BILDUNGSPLAN: GSP Statement zur sexuellen Vielfalt
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Anne-Mette
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BILDUNGSPLAN: GSP Statement zur sexuellen Vielfalt

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

in der letzten Zeit hat es viele kontroverse und hitzige Diskussionen über Bildungspläne und Sexualpädagogik gegeben.
Auf der Seite der Gesellschaft für Sozialpädagogik ist ein Statement zu lesen, das von vielen Organisationen unterzeichnet wurde, die sich mit Sexualpädagogik beschäftigen..

http://gsp-ev.de/index.php?id=81&ord=52 ... 64640c517d

Ziemlich am Ende des Artikels heißt es:

Die oft sehr unsachlich und hitzig geführte öffentliche Diskussion um die Thematisierung sexueller Vielfalt im schulischen Sexualkundeunterricht macht deutlich, dass nicht nur Kinder und Jugendliche Sexualerziehung benötigen, sondern sexuelle Bildung ein Angebot für alle sein muss, auch für Eltern und andere Erwachsene, die im Erziehungs- und Bildungswesen tätig sind. Manche Vorwürfe und kritische Anfragen müssen aber von der sexualpädagogischen Profession selbst genutzt werden, um die Grenzen von Vielfalt und die Angemessenheit didaktischer Vermittlungsweisen zu bedenken. Nur so kann an einer demokratischen Sexualkultur gearbeitet werden, die von Verständnis und Dialog möglichst vieler Akteure geprägt ist.

Zuletzt hatte sich die FRANKFURTER ALLGEMEINE mit einer Überschrift zum Thema SEXUALPÄDAGOGIK geäßert, der eher einer BILD-Schlagzeile entspricht:

Sexualaufklärung in Schulen Unter dem Deckmantel der Vielfalt
Kinder sollen ihre "Lieblingsstellung" zeigen, Puffs planen, Massagen üben. Die sexuelle Aufklärung missachtet Grenzen. Die Politik will es so. Kinderschützer schlagen Alarm.
http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 03307.html

Solche Behauptungen sollten genau überprüft werden. Leider wird mit so einem Artikel wieder mal eine "Zwei-Parteien-Diskussion" angefeuert, die ein "Diskutieren in Vielfalt und Offenheit" über Inhalte verhindert.
Und wie gesagt: was an den Behauptungen wahr ist, das wird nicht bewiesen. Schade!

Gruß
Anne-Mette
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Re: BILDUNGSPLAN: GSP Statement zur sexuellen Vielfalt

Post 2 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo Anne-Mette,

vielen Dank für die interessanten Links.

Im Grundsatz befürworte ich das Thema sexuelle Vielfalt in der Schule. Meine Erfahrung ist, dass wenn ich mich bei jemandem oute, dass kaum jemand eine Vorstellung von Phänomenen wie Transsexualität hat. Ich bin davon überzeugt, dass hier frühzeitige Aufklärung Not tut.

Trotzdem hat mich der Beitrag der FAZ zum Nachdenken gebracht. Wenn das Thema sexuelle Vielfalt in dieser Art und Weise in die Schulen gebracht wird, dann halte ich das für hochproblematisch. Du hast natürlich recht, der Artikel beweist das nicht. Das braucht er aber nicht, da es hier um Journalismus geht und nicht um eine wissenschaftliche Arbeit. Allerdings erwarte ich vom Autor, dass er dazu grundsätzlich in der Lage ist. Und durch die Hinweise auf entsprechenden Publikationen ist eine Überprüfung potentiell möglich.

Ansonsten gebe ich Dir recht, hier wird eine Diskussion weiter aufgeheizt, die ein wenig Abkühlung und mehr Rationalität gut gebrauchen könnte. Besonders übel finde ich, dass hier nicht differenziert, sondern auf nur auf der Linie der Gegner argumentiert wird. Von einem guten Journalisten erwarte ich, dass er die unterschiedlichen Blickwinkel gleichermaßen darstellt, so dass ich mir mein eigenes Bild machen. Dazu scheint der Autor nicht in der Lage zu sein. Schade.

