Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen
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Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Nicola
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Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 1 im Thema

Beitrag von Nicola » Mo 11. Jun 2018, 17:17

Meine Lieben, kennt ihr dass, ihr geht an ein Fest oder eine Party, lern neue Menschen kennen, quatscht mit ihnen, stellt euch gegenseitig vor, alle sind ganz lieb und nett mit dir und trotzdem wirst du die Frage nicht los, hat dich diese Person jetzt als Frau, als Transfrau oder für sonst einen Freak gehalten.

Ich war mit meiner Frau an eine Hochzeit eingeladen, es gab eine kleine Vorstellungsrunde und da unter anderem auch gesagt wurde wer vom wem die Partnerin oder der Partner ist, war schon mal klar, dass wir eines von drei lesbischen Paaren waren. Ein paar Leute kannte ich von früher, die noch nichts von Nicola wussten. Da sie mich nicht mehr erkannten ging ich auf sie zu, ich erhalte dann so Reaktionen wie, «ach ja du bist es ja» und dann erst mal grosses staunen, negative Erfahrungen habe ich aber noch nie damit gemacht. Ich gehe auch gerne auf alte Bekannte zu und habe das Bedürfnis ihnen zu zeigen wer ich heute bin. Am Schluss gab es dann noch ein ausgelassenes tanzendes Grüppchen wo ich auch dabei war. Alles in allem ein schöner gemütlicher Abend und ich genoss es sehr einfach ich zu sein.

Trotz allem kommt in mir immer wieder die Frage hoch, was denken die Leute über mich und als was sehen sie mich.

Kennt ihr das auch?

LG Nicola

Kati_nx
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 2 im Thema

Beitrag von Kati_nx » Mo 11. Jun 2018, 17:31

Hallo Nicola,

sehr wahrscheinlich werde ich es mal so kennen wie Du. Noch bin ich nicht geoutet und ich gehe auch noch nicht als Frau raus. Wenn ich aber Bilder von mir mache, dann denke ich bei manchen Bildern, gar nicht soo übel, damit könnte ich eigentlich ganz zufrieden sein. Nun weiß ich aber dass die eigene Wahrnehmung sehr täuschen kann und ich werde dann zunehmend unsicher, ob ich auf den Bildern wirklich ok bin, so als Frau. Da hat sich eingeschlichen, dass meine Ex Freundin immer Jury für mich spielen muss, wieviel männliches da zu sehen ist. Ich bin da total unsicher und vertraue aber auf ihr Wort, weil ich weiß dass Sie ehrlich ist. Ihr Urteil fällt dann zumindest befriedigend für mich aus, was mich ein bisschen beruhigt.
Ich hoffe sehr, dass ich irgendwann meine Mitte finden, und somit unabhängig von äußeren Urteilen werde. Aber so ganz wird das vielleicht nie gelingen, denn seien wir mal ehrlich: wir geben uns so eine Mühe uns hübsch zu machen, da will man auch mal gelobt und schön gefunden werden. :mrgreen:

LG Kati
Ich trage niemals Make-Up, an mir ist alles natürlich!

Andrea aus Sachsen
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 3 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen » Mo 11. Jun 2018, 20:27

.
Genau mein Thema: Wie oft habe ich mich schon gefragt, ob die Leute nach einer kurzen, eventuell aber auch mehreren intensiveren Begegnungen, überhaupt gemerkt haben, dass ich als Frau nicht ganz „echt“ bin?
Ich habe es inzwischen aufgegeben, mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Eine Antwort erwarte ich längst nicht mehr. Aber ich finde es phantastisch, dass die Reaktion der Leute in der Regel so ausfällt, dass ich mir diese Frage immer wieder stellen darf.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen

Vincent
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 4 im Thema

Beitrag von Vincent » Di 12. Jun 2018, 00:18

Nicola hat geschrieben:
Mo 11. Jun 2018, 17:17
alle sind ganz lieb und nett mit dir und trotzdem wirst du die Frage nicht los, hat dich diese Person jetzt als Frau, als Transfrau oder für sonst einen Freak gehalten.

Liebe Nicola,
ist es überhaupt entscheidend, was irgendwer denkt?
Fühlst Du dich wohl in deiner Haut?
Gehen die Menschen respektvoll oder sogar nett mit Dir um?

