
Geschlecht: weiblich
Pronomen: Sie
Membersuche/Plz: Flensburg
Hat sich bedankt: 33 Mal
Danksagung erhalten: 117 Mal
Gender:

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 47 im Thema

Beitrag von Laura R » Sa 28. Apr 2018, 09:11

Moin,
Ich finde diesen Ansatz der FDP gar nicht so schlecht, es gibt ja auch schon den Entwurf eines „ Schwer in Ordnung „ Ausweises den auch schon einige Behörden in Form einer Einsteckhülle ausgeben.( war im übrigen eine Idee einer Jugendlichen die selber betroffen ist) Es tut sich was.
Warum wird in Deutschland und auch hier im Forum immer das Haar in der Suppe gesucht, wenn wer eine andere Sichtweise hat ist das doch voll und ganz ok, klar hat jeder seine eigene Meinung und kann/darf diese auch kundtun, dafür sind wir ein freies Land. Was hier zum Teil nicht gut ist das diese gleich niedergemacht werden. Akzeptiert doch einfach mal die Meinung anderer ohne gleich zig tausend Zitate oder sonstwas einzufügen.
Was nervt ist auch das genörgel und klugscheissrn hier im Forum, es wird gemeckert was das Zeug hält ohne einen Vorschlag oder eine Idee zu haben wie es besser gemacht werden kann.
Das gilt auch für andere Themen und Beiträge hier im Forum.
Und: Ich habe selber einen Schwerbindertenausweis oder was auch immer
Liebe Grüße
Laura
Ich bin wie ich bin und weiß wer ich bin. Das gut so!

conny
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2684
Registriert: Mo 9. Nov 2009, 18:54
Geschlecht: vorhanden
Pronomen:
Membersuche/Plz: Leipzig
Hat sich bedankt: 213 Mal
Danksagung erhalten: 256 Mal

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 48 im Thema

Beitrag von conny » Sa 28. Apr 2018, 12:37

Moin Anne-Mette!
Anne-Mette hat geschrieben:
Sa 28. Apr 2018, 08:34

Ich finde "Teilhabeausweis" nicht schlecht; denn meine vielen Jahre in der Selbsthilfegruppenarbeit haben mir gezeigt: vielen Menschen mangelt es an Teilhabe,
das sie eingeschränkt sind in ihrer Teilnahme am "öffentlichen Leben".
Dabei ist so ein Ausweis nur ein Baustein, um ihnen das Leben zu erleichtern und sie als Teil der Gemeinschaft zu sehen und ihnen Zugang zu vielen Stellen zu ermöglichen.
Sicher mangelt es vielen an Teilnahmemöglichkeiten, aber das ändert sich meiner Meinung nach nicht durch einen anderen Ausweisnamen. Dazu gehört vielfach ganz praktische, auf die spezielle Behinderung zugeschnittene Hilfe und ein oft stärker notwendiges Problembewusstsein bei denjenigen, die diese Dinge regeln können.

Wie ich schon schrieb: Die große Mehrheit hat meiner Meinung und Erfahrung nach kein Akzeptanzproblem mit behinderten Menschen. Aber es gibt immer noch zuviel Berührungsängste.
Anne-Mette hat geschrieben:
Sa 28. Apr 2018, 08:34

Im Kreise der SelbsthilfegruppenvertreterInnen erlebe ich viele Menschen, denen - auch durch den Ausweis - eine Teilhabe und Teilnahme an Veranstaltungen ermöglicht wird.
Damit meinst Du doch den jetzigen Ausweis, oder?

Übrigens: Zwei Dir gut bekannte Inhaber eines Schwerbehindertenausweises können mit dem Begriff "Teilhabeausweis" auch nichts anfangen )))(:

Schöne Grüße
Conny

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13333
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 651 Mal
Danksagung erhalten: 4703 Mal
Gender:

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 49 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 28. Apr 2018, 13:13

Moin Conny,

ja, ich meinte den bisherigen Ausweis; denn es ist die Frage, ob es den neuen überhaupt geben wird.
Wenn hier schon so viel Widerspruch kommt, wie wird es dann im Bundestag sein?

Natürlich sind "flankierende Maßnahmen" erforderlich, damit es tatsächlich zu einer Teilhabe kommt.
Dazu gehört auch, betroffene Menschen zu informieren über die Rechte, die ihnen zustehen - und natürlich ein Ausbau der Rechte.

