Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels
Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels - # 3

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Lina
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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 31 im Thema

Beitrag von Lina » Mo 27. Nov 2017, 18:10

Aber die zwei Fälle unterscheiden sich doch wesentlich dadurch, dass es in dem einen Fall tatsäclich darum geht, wie jemand in der Gesellschaft "betrachtet" wird - also das Recht, sich als nicht weder dem m. noch der w. Geschlecht zugehörig zu präsentieren u.a. in behördlichen Zusammenhängen - der andere Fall nur ob es nun mit einem oder mit zwei Gutachten den Personenstand zu ändern. Also nicht mal so, dass jemandem eine Personenstandsänderung verweigert wurde, sondern nur um die Formalia und die Beweisführung an sich. Das ist doch ein himmelweiter Unterschied.

Nicht, dass ich nicht auch meine, dass die Gutachtenpflicht völlig aufgehoben werden könnte - da steht sowieso immer fast das selbe drin, völlig unabhängig von der Person - aber die beiden Fälle als Analog zu betrachten ist doch ca. wie Autodiebstahl und Falschparken als analog zu betrachten, nur weil in beiden Fällen ein Auto vorkommt.

ab08
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Interview zur BVerG-Ablehnung in der TAZ

Post 32 im Thema

Beitrag von ab08 » Di 28. Nov 2017, 10:17

Meine Lieben,

im Forum nicht gefunden, daher hier der Link

http://www.taz.de/!5466309/

Was mich sehr freut, dass sich einige Mitglieder des Forums in den Kommentaren deutlich äußerten,
auch durch vertiefende Informationen zur Klärung beitrugen und so das Bild abrundeten. (fwe3)

Herzlichen Dank dafür (hs) und ganz liebe Grüße (gitli)
Andrea )))(:
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ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Manu.66
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Re: Interview zur BVerG-Ablehnung in der TAZ

Post 33 im Thema

Beitrag von Manu.66 » Di 28. Nov 2017, 14:55

Hi Mädels!

Und wie nach dem unsäglichen Beschluss des BVerfG
weitermachen?


Eigentlich ganz einfach: Konsequent den richtigen, weiblichen Vornamen benutzen.

Letztens in Prag habe ich mit dem weiblichen Vornamen im Hotel eingecheckt. Probleme? Nein!
Einkauf bei LIDL, an der Tanke oder in irgendeinem schicken Klamottenladen mit VISA Karte und notwendiger Unterschrift? Kein Problem. Ich unterschreibe gern mit meinem weiblichen Vornamen! Hat sich da schon jemals jemand daran gestört? Nein.
Mein amzon Account auf meinen weiblichen Vornamen? Klappt prima - Weihnachten kann getrost kommen!
Im Verein registriert unter meinem weiblichen Vornamen - bei der Besoldungsstelle des Landes Niedersachsen, der Beihilfestelle, meiner ADAC Mitgliedschaft usw. usw.

Ich will ja niemanden arglistig täuschen, wenn ich konsequent meinen weiblichen Vornamen benutze. Ich erfülle alle Rechtsverpflichtungen - ich schei... halt nur auf das TSG! Mögen die Urväter dieses abscheulichen Gesetzes in Frieden ruhen - sie sind längst alle tot und merken leider nicht mehr, wieviel Unheil sie mit ihrem Gesetz angerichtet haben!

Liebe Grüße
Manuela

Nur mal so - damit keiner denkt, die Alte spinnt:
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Anne-Mette
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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 34 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 28. Nov 2017, 17:16

Moin,

da steht "vertrauliche Personalsache". Es soll natürlich jede(r) wissen, was er/sie macht - und Du bist ja schlau )))(: - ABER
es wäre sicherlich besser, wenn Du das übermalst.

