TSG - Nein danke?
TSG - Nein danke? - # 2

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smaus
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Re: TSG - Nein danke?

Post 16 im Thema

Beitrag von smaus » Sa 30. Aug 2014, 23:08

Hallo Nicole und all Ihr anderen,

ich lese euere Ausführungen zu dem Thema mit sehr großem Interesse. Ich wünsche mir auch von ganzem Herzen, das in nicht allzuferner Zukunft für solche Rechte und Lebensvorstellungen nicht mehr mit Anwälten und Gerichten gekämpft werden muss.

Ich sehe die Wege , aber gute und richtige "Wegbeschreibungen" gibt es noch nicht wirklich.

Für mich persönlich sehe ich den Weg etwas anders. Über 50 Jahre habe ich mich mehr oder weniger mit meinen Wünschen und Vorstellungen verstecken müssen.

Inzwischen brauche ich mich, Gott sei dank, zu 99% meines Lebens nicht mehr als rechtliche und geschäftliche Person aufstellen.

Ich sehe jetzt für mich den Weg so: Einfach nur noch als weiblich orientiertes Wesen (Frau, lol) das auszuleben was geht ... dabei denke ich auch nicht an grosse sexuelle Abenteuer , sondern nur daran die Möglichkeiten, die mir bei den persönlichen Lebenseinstellungen und äusserlichen Darstellungen gegeben sind !!

Ohne Frage finde ich es toll wie sich das alles heute entwickelt. Aber für mich, hätte ich mir das schon vor 40 Jahren gewünscht. :!:

Ich stehe voll hinter dieser Entwicklung , aber der Enthusiasmus fehlt mir ein bischen ... da ich doch eher den Rest meiner Zeit als Frau geniessen , statt kämpfen will.

Auf jeden Fall stehe ich bei Euch und werde auch so wie es irgendwie geht beim freeRoom in Siegen weiter dabei sein.

Toll das sich das alles so positiv entwickelt, hier!! ))):s

Bis bald

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nicole.f
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Re: TSG - Nein danke?

Post 17 im Thema

Beitrag von nicole.f » Mo 26. Jan 2015, 13:03

Tjaha... jetzt könnte ich doch ein Problem bekommen, jetzt wird's spannend :)
Es könnte sein, dass ich Anfang Oktober in die USA muss/kann/darf - private Reise. Mein alter Reisepass läuft im September ab.

Jetzt gibt es drei Möglichkeiten:
1. Ich stelle doch noch einen Antrag nach TSG. Bis dahin könnte ich neue Papier mit rechtskräftig geändertem Namen/Geschlecht haben.
2. Ich versuche irgendwie einen neue Ausweis auf den neuen Namen zu bekommen, ohne einen Antrag nach TSG. Angeblich ist das schon anderen gelungen, nur dir Rechtsgrundlage dazu habe ich noch nicht gefunden.
3. Ich pfeife drauf und lasse einen neuen Pass auf den alten Namen ausstellen.

Ich denke ich werde ersteinmal 2. versuchen. Das wird aber vermutlich nicht klappen. Was mache ich dann? Innerhalb Europas ist mir das ja noch egal, da man kaum den Ausweis vorzeigen muss (mit Ausnahme bspw. von England). Eigentlich wollt ich das Problem ja aussitzen und dafür sorgen, dass das TSG geändert oder sogar zu Gunsten einer liberalen Reform wegfällt. Alles doof...

Liebe Grüße
nicole
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Re: TSG - Nein danke?

Post 18 im Thema

Beitrag von Anke » Mo 26. Jan 2015, 15:48

Hallo Nicole,

das wird jetzt wirklich spannend. Angeregt durch diesen Thread hatte ich für mich den Antrag nach TSG auch in Frage gestellt. Allerdings habe ich mich mittlerweile anders entschieden und den Antrag gestellt. Ausschlaggebend waren für mich eben solche praktischen Probleme.

Wenn Du Variante 1 machen möchtest, dann könnte die Zeit knapp werden. Nicht allein die Gutachten und die Bearbeitung bei Gericht dauern, auch die Ausstellung eines neuen Reisepasses braucht eine ganze Weile und sehr schnell ist die Zeit dahingeschmolzen.

