Frau eines Mannes mit weiblicher Seite
Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Antworten
M.L.
Beiträge: 15
Registriert: Mo 3. Dez 2018, 11:01
Pronomen: Ich
Wohnort (Name): Kaufbeuren
Membersuche/Plz: 87600
Hat sich bedankt: 55 Mal
Danksagung erhalten: 45 Mal

Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 1 im Thema

Beitrag von M.L. » Mo 3. Dez 2018, 12:37

Hallo ihr Lieben,
ich habe lange überlegt, ob ich mich hier anmelden soll. Ich denke, dass ich Hilfe brauche, um meinen Mann zu verstehen. Denn er kann mir nicht erklären, was in ihm vorgeht und ich kann´s nicht nachvollziehen. Ich schreibe jetzt einfach mal, was mir so einfällt, und seid bitte nicht böse, wenn manches vielleicht etwas abschätzig rüberkommt. Ist nicht so gemeint, aber ein Teil meiner Sichtweise, die ich ändern will. Ich duze hier jetzt einfach mal.
Mein Mann ist Mitte 50, wir sind seit 18 Jahren verheiratet. Lange Zeit nicht glücklich. Kurz vor unserem Hochzeitstag hat er mir gestanden, dass er eine weibliche Seite in sich hat und diese ausleben will.
Wir hatten dann viele Gespräche, sind uns dadurch auch wieder sehr nahe gekommen. Er hat es auch geschafft, das ich wieder weiblicher sein will (seit einigen Tagen, nach einem Streit, will ich eher gar nix mehr sein)
Ich kann einfach nicht verstehen, wieso ein Mann, der auch gerne Mann ist, sich als Frau verkleiden will. Sorry, aber für mich ist das Verkleiden.
Wenn ich meinen Mann anschaue, sehe ich, dass alles, was er ändern konnte weiblich ist (z.B. lange Haare, beidseitig Ohrringe, ...)
Ich hab Angst, dass ich den Mann, den ich gerade wiedergefunden habe, an seine weibliche Seite verliere. Ich kann nicht sagen, ob ich diesen Teil von ihm als Konkurrenz sehe, oder als Bedrohnung, Vielleicht ist beides der Fall.
Wenn ich mich z.B. schminke, sagt er mir, dass es ihm gefällt. Ich denke dann immer, ja, dem Mann vielleicht, aber was ist mit ihr?
Wie kann ich Frau sein, wenn auch er das manchmal sein will?
Bisher hatte er noch nicht die Möglichkeit, als Frau unterwegs zu sein. Das hat mehrere Gründe. Im Moment unterdrückt er das weibliche wieder, weil er weiß, dass ich damit nicht klarkomme. Doch ich denke, er muss austesten, wie weit er gehen muss, um seine Balance zu finden.
Wir brauchen professionelle Hilfe, damit wir einen gemeinsamen Weg finden. Vielleicht kennt jemand von euch einen Therapeuten. Wir wohnen im Allgäu in Bayern.
Oder gibt es in unserer Nähe Crosdresser, die ihn dabei unterstützen können?
Mein Liebster weiß übrigens, dass ich mich hier angemeldet habe.
Danke, dass ihr den langen Text gelesen habt.
Liebe Grüße
Maria

Laila-Sarah
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1142
Registriert: Di 16. Jan 2018, 23:39
Geschlecht: Bigender
Pronomen: kontextuell bitte
Wohnort (Name): Berlin
Membersuche/Plz: 1xxxx
Hat sich bedankt: 645 Mal
Danksagung erhalten: 652 Mal

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 2 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Mo 3. Dez 2018, 13:15

Hallo Maria,

Danke fürs Anvertrauen und herzlich willkommen hier.

Generell gesprochen können Menschen so vieles gleichseitig sein: Z.B. Eltern, Liebhaber, Theaterfan und Betriebsvorstand. Ich denke damit sind wir uns einig. Jetzt würde ich dich bitten, darüber nachzudenken, warum dein Mann nicht abwechselnd der alte Ehemann und manchmal eine enge Freundin an deiner Seite sein kann. Was schließt diesen Gedanken aus? Ich denke wenn du diese Frage beantworten kannst, bist du entschieden weiter damit herauszufinden wo es hakt.

