Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....
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VanessaL
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Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 1 im Thema

Beitrag von VanessaL » Fr 1. Feb 2019, 19:02

Guten Abend!

Vielleicht haben einige den Wortwechsel in dem Beitrag: "Wie sage ich es meinem Kind? Und wann?" verfolgt. Eine "ex-userin", hat Ihre Sichtweise zu Ihrem Exmann (Transfrau) dargelegt. Nach anfänglichen Hasstiraden hat sich aber Ihr Kernproblem letztendlich, meiner Meinung nach, klar abgezeichnet. Der Typ (Ihr Exmann) hat seine Frau durch das Verheimlichen seiner Transidentität belogen, betrogen und hintergangen - ich hoffe ich habe diese Meinung so gut und deutlich herausgearbeitet, ohne etwas zu manipulieren. Vielleicht kann Betty, die ja ähnlich empfindet, das bestätigen, korrigieren oder ergänzen.

Ich fand von Anfang an, dass die geschrieben Beiträge eigentlich nicht viel mit dem Ursprungsthema zu tun haben und hatte mir gewünscht, dass dies in einem anderen Bereich diskutiert werden kann. Daher greife ich das Thema jetzt selbst (nicht ganz im ursprünglichen Sinne vielleicht) hier wieder auf.

Ich habe gestern und heute länger mit meiner Frau (wir leben getrennt) darüber gesprochen, denn tatsächlich hat auch sie so empfunden und mir genau diesen Wortsinn an den Kopf geworfen ... .Sie konnte es, wie viel andere Ehefrauen/Partnerinnen vermutlich auch, lange nicht verzeihen, dass ich etwas so Wichtiges vor Ihr verheimlicht hatte. Meine und Ihre Sichtweisen waren da in vielen Gesprächen weit auseinander, da wir uns auf unterschiedlichen Ebenen befunden haben und die Sache auch aus ganz anderen Perspektiven gesehen haben, letztendlich auch sehen mussten.

Heute kann ich sie verstehen und nachvollziehen, was sie gemeint hat und welche tiefe Wunde ich gerissen habe, ohne aber im Grunde anders gekonnt zu haben.
Ich habe allerdings das Glück, dass meine Frau sich mit der Thematik aktiv auseinandersetzt und gesetzt hat. So ist wohl aus der inneren Verletztheit kein Hass oder Streit entstanden und wir können gut miteinander umgehen. Aber darum geht es mir nur am Rande ....

Viel mehr hat mich beschäftigt, was ich aus den Wortwechseln mitnehme .... also was kann man etwas daraus "lernen"?

Ich denke ja ... und hier treffen wir auf ein anderes Thema, das immer wieder auf dem Tisch ist:
"Soll ich mich outen oder nicht?"
Ich denke, wir haben hier ein ganz gutes Beispiel, was passieren kann, wenn man nicht den Mut findet, mit seiner Partnerin / seinem Partner darüber zu sprechen. Je später man den Mut findet, zu sich zu stehen, desto schlimmer kann es am Ende eskalieren (das gilt übrigens wohl nicht nur für das Transthema). Und Hand aufs Herz, das will keiner.
Eben nur blöd, dass Mann/Frau das meistens am Anfang gar nicht so weiß ....

Liebe Grüße
Vanessa
Mein Geschlecht entsteht in Deinem Kopf.

Ute2506
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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 2 im Thema

Beitrag von Ute2506 » Fr 1. Feb 2019, 19:50

Hallo Vanessa,
ich hab solche Worte auch zum Ende meiner Ehezeit an den Kopf geworfen bekommen, ich kenne solche Reaktionen aus eigener Erfahrung. Und das obwohl ich nur Teilzeitfrau bin, nie TS geplant hatte. Das alles ist sehr verletzend für alle Beteiligten, es wäre wirklich das Beste man könnte das vermeiden.

Allerdings ist das Ende einer Beziehung immer auch das Ende einer Illusion die man über den Partner hatte. Ent-Täuschung kommt im wörtlichen Sinne davon, dass man den Partner dann so sieht wie er wirklich ist, und nicht, wie man es gerne möchte. Die eigenen Verletzungen kommen zum Teil auch durch die eigene Enttäuschung zustande, und dafür kann der andere nichts.

Eine klare Aussprache am Anfang der Beziehung kann daher nur dann helfen, wenn man auch genau die Illusion des Partners getroffen hat. Sonst findet sich, trotz völliger anfänglicher Offenheit, später ein anderer Grund für einen handfesten Streit.

Schön ist es wenn man es letztlich begreift, dass man für seine Illusionen (den Anderen betreffend) selbst verantwortlich war. Dann kehrt Friede ein.

LG,
Ute

Anne-Mette
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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 1. Feb 2019, 19:50

Guten Abend,

es mag durchaus "Fälle" geben, in denen der "Mann" WISSENTLICH (s)eine Transsexualität verschweigt und trotzdem unter "falschen Voraussetzungen" eine Beziehung/Ehe eingeht und mit der Partnerin eine Familie gründet.

