Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"
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Orlando
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Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 1 im Thema

Beitrag von Orlando » Mi 12. Nov 2014, 14:13

oder Frau keine Frau ?
In der "Süddeutschen" erschien heute ein kluger Artikel der Themen behandelt die viele von uns ( wenn nicht uns Alle) bewegen.
Liebe Grüsse,

Orlando

Vivian Cologne
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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 2 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne » Mi 12. Nov 2014, 14:30

Bitte immer verlinken, soweit möglich!

http://www.sueddeutsche.de/politik/sexu ... -1.2185911

Vivian

PS: Die Reportage über mich kommt morgen in "Christ und Welt", das ist eine Beilage der "Zeit".

Ulrike-Marisa
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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 3 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Mi 12. Nov 2014, 14:50

- lesenswert und Standpunkte klärend, der Artikel. Wenn das alle wüssten so sehen täten, wären wir vermutlich einige Schritte weiter in unserer Gesellschaft. Die Ignoranz und Unwissenheit der Nichtbetroffenen ist heute doch oft noch ein großes Hindernis - auch im ganz persönlichen Umfeld.

Ulrike-Marisa

ab08
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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 4 im Thema

Beitrag von ab08 » Mi 12. Nov 2014, 18:01

Kleine Aufmunterung aus der Praxis:

Hier in unserem Bundesland findet ein intensives Nachdenken über das Thema statt.
Da man sich sehr bemüht, sind bereits einige fundierte und recht vernünftige Ansätze zu erkennen. (Geschlecht als Kontinuum etc.)
Allerdings, da Betroffene kaum eingebunden werden, sind auch noch einige gravierende Mängel da...

Liebe Grüße,
Andrea(ab)

:oops: Weitere Details geht leider in dem Stadium noch nicht
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Lukretia
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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 5 im Thema

Beitrag von Lukretia » Mi 12. Nov 2014, 18:35

Der Artikel ist nicht schlecht. Aber mit der Ansicht Judith Butlers:
Demnach ist die Trennung zwischen nur zwei Geschlechtern eben nicht naturgegeben, sondern menschengemacht und willkürlich konstruiert.
kann ich mich nicht anfreunden und muss ihm, aus meiner Sicht, widersprechen. So einfach ist das Ganze nicht. Als sei alles nur willkürlich konstruiert. Hier möchte ich auf Plato und dessen "Urbilder" (Ideen) verweisen. Es gibt die Idee des Männlichen und des Weiblichen. Sie mögen sich im Einzelmenschen unvollkommen verwirklichen. Aber in allem Unzulänglichen (Nietzsche prägte in dem Zusammenhang das böse Wort von den "Missratenen") kann man noch die Abweichung von der Idee, von dem, was ursprünglich gemeint war, erblicken. Bei dieser Abweichung nun kommen auch, da ist Butler m.E. zuzustimmen, menschengemachte Faktoren (zum Beispiel der Sozialisation) ins Spiel.

Nebenbei: Plato hat ein imaginäres Urwesen konstruiert, das männlich und weiblich zugleich war und das sich dann getrennt habe, wenn ich mich richtig erinnere. Ich müsste das noch einmal nachlesen.

Lukretia

ab08
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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 6 im Thema

Beitrag von ab08 » Mi 12. Nov 2014, 20:35

Hallo,

tut mir leid, aber ich kann hier keinen Widerspruch mit Plato etc. erkennen. Das Zitat sagt nur "die Trennung zwischen nur zwei Geschlechtern ist eben nicht naturgegeben...".
Natürlich gibt es zwei dominierende Geschlechter, nämlich männlich und weiblich. Es gibt die Idee des Männlichen und des Weiblichen. ==> Das stimmt natürlich!
ABER es gibt eben auch Überlappungen und sogar Menschen, die genau dazwischen leben ==> Ergo ist es, trotz Dominanz der Pole (männlich-weiblich), im Grunde ein Kontinuum.
Das berücksichtigten die Philosophen und großen Denker der Antike... :wink:
Liebe Grüße
Andrea(ab)

P.S. Wertungen, wie z.B. Nietzsche, halte ich für problematisch.
Dort wo das geschah und heute noch geschieht, hatte/hat es schlimme Folgen für die, die nicht ins Schema passen.
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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 7 im Thema

Beitrag von Orlando » Mi 12. Nov 2014, 22:45

Hallo Vivien Cologne,
vielen Dank für Deinen Hinweis. Ich gespannt auf die Reportage über Dich.

Übrigens, ich wollte den Link angeben, doch ist mir das leider nicht gelungen. Vielleicht kann mir hierzu jemand einen Tip geben. Ich benutze SAFARI.

LG Orlando

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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 8 im Thema

Beitrag von Lukretia » Mi 12. Nov 2014, 22:56

Hallo ab08,

Mich stört der Ausdruck "willkürlich gemacht". Das erinnert mich an Simone de Beauvoir: "Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird dazu gemacht." So einfach ist das nicht.
Natürlich haben wir es mit einem Kontinuum zu tun, in dem es aber die starken Pole "männlich" und "weiblich" gibt. Die Welt kann nur bestehen in der Spannung (Dialektik) und in der Befruchtung dieser Gegensätze, das haben alle großen Denker so gesehen, schon Heraklit.
Was Nietzsche über die "Missratenen" sagt, ist hochproblematisch. Das ist klar.

