Die Belange der Partnerinnen und Familien
Die Belange der Partnerinnen und Familien - # 2

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ab08
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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 16 im Thema

Beitrag von ab08 » Mo 12. Sep 2016, 17:59

Danke, liebe Aubergine,

für Deine klare Darstellung, wie es auf die Partnerin wirkt (bzw. wirken kann). (flo)

Deshalb war bei uns eine Scheidung unvermeidlich. --> Trotz allem äußeren Anschein, bin ich eben kein Mann und war es auch nie!
(Verschweigen trifft es bei uns nicht. - Ich offenbarte mich bald, nachdem wir uns kennenlernten. - Aber gleichzeitig nahm ich mich zurück, so gut es ging.
Trug so vielleicht selber dazu bei, dass anfängliche Verliebtheit Illusionen begünstigte. --> Trotzdem, ich war kein Mann, und verhielt mich meist entsprechend.
Mit der Folge, dass die Partnerin es irgendwann, trotz aller Gemeinsamkeiten, nicht mehr schaffte. -> Scheidung )


Liebe Grüße
Andrea

P.S. Zu meinem ersten Beitrag in dem Thread:
Bitte die Formulierungen nicht auf die Goldwaage legen. --> Bei dem Thema war ich zunächst extrem unsicher.
--> Es handelt sich eher um erste Gedanken, die zum Weiterdenken anregen sollen.
)):m Auch von mir ein ganz großes Danke an Anne-Mette, für das Starten dieses Threads! (gitli)
Zuletzt geändert von ab08 am Di 13. Sep 2016, 14:04, insgesamt 1-mal geändert.
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lucalikes
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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 17 im Thema

Beitrag von lucalikes » Mo 12. Sep 2016, 23:11

Liebe Aubergine,
ich schaffe es heute nicht mehr, auf Details einzugehen, aber ich möchte mich bei dir bedanken.
Alles, was du schreibst, bereichert unsere Diskussionen ungemein. Es tut gut, nicht nur im eigenen Saft zu kochen.
Es wäre echt toll, wenn du uns erhalten bliebst.
...meint
Martina ((lucalikes)

Anja
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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 18 im Thema

Beitrag von Anja » Di 13. Sep 2016, 10:48

Moinsen,
Aubergine hat geschrieben:Aber bei aller Toleranz, Verständnis und Unterstützung muss man doch mal sehen, dass die Partnerin in dieser Beziehung langsam aber sicher alles verliert, was ihr vertraut ist, was sie lieben gelernt hat und worauf sie sich bei der Bindung eingelassen hat. Es fängt ja schon beim Erscheinungsbild an. Man liebt den MANN und sein Aussehen. Dann wird das eine völlig veränderte, geschminkte Frau, die evtl auch eigene Brüste etc. bekommt und sich in einen völlig anderen Menschen verändert. Und kommt mir bitte nicht mit: "Das ist immer noch der gleiche Mensch" Das ist völliger Quatsch. Das mag beim CD zutreffen aber nicht bei der TS.
Imho:
Dem kann ich so garnicht zustimmen.
Es ist immer noch der gleiche Mensch. Einen Menschen nur auf sein Aussehen, auf seine Oberfläche zu reduzieren finde ich unfair. Ein Mensch ändert sich im Laufe seines Lebens. Er nimmt zu oder nimmt ab, ändert mal die Frisur, altert... Das Aussehen ändert sich stetig.
Aber was den Menschen ausmacht, ist nicht die Oberfläche. Und das ist bei TS genauso wie bei CD. Der optische Eindruck ist dann als Frau mit eigenen Brüsten natürlich ein ganz anderer, das stimmt. Aber eben nur der optische Eindruck, nicht der Mensch. Ich möchte jedenfalls nicht auf mein Aussehen reduziert werden, denn das ist nur ein Bruchteil meines Ichs. Ich habe eine körperliche Behinderung. Ich habe als Frau einen sehr männlichen Körper abbekommen. Dadurch das ich meinen Körper an meine Seele angleiche, ändere ich mich nicht sondern nur mein Aussehen.
Aubergine hat geschrieben:Dass, wenn die Entwicklung über den CD hinaus geht der Betroffene unter Leidensdruck steht ist unbestritten, aber den gleichen Leidensdruck hat die Partnerin, die ebenfalls ihr gewohntes leben völlig auf den Kopf stellen muss, ja sogar darüber nachdenken, ob sie nun, obwohl sie das nie gewollt hat, jetzt plötzlich in einer lesbischen Beziehung leben möchte, denn von außen sieht das genau so aus. Auch wenn das Paar den Weg gemeinsam weiter geht bedeutet das für die Frau, dass sie ihr restliches Leben nun ebenfalls völlig auf den Kopf stellen muss, weil sie es mit einer Frau verbringt.
Fragt euch als Mann bitte einmal, wie ihr reagieren würdet, wenn eure Frau plötzlich ein Mann sein möchte. Würdet ihr sie unterstützen und anschließend in einer nach außen sichtbar schwulen Beziehung leben? Ich glaube, dass solche Vorstellungen lieber ganz schnell verdrängt und abgehakt werden.
Also unser Leben steht überhaupt nicht Kopf. Wir leben unser Leben genauso weiter wie vorher nur das es mir jetzt entschieden besser damit geht. Das spürt natürlich auch meine Frau und meine Familie.
Das ganze auf Brüste, lesbische Beziehung oder umgedreht, schwule Beziehung zu reduzieren, reduziert die gesamte Partnerschaft auf eine sexuelle Ebene. Vielleicht sind wir da eine Ausnahme, aber unsere Beziehung besteht nicht nur aus "lesbisch sein". Wir lieben uns als Menschen. Meine Frau möchte das ich glücklich bin und unterstützt mich, so gut sie kann. Im umgekehrten Fall würde ich es genauso tun.
Was ist denn z.B. wenn du (hypothetisch) durch Brustkrebs deine Brüste verlierst. Und dein Mann sagt: Jetzt bist du ja ein völlig anderer Mensch, so hab ich mir das aber nicht vorgestellt! Das fändest du sicher auch demütigend, auf dein Geschlecht reduziert zu werden? Er sicher auch...

