Angst, meine Frau zu verlieren
Angst, meine Frau zu verlieren - # 2

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Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 16 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Di 19. Jul 2016, 15:47

Hallo, Ihr Lieben,

danke Euch allen für Eure Ratschläge und Anregungen, und verzeiht bitte, dass ich erst jetzt antworte, aber ich bin anschließend schlafen gegangen, und heute hatte ich einen auswärtigen Termin. Besonderen Dank möchte ich Aubergine aussprechen, weil sie als Bio-Frau eine andere Ein-Sicht hat, daher hilfreich.

Ansonsten möchte ich zusammenfassen, ohne auf die einzelne Ratschläge einzeln einzugehen. Prinzipiell habe ich das Problem, dass meine Frau sehr zurückhaltend mit Auskünften ist, nicht nur hier, gilt immer. Sie kam gestern niedergeschlagen nach Hause, und auf Rückfragen erfuhr ich dann von den Ratschlägen der Mitpatienten. Die hatten das schon einmal thematisiert, darum meine Rückfrage, ob auch von Therapeuten Ähnliches geäußert worden sei, was offenbar der Fall war. Natürlich ist es richtig, wie Jacqueline und Conny sagen, dass das von Therapeuten angesprochene Problem letztlich eines ist, das meine Frau geäußert hat, also nicht Fremdbeeinflussung. Es gibt daher auch keine Notwendigkeit, mit den Therapeuten zu sprechen, zumal ich wegen meiner Hörbehinderung dazu kaum in der Lage wäre.

Die entscheidende Frage ist natürlich, was unsere Ehe eigentlich ausmacht. Mit war es entscheidend wichtig, die Ehe mit einer gläubig orthodoxen Frau einzugehen, mein Ziel war eine "normale" christliche Ehe mit Kindern. Für meine Frau spielte daneben sicher eine Rolle, dass sie aus wirtschaftlicher Not heraus wollte. Ihre Vorstellung war ein Mann im Westen, Akademiker mit vielen Büchern und orthodox. Das hat sie bekommen. Sexualität hat sie nie explizit genannt, war für sie aber selbstverständlich. Zum Zeitpunkt der Eheschließung wusste ich (aber verdrängt) von meiner Transidentität, hoffte aber zuversichtlich, dass sich das mit der "richtigen" Frau in einer "richtigen" Ehe und Familie ganz von alleine geben würde. Meine Transidentität betrachtete ich als leicht heilbare Perversion. Einen gewissen Widerwillen gegen Sexualität hatte ich eigentlich immer schon, war aber durchaus bereit, diese "Kröte" zu schlucken, denn Kinder wollte ich auf jeden Fall. Ich mag durchaus Zärtlichkeit und vermisse sie lange, denn mit dem Einstellen der Sexualität, seit es klar ist, dass meine Frau keine Kinder mehr bekommen kann, verweigert sie sich mir auch sonst. Während für mich Zärtlichkeit, Streicheln, Küssen absolut ausreichen, sieht sie darin nur ein Vorspiel zu dem mir verhassten sexuellen Akt. Die Möglichkeit, die Ehe zu öffnen, wie Explorer meint, sehe ich durchaus, könnte mich damit wahrscheinlich auch abfinden, wenn ich davon nichts weiter mitbekäme, es entspräche aber nicht den Werten meiner Frau. Sex mit einem anderen Mann zu haben, wäre für sie nur vorstellbar, wenn sie ganz mit ihm zusammenlebte, also über eine Scheidung von mir. Dass ich mich zu sexuellen Handlungen überwinden könnte, ist nicht drin, ich wäre dazu auch physisch gar nicht mehr in der Lage.

Was hält uns zusammen? Liebe zweifellos, und das von beiden Seiten. Weitgehend gemeinsames Weltbild und gemeine Wertvorstellungen auf jeden Fall. Gemeinsame Erfahrungen und Erinnerungen natürlich auch. Und was trennt? Meine Entwicklung. In der Therapie hatte sie wohl gehört, dass uns die "Grundlage" der Ehe fehle. Ich sagte darauf, dass Sex doch nicht alles sei, woraufhin sie nur sagte "Mann -- Frau". Für sie ist eine Ehe unbedingt und ausschließlich die Beziehung zwischen einer Frau und einem Mann, homosexuelle Beziehungen würde sie nie akzeptieren. Allein, dass wir als zwei "Frauen" zusammenleben, verstößt gegen ihre Wertvorstellungen.