Andererseits hören wir immer wieder von Menschen, die erst nach längeren inneren Kämpfen ihren Weg finden, der ihnen eines Tages zeigen mag: "ich bin transsexuell".
Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist sicherlich ebenso belastend für "Betroffene" und ihre Familien wie das Ergebnis, dass tatsächlich eine Transsexualität vorliegt.
Ich würde es allerdings nicht als lügen, betrügen und hintergehen werten.
Das macht es aber sicherlich für die Familien nicht einfacher.

Gruß
Anne-Mette

!EmmiMarie!
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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 4 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! » Fr 1. Feb 2019, 20:45

Hi..

nun, ich könnte fragen, hab ich mich nicht selbst ein
Stück weit belogen, betrogen und hintergangen?
Mit den Versuchen der Biologie zu folgen habe ich doch
bei mir selbst am meisten Schaden angerichtet..
..ich bin nie in der Männerwelt angekommen und
wie oft hab ich gehört das ich ein sehr weiblicher Mann
bin/war..
im Grunde wars vielen meiner Freunde und
Partnerinnen klar das da was ist ohne das ich jemals
was sagen musste. Also habe ich niemand anderen
belogen oder betrogen.
Ich bin ein spezielles Wesen mit einen speziellen Stil
gewesen..und bin ich jetzt auch.
Schon vor 20 Jahren hätte ich die Reissleine ziehen
sollen und können und vollstöndig als Frau leben müssen
..

Liebe Anne-Mette,

das wirklich einzige was ich belastend finde ist,
das ich nicht früher gesagt hab, ich will dieses Leben
im Männerkörper nicht mehr. Trans* zu sein ist für
mich keine Belastung und schon gar nicht das Ergebnis
meiner Therapiesitzungen..
Ein indischer Freund von uns schrieb mir nach dem
Outing das ich jetzt komplett als Frau leben werde
und ich angleichende Massnahmen ergreife, frei
übersetzt: ich hoffe du überstehst die "Tortouren" gut.
Ich schrieb zurück, das ist keine Tortour, sondern eine
Befreiung nach einer langen Zeit des Leidens..

Und so sehe ich es heute noch, sogar noch mehr,
weil ich spüre, das ich immer freier und stärker werde.

Alles Liebe Marie (flo)
I´ve known the wind so cold, i´ve seen the darkest days, but now the winds i feel are only winds of change

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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 5 im Thema

Beitrag von Inga » Fr 1. Feb 2019, 21:00

Hallo, miteinander,

oh, ich denke, Kern der heftigen Reaktion manche Ehe- bzw. Lebenspartnerin ist doch der Schock, trotz jahrzehntelang gegenseitig zugesagter Vertrautheit zu erfahren, dass er jahrelang ein Geheimnis mit sich herum trägt, es mit der Zeit eher größer und drückender wird und auch die übrige Stimmung in der Beziehung zueinander drückt. Dass er darunter genauso leidet wie sie ist da wenig Entschuldigung. Hinzu kommt, dass sie zwar mehr oder weniger viele Anzeichen wahr nimmt, sie jedoch oft nicht so recht zuordnen kann und da oft eine heimliche Geliebte vermutet. Das belastet auf die Dauer emotonal schon enorm. Und wenn dann alles heraus kommt, durch plantes oder ungewolltes Outing, wollen sich die emotionalen Anspannungen Luft machen. Welcher Trans* ist dem schon gewachsen mit geduldiger Zartheit entgegen zu kommen - so ganz ohne Besserwisserei, so ganz ohne an sich selbst und seinen Selbstverwirklichungsdrang zu denken?

Ich halte die Situation gerade für die Partnerinnen für sehr schwer und anstrengend und bewundere alle Paare, die es über kurz oder lang geschafft haben wieder zusammen gefunden haben. Und - ich habe Verständnis, wo Partnerschaften daran auseinander gebrochen sind.

Liebe Grüße
Inga

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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 6 im Thema

Beitrag von Kerstin65 » Fr 1. Feb 2019, 21:02

Hallo miteinander,

ist es nicht so, dass man am Anfang einer Beziehung ein Herz und ein Leib ist und man bereit ist, alles für den anderen zu tun. Man ist verliebt über beide Ohren und man ist fest davon überzeugt, dass man mit dem Crossdressing aufhört. Jedenfalls war es bei mir so.

Doch irgendwann kommt die Ernüchterung Die sog. rosarote Brille fällt weg und man merkt, dass Ehe und Partnerschaft auch Beziehungsarbeit bedeutet.

Bei mir kam dann irgendwann wieder der Wunsch, Frauenkleider zu tragen. Doch wie sollte ich es meiner Frau sagen ? Wäre das nicht auch ein Anzeichen einer Ehekrise gewesen ? Eine Ehekrise, nein, dass sollte nicht sein. Und so verschwieg ich mein tun in der Hoffnung, damit wieder aufhören zu können.