VlG
The trick is to keep breathing

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13549
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 682 Mal
Danksagung erhalten: 5064 Mal
Gender:

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mo 3. Dez 2018, 13:28

Guten Tag Maria,

... und herzlich willkommen )))(:

Es ist sicherlich eine gute Idee, sich mit anderen Menschen, vielleicht im Rahmen einer "Selbsthilfegruppe" (klingt ernster als es meistens ist) oder eines Stammtisches
auszutauschen.
Die sind allerdings eher in größeren Städten vorhanden. Welcher Radius wäre für euch praktikabel von der Erreichbarkeit?

Natürlich hilft es auch, wenn ihr weiterhin im Gespräch bleibt und klarer herausarbeiten könnte, was euch beide - jede(r) für sich und auch gemeinsam - bewegt,
was ihr euch wünscht, was ihr zulassen könnt und wollt...

Ich gehe davon aus und hoffe, dass Du hier in unserer Forumgemeinschaft, in der auch einige Partnerinnen vertreten sind, Anregungen und Hinweise bekommst - und ein (fast) jederzeit "offenes Ohr".

Herzliche Grüße
Anne-Mette

Angelique
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 98
Registriert: Mo 16. Dez 2013, 14:15
Geschlecht: meistens Mann
Pronomen:
Membersuche/Plz: Itzehoe
Hat sich bedankt: 7 Mal
Danksagung erhalten: 13 Mal

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 4 im Thema

Beitrag von Angelique » Mo 3. Dez 2018, 13:41

Hallo Maria,

als ich Deinen Beitrag gelesen habe dachte ich im ersten Moment meine Frau hat sich jetzt hier angemeldet:
"Ich kann einfach nicht verstehen, wieso ein Mann, der auch gerne Mann ist, sich als Frau verkleiden will. Sorry, aber für mich ist das Verkleiden."
Das ist ein Satz der sicher auch von meiner Frau stammen könnte, zumindest bis vor einigen Jahren.

Ich kann Dir leider nicht sagen was in Deinem Mann vorgeht, ich kann nur versuchen Dir zu erklären was in mir vorgeht.
Auch ich bin ein Mann, der gerne Mann ist, mit vielen "männlichen Macken" (Faszination für PS und Hubraumstarke Autos, aufwändige Uhren, aggressiv im Straßenverkehr und durchsetzungstark im Berufsleben. Nur Fußball kann ich nichts abgewinnen). Und trotzdem gibt es da noch eine andere Seite in mir, die Freude an schönen Kleidern, zarten Stoffen und Dingen die gemeinhin als "weiblich" gelten. Ich strebe es nicht an zur Frau zu werden, es langt mir mich hin und wieder als Frau zu fühlen. Es ist für mich wie ein Urlaub vom Mann sein.
Ich freue mich auch wenn sich meine Frau weiblicher gibt, weil ich es toll finde. (Und, ja... manchmal bin ich auch etwas neidisch, wenn wir ausgehen und sie das Kleid trägt).
Das Ihr miteinander sprecht ist sehr gut, nur so könnt Ihr Euch finden. Ich habe durch die Gespräche mit meiner Frau auch erst herausgefunden das mein Frausein nicht erotisch begründet ist (Stichwort: Fetisch). Und auch das ich keinen kompletten Wechsel möchte.
Mein Frau toleriert Angelique mittlerweile, eine Akzeptanz werde ich wohl nie erreichen.

Ob Du Deinen Mann an seine weibliche Seite verlieren könntest, kann ich nicht beurteilen, auch da helfen nur Gespräche.

Ich bin nicht sicher ob ich Dir jetzt weitergeholfen habe aber trotzdem willkommen hier im Forum.

Liebe Grüße
Angelique
Ich trage Frauenkleider - Na und! 50% der Menschheit tut das.

Nicole Doll
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 783
Registriert: Mo 20. Mär 2017, 17:38
Geschlecht: gefühlt weiblich
Pronomen:
Membersuche/Plz: Simmern / Hunsrück
Hat sich bedankt: 440 Mal
Danksagung erhalten: 416 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 5 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mo 3. Dez 2018, 14:13

Hallo Maria,

erst einmal herzlich willkommen hier im Forum.