Wie gesagt, imho. Das ist meine persönliche Meinung. Unser Leben (und das meiner Frau) stehen nicht Kopf. Wir leben zusammen fast genauso wie vorher, nur glücklicher. Und der kleine, sexuelle Teil unseres Lebens geht sowieso niemanden etwas an (und es wäre auch nicht so, das wir ständig danach gefragt würden).
Ob ein Partner den Weg MzF oder FzM mitgehen kann und will, muss ja jede(r) für sich selbst entscheiden. Ich verurteile niemanden, der das nicht kann. Jede(r) ist eben anders.

Auch wenn eine MzF TS den Weg nicht geht (weil sie sonst ihre Frau verlieren würde), so lebt diese dann trotzdem mit einer Frau zusammen. Nur halt mit einem männlichen Aussehen.
Mensch bleibt Mensch.

Grüße
die Anja
*staatlich geprüfte Frau*

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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 19 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 13. Sep 2016, 11:01

Moin,

natürlich ist das Zwischenmenschliche sehr wichtig, aber ich möchte auch noch einmal das Rechtliche ins Blickfeld stellen:

wenn jemand den Antrag auf Änderung des Namens und des Personenstandes stellt, dann ändert sich für Ehe und Familie einiges. Wichtiger als die Zwangsgutachterei wäre meiner Meinung nach eine "Aufklärung" für Betroffene und Angehörige.

Gruß
Anne-Mette

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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 20 im Thema

Beitrag von Amadée » Di 13. Sep 2016, 11:13

Hallo,

spontan möchte ich Anja aus vollem Herzen zustimmen. Anne-Mette, kannst du vielleicht etwas erläutern, was du meinst, was sich durch die rechtlichen Veränderungen für Ehe und Familie ändert?

Liebe Grüße
Amadée

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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 21 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 13. Sep 2016, 11:18

Moin,

ich denke, das wirkt etwas "faul", aber ich kopiere trotzdem einmal etwas von meinem Startposting hier hinein; denn darum ging es mir (auch):
Selbst eine "kleine Lösung: Änderung des Namens und Personenstands" kann für Familienmitglieder große Auswirkungen haben, insbesondere für Kinder.
Aus den Kindern von Herrn und Frau xyz werden "Kinder von Frau X und Frau Y".
Während Partnerinnen sich trennen/scheiden lassen können, ist es den Kindern nicht möglich.

Familien weden "nachträglich zu Regenbogenfamilien", was sicherlich schwieriger ist, als in einer Regenbogenfamilie aufzuwachsen.
Unsere Enkelkinder wachsen "damit" auf; ich denke, sie haben es leichter als Kinder oder Enkelkinder, die "plötzlich und unerwartet" mit der Transsexualität eines Eltern- oder Großelternteiles konfrontiert werden.
Auch: "Regenbogenfamilien" sind (noch) auffällig und Kinder wollen gerade in einigen Lebensphasen NICHT auffallen - und Eltern sind in diesem Lebensabschnitt "immer peinlich" (da reicht schon das falsche Familienauto oder eine "moderne Mutter" oder ein Vater, der Elternsprecher in der Schule ist).
Gruß
Anne-Mette

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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 22 im Thema