Erst wenn man sich selbst eingesteht, dass das Crossdressing zu einem gehört, man es nicht einfach aufhören kann, musste ich mich gegenüber meiner Frau offenbaren.

Ich glaube nicht, dass ich meine Frau belogen oder betrogen habe. Ich musste mir selber eingestehen, wer ich bin.

Liebe Grüße
Kerstin
Liebe Grüße aus Franken
Kerstin

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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 1. Feb 2019, 21:28

Guten Abend,

ich denke, dass das Phänomen "glückliche Familie" im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle spielt.
Immer noch wird eine glückliche und "richtige Familie" als sehr erstrebenswertes Ziel angesehen, ja, ihr wird sogar "Heilungskraft" zugesprochen.
Die Fehler unserer Eltern sollen auf alle Fälle nicht wiederholt werden, sondern es wird ein Idealzustand angestrebt, in dem sich Selbstzweifel und Findungsüberlegungen auflösen sollen und in ein glückliches Gefühl münden.
Allerdings sieht der Alltag oftmals ganz anders aus - und eine Ehe beinhaltet sehr viel Beziehungsarbeit, die allerdings bei den zahlreichen Anforderungen, denen sich Familien stellen müssen, keinesfalls immer aktiv und respektvoll geleistet werden kann.
Dabei können sich Paare verlieren, können sich sehr unterschiedlich entwickeln - und auch so, dass es dem anderen Partner weh tut.
Im aktuellen BRIGITTE-Heft ging es im "Dossier" um das Thema "Als ich nicht mehr weiter wusste" und dort berichtete eine Frau davon, wie sie sich erst später bewusst wurde, dass sie lesbisch ist.
Da lebte sie schon mehrere Jahre mit ihrem Mann zusammen und hatte Kinder.
Lebenswege sind nicht immer "geradeaus" - und Entwicklungen sind nicht immer vorauszusehen.

Gruß
Anne-Mette

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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 8 im Thema

Beitrag von Ronda_PTL » Sa 2. Feb 2019, 03:51

Guten Morgen, Mädels!

Ich will mich auch zu dem „ewigen“ Thema einbringen,weil mich einige Beiträge von Euch sehr berührt haben. Vor allem finde ich Anne-Mettes Ausführungen wichtig, etwa
Allerdings sieht der Alltag oftmals ganz anders aus - und eine Ehe beinhaltet sehr viel Beziehungsarbeit, die allerdings bei den zahlreichen Anforderungen, denen sich Familien stellen müssen, keinesfalls immer aktiv und respektvoll geleistet werden kann.
Dabei können sich Paare verlieren, können sich sehr unterschiedlich entwickeln - und auch so, dass es dem anderen Partner weh tut.
Im aktuellen BRIGITTE-Heft ging es im "Dossier" um das Thema "Als ich nicht mehr weiter wusste" und dort berichtete eine Frau davon, wie sie sich erst später bewusst wurde, dass sie lesbisch ist.
Ich denke auch, dass in unserer Gesellschaft die Ehe extrem idealisiert ist, angefangen von der perfekten Liebesvorstellung, über die absolute Treue und das unerschütterliche Vertrauen, um nur einige Aspekte zu nennen. Wir rennen alle mit schier unerfüllbaren Bildern und Träumen durch die Welt, dabei zeigt uns die Realtät jeden Tag, dass die Mehrheit der Paarbeziehungen scheitern, meist bereits innerhalb der ersten 7 Jahre. Und natürlich ist es müßig dabei um „Schuldfragen“ zu streiten, denn allzu häufig sind viele komplexe Gründe dafür verantwortlich, nicht ein einzelner Konflikt, eine singuläre Krise.
Ich denke, wir lernen alles Mögliche im Laufe unserer Ausbildungsjahre, aber wir alle sollten uns eingestehen, dass wir kaum Werkzeuge an die Hand bekommen, wie wir eine Ehe / Partnerschaft auf Dauer „bewältigen“, Ent_täuschungen verkraften, Beziehungsarbeit und über-unsere-eigenen-Schatten springen, Kompromisse leben lernen, kurzum echte BEZIEHUNGSARBEIT mit Geduld zu leisten, ohne die Klamotten gleich hinzuwerfen. Das ist ein wenig so, als wollten wir im dichten Straßenverkehr überleben, ohne Führeschein und Fahrpraxis, nur vom Zuschauen qualifiziert. Das wäre auch ein KamikazeUnternehmung. Wieso glauben dann alle, für gelunge, glückliche Beziehungen bräucht’s kein Trial & Error? 😲

Das gesagt, ist eine der wichtigsten Qualifikationen vielleicht die Fähigkeit zu Vergeben, zu Lernen, konstruktiv zu Streiten, das Ringen um den Wechsel der Perspektive ... dann klappt’s auch mit den großen Herausforderungen besser!

