Im Angesicht des Todes
Im Angesicht des Todes - # 2

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Laubfrosch
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 16 im Thema

Beitrag von Laubfrosch » Fr 5. Dez 2014, 10:10

Sie soll auch weiblich bleiben. Das will ihr ja keiner nehmen. Weil keiner das Recht dazu hat.

Vivian Cologne
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 17 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne » Fr 5. Dez 2014, 10:31

Anne-Mette hat recht. Ich bitte auch darum, etwas genauer hinzusehen, wer was schreibt. Klar, dieses Forum heißt Crossdresser-Forum, aber es gibt hier viele, für die es nicht nur (oder nicht mehr) ums "Dressen" geht. Manche wie ich haben eine jahrelange Teilzeitfrau-Erfahrung hinter sich. Wenn man also gerne mal zwischen den Welten hin und herwechselt, mag es als gar kein Problem erscheinen, mal eben das Outfit zu wechseln, um der im Sterben liegenden Mutter noch einmal zu begegnen.

Wer sich aber als Frau fühlt, überzeugt ist, dass das Hirngeschlecht gar nichts anderes zulässt, der wird es gerade in dieser Situation schwer übers Herz bringen, sich noch einmal zu verleugnen. Dieses Verleugnen, Täuschen, Verschweigen habe ich abgelegt, und ich kann mir eine solche emotionale Situation in der verhassten Männerrolle nicht mehr vorstellen.

Nicoletta wird es ähnlich gehen, deshalb hat sie uns in diese Familieninterna vertrauensvoll eingeweiht und uns um hilfreichen Rat gebeten. Meinen Rat habe ich gegeben, "Geh doch einfach als Mann" hilft ihr wahrscheinlich nicht.

Ich hoffe, ich bin nicht zu schulmeisterlich, aber gerade den Neuen hilft es vielleicht etwas, wenn sie merken, dass wir eine heterogene Truppe sind.

Vivian

Laubfrosch
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 18 im Thema

Beitrag von Laubfrosch » Fr 5. Dez 2014, 10:43

Ok, ok, Asche auf mein Haupt!

Dann ändere ich meine Formulierung oben von "Wir CD's" (was offenbar ungünstig formuliert war. Sollte ich damit jemand verletzt haben bitte ich um Entschuldigung. Das war so nicht gewollt!) auf "Wir".

Was nach dem "Wir" steht mag jede(r) für sich selbst und ganz persönlich entscheiden.

"Wir" meint jeden Meschen, gleich welcher Hautfarbe, Rasse, Geschlecht....... auf der Welt.

Was aber den Rest meiner Schreiberei nicht aushebelt. Das alles von wegen Toleranz, auf's Recht pochen und Kompromiss und so.

LanaX
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 19 im Thema

Beitrag von LanaX » Fr 5. Dez 2014, 11:06

Vivian Cologne hat geschrieben:
Ich hoffe, ich bin nicht zu schulmeisterlich, aber gerade den Neuen hilft es vielleicht etwas, wenn sie merken, dass wir eine heterogene Truppe sind.

Vivian
Also mir ist definitiv bewusst, dass wir eine heterogene Truppe sind. Aber Nicoletta stellt hier eine Frage zu ihrer Situation und die beantwortet jeder aus
seiner Perspektive und nach seinem Erfahrungsschatz. Das ist in meinen Augen auch Sinn und Zweck eines Forums, dass ein paar alternative oder auch kontroverse Sichtweisen zusammen kommen. Mir fehlt die Erfahrung, dass ich meine Männerrolle hasse und somit ist mein Vorschlag vielleicht nicht der richtige. Allerdings habe ich meine Sichtweise auch nicht als Die Lösung für Nicoletta dargestellt!

Ich wollte nur darauf hinweisen, dass Nicoletta sich vielleicht auch besser fühlt, wenn sie dort in Männerkleidung (nicht zwingend als Mann!) auftaucht, von der
Mutter Abschied nimmt und damit dieses Kapitel abschließen kann. Das ist aber vielleicht auch genau der falsche Weg, weil sie sich dann im letzten Moment mit der Mutter verleugnen muss. Das kann sie aber nur selbst wissen. Nur eins ist wohl sicher, es gibt nur noch eine zeitlich begrenzte Chance.

Das ist eine schwere Entscheidung! Und nochmal: Ich wünsche dir viel Kraft Nicoletta!