Liebe Grüße

Anke
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Anne-Mette
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Re: BILDUNGSPLAN: GSP Statement zur sexuellen Vielfalt

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Trotzdem hat mich der Beitrag der FAZ zum Nachdenken gebracht.
Mich auch (smili)

Allerdings sind das irgendwie zusammengestellte Behauptungen, die von der Aufmachung her eher an BILD erinnern.
Wie sieht es mit dem Wahrhaltsgehalt aus?
Leider sind die Zeitungen nicht verpflichtet, den anzugeben (smili)

Wäre doch gut - analog zu den Angaben auf Wein- und Bierflaschen: (z.B.) Dieser Beitrag enthält bis zu 11% beweisbare Tatsachen, 20% Ausgedachtes und Wunschdenken, 37% Füllmaterial und nach den gesetzlichen Vorgaben nicht mehr als die erlaubten 32% Homo- und Transphobie :mrgreen:

In dem Artikel der FAZ heißt es u.a. Ähnlich klingen SPD und Grüne in Niedersachsen.

Für den Bereich Niedersachsen gibt es weiterführende Infos vom LSVD im pdf-Format:

http://www.lsvd.de/fileadmin/pics/Dokum ... achsen.pdf

und vom Landesjugendring: http://www.ljr.de/uploads/media/LJRNds_ ... 7-1333.pdf

Gruß
Anne-Mette
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Re: BILDUNGSPLAN: GSP Statement zur sexuellen Vielfalt

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

hier eine Abhandlung darüber, was es mit solchen Artikeln (hier: der FAZ-Artikel) auf sich hat:

http://www.alexandervonbeyme.net/2014/1 ... rnalismus/

Gruß
Anne-Mette
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Re: BILDUNGSPLAN: GSP Statement zur sexuellen Vielfalt

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

nun meldet sich sogar das Land Baden-Württemberg zu Wort:

Das Kultusministerium bezeichnet die Behauptungen auf der Demonstration gegen den Bildungsplan als falsch und absichtlich irreführend. Parolen einer "Sexualisierung der Schule" oder der Zerstörung der Familie durch den Bildungsplan gehen vollkommen an der Wirklichkeit vorbei.

http://www.baden-wuerttemberg.de/de/ser ... an-gegner/

Gruß
Anne-Mette
Anke
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Re: BILDUNGSPLAN: GSP Statement zur sexuellen Vielfalt

Post 6 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

vielen Dank für beiden weiteren Hinweise. Mittlerweile ist das hier im Raum Stuttgart ein großes Thema in der Presse. Hier zwei Beispiele:

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/i ... 2647b.html

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/i ... 5f5c4.html

Erschreckend finde ich über das Vorgehen von Herrn Saur hinaus, dass sich die FAZ derartige Unprofessionalität leistet. Aber wie es scheint, ist der Schuss von Herrn Saur nach hinten losgegangen.

Liebe Grüße

Anke
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Re: BILDUNGSPLAN: GSP Statement zur sexuellen Vielfalt

Post 7 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo,

mal kurz etwas Klartext einer indirekt Betroffenen (übrigens gleicher Dienstgrad...):

Mit seinen unüberlegten Äußerungen schadet der liebe Herr Kollege Bernd Saur unserem Berufsverband.
Dass er offenkundig wenig Ahnung über die Problematik besitzt, entschuldigt das leider keiner Weise.

