Ein schwelender Konflikt?
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Manu.66
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Ein schwelender Konflikt?

Post 1 im Thema

Beitrag von Manu.66 » Mo 25. Dez 2017, 13:51

Hi Mädels!

Nun ist es bei mir bald soweit. Mein OP Termin ist in 29 Tagen.

Im Grunde läuft es in unserer Beziehung, wir sind seit 45 Jahren verheiratet, gut. So dachte ich zumindest. Und davon gehe ich eigentlich auch aus. Wir reden viel über unsere Beziehung.

Je näher allerdings der OP Termin rückt, desto intensiver wird am Telefon getuschelt, wenn meine Frau mit ihrer Schwester oder ihrer besten Freundin redet. Die Stimme wird gesenkt wenn sie glaubt, ich bin in der Nähe, sie geht während eines Telefonats aus dem Zimmer. Ich selbst habe den Termin meiner OP innerhalb der Familie nicht öffentlich gemacht. Lediglich meiner Tochter Johanna gegenüber, mit der ich zu einer Brust OP in Prag war, habe ich anlässlich ihres Termins auch über meinen unter dem Siegel der Verschwiegenheit gesprochen. Mittlerweile kann ich allerdings davon ausgehen, dass es nahezu alle innerhalb der Familie wissen - nur ich weiß nicht, wer es denn weiß und wer nicht.

Na ja, letztlich auch egal. (Ist es das wirklich - ich weiß nicht...)

Nicht egal ist mir die anscheinend vorhandene Zweideutigkeit in dem Meinungsbild meiner Frau. Mir gegenüber wird betont, dass es ok ist, dass sie mich unterstützt, dass sie es akzeptiert. Vorhin allerdings, während eines dieser Telefongespräche mit ihrer Schwester, musste ich mit anhören hören wie meine Frau in ziemlich negativem Tonfall sagte: "... und wenn er dann auch bald noch eine Votze hat....!" Sie hatte ihre Stimme noch nicht ausreichend gesenkt - ich musste das hören im Vorbeigehen am Wohnzimmer. Ehrlich gesagt bin ich dann auch kurz stehengeblieben, um dem Gespräch zu lauschen. Ich war von der Art der Aussage doch ziemlich getroffen. Normalerweise bemüht sich meine Frau, mich in den weiblichen Formen anzusprechen und auch in den weiblichen Formen über mich zu reden - jedenfalls wenn ich bewusst in der Nähe bin.

Da schwelt wohl doch ein Konflikt. Wie soll ich mit verhalten? Es ansprechen? Für mich behalten? Ich weiß es nicht.

Liebe Grüße
Manuela
Mein Lebensmotto: "Ich kann, weil ich will, was ich muss." (Kant)

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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 2 im Thema

Beitrag von Kelly » Mo 25. Dez 2017, 14:31

Hallo Manuela,
Ich kann Dir leider keinen Rat geben,bei mir ist es aber auch so das wenn irgendwann mal der OP Termin steht ein Wendepunkt kommen wird.Leider.Ich denke aber das wenn das letzte"Stück Männlichkeit "verschwindet auch das letzte Stück Hoffnung für unsere Partnerinen verloren ist.Ein Verlust den wir wahrscheinlich nicht begreifen können.
Wir verlangen von unseren Partnerinen wirklich viel.
Ich wünsche Dir und Deiner Partnerin auf jeden Fall alles Gute und alles Glück dieser Erde
Liebe Grüße und besinnliche Feiertage
Kelly

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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 3 im Thema

Beitrag von Mina » Mo 25. Dez 2017, 14:41

Hallo Manu,

Sei versichert, es ist gut das Du es aussprichst. Das war definitiv unter der Gürtellinie.

Ich bin keine Freundin von suggestiven, und ich möchte mir nicht anmaßen Deine vertraute Welt zu beurteilen. Deswegen kann ich nur schreiben wie ich reagieren würde.

Das Gespräch mit ihr suchen und sie damit konfrontieren, das ich das Gespräch mitbekommen habe.
Ich würde den Verlauf des Gesprächs abwarten und mich danach zurück ziehen um es reflektieren zu können.

Aber, der Satz: ....wenn ER dann...VOTZE....

Sagt mir persönlich alles. 45 Jahre, Kinder hin oder her, ich würde klar entscheiden wollen. Für mich wäre das nicht hinzunehmen, meine Würde derart mit Füßen zu treten.

Aber wiegesagt, das wäre meine Reaktion.

Hast Du gute Freunde oder Familienmitglieder an welche Du Dich im Zweifel wenden kannst?

Manu, fühle Dich gedrückt. Du bist stark, hast soviel schon geschafft, Du findest ganz sicher den für Dich richtigen Weg das zu packen.