Ob ihr Alkoholismus damit zusammenhängt, sicher ja, wenn auch nicht ausschließlich. Ihren ersten Vollrausch hatte sie mit fünf Jahren, wie sie sagt, in ihrer Familie war Alkohol allgegenwärtig, sie ist mit dieser Droge durchaus aufgewachsen. Bei mir gab es immer Wein (seltener Bier) zum Essen, gerne auch Schnaps als Aperitif. Da hat sie immer, wenn auch zurückhaltend, mitgemacht. Der Alkoholmissbrauch begann erst beim nahen Zusammentreffen von Scheitern im Studium, Menopause und meinem Outing. Verletzend empfand ich gestern, dass sie nicht nur vom Fehlen der Grundlage sprach, sondern auch darauf verwies, dass sie wirtschaftlich von mir abhängig sei. Das empfände ich als Grundlage für eine Ehe als zu wenig. In der Tat hat sie nie gearbeitet, immer von meinem Gehalt gelebt und jetzt von meiner Rente. Das macht aber auch eine Scheidung für mich unmöglich. Meine ohnehin recht knapp bemessene Rente würde bei einer Scheidung für keinen von uns mehr zum Überleben reichen. Diese rein weltliche Sorge kommt also noch dazu.

Genug als Antwort und zur Klärung der Umstände. LG Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 17 im Thema

Beitrag von Marielle » Di 19. Jul 2016, 15:48

Hallo Sylvia,
Mal eine ... Frage .... Man kann doch nicht einfach hingehen und nachfragen, was der andere da so erzählt hat...
Nein, das eher nicht. Aber man kann da hingehen oder erstmal anrufen und sagen, dass man am Wohlergehen der Partnerin (und natürlich auch dem eigenen) interessiert ist und die Situation aus der eigenen Sicht schildern. Wenn man das offen tut, werden die Leute dort schon damit umzugehen wissen und entsprechend darauf reagieren.

Hab es gut

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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 18 im Thema

Beitrag von Explorer » Di 19. Jul 2016, 17:53

Das wird wahrscheinlich nicht das sein, was du gerne hören würdest. Aber diese Ehe ist doch anscheinend in jeder Hinsicht das, was sie nicht glücklich macht. Sie möchte Sex, sie möchte einen Mann als Partner, und ihr Glaube hindert sie daran, nach anderen Lösungen zu suchen.

Wie sieht es eigentlich mit dir aus? Was wäre in deinen Augen eine gute Lösung? Denn auch für dich hat sich die Grundlage der Ehe zum Teil ja aufgelöst.

Glaubst du denn, dass sie in der Lage wäre, sich eine eigenen Unterhalt zu verdienen?
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 19 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Di 19. Jul 2016, 21:11

Das ist in der Tat nicht das, was ich gerne hören möchte, obwohl die Analyse stimmt. So etwas Ähnliches dürfte meine Frau wohl gestern zu hören bekommen haben, was dann zu den Äußerung führte, durch die ich mich verletzt fühlte. Nur bin ich halt weiterhin der Meinung, dass wir doch einiges gemeinsam haben an Werten und Vorstellungen, die eine gute partnerschaftliche Lebensweise ermöglichen. Der gemeinsame christliche Hintergrund erlaubt es uns, die Herausforderung zu akzeptieren. Beide haben wir unabhängig voneinander Hinweise erhalten, die wir so verstehen, dass unsere Ehe gottgewollt ist. Da kann man sich nicht einfach so trennen, weil es Probleme gibt. Ehe ist kein Vergnügen. Nach orthodoxer Tradition werden die Eheleute gekrönt, aber das sind keine Herrschaftssymbole, sondern Märtyrerkronen. Ehe soll ein Martyrium sein, nicht im modernen weltlichen Sinne, sondern nach der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, ein Zeugnis des Glaubens.