Beitrag von Anja » Di 13. Sep 2016, 11:33

Moinsen,

zum Glück haben wir da ein gutes Timing hinbekommen, so dass unsere Kinder mit Frau und Frau aufwachsen. Aber ich sehe das Thema generell ganz entspannt. Unser Großer (3,5 Jahre) fragt ab und zu mal - zusammenhanglos - ob ich sein Papa bin. Das bejahe ich konsequent. Er hat mich auch schon ein paar Mal Mama genannt (was für ein Kompliment!) aber ich selbst, würde das niemals tun. Es gibt nur eine Mama. So nennt er mich Papa oder Anja oder Papa-Anja. Das finde ich auch völlig ok. Ich bin als Mensch präsent und er wird seinen Papa auch in neuer Verpackung behalten (dürfen). Dadurch werden vielleicht auch zukünftige Diskussionen in Schule usw. vermieden bzw. eingedämmt, da, wenn andere von ihren Papas reden er mitreden kann... Und nicht sagen muss, das er keinen Papa mehr hat oder der Papa nicht will das er ihn so nennt... Keine Ahnung inwieweit dieser Weg richtig ist, das wird die Zeit zeigen. Ich fühle mich jedenfalls gut mit dieser Beziehung zu meinen Kindern. Und meine Frau nennt mich auch gern "Väterin". Die Bezeichnung gefällt mir sehr gut, das sie meine Rolle gegenüber meinen Kindern sowie mein gefühltes Geschlecht ausdrückt. Eben ein weiblicher Papa :-)
Es wird natürlich ungleich schwieriger, wenn die Kinder größer sind...

Für die Ehe ändert sich ja nicht viel. Seit, ich meine 2011, bleibt sie ja zum Glück bestehen.

Grüße
die Anja
*staatlich geprüfte Frau*

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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 23 im Thema

Beitrag von Marielle » Di 13. Sep 2016, 11:50

Guten Tag zusammen,

PS (mal oben): Ich war wohl etwas langsam mit dem Beitrag, möchte ihn aber dennoch einbringen, auch wenn die Diskussion jetzt in eine andere Richtung gehen soll.
__________

Über die Ansicht "Es ist doch immer noch derselbe Mensch." wird viel geredet und auch gestritten. Mir ist dabei aufgefallen, dass (fast) immer die 'Primär-Betroffenen', also wir, das so formulieren. Unser Umfeld erlebt und erzählt es aber fast durchweg anders.

Man müsste eigentlich erstmal festlegen, was einen Menschen endgültig ausmacht, was ihn genau beschreibt, um danach beurteilen zu können, ob es noch 'derselbe' ist oder nicht. Ich glaube aber, dass allein schon diese Überlegung dazu führt, dass es eben nicht so ist.

Auch und grade in einer Partnerschaft hat man ein Bild, eine Vorstellung oder auch eine 'Gewissheit' davon, was den/die Partner_in ausmacht. Die Summe seiner Eigenschaften macht diesen Menschen liebenswert. Nur: Diese 'Gewissheit' besteht in der subjektiven Wahrnehmung eines Menschen durch einen anderen Menschen. Sie ist nichts objektiv Bestimmbares, wie es die Knochenmasse oder der Blutzuckerspiegel eines Menschen sind. Allein der/die Partner_in bestimmt anhand höchst subjektiver Kriterien, was ihn/sie an dem/der anderen so fasziniert, dass man Tisch und Bett teilt.

Von daher betrachtet komme ich zu dem Schluss, dass es eine unzulässige Schutzbehauptung und auch ein Stück weit egoistisch ist, zu sagen man habe sich "doch gar nicht verändert", sei "immer noch derselbe Mensch". Diese Aussage ist uns, im Hinblick auf die 'Gewissheit' der Partner_in, objektiv gar nicht möglich. Und sie steht uns deswegen auch nicht zu.


Und selbst, wenn man es von unserer Warte aus betrachtet: Wieviele Verrenkungen werden vor dem sogen. Outing unternommen, um als etwas anderes, als ein anderer Mensch zu erscheinen, als man (nach späterer! Selbstaussage!) wirklich sei? Über wieviel tiefgreifende Veränderungen wird mit Worten wie 'Befreiung', 'absolute Ausgeglichenheit', 'neuer Horizont', 'werde ganz anders wahrgenommen' usw. usf. nach dem Outing berichtet? Und dann sollen Partner_innen glauben, es sei noch derselbe Mensch?


Auf Basis der 'Dieser Mensch war ich schon immer.'-These kann man für sich selbst annehmen, dass man sich nicht verändert hat (ich persönlich glaube nicht mal das*), aber man sollte nicht versuchen, damit die Empfindungen von Partner_innen vom Tisch zu wischen.