Gruß
Anne-Mette

ilyadusoleil
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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 35 im Thema

Beitrag von ilyadusoleil » Di 28. Nov 2017, 19:02

Hallo Manuela, ich freue ich für dich dass du keine Probleme damit hast und ja sogar in Lohnbescheiden dein Name steht. Ich hab auch kein Problem damit Dinge zu bestellen auf meinen Namen oder mit Karte oder Kreditkarte zu bezahlen in Geschäften. Nur suche ich z.B. gerade eine Wohnung und die meisten Vermieter wollen eine Schufaauskunft und Personalausweiskopien alleine zur Bewerbung für eine Wohnung also nicht mal nur für den Vertragsabschluss. Und da muss ich mich jedesmal offenbaren bei mir unbekannten Entscheidern irgendeiner Hausverwaltungsagentur oder so... Das nervt schon sehr. Ist auch so nicht gerade einfacher.

Anne-Mette
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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 36 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 29. Nov 2017, 11:14

Moin,

es sind noch Nachrichten zum Thema gekommen:

"Transgender fühlen sich erneut gedemütigt": http://www.beobachternews.de/2017/11/28 ... emuetigt2/

Gruß
Anne-Mette

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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 37 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-12-09 » Mi 29. Nov 2017, 12:16

ja gut, man sollte es einem auch nicht zu leicht machen, es wird genug geben die im zwiespalt sind.
mmn sind 2 gutachter von nöten, immerhin geht es um tiefschneidende entscheidungen.
wer kann von sich aus zu 100% behaupten das man nicht eine gespaltene pesönlichkeit hat-oder alleine doch eine fehlentscheidung treffen würde.
die mit gutachten so nie passiert wäre.

schnell mal zum hausartzt weil man busen oder eine gaop will kann ja nicht wie eine grippe behandelt werden.
wir unterscheiden uns doch nicht unmerklich von über 99% der weltbevölkerung.
das man uns wie außenseiter behandelt liegt nicht nur an den anderen.

als besondere minderheit sollten wir eher zufrieden damit sein wie es ist, es könnte auch schlimmer sein.

frau ausleben kann man auch ohne ständig auf etwas zu pochen, anzufordern oder erwarten das einem entgegen gekommen wird, andere finden sich damit auch ab - wir stehen nicht im mittelpunkt des geschehens.

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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 38 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 29. Nov 2017, 12:20

Moin,

was soll so ein Posting?

Um es noch einmal zu sagen: die Zwangsgutachterei hat nichts mit OPs zu tun; es geht nur um den Namen und den Geschlechtseintrag!!!

Gruß
Anne-Mette

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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 39 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2018-08-04 » Mi 29. Nov 2017, 12:44

Sahara65 hat geschrieben:
Mi 29. Nov 2017, 12:16
ja gut, man sollte es einem auch nicht zu leicht machen, es wird genug geben die im zwiespalt sind.
mmn sind 2 gutachter von nöten, immerhin geht es um tiefschneidende entscheidungen.
wer kann von sich aus zu 100% behaupten das man nicht eine gespaltene pesönlichkeit hat-oder alleine doch eine fehlentscheidung treffen würde.
die mit gutachten so nie passiert wäre.

schnell mal zum hausartzt weil man busen oder eine gaop will kann ja nicht wie eine grippe behandelt werden.
wir unterscheiden uns doch nicht unmerklich von über 99% der weltbevölkerung.
das man uns wie außenseiter behandelt liegt nicht nur an den anderen.

als besondere minderheit sollten wir eher zufrieden damit sein wie es ist, es könnte auch schlimmer sein.
Eine außenstehende Person kann so etwas komplexes und vielfältiges wie das Geschlecht aber gar nicht feststellen. Das stoßen die Psychologen einfach an ihre Grenzen. Sie können bei Problemen helfen (was ich durchaus für sehr wichtig halte!) und Denkanstöße geben, aber "mehr" nicht.

