bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?
bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen? - # 2

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Lalilaluna
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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 16 im Thema

Beitrag von Lalilaluna » Mi 13. Sep 2017, 22:27

Hallo ihr Lieben,

ja, wen soll ich wählen? Da gibts für mich ehrlich gesagt wichtigere Themen als Trans* -- den Klimawandel zum Beispiel, Lobbyismus, ein fairer Welthandel, ... Dass ich meine Stimme dabei keiner Partei und keinem/r Kandidaten/in gebe, der/die Trans (oder auch Homo-)feindlich eingestellt ist, ist natürlich schon auch klar. Abgesehen mal davon, dass ich schon viele viele Jahre Mitglied einer kleinen aber feinen Partei bin :) Und die letzten Monate und Wochen und Tage dafür sogar richtig fleißig war ... ;)

Ach ja, das was da unter "außerdem im Wahlprogramme-Check" steht finde ich auch ganz interessant: "Wen soll ich wählen, wenn ich legal kiffen will?" :D Nee ich habs nicht durchgelesen ... ;)

LG,

Lalilaluna ))):s

Christiane
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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 17 im Thema

Beitrag von Christiane » Mi 13. Sep 2017, 22:51

Hallo Marielle

Ich vermute mal dass Du damit (Unser Nachbarland, in dem per Volksentscheid rassistische Stimmung gemacht, Ausländer 'ausgeschafft' und das Bankgeheimnis für Steuerhinterzieher möglichst lange verteidigt werden? ) bestimmt die Schweiz meinst.
Ich bin hier zwar auch ein pöser Ausländer, aber ich bin der Meinung, dass hier die Demokratie wirklich noch einigermaßen gelebt wird. Du führst hier natürlich die negativen Beispiele an, aber wenn ich hier an den neuen Gotthard-Tunnel denke, oder andere Maßnahmen - muß ich den Menschen hier doch Respekt zollen, da sie das mit ihrer Stimme an der Urne überhaupt möglich gemacht haben.
Ohne die Menschen hier, hätten die Jungs mit ihrem Bohrer keine Kohle bekommen und der Tunnel wäre gestorben. Dies ist hier schon einigen Bauvorhaben passiert - hier muß das Volk nämlich die Kredite bewilligen.
In Deutschland wäre dann der Elbphilharmonie-Größenwahnsinn, Stuttgart 21 und auch der tolle Berliner Flughafen einfach gestorben worden. Nein - stattdessen werden hier in Leichen weitere Millionen reingepresst - und was Vorne nicht mehr reingeht, wird hinten reingestopft. Und diese Löcher werden immer größer statt kleiner. Man müßte die ganzen Verantwortlichen persönlich haftbar machen. Notfalls mit Entfernung aus dem Amt, oder fristloser Kündigung - Grund: Rufschädigung (am eigenen Land), grobe Fahrlässigkeit und Unfähigkeit.
Und - dass kriminelle Ausländer rausgeschmissen werden, finde ich auch o.k. - und - es heißt nur - "kriminelle Ausländer ausschaffen". Damit sind auch nur schwere Vergehen gemeint, bzw. permanente Widerholungstäter.
Das passiert nicht, weil man mal zu schnell gefahren ist, oder falsch geparkt hat. Da muß man schon richtig hinlangen.
Des Weiteren hat die Schweiz derzeit 8 Millionen Einwohner und davon sind 3 Millionen Ausländer. Das heißt in der Hochrechnung müßte Deutschland einen Anteil von 30 Millionen Ausländern aushalten. Ich glaube, da wäre die Stimmung in Deutschland noch sehr viel explosiver als jetzt in der Schweiz.

Nein - es ist hier nicht das gelobte Land - aber - die haben hier wirklich mehr Demokratie als Deutschland.
Ich hätte nie gedacht, daß ich mal die Jungs und Mädels hier mal verteidigen werde. Wir haben ja auch nicht immer "das Heu auf der selben Bühne"

Ja - und ich gebe Michi recht - auch ich fühle mich in Deutschland eigentlich machtlos. Degradiert zum Stimmvieh, daß alle 4 Jahre mal ein Kreuz malen darf und ansonsten seine Meinung für sich behalten soll.