Habt es gut

Marielle


*) Man kann viele Beispiele dafür anführen, dass die Eröffnung von Möglichkeiten Menschen (zumindest in der Wahrnehmung von aussen) massiv verändern kann. Die 'Möglichkeiten' und Strukturen menschenverachtender Regime haben aus liebenden Müttern Kinder-Mörderinnen gemacht. Die eigene Denk-Möglichkeit ein Verbrechen begehen zu können, kann aus guten Vätern und Nachbarn bestialische Verbrecher machen. Das Ansehen von Elend kann aus harten Kerlen hilfsbereite Menschen machen und die Möglichkeiten einer starken Partnerschaft können aus geliebten 'Männern' unverstehbare und ungeliebte oder auch verstandene und geliebte 'Frauen' machen.
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 24 im Thema

Beitrag von Tabea » Di 13. Sep 2016, 11:59

Ein interessantes Thema, ich nehme Aubergine’s Beitrag für mich mal etwas als Leitfaden.
Ich bin nicht in einer Beziehung aber ich möchte doch ein paar Sätze schreiben. Natürlich ist es wichtig, das man auf die Partnerin Rücksicht nimmt und ich denke auch das es enorm wichtig ist das man in dieser Zeit des Wandels bzw. der Offenbarung viel mit einander spricht und auch sein Verhalten etwas reflektiert. Auberine, ich finde dein Beispiel mit: „Was wäre wenn eure Partnerin gesteht das sie eigentlich immer Mann war und wie würdet ihr dann fühlen?“ sehr gut. Ganz ehrlich, ich würde es mir auch absolut schwierig vorstellen. Denke niemand, außer die Person die in der Situation ist, kann das wirklich beurteilen. Die ganze Achterbahnfahrt der Gefühle, das Anfreunden mit dem Gedanken mit einem Mann zu leben. Die Fragen kann ich das? Finde ich IHN dann noch immer anziehend? Natürlich sollte Liebe nicht aus Äußerlichkeiten bestehen aber ganz im Ernst – auch das zählt irgendwie. Das da nicht jede Partnerin mit klar kommt, das ihr Mann innerlich eine Frau ist, und sich warum auch immer vorher nicht outen konnte oder wollte kann ich voll verstehen. Ich weiß nicht wie ich reagieren würde, bin ich ehrlich.
Auch der Punkt, das man sich nicht vom Mensch her verändert lasse ich nur bedingt gelten, dafür werden mir jetzt viele ins Gesicht springen. Ich habe diesen Standpunkt auch lange vertreten aber ich merkte selber für mich das ich mich schon teilweise verändert habe – auch wenn es Nuancen sind die mir gar nicht so aufgefallen sind in der ganzen Zeit – aber Angehörige und gerade Partner merken das schon mehr.
Natürlich ist diese Zeit für beide Parteien anstrengend und ich kann mir gut vorstellen das beide viel auf die Goldwaage legen (Anja, ja es gibt auch andere Paare wo das gut geklappt hat) gerade weil es so chaotisch ist, im ganzen Alltag wie auch in der Gefühlslage. Zu dem kann ich mir vorstellen das gerade TS die sich frisch geoutet haben und wo die Partnerin sagte: „Gute ich liebe dich ich steh zu dir“ sehr oft sehr wenig Rücksicht nehmen – eher unbewusst denke ich – weil einfach diese Steine weg sind und man gleich alles nachholen will was man die Jahre vorher nicht durfte oder konnte. Dabei bleibt der Rest leider oft auf der Strecke… merkte ich auch bei mir – ich nervte schon fast mein Umfeld damit und ich merkte, das sie es auch stresst.
Da musste ich an mir arbeiten und versuchen Alltag zu erlangen und von dieser Wolke 7 und die 300kmh gerade aus etwas runter zu kommen damit eben die, die zu mir stehen, nicht weg brächen.
Das ging mir gerade dazu durch den Kopf.

Gruß,
Bea
Zuletzt geändert von Tabea am Di 13. Sep 2016, 14:38, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 25 im Thema

Beitrag von Amadée » Di 13. Sep 2016, 12:39

Liebe Anne-Mette,

die aufgezeigten Konsequenzen treten nicht erst durch die rechtlichen Veränderungen, sondern viel früher durch das Coming-out und das Ausleben der Geschlechtsidentität ein.

Gerade für die eigenen Kinder ändert sich rein rechtlich nichts: In ihrer Geburtsurkunde bleibt der Eintrag des Vaters unverändert. Was du weiter über die Kinder schreibst, wird in dem hier schon besprochenen Buch von Streib-Brzic/Gerlach viewtopic.php?f=97&t=9923 zumindest nicht bestätigt. Daher kann ich dir diesmal nicht folgen.

Liebe Grüße
Amadée
Zuletzt geändert von Amadée am Di 13. Sep 2016, 12:44, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 26 im Thema

Beitrag von Aubergine » Di 13. Sep 2016, 12:42

Hallo Anja,

erst mal beglückwünche ich dich zu deiner Frau und deiner Familie. Wie schon geschrieben habt ihr meinen größten Respekt und ich bewundere euch.