Ich habe auch eine nicht christlichen Vorstellungen entstammende Idee, die mir gefallen hat: Gott ist wie ein spielendes Kind, das immer wieder Neues ausprobiert und Freude daran hat. Diesem Gott hat es gefallen, mir zu meiner weiblichen Seele einen männlichen Körper zu geben und mich mit einer Frau zu verbinden, der Sexualität wichtig ist. Jetzt sitzt Er sozusagen da und beobachtet, was sich daraus entwickelt, wobei wir uns Seiner liebenden Aufmerksamkeit sicher sein dürfen.
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 20 im Thema

Beitrag von Marielle » Di 19. Jul 2016, 23:57

Guten Abend Nicoletta,

als man dir nahelegte, dass dein Verhalten ursächlich für das Alkoholproblem deiner Frau sein könnte, man euch als Christen eine 'offene Beziehung' angeraten hat und man sagte, dass es per Ferndiagnose eine sinnvolle Hilfestellung gäbe, fand ich das unangemessen.

Aber, sei mir nicht böse, was du in deinen beiden letzten Beiträgen ausführst ist m.E. der Situation auch nicht grade angemessen.

Wenn du sagst "Es gibt daher auch keine Notwendigkeit, mit den Therapeuten zu sprechen, zumal ich wegen meiner Hörbehinderung dazu kaum in der Lage wäre." dann kann da irgendetwas nicht stimmen, wenn du, laut deiner eigenen Webseite, zugleich einen "Lehrauftrag für Kirchenslavisch im Rahmen des slavistischen Master-Studiengangs an der Universität zu Köln" inne hast. Es gibt Schreibpapier, Computer und Gebärdendolmetscher, die Hörgeschädigten eine vernünftige Kommunikation ermöglichen. Man muss sie aber wollen.

Und, bitte entschuldige: Ein "spielender Gott", der ein Spiel ersonnen hat, in dem du die Regeln bestimmst? Nee. Wenn es einen Gott gibt (ich bin stark unterkühlte Agnostiker_in) würde er kaum so einseitige Spielchen erfinden; sorry.

Es stimmt, dass Ehe bzw. Partnerschaft nicht immer lustig ist. Aber so wie du dir das zurechtbiegst, dass deine Frau das Martyrium erledigt und du die Tradition pflegst, geht es auch nicht.

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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 21 im Thema

Beitrag von Inga » Mi 20. Jul 2016, 00:48

Liebe Nicoletta,

ich glaube, ihr seid mit euren traditionellen Glaubenshaltungen an Grenzen gestoßen, die die Zuneigung zueinander behindert. Sie scheinen mir nicht mehr zu den Realitäten des Lebens zu passen. Glauben soll und kann kein Käfig eines Gedankengebäudes sein, aus dem man nicht raus darf, sich nicht raus traut, Angst hat, zu verlassen. Glaube ist, sich zur Wahrheit zu trauen, zur Gewissheit, die in einem ist, von Gott gegeben ist, und einem die Kraft gibt, neue ungewohnte Wege zu gehen. Glauben macht frei, nicht eng.

In der Bibel heißt es an einer Stelle "Da ist Glaube, Hoffnung, Liebe. Und die Liebe ist das Größe unter ihnen." Da steht nicht Glaube ist größe als Liebe oder selbst Hoffnung sei größer als Liebe, Sondern die Liebe steht über dem Glauben und der Hoffnung. So ist euere Liebe zwischen euch beiden "Frauen" einfach größer als die im orthodoxen Glaubensformen begründete Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Dazu kannst du doch stehen!

Übrigens: Es heißt "die Liebe ist das Größe unter ihnen" und nicht "Das Leiden ist das Größte unter ihnen"

Ihr seid gläubige Menschen. So will ich dich einladen, Gedanken und Schlußfolgerungen nicht zu überstürzen oder angestrengt zu rechtfertigen, sondern die Liebe zu suchen und nicht das Leiden, und dies auch eine Weile im Gebet zu bewegen.