Vielleicht braucht das ein, zwei, drei mal Scheitern, aber dafür sind wir doch alle fehlbare Menschen ...

Habt Euch wohl!

LG Ronda 🙎🏻‍♀️🙏🏼
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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 9 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Sa 2. Feb 2019, 05:34

Inga hat geschrieben:
Fr 1. Feb 2019, 21:00
oh, ich denke, Kern der heftigen Reaktion manche Ehe- bzw. Lebenspartnerin ist doch der Schock, trotz jahrzehntelang gegenseitig zugesagter Vertrautheit zu erfahren, dass er jahrelang ein Geheimnis mit sich herum trägt, es mit der Zeit eher größer und drückender wird und auch die übrige Stimmung in der Beziehung zueinander drückt.
Es ist ja vollkommen klar und nachvollziehbar, dass so ein Outing bei Partner_innen erstmal Schockreaktionen auslöst. Das war bei uns ja auch nicht anders, Verlustängste, Unsicherheit, wie es weitergehen soll, und viele Tränen waren eine zeitlang fast an der Tagesordnung. Die Frage ist doch aber, wie man damit umgeht? Die Wut muss auch wieder verrauchen und Ängste können durch viele Gespräche, evtl. auch mit professioneller Unterstützung, abgebaut werden. Wenn man sich aber über viele Jahre - so wie es ja anscheinend bei SanDy1310 der Fall war - in seine Wut hineinsteigert und die dann auch noch in blanken Hass umschlägt (so habe es ja nicht nur ich herausgelesen), dann wird man nie zu einer konstruktiven Lösung kommen. Ich habe mich gefragt, ob SanDy1310 einen Menschen, den sie liebt geheiratet hat, oder "die Rolle Mann". Insbesondere, wenn dann auch noch Kinder mit im Spiel sind, ist es doch immens wichtig, dass beide Seiten konstruktiv zusammenarbeiten. Die dann gefundene Lösung kann ja auch durchaus eine (einvernehmliche) Trennung sein, aber es besteht immer auch die Möglichkeit, dass die Beziehung fortgesetzt wird - wie auch hier im Forum an vielen positiven Beispielen gezeigt wird. Das erfordert von der_dem Partner_in eine gewisse Bereitschaft, sich auf das Thema trans* einzulassen und sich damit auseinanderzusetzen. Und neben vielen Gesprächen, die selbstverständlich sein sollten, muss natürlich die trans*-Person darauf achten, dass die Schritte immer nur so schnell erfolgen, dass der_die Partner_in noch folgen kann und sich nicht abgehängt/überrumpelt fühlt. Da muss man dann auch mal auf die Bremse drücken können, auch wenn einen die Ungeduld fast umbringt.

Im Übrigen möchte ich hier mal zum Ausdruck bringen - gerade weil man sich bei so einem Thema ja auch wieder damit beschäftigt -, dass ich superglücklich darüber bin, dass wir damals die Kurve gekriegt haben und heute genauso glücklich verheiratet sind wie in "Vor-Svetlana-Zeiten", immerhin steht im März Hochzeitstag Nr. 33 an. Nicht Kishon hat die beste Ehefrau von allen, sondern ich - davon bin ich fest überzeugt! (dr)
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 10 im Thema

Beitrag von Rose » Sa 2. Feb 2019, 07:20

Meine Meinung ist es ist für alle Beteiligten schwer.
Für den der es heimlich macht, der immer die Angst hat erwischt zu werden. Der immer das Gefühl hat seine Partnerin zu hinter gehen. Alles zu verlieren wenn es raus kommt. Und sicher auch für die Partnerin die das Gefühl hat den starken "Mann" an ihrer Seite zu verlieren. Belogen und betrogen zu werden. Diese Dinge sagte meine Frau mir als ich es ihr gestanden habe. Ich war in dem Moment erleichtert das es raus war und meine Frau belastet ab diesen Moment. Es war sehr schwierig die erste Zeit. Meine Frau arbeitet im öffentlichen Dienst dadurch haben wir viele Bekannte die im öffentlichen Dienst arbeiten. Bei meiner Frau zum Beispiel merke ich immer wieder,das alltägliche Sachen die durcheinander laufen nicht zu ihr passen. Auf der Arbeit hat sie genaue Abläufe was sie zu machen hat wenn.... . Ein strukturierter Arbeits Ablauf. Da her ist alles was nicht regelkonform ist falsch. In einem Streit sagte sie damals hätte ich das vorher gewusst, wüsste sie nicht ob wir jemals zusammen gekommen wären. Sie hat viel gesagt das mich verletzt hat und das oft. Ich hatte es so oft hin genommen weil ich ja der Grund war. Irgendwann reichte es mir und ich sagte das sie halt egoistisch ist. Ich sagte so Sachen wie meinst du das es für mich leicht ist, oder ich alles an dir mag. Ich sagte nur ich habe damals dein Wesen kennen gelernt dein Charm usw. Und das ihre "macken" auch erst im Laufe unserer Beziehung und Ehe kennen gelernt habe. Und habe sie darauf gefragt ob sie jemals von mir gehört hat hätte ich das eher gewusst. Ich habe ihr nur gesagt das ich sie über alles Liebe und das ich das nicht von ihren Macken und ihrer teilweisen komischen Sichtweisen abhängig mache. Ein paar Tage später hat sie sich entschuldigt für all die gesagten Dinge sie erklärte mir auch warum. Daher kann ich sagen das wir unserer Partnerin von heute auf morgen viel zu muten. Heute ist es sehr harmonisch,klar sagt sie mal wenn ich komplett fertig gemacht bin das es in ihren Augen komisch für sie ist. Ein Mann in Frauen Sachen sagt sie dann. Aber heute ist es wenn sie Einkaufen geht oder so ob ich noch etwas brauche Kosmetik oder so. Sie sagte nur sie wüsste nicht was wäre wenn ich mich operieren lassen wollte. Ich habe nur darauf zu ihr gesagt ich weiß nicht wo die Reise hin geht nur das ich mir wünschen würde den Weg mit ihr gemeinsam zu gehen.
Nur reden kann helfen und auch verständniss zeigen. Der Partnerin das Gefühl geben das man ihre Situation auch ernst nimmt.