Wenn es in meinem post so rübergekommen ist, dass es um Äußerlichkeiten geht, tut es mir leid, aber ich wollte das nicht näher ausfühen, da meine posts eh schon immer länger ausfallen als beabsichtigt :roll:
Der mensch hat 5 Sinne und mit diesen Sinnen nehmen wir unsere Umwelt und unseren Partner wahr sie ordnen Menschen in sympatisch und unsympatisch ein. Daher kommt auch der Spruch, dass man einander nicht riechen kann, wenn man jemanden absolut nicht mag. Es geht dabei auch um die sogenannte Chemie.

Sinn 1 Hören. Die Stimme meines Partners ist es, die ich mag. Bei einer Veränderung kann es bis zur Logopädie gehen und damit wird die Stimme verändert.
Sinn 2 Sehen: Dazu brauche ich wohl nicht viel schreiben, weil die Optik des Partners sich völlig verändert
Sinn 3 Riechen: Es ist ebenfalls ein Unterschied, ob mein Partner Rasierwasser benutzt oder jetzt ein Parfüm, Duschgel für die Frau, Shampoo für die Frau und Bodylotion (von mir klaut) :lol:
Sinn 4 Schmecken: Somit schmeckt mein Partner auch anders
Sinn 5 Tasten: Wenn ich meinen Partner berühre ist auch dort vieles verändert. z. B. rasierte Beine. Näher möchte ich mal nicht darauf eingehen

Der Charakter ist vermutlich so ziemlich das einzige, was sich nicht gleich sichtbar und spürbar Verändert, aber selbst die Stimmung, die Gefühle, alles verändert sich. Ich habe hier schon des öfteren gelesen, dass nach einer gewissen Zeit der Hormonbehandlung sich die Gefühlslage der Person total ändert.

Das alles aber macht meinen Partner aus und ist nicht oberflächlich sondern ein GANZES!

Ich kann dir dazu eine kleine Geschichte erzählen. Ich habe meinen Schatz im Internet in einem Chat kennen und lieben gelernt bevor wir uns optisch wahrnahmen. Wir haben gechattet und telefoniert und ich habe mich in seine geschriebenen Worte und in seine Stimme verliebt. Kein Liebesgesäusel, sondern wir beide hatten massive Probleme mit unseren damaligen partnern. Wir haben keine Bilder ausgetauscht sondern uns beide auf diese Art kennengelernt.
Als wir uns trafen war klar, dass wir beide keine Schönheit waren und bei späteren Gesprächen haben wir ehrlich festgestellt, dass wir uns in einer Bar niemals gegenseitig kennengelernt hätten, da die Äußerlichkeiten des andern uns nicht angezogen hätten. Seit fast 16 Jahren sind wir nun ein Paar mit allen Höhen und Tiefen und das nur, weil wir auf Äußerlichkeiten keinen Wert legen, sondern auf die Werte des andern.
Jetzt ist mein Schatz auch Jenny und ich kann dir sagen, dass sie ihn verändert hat. Weniger introvertiert, viel aufgeschlossener und ausgeglichener. Und das NUR bei CD

Sexualität ist nicht das A und O einer Beziehung, aber sie gehört in eine gesunde Beziehung mM dazu. Dass sie sich verändern kann aus unterschiedlichen Gründen ist mir klar und wenn beide dabei trotzdem glücklich sind ist das völlig in Ordnung.
Zu deinem Beispiel mit dem Brustkrebs kann ich nur sagen, dass es genug Männer gibt, die ihre Frauen dadurch nicht mehr als vollständig akzeptieren, sie verlassen oder betrügen.....oberflächlich?

Ich gehe davon aus, dass deine Kinder noch relativ klein sind und somit von Anfang an mit Anja aufwachsen. Die Frage stellt sich, wenn das Outing erst kommt, wenn du Teenager hast. Dann sieht die Welt wieder ganz anders aus.
Der Mensch an sich wird immer Mensch bleiben, aber je weiter der Weg geht um so mehr wird er sich verändern und es ist NICHT mehr der Mensch, den ich kennen und lieben gelernt habe. Inwieweit ich ihn begleiten kann, hängt sicher von vielen Umständen ab, aber ich kann auch all diejenigen verstehen, die das nicht schaffen.

@ Anne-Mette
sorry, wenn das Thema nicht in die Richtung geht, die du angestrebt hast, aber dazu kann ich leider wenig beitragen, denn in diese Lage kann ich mich nicht mehr hinein versetzen.

LG Aubergine
Brauchst du Hilfe beim Schminken und Stylen? Schau hier:
https://www.crossdresser-forum.de/phpBB3/viewtopic.php?f=42&t=13403 oder "NEU" bei www.transpassabel.de

Anne-Mette
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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 27 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 13. Sep 2016, 13:02

Moin,

da ist kein "sorry" nötig; ich finde gut, dass diese Diskussion vielfältig ist und sie nicht in eine Richtung gehen MUSS. Ich wollte nur vermeiden, dass die anderen Aspekte unter den Tisch fallen.