Variante 2 macht mich jetzt auch neugierig, bin mal gespannt, was Du da herausfindest.

Liebe Grüße

Anke
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Re: TSG - Nein danke?

Post 19 im Thema

Beitrag von Bianca D. » Mo 26. Jan 2015, 23:46

Moin Nicole,

das wird in der Tat spannend was Version zwei angeht.Allerdings läuft dir auch die Zeit davon.Bei mir hat die Variante eins ca. 8 Monate gebraucht. Wenn du also mit deiner Favorit Version nichts erreichst,kann es zu spät sein. Die dritte Variante wirst du wohl knicken können,denn welchem Beamten der US-Immigration am Airport willst du bei deinem Aussehen glaubhaft vermitteln,Herr Xyz zu sein? Die verstehen da in der Regel wenig Spaß.Viel Erfolg bei der Umsetzung deiner Reisepläne.

LG Bianca
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Re: TSG - Nein danke?

Post 20 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne » Di 27. Jan 2015, 14:51

Ja, grau ist alle Theorie, und das eigene Ausprobieren kann wirklich spannend werden. Aber vor dem strengen Auge des Immigration Officer würde ich auch weiche Knie bekommen.

Hier im Forum gab es schon Wortmeldungen, dass Variante 3 auch problemlos ging bzw. geht. Wer hat davon berichtet?

Bleibt am ehesten Variante 1. Auch ich hatte eigentlich vor, das auszusitzen und in den nächsten Jahren mal zu gucken, was sich an der TSG-Front so tut. Auch wegen meiner ungewissen beruflichen Zukunft bin ich jetzt zu Kreuze gekrochen und habe den ungeliebten Antrag gestellt. Mein Reisepass ist eh längst abgelaufen.

Variante 2 finde ich aber auch spannend. Ich bin jedenfalls neugierig, was du darüber berichtest.

Vivian

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Re: TSG - Nein danke?

Post 21 im Thema

Beitrag von Lina » Di 27. Jan 2015, 16:33

nicole.f hat geschrieben:Hallo Ihr Lieben!
...
.
Ich überlege daher gerade ernsthaft, den Antrag nicht abzuschicken, um meinen eigenen Leidensdruck zur Abschaffung des TSG aufrecht zu erhalten - denn das ist ein politisches Ziel, für das ich voll und ganz eintreten würde. Der Gutachterzwang muss weg! Und mein Interesse daran könnte erlahmen, wenn ich dem System nachgebe und mich dem Zwang beuge.
Also beuge ich mich nicht, sondern lehne mich auf!

...
Liebe Grüße
nicole

Wie weit meinst du, dass das gehen soll - Eine einfach Willenserklärung für den rechtlichen Gender-Wechsel, so etwa wie in Dänemark, oder meinst du alles inkluive medizinische Maßnahmen?

Und natürlich macht es Sinn dagegen Stärke zu zeigen und alle politische Kanäle ansprechen. Dafür ist die Demokratie da. Überhaupt schade, dass so wenig Leute ihre Möglichkeiten in dieser Hinsicht nutzen. Selbst wenn ich wahrscheinlich mit dir auf allen Punkten nicht einig sein wird, finde ich es super, du dich für deine Sicht der Dinge einsetzt. Kann man dich dabei irgendwie unterstützen?

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Re: TSG - Nein danke?

Post 22 im Thema

Beitrag von nicole.f » Di 27. Jan 2015, 18:03

Hallo Lina,
Zu Deiner Frage
Wie weit meinst du, dass das gehen soll - Eine einfach Willenserklärung für den rechtlichen Gender-Wechsel, so etwa wie in Dänemark, oder meinst du alles inkluive medizinische Maßnahmen?
so meinte ich das in meinem Ursprungsbeitrag zuerst nur auf das TSG bezogen - also ja, Antrag beim Einwohnermeldeamt oder Standesamt und gut ist. Ich sehe absolut keinen triftigen Grund, warum das nicht möglich sein sollte.