Die Wenigsten werden ohne ein kurzes Zögern als cis-Frau betrachtet, aber alle in der Regel als solche behandelt und akzeptiert.

Sogar ich werde gelegentlich als Frau gesehen, auch wenn an mir optisch außer Kleidung und Haaren so gar nichts weiblich ist.

Zerbrechen wir uns nicht anderer Leute Kopf, sondern genießen einfach die Freiheit zu sein wer wir sind, und das in der Regel sein zu können, ohne unangenehme Reaktionen zu erhalten.

Um so mutiger ich werde, ich selbst zu sein, desto mehr bin ich erstaunt, was die Leute tolerieren, ja auch akzeptieren.
Zweifel an Deiner Wirkung auf andere verderben nur Dir die Laune, nützen aber sonst niemanden.
LG

Vincent

Lady Jennifer
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 5 im Thema

Beitrag von Lady Jennifer » Di 12. Jun 2018, 11:18

Nicola hat geschrieben:
Mo 11. Jun 2018, 17:17
Meine Lieben, kennt ihr dass, ihr geht an ein Fest oder eine Party, lern neue Menschen kennen, quatscht mit ihnen, stellt euch gegenseitig vor, alle sind ganz lieb und nett mit dir und trotzdem wirst du die Frage nicht los, hat dich diese Person jetzt als Frau, als Transfrau oder für sonst einen Freak gehalten.
Ich glaube, das was du beschreibst, kann man sehr gut mit einem Wort ausdrücken: Unsicherheit. Ich gehe zwar schon seit 2011 als Transe vor die Türe und sehe mich selbst eigentlich recht selbstbewußt im Umgang mit anderen Menschen an, dennoch schwirrt mir auch hin und wieder diese Frage im Kopf herum. Das liegt meist aber daran, das ich den Mensch, mit dem ich gerade kommuniziere, nicht richtig einschätzen kann. In einer Unterhaltung stelle ich meist recht schnell fest, ob mein Gegenüber mich "ernst" nimmt oder innerlich eher über mich (als Transe) lacht.

Ich denke, diese Unsicherheit hindert viele CDs daran in die Öffentlichkeit zu gehen, da sie einfach nicht wissen, ob sie zum einen ernst genommen werden, bzw. wie man überhaupt mit ihnen umgeht. Und wer dabei schlechte Erfahrungen macht, verliert auch mal ganz schnell den Mut am Crossdressing und hinterfragt, ob es eigentlich richtig ist was man tut - und das ist schlecht!

Man sieht also, daß dieses Thema für jeden nicht ganz einfach ist...

Jennifer

Eisfee
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 6 im Thema

Beitrag von Eisfee » Di 12. Jun 2018, 11:52

Nicola hat geschrieben:
Mo 11. Jun 2018, 17:17
...
Trotz allem kommt in mir immer wieder die Frage hoch, was denken die Leute über mich und als was sehen sie mich.

Kennt ihr das auch?

LG Nicola
Vincent hat geschrieben:
Di 12. Jun 2018, 00:18
...
Liebe Nicola,
ist es überhaupt entscheidend, was irgendwer denkt?
Fühlst Du dich wohl in deiner Haut?
Gehen die Menschen respektvoll oder sogar nett mit Dir um?

Die Wenigsten werden ohne ein kurzes Zögern als cis-Frau betrachtet, aber alle in der Regel als solche behandelt und akzeptiert.
...
Oja, es ist wichtig!
Sonst würde sie vermutlich ja auch nicht fragen hier.
:D

Dieses Gefühl der Unsicherheit wird zwar mit der Zeit deutlich weniger. Aber so 100% legt es sich womöglich nie.

Ich glaube zwar bei mir recht fest und zuversichtlich daran, dass ich mit einer Quote von weniger als 1:1000 durchgehe, es also nur maximal einer von tausend eventuell erahnt oder gar erkennt, aber das genügt breits vollkommen, um immer mal wieder diese kleine Restunsicherheit zu spüren. Vor allem, wenn man gerade jetzt im Sommer etwas aufreizender gekleidet immer wieder mal spürbar länger von den Herren angestarrt wird.