Schon der bisherige Ausweis bietet einige Vorteile, wenn man einen GdB über 50 hat.
Jedes Diskutieren über das Thema bringt den Vorteil, dass es in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen wird; denn die meisten Menschen
sagen erst "... ich habe nicht gewusst, dass das so schwierig ist...", wenn sie selbst zum Kreis der Betroffenen gehören.

Gruß
Anne-Mette

Mina
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1295
Registriert: Mi 26. Apr 2017, 18:23
Pronomen:
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 518 Mal
Danksagung erhalten: 835 Mal

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 50 im Thema

Beitrag von Mina » Sa 28. Apr 2018, 16:42

Es ging ja nicht nur um Diskussion, auch um Vorschläge.

Ich hatte heute meinen Schwiegereltern im Garten geholfen.
Am Mittagstisch, fragte ich meine Schwiegermutter ( 85%), was sie von dem Ausweis hält und der aktuellen Bezeichnung. (Behindert)
Für sie hat das Wort immer schon einen negativ besetzten Beigeschmack gehabt.

Wir unterhielten uns darüber. Schlussendlich schlug sie vor: Warum nicht als Symbol „ HP“ in einem weißen Quadrat gefasst und blauen Hintergrund?

HP = Handicapped Person

Argument, es wird ohnehin durch die EU alles „ verenglischt“ und ich finde den Vorschlag einfach nur genial.

Eine schöne Mitte für Alle!
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13333
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 651 Mal
Danksagung erhalten: 4703 Mal
Gender:

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 51 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 28. Apr 2018, 16:49

Moin,

HP?

... nicht, dass dann mein Drucker meckert :mrgreen:
hp.jpg
Der sucht sich allerdings den "Grad der Behinderung" - (wenig Toner, Wartung durchführen) - selbst aus (smili)

Gruß
Anne-Mette
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Mina
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1295
Registriert: Mi 26. Apr 2017, 18:23
Pronomen:
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 518 Mal
Danksagung erhalten: 835 Mal

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 52 im Thema

Beitrag von Mina » Sa 28. Apr 2018, 16:52

Ok, ich lass es.....

War ein Versuch. Macht’s gut Mädels! )))(:
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13333
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 651 Mal
Danksagung erhalten: 4703 Mal
Gender:

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 53 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 28. Apr 2018, 16:56

Moin,

oha, :mrgreen: und (smili) hast Du nicht gesehen?

Schade :(

Gruß
Anne-Mette

Ronda_PTL
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 539
Registriert: Mo 15. Jan 2018, 18:29
Geschlecht: PartTimeLady
Pronomen: Kontext bezogen
Wohnort (Name): Franken
Membersuche/Plz: 97xxx
Hat sich bedankt: 1470 Mal
Danksagung erhalten: 435 Mal
Gender:

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 54 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Sa 28. Apr 2018, 20:14

Hallo Ihr lieben Neuen in diesem Thread,

die sich noch ganz in meinem Sinne der Argumentation inzwischen geäußert haben. Ich danke Euch für die Aufgeschlosseneheit gegenüber POSITIVEN CHANCEN der Veränderung, die ich den letzten Tagen, trotz geduldiger Versuche sie argumentativ zu beleuchten UND zu begründen, leider fast vollständig hier vermissen musste. (Wer will, kann ja alles nachlesen). Ihr habt mir ein Stückchen Frust von der Seele genommen, dafür DANKE. (so)

Ich melde mich einzig nochmals, um dies zu betonen, denn auch ich / wir als unmittelbar Betroffene haben das leidige Thema in unserem Freundeskreis zur Diskussion gestellt, und es waren bisher ausnahmslos alle Befragten der Meinung, dass mit der Änderung vom stark stigmatisierenden Begriff der "BEHINDERUNG" zu einem besseren, wie "TEILHABE" ein begrüßenswerter Schritt in die richtige Richtung gemacht würde. Unter den Befragten sind "Behinderte" und "NICHT-Behinderte" gewesen.