Und passt jetzt nicht auch die Formel "Und Gottes Segen, der höher ist als alle Vernunft, sei mit Euch!"

Liebe Grüße
Inga

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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 22 im Thema

Beitrag von Aspie » Mi 20. Jul 2016, 01:02

Hallo Nicoletta,

Du schreibst ja schon sehr lange in diesem Forum, auch über Deine Situation, und es erschüttert mich zu lesen, dass es nach so vielen Jahren, die sie mit Deiner weiblichen Seite leben konnte, doch noch in die Brüche zu gehen droht.

Auch wenn hier viel vom Sex geschrieben wird, glaube ich nicht, dass das das wesentliche Problem ist. Dass Ihr keinen Sex habt, hat ja Gründe, und die sind wahrscheinlich wichtiger. Auch dass sie solch verletzende Dinge gesagt hat, muss nicht wörtlich gemeint sein, sondern kann auch die allgemeine Situation Eurer Beziehung meinen oder aus einem Gefühl von Frust und Ärger über etwas ganz anderes herauskommen. Sowas sagt sich eben auch leicht.

Alkoholismus und Depression sind schwere Erkrankungen, mit denen sie sicher sehr zu kämpfen hat, und es ist ja gut, dass sie noch kämpft. Darin solltest Du sie unterstützen. Vielleicht braucht sie tatsächlich eine Auszeit, in der sie mit sich allein sein kann. Wenn das so ist, solltest Du sie das machen lassen (sagt sich so leicht, ich weiß). Damit zeigst Du ihr aber, dass es Dir um sie geht und das kann auch gut sein.
Du schriebst, dass sie sich von Dir abwendet. In der Situation würde ich Ihr das direkt anbieten, also eine Trennung auf Zeit.

Lass Dir hier von keinem einreden, dass sie das wegen Dir hat! Du bist auch nur ein Mensch, der eben so geboren wurde und nicht anders und Du hast ja auch selber Probleme und Sorgen, mit denen Du fertig werden musst. Du schreibst ja auch selber, dass es in ihrer Familie liegt.

Ich finde, es ist auch kein Verbrechen, in einer Ehe wie gute Freunde zusammenzuleben. Auch wenn das nicht das ist, wovon man geträumt hat, ist es vielleicht die beste Alternative im realen Leben.

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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 23 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Mi 20. Jul 2016, 08:15

Marielle hat geschrieben: Es gibt Schreibpapier, Computer und Gebärdendolmetscher, die Hörgeschädigten eine vernünftige Kommunikation ermöglichen. Man muss sie aber wollen.

Und, bitte entschuldige: Ein "spielender Gott", der ein Spiel ersonnen hat, in dem du die Regeln bestimmst? Nee. Wenn es einen Gott gibt (ich bin stark unterkühlte Agnostiker_in) würde er kaum so einseitige Spielchen erfinden; sorry.

Es stimmt, dass Ehe bzw. Partnerschaft nicht immer lustig ist. Aber so wie du dir das zurechtbiegst, dass deine Frau das Martyrium erledigt und du die Tradition pflegst, geht es auch nicht.
Liebe Marielle,

es ist schon richtig, dass eine Kommunikation vielleicht schwierig, aber letztlich möglich wäre. Es ist wohl doch eher so, dass ich die Notwendigkeit nicht wirklich sehe, mit den Therapeuten zu sprechen. Das wäre anders, wenn ich wirklich den Eindruck hätte, dass die meiner Frau etwas einreden wollen, aber das ist nicht so. So wie ihr hier analysiert und zu denken gebt, so kommen Gedanken auch dort in Gesprächsrunden mit Mitpatienten oder Therapiegesprächen auf. Das ist wohl der Hintergrund. Meine Frau kam bedrückt, verschlossen in sich, nach Hause, und ich habe natürlich nachgefragt, wie es ihr geht, ob sie etwas verstimmt hat, ob jemand sie geärgert hat. Und dann kam eben die Rede von der fehlenden Grundlage in unserer Ehe mit dem mich verletzenden Nachsatz, dass das ja eigentlich auch stimme. Dabei bezog sie sich eher nicht auf die fehlende Sexualität, sondern auf ein christliches Eheverständnis, wo Ehe eben nur die Verbindung von Mann und Frau, nicht die Verbindung einer Transfrau und einer Biofrau.