Das Wichtigste in solchen Momenten ist es glaube ich, sich diese kleine Unsicherheit auf keinen Fall anmerken zu lassen. Denn das fällt dann ganz sicher erst recht auf!

Und was den Umgang sonst so angeht. Ich treffe öfter über den Bekanntenkreis oder auf Partys mal auf andere Transfrauen. Aber selbst wenn ich zu 100% sicher bin über sie, würde ich eine Transfrau niemals! zu ihrem Transsein ansprechen. Ich unterhalte mich also ganz normal mit ihnen und oute mich dann auch nicht einmal selber als Trans.
Ich denke viele andere Menschen machen das auch nicht anders. Daher ist es wirklich schwer, abzuschätzen wie gut man als Frau durchgeht oder eben nicht.

Mein "Trick" war es am Anfang, mich ab und an mal mit einer jugendlichen Gruppe und am besten mit Migrationshintergrund kurz zu unterhalten, einfach nach dem Weg zu fragen, oder nach Verkehrsmitteln oder was auch immer. Denn so dachte ich, bei allem Respekt, werden diese am ehesten mit irgendwelchen Kommentaren oder wenigstens mit einem frechen Hinterherrufer reagieren, wenn sie meinen eine "Transe" vor sich zu haben.
Das hat mir jedenfalls sehr viel Sicherheit zusätzlich gegeben. Kann ich also nur empfehlen, wenn ihr es wirklich wissen wollt.
:P

Alle anderen Menschen reagieren einfach oft zu freundlich oder höflich. Da wird man es nie wirklich wissen oder erfahren.

O Gott, schon wieder so viel Text.
:wink:

triona
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 7 im Thema

Beitrag von triona » Di 12. Jun 2018, 15:49

Eisfee hat geschrieben:
Di 12. Jun 2018, 11:52
Mein "Trick" war es am Anfang, mich ab und an mal mit einer jugendlichen Gruppe und am besten mit Migrationshintergrund kurz zu unterhalten, einfach nach dem Weg zu fragen, oder nach Verkehrsmitteln oder was auch immer. Denn so dachte ich, bei allem Respekt, werden diese am ehesten mit irgendwelchen Kommentaren oder wenigstens mit einem frechen Hinterherrufer reagieren, wenn sie meinen eine "Transe" vor sich zu haben.
Das hat mir jedenfalls sehr viel Sicherheit zusätzlich gegeben. Kann ich also nur empfehlen, wenn ihr es wirklich wissen wollt.

Gute Idee.

Ist eigentlich nichts anderes, als das, was andere Menschen schon lange immer wieder tun, wenn sie es "wissen wollen": Irgend was Belangloses und Unverfängliches fragen, um eine Antwort zu bekommen - nur um die Stimme zu hören. Z.B. wenn in einer fremden Stadt Einheimische einen nach dem Weg zum Bahnhof fragen, oder direkt vor einer riesigen öffentlichen Uhr nach der Uhrzeit. Oder wenn man als einzige Passantin von einer Gruppe unbekannter Jugendlicher im Vorbeigehen gegrüßt wird - vermutlich nur, um eine Erwiderung des Grußes heraus zu locken.

Auf den Gedanken, dieses auch in umgekehrter Richtung zu nutzen, bin ich allerdings bislang noch nicht gekommen.


Ansonsten finde ich es nicht so wesentlich, was andere Menschen über mich denken, solange sie mich angemessen und respektvoll oder sogar freundlich behandeln. Was über Unsicherheit und Selbstsicherheit gesagt wurde, finde ich allerdings richtig.


liebe grüße
triona

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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 8 im Thema

Beitrag von Ha-Fem » Di 12. Jun 2018, 16:14

Das Problem ist oft nicht das Passing, sondern die Stimme...