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Re: Im Angesicht des Todes

Post 20 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne » Fr 5. Dez 2014, 11:14

Okay, ich bin doch zu sehr Schulmeisterin. Das soll jetzt auch genug dazu sein. Das hilft Nicoletta nicht.

Vivian

petra
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 21 im Thema

Beitrag von petra » Fr 5. Dez 2014, 11:53

hallo menschen
die situation macht mich schon betroffen. ich kann nur aus meiner sicht dazu stellung nehmen.
meine mutter ist 93 jahre alt. wie soll sie diese situation denn verstehen, die ich selbst ziemlich
verworren finde. ich mich habe aus diesem grund bei ihr nicht geoutet! warum soll ich ihr die
letzten jahre durch eine sache verderben, die sie wahrscheinlich gar nicht verstehen kann,
obwohl sie geistig noch sehr fit ist.
ich lebe 'mein' leben durchgehend als frau, aber zu den wöchendlichen einkaufstouren bin ich
eben ihr sohn! was macht das schon aus. damit haben wir dann beide keinen stress.
@nikoletta
ist es für dich eine solche unmöglichkeit dich für die 1-2 mal als mann zu geben? wenn dem so
ist, ok, dann mußt du mit der reaktion leben. aber vielleicht läßt du deine mutter zufriedener
sterben.

LG
Petra
wer anderen ihr anderssein nicht verzeihen kann,
ist noch weit ab vom weg der weisheit.

Nicoletta
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 22 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Fr 5. Dez 2014, 13:09

Vivian Cologne hat geschrieben: Wer sich aber als Frau fühlt, überzeugt ist, dass das Hirngeschlecht gar nichts anderes zulässt, der wird es gerade in dieser Situation schwer übers Herz bringen, sich noch einmal zu verleugnen. Dieses Verleugnen, Täuschen, Verschweigen habe ich abgelegt, und ich kann mir eine solche emotionale Situation in der verhassten Männerrolle nicht mehr vorstellen.
Das trifft den Nagel auf den Kopf, gerade so empfinde ich.

Danke auch allen anderen für ihre Stellungnahmen und Ratschläge. Inzwischen ist klar, was ich machen werde, denn heute kam ein Brief meiner Schwester, wieder mit der ganzen Latte an Beleidigungen, dann aber am Schluss dem Zugeständnis, wenn es mir denn so wichtig sei, dürfe ich in Damenjeans kommen, nur bitte keine 6 cm hohen Schuhe. Das ist dann etwa das, was ich schon zum Muttertag praktiziert hatte. Ich werde also hinfahren, muss nur den Termin mit meiner Schwester absprechen. Jedenfalls kann ich mit der Lösung leben. Auch klang meine Schwester heute zuversichtlicher, dass meine Mutter es vielleicht doch noch länger macht, vielleicht könnte sie auch bald wieder im Rollstuhl sitzen. Mein Besuch soll da positiv wirken. Hoffe ich mal.

LG Nicoletta
Ne budi ono što si bio, postani to što jesi. -- Sei nicht, was du gewesen, werde, was du bist!

Anne-Mette
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 23 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 5. Dez 2014, 13:11

Moin,

ich wünsche Dir alles Liebe und Gute und Stärke ---)))