Schönen Abend noch.

Liebe Grüße
Christiane

MichiWell
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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 18 im Thema

Beitrag von MichiWell » Mi 13. Sep 2017, 23:41

Marielle hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 21:55
Ich fühle mich so machtlos.
Das kann ich gut verstehen, es geht mir manchmal auch so. Aber letztlich ist die Machtlosigkeit des Individuums eine wesentliche und notwendige Eigenschaft einer freien, gleichen und demokratischen Gesellschaftsordnung. Die beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts hatten jeweils kleinste Machtzentren, den Blockwart und den IM, mit deren Hilfe sie die Freiheit, die Gleichheit und die Demokratie beseitigt haben.
Dann hast du mich falsch verstanden, und/oder ich war nicht deutlich genug. Ich will keine individuelle Macht ausüben. Ich habe keine Blockwartmentalität. Und ich habe ganz im Gegenteil durchaus das Gefühl, ganz individuell im persönlichen Kontakt mit meinen Mitmenschen etwas zu bewirken. Aber ich habe mitnichten das Gefühl, als Teil des eigentlichen Souveräns tatsächlich irgendetwas bewirken zu können. Das mag bis zur Wiedervereinigung noch anders ausgesehen haben, als sich die Parteien noch in ihrem Profil erkennbar unterschieden, und ein Regierungswechsel noch spürbare Veränderungen mit sich brachte.

Ich steige zur Illustration mal kurz in die aktuelle Situation auf Landesebene zurück: Hier ist es so, dass die Parteien mit der Ablösung der CDU in Thüringen nicht nur die Rollen "Regierung" und "Opposition" getauscht haben, sondern auch ihre Positionen. Wo die CDU früher dafür war, ist sie jetzt dagegen, dafür ist die rot-rot-grüne Regierung jetzt dafür, wo sie früher dagegen war. Entschuldigung, aber das ist doch Kindergarten Krabbelgruppe.

Das, was ich, wie du richtig erkannt hast, bemängele, ist die inzwischen wohl sehr verfestigte Lobbykratie. So jedenfalls sehe ich diese Demokratiesimulation am treffendsten bezeichnet.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich vom Souverän so gewollt ist. Aber du schreibst ja selbst: "demokratisch gewollt", was nichts anderes heißt, als seine Stimme für ein Versprechen im wahrsten Sinne des Wortes abgeben, und dann machtlos zusehen müssen, was tatsächlich passiert. Und weil die regierenden Parteien sich so profillos ähnlich sind, und auch keine unterschiedliche Politik machen, haben wir seit 3 Wahlperioden ein "weiter so" zu Lasten der Bevölkerung, und die einzige Gefahr einer Veränderung droht ausgerechnet durch eine Partei, die kein einigermaßen vernünftiger Demokrat haben wollen kann. Und das Schlimme daran: Diese Veränderung wird keine Verbesserung sein.

Direkte Demokratie ist nur sehr eingeschränkt möglich. Auf Bundesebene praktisch überhaupt nicht, und regional sehr unterschiedlich in der Umsetzung.

Klar kann ich mich engagieren, und versuchen, andere Menschen von meinen Ansichten zu überzeugen. Ich habe sogar schon Leuten, die mir ob meines Einsatzes gesagt haben, dass das ja nichts bringen würde, vorgerechnet, wie viele Menschen ich theoretisch erreichen kann, wenn ich in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Anzahl Menschen überzeuge, und diese dann wiederum andere überzeugen. Ich habe nur immer wieder den Eindruck, dass es eben nichts nützt, dass eine nennenswerte Anzahl Bürger von einer Idee überzeugt sind, weil die Regierung zu wenig auf das Volk achtet, und zu sehr auf die Wünsche der Wirtschaft und Lobbyisten. Die größte Gruppe in diesem Land, der Souverän, hat niemand, der tatsächlich ihre Interessen vertritt.