Ich denke, es ist auch keine Diskussion, um Recht zu haben. Das Buch "Was sagen die Kinder heute dazu?" habe ich selbst gelesen und ich finde die Reaktionen ermutigend; allerdings werden so wenige Familien mit transsexuellem Thema gezeigt, kommen so wenige Kinder aus den Familien zu Wort, dass ich daraus keine Beurteilung ziehen kann.

Es kommt wohl auch sehr auf das Lebens- und Beziehungsalter, aber auch auf das Alter der Kinder an.
"Ein paar Jahre vorher" wäre "mein Weg" nicht so möglich gewesen wie heute.

Gruß
Anne-Mette

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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 28 im Thema

Beitrag von HannahH » Di 13. Sep 2016, 14:57

Liebe Aubergine,

Du triffst es genau auf den Punkt!!! Genauso ist es ... besser kann man es nicht in Worte fassen.

Dank Dir ...

Grüße an alle

Hannah

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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 29 im Thema

Beitrag von Viggy » Di 13. Sep 2016, 17:10

@ Anja
Den Vergleich mit der Brustamputation finde ich jetzt zur Erklärung auch nicht so ganz passend, nicht aus ethischen Gründen, aber wenn ein Paar lange Zeit zusammengewachsen ist und der Frau werden dann wegen Krebs die Brüste abgenommen, kommen ganz andere Empfindungen und Emotionen zum Tragen, als wenn der Mann nach 30 Jahren Ehe ankommt und sagt, er will sich Brüste wachsen lassen.
In Beziehungen, in denen die Chance besteht von Anfang an durch Ehrlichkeit den Partner darauf vorzubereiten, dass man sich gänzlich oder auch nur teilweise als Frau fühlt, ist Deine Argumentation durchaus stimmig, aber wenn wie in meinem Fall, der Mann mindestens 25 Jahre selbst ahnungslos war, dann reduziert sich das für die Frau durchaus erst mal auf das Sexuelle und die Gewöhnung daran, zumindest zeitweise statt neben dem vertrauten Mann neben einer Frau zu sitzen stellt für die Partnerin mit Sicherheit eine echte Herausforderung dar, mit Aufbietung aller Toleranz deren sie fähig ist.

Bei mir handelt es sich nur um CD, ich denke das wird auch so bleiben, trotzdem musste ich erkennen, was ich da meiner Frau aufbürde und ich bin froh, dass sie trotz ihrer natürlichen (vielleicht ja auch anerzogenen?) Abneigung das Verständnis aufbrachte und diese Seite in mir akzeptierte.

MEL
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Re: Die Belange der Partnerinnen und Familien

Post 30 im Thema

Beitrag von MEL » Do 15. Sep 2016, 14:05

Hallo und guten Tag,
vielen Dank für die Eröffnung dieses Themas und die bis dato eingegangenen Stellungnahmen.
Ich selbst bin ja "nur" CD (Bigender), seit mehr als 38 Jahren mit meiner Partnerin und Ehefrau
zusammen und ihr gegenüber seit Dez2011 geoutet. Mit der Toleranz und Akzeptanz meiner Frau
zum Erleben und Ausleben meiner weiblichen Seite fand Mel dank ihrer Unterstützung den Weg
in die Öffentlichkeit. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar!
An dieser Stelle geht auch ein Dank an die Beiträge von Aubergine und Marielle zu diesem Thema,
deren Aussagen und Einlassungen ich vollumfänglich unterschreiben kann!

Wer hier die Behauptung aufstellt, der Mensch an sich verändere sich während seines
Hinübergleitens in die gefühlte geschlechtliche Rolle nicht, da ja nur die inneren Werte und
Charaktereigenschaften zählten, der stellt m.E. da eine Schutzbehauptung auf, um so das eigene
Gewissen gegenüber Partner-in und Familie zu entlasten!

Obwohl ich als Crossdresser ja nur sporadisch meine weibliche Seite äußerlich sichtbar mache,
dabei selbst die Auffassung vertrat, dass mit dem - möglichst perfekten - Wechsel in die äußere
weibliche Hülle bei mir keine Veränderung im Auftreten und Benehmen zu meinem biologischen
Geschlecht festzustellen sei, so musste ich mich von meiner Frau wie auch Freunden aus der
"Szene" (befreundete CIS, CD, TG, TS ) eines Besseren belehren lassen. So bin ich in meiner
weiblichen Rolle mehr auf mich selbst fixiert, vielleicht gar etwas narzisstisch veranlagt und gehe
auch dank Ausschüttung der Endorphine ganz in meinem "Frausein" auf!

Zu Beginn meiner Auftritte in der Öffentlichkeit warf meine Frau mir irgendwann mal vor, dass ich,
entgegen meiner sonst üblichen Wesensart, es an der gewohnten Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme
und Zuvorkommenheit ihr gegenüber fehlen ließe. Die Titulierung "der Kümmerer" innerhalb von
Familien- und Freundeskreis beschreibt so eine meiner kennzeichnenden männlichen Wesensarten.
Nun gut, ich schrieb dies "Fehlverhalten" auch einer gewissen Unsicherheit im Mel-Modus zu und
gelobte Besserung. Sie ist aber nach wie vor überzeugt, dass ich mich im Mel-Modus anders gebe,
ohne dies nun explizit an konkreten Beispielen festmachen zu wollen.