Liebe Grüsse
Rose
Jeder sollte so leben wie er will.

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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 11 im Thema

Beitrag von Ute2506 » Sa 2. Feb 2019, 15:51

Rose hat geschrieben:
Sa 2. Feb 2019, 07:20
Für den der es heimlich macht, der immer die Angst hat erwischt zu werden. Der immer das Gefühl hat seine Partnerin zu hinter gehen. Alles zu verlieren wenn es raus kommt. Und sicher auch für die Partnerin die das Gefühl hat den starken "Mann" an ihrer Seite zu verlieren.
Ich muss das jetzt mal zitieren und etwas strukturieren, da stecken so viele interessante Aspekte drin:
- Warum machen wir das heimlich?
- Warum hintergehen wir unsere Partnerin?
- Was verlieren wir eigentlich wenn 'es' herauskommt
Die Antwort liefert die Partnerin: "Das Gefühl, den starken Mann an ihrer Seite zu verlieren.

Das sind unsere Vorstellungen unserer Beziehung, und natürlich gehen die verloren wenn 'es' herauskommt.
Das 'es' ist nichts anderes als unser wahres Selbst.


Dabei kann es besser gehen, da unsere Beziehungen oft nach dem Komplementärprinzip ausgesucht werden: eine eher männlich geprägte, starke Frau sucht sich eher den femininen, weichen Typ Mann als Beziehungspartner. Wenn man sich das eingesteht und die Vorstellung des 'starken Mannes' loslässt, dann gewinnt die Beziehung an Tiefe weil sie auf Ehrlichkeit aufbaut, weil beide sich so sehen können wie sie wirklich sind. Und das habt ihr beide, Rose und deine Frau, offensichtlich geschafft, das freut mich wirklich für euch.

LG,
Ute

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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 12 im Thema

Beitrag von Toni Smith » Sa 2. Feb 2019, 16:38

"Betrogen"

Das unterstellt die transsexuelle Person wüsste von Anfang an, dass sie trans ist. Das ist ein häufiger Irrtum, der daher kommt weil die betroffene trans. Person im Druck steht, sich in ihrem Gefühl zu rechtfertigen. Daher meist die Erklärung, "ich habe es als Kind bereits gewusst".
Obwohl es damals nur ein vager Gedanke war, der erst mit den Jahren zur Gewissheit wurde. Die Partner unterstellen, die trans. Person hat es von Anfang an gewusst und die Beziehung erschlichen, um sich abzusichern. Sie hat bewusst gelogen und eine "falsche" Rolle vorgespielt. Die Partner sind dadurch Opfer geworden.

Und das ist das eigentliche Problem bei diesem Denken. Es geht um Schuld. Die Partnerin sieht ihr Leben in Gefahr und die Schuld dafür hat die trans. Person.

Eigentlich hat die trans. Person sich dem Partner geöffnet und damit das Vertrauen ausgesprochen und das muss auch von der trans. Person bei einem Outing kommuniziert werden.

Es ist halt eine Frage der Sichtweise. Wie sehen wir Transsexualität? Wie sehe andere Transsexualität? Sehen wir es als Bedrohung unserer Lebensrealität oder als Befreiung unseres Lebens?