In einem Punkt muss ich dir klar wiedersprechen: Eine Wahl hat nicht einmal entfernt etwas mit einem Volksentscheid zu tun. Bei einem Volksentscheid geht es um eine konkrete Frage, während bei einer Wahl die Entscheidung an Gruppen von Personen abgegeben wird, die dann abhängig von der Stimmverteilung mehr oder weniger frei - ich sage ganz bewusst - untereinander auskungeln, wer letztlich die Regierungsgewalt erhält. Zu Zeiten der alten Bundesrepublik war es wenigstens noch soweit klar, dass die Partei mit den meisten Stimmen am Drücker ist, und sich den schwächstmöglichen Partner sucht, mit dem sie eine Stimmenmehrheit hat, um so viel wie möglich ihrer Interessen durchzusetzen. Das ist doch heute nicht mehr gegeben.

Ich hoffe, es ist jetzt etwas klarer. Wenn nicht, dann frage mich bitte.


Liebe Grüße
Michi
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Vicky_Rose
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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 19 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Do 14. Sep 2017, 08:03

Moin,

dass unser Politiksystem Mängel hat ist unbestritten und auch, dass der Finger in die Wunde gelegt wird auch. Aber ich glaube, es steckt auch ein großes Stück Wahrnehmenspsychologie, wenn es um die Frage geht, was man erreichen kann. In unserem Land leben 80 Millionen Menschen, wie soll ich da als gemeiner Bürger direkten Einfluss nehmen können ?
Das die nicht sofort genau das tun, was man vorschlägt, liegt wohl in der Natur der Demokratie.
Es liegt auch in der Natur der Sache. Wenn ich mit vielen Menschen reden will oder muss, um eine differenzierte Einstellung zu finden, kostet das Zeit. Nur der Autokrat kann sofort entscheiden. Michi hat es schon gesagt, wir können in Gesprächen viele Menschen erreichen. Das bedeutet nicht, dass sie sofort unsere Meinung annehmen müssen. Aber man kann sie zum Nachdenken bringen.

Dieses Ohnmachtsgefühl ist mMn hausgemacht. Frustrationen gehören zum Leben. Damit müssen wir umgehen. Und je größer Strukturen werden, um so geringer ist die direkte Einflussmöglichkeit. Damit muss man leben. Aber viele nutzen das als Argument, sich völlig zurück zu ziehen. Letztlich ist das eine Unterstützung derer, die keine Demokratie wollen. Ohne Engagement geht nix. Man muss sich ja nicht ein Bein ausreißen, aber in Gesprächen eine Haltung einnehmen statt defätistisch den Kopf in den Sand zu stecken und andere in dieser Haltung zu bestärken, ist sträflicher Leichtsinn.
Viele Grüße
Vicky

Marielle
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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 20 im Thema

Beitrag von Marielle » Do 14. Sep 2017, 10:18

Tach zusammen, Tach Michi,
... aber das ist doch Kindergarten Krabbelgruppe.
Nicht nur. Es ist auch das Spannungsfeld zwischen realer Politik in der Regierung und den Positionen einer Oppositionspartei.

Demokratiesimulation
Diese Bewertung halte ich für klar unterkomplex und sehr gefährlich. Was hält dich eigentlich davon ab, dich um ein Mandat zu bemühen oder eine Partei oder eine Bürgerinitiative zu gründen?


Zur direkten Demokratie:

Ich bin sehr dafür, die direkte Demokratie zu stärken, da ich im Grunde der Idee der Anarchie (bitte nicht mit Anomie verwechseln) anhänge. Nur gibt es viel zu wenige Menschen, die für eine hierarchie- bzw. herrschaftsfreie Gesellschaft zu gebrauchen sind.