Ich möchte dann einmal etwas zu den CD / TV sagen, zu denen ich mich auch zähle (wie viel Trans* das jetzt ist, weiß ich nicht wirklich). Die meisten von uns sind hetero, begehren also eine Frau als Partnerin. Werden wir dann von dieser verlassen, ist das für uns ein großer schmerzlicher Verlust.

Das Rollenschema bietet für einen Mann - oder bot jedenfalls zur Zeit meiner beruflichen und gesellschaftlichen Entwicklung - keine Chance etwas anderes als ein starkes Alphatier auszuleben. Wenn wir das aber nicht sind, spielen wir eine Rolle, die uns immer lästiger wird, und die wir immer mehr deswegen hassen. Wir wollen auch einmal einfach nur schön sein. Und das verhasste Alphatier als übliches Männerbild hassen wir - ich empfinde es als abartig hässlich. Schönheit ist weiblich, also müssen wir weiblich werden. So gewinnen wir wieder Freude am Leben. Die Rolle als Alphatier ist dagegen ein Kampf, den wir nur verlieren können - also irgendwie durchhalten oder aufgeben. Bei mir war am Ende niemand mehr da, für den ich diese Rolle spielte, also gab ich sie auf.
Wenn ich meinen Mann anschaue, sehe ich, dass alles, was er ändern konnte weiblich ist (z.B. lange Haare, beidseitig Ohrringe, ...)
... Das sehe ich auch, wenn ich in den Spiegel schaue. So gefalle ich mir endlich. Da ist eine Person, die ich leiden kann, und kein hässlicher blöder Hampelmann in der falschen Rolle.

Wenn ich eine Partnerin hätte, wäre ich sehr froh darüber. Mit der falschen Rolle, die ich glaubte spielen zu müssen, habe ich aber immer alles kaputt gemacht. Meine Freundin wollte den Mann, den ich spielte. Als sie mich dann richtig kennen lernte und erkannte, dass ich der nicht war, ging es immer wieder auseinander. Und das war BEVOR ich mich als CD / TV geoutet habe! Nur ich sah damals einfach keinen anderen Weg als diese Sch..-Rolle zu spielen.

So weit also die Sache aus meiner Perspektive. Nun versuche ich das einmal anders herum zu sehen: Wie hätte ich reagiert, wenn meine Partnerin gesagt hätte: "Ach übrigens, eigentlich bin ich ein Mann, also HT, damit ein Bart wächst, und die Brüste müssen ab." Da wäre für mich eine Welt zusammen gebrochen. Ich hatte mich doch in eine Frau verliebt. Und ich habe keine Ahnung, ob und wenn wie ich damit klar gekommen wäre.

Liebe Grüße
Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

Lorelai74
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 464
Registriert: So 7. Jan 2018, 21:14
Geschlecht: Abgeschafft
Pronomen:
Wohnort (Name): Stuttgart-Pforzheim-Sifi
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 558 Mal
Danksagung erhalten: 295 Mal
Gender:

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 6 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Mo 3. Dez 2018, 14:13

Hallo Maria,

„wie kannst ich Frau sein, wenn er es manchmal auch sein will?“

Ich kann nur für mich und von mir sprechen, aber nach vielen Gesprächen mit anderen CD/TI/TS weiß ich dass was ich dir erzählen will bei vielen von uns ähnlich ist.

Ich will meine weibliche Seite offener Leben, ihr Raum und Zeit geben und sie nicht Verstecken, verheimlichen oder ablehnen müssen.
Ich will damit aber nicht mit meiner Frau und Partnerin in einen Konkurrenzkampf treten oder sie gar „verdrängen“.

Ich, als CD, will die Kleidung anziehen dürfen, die sich für mich richtig anfühlt. Frauen dürfen seit mindestens 40 Jahren Hosen anziehen ohne das ein Mann noch etwas sagt... umgekehrt ist das bis heute nicht möglich.
Ich „verkleide“ mich deswegen aus meiner Sicht auch nicht.
Zugegeben- manchmal sieht mein Outfit noch nicht stimmig aus, aber woher soll ich wissen wie man was zusammen trägt und was mir steht?
Ich hab dieses Jahr erst ca. 10 Tage gehabt mich anzuziehen.