Dein Widerspruch zu der Idee mit dem spielenden Gott (müssen wir hier gar nicht vertiefen, ist eigentlich ein anderes Thema) kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich habe doch keine Regeln ersonnen oder etwas zurechtgebogen? Aber lassen wir das.

LG Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 24 im Thema

Beitrag von Dolores59 » Mi 20. Jul 2016, 08:18

Nicoletta hat geschrieben:Ehe ist kein Vergnügen. Nach orthodoxer Tradition werden die Eheleute gekrönt, aber das sind keine Herrschaftssymbole, sondern Märtyrerkronen. Ehe soll ein Martyrium sein, nicht im modernen weltlichen Sinne, sondern nach der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, ein Zeugnis des Glaubens.
Dem widerspreche ich, z.B. mit Sprüche 5,18-19:
Erfreue dich an deiner Frau,die du als junger Mann geheiratet hast. Bewundere ihre Schönheit und Anmut!Berausche dich immer wieder an ihren Brüsten und an der Liebe, die sie dir schenkt!
Als weitergehende Lektüre empfehle ich Dir das Hohelied Salomos.

Befreiung vom Kriegsdienst für jung Verheiratete, Deuteronomium 24,5:
Wenn jemand sich kurz vorher eine Frau genommen hat, soll er nicht mit dem Heer ausziehen und man soll ihm nichts auferlegen. Er soll frei in seinem Hause sein ein Jahr lang, dass er fröhlich sei mit seiner Frau, die er genommen hat.
Natürlich bedeutet Ehe auch Arbeit und manchmal Leiden. Aber ganz ohne Freude muss sie nicht sein. Jedenfalls nicht von der Bibel her. Löse Dich von den menschlichen Traditionen und Überlieferungen, die dem Wort Gottes im Wege stehen und laß Dich direkt auf Sein Wort ein. Dann kann Eure Ehe ein Zeugnis für Gottes Liebe sein.
Nicoletta hat geschrieben: Ich habe auch eine nicht christlichen Vorstellungen entstammende Idee, die mir gefallen hat: Gott ist wie ein spielendes Kind, das immer wieder Neues ausprobiert und Freude daran hat. Diesem Gott hat es gefallen, mir zu meiner weiblichen Seele einen männlichen Körper zu geben und mich mit einer Frau zu verbinden, der Sexualität wichtig ist. Jetzt sitzt Er sozusagen da und beobachtet, was sich daraus entwickelt, wobei wir uns Seiner liebenden Aufmerksamkeit sicher sein dürfen.
Gott spielt nicht. Gott hilft.
Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“ (Psalm 68, 20)
LG
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 25 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Mi 20. Jul 2016, 08:28

Inga hat geschrieben:Glauben soll und kann kein Käfig eines Gedankengebäudes sein, aus dem man nicht raus darf, sich nicht raus traut, Angst hat, zu verlassen. Glaube ist, sich zur Wahrheit zu trauen, zur Gewissheit, die in einem ist, von Gott gegeben ist, und einem die Kraft gibt, neue ungewohnte Wege zu gehen. Glauben macht frei, nicht eng.

In der Bibel heißt es an einer Stelle "Da ist Glaube, Hoffnung, Liebe. Und die Liebe ist das Größe unter ihnen." Da steht nicht Glaube ist größe als Liebe oder selbst Hoffnung sei größer als Liebe, Sondern die Liebe steht über dem Glauben und der Hoffnung. So ist euere Liebe zwischen euch beiden "Frauen" einfach größer als die im orthodoxen Glaubensformen begründete Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Dazu kannst du doch stehen!