Herzliche Grüße
Anne-Mette

Frida
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 24 im Thema

Beitrag von Frida » Fr 5. Dez 2014, 13:29

Hallo Nicoletta,

Das ist eine sehr schwierige Situation und die, wie ich glaube, jeder für sich entscheiden müsste, weil es viele persönliche Dinge gibt, die es wegen der eigenen und familiären Entwicklung abzuwägen gilt. Ich will dir deswegen auch keinen Rat geben, weil ich weder dich noch deine Familie kenne.
Aber ich kann dir sagen, wie ich mich wahrscheinlich verhalten würde.
Mein Vater hatte vor vielen Jahren mit mir gebrochen und mich später enterbt, was recht unbedeutend war, aber er wollte ein Zeichen setzen.
Selbst auf dem Sterbebett, verbat er mich zu benachrichtigen. Er war hart und verbittert, sehr stur und unnachsichtig.
Versöhnung und Einlenken hätte es nur nach seinen Bedingungen gegeben. Er hatte mich mit Härte und ohne liebende Zuwendung erzogen.
Meine Anstrengungen, ihm irgendwie zu gefallen, missachtete er. Ich genügte nie seinen Erwartungen. Ich wollte mich aber nicht ewig verbiegen, sondern mein Leben leben und einfach ICH sein.
Er hatte mit seinem Schritt, mich nicht mehr sehen zu wollen, sogar auf das Wachsen und die Entwicklung seiner Enkel verzichtet.
Ich habe sehr lange gebraucht, mich von den Fesseln, die er in mir angelegt hatte, zu befreien. So ganz habe ich es bis heute noch nicht geschafft, aber ich arbeite dran.
Ich wäre zu ihm ans Sterbebett gegangen, wenn man mir Bescheid gegeben hätte. Ich wäre so gegangen, wie ich bin und hätte mir auch nur Versprechen abbitten lassen, die ich auch hätte halten können. Das ist eine Frage des gegenseitigen Respekts und der Achtung voreinander.
Wenn ich mit einer solchen Situation hätte rechnen müssen, dann hätte ich alle Kraft zusammen nehmen müssen, um das durchzustehen.
Ich hätte versucht, positiv an die Sache heranzugehen und mich mit Liebe von ihm zu verabschieden, denn im Angesicht des Todes sollte jeglicher Zwist vergessen und vergeben sein. Ich hätte alles das getan, was mit meinem Gewissen vereinbar wäre.
Ich konnte mich leider nicht von ihm verabschieden, weil er bis zum Ende seine Mauern nicht überwinden konnte. Ich war ihm deshalb nicht böse, aber sehr traurig. Irgendwann hat er mir nur noch leid getan.

Wünsche dir alles Gute und viel Kraft

Liebe Grüße, Dita ---)))

Lukretia
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 25 im Thema

Beitrag von Lukretia » Fr 5. Dez 2014, 14:47

Eine Kompromiss-Lösung ist selten verkehrt. Da muss ich wieder die Bibel bemühen: Seid klug wie die Schlangen.
Die durch Nicolettas Beitrag aufgebrochene Diskussion zwingt mich dazu, mich zu fragen, warum ich mich nicht gegenüber meinen Eltern geoutet habe. Die Frage ist allerdings, als was? Als schwul? Das scheint mir nicht ganz zu passen. Als transsexuell? Wie weit bin ich aber wirklich weiblich? Gewiss trage ich zwei Damenslips übereinander und schlafe in einem Damen-Satin-Pyjama, aber meinen Schnurrbart will ich nicht abrasieren. Was denn nun?
Biologische Männer, die in Frauenkleidung gehen, haben für mich immer etwas Surrealistisches. So wie Salvador Dali, der in einem Taucheranzug zu einer Preisverleihung ging, der aber sonst durchaus viel Weibliches an sich hatte. Er wirkte sehr feminin in seiner Aufmachung. Den Surrealismus mit seiner Durchbrechung der Alltagsregeln und seinem Auf-den-Kopf-Stellen des Gewohnten habe ich seit meiner Jugend immer sehr geschätzt und bin ihm verfallen. Man sollte nicht nur den Zusammenhang von Transsexualität und Autismus/ADHS, sondern auch den Zusammenhang von Transsexualität und Surrealismus (gibt es da nicht irgendetwas von Magritte?) untersuchen.

Vicky_Rose
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 26 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Fr 5. Dez 2014, 14:54

Ich sehe das nicht als eine Frage der Toleranz.

Die Mutter hat ihren Standpunkt klar gemacht und hat sich kein bischen bewegt. Sie verlangt, dass Nicoletta als Mann erscheint.

Nicoletta hat auch ihren Standpunkt klar gemacht. Sie lebt als Frau und will als Frau weiter leben.

Ich möchte keinen Ratschlag geben. Das steht mir nicht zu. Deshalb beschreibe ich kurz meine Situation:

Meine Eltern sind vor kurzem in ein Heim gekommen. Meine Mutter (89) leidet unter beginnender Demenz. Dabei ist sie gelegentlich verbal aggressiv. Ich kann mich nur schützen, in dem ich ihre Vorwürfe an mir abprallen lasse und gar nicht darauf reagiere. Sie hat ihr Leben und ich meines und um mein Leben leben zu können, muss ich auf das hören, was mir mein Gefühl sagt. Das, und nur das, ist Maßstab meines Handelns. Die Verletzungen (die nicht so dramatisch waren, wie die Nicolettas), die ich erfahren habe, haben mein Leben geprägt. Ich mache ihr deswegen keine Vorwürfe, aber ich möchte so akzeptiert werden, wie ich wirklich bin. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich nicht auf den Menschen eingehen. Ich distanziere mich von ihm. Dabei spielt es keine Rolle, wer dieser Mensch ist und in welcher Situation er steckt.