Und Fehlentscheidungen gibt es auch mit dem Gutachter-/Gatekeepersystem, nur wird darüber gerne der Mantel des Schweigens gelegt, gerade auch weil die Betroffenen oft um Tausende von Euros ärmer sind, die u.a. auch in die Taschen der Gutachter fließen. Ich kenne TS, die haben von einem Leben als glückliche Frau geträumt und sind erst aufgewacht, als sie ihre Jobs, ihre Familien und ihre Gesundheit verloren haben, nachdem sie jahrelang mit Androcur vollgepumpt und am Ende von irgendeinem ach so netten deutscher Superduperdoktor kaputt operiert wurden. Kein Gutachter hat das verhindert.

Niemand "wechselt" ohne Not das Geschlecht, einfach so, weil abends die Sonne so schön rosafarben glitzert. Das bestehende Gutachtersystem ist teuer, zeitraubend und entwürdigend. Stattdessen gilt es, das Informationsangebot zu verbessern, das Risiko gesundheitlicher und sozialer Probleme während der Transition zu minimieren (Diskriminierung) und die Eigenverantwortung zu stärken.

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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 40 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2017-12-27 » Mi 29. Nov 2017, 13:45

Daenerys genau aus den von dir geschriebenen Fällen kämpfen wir gegen das Androcur. Es macht Persönlichkeitsstörungen verändert die Selbstwahrnehmung. Das alles führt zu solchen Fällen. Eine Hormontherapie nur mit Östrogen und Progesteron verändert den Körper ohne Dinge zu unterdrücken man bleibt sensibel für das eigene Empfinden. Durch das Androcur kommt es zur Asexualtität. Mit Östrogen und P4 entwickelt sich eine weibliche Sexualität die wenn man wirklich Ts ist als schön und befreiend empfindet. Wenn man nicht Ts ist wird der Patient mit den körperlichen und sexuellen Veränderungen nicht klar kommen oder diese als befremdlich empfinden. Androcur behindert diese Selbsterkenntnis und es kann zu solchen Fällen kommen.
Zum Geschlecht niemand kann sein Geschlecht wechseln es ist bereits im Mutterleib festgelegt welches Geschlechtsempfinden jeder Mensch hat. Wenn man merkt das es nicht zum eigenen Körper passt kann ich nur meinen Körper meinem Geschlechtsrmpfinden anpassen und nicht anders herum.

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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 41 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-01-30 » Mi 29. Nov 2017, 14:30

Moin!
uta hat geschrieben:
Mi 29. Nov 2017, 13:45
Zum Geschlecht niemand kann sein Geschlecht wechseln es ist bereits im Mutterleib festgelegt welches Geschlechtsempfinden jeder Mensch hat. Wenn man merkt das es nicht zum eigenen Körper passt kann ich nur meinen Körper meinem Geschlechtsrmpfinden anpassen und nicht anders herum.
Da stoßen jetzt (für mich) Forumswelten aufeinander. Für manche ist das Geschlecht ein ausschließlich soziales Konstrukt, das durch von der Gesellschaft vorgegebene Normen in uns erstellt wird. Nur gibt es diese Gesellschaft im Mutterleib noch nicht. Und dann dagegen diese Ansicht, dass alles im Mutterleib festgelegt ist, also biologisch vorbestimmt.

Ich halte mich da mal raus. :))b

LG Claudia
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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 42 im Thema

Beitrag von Manu.66 » Mi 29. Nov 2017, 14:56

Anne-Mette hat geschrieben:
Di 28. Nov 2017, 17:16
Moin,

da steht "vertrauliche Personalsache". Es soll natürlich jede(r) wissen, was er/sie macht - und Du bist ja schlau )))(: - ABER
es wäre sicherlich besser, wenn Du das übermalst.

Gruß
Anne-Mette
Hi Anne-Mette!

Vielen Dank, dass Du Dir Sorgen machst, was meine privaten Daten anbelangt.