Bei Dir
Mina
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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 4 im Thema

Beitrag von Frauke » Mo 25. Dez 2017, 15:30

Hallo Manuela,

es ist schwer Dir einen Rat zu geben. Der von Dir zitierte Teilsatz ist schon sehr daneben und klingt nicht nach Akzeptanz oder Unterstützung. Mir würde es schwerfallen, das nicht anzusprechen. Klar kannst Du darüber wegsehen und nichts sagen. Es scheint ein Konflikt zu sein, der früher oder später ausbricht. Nach dem von Dir geschilderten Verhalten Deiner Frau und dem Zitat befürchte ich, dass sie nicht (ganz) mit Deinem Weg zurecht kommt. Wobei ich das durchaus verstehen kann. Eine Transition ist für die jeweiligen Partner sicher nicht leicht.

Wenn Du den Konflikt ansprechen willst, ist es nicht sicher wie das Gespräch ausgeht und was sich für eventuelle Konsequenzen daraus ergeben. Vielleicht solltest Du mit der Nachfrage noch etwas abwarten und beobachten, wie Deine Frau sich weiter verhält.

Frauke

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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 5 im Thema

Beitrag von ChristinaF » Mo 25. Dez 2017, 15:58

Hallo Manuela,

Mina hat genau das geschrieben, was ich ebenso denke. Ich finde es überhaupt nicht nachvollziehbar; auch nicht erklärbar, warum deine Frau so über dich spricht. Auch deine Würde ist unantastbar, besonders von den Personen denen man vertraut oder die man liebt.
Ich finde, dass du gut daran tust über diese tief beleidigende Worte bald mit deiner Frau zu sprechen. In aller Ruhe aber auch mit aller Deutlichkeit deiner Situation bezogen.
Liebe Grüße
Christina

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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 6 im Thema

Beitrag von Drachenfrau » Mo 25. Dez 2017, 16:34

Hallo Manu,

die anderen haben ja schon geschrieben, dass sie es nicht im Raum stehen lassen würden - ich auch nicht.
Für mich gäbe es nichts schlimmeres, als im Dunkeln zu tappen, wie Denies wahrhaftig denkt.
Am Anfang unserer Beziehung hatten wir eine solche Zeit und es hat ein 3/4 Jahr gedauert bis sie verstand, dass auch wenn ihre Worte mich verletzen könnten, ich doch lieber im schlimmsten Fall verletzt als unwissend sein wollte und schaffte es ab dann wirklich, mir Stück für Stück mehr Offenheit und Klarheit zu geben.

Mir fällt noch ein Aspekt ein.
Du schreibst, dass ihr viel miteinander über eure Beziehung redet.
Da sie nun öfter mit anderen tuschelt, kann es vielleicht sein, dass es etwas gibt, das ihr wirklich schwer fällt, mit dir zu besprechen?
Worin sie sich scheinbar nicht mit dir auseinander setzten kann?
Dabei denke ich an das Muster, dass Menschen gerne mit vertrauten anderen (Familie, Freundeskreis) über den Partner/die Partnerin sprechen anstatt mit dem Menschen, den es hauptsächlich betrifft.

Klarheit zu erhalten, ist nicht immer angenehm und kann sehr viel Veränderung bedeuten, doch sie hat etwas entscheidendes:
es kann absolute Ehrlichkeit aufkommen.
Damit kann man eine Basis gestalten.

Ich wünsche dir Glück.

Herzliche Grüße,
Ulla

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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 7 im Thema

Beitrag von SylviaM » Mo 25. Dez 2017, 17:05

Hallo Manu,
auch wenn ich die Form der Sprache, die deine Frau gewählt habe, ins tiefste ablehne, so muss man zu Gute halten, dass Sie es weder gegenüber dir noch in der Öffentlichkeit so ausgesprochen hat. Die engste Freundin oder Schwester zählen zu einem inneren Kreis, in dem man aus tiefstem Herzen aus sich herausgehen darf.

Solltest du es ansprechen? Grundsätzlich ja, denn der eine Satz drückt dich aus, dass deine Frau mit der nun absehbaren, neuen Situation nicht so zurecht kommt, wie du es glaubst. Dazu ist es nicht mal notwendig auf das gehörte anzuspreche, dazu reichen die Beobachtungen der Telefonate.