Im PhV bin ich lange aktiv, trat dem Verband übrigens sogar schon 4 Jahre früher bei als Herr Kollege Saur... (Bin ja auch etwas älter :wink: ) An einer Fortentwicklung eines qualitativ hochwertigen Gymnasiums arbeitete ich nicht nur dort(!) stets gern mit. Mein CO änderte da gar nichts, heute bringe ich mich eben auch als transsexuelle Kollegin (zusätzliche Kompetenz!) ein. Hier in Bayern wird das im Verband geschätzt. Bei Schwierigkeiten wurde ich vom Verband stets unterstützt. Mehrfach wiedergewählt, unabhängig vom CO. Heute gibt es für mich dort weiterhin viel positives feed-back, verständlicherweise, denn es geht uns ja um die Qualität des Gymnasiums. Polemik ist daher völlig fehl am Platz. ==> Inhaltlich kann man vieles vertreten. - Diskussion ist sicher nötig und hilfreich. - Beim Thema Aufklärung bzgl. "Trans und inter" hätte ich am Gymnasium z.B. auch eher den Biologieunterricht in der Oberstufe im Blick. - Dass sensible Themen im Unterricht auch sensibel angegangen werden müssen, ist selbstverständlich.- usw. usw. usw. usw...

Mich stören aber die unbedachten, polemischen Äußerungen eines gewählten Vertreters meines Verbandes! Meiner Ansicht nach fördert Herr Kollege Bernd Saur durch sein Auftreten Intoleranz. Inhaltlich läßt sich manches durchaus nachvollziehen... Aber Methode + Wortwahl etc. - Als Betroffene, insbesondere als Vertreterin des PhV, fühle ich mich da persönlich verletzt ==> Ergo im Gegensatz zu unserem Vorsitzenden Heinz-Peter Meidinger, den ich sehr schätze, kann ich dieses Verhalten in keinster Weise mehr entschuldigen. An einem geeigneteren Ort als hier, kommt dies sicher zur Sprache... Ich hoffe sehr, Herr Kollege Saur besinnt sich, entschuldigt sich und rudert zurück!

Gruß
Andrea(ab)

@all,

An die lieben Forumsteilnehmer:
Ich hoffe sehr, Ihr erkennt an meinen Worten, dass die Mehrheit im Philologenverband die Sache differenzierter als Herr Kollege Saur sieht...
Als transsexuelle Frau & Kollegin schäme ich mich ein wenig dafür, dass sich ein Vertreter des PhV derart polemisch bei diesem sensiblen Thema äußert. :oops:
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Magdalena
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Re: BILDUNGSPLAN: GSP Statement zur sexuellen Vielfalt

Post 8 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo,

ich habe mich gerade durch die verschiedenen Artikel durchgelesen. Und ich komme von dem Gefühl nicht los, hier wird nur eigenes Denken in den Vordergrung gestellt. Die Heranwachsenden wird ein Rollenbild aufgedränkt. Es entstehen stereotype Verhaltensweisen im Vordergrund sich zu entwickeln. Meine Sorge ist, dass anders empfindende sich in der Gruppe abseits stellen. Nicht jede/r ist so stark sich der Gruppendymamik entgegenzustellen. Ich kenne es noch aus meiner Schulzeit, wo jeder mit seinen "Eroberungen" angab, mehr Schein als sein, um dazu zu gehören. Ich kann mich hier anschließen, so ein sensibles und nach meiner Sicht auch intimes Thema, als solches zu behandeln. Ob allein der Biologieunterricht reicht, mag ich nicht zu beurteilen. Vieleicht ist da auch die Zusammenarbeit mit den Eltern der Heranwachsenden gefragt. So ist es heute normal, dass unterschiedliche Religionen in einer Klasse vertreten sind. Die wiederum Lebensformen unterschiedlich bewerten und nicht alles tollerieren. So sollte aus meiner Sicht den Schulen kein zu enges Korsett von Vorschriften und Bildungsplänen übergestüllpt werden. Und den Jugendlichen sollten Vertrauen zu Lehrer und Eltern haben, sich mit sensiblen Themen wie Sexualität verschiedener Prägung zu besprechen, ohne in ein Abhänigkeitsverhätnis zu geraten. Ich meine hier nicht die Schwärmerei für einen Lehrer oder Lehrerin, die als Vorbilder dienen. Aber den Lehrern kommt durch ihre Ausbilung eine wichtige Aufgabe zu, die Eltern ersetzen sie aber nicht.

