Sternchen "*" oder Unterstrich "_"; (m/w/d)
Sternchen "*" oder Unterstrich "_"; (m/w/d) - # 4

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Jenina
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Re: Sternchen "*" oder Unterstrich "_"; (m/w/d)

Post 46 im Thema

Beitrag von Jenina » Fr 15. Mär 2019, 12:24

Ralf-Marlene,

vielen Dank für die Verlinkung dieses hervorragenden Artikels aus der SZ.

Der Autor weist mit recht darauf hin wes Geistes Kinder die Initiatoren dieses Aufrufs sind. Umso trauriger finde ich dass einige Unterstützer dabei sind, die so gar nicht zu der Klientel dieser Herrschaften passen. Man hat sich da wohl voreilig vor einen Karren spannen lassen ohne zu sehen dass dieser voller reaktionärer Ideologie ist. Gerade Rainer Kunze und GÜnter Kunert sind doch die Helden meiner Jugend, die die deutsche Sprache immer vorangebracht haben. Werden sie schon senil? Mir sind schon neulich seltsame Aussagen von Günter Kunert aufgefallen anläßlich der Vorstellung seines neuen Buches.

Bei aller Kritik an einzelnen Punkten der Ausgestaltung der gendergerechten Sprache, die ich, wie bekannt, durchaus für diskussionswürdig halte, bin ich doch nach wie vor grundsätzlich dafür, dass man versucht die Sprache den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts anzupassen und eben nicht im Wahn einer angeblichen Beleidigung aller großen deutschen Sprachgestalter von Luther über die Grimms, Goethe, Schiller, die Manns und wie sie alle heißen dem Konservativismus den Weg zu bereiten. Denn Sprache bestimmt auch das Denken und tritt mit ihm in Wechselwirkung. Also heißt die Verhinderung von Fortschritt in der Sprache auch die Verhinderung von Fortschritt im Denken und im Fortschritt der Gesellschaft. Und das wiederum heißt Verhinderung der Emanzipation aller Menschen.

Die Schriftsteller und Künstler sollten sich doch lieber konstruktiv an einer wirklichen Diskussion beteiligen. Es gibt so viele Probleme bei der gendergerechten Sprache zu lösen. Sie könnten da helfen...

Jenina
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Jaddy
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Re: Sternchen "*" oder Unterstrich "_"; (m/w/d)

Post 47 im Thema

Beitrag von Jaddy » Fr 15. Mär 2019, 12:48

sbsr hat geschrieben:
Fr 15. Mär 2019, 12:19
Bekanntermaßen vertrete ich die Meinung, unsere Sprache wäre per se neutral, wenn man nicht versuchen würde in alles einen Genus-Sexus Zusammenhang hinein zu interpretieren.
Genau da zeigt aber die psychologische Forschung, dass Deine Auffassung falsch ist, völlig unabhängig von ideologischen Absichten, einfach nur die Aktivierung von bestimmten antrainieren Bildern und Vorstellungen. Bagger -> Fahrer (männlich). Hebamme -> Frau. Die männlichen Hebammen wollten genau deshalb eine andere Bezeichnung (Geburtshelfer), die sie auch sehr schnell bekommen haben. Das mit dem Bagger ist übrigens bei alt-DDR-sozialisierten Menschen etwas anders, weil dort deutlich sichtbar mehr Frauen in dem Job waren.

Denken, Sprache und handeln gehört zusammen. Was nicht gesprochen wird, wird auch nicht gedacht und nicht getan.

Es muss sich auch die Sprache ändern und das ist fast der einfachste Schritt.

Ralf-Marlene
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Re: Sternchen "*" oder Unterstrich "_"; (m/w/d)

Post 48 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene » Fr 15. Mär 2019, 13:20

sbsr hat geschrieben:
Fr 15. Mär 2019, 12:19
Hallo Ralf-Marlene,
Sie fürchten sich davor, dass nicht nur die Sprache, sondern die Welt aus den Fugen gerät
ist eine der Formulierungen.

Bekanntermaßen vertrete ich die Meinung, unsere Sprache wäre per se neutral, wenn man nicht versuchen würde in alles einen Genus-Sexus Zusammenhang hinein zu interpretieren. Ich habe kein Problem mit der Etablierung neuer Begriffe oder Schreibweisen, ich vertrete nur die Auffassung, Sprache muss sprechbar bleiben. Nicht mehr und nicht weniger sagen die Gegner des vollumfänglichen genderns.
Liebe Svenja,
wenn Du natürlich die ganze Argumentationskette, die zu dieser Formulierung führt, beiseite lässt könnte Mensch dies als verletzend empfinden.

Da sind "Gender-Unfug", "Sprachdiktatur", "an Goebbels erinnernde Methoden" und ähnliches mehr natürlich sachlicher...

Nein, unsere Sprache ist nicht neutral. Ich möchte in meiner weiblichen Form nicht als "Koch" mitgedacht werden und bin auch nicht "Küchenmeister". Wenn das Deutsche Geschlechtsneutrale Berufsbezeichnungen kennen würde wie angelsächsische Sprachen, schön und gut. Aber gerade die Sprachen der deutschen Sprachgruppe sind sehr militaristisch in ihren Sparachbildern und sehr patriarchal geprägt.

Wie schon mehrfach gefordert, lass uns doch mal 10 Jahre das generische Femininum benutzen...

Als Buch hierzu empfehle ich "Die Töchter Egalias" http://eisberg.blogsport.de/2016/10/18/ ... enberg/von Gerd Mjøen Brantenberg/ https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Brantenberg
Es frauschte ein reger Verkehr. Viele Familien wollten aufs Land fahren. In allen Wagen, die Petronius vorüberfahren sah, saß die Frau am Steuer, der Mann auf dem Beifahrersitz und die Kinder hinten. An einem Eckhaus, in dem eine Bank untergebracht war, blieb er stehen. Im Fenster lag eine Broschüre. Auf dem weißen Glanzpapierumschlag stand mit leuchtend blauen Buchstaben: »Eine sichere Zukunft für sie und ihre Familie.« Eine Frau blätterte nachdenklich in den Bankdokumenten, während ein Mann hinter ihr stand, ihr über die Schulter sah und glücklich und zuversichtlich in die Zukunft lächelte. »Sie können ihren Mann und Kinder und auch sich selber durch unser staatliches Darlehen absichern«, hieß es weiter in der Broschüre. Das nächste Bild zeigte dann ein sicheres Eigenheim, das dam sich mit dem sicheren Kredit leisten konnte, und auf einem anderen Bild war die ganze Familie bereits in das sichere Eigenheim gezogen. Die Frau saß, der Mann stand und die Kinder spielten auf dem sicheren Fußboden.
Ralf-Marlene

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