Was wäre denn die Alternative ? Ich müsste mich jemanden beugen und gegen mein Wesen leben. Das bedeutet für mich, ich müsste gegen mein Leben entscheiden. Um dieses Leben zu erreichen, habe ich 40 Jahre hart gearbeitet. Das verrate ich nicht für einen Menschen, der mich nicht akzeptiert. Ich kann diesem Menschen nur so weit entgegenkommen, wie es mich nicht verletzt. So helfe ich ihnen, so weit es mir in diesem Rahmen möglich ist.

In den 10 Geboten steht: Du sollst Vater und Mutter ehren. Das ist schön und gut. Wo aber steht, Du sollst Deine Kinder ehren, dafür sorgen, dass sie ihre Begabungen leben und sich ihnen gemäß entwickeln können ? Das zu versäumen, ist das wahre Verbrechen an den Kindern.

Frei von Schuld bin ich an meinen Kindern auch nicht. Aber man kann miteinander reden. Aber dazu gehört Respekt und die Akzeptanz.

Sorry, aber ich sehe es so hart.
Vicky
Viele Grüße
Vicky

Bianca D.
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 27 im Thema

Beitrag von Bianca D. » Fr 5. Dez 2014, 18:18

dass man "so etwas" wie mich früher "vergast hätte",
Moin Nicoletta,

scheint wohl in der Generation zu liegen.Von meinem Dad habe ich exakt diesen Text auch schon zu hören bekommen.Zu deiner Frage: ich würde da ganz klar so entscheiden,wie es dir dein Herz und deine Seele gebietet. Du lebst seit zwei Jahren Frau,also bist du´s und dementsprechend trittst du auch auf. Alles Andere wäre Selbstverleugnung.
Auch wenn einige mich wieder für einen "Granitkopf" halten - ich würde hingehen, so wie ich nun bin -
Nee,paßt schon, ich kann nicht als Frau leben mit Paß und allem und dann so eine Scharade den anderen Angehörigen wegen? Never!

LG Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial

Magdalena
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 28 im Thema

Beitrag von Magdalena » Fr 5. Dez 2014, 21:40

Hallo Nicoletta,

zunächst ist es Deine Mutter. Und ich bin mir sicher, die Zeit nach dem Krieg war für diese Generation nicht enfach. Jetzt am Ende des Lebens möchten die Eltern gern alles geordnet übergeben. Ich würde es als ihren letzten Wunsch sehen. So bitter wie es klingt. Sie möchte Dich noch einmal sehen, so wie sie Dich in die Welt gesetzt hat, als Mann. Ja als Mann und Sohn, in dem die Familie weiterlebt. Ich kann nicht beurteilen, wie euer Verhälinis in den Jahren war. Vielleicht sind es die Letzten Stunden im Leben Deiner Mutter? Und sie möchte Dich sehen. Auch wenn nicht alle Problem eines Leben ins Reine kommen, so ist doch zumindest Vergeben eine Möglichkeit. Einem Menschen, dem man sein Leben verdankt gegenüber zu stehen. Und wer kann von sich schon behaupten, nie Fehler begangen zu haben. Gerade wenn es um die eigenen Kinder geht.
Ich würde an Deiner Stelle Deiner Mutter den Wunsch erfüllen. Es ist an erster Stelle mehr für Dich. In einigen Jahren, so glaube ich, kommen Selbstzweifel und innere Vorwürfe, an man zerbrehcen kann.

In Gedanken bei Dir Magdalena
Lebe jeden Tag.

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Re: Im Angesicht des Todes

Post 29 im Thema

Beitrag von Lina » Fr 5. Dez 2014, 23:21

Laubfrosch hat geschrieben:Hab jetzt lange überlegt, ob ich mich nochmal zu Wort melden soll.

Aber es erstaunt mich, offen gestanden, ein bissle.
Wir CD's können nicht nur Toleranz von anderen uns gegenüber "verlangen"!
Auch wir sollten bereit sein, das eine oder andere mal einen Kompromiss ein zu gehen.