Auch Mina's Vorschlag der "HP" (Handicapped Person) hat wirklich Charme, ist zwar leider auch auf das Handicap bezogen, dafür aber international verständlich. Die Markennamen-Kollision mit "hp"® war ein schöner Comic Relief, liebe Anne-Mette. 😄😄

Also trotz aller WIDERSTÄNDE hier im von EMPATHIE und WELTOFFENHEIT geprägten Forum (😂😂😂), wird vermutlich Anne's Befürchtung über noch größere Bedenkenträger-Diskusionen im BUNDESTAG zutreffen. Allein andere Lobbyisten, Partikular-Interessens-Vertreter, die befürchten IHNEN könnte irgendeine "Benachteiligung" daraus entstehen, ... ich ahne Schlimmes! 😱

Noich ein abschließendes Wort zu meiner "Legitimation & Befähigung" über Dinge zu reden, bei denen ich eigene Erahrungen vorweisen kann, obwohl ich das schon erwähnt hatte und viele mich kennen:

Meine erst 55-jährige, zu GdB 80(!) behinderte "bessere Hälfte" sitzt nunmehr seit fast 10 Jahren im Rollstuhl, hat Plegegrad 3 und benötigt 24/7 Hilfe / Betreuung, hat "Begleitungs-Einstufung", ist aber im Kopf völlig klar und fit, kann aber nicht mehr ihren Beruf ausüben. ⚠️ Wer sich einmal für 5 Minuten in unsere Situation begibt / einfühlt, der wird nie wieder von "kosmetischen Worthülsen" eines TEILAHBE-Ausweises faseln, wetten? 🙄

Natürlich braucht es auf dieser Basis noch ganz viele, sehr viele Verbesserungen als flankierende Maßnahmen. Aber den Mut, die seelische Unterstützung, die allein schon POSITIV BESETZTE BEGRIFFLICHKEITEN den Betroffnen geben, ist die halbe Miete zum endlosen Kampf um kleinste Schritte der Verbesserung der großen Baustellen und existierenden Nachteile eines solchen erzwungene Lebens auf der "Kriechspur" der Gesellschaft. ✊🏽

Danke fürs Lesen! 💚

LG Ronda & Carolyn. 🌈
"Life is what happens, while you're busy making other plans." [† John Lennon]

MichiWell
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2640
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: Leipzig - Chemnitz - Gera
Hat sich bedankt: 1204 Mal
Danksagung erhalten: 1825 Mal

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 55 im Thema

Beitrag von MichiWell » Sa 28. Apr 2018, 22:25

Ich habe meine selbst verordnete Bedenkpause beendet, und möchte einen neuen Anfang versuchen ...


Es ist völlig in Ordnung, etwas erst mal "nicht schlecht" zu finden. Das ist ein Gefühl, und jede(r) hat das Recht auf Gefühle.

Es mag die meisten verwundern: Auch ich*) hatte mal das Gefühl, dass das vielleicht gar nicht so eine schlechte Idee ist. Ich habe aber etwas gewagt, habe gemacht, was ich über die Jahre gelernt habe.


Was nämlich nicht geht ist, Gefühle stante pede zu Tatsachen erheben zu wollen, und vor allem nicht darauf gegründet weitreichende, alle betreffende Veränderungen anzustreben, ohne sich tatsächlich Gedanken über die möglichen Folgen zu machen. Statt dessen sollte man zu erst einmal selbst versuchen, sie in verschiedene Richtungen pro und contra zu hinterfragen.

Was ich statt dessen leider immer wieder erlebe ist, dass, sobald man anfängt, die gefühlten Tatsachen auf der Suche nach dem Für und Wider zu hinterfragen, ganz schnell die große Keule ausgepackt wird.

Dann heißt es: "Man muss auch mal andere Meinungen stehenlassen."
Oder: "In einer Diskussion geht es nicht darum, auf andere Beiträge einzugehen."
(Beides keine wortwörtlichen Zitate, damit sich auch ja niemand irgendwie nicht nicht in- oder exkludiert fühlt.)

Auch gerne genutzt ist das Abtun unliebsamer Erwiderungen als ... Nörgeln, Klugscheißeren, Meckern etc.
Und wenn es gar nicht anders geht: argumentum ad hominem.

All das ist ein ganz ganz schlechter Diskussionsstil, der einzig zum Ziel hat, den unbequemen Widersacher mundtot zu machen.

Das funktioniert übrigens auffallend genau überall dort, wo sich genug GesinnungsgenossInnen zusammenfinden, gleich ob rechts, links oder welche Position auch immer, und es führt in konsequent und direkt in die Filterblase - die Komfortzone, welche zu viele für absolut erstrebenswert halten.

Wenn ich in eine Diskussion einsteige, dann wird es auch schon mal unbequem - unbequem für andere aber auch für mich!

Diskussion ist eben nicht, sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen und sich ausschließlich zu lobhudeln.

Diskussion ist Reibung. Reibung lässt mich spüren, dass ich lebe. Reibung entsteht durch Kraft und Gegenkraft und ermöglicht es mir, dass mich aktiv bewegen und entwickeln kann.