Ja ich trage wenn ich ausgehe einen falschen Busen, manchmal auch eine Perücke und immer Make Up und bin manchmal weiblicher angezogen als manche Frau.
Zum einen liegt das daran das meine Mitmenschen auf eine Frau die sich bei näherem
hinsehen als Mann erkannt wird besser reagier als auf eine Mann der alle Regeln zu brechen scheint.

Zum anderen mein - vielleicht fast klassisch weiblicher Look- daran das ich eben nur wenig ausgehen/mich umziehen kann und es dann halt sich „richtig“ anfühlen muss - es ist quasi eine überkompensation.



Ich weiß das ich CD bin seit 30 Jahren- und habe „trotzdem“ eine/meine Frau geheiratet. Ganz einfach weil ich eine Lebenspartnerin geheiratet habe und gerne mit jemandem zusammen bin, mit jemandem mein Lebe teile. Ganz egal ob sie Hosen oder Rock trägt.
Aber um ehrlich zu sein kam Sie mit der Offenbarung meiner weiblichen Seite auch nicht zurecht.
Ich habe schon immer relativ viele, gemeinhin weibliche Attribute und Verhaltensweisen,hab offen Strumpfhosen oder mal Wickelrock getragen, aber offenzulegen das ich auch einen weiblichen Anteil spüre war dann zuviel.

Ihre Punkte waren:
Wo bleibt denn dann der Mann??
Wo bleibe ich? Und meine Bedürfnisse?

Ich denke das mag Dir ähnlich gehen.
Was sind denn deine Bedürfnisse?
Was brauchst du von ihm in euerer Beziehung?
Und was braucht er für sich und seine innere Frau?

Ich denke darüber solltet ihr reden.

Viele liebe Grüße
Lorelai
Zuletzt geändert von Lorelai74 am Mo 3. Dez 2018, 17:44, insgesamt 2-mal geändert.
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

Bea Magdalena
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 569
Registriert: Sa 30. Dez 2017, 19:27
Geschlecht: gefühlt weiblich
Pronomen: Am liebsten sie
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 1115 Mal
Danksagung erhalten: 336 Mal
Gender:

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 7 im Thema

Beitrag von Bea Magdalena » Mo 3. Dez 2018, 14:15

Hallo Maria,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier!
Verkleiden, das hör ich auch immer wieder, vielleicht auch schwer zu verstehen.
Auf alle Fälle finde ichs absolut super, dass Du Dich mit dem Thema auseinandersetzt!
Du fragst:
"Wenn ich mich z.B. schminke, sagt er mir, dass es ihm gefällt. Ich denke dann immer, ja, dem Mann vielleicht, aber was ist mit ihr?" Kann es nicht beiden gefallen?

Liebe Grüße
Bea
future is female

M.L.
Beiträge: 15
Registriert: Mo 3. Dez 2018, 11:01
Pronomen: Ich
Wohnort (Name): Kaufbeuren
Membersuche/Plz: 87600
Hat sich bedankt: 55 Mal
Danksagung erhalten: 45 Mal

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 8 im Thema

Beitrag von M.L. » Mo 3. Dez 2018, 14:35

Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 3. Dez 2018, 13:15
Hallo Maria,

Danke fürs Anvertrauen und herzlich willkommen hier.

Generell gesprochen können Menschen so vieles gleichseitig sein: Z.B. Eltern, Liebhaber, Theaterfan und Betriebsvorstand. Ich denke damit sind wir uns einig. Jetzt würde ich dich bitten, darüber nachzudenken, warum dein Mann nicht abwechselnd der alte Ehemann und manchmal eine enge Freundin an deiner Seite sein kann. Was schließt diesen Gedanken aus? Ich denke wenn du diese Frage beantworten kannst, bist du entschieden weiter damit herauszufinden wo es hakt.

VlG
Ich weiß nicht, ob ich eine Freundin an meiner Seite möchte. Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen. Warum kann er nicht der Mann an meiner Seite sein?

Selienne
Beiträge: 21
Registriert: Fr 16. Nov 2018, 15:09
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 18 Mal
Danksagung erhalten: 51 Mal
Gender:

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 9 im Thema

Beitrag von Selienne » Mo 3. Dez 2018, 14:51

Willkommen Maria!

Mein Mann hat sich vor zwei Jahren als Crossdresser geoutet, nach zehn Jahren Beziehung, ich kann mir also ungefähr vorstellen, wie es dir jetzt geht.