Direkte Demokratie: JA! Aber bitte nicht in der Form verkürzter Ja/Nein-Entscheidungen auf der Informationsbasis von Facebookkampagnen, sondern z.B. in Form von Bürger_innenforen, die in kleinsten regionalen Einheiten (Stadtteile, Gemeinden oder sogar Strassenzüge) beginnen und sich dann über Städte, Kreise, Länder bis zum Bund aufbauen und über Information und Diskussion zu einer Meinungsbildung kommen und beratender oder gar (mit-)entscheidender Teil der Legislative sein könnten.

Damit würde man auch ein Paradox deiner Position umgehen. Du sprichst Menschen (in dem trans*-Thread) erst die Fähigkeit zur vernünftigen Bestimmung über sich selbst ab, um ein paar Tage später zu fordern, dass die gleichen Menschen noch viel mehr über das Wohl und Wehe der ganzen Gesellschaft entscheiden sollten. Das geht für mich nicht zusammen. Aus meiner Sicht sollen sie über sich selbst bestimmen, wie sie wollen. Aber Entscheidungen für die Gesellschaft sollten doch besser auf einem diskursiven Meinungsbildungsprozess beruhen.

Habt es gut

Marielle
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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 21 im Thema

Beitrag von MichiWell » Do 14. Sep 2017, 11:34

Marielle hat geschrieben:
Do 14. Sep 2017, 10:18
Was hält dich eigentlich davon ab, dich um ein Mandat zu bemühen oder eine Partei oder eine Bürgerinitiative zu gründen?
Das kann ich dir sagen: Wie viele andere in diesem Land auch, bin ich im Kampf ums (finanzielle) Überleben gefangen. Vor diesem Hintergrund birgt eine eigenständige politische Betätigung immer das hohe Risiko des Absturzes bis ganz nach unten. Und ich sage dir, das ist gewollt, sonst würde man etwas gegen die immer stärkere Umverteilung von unten nach oben unternehmen, und nicht zulassen, dass immer mehr Menschen immer ärmer werden.

Es gab direkt nach der Wende/Wiedervereinigung einen politischen Witz, der das Dilemma aufzeigt: "Früher (in der DDR) konntest du zu deinem Betriebsdirektor Arschloch sagen, aber nicht zu deinem Parteisekretär. Heute ist es umgekehrt." Das zeigt, wer die Macht über mich hat. Und wo ich damals im Stasi-Knast gelandet bin, verrotte ich heute in der Gosse.

Marielle hat geschrieben:
Do 14. Sep 2017, 10:18
Direkte Demokratie: JA! Aber bitte nicht in der Form verkürzter Ja/Nein-Entscheidungen auf der Informationsbasis von Facebookkampagnen,
Ist das wirklich so?! Was sagen unsere Schweizer Mädels dazu?

Appropos "Facebookkampagnen": Unsere Politiker selbst arbeiten mit Methoden auf Facebook-Niveau!

Letztes Jahr ist bei uns ein minderjähriger Flüchtling, der nachweislich massive psychische Probleme hatte, aus dem Fenster in den Tod gesprungen. Er war nur wenige Stunden vor dem Sprung zum wiederholten Male aus stationärer psychatrischer Behandlung entlassen worden, offenbar in völliger Fehleinschätzung seines Zustandes!

Die Politiker auf Landes- und Bundesebene hatten nichts Eiligeres und Wichtigeres zu tun, als wieder ihre Propaganda vom pösen ausländerfeindlichen Osten zu verbreiten.

Angeblich sollten die Leute "Spring doch" gerufen haben.

Ich habe eine vertrauenswürdige Bekannte, die zur fraglichen Zeit dort vorbei gegangen ist, und nichts von dem mitbekommen hat, was in der Presse und von den Politiker verbreitet wurde, und auch eine mehrwöchige Untersuchung der Polizei brachte keine Belege dafür. Am Ende war es wohl nur die wichtigtuerische Falschbehauptung einer Betreuerin, die das auch nicht selbst gehört hatte, sondern es hätte ihr jemand erzählt, der von einem anderen gehört hätte, das jemand sowas in der Art gerufen hätte.