Ohne Reibung kann man doch nur passiv im Strom treiben - grad so wie ein toter Fisch.

Wer sich aber nicht reiben will sondern lieber treiben lassen und im Gleichschritt marschieren, der sollte sich überlegen, ob es denn besser wäre, zu Militärparaden oder als Jubelperser zu Wahlkampfveranstaltungen gehen.

Ich jedenfalls will nicht mit dem Strom treiben und nicht von ihm getrieben werden. Das kann ich noch lange genug machen, wenn ich wirklich tot bin.



Wer nun meint, auf Grund meiner Offenheit und Ehrlichkeit einen neuen Angriffsvektor gegen mich entdeckt zu haben, wer sich in seinem Kampf gegen mich bestätigt sieht oder generell die Ablehnung ihm/ihr unliebsamer Meinungen als erstrebenswertes Ziel betrachtet, der/die tut mir einfach nur furchtbar leid.


*) Warum ich davon abgekommen bin, die Idee für gut zu befinden, dazu vielleicht später mehr. Nur so viel: Ich habe mich nicht ausschließlich mit jenen Äußerungen befasst, die eine positive Wirkung beschwören und sich dies allenthalben selbst und gegenseitig bestätigen.

Meine Maxime ist viel mehr der Spruch von André Gide:

"Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben."
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen.

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

conny
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2684
Registriert: Mo 9. Nov 2009, 18:54
Geschlecht: vorhanden
Pronomen:
Membersuche/Plz: Leipzig
Hat sich bedankt: 213 Mal
Danksagung erhalten: 256 Mal

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 56 im Thema

Beitrag von conny » So 29. Apr 2018, 00:16

Hallo,
Anne-Mette hat geschrieben:
Sa 28. Apr 2018, 13:13

Schon der bisherige Ausweis bietet einige Vorteile, wenn man einen GdB über 50 hat.
Jedes Diskutieren über das Thema bringt den Vorteil, dass es in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen wird; denn die meisten Menschen
sagen erst "... ich habe nicht gewusst, dass das so schwierig ist...", wenn sie selbst zum Kreis der Betroffenen gehören.

Gruß
Anne-Mette
Ja, ein Schwerbehindertenausweis bietet einige Vorteile, die aber ein Teilhabe-Ausweis doch nicht automatisch erweitern würde. Und da, wo notwendige Änderungen in konkreten Dingen notwendig sind, kann und sollte das bitte unabhängig von einem Ausweisnamen geschehen.
Ronda_PTL hat geschrieben:
Sa 28. Apr 2018, 20:14

Meine erst 55-jährige, zu GdB 80(!) behinderte "bessere Hälfte" sitzt nunmehr seit fast 10 Jahren im Rollstuhl, hat Plegegrad 3 und benötigt 24/7 Hilfe / Betreuung, hat "Begleitungs-Einstufung", ist aber im Kopf völlig klar und fit, kann aber nicht mehr ihren Beruf ausüben. ⚠️ Wer sich einmal für 5 Minuten in unsere Situation begibt / einfühlt, der wird nie wieder von "kosmetischen Worthülsen" eines TEILAHBE-Ausweises faseln, wetten? 🙄
Ok, dann frage ich mal höflich nach:
Was ist an Eurer Situation verbesserungsbedürftig und was würde ein TEILHABE-Ausweis konkret an Verbesserung bringen.
Ich kann den Wunsch nach einer positiveren Bezeichnung natürlich nachvollziehen, mir ist bisher leider kein besserer Vorschlag eingefallen, aber für mich wäre ein Teilhabe-Ausweis kein Mutmacher, wenn ich durch die Behinderung unweigerlich an Teilhabegrenzen stosse.
Schöne Grüße
Conny

Conny-Andrea
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 434
Registriert: Mi 20. Sep 2017, 12:13
Geschlecht: Haus-Frau
Pronomen: Du
Wohnort (Name): Berlin
Membersuche/Plz: Berlin
Hat sich bedankt: 473 Mal
Danksagung erhalten: 412 Mal

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 57 im Thema

Beitrag von Conny-Andrea » So 29. Apr 2018, 06:20

„Im Grunde sind alle Menschen behindert, der Vorzug von uns Behinderten allerdings ist, dass wir es wissen.“ – Wolfgang Schäuble über sein Leben im Rollstuhl, Focus Nr. 12/2006
Hallo Miteinander,

im Grunde habt ihr alle das gleiche Ziel. Ihr könnt euch nur nicht einigen, ob der erste Schritt eurer Reise mit dem linken oder dem rechten Fuß geschehen soll. Dabei ist das doch völlig egal.