Frag dich auch selbst wie eure Gespräche zu der GaOp bislang verlaufen sind und wie deine Frau darauf reagiert hat? Hat sie über ihre Gefühle, Befürchtungen und Sorgen gesprochen. Es wäre ein Wunder, wenn nicht. Der Termin ist ja auch nicht von heute auf morgen vom Himmel gefallen.
Wir verlangen extrem viel von unseren Partnern und unseren Familienmitgliedern ab und auch wenn uns eine Laune der Natur zu dem macht, was wir sind, so dürfen wir nicht vergessen, dass wir das Leben unserer Partner massiv verändern.p

Manu.66
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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 8 im Thema

Beitrag von Manu.66 » Mo 25. Dez 2017, 19:47

Hi Mädels!

Ganz lieben Dank für Eure Antworten.

Ich hatte in der Zwischenzeit ein Gespräch mit der Frau meines Sohnes. Das hat mir schon mal gut getan, mit jemandem darüber zu reden, der das eigentlich ziemlich neutral sehen kann.

Ich werde den Ball wohl - wie sie sagt - flach halten und erstmal nicht weiter darüber reden.

Tatsache ist, wie hier auch einige von euch schreiben, wir muten unseren Partnerinnen/Ehefrauen/Kindern schon eine Menge zu. Es sei fast so, das eine Äußerung meiner Schwiegertochter, dass ich ja nahezu aus der Sicht meiner Kinder als Vater "gestorben" sei, aus der Sicht meiner Frau als Ehemann ebenso. Und nun ist da Manuela. (Ja, einfach Punkt!)

Eine Frau. Mit allen Konsequenzen - letztlich bis zur OP. Und dass ich deshalb versuchen muss ihnen klar zu machen, dass da dennoch eine Beziehung zwischen uns besteht, die auch durch diese Wandlung nicht veränderbar ist und auch nicht verändert werden soll. Wie das geschen soll, das weiß ich noch nicht. Ich weiß nur, dass ich den Weg weitergehen werde, weitergehen muss.

Vielen Dank Euch allen noch mal.

Liebe Grüße
Manuela
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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 9 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2017-12-27 » Mo 25. Dez 2017, 20:47

Hi Manuela, versuche dich nicht verrückt zu machen deine Kraft wirst du für die op brauchen. So unschön die Worte deiner Frau auch sind und sie Schmerzen , eine Konfrontation ein Streit mit deiner Frau bringt gar nichts. Ich denke es ist ein Ausdruck der Hilflosigkeit deiner Frau ihren Ängsten und Befürchtungen Ausdruck zu verleihen. Das Problem ist das wir unseren Lieben um Jahre im Denken vorraus sind. Man sitzt quasi zwischen den Stühlen hat keine Wahl kann nur hoffen das die Familie zu einem hält. Vielleicht bring es ja etwas darüber zu reden wie die Zeit nach der Op für euch beide aussieht. Kommt sie mit den Kindern ins Krankenhaus? Was ist wenn es Probleme gibt? Patientenverfügung etc. ? Es ist eine scheiß Situation für alle aber du solltest ohne große Baustelle in den Op gehen. Die Op kann dich gesundheitlich an die Grenzen bringen. Dr. Morath hat mal zu mir gesagt das wird kein Friseur Termin.
Grüsse Uta

Lina
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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 10 im Thema

Beitrag von Lina » Mo 25. Dez 2017, 22:48

Eigentlich ist es ja ganz klar, dass es ein ungeklärtes Problem gibt. Das lässt sich mit niemandem weg reden. Ganz pragmatisch sehe ich da nur zwei Möglichkeiten: Termin verschieben und sehen ob das Problem irgendwie lösbar ist. Evtl. auch mit fremder Hilfe.

Oder weiter machen und sehen wie es kommt - d.h. auch bereit sein es so zu akzeptieren wie es kommt.

Eigentlich dürfte es allen hier klar sein, dass die sexuellen Gefühle von Menschen - dazu zählen AUCH Ehefrauen - sich nicht erklären, durch Therapie verändern oder sonstwie manipulieren lassen. Egal, ob man nun die Ausdrucksweise der Ehefrau OK findet oder nicht - wenn sie ein Problem damit hat, dass der Partner physiologisch eine Frau wird, dann gibt es ein Problem.

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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 11 im Thema

Beitrag von MichiWell » Mo 25. Dez 2017, 23:33

Da kann ich nicht widersprechen. Aber die Art und Weise, wie es Manus Frau rausgelassen hat, ist schon irgendwie blöd ... ebenso der Zeitpunkt.
Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen. (Ernst Ferstl)

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie. (Aldous Huxley)

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Re: Ein schwelender Konflikt?

Post 12 im Thema

Beitrag von heike65 » Mi 27. Dez 2017, 01:29

Ein sehr sehr schwieriges Thema.
Ich hab meine Frau am 25.12 gebeten den Trööd zu lesen., anschliessend war sie wenig erbaut.

Du suchst auch immer die schwierigsten Trööds aus ......

Liebe Grüße
Heike

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