Das erfüllt ganz klar den Tatbestand von Fake News, und diese wurden sogar in einer Folge der Lindenstraße verbreitet, die sich selbst dafür rühmt, stehts das aktuelle Zeitgeschehen einzubeziehen, und versucht Vorurteile in der Gesellschaft abzubauen. (Zu der Zeit war gerade Transsexualität in der Lindenstarße angekommen, weswegen ich diese geschaut hatte.)

Eine Kontaktaufnahme meinerseits, verbunden mit konkteten Hinweisen und Bezug auf die Ermittlungen der Polizei auf die bewusste Falschmeldung wurde mit üblichen Bla-Bla-Standard-Worten quittiert. Eine Richtigstellung erfolgte nicht, dabei wäre der Abbau von Vorurteilen wichtig. Dabei hätte man an diesem konkreten Beispiel sehr gut die aktuellen Probleme der "Informationbildung" sowie "Meinung- und Stimmungsmache" verarbeiten können.
Marielle hat geschrieben:
Do 14. Sep 2017, 10:18
sondern z.B. in Form von Bürger_innenforen, die in kleinsten regionalen Einheiten (Stadtteile, Gemeinden oder sogar Strassenzüge) beginnen und sich dann über Städte, Kreise, Länder bis zum Bund aufbauen und über Information und Diskussion zu einer Meinungsbildung kommen und beratender oder gar (mit-)entscheidender Teil der Legislative sein könnten.
Das ist doch kein "Entweder - Oder", es geht sehr wohl beides. Auch ich habe mich bereits engagiert, im Bereich Bildung. Und da habe ich genau das erlebt, was ich immer wieder beobachte: Es interessiert "da oben" niemanden, was unten passiert. Man lässt die Leute auf den unteren Ebenen irgendwas machen, damit sie beschäftigt sind, aber am Ende wird doch von oben herab, und ohne spürbaren Zusammenhang mit der Arbeit an der Basis entschieden. Oder anders herum: Wenn du das Gefühl haben willst, dass die Politiker deine Interessen vertreten, musst du dir deren Interessen zueigen machen, ihnen nach dem Maul reden. Aber das kann's doch nicht sein.
Marielle hat geschrieben:
Do 14. Sep 2017, 10:18
Damit würde man auch ein Paradox deiner Position umgehen. Du sprichst Menschen (in dem trans*-Thread) erst die Fähigkeit zur vernünftigen Bestimmung über sich selbst ab, um ein paar Tage später zu fordern, dass die gleichen Menschen noch viel mehr über das Wohl und Wehe der ganzen Gesellschaft entscheiden sollten. Das geht für mich nicht zusammen. Aus meiner Sicht sollen sie über sich selbst bestimmen, wie sie wollen. Aber Entscheidungen für die Gesellschaft sollten doch besser auf einem diskursiven Meinungsbildungsprozess beruhen.
Das Paradox ist nur ein Scheinbares. Während im Trans*-Thread ob der Begleitung und Betreuung eine angebliche Fremdbestimmung behauptet und so getan wird, als dürften Transsexuelle überhaupt nicht frei entscheiden, sehe ich diese Fremdbestimmung in der Gesellschaft tatsächlich als gegeben. Es steht mir zwar im Prinzip frei, alles zu sagen, was ich will. Aber es bewirkt nichts, denn entscheiden tun immer andere, die meine Meinung Null-Komma-Garnichts interessiert.

Liebe Grüße
Michi
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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 22 im Thema

Beitrag von Marielle » Fr 15. Sep 2017, 23:04

Nabend Michi,

du verwechselst Herrschaftsform und Wirtschaftssystem. Die mittelbare Demokratie ist nicht dafür verantwortlich, dass du viel Zeit zum Broterwerb brauchst. Die Ursache dafür liegt im, hierzulande demokratisch befürworteten, Wirtschaftssystem.