Übrigens: Es heißt "die Liebe ist das Größe unter ihnen" und nicht "Das Leiden ist das Größte unter ihnen"
Liebe Inga,

ich stimme Dir zu, dass Glaube kein Käfig, habe es auch nie so empfunden. Der von Dir zitierte Ausspruch begleitet uns in der Ehe von Anfang an, und die Liebe ist zweifellos weiterhin da, auf beiden Seiten. Das mit dem Martyrium hast Du vielleicht trotz meines erklärenden Zusatzes falsch verstanden. Martyrium hat viel mit Wahrheit zu tun. Dass das Leben in der Wahrheit auch einmal schmerzlich sein kann, also Martyrium im modernen Sinne, ist natürlich auch richtig. Es ist gut orthodox, nicht das Leiden zu betonen, sondern die Liebe, Ostern, nicht Karfreitag.

LG Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 26 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Mi 20. Jul 2016, 08:52

Aspie hat geschrieben:Hallo Nicoletta,

Auch wenn hier viel vom Sex geschrieben wird, glaube ich nicht, dass das das wesentliche Problem ist. Dass Ihr keinen Sex habt, hat ja Gründe, und die sind wahrscheinlich wichtiger. Auch dass sie solch verletzende Dinge gesagt hat, muss nicht wörtlich gemeint sein, sondern kann auch die allgemeine Situation Eurer Beziehung meinen oder aus einem Gefühl von Frust und Ärger über etwas ganz anderes herauskommen. Sowas sagt sich eben auch leicht.
Liebe Aspie,

danke für Deine Worte, vor allem am Ende (
Aspie hat geschrieben:Ich finde, es ist auch kein Verbrechen, in einer Ehe wie gute Freunde zusammenzuleben. Auch wenn das nicht das ist, wovon man geträumt hat, ist es vielleicht die beste Alternative im realen Leben.
) Auch muss ich mich korrigieren. Es ist ja nicht so, dass meine Frau verletzende Dinge gesagt habe, sondern ich habe mich durch Dinge, die sie gesagt hat, verletzt gefühlt. Das ist etwas anderes. Sie hat einfach nur wiedergegeben, was sie bei der Therapie zu hören bekam, und hat völlig korrekt ergänzt, dass das ja auch eigentlich stimme. Was mich gestört hat, war dann ihr Hinweis auf das christliche Eheverständnis (ein Mann und eine Frau), dem ich nicht gerecht werden kann. Da fühlte ich dann, als ob mir der Boden unter den Füßen weggezogen würde. Dein Nachsatz ist dann das Pflaster.
Aspie hat geschrieben:Vielleicht braucht sie tatsächlich eine Auszeit, in der sie mit sich allein sein kann. Wenn das so ist, solltest Du sie das machen lassen (sagt sich so leicht, ich weiß). Damit zeigst Du ihr aber, dass es Dir um sie geht und das kann auch gut sein. Du schriebst, dass sie sich von Dir abwendet. In der Situation würde ich Ihr das direkt anbieten, also eine Trennung auf Zeit.
Davon hat meine Frau früher durchaus schon gesprochen, und letztes Jahr war sie dann tatsächlich ein halbes Jahr lang weg bei ihrer Mutter. Sie fand dort sicher Trost, ihre Mutter legte ihr aber auch ans Herz, sich nicht scheiden zu lassen trotz meiner Veränderungen. Nach ihrer Rückkehr begann dann aber die schlimmste Phase des Alkoholismus bis zum Beginn der Therapie in diesem Jahr. Unsere Beziehung ist eigentlich auch gut, es ist eben nur so, dass in der Therapie manche Gefühle wieder hochkommen und durchgehechelt werden in der Gruppe. Das ist wahrscheinlich auch heilsam.
Aspie hat geschrieben:Du bist auch nur ein Mensch, der eben so geboren wurde und nicht anders
.

Das ist es, was ich mit dem hier auf Widerspruch stoßenden Bild vom spielenden Gott gemeint habe. Es gibt natürlich auch christliche Sichtweisen, die die Veranlagung als Versuchung deuten würden, die mich mannhaft bekämpfen müsse, aber ich sehe das nicht so. Gott hat mich geschaffen, wie ich bin, und meine Veranlagung gehört dazu, Sie zu unterdrücken wäre dann doch gerade der Versuch, Seine Schöpfung zurückzuweisen. In diesem Kontext gefällt mir das Bild vom unschuldig spielenden Kind. Man muss nicht von Gott sprechen, kann auch Natur sagen. Die Natur ist unglaublich vielfältig, und das ist das Ergebnis immer neuer Versuche. Hier ein Gen geändert, dort ein Gen geändert, und siehe da, ein neues Wesen, ein neues Bild im Kaleidoskop. Es hat keinen Sinn, dagegen anzukämpfen, man kann es nur bewundernd für den Schöpfer zur Kenntnis nehmen. Ich bin mir bewusst, dass ich damit nicht im christlich Mainstream schwimme, eher mit dem chinesischen Dao ströme.