Und ja, Sie verzichtet bei solchen Unternehmungen auf den vorzeigbaren Mann an ihrer Seite, mit
dem Sie sonst mitunter Händchen haltend durch die Straßen und Geschäfte zieht, sich ab und an
auch mal ein Küsschen gibt oder beim Restaurantbesuch tiefer in die Augen blickt.

Da ist dann eine großgewachsene "Frau" (die zumindest als solche wahrgenommen werden möchte!)
an ihrer Seite, gestylt von Kopf bis Fuß, die sie (=Mel) bei der Auswahl des Outfits und Schmuck
oftmals selbst noch berät, die statt nach Aftershave riechend eine blumige Duftnote um sich
verbreitet, die mitunter den Sitz der Haare prüft, das Näschen pudert und die Lippen nachzieht.
Da ist dann auch der Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit ein Tabu, selbst Händchen
halten oder Arm in Arm gehen entspricht eben nicht dem Verhalten von 2 befreundeten Damen,
die auf die Sechzig zugehen!

Und dann sind natürlich weitere Grenzen abzustecken!
Wie weit will mein Mann im Ausleben seiner weiblichen Gefühle gehen? Wie oft muss ich auf den
sichtbaren Mann an meiner Seite verzichten? Wie, wo und wann zeigt er sich der Öffentlichkeit?
Wer darf oder muss überhaupt davon erfahren, dass mein Mann/Familienvater ein crossdresser ist?
Was ist, wenn die nicht eingeweihten Nachbarn oder Freunde es erfahren?
Bleibt er/sie nun auf dieser Stufe der Feminisierung oder kommt da eventuell noch mehr?

Die nunmehr erwachsenen und auch hier aufgewachsenen Kinder wissen seit 4 Jahren davon,
möchten aber eigentlich nicht, dass ES im unmittelbaren Umfeld der Familie / Nachbarn (Dorf) publik
wird, da sich dies dann auch mit Sicherheit in ihrem Freundeskreis rumspräche und man so zum
Thema Stellung beziehen müsste und sich ggf. verletzendem Gerede oder Gespött ausgesetzt sieht.
Wobei ich hier erwähnen möchte, dass die Kinder sehr unterschiedlich auf das coming out ihres
Vaters reagiert haben.
Während die Tochter schon nach wenigen Stunden / Tagen sogar Tipps zum Styling bis hin
zum Angebot eines Fotoshooting (Hobby) vorbrachte, so möchte der ältere und nun verheiratete
Sohn mit dem ganzen Thema eigentlich nicht konfrontiert werden. Er kann mittlerweile auch mal
eine locker spaßige Bemerkung von sich geben, möchte seinen Vater aber nicht en femme sehen (auch keine
Fotos)!

An dieser Stelle möchte ich auch mal auf die Aussage von ANJA eingehen, dass ihre Kinder eben von
Geburt an die weibliche Rolle ihres Vaters gewohnt sind und vollkommen unproblematisch damit
umgehen.
Da sehe ich in ihrem Alter auch noch keine Probleme (älteste Kind 3,5 Jahre), aber was wird im
Kindergarten, Vorschule - oder noch gravierender - in der Schule sein? Anja deutete es in einem
Nebensatz ja selbst schon an.

Gut, es gibt auch heute schon Kinder in gleichgeschlechtlichen homosexuellen Beziehungen
(lesbische Biofrauen), die ebenfalls in den Kindergarten oder zur Schule gehen.

Aber wenn der weibliche Vater , oder Väterin (ich nutze an dieser Stelle mal Anja 's Begriff),
dessen maskuline Vergangenheit noch immer äußerlich erkennbar ist (nicht auf eine bestimmte
Person bezogen)
, das Kind zur Schule bringt/abholt, zum Elternabend geht usw., dann werden die
Mitschüler-innen / deren Eltern mit Sicherheit Fragen stellen, vielleicht sogar negative Bemerkungen
machen oder die betreffenden Kinder gar ausgrenzen?!

Und Kinder können in dieser Hinsicht sehr grausam sein!!

Da ein klärendes Gespräch zu suchen und somit auf eine positive Einflussnahme der Eltern dieser
Kinder zu hoffen ist m.E. mit vielen Fragezeichen verbunden.
Wie werden die Kinder von Transpaaren auf mögliche negative Reaktionen ihres täglichen Umfeldes
reagieren? Welche Auswirkungen hat dies innerhalb der Familie des Transpaares?
Leider gibt es in der Literatur, in wissenschaftlichen Abhandlungen wie auch den Medien nur wenige
Beispiele von Regenbogenfamilien, wo belastbare generelle Aussagen zu solchen Situationen
abgeleitet werden können. Es finden sich sowohl positive wie auch negative Beispiele dazu.