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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 13 im Thema

Beitrag von Drachenfrau » Sa 2. Feb 2019, 18:08

Anne-Mette hat geschrieben:
Fr 1. Feb 2019, 21:28
Guten Abend,

ich denke, dass das Phänomen "glückliche Familie" im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle spielt.
Immer noch wird eine glückliche und "richtige Familie" als sehr erstrebenswertes Ziel angesehen, ja, ihr wird sogar "Heilungskraft" zugesprochen.
Die Fehler unserer Eltern sollen auf alle Fälle nicht wiederholt werden, sondern es wird ein Idealzustand angestrebt, in dem sich Selbstzweifel und Findungsüberlegungen auflösen sollen und in ein glückliches Gefühl münden.
Allerdings sieht der Alltag oftmals ganz anders aus - und eine Ehe beinhaltet sehr viel Beziehungsarbeit, die allerdings bei den zahlreichen Anforderungen, denen sich Familien stellen müssen, keinesfalls immer aktiv und respektvoll geleistet werden kann.
Dabei können sich Paare verlieren, können sich sehr unterschiedlich entwickeln - und auch so, dass es dem anderen Partner weh tut.
Im aktuellen BRIGITTE-Heft ging es im "Dossier" um das Thema "Als ich nicht mehr weiter wusste" und dort berichtete eine Frau davon, wie sie sich erst später bewusst wurde, dass sie lesbisch ist.
Da lebte sie schon mehrere Jahre mit ihrem Mann zusammen und hatte Kinder.
Lebenswege sind nicht immer "geradeaus" - und Entwicklungen sind nicht immer vorauszusehen.

Gruß
Anne-Mette
Hallo zusammen,

danke Anne-Mette für diese weite Sicht auf Beziehungen, auch im allgemeinen.
Wenn ich mir überlege - als cis-Mensch - was ich alles habe in meinem Leben bereinigen müssen, um heute mit fast 49 Jahren sagen zu können, dass ich mich SELBST zu einem großen Teil selbst gefunden habe, spüre ganz langsam tatsächlich in meiner Kraft zu sein und immer noch "finetuning" betreiben darf - wie geht es dann Menschen, die on top noch das Thema Geschlechtsidentität durcharbeiten müssen?

Denies und ich haben einige Verabredungen getroffen als wir uns kennenlernten.
Eine davon war auch, dass wir sobald wir beide nach der Arbeit zuhause sind, der Stress vor der Tür zurückgelassen wird und unsere Beziehung an 1. Stelle steht.
Natürlich haben wir auch Verpflichtungen, doch wir reden darüber und da ich auch nun immer mehr meine Mutter pflege, achten wir beide darauf, dass dennoch unsere Beziehung "rund" läuft.

Es ist wirklich alles andere als einfach, sich immer wieder Selbst nachhause zu rufen und dann auch noch einfühlsam dem Partner gegenüber zu sein.

Ja, dass etwas wie Transsexualität verschwiegen wird, auch wenn sie lange erahnt ist und dann erst so spät angesprochen wird, hat ja auch etwas mit Angst zu tun.
Wir alle starten in unserem Leben mit dem Verhaltensmuster je besser ich mich bei meinen Eltern anpasse, desto mehr Anerkennung bekomme ich.
Dieses Verhaltensmuster wird ein Programm im Unterbewussten, das sich solange unbemerkt abspielt bis die Festplatte durch Lebensumstände Kratzer bekommt.
Ich kann verstehen, dass Menschen ent-täuscht sind, wenn sie von einer jahrelangen still gelebten Transsexualität erfahren.
Was jedoch bleibt ist, dass es nun die Gegenwart ist, mit der man umgehen muss und dass man sich JETZT der kompletten Wahrheit stellen muss.
Dazu gibt es so viel durch unsere Eltern, Verwandten, Familienschicksale über Generationen hinweg, die uns auch noch auf ungeahnte Weise beeinflussen und wir lernen müssen, mühsam teilweise, dass es so etwas geben könnte und was man tun kann.

Doch auch jene, die sich betrogen, belogen und ent-täuscht fühlen - mal ganz direkt ausgedrückt:
Hättet ihr euer Leben, frei, authentisch, offen, ehrlich und klar gelebt, wärt euch eurer Gefühle und Bedürfnisse sowie der eigenen Verantworung für euch selbst bewusst gewesen,
DANN GÄBE ES NICHTS IN EUCH; DAS ENTTÄUSCHT SEIN KÖNNTE.

In meinem Umfeld gibt es einen Menschen, den ich aus tiefstem Herzen liebe, aber zu dem ich keinen echten Kontakt mehr habe.
Dieser Mensch lebt nach dem Leitspruch: würdet ihr alle funktionieren (wie ich das will), dann ginge es mir gut. Ihre tiefe Enttäuschung, die daraus resultierende Wut hat sie zu einem sehr kalten Menschen (zumindest mir gegenüber) gemacht.

Es gibt nichts mehr herausfordernderes als in einer Beziehung offen zu sein, keine Schutzmauer zu tragen und das anzunehmen, was dann im Alltag zum Vorschein kommt.
Was ist das überhaupt für ein Irrsinn, dass man in eine Beziehung geht, mit dem Glaubenssatz: ich muss mich schützen?

Und ja, als ich Denies traf, mussten wir dort auch erst einmal reinwachsen und wir wachsen immer noch miteinander, bleiben nicht stehen, entwickeln uns weiter.