LG Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 27 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Mi 20. Jul 2016, 08:55

Liebe Dolores,

ich respektiere Deinen Widerspruch, aber wir denken da sehr verschieden. Deine Argumente entstammen ja auch alle dem Alten Testament, und das jüdische Eheverständnis unterscheidet sich doch deutlich vom christlichen, wie wir es vor allem bei Paulus finden.

LG Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 28 im Thema

Beitrag von Explorer » Mi 20. Jul 2016, 09:23

In meinem einen Beitrag habe ich mich wohl voreilig etwas zu sehr auf das sexuelle Problem versteift (das natürlich ein Problem ist, aber eher Teil eines größeren Problemkomplexes).

Die Frage ist, wie es jetzt weitergeht. Ist vielleicht wirklich die beste Option, wenn ihr für die Zukunft nicht mehr als Paar zusammen seid, sondern als sehr gute Freundinnen? Ist das vielleicht eh schon die treffendste Beschreibung des Status Quo?

Aber in erster Linie ist jetzt eh erstmal deine Frau "am Zug". Sie muss sich entscheiden, wie sie weitermachen will, ob sie mit dir zusammen bleibt oder sich trennt. Für dich gilt dabei, die offene, (in beide RIchtungen) vorwurfslose Kommunikation zu suchen, soweit sie es zulässt - und einfach ehrlich miteinander umgehen, und der richtigen Entscheidung die Zeit geben, die sie braucht. Von deiner Seite aus ist die Zielsetzung klar (mit ihr wie bisher zusammen bleiben), oder kannst du dir auch Alternativen vorstellen?

Um noch mal auf die zeitweilige Trennung zurück zu kommen: Gäbe es irgendwo anders, wo sie vorübergehend hinkönnte? Sie war schon bei ihrer Mutter, sagst du. Aber das hat ihr ja nicht grad gut getan. Möglicherweise, weil sie mit der dort getroffenen Entscheidung nicht zufrieden war. Es kann aber natürlich auch sein, dass sie dadurch einfach viel zu sehr in ihr familiär bedingtes Alkoholproblem geschlittert ist, und deshalb jetzt ihren Tiefpunkt hat.

Ansonsten möchte ich mich noch mal mit Nachdruck Inga anschließen: Glauben soll kein Käfig sein, der einen gefangen hält. Ich bin kein(e) Christ(in), daher könnte ich mich auf eine theologische Debatte bestenfalls oberflächlich einlassen. Was in deinem persönlichen Glauben möglich ist und was nicht, kannst nur du entscheiden. Aber vergiss nicht: Glauben sollte Menschen nie einschränken, sondern er sollte ihnen helfen, ihr Leben zu meistern. Also suche nach den Inspirationsquellen, die dir Kraft und Zuversicht geben, und die dir erlauben, deinen besonderen Lebensweg als transidente, asexuelle Frau zu gehen. Ich hoffe, dass egal welchen Weg ihr zwei einschlagt, es ein guter Weg ist.
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 29 im Thema

Beitrag von Dolores59 » Mi 20. Jul 2016, 10:37

Nicoletta hat geschrieben:Liebe Dolores,

ich respektiere Deinen Widerspruch, aber wir denken da sehr verschieden. Deine Argumente entstammen ja auch alle dem Alten Testament, und das jüdische Eheverständnis unterscheidet sich doch deutlich vom christlichen, wie wir es vor allem bei Paulus finden.