Lukretia

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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 9 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mi 12. Nov 2014, 23:12

Das würde mich mal interessieren, @andrea: Die "Idee des "männlichen", bzw. "des weiblichen". Mir ist das irgendwie verloren gegangen. Ich sehe ein paar biologische Funktionen wie die Fortpflanzung, die fast immer, aber eben nicht 100%ig an bestimmte genetische Zusammenhänge gekoppelt sind. Manches geht (auf diesem rückständigen Planeten) nicht, wenn es nicht vor der Geburt her biologisch vorhanden ist.

Aber sonst?

Bei allem, was Verhalten, etc. angeht, gibt es offenbar a) keine zwingende Kopplung an Genetik/Biologie, b) ist die Bandbreite _innerhalb_ der biologischen Primärgeschlechter offenbar größer, als die Standarddifferenz _zwischen_ ihnen.

Wir sind inzwischen wohl mehr Kulturwesen als Naturwesen. Nicht unser BIOS bestimmt das Verhalten, sondern die "nachträglich installierte" Software.

Unter anderem deshalb, aber auch wegen persönlicher Erfahrungen, kriege ich die Grundidee "männlich"/"weiblich" nicht mehr auf die Kette. Klar, ich sehe, wie sich "Männer" und "Frauen" verhalten, bzw. was sie als "wegen ihres Geschlechts für sie passend/unpassend" tun oder eben nicht tun. Aber _warum_ sortieren sie/wir überhaupt unsere Verhaltensweisen und die Erwartungen an andere in diese beiden Kategorien? Warum lassen wir uns und anderen da so wenig Freiheit zum mixen bzw. zur situationsangemessener Anpassung?

Überspitzt: Warum ist der Monty Pythons Holzfäller immer noch so "abwegig", wenn er einen Tag im karierten Flanell Holz macht und am anderen im kleinen schwarzen zum Tanz geht?

Kai / Jaddy

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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 10 im Thema

Beitrag von Lukretia » Mi 12. Nov 2014, 23:44

Wir sind inzwischen wohl mehr Kulturwesen als Naturwesen. Nicht unser BIOS bestimmt das Verhalten, sondern die "nachträglich installierte" Software.
Dann wäre die menschliche Kultur stärker als die Natur. Das kann nicht sein und ist auch nicht so. Selbstverständlich ist die Natur, man kann auch sagen, die Biologie, der mächtigere Teil, dem wir letztlich nicht entkommen können.
Es scheint mir ein moderner Irrtum zu sein, jetzt alles auf die Kultur und Sozialisation zu schieben und die Natur als ein "paar biologische Funktionen wie Fortpflanzung" abzuwerten.
Wir dürfen als Crossdresser/Transsexuelle im Übergang von Mann zu Frau, oder wie auch immer, nicht von uns auf das Ganze schließen. Ausnahmen und Besonderheiten gibt es immer.
Dass die Wasseramsel unter Wasser ihre Nahrung sucht und dabei sozusagen zum Fisch wird, heißt nicht, dass alle anderen Vögel das auch tun.

Lukretia

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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 11 im Thema

Beitrag von Roswitha » Mi 12. Nov 2014, 23:46

Noch immer werden Trans-Menschen zudem als Transvestiten bezeichnet. Das ist schlicht falsch: Transvestitismus beschreibt das Tragen von Kleidern des anderen Geschlechts, unabhängig von der eigenen sexuellen Orientierung. Es kann als politisches Statement, als Kunstform oder einfach aus Spaß geschehen.
Der Schlusssatz dieses Artikels ist jedenfalls unreflektiert und was Transvestitismus betrifft schlecht recherchiert. Klingt so als ob jemand sich hinsetzen würde und beschließt Transvestit zu werden. Dem ist aber nicht so. Transvestiten haben nicht die Wahl TV zu sein oder es einfach bleiben zu lassen. Und Spaß machen kann das, muss es aber nicht.

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Re: Sexuelle Vielfalt "Wann ist Mann kein Mann"

Post 12 im Thema

Beitrag von ab08 » Do 13. Nov 2014, 08:10

Hallo Lukretia,

danke, jetzt versteh ich, was Du meinst! Zum größten Teil stimm ich Dir zu. (flo)
Mit Simone de Beauvoir beschäftigte ich mich recht intensiv. "Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird dazu gemacht." stimmt im Kontext meiner Ansicht nach auch. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einzelne Aussagen aus dem Zusammenhang reißen und nur verkürzt darstellen. ==> Sonst kann nix Vernünftiges rauskommen. :wink:

@all

Der Alltag nimmt mich beruflich momentan sehr in Anspruch.
Auf Grund meiner sehr begrenzten Zeit kann ich nicht alles, so wie es sachlich erforderlich wäre, beantworten.
Ich bitte um Verständnis, wenn ich mich daher insbesondere bei ins Philosophische abgleitenden Themen zurückhalte.

Liebe Grüße
Andrea(ab) *)


*) Vorname, der im Pass steht.
ab --> meine korrekten Inititialen, unter denen ich in den letzten Jahren ausschließlich schrieb.
08 --> bezieht sich auf das Jahr 2008 (offizielle Namenskorrektur)
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