Aber veröffentlicht habe ich nur die Kopfzeilen, aus denen keinerlei sensiblen Daten ersichtlich sind. Noch nicht einmal meine Kontodaten sind ersichtlich. "Vertrauliche Personalsache" bezieht sich auf die in der Besoldungsabrechnung enthaltenen Abrechnungsdaten. Die Höhe meiner Pension, die möglicherweise zu mancherlei Aufregung führen könnte, ist nicht ersichtlich. (888)

Liebe Grüße
Manuela

PS: Im übrigen sind wir uns ja einig. ZWANGSBEGUTACHTEREI ist Diskriminierung pur - das momentane Verfahren nach dem TSG ist pure Willkür und allein davon abhängig, wo die jeweilige in unserem Land wohnt! Dagegen muss geklagt werden - gegen die Rechtswillkür eines behördlichen Verfahrens! Oder gibt es auch unterschiedliche Sätze für Verkehrssünder nach dem Bußgeldkatalog - je nachdem ob es ein Bayer oder ein Niedersachse ist???
Mein Lebensmotto: "Ich kann, weil ich will, was ich muss." (Kant)

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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 43 im Thema

Beitrag von Tina-K. » Mi 29. Nov 2017, 15:29

Claudia hat geschrieben:
Mi 29. Nov 2017, 14:30
Moin!
...Da stoßen jetzt (für mich) Forumswelten aufeinander...
Genau... das scheint für mich auch ein Grundproblem zu sein.

Es wird immer Menschen geben, die sich mit einem Zwei-Geschlechter-Model identifizieren wollen oder müssen.
Und für die es wichtig ist, körperlich und amtlich dem empfundenen Geschlecht angepasst zu werden.

Und.... es muss zwangsläufig auch ein Drei-Geschlechter-Model geben.

Und... es wird auch eine Menge Menschen geben, die am liebsten ein Null- oder Ein-Geschlechter-Model haben wollen.

Eine absolut einheitliche Regelung wird es nie geben....
oder eine Gruppe Menschen wird zwangsläufig benachteiligt.

Freiwilligkeit und Toleranz sollten das Entscheidende sein.

Sorry, dass das jetzt schon etwas abweicht vom Start-Thema.

Jaddy
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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 44 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mi 29. Nov 2017, 17:09

Mir scheinen die Sorgen bezüglich Fehlentscheidungen in etwa vergleichbar zum bedingungslosen Grundeinkommen.

Studien dazu machten Umfragen ob die Befragten auch mit BGE noch produktiv arbeiten würden. So um 70% sagten ja, weil Tätigkeit eben sinnstiftend ist. Auf die Frage, ob denn ihrer Meinung nach ihre Mitmenschen noch arbeiten würden, ca die gleiche Menge für "Nein".

Heisst: Die Menschen dachten gut von sich, aber schlecht von den anderen. Sieht mir hier ähnlich aus.

Zunächst einmal geht es ja "nur" um Personenstand und Vornamen, wie Anne-Mette schrieb. Also wo genau wäre das Problem, wenn jemand "einfach so" die EIntragung ändern lässt? Könnte man sich irgendwelche Vorteile verschaffen? Gäbe es Probleme mit geschlechtsspezifischen Regelungen? Seit der Ehe für alle fällt mir da nichts mehr ein. Wer käme da überhaupt in Frage für? Ich stelle mir gerade die definitiven Cis-Kerle vor, mit ihrer "bloss nix feminines" Attitüde und fragilen Männlcihkeit. Oder betont feminine Frauen? Wohl kaum. Also schon eher Menschen mit nicht so fest gefügter Gender-Identität.

Eine simple Beratung zu möglicherweise nicht bedachten Konsequenzen könnte da viel abfangen. Und wenn es eine blöde Idee war? Dann liesse sich das, wenn es ein unkomplizierter Prozess wäre, auch einfach rückgängig machen. Vermutlich gäbe es bald Infoseiten im Netz und reichlich Erfahrungsbeiträge von Menschen, die das eine oder andere erlebt haben.