Das Wort "Teilhabe-Ausweis" ist ein symbolischer Schritt in die richtige :!: :?: Richtung. Es müssen aber auch "tatsächliche" Schritte folgen.

Ich habe selber eine "komfortable" 100%-Behinderung. Komfortabel deshalb, weil ich trotzdem immer noch voll berufstätig bin. Wenn ich meine verschiedenen Behinderungen zusammenzähle bin ich eigentlich sogar 120% behindert. :lol: Und mal ehrlich gesagt, früher war ich ein Krüppel, dann ein Schwerbeschädigter, jetzt ein Schwerbehinderter und demnächst ein Teilhabender :!: :?:. Und was kommt danach?

Ich schlage vor: Mensch mit besonderen Eigenschaften. Das könnte sogar positiv gemeint sein.

Ich verstehe Rondas Argumente mit der negativen Besetzung des Wortes "Behindert". Aber ich halte es mit Jeninas "Geusenwort".
Jenina hat geschrieben:
Mo 1. Jan 2018, 09:31
Wir hatten immer über die abwertende Bedeutung dieser Worte
gesprochen, die gerade diese Worte beinhalten. Das betrifft viele
andere Wörter im Bereich des mehr oder weniger sexuellen
Umfeldes. Devianzen sind eben eine Abweichung und Abweichung muss
verbal bekämpft werden, wenn man es schon mit den Fäusten nicht
darf. So denken offenbar einige Menschen, nicht immer nur solche,
denen es erheblich an grauer Masse im Köpfchen mangelt. Was macht
man am besten mit einem Schimpfwort? Man benutzt es!

Und zwar so, dass man dieses böse Wort ganz selbstverständlich,
selbstbewusst und stolz auf sich selber und sein Tun anwendet.
Man nennt so etwas "Geusenwörter". Die Bezeichnung geht auf
niederländische Freiheitskämpfer zurück. Sie kämpften im
sogenannten 80 jährigen Krieg 1568 bis 1648 für ihre Freiheit und
ihre Rechte. Herablassend wurden sie als "geuzen" bezeichnet,
abgeleitet vom französischen gneux für Bettler. Was als
Schimpfwort des Adels für die Hungerleider gedacht war, die es
sich erlaubten, gegen die gottgewollte Herrschaft des Adels zu
rebellieren, wurde zum stolzen Begriff für die mutigen Rebellen.

Ein neuer Begriff würde über kurz oder lang auch wieder negativ besetzt werden. Also sollten wir das tun, was auch hier im Forum immer wieder propagiert wird: Offen und stolz zeigen, wer wir sind.

Wir haben nun einmal eine Behinderung (wir alle, siehe oben :wink: ). Also stehen wir dazu und fordern unsere Rechte ein auf Inklusion, Gleichberechtigung, Nachteilsausgleich, Menschenwürde, etc.

Ich bin behindert. Punkt.

Nichts auf der Welt kann daran etwas ändern. Punkt.

Alles ist möglich. Punkt.


Liebe Grüße von Conny-Andrea

Frauke
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 136
Registriert: So 11. Okt 2015, 10:22
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 845 Mal
Danksagung erhalten: 61 Mal

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 58 im Thema

Beitrag von Frauke » So 29. Apr 2018, 10:23

.....
Zuletzt geändert von Frauke am So 29. Apr 2018, 10:25, insgesamt 1-mal geändert.

MichiWell
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2640
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: Leipzig - Chemnitz - Gera
Hat sich bedankt: 1204 Mal
Danksagung erhalten: 1825 Mal

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 59 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 29. Apr 2018, 10:25

Conny-Andrea hat geschrieben:
So 29. Apr 2018, 06:20
„Im Grunde sind alle Menschen behindert, der Vorzug von uns Behinderten allerdings ist, dass wir es wissen.“ – Wolfgang Schäuble über sein Leben im Rollstuhl, Focus Nr. 12/2006
Hallo Conny-Andrea,

(Natürlich dürfen auch alle anderen das lesen. :wink: )

vielen Dank für deinen Beitrag. Und nochmals "Wow und Danke" für das Zitat. Das habe ich sogleich in meine Sammlung wertvoller Zitate aufgenommen. Ich habe in mancherlei Hinsicht keine besonders hohe Meinung von Wolfgang Schäuble, aber für diese Einsicht ziehe ich vor ihm symbolisch meinen Hut und kann mich nur tief verneigen.