Über den medizinischen Teil denke ich auch schon länger nach, auch angeregt durch diverse Diskussionen, und komme hierbei noch nicht so wirklich zu einem guten Schluss. Wovon ich allerdings schon überzeugt bin ist, dass auch im medizinischen Teil die Pathologisierung aufhören muss. Wir sind nicht krank und schon gar nicht psychisch. Eine Therapie ist also per-se fehl am Platz, genau wie eine übereifrige Begutachtung oder starre Fristen. Was aber auch wohl der Realität entspricht ist, dass einige doch eine Begleitung gut gebrauchen können, teilweise auch tatsächlich psychotherapeutische Unterstützung und das doch einige psychische Komorbiditäten entwickelt haben, die in diesem Zusammenhang mindestens Berücksichtigung finden sollten. Auch ist bei einigen (wenigen) Fällen die Motivation zur Transition in Frage zu stellen.

Doch dann stellt sich sofort die Frage, kann das die aktuelle, gerade von den gesetzlichen Kassen praktizierte, Gängelei rechtfertigen? Nein, ich denke nicht. Aber gleich das andere Extrem, also eine völlige unkontrollierte Freigabe der medizinischen Maßnahmen, kann es auch nicht sein. Das Risiko bei irreversiblen Eingriffen, wie Hormonen oder gar einer (teil-)geschlechtsangleichenden Operation, ist einfach viel zu groß, dass die Person vielleicht diesen Schritt hinterher bereuen könnte. Es gibt als Alternativvorschlag z.B. ein Beratungsscheinkonzept, so ähnlich wie bei einem Schwangerschaftabbruch. Soetwas könnte ich mir, in für uns angepasster Form, auch durchaus vorstellen. Diese Beratung könnte dann auch eine Person durchführen, die zwar eine Qualifikation dafür nachweisen können sollte, aber nicht unbedingt ein Psychologe oder gar Psychiater sein müsste. Initiativen zur Qualifizierung von Trans* Berater_innen laufen ja auch gerade an.

Liebe Grüße
nicole
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Re: TSG - Nein danke?

Post 23 im Thema

Beitrag von nicole.f » Di 27. Jan 2015, 18:28

Und nun noch zum Thema TSG, Recht und der Reise :)

Die Sache mit der USA Reise hatte, glaube ich, ich hier mal geschrieben. Das hatte ich von einem Blog einer anderen Hackerin aus England, Kristin Paget. Zu Beginn ihrer Transition machte sie einen Urlaubstrip mit ihrer Frau von England aus nach Las Vegas und zwar trotz noch anders lautender Papiere bereits in der weiblichen Erscheinung. In ihrem Blog beschrieb sie das als völlig unspektakulär. Das ist nun allerdings auch schon ein paar Jahre her, war aber deutlich nach 9/11. Tja... also ich denke, das sollte mal bei der Einreise theoretisch kein wirkliches Problem werden. Ich müsste mir nur leider einen neuen Pass mit neuem Bild auf den alten Namen machen lassen. Wäre unschön, aber machbar und auch noch zeitlich. Wielange braucht ein neuer Pass nach Antrag? 6 Wochen? 8 Wochen? Dann wäre also im Juli in etwa die Deadline dafür.

Die Möglichkeiten für einen neuen Ausweis _ohne_ amtliche Änderung nach TSG habe ich gerade beim Innenministerium NRW angefragt, unter Verweis auf eine EU Direktive von 1989 (!) sowie eine interministerielle Anweisung vom September 2000. Letztere kann so gelesen werden, dass ein vorläufiger Reisepass mit bis zu 10 Jahren Gültigkeit auf den neuen Vornamen ausgestellt werden kann - aber nicht muss. Ich werde es in den nächsten Wochen erfahren. Wenn eine Antwort kommt, werde ich die sicherlich hier weitergeben :)

Tja, und was den Antrag nach TSG betrifft, ja, das werde ich wohl nicht mehr schaffen können. Das für mich zuständige Gericht in Dortmund ist chronisch überlastet und die Bearbeitungszeit vom Antrag bis zur Durchführung dauert gerüchteweise bis zu zwölf Monate - sechs Monate ist die Regel, neun werden es immer wieder gerne mal und zwölf gab es wohl schon mehr als einmal. Eine echte Zumutung. Das heißt also, das werde ich mir ganz sicher, zumindest wegen meiner USA Reise, (er-)sparen können.