Weniger Gatekeeping würde meiner Ansicht nach viel Druck rausnehmen und auch die Möglichkeit zur Probe bieten. Alles etwas entspannter und unkomplizierter; jedenfalls was das Prozedere angeht. Mit neuem Namen und Personenstand leben ist ja ne ganz andere Sache. Aber davor muss doch wirklich niemand zwnagsbeschützt werden.

Sehe ich übrigens für die dritte Option genauso; wie auch immer die dann im Gesetz genannt werden wird.

Und körperliche Änderungen? Hormone, Blocker, OPs? Well, da denke ich vielleicht auch etwas unorthodox, aber wir treffen häufig Entscheidungen, die nur schlecht revidierbar sind. Fängt mit Ausbildungen und Beruf an, über Partnerschaften, vor allem eigenen Kindern, Gesundheits- und Altersvorsorge, Sport und Pflege des eigenen Körpers, Versicherungen, Hausbau, etc. Wo wird da zwangsbeschützt?

Ich sehe da wenig bis keine Notwendigkeit. Wohl Informationspflicht, vielleicht auch Beratungspflicht vor irgendwelchen Maßnahmen. Aber, auch wenn das manche vielleicht nicht nachvollziehen können: Letztlich ist eine geschlechtsangleichende OP ähnlich einer - zugegeben umfangreichen - Body Modification. Klar ist das körperlich belastend, potenziell gefährlich, kann Nebenwirkungen und Spätfolgen haben. Aber um auf den Punkt zu kommen: Wer würde sich nach einer OP-Beratung ohne wirklich gute Gründe dazu entschliessen?

Ähnlich, aber abgeschwächt bei Hormonen. Ich durfte die Wirkungen bei mehreren Personen beobachten. Darunter psychisch stabile, aber sogar welche mit vollblühender bipolarer Störung. Ich kenne die Haupt- und Nebenwirkungen und habe ein bisschen Ahnung, was so schief gehen kann. Und dennoch, oder vielleicht deshalb, sage ich: So what? Die meisten Veränderungen sind eine ganze Zeit lang reversibel. Psychische Probleme lassen sich eh weder durch Hormone, noch durch OPs lösen; höchstens die Symptome lindern.

Also ich bin dafür, den Druck rauszunehmen und Fehler zuzulassen. Wer aus schier Schandudel Hormone und Blocker nimmt und irgendwann feststellt, dass das ne blöde Idee war, wird anderen immerhin noch als schlechtes Beispiel dienen.

Ich prophezeie aber mal, dass die Zahl der spätmerkenden Dödel sehr sehr gering sein wird.

Anne-Mette
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Re: Erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen die Versagung des Namens- und Personenstandswechsels

Post 45 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 29. Nov 2017, 17:23

Moin,
Also wo genau wäre das Problem, wenn jemand "einfach so" die EIntragung ändern lässt?
Selbst das "einfach so" hat für jede Person Konsequenzen: man muss eine Vielzahl von Papieren auf den neuen Stand bringen, Arbeitgeber unterrichten, Bank, Versicherungen...
Das Outing kommt hinzu.

Ich glaube kaum, dass das viele Menschen "einfach so" machen würden.
Warum nicht das Namensrecht insgesamt reformieren, wie es teilweise in anderen Ländern gemacht wird?

Ich gehe einfach zum Standesamt, muss nicht erklären, ob ich intersexuell bin und der mir zugedachte Name nicht passt, ich muss nicht erklären, dass ich transsexuell bin,
sondern ich gehe an den Schalter mit "Namensänderungen A-K" und fülle ein Formular aus.
Dann belehrt mich das Fachpersonal des Standesamtes, dass ich bei dem neuen Namen bleiben muss/soll, weil der ab dann und dann gültig ist.


Gruß
Anne-Mette

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