Ich bitte dich auch sehr darum, das Zitat in den Thread "Wer schrieb Was" einzustellen. Dort gehört es auf jeden Fall hin; es ist wert, nicht vergessen zu werden. Doch es steht dir nicht zu, nicht mir, es dort zu veröffentlichen.

Du hast "Geusenwörter" ins Spiel gebracht.

Anmerkung / @all: Ich werde zu alle wichtigen Worten die Erklärung verlinken, damit jede(r) genau nachlesen kann, worum es jeweils geht.

Ja, da ist etwas dran, und ich hatte dazu vor einem Jahr schon mal dazu geschrieben, als mir hier von ein paar eigentlich ganz lieben Mädels fast der Prozess gemacht wurde, weil ich dazu übergegangen bin, Transe recht locker als Selbstbezeichnung zu verwenden, während sie es für sich lieber weiter als Trigger kultivieren und Angst davor haben möchten.

Ich möchte zum Geusenwort noch den Begriff "Melioration" ergänzen, der den Bedeutungswandel von Worten zum Besseren beschreibt. Wusstet ihr z.B., dass das Wort Wissenschaftler ursprünglich als abschätzige Bezeichnung gebildet worden ist?

Für noch wesentlich wichtiger bei der hier diskutierten Thematik, der Eumphemisierung von Bezeichnungen und Begriffen, mit der gutmeinenden Absicht, die negativen Klänge und Bedeutungen zu beseitigen, ist das daraus resultierende Problem der Euphemismus-Tretmühle, in die man dabei gerät.

Der positive Effekt (so er überhaupt außerhalb der Vorstellung der Begriffsersetzer vorhanden ist) verbraucht sich sehr schnell, und das neue Wort übernimmt die negative Bedeutung des alten, wenn sich die tatsächlichen Verhältnisse nicht zugleich spürbar zum Positiven hin ändern.

Und genau das ist ein Problem unserer Zeit:

Es wird zumeist versucht, die Verhältnisse zu ändern, indem man Worte verändert oder austauscht.

Dies ist ein Trugschluss, dem nicht wenige unterliegen. Sie wissen um die Macht der Worte, sie meinen es auch gut, das will ich nicht in Abrede stellen. Aber sie sind sich der Gefahren nicht bewusst, und dass gut gemeint das Gegenteil von gut getan ist.

Es ändert auch nichts daran, dass viele Menschen genau diesen Fehler begehen, auch wenn sie zum Teil recht gebildet sind und/oder in der Öffentlichkeit stehen. Er wird dadurch nicht weniger schlimm, es bleibt dumm.

"Dumm ist der der Dummes tut." Wer kennt nicht den Film "Forrest Gump"?

Zur diskutierten Problematik möchte ich noch eine allgemeine Buchempfehlung geben: "Moral für Dumme" von Marius Jung.

Als nicht-weißer Deutcher dürfte er für die meisten meiner KritikterInnen wohl einen wesentlich höheren Vertrauensbonus genießen als ich gelegenheitstransende Teilzeitfrau. :mrgreen:

Ich kann nur empfehlen, dieses Buch sehr aufmerksam und mit der nötigen Unvoreingenommenheit zu lesen.

Vorsorglich möchte ich noch einen wichtigen weiß auf schwarzen Hinweis von der ersten Innenseite zitieren:
GROSSE ALLGEMEINE TRIGGERWARNUNG:
Dieses Buch kann kränken, verletzen, verärgern, traumatisieren, traurig machen, betroffen machen, irgendwas machen.
Es streift u.a. die Themengebiete Gewalt, Rassismus, Faschismus, Sexismus und Neger.
Nicht, dass Herr Jung oder ich anschließend auf seelische Grausamkeit oder sonst irgendwas verklagt werden. :wink:


Soweit für den Moment ...


Liebe Grüße an alle, auch jene, die mir grad nicht wohlgesonnen sind.
Michi
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen.

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13333
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 651 Mal
Danksagung erhalten: 4703 Mal
Gender:

Re: FDP will Teilhabeausweis (statt Schwerbehindertenausweis)

Post 60 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » So 29. Apr 2018, 10:35

Moin,

gerade gesehen:

Liebe FDP, ich bleibe lieber "schwerbehindert" – wenn ihr wirklich etwas für uns tut

http://www.bento.de/politik/schwerbehin ... /#refsponi

Gruß
Anne-Mette

Antworten

Zurück zu „Politik - Initiativen - Forderungen“