LG Nicoletta
Liebe Nicoletta,
der Apostel Paulus baut auf das alte Testament auf, insofern unterscheidet sich das neutestamentliche Eheverständnis nur wenig vom alttestamentlichen (1.Korinther 7,1-9):
Nun zu den Anfragen eures Briefes! «Es ist gut für den Mann(,) keine Frau zu berühren». Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben und jede soll ihren Mann haben. Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann. Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt nicht der Mann über seinen Leib, sondern die Frau. Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einverständnis und nur eine Zeit lang, um für das Gebet frei zu sein. Dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führt, wenn ihr euch nicht enthalten könnt. Das sage ich als Zugeständnis, nicht als Gebot. Ich wünschte, alle Menschen wären (unverheiratet) wie ich. Doch jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.
Den Unverheirateten und den Witwen sage ich: Es ist gut, wenn sie so bleiben wie ich. Wenn sie aber nicht enthaltsam leben können, sollen sie heiraten. Es ist besser zu heiraten, als sich in Begierde zu verzehren.
Obwohl Paulus unverheiratet war, hat er die Sexualität als einen Baustein der Ehe nicht aus den Augen verloren. Die über Jahrhunderts verbreitete Leibfeindlichkeit in Teilen der Kirche kann sich jedenfalls nicht auf ihn berufen und auch nicht auf Petrus (1.Petrus 3,7):
Desgleichen ihr Männer, wohnt vernünftig mit ihnen zusammen und gebt dem weiblichen Geschlecht als dem schwächeren seine Ehre.
Zusammen wohnen schließt die Sexualität mit ein. Wie es die Stellen im AT, die ich im letzten Beitrag aufgeführt habe, ebenfalls betonen.

Natürlich leben wir alas Christen nicht unter dem Gesetz (AT), sondern unter der Gnade (NT). Dennoch gehören beide Teile der Bibel untrennbar zusammen.

LG
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 30 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Mi 20. Jul 2016, 11:37

Liebe Dolores,

keineswegs rede ich einer Leibfeindlichkeit das Wort, die Orthodoxie ist da im Vergleich zum lateinischen Christentum ohnehin leibfreundlicher, vgl. Priesterehe, die Möglichkeit der Ehescheidung; auch kenne ich die angeführten Zitate natürlich. Es ändert nur nichts an meinem Empfinden, von dem mir auch erst im Laufe der Jahre, jedenfalls erst nach der Eheschließung, klar geworden ist, dass es wohl als asexuell einzustufen ist. Hätte ich vor der Eheschließung gewusst, was ich heute weiß, hätte ich nie geheiratet. Ich hätte es keiner Frau antun mögen, einen Mann zu heiraten, von dem sich dann herausstellt, dass er eine Frau ist. Das mit mir "etwas" nicht stimmte, habe ich damals wohl gewusst, war aber der Überzeugung, dass meine Probleme in einer guten, christlich-orthodoxen Ehe, die ich ja führen wollte, verschwinden würden wie Nebel vor der Sonne. Ich wäre darum auch nicht auf die Idee gekommen, ihr zu sagen, dass ich eigentlich Sex nicht mag und mich in weiblicher Kleidung wohler und authentischer fühle, denn das waren Dinge, die ich als falsch empfand und nun endlich endgültig hinter mir lassen wollte. Meine Asexualität ist keine Leibfeindlichkeit, die sich nur im Kopf abspielt, das ist nicht reflektiert, sondern einfach ein Empfinden. Sollte meine Frau mich verlassen wollen, kann ich das verstehen und könnte es auch nicht verhindern, aber ich vertraue darauf, dass unsere gemeinsame Liebe stärker ist und mehr bedeutet als den sexuelle Teilaspekt. Meine Frau hat mir auch vor längerer Zeit schon gesagt, dass sie mich gehen lassen würde, wenn ich etwa zu Männern hingezogen fühlte, legte lediglich Wert darauf, dass sie es als Erste erführe. Ich habe keinerlei Neigungen in dieser Richtung, es soll nur zeigen, dass unsere Ehe eine andere Grundlage hat als Sex.

LG Nicoletta
Ne budi ono što si bio, postani to što jesi. -- Sei nicht, was du gewesen, werde, was du bist!

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