Es ist schön zu lesen, dass ihr viel miteinander sprecht und das ist für den Moment auch das einzige, was helfen kann.
Eines darfst du nämlich nicht vergessen, und das ist auch mir erst jetzt, nach zwei Jahren mit meiner Christine aufgefallen: Dein Mann ist im Kopf schon viel viel weiter als du, hat sich über alle Ängste und Sorgen schon seinen Kopf gemacht und seine Schlüsse gezogen.
Für dich geht die Reise jetzt erst los. Es ist also völlig normal, dass du Angst davor hast, deinen Mann an seine weibliche Seite zu verlieren. Das ging auch mir so. Aber ich wette mit dir, dass sich auch dein Mann da schon Gedanken drum gemacht hat. Nur eben im Stillen, bevor er sich geoutet hat.

Fang mit kleinen Schritten an. Nur weil er sich jetzt geoutet hat, heißt das schließlich nicht, dass sofort der komplette Kleiderschrank neu befüllt werden will. Wir zum Beispiel haben hier einen Deal gemacht. Anfangs, als es auch mir noch ein bisschen zu viel war, ist mein Mann zum Beispiel zum Schminken einfach zu einer Freundin von sich gefahren, hat sich da umgezogen und ist von ihr aus auch zum Stammtisch gefahren. Ich war erstmal völlig aussen vor.
Als ich mich mit dem Gedanken arrangiert hatte - und ja, das braucht einfach seine Zeit - sind wir dann einfach mal gemeinsam durch neue Damengarderobe gegangen. Da hatte sich aus den vielen Testkäufen so vieles angehäuft, dass der Gatte dankbar für jedes "Alter, wie kannst du auch nur daran denken, das zu tragen?!" war. Für uns war das damals ein großer Schritt, den wir gemeinsam gemacht haben und auch für mich persönlich, in meiner Sicht auf Christine. Denn dadurch, dass ich festgestellt habe, dass da gar nicht so viel merkwürdiges ist, sondern sogar Sachen, die ich selbst tragen würde, hat vieles seinen Schrecken verloren.

Auch jetzt, nach zwei Jahren, wo ich mittlerweile soweit bin, auch mal zu sagen, dass er ruhig seine Damenschuhe und ein passendes Oberteil anziehen kann, haben wir noch ganz klare Regeln.
Er hat seine Freiheit, vor allem natürlich, wenn ich nicht da bin. Und ich werde ihn auch nie zusammenbrüllen, sollte ich ihn mal in Strumpfhosen erwischen.
Auf der anderen Seite habe aber auch ich das Recht mal zu sagen, dass es sich für mich gerade nicht richtig anfühlt, ich mal eher den Mann brauche oder so viel im Kopf habe, dass mir einfach das vertraute Aussehen gerade mehr helfen würde, als Christine. Oder den Mix, der momentan so in Mode ist.

Wichtig ist, dass ihr beide zusammen ein Tempo findet, in dem ihr voranschreiten könnt. Eines, das dich nicht überfordert aber ihm auch erlaubt, diese Seite in sich auszuleben.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute. Ich weiß, wie gruselig diese Zeit jetzt ist und kann nur sagen, dass es sich für mich gelohnt hat, mich mit allem auseinander zu setzen. Christine ist mittlerweile meine persönliche Anzieh- und Schminktestpuppe geworden, auf die ich nicht verzichten mag. :lol:
Und auch in unserer Beziehung ist es alles deutlich harmonischer geworden. (dr)
"Every time you feel yourself being pulled into other people's nonsense, repeat these words: "not my circus, not my monkeys."

M.L.
Beiträge: 15
Registriert: Mo 3. Dez 2018, 11:01
Pronomen: Ich
Wohnort (Name): Kaufbeuren
Membersuche/Plz: 87600
Hat sich bedankt: 55 Mal
Danksagung erhalten: 45 Mal

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 10 im Thema

Beitrag von M.L. » Mo 3. Dez 2018, 14:57

Nicole Doll hat geschrieben:
Mo 3. Dez 2018, 14:13
Ich habe ihn auch gefragt, wenn es jetzt anders herum wäre, er der Mann und ich mach plötzlich ein auf Mann. Er meinte, das wäre ok. Glaub ich aber nicht.
Wir müssen das, was ihr seid, akzeptieren und damit klarkommen. Und wenn eine Frau das nicht kann, ist sie intolerant. Doch wenn die Frau plötzlich ihre männliche Seite ausleben möchte, könnten doch die wenigsten Männer das wegstecken.
Bin ich wirklich intolerant, wenn ich halt lieber meinen Mann haben will und keine Frau? Ich könnte manchmal nur noch schreien, weil der Mann an meiner Seite nicht mehr wirklich da ist. Wie würdet Ihr denn damit umgehen, wenn die Frau an eurer Seite nicht mehr weiblich sein will?