Es gibt einen Aspekt, der den (Nicht-)Zusammenhang deutlich macht:

Die Volksabstimmung, die am Abend des 9. Nov. 1989 (ursächlich auf Betreiben einer winzigen Minderheit, die etwas anderes wollte) begann, hat ergeben, dass die große Mehrheit der Einwohner_innen der DDR nicht für den Versuch war, diesen Staat mit neuen Ideen und neuem Personal fortzuführen oder den gesamtdeutschen Staat neu zu erdenken, sondern dafür, sich dem marktwirtschaftlich organisierten, gut mit Bananen und Autos versorgten, Teil Deutschlands anzuschliessen.

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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 23 im Thema

Beitrag von MichiWell » Sa 16. Sep 2017, 00:47

Marielle hat geschrieben:
Fr 15. Sep 2017, 23:04
du verwechselst Herrschaftsform und Wirtschaftssystem.
Nimm mir's nicht übel, aber du hast 'ne sehr spezielle Art, anderen ständig zu unterstellen, dass sie blöde seien. Lernt man sowas beim Schaukeln? :roll:
Ich will nicht in Würde alt werden,ich weiß ja noch nicht mal wo das liegt! :D

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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 24 im Thema

Beitrag von Christiane » Sa 16. Sep 2017, 11:11


Die Volksabstimmung, die am Abend des 9. Nov. 1989 (ursächlich auf Betreiben einer winzigen Minderheit, die etwas anderes wollte) begann, hat ergeben, dass die große Mehrheit der Einwohner_innen der DDR nicht für den Versuch war, diesen Staat mit neuen Ideen und neuem Personal fortzuführen oder den gesamtdeutschen Staat neu zu erdenken, sondern dafür, sich dem marktwirtschaftlich organisierten, gut mit Bananen und Autos versorgten, Teil Deutschlands anzuschliessen.
Da gebe ich Dir voll und ganz recht - aber - das sind genau jene Mitbürger die damals "es Weggli und den Fünfer" wollten (ugs. - nur die Vorteile von Beidem) - nämlich den bequemen Wohlfahrtsstaat DDR und die Früchte des Kapitalismus der damaligen BRD.
Genau diese waren dann ab 1990 nur noch am rumheulen, weil ihr superschlauer Plan voll auf die "Schn..." geflogen ist. Sie konnten zwar alles kaufen - aber eigentlich doch nicht - weil der staatlich subventionierte Job weg war.
Ich hätte es damals auch lieber gesehen, wenn die Mädels und Jungs versucht hätten zuerst einmal ihren Teil auf die Fuße zu bringen - unter Umständen wäre vieleicht ein besseres Deutschland-Modell dabei entstanden?
Wir werden es nie erfahren.
Und - was "Birne" damals geraucht hatte, als er ihnen blühende Landschaften versprach, ist mir heute noch schleierhaft.

Machs gut

LG
Christiane

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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 25 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 16. Sep 2017, 11:38

Moin,
Und - was "Birne" damals geraucht hatte, als er ihnen blühende Landschaften versprach, ist mir heute noch schleierhaft.
Warum so negativ?

Auf alle Fälle blühen die Landschaften mehr als früher, als man nicht viel von ihnen sehen konnte, weil Luftverschmutzung den Blick vernebelte.
Mehr "Anpacken" hätte die Landschaften noch mehr zum Blühen gebracht.

Meckern ist einfach...

Gruß
Anne-Mette

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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 26 im Thema

Beitrag von MichiWell » Sa 16. Sep 2017, 12:22

Anne-Mette hat geschrieben:
Sa 16. Sep 2017, 11:38
Meckern ist einfach...
Richtig. - Große Versprechungen machen aber auch. :wink:
Ich will nicht in Würde alt werden,ich weiß ja noch nicht mal wo das liegt! :D

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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 27 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 16. Sep 2017, 12:43

Moin,

mal so ganz nebenbei: viele der Versprechungen sind eingetroffen.
Außerdem: Politker sind keine Weihnachtsmänner und Politikerinnen keine Feen, die "für umsonst" Wünsche erfüllen.
Es ist viel geschafft worden.
Leider haben diejenigen, die wichtige Körperteile dafür hergegeben hätten, in einem "wiedervereinigten Deutschland" (und in Frieden) leben zu können, das ganz schnell vergessen.