Klar, vom Grundsatz her habt Ihr Recht.
Nicoletta (jede(r) von uns) hat das Recht, ihr Leben so zu leben wie sie will und ist darüber erstmal niemand Rechenschaft schuldig.

Aber Leute....
Bringt es was, immer und überall auf sein Recht zu pochen? :?
....
Sorry, aber das ist nun total daneben. Hier geht es doch nicht darum, dass jemand auf irgend ein recht pocht oder von jemandem "Toleranz" erwartet - die "gnädigerweise" von jemandem wegen etwas Lästigem gewährt wird. Nicoletta tut niemandem was Böses. Und verlangt nichts. Im Gegenteil liebt sie doch ihre Mutter, obwohl die Mutter weitestgehend ablehnt und es immer getan hat - nach meiner Meinung nach in einer völlig niederen und gemeinen Weise. Und jetzt, wo sie gerade im Sterben liegt macht sie - die Mutter! - einen letzten Versuch Nicoletta zu manipulieren - sie zu etwas machen, was sie nicht ist. Ich sage das so frech und dreist "einen letzten Versuch", denn wer das in so einer Situation tut, versucht nicht zum ersten mal so manipulativ zu sein. So, jetzt kann Nicoletta natürlich "klug nachgeben", wie du meinst, hin gehen, eine Lüge vorspielen, um ihrer Mutter evtl. das Gefühl zu geben, die Manipulatisn sei gelungen. Und was soll sie davon haben. Wird sie dadurch ihre Mutter mehr lieben? Wird die Mutter Nicoletta dafür lieben? Kann man sich überhaupt lieben, wenn man sich gegenseitig belügt? Soll das etwa Nicolettas selbstwertgefühl steigern, und falls so, wie denn?

Und was heißt hier "Toleranz"? Toleranz ist wenn man etwas einfach so hinnimmt, was eigentlich nicht OK ist oder jemand anderen in seiner Handlung oder Wohlbefinden stören. Stört sie oder ich oder du durchs Ausleben unserer GI jemanden - dass diese wirklich einen Grund hätten uns was anderes, vorzuschreiben? Ich persönlich: Wenn jemand das meint, können die auf meine Gesellschaft verzichten. Wenn sie MICH brauchen, dann brauchen sie MICH und nicht irgend eine fiktive Person, die sie aus mich machen wollen.

Und glaub mir, ich kenne das Spiel. Vielleicht hat sich meine Mutter doch rechtzeitig zum Beserren verändert - weil wir (alle Geschwister) irgendwann Manipulationen einfach abgelehnt haben. Ohne Erfolg hört man damit auf - oder sitzt alleine dum rum. Und mein Vater: Er hatte viele gute Seiten, die ich auch erleben durfte und an die ich mich gerne erinnere. Ich war immer da, wenn er meinte mich zu brauchen. Ich war sehr traurig als er starb. Aber wenn er in seiner religös-moralischen Welt MICH so wie ICH bin nicht akzeptieren konnte - sorry, but fuck him! Ich kann nicht jemand anderer sein, nur weil er das verlangt. Hat er sich etwa darum gekümmert, wie unglücklich es mich machte, das früher überhaupt zu versuchen und dann doch nicht gut genug sein? Nein, hat er eben nicht. Deshalb gehörte ich wohl auch nicht zu dem engen Kreis von Menschen, die er am liebsten um sich hatte, als er starb. Das ist weder gut noch schlecht - hat auch weder mit Recht haben oder nicht. Das ist einfach nur so.

Und wenn Nicolettas Mutter - evtl. auch ihre Schwester - immer noch so drauf ist und es wohl immer war - was soll es dann bringen, anzutanzen und eine Lüge vorspielen? Ich würde am liebsten selber Nicoletta in die Arme nehmen - und sie dann dahin schicken, genau so wie sie sein will. Das hat ncihts mit Recht haben zu tun. Es hat mit Selbstwertgefühl zu tun.

Lipstick-Lady
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Re: Im Angesicht des Todes

Post 30 im Thema

Beitrag von Lipstick-Lady » Sa 6. Dez 2014, 00:45

Magdalena hat geschrieben:... zunächst ist es Deine Mutter. ... Jetzt am Ende des Lebens möchten die Eltern gern alles geordnet übergeben. Ich würde es als ihren letzten Wunsch sehen. So bitter wie es klingt. Sie möchte Dich noch einmal sehen, so wie sie Dich in die Welt gesetzt hat, als Mann. Ja als Mann und Sohn, in dem die Familie weiterlebt. ... Und sie möchte Dich sehen. ... Einem Menschen, dem man sein Leben verdankt gegenüber zu stehen. ...
Verzeiht mir die Wortwahl. Aber das ist alles borniert-pseudochristliche Oberscheisse!