Tatjana_59
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2635
Registriert: So 1. Jan 2012, 20:07
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie
Membersuche/Plz: 86343
Hat sich bedankt: 2582 Mal
Danksagung erhalten: 1590 Mal
Gender:

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 11 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Mo 3. Dez 2018, 15:02

Anne-Mette hat geschrieben:
Mo 3. Dez 2018, 13:28
Guten Tag Maria,

... und herzlich willkommen )))(:

Es ist sicherlich eine gute Idee, sich mit anderen Menschen, vielleicht im Rahmen einer "Selbsthilfegruppe" (klingt ernster als es meistens ist) oder eines Stammtisches
auszutauschen.
Die sind allerdings eher in größeren Städten vorhanden. Welcher Radius wäre für euch praktikabel von der Erreichbarkeit?

Natürlich hilft es auch, wenn ihr weiterhin im Gespräch bleibt und klarer herausarbeiten könnte, was euch beide - jede(r) für sich und auch gemeinsam - bewegt,
was ihr euch wünscht, was ihr zulassen könnt und wollt...

Ich gehe davon aus und hoffe, dass Du hier in unserer Forumgemeinschaft, in der auch einige Partnerinnen vertreten sind, Anregungen und Hinweise bekommst - und ein (fast) jederzeit "offenes Ohr".

Herzliche Grüße
Anne-Mette
Jetzt setze ich mein herzlich Willkommen hier in unserem wunderschönen Forum Maria einfach ins Posting von unserer Admina Anne Mette!

So ist herzlich willkommen!
Meines Wissens leitet unsere Céline eine SHG im Allgäu, ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube in oder bei Kempten.
Ich vermute Céline wird sich diesbezüglich bestimmt melden und evtl berichtigen.
Ansonsten ist bei uns in Augsburg eine SHG jeden ersten Dienstag im Monat. Das ist zwar ein Eck zu fahren falls man tief im Allgäu wohnt, aber um Hilfe zu bekommen sicher nicht verkehrt.

LG Tatjana

M.L.
Beiträge: 15
Registriert: Mo 3. Dez 2018, 11:01
Pronomen: Ich
Wohnort (Name): Kaufbeuren
Membersuche/Plz: 87600
Hat sich bedankt: 55 Mal
Danksagung erhalten: 45 Mal

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 12 im Thema

Beitrag von M.L. » Mo 3. Dez 2018, 15:07

Angelique hat geschrieben:
Mo 3. Dez 2018, 13:41
Liebe Angelique,
wie kannst du dich als Frau fühlen? Dein Körper, die Stimme, das ist alles männlich.
Mal ganz böse, wenn ich mich im Fasching als Engel verkleide, weil ich ein lieber Mensch bin, fühle ich mich doch auch noch als Mensch.
Versteh mich bitte nicht falsch, aber genau das ist es, was ich nicht nachvollziehen kann.
Ein Mann bleibt doch ein Mann, auch mit Perücke und Makeup.
Fühlst du das dann von innen?
Wie kann man Mann sein wollen, aber auch Frau?
Ich bin eine Vollblutfrau, weiß nicht, wie ich das anders schreiben soll, und hab keine bewußte männliche Seite. Darum kann ich das so schwer verstehen.