Es ist an vielen Punkten eine Mitgestaltung möglich - und erforderlich!!!

Und es ist höchste Zeit, viel mehr für Frieden und Gerechtigkeit zu tun; denn sonst leben wir bald wieder in Schutt und Asche (wenn überhaupt) - und dann fragt keiner mehr nach "Transrechten".

Gruß
Anne-Mette

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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 28 im Thema

Beitrag von Christiane » Sa 16. Sep 2017, 19:26


Meckern ist einfach...
Ja Anne-Mette - meckern ist einfach. Da gebe ich Dir uneingeschränkt Recht.
Ich nehme mir dieses Recht aber jetzt einfach heraus.
Als Wahlhelfer, Schriftführer und schlußendlich einige Male als Wahlvorstand, bei etlichen Wahlen (freiwillig - war nicht im öff.Dienst) und als ehrenamtlich Tätiger (18 Jahre)
bin ich der Meinung, das mir dies zusteht.

Liebe Grüße
Christiane

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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 29 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Sa 16. Sep 2017, 19:36

Jasmine hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 09:32
Vicky_Rose hat geschrieben:
Mi 13. Sep 2017, 08:24
Unser Thema in der Gesellschaft ist also Respekt, Toleranz und Minderheitenschutz.
Ich habe bereits per Briefwahl gewählt. Auch wenn ich der Meinung bin, das sich die Bundespolitik ein wenig vom Volk abgespalten hat.
Liebe Grüße Jasmine

Ich habe mich auch für die Briefwahl entschieden. In meinem Alter hat man allmählich ein gestörtes Verhältnis zur Urne )))(:
Der Hirntod bleibt ja bei einigen jahrelang unbemerkt.

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Re: bento: wen soll ich als "Trans*Mensch" wählen?

Post 30 im Thema

Beitrag von conny » Sa 16. Sep 2017, 21:34

Christiane hat geschrieben:
Sa 16. Sep 2017, 19:26



Ja Anne-Mette - meckern ist einfach. Da gebe ich Dir uneingeschränkt Recht.
Ich nehme mir dieses Recht aber jetzt einfach heraus.
Als Wahlhelfer, Schriftführer und schlußendlich einige Male als Wahlvorstand, bei etlichen Wahlen (freiwillig - war nicht im öff.Dienst) und als ehrenamtlich Tätiger (18 Jahre)
bin ich der Meinung, das mir dies zusteht.
Über das hier?
Christiane hat geschrieben:
Sa 16. Sep 2017, 11:11



Da gebe ich Dir voll und ganz recht - aber - das sind genau jene Mitbürger die damals "es Weggli und den Fünfer" wollten (ugs. - nur die Vorteile von Beidem) - nämlich den bequemen Wohlfahrtsstaat DDR und die Früchte des Kapitalismus der damaligen BRD.
Genau diese waren dann ab 1990 nur noch am rumheulen, weil ihr superschlauer Plan voll auf die "Schn..." geflogen ist. Sie konnten zwar alles kaufen - aber eigentlich doch nicht - weil der staatlich subventionierte Job weg war.
Ich hätte es damals auch lieber gesehen, wenn die Mädels und Jungs versucht hätten zuerst einmal ihren Teil auf die Fuße zu bringen - unter Umständen wäre vieleicht ein besseres Deutschland-Modell dabei entstanden?
Wir werden es nie erfahren.
Und - was "Birne" damals geraucht hatte, als er ihnen blühende Landschaften versprach, ist mir heute noch schleierhaft.
Wo ist da der Zusammenhang? :roll:

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