Vor einigen Wochen/Monaten lief eine Dokumentation im TV zum Thema Transsexualität, in dem
u.a. ein (spätberufener) Vater die Transition vom Mann zur Frau gerade abgeschlossen hatte und
seine 8- oder 9-jährige Tochter von der Schule abholte, die dort einsam und verlassen auf (ihn)sie
wartete, während die anderen Kinder der Klasse in Gruppen ihren Heimweg antraten.

Im Interview war dem Mädchen deutlich ein diesbezügliches Unbehagen anzumerken, sie sah sich
bei der Fragestellung im Beisein ihres Vaters wohl auch etwas in der Zwickmühle, sprich ihre wahren
Empfindungen zum Verhalten ihrer Mitschüler ihr gegenüber zu artikulieren, als auch ihren Gefühlen
zu dem nun weiblichen Vater (dessen markant maskuline Erscheinung zudem auch sehr augen-
scheinlich war).
Diese Väterin sah sich während besagten Interviews auch gleich berufen in die Bresche zu springen:
"Also in der Schule hat unsere Tochter keine Probleme aufgrund meiner "Besonderheit", die haben
sie doch seinerzeit auch zur Klassensprecherin gewählt!" Auch das der Freundeskreis der Kleinen
sich auf 2-3 Kinder beschränkte, die ab und an mal zu Besuch kämen, während die Tochter selbst
wenig bis gar keine Gegeneinladung erfuhr, wurde seitens des weiblichen Vaters als normal
erachtet! Soweit das Ganze aus meiner Erinnerung heraus.
Leider habe ich weder Doku-Titel noch ausstrahlenden Sender präsent, sonst hätte ich hier einen Link
gesetzt. Meine auch, dass die leibliche Mutter und Partnerin sich überhaupt nicht vor der Kamera
zeigte bzw. geäußert hat, was ja auch eine Aussage bei einer solchen Dokumentation ist?!

Wenn ich dann sowohl hier als auch in anderen Foren Aussagen von manchen TS MzF lese, dass
die Partnerin /Familie doch nun mal bitte Verständnis für die Realisierung der gefühlten
Geschlechtlichkeit aufbringen möge und sich damit - abgesehen vom äußeren Erscheinungsbild - ja
nichts ändere, so zweifle ich doch manchmal am Realitätsbezug oder werte dies als Rechtfertigung
für die eigene Handlungsweise unter Vernachlässigung ebenso berechtigter Belange innerhalb der
Familie.

Aber, und nun stelle ich mal folgende These auf, vielleicht geschieht dies ja zum Teil auch
unbewusst?! Ich stelle den Betroffenen TS/TI gar nicht in Abrede, dass sie sich über Monate bzw.
Jahre den Kopf zermartern, wie sie ihrem tatsächlich empfundenen Geschlecht näher kommen oder
die maximal mögliche Angleichung erreichen können. Diese geistige Auseinandersetzung sowohl
innerlich als auch in Gesprächen mit Partner-in, Familienangehörigen und Therapeuten fordert auch
ihren Tribut und hier verfolge ich den Gedanken, dass bei dem/der TS/TI im Laufe der Zeit ein
vom Unterbewusstsein gesteuerter psychischer Prozess in Gang gesetzt wird, der den/die
Betreffende-n vor Selbstvorwürfen / Schuldgefühlen schützen soll und die Realisierung der eigenen
Wünsche = anpassen der Geschlechtlichkeit über alles andere stellt! Und je näher man/Frau sich
diesem Ziel sieht, desto mehr treten Selbstzweifel und etwaige Schuldgefühle in den Hintergrund.

Geschieht nicht auch ähnliches bei allen Menschen, denen mal Unangenehmes / Negatives
widerfahren ist? Im Laufe der Zeit treten diese Ereignisse in den Hintergrund, geraten in
Vergessenheit und wenn wir dann mal von vergangenen Zeiten sprechen, so überwiegen doch die
positiv empfundenen Erinnerungen?! Soweit meine These, die auch gleichzeitig eine Lanze für
die vermeintlich egoistisch denkenden Transsexuellen brechen soll.

Wohl gemerkt, ich kann den psychischen Druck von TG/TS durchaus nachvollziehen und auch dass
diesem nachgegeben wird, selbst bei mir als "nur Teilzeitfrau" baut sich immer wieder Druck auf,
wenn ich denn längere Zeit nicht als Mel unters Volk konnte, aber bitte vergesst dabei nicht die
Liebsten um Euch herum und versucht euch in deren Lage und Empfindungen hinein zu versetzen!

In diesem Sinne, seid verständnisvoll füreinander! ...und sorry für die langen Text. :roll:

Mel

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