Es bleiben also, konkret für diese Reise , realistisch eigentlich nur noch Variante 2 & 3 übrig :(
Ich hoffe, dass sich Nr. 2 realisieren lässt, habe aber ehrlich gesagt keine große Hoffnung. Dann bliebe nur noch 3. Das wäre zwar doof, aber hey, auch kein Beinbruch. Dann kommt in den neuen Reisepass ein hübsches Nicole Bildchen und wir haben ein wenig Spaß bei der Kontrolle :)

Für die, die es interessiert, hier der Text meiner Anfrage an das Innenministerium NRW:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin transsexuell, Mann-zu-Frau, lebe seit Mai 2014 ausschließlich in
dieser Rolle und werde öffentlich nur noch als Frau und nicht mehr als
Mann gelesen. Eine amtliche Vornamens- und/oder Personenstandsänderung
nach Transsexuellengesetz (TSG) habe ich, aus persönlichen und nicht aus
sachlichen Gründen, bisher nicht beantragt und würde dies auch gerne nur
als letzte Lösung tun wollen.

Eine formale gesicherte ärztliche Diagnose "F64.0" liegt schriftlich
vor. Meine Krankenkasse sowie meine Banken haben den neuen Vornamen
bereits akzeptiert, d.h. ich besitze Krankenkassenkarten sowie EC- und
Kreditkarten auf den neuen Vornamen. Im öffentlichen Leben handele ich
privat und beruflich ausschließlich unter diesem neuen Vornamen.

Im August diesen Jahres wird mein Reisepass als mein letztes amtliches
Ausweisdokument seine Gültigkeit verlieren. Einen neuen Personalausweis
oder Reisepass auf den alten Namen möchte ich nur im äußersten Notfall
beantragen. Erschwerend kommt hinzu, dass ich gerade erfahren habe, im
Laufe dieses Jahres voraussichtlich in die USA reisen zu müssen.

Ich weiß von anderen Betroffenen, dass vorläufige Ausweisdokumente auf
den neuen Vornamen bereits vor erfolgter Vornamens- und/oder
Personenstandsänderung nach TSG ausgestellt wurden. Im GMBI Ausgabe
31/2000 vom 21. September 2000 wird eine solche Möglichkeit angedeutet,
mit einer Gültigkeit von bis zu 10 Jahren.

Ich möchte Sie daher hiermit herzlich um eine Stellungnahme zu diesem
Problem bitten:

1. Ist es korrekt, dass es Möglichkeiten gibt, amtliche Ausweisdokumente
auf den neuen Vornamen vor amtlicher Änderung nach TSG zu bekommen?

2. Wenn 1. zutrifft, unter welchen Voraussetzungen und wie kann/muss ich
dies beim lokalen Einwohnermeldeamt beantragen?

3. Wenn 1. nicht zutrifft, welche alternativen Möglichkeiten würden Sie
in dieser Situation vorschlagen?

Innerhalb Deutschlands und ggf. der EU wäre mir das alles noch recht
egal, nicht aber bei einer Reise in nicht-Europäisches Ausland und
insbesondere in das mittlerweile doch sehr "vorsichtig" gewordene Land USA.


Offengestanden wäre eine Reise mit einem Pass auf meinen alten Namen
eine äußerst starke Belastung und Zumutung für mich. Bereits 1989 hat
der Deutsche Bundestag (Drucksache 11/5330) über eine Empfehlung der
Europäischen Union informiert, in der die Mitgliedsstaaten explizit dazu
aufgefordert wurden, transsexuellen Personen den Zugang zu amtlichen
Identifikationsdokumenten noch vor der amtlichen Änderung nach TSG (oder
äquivalenten ausländischen Gesetzen) zu erleichtern. Die Bundesregierung
hat dies nur über 25 Jahre lang nicht umgesetzt.


Für eine zeitnahe Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar. Sie können mir
entweder per eMail oder Brief schriftlich antworten an:
...
Liebe Grüße
nicole
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Re: TSG - Nein danke?