Wer ein gutes Passing hat und zudem noch selbstbewusst ist, wird zunächst in den meisten Fällen als Frau wahrgenommen. Aber was ist, wenn sie zu reden beginnt... und das mit einer doch oft noch recht maskulinen Stimme.
Ich bemühe mich zwar, meine Stimme so weit es geht etwas unter Kontrolle zu halten, aber nach einiger Zeit falle ich stimmlich immer wieder in den Männermodus zurück. Oder wenn ich lache oder wenn ich etwas lauter rede... Spätestens dann werden meine Gesprächspartner stutzig. Aber was soll's. Ich bin eben wie ich bin und damit muss meine Umwelt leben - oder es lassen. Klingt etwas patzig, zumal ich bisher noch keine negativen Reaktionen erlebt habe. Aber ganz sicher wurde ich schon häufiger durchschaut. Aber meine Einstellung gibt mir das notwendige Standing, um mich ohne Hemmungen draußen zu bewegen.

Liebe Grüße
Ann-Katrin
Ich bin wie ich bin...
...deshalb nimm mich auch so wie ich bin !

Eisfee
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 9 im Thema

Beitrag von Eisfee » Di 12. Jun 2018, 16:54

Ha-Fem hat geschrieben:
Di 12. Jun 2018, 16:14
Das Problem ist oft nicht das Passing, sondern die Stimme...

Wer ein gutes Passing hat und zudem noch selbstbewusst ist, wird zunächst in den meisten Fällen als Frau wahrgenommen. Aber was ist, wenn sie zu reden beginnt... und das mit einer doch oft noch recht maskulinen Stimme.
Ich bemühe mich zwar, meine Stimme so weit es geht etwas unter Kontrolle zu halten, aber nach einiger Zeit falle ich stimmlich immer wieder in den Männermodus zurück. Oder wenn ich lache oder wenn ich etwas lauter rede...
Da hilft nur üben, üben, üben und IMMER, wirklich IMMER dabei bleiben. Niemals zurückfallen, so schwer es auch fallen mag. Auch nicht mal wenn Du zu Hause mit Deinem Rechner mal schimpfst. Nein, einfach immer die weibliche Stimmlage verwenden und dann wird das auch irgendwann zur absoluten Gewohnheit.
Hat bei mir insgesamt ca. 1 bis 1,5 Jahre gedauert. Dann viel die Stimme nicht mehr zurück. Und nun ist sie inzwischen absolut perfekt weiblich, ohne den geringsten Zweifel.

Und auch das laute Reden immer wieder üben. Das ist auch recht wichtig oft. Und dann klappt es sogar irgendwann auch mal mit dem Lachen.
Weiblich zu Lachen erfordert neben der gut austrainierten Stimme auch sehr viel Selbstsicherheit, damit es nicht gekünstelt klingt.

Wünsche Dir ganz viel Erfolg.

(so)

NanaVistor
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 10 im Thema

Beitrag von NanaVistor » Di 12. Jun 2018, 18:20

Es ist nicht unbedingt Unsicherheit, wenn man wissen möchte wie einen die anderen Leute wahrnehmen.
Auch mit großer Selbstsicherheit kann man das nicht wissen.
Man muss halt fragen.
Ein paar mal hab ich das getan. Meistens mit dem Ergebnis, das sich gar nicht damit auseinandergesetzt wird.
Auch Vordenker müssen nachdenken.

triona
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 11 im Thema

Beitrag von triona » Di 12. Jun 2018, 21:11

Wissen kann man es natürlich auch bei großer Selbstsicherheit nicht. Aber dann ist es einem eher egal. Das Ergebnis deiner Nachfragen (Gleichgültigkeit, Unerheblichkeit, nichts Besonderes bemerkt) halte ich für einigermaßen repräsentativ für den großen Teil aller anderen. Sollte dies denn einmal nicht so sein, dann gibt es ja oft Komplimente oder eben ablehnende Reaktionen, Fehlansprache oder gar Feindseligkeiten. Dann weiß man ja, was gesehen worden ist. Sollte sich eine Gelegenheit für eine Nachfrage ergeben, ist das natürlich der beste Weg, herauszufinden, was andere sehen oder wie sie darüber denken, falls man sich dafür interessiert.


liebe grüße
triona

Hannah
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 12 im Thema

Beitrag von Hannah » Di 12. Jun 2018, 21:34

Hey ihr Lieben,
ich habe festgestellt, dass die Menschen im allgemeinen gar nicht gucken bzw. es nicht wahrnehmen, ob ich 'anders' bin. Wie bereits erwähnt wurde, spielt ein gutes Passing natürlich eine große Rolle.
Ab und zu gab es mal grübelnde Blicke, aber der Mensch schaut ja auch einfach mal so in die Gegend. (smili) Muss also nicht zwangsweise mit *trans* zu tun haben.
Meine Stimme würde mich auf jeden Fall sofort verraten. :lol:

LG Hannah
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 13 im Thema

Beitrag von Nicola » Di 12. Jun 2018, 23:32

Danke für eure vielen Antworten. Ich denke ich bin gar nicht mehr so unsicher und bin auch überall geoutet. Als das Wetter so schön und warm gewesen ist, war ich über eine Woche lang nur noch im Rock unterwegs, tagsüber meistens ohne Makeup, das Auto in die Werkstatt bringen, Kunden empfangen, zum Handwerker ums Eck... Ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass die Leute mich eindeutig als Frau lesen, einmal wollte mir ein Geschäftspartner, den ich schon lange nicht mehr gesehen hatte zuerst gar nicht glauben das ich die gleiche Person bin, «sie sind doch eine Frau» meinte er und ich musst ihn richtig überzeugen und mich zwangsouten. Auf der anderen Seite weiss ich auch das es Leute gibt, die mein ursprünglich körperliches Geschlecht erkennen.

Ja, die Stimmer ist sicher auch ein wichtiger Teil, wenn ich jemand gegenüber habe geht es einigermassen, am Telefon werde ich meisten mit Herrn angesprochen. Als ich heute jemanden angerufen habe begrüsste er mich mit Frau, bei der Verabschiedung wurde ich dann leider doch wieder zum Herr.

Trotz alle dem kreist in mir immer wieder die Frage, wie mein gegenüber mich wahrnimmt, auch wenn die Leute höflich und respektvoll sind, wirklich negative Erfahrungen habe ich bis jetzt noch nie gemacht.

LG Nicola

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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 14 im Thema

Beitrag von Lea92 » Di 12. Jun 2018, 23:56

Mir persönlich geht es in erster Linie ums Wohlfühlen als der Mensch, der ich bin. Dazu gehört natürlich auch, dass ich nicht angestarrt werde. Darüber hinaus ist es mir relativ egal, wie ich wahrgenommen werde. Wenn ich wüsste, dass mich die Leute zwar als Mann in Frauensachen und nicht als Frau wahrnehmen, dafür aber trotzdem in Ruhe lassen und mich nicht wie eine Attraktion im Zirkus fühlen lassen, würde ich sofort so raus gehen. Leider lebe ich in einer Gegend, in der Intoleranz und Aggressivität recht verbreitet sind, weshalb ich weiß, dass ich nahezu perfekt nach Frau aussehen muss, um vor den Leuten hier sicher zu sein. Aber obwohl ich gerne im Frauenmodus als Frau wahrgenommen werde, ist mir wichtiger, wie sich die Menschen mir gegenüber verhalten, als wie sie mich wahrnehmen. Und wenn ich nicht weiß, als was ich wahrgenommen werde, ist zumindest einmal die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich nicht negativ auffalle.
Körper ganz Mann, Kopf halb Mann, halb Frau, doch auch eine halbe Frau braucht auch Freiheiten und will sich gelegentlich mal zeigen.

Nicola
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Re: Nicht wissen als was einem die Leute wahrnehmen

Post 15 im Thema

Beitrag von Nicola » Mi 13. Jun 2018, 16:30

Nochmals lieben Dank für eure Antworten, offenbar machen sich auch einige von euch darüber Gedanken. Wahrscheinlich braucht es einfach noch ein bisschen Zeit, seit diesem Jahr ziehe ich mich überall so an wie ich mich wohlfühle, nicht das ich jetzt mit High Heels in den Supermarkt einkaufen gehe, ich besitze überhaupt keine, aber dass ich mich der Situation entsprechen so bekleide wie ich mich gut fühle, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass mich nicht alle als Frau wahrnehmen. Wie gesagt, wirklich negative Reaktionen habe ich noch nie erlebt, obwohl ich in einem Stadtquartier wohne wo der Ausländeranteil über 50% liegt und es Menschen aller Hautfarben hat.

LG Nicola

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