LG Magdalena
Lebe jeden Tag.
ab08
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Re: BILDUNGSPLAN: GSP Statement zur sexuellen Vielfalt

Post 9 im Thema

Beitrag von ab08 »

Magdalena hat geschrieben:... ich komme von dem Gefühl nicht los, hier wird nur eigenes Denken in den Vordergrung gestellt. Die Heranwachsenden wird ein Rollenbild aufgedränkt. Es entstehen stereotype Verhaltensweisen im Vordergrund sich zu entwickeln. Meine Sorge ist, dass anders empfindende sich in der Gruppe abseits stellen. Nicht jede/r ist so stark sich der Gruppendymamik entgegenzustellen. Ich kenne es noch aus meiner Schulzeit, wo jeder mit seinen "Eroberungen" angab, mehr Schein als sein, um dazu zu gehören. Ich kann mich hier anschließen, so ein sensibles und nach meiner Sicht auch intimes Thema, als solches zu behandeln. Ob allein der Biologieunterricht reicht, mag ich nicht zu beurteilen. Vieleicht ist da auch die Zusammenarbeit mit den Eltern der Heranwachsenden gefragt. So ist es heute normal, dass unterschiedliche Religionen in einer Klasse vertreten sind. Die wiederum Lebensformen unterschiedlich bewerten und nicht alles tollerieren. So sollte aus meiner Sicht den Schulen kein zu enges Korsett von Vorschriften und Bildungsplänen übergestüllpt werden. Und den Jugendlichen sollten Vertrauen zu Lehrer und Eltern haben, sich mit sensiblen Themen wie Sexualität verschiedener Prägung zu besprechen, ohne in ein Abhänigkeitsverhätnis zu geraten. Ich meine hier nicht die Schwärmerei für einen Lehrer oder Lehrerin, die als Vorbilder dienen. Aber den Lehrern kommt durch ihre Ausbilung eine wichtige Aufgabe zu, die Eltern ersetzen sie aber nicht.
Danke, liebe Magdalena,

das sehe ich und die Mehrzahl meiner Kolleginnen und Kollegen ähnlich.
Daher ist aus meiner Sicht inhaltliche Kritik an Bildungsplänen etc. durchaus angebracht.

Biologische Grundkenntnisse (z.B. circa 0,1 % ohne klare Geschlechtszuordnung, circa 0,5 % trans) fehlen häufig, daher muss da nachgebessert werden. Aber natürlich geht es, gerade aber nicht nur am Gymnasium, um Werteerziehung. Die Schülerschaft ist heterogener als vor einigen Jahren - Häufig allein erziehende Eltern, bzw. Eltern oft nicht vor Ort, da die Arbeitswelt schwierig ist. - Eltern ohne und mit nur geringen Kenntnissen der Deutschen Sprache. - Die Schule muss vieles ausgleichen. ==> Daher sind Fächer wie Ethik, Deutsch... mindestens genauso gefordert.
--> Beim Thema" sexuelle Vielfalt" ist ein altersgemäßes und vor allem sehr sensibles Vorgehen wichtig. Eine gewisse Zurückhaltung (nicht Ausklammern) scheint mir hier sehr empfehlenswert...
--> Transsexualität, Intersexualität sollte genau wie Hautfarbe, Körpergröße etc. übrigens strikt vom Thema " sexuelle Vielfalt" getrennt werden, sonst wird es sachlich falsch.
Beides sollte an der Schule behandelt, aber andererseits keineswegs betont oder gar herausgehoben werden. Es gibt viele andere Themen, die genauso wichtig oder wichtiger sind!
Bildungsinstitute, der PhV und andere Verbände beschäftigen sich mit solchen Themen und mit anderen Möglichkeiten die schulische Qualität zu halten bzw. zu verbessern.
Unser Bayerischer Verband übrigens seit ziemlich genau 150 Jahren!

Liebe Grüße
Andrea(ab)
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
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