M.L.
Beiträge: 15
Registriert: Mo 3. Dez 2018, 11:01
Pronomen: Ich
Wohnort (Name): Kaufbeuren
Membersuche/Plz: 87600
Hat sich bedankt: 55 Mal
Danksagung erhalten: 45 Mal

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 13 im Thema

Beitrag von M.L. » Mo 3. Dez 2018, 15:22

Tatjana_59 hat geschrieben:
Mo 3. Dez 2018, 15:02
Meines Wissens leitet unsere Céline eine SHG im Allgäu, ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube in oder bei Kempten.
Ich vermute Céline wird sich diesbezüglich bestimmt melden und evtl berichtigen.
Ansonsten ist bei uns in Augsburg eine SHG jeden ersten Dienstag im Monat. Das ist zwar ein Eck zu fahren falls man tief im Allgäu wohnt, aber um Hilfe zu bekommen sicher nicht verkehrt.

Liebe Tatjana,
Kempten ist super, aber Augsburg ist auch gut erreichbar.
Kannst du mir die Daten von Augsburg geben?
Ich geb das dann an meinen Mann weiter.
Ich hab jetzt einen Therapeuten in Bad Wörishofen gefunden. Vielleicht bringt uns das auch weiter.
Viele liebe Grüße
Maria

Vicky_Rose
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1642
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Geschlecht: m und f
Pronomen:
Membersuche/Plz: Raum Karlsruhe
Hat sich bedankt: 184 Mal
Danksagung erhalten: 951 Mal

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 14 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 3. Dez 2018, 15:24

M.L. hat geschrieben:
Mo 3. Dez 2018, 12:37
Wie kann ich Frau sein, wenn auch er das manchmal sein will?
Hi Maria,

wieso machst Du das von Deinem Mann abhängig ? Entscheidest Du nicht selber, was Du bist und sein willst ? Du stehst nicht in Konkurrenz und hast Dein eigenes Leben und Deinen eigenen Weg. Dein Mann bietet Dir eine Chance an, über alltägliche Dinge wie Geschlecht, komplett neu nachzudenken. das ist doch schon etwas, oder nicht ?

Für mich habe ich erkannt, dass Lebendigkeit für mich ein Schlüsselwort ist. Ich fühle mich lebendiger en femme. Ob ich tatsächlich Frau oder Mann bin, spielt dabei nicht die erste Rolle.

Mein Alltagsleben als Mann ist ok, aber nichts besonderes.

Teilweise kann ich die herkömmliche "Männlichkeit" für mich nicht annehmen.

Frauen sind manchmal ganz schöne Zicken.

Das Frauenleben ist auch nicht leicht.

So etwa zwischen diesen Polen bewegt sich mein Denken. Mein Fühlen ist quicklebendig, wenn ich en femme bin. Schminken, Damenkleidung etc. ist der Ausdruck von Lebendigkeit, den ich als Mann nicht spüren kann oder mir vielleicht ausgetrieben wurde. Wer möchte sich nicht lebendig fühlen ?
Viele Grüße
Vicky

Never regret something that made you smile ...

VanessaL
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 681
Registriert: Mi 8. Feb 2017, 13:34
Geschlecht: weiblich
Pronomen: bitte „SIE“
Membersuche/Plz: 61
Hat sich bedankt: 629 Mal
Danksagung erhalten: 587 Mal
Gender:

Re: Frau eines Mannes mit weiblicher Seite

Post 15 im Thema

Beitrag von VanessaL » Mo 3. Dez 2018, 15:28

Hallo,

das kann ich vielleicht ein wenig aufklären ...

https://www.genderbread.org/

Das Geschlecht, das Du nur siehst und das Du als Einordnungskriterium offensichtlich hast, ist das körperlich Geschlecht. Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Geschlechtseben und alle nicht nur in schwarz/weiß sondern mit vielen Zwischentönen!
Die gesellschaftliche Einteilung in Mann und Frau ist nur eine Hilfskrücke ... so ist ja auch nicht jeder Mann extrem männlich oder jede Frau extrem weiblich - und zwischen Mann und Frau gibt es eben auch viele Variationen!

Wenn Du auch ein Engel wärst und Dich nicht zeigen dürftest, würfes Du Fasching vielleicht nutzen um Dich einen kurzen Moment zeigen zu können .... so ist es mit der weiblichen Seite Deines Mannes. Er verkleidet sich nicht, sondern er Nutzt die kurze Gelegenheit sich zu zeigen - zumindest einen Teil von sich.

Liebe Grüße
Vanessa
Mein Geschlecht entsteht in Deinem Kopf.

Antworten

Zurück zu „Inter_, Trans_, CD und Partner/innen Beteiligte“