Nach dem, was ich hier gelesen habe, handelt es sich um eine bitterböse, braun-sozialisierte Frau, deren Generalanliegen es ist Macht auszuüben. Und im Angesicht des Todes will sie ein letztes Mal triumphieren.

Ich weiß, wovon ich rede. Ich hatte auch so eine Mutter. Ein Leben lang war meine Schwester ihr ein und alles. Mein Bruder und ich wir waren der letzte Husten. Sie hat es ewig abgeleugnet. Im Angesicht des Todes aber wollte sie nur meine Schwester sehen. Wir erfuhren es erst, als sie schon kalt war. Wir glauben nur zu gern, dass Menschen am Ende noch gut und liebevoll werden, so wie es die Religion verlangt. Aber das passiert nur höchst selten. Die meisten bestätigen am Ende das, was sie schon immer dachten und wollten.

Die bürgerlich-christlichen "Werte" verlangen von uns, dass wir unsere Eltern für Gott halten. Davon steht nichts in der Bibel! Im Gegenteil! Jesus ermahnt an vielen Stellen im Neuen Testament seine Zuhörer, nicht die Verwandtschaft als Wichtigtes im Leben zu sehen.

Liebe Nicoletta, diese Frau hat Dir nicht das Leben geschenkt. Alles Leben kommt von Gott. Und diese Frau ist nicht Gott. Sie hat lediglich vor Jahrzehnten mit Deinem Vater gevögelt. Und Du warst die Folge, was sie seitdem vielfach bereut hat. Das Gebot "Du sollst Vater und Mutter ehren" heißt, Du sollst fair mit ihnen umgehen, mehr nicht. Es heißt nicht, Du sollst ihnen untertan sein.

Die Spitze der Perversion ist erreicht, wenn sterbende Eltern ihren Kindern auf dem Sterbebett noch Versprechen abnehmen. Dazu haben sie nicht das geringste Recht.

Liebe Nicoletta, vergiss die bösen Prophezeiungen meiner Vorredner für den Fall, dass Du der bösen, alten Frau nicht ihren Willen erfüllst. Umgekehrt ist die Realität. Wenn Du Dich jetzt verbiegst, wirst Du Jahre brauchen, um Dich davon zu erholen. Wenn Du stark bist, dann gehe hin als Frau - was sonst? Du wirst Schlimmes zu hören kriegen. Antworte darauf freundlich, aber knallhart in der Sache. Und denke immer daran, hier nachzugeben aus falsch verstandener Pietät, heisst, diese Frau im Bösen zu bestätigen. Auch so kann man schuldig werden.

Wenn sie Dir mit "Vergasung" kommt, eröffne ihr freundlich, das sie bald die Gelegenheit hat, sich im Jenseits bei 6 Millionen Juden einzeln zu entschuldigen. Oder hat sie am Ende welche gerettet? Eher nicht.

Wenn Du bei Deiner Mutter noch auf die finale Bestätigung wartest, dass sie Dich liebt, dann bist Du schwach. Das ist nicht Deine Schuld. Diese Frau liebt Dich nicht, sonst würde sie Dich als das akzeptieren, was Du bist - als Frau. Aber Du darfst dann auf keinen Fall hingehen. Sonst wird sie Dir den max. Schaden zufügen, allein aus Rache dafür, dass Du nicht nach ihrem völkisch-arischem Willen geraten bist. Auf Deine Schwester kannst Du auch verzichten. Da wird nichts mehr besser.

Kleine Kinder sind ihren Eltern wehrlos ausgesetzt. Das verleitet leider viele dazu, sich selbst "göttliche" Qualitäten anzumaßen. Da die Kinder oft zu klein sind, das Spiel zu durchschauen, rennen sie ein Leben lang hinter der Liebe ihrer Eltern her. Das ist fatal!
Es ist das große Glück meines Lebens, schon mit 5 Jahren erkannt zu haben, dass es zwecklos war, meine Eltern auf diese Weise zu "erreichen". Seitdem lebe ich mein Leben. Und das ist richtig so. Nicht eine Sekunde habe ich das je bereut.

LG, Lipstick-Lady

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