Liebe Grüße,
Ulla
Je mehr ich in Verbindung mit mir selber bin, desto leichter löse ich meine „Probleme“.

DeniesundUlla
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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 14 im Thema

Beitrag von DeniesundUlla » Sa 2. Feb 2019, 18:33

Ronda_PTL hat geschrieben:
Sa 2. Feb 2019, 03:51

Ich denke, wir lernen alles Mögliche im Laufe unserer Ausbildungsjahre, aber wir alle sollten uns eingestehen, dass wir kaum Werkzeuge an die Hand bekommen, wie wir eine Ehe / Partnerschaft auf Dauer „bewältigen“, Ent_täuschungen verkraften, Beziehungsarbeit und über-unsere-eigenen-Schatten springen, Kompromisse leben lernen, kurzum echte BEZIEHUNGSARBEIT mit Geduld zu leisten, ohne die Klamotten gleich hinzuwerfen. Das ist ein wenig so, als wollten wir im dichten Straßenverkehr überleben, ohne Führeschein und Fahrpraxis, nur vom Zuschauen qualifiziert. Das wäre auch ein KamikazeUnternehmung. Wieso glauben dann alle, für gelunge, glückliche Beziehungen bräucht’s kein Trial & Error? 😲

Das gesagt, ist eine der wichtigsten Qualifikationen vielleicht die Fähigkeit zu Vergeben, zu Lernen, konstruktiv zu Streiten, das Ringen um den Wechsel der Perspektive ... dann klappt’s auch mit den großen Herausforderungen besser!

Vielleicht braucht das ein, zwei, drei mal Scheitern, aber dafür sind wir doch alle fehlbare Menschen ...

Habt Euch wohl!

LG Ronda 🙎🏻‍♀️🙏🏼
Ich schlisse mich mal hier an, weil ich das für das wichtigste Thema in der Menschheit sehe.

Wir alle, ob wir sagen wir hatten eine Gute oder Schlecht Kindheit, gehen u.a. mit einem gewissen Mangel aus dem Elternhaus.

Diesen Mangel wollen wir ausgleichen, (Egal welche Bedürfnisse dahinterstehen) und hoffen dies in einer Partnerschaft ausgleichen zu können, ohne zu wissen wie und warum.

Aber das mit diesen Erwartungen und mit realitätsfernen Träumen eine Beziehung nicht Glücklich werden kann, liegt auf der Hand.

Ich selber hätte da wahrscheinlich einen Harem an Menschen gebraucht um diese Erwartungen alle Erfüllt zu bekommen, oder jemandem der mir das Leben wirklich erklärt hätte.

Aber meine Erwartungen gingen zu dem noch mal über die üblichen hinaus, denn ich hätte das gebraucht was in unserer Kultur eine Frau braucht, wie sollte da bei all den Erwartungen eine Beziehung Funktionieren und damit möchte ich auch zu dem eigentlichen Thema kommen.

Ich habe seit meiner Pubertät meine Transidentität tief in den Keller meines Unterbewusstseins geschoben und es bis vor 2 ½ Jahren für tot erklärt, erst durch das Vertrauen zu Ulla konnte es reanimiert werden.

Sicher gab es ganz viele Hinweise und ich hätte jeden Gedanken, jedes Gefühl, jede Sehnsucht. Jedes Bedürfnis meiner ersten Ehefrau mitteilen sollen, das wäre Fair und authentisch gewesen, was nicht nur mir geholfen hätte, sondern auch ihr zumindest ein Stück Klarheit gegeben hätte, aber mir erging es wie vielen, ich hatte Angst, hielt mich für falsch oder zumindest das was meine Gedanken und Wünsche hoch brachten.

Ich weiß nicht was diese Offenbarung mir damals gebracht hätte, ob sie mir bei der suche zu mir Selber geholfen hätte, aber eines wäre anders gewesen, ich hätte meiner Partnerin Klarheit gegeben.

In dem Sinne kann ich mich schon nach Schuld fragen, denn wir alle haben es verdient, mit einem authentischen Menschen zu leben und kein Schauspiel vorgesetzt zu bekommen.

Vor allem ist es für die Partner um so schlimmer je länger eine Ehe/ Beziehung bestand hatte, denn sie haben sich darauf eingerichtet, haben ja etwas in die Beziehung hinein getragen im Glauben das diese Saat ja auch mal eine Ernte bringt.

Und ich kann nicht erwarten das meine Partnerin, auch wenn man über die Liebe zu einem Menschen im allgemeinen spricht von ihr abzuverlangen, das sie mit einem gleichgeschlechtlichen Partner glücklich sein müsste da dieses ja noch immer der selbe Mensch ist.

Nein ich denke es gibt eben diese Polarität von männlich und weiblich und wenn sich jemand outet, verändert sich ja auch etwas, da kommt die wahre Persönlichkeit, (soweit sie gelebt werden kann) zum Vorschein.

Von daher trifft es die Partner doppelt, hinzu kommt noch wie z.B. auch bei mir, das ich meine Transformation gar nicht so drosseln konnte, das die Partner die Zeit haben mit all dem fertig zu werden, vor allem nach langjährigen Beziehung wo etwas verschwiegen wurde.

Ich kann nicht sagen das ich meiner ersten Frau die Transsexualität verschwiegen habe und trotzdem fühlt es sich nicht gut an, mich ihr nicht mit allem anvertraut zu haben, auch wenn ich zu keinem Menschen in der damaligen Zeit mehr vertrauen hatte, aber ich hatte die Chance mich zu finden, sie blieb aber im Dunkeln.

Ob das ein Delikt ist oder nicht, kann man von vielen Seiten sehen und Bewerten, wir Menschen sind nun mal mit schwächen belegt und wer will da richten ob da die eigene Angst, vor Verlust, Demütigung usw. das ganze entkräftet.

Lieben Gruß an alle

Denies
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Luna
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Re: Mein Mann hat mich belogen, betrogen und hintergangen ....

Post 15 im Thema

Beitrag von Luna » Sa 2. Feb 2019, 19:42

Hallo zusammen,

ein interessantes Thema, das auch mich immer wieder beschäftigt (hat). Bei mir (Enby) ist CD seit meiner Kindheit ein Thema. Ich wusste immer, dass ich anders bin, dass ich es liebe (auch) Frauenkleidung zu tragen und (neben ausgesprochen männlichen auch) feminine Seiten in mir trage.
Von Klein auf hab ich "gelernt", dass derartige Empfindungen nicht "richtig", nicht "normal" sind. Habe oft miterlebt, wie sich, wenn das Thema aus irgendeinem Grund auf den Tisch kam, Bekannte, Freunde, Familienmitglieder usw. abfällig geäußert oder die betreffende Person lächerlich gemacht haben. Meine (vielleicht falsche) Reaktion: Ich habe diesen Teil von mir von Kindheit an versteckt und geheimgehalten. Als ich älter wurde, kam der Eindruck hinzu, dass sowieso keine Frau mit "so einem" etwas anfangen würde. Medial war das Ganze ohnehin noch kein Thema. Es gab ein paar schrille Dragqueens oder Travestiekünstler - zu beiden Fraktionen fühlte ich mich nicht zugehörig. Irgendwie hab ich so im Lauf der Jahre immer mehr verinnerlicht, dass ich nicht normal, abartig, ja vielleicht sogar pervers bin. Andererseits wünschte ich mir aber Zeit meines Lebens nichts sehnlicher, als auch eine Partnerin und Familie zu haben. Und wenn ich jemand kennenlernte, fragte ich mich stets: "Soll ich es ihr sagen, und wenn ja - wann?"
Als ich mich in meine jetzige Frau verliebt habe, kam diese Frage natürlich auch wieder. Ich wollte (in allen Bereichen) ehrlich und aufrichtig zu ihr sein. Gleichzeitig war aber die Angst, sie zu verlieren so groß, dass ich es letztlich nicht gewagt habe, mich ihr in diesem Punkt anzuvertrauen. Nach dem Zwangsouting im vorigen Jahr (nach 12 Jahren Partnerschaft) kamen von ihrer Seite natürlich (zu Recht) all die im EP angesprochenen Vorwürfe. "Du hast mich belogen!", "Du hast mir nie eine Wahl gelassen!" usw. Ich habe ihr dann - in einem langen Brief - mein Innerstes offengelegt und ihr auch die Gründe für mein Verhalten mitgeteilt. Zugleich habe ich ihr bewusst gemacht, dass die Eigenschaften, die sie an mir am meisten schätzt oder liebt, vielleicht gerade dieser Besonderheit meiner Persönlichkeit geschuldet sind. Wir haben viel geredet; es gab Wut und Tränen, aber auch Liebe, Zuhören und die Bereitschaft, den Anderen verstehen wollen. Sie hat letztlich verstanden, warum ich nicht von Anfang an offen zu ihr war und mir dies verziehen; genauso, wie ich stets versucht habe, mir ihre Ängste und Gefühle nach dem Outing bewusst zu machen.
Auf diese Weise habe wir es letztlich geschafft.
Nach all den Jahren liebt mich meine Frau für viele Dinge und Eigenschaften. Genauso wie ich sie. Und unsere Liebe ist hoffentlich stark genug, allen schweren Zeiten Stand zu halten. Aber hätte meine Frau sich auf uns eingelassen, wenn sie vom ersten Moment an über meine Transidentität bescheid gewusst hätte? Sie selbst hat gemeint: "Wahrscheinlich nicht...".

Alles Liebe
Luna

p.s.: Das ist mit Sicherheit keine Empfehlung, nicht aufrichtig zu seinem/seiner Partner(in) zu sein - nur meine ganz persönliche Geschichte

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