Post 24 im Thema

Beitrag von Anke » Di 27. Jan 2015, 19:56

nicole.f hat geschrieben:

Doch dann stellt sich sofort die Frage, kann das die aktuelle, gerade von den gesetzlichen Kassen praktizierte, Gängelei rechtfertigen? Nein, ich denke nicht. Aber gleich das andere Extrem, also eine völlige unkontrollierte Freigabe der medizinischen Maßnahmen, kann es auch nicht sein. Das Risiko bei irreversiblen Eingriffen, wie Hormonen oder gar einer (teil-)geschlechtsangleichenden Operation, ist einfach viel zu groß, dass die Person vielleicht diesen Schritt hinterher bereuen könnte. Es gibt als Alternativvorschlag z.B. ein Beratungsscheinkonzept, so ähnlich wie bei einem Schwangerschaftabbruch. Soetwas könnte ich mir, in für uns angepasster Form, auch durchaus vorstellen. Diese Beratung könnte dann auch eine Person durchführen, die zwar eine Qualifikation dafür nachweisen können sollte, aber nicht unbedingt ein Psychologe oder gar Psychiater sein müsste. Initiativen zur Qualifizierung von Trans* Berater_innen laufen ja auch gerade an.
Hallo,

deine Überlegungen kann ich gut nachvollziehen. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass jeder Mensch das recht hat, über sich selbst zu bestimmen. Auch dann, wenn er dabei einen Fehler machen kann und es hinterher bereut. Im übrigen denke ich, dass es auch trotz des derzeitigen Verfahrens hinreichend Fälle gibt, bei den hinter bereut wird.

Nichts desto trotz habe ich auch über so ein Beratungsscheinkonzept nachgedacht. Für mich hätte das den Charme, dass diejenige die Gelegenheit erhält, noch einmal über ihren Schritt nachzudenken und sich gegebenenfalls mit einem Dritten auszutauschen. Das würde die Zahl der Bereuenden sicherlich ordentlich reduzieren. Allerdings sollte hier keinerlei Prüfung eingebaut sein. Die einzige Verpflichtung sollte das Gespräch als solches sein, ganz egal wie es verläuft.

Die Analogie zum Schwangerschaftsabbruch finde ich als Argument sehr interessant. Bei diesem Abbruch geht es ja wirklich um ein schwerwiegendes ethisches Problem. Dagegen werden wir die Behandlung in aller Regel überleben und entscheiden nicht über eine Dritte, sondern über uns selbst. Da stellt sich mir schon die Frage, warum die Latte beim uns höher hängt, als bei einem Schwangerschaftsabbruch.

Auch das Kostenargument ist nach meiner Überzeugung irreführend. Dieses Argument würde nur gelten, wenn durch das derzeitige Verfahren ein großer Teil von medizinischen Maßnahmen absieht und durch das Verfahren selbst keine Kosten entstehen. Die Realität sieht nach meiner Überzeugung aber genau umgekehrt aus. Ob mit oder ohne Verfahren, die Zahl der Maßnahmen dürfte ziemlich gleich sein und das derzeitige Verfahren halte ich für kostenintensiv. Deshalb würden die Kassen bei einer liberaleren Regelung eher sparen.

Liebe Grüße

Anke
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Re: TSG - Nein danke?

Post 25 im Thema

Beitrag von Bianca D. » Mi 28. Jan 2015, 20:45

Anke hat geschrieben:Auch das Kostenargument ist nach meiner Überzeugung irreführend.
Moin,

nicht irreführend,nur meiner Meinung nach im falschen Kontext. Denn was wird wohl passieren,wenn Transidentität aus dem ICD gestrichen würde? Das,was jedes gewinnorientierte Unternehmen machen würde: Hurra,eine Gruppe,die uns Geld kostet, weniger auf dem Zettel. Wer glaubt denn ernsthaft,daß die KK noch einen müden Cent rausrücken,wenn wir so Normal gesund wie Hetero und Homo -Menschen sind und als natürliche Abweichung von der Regel gelten? Vielen Dank auch,da bin ich lieber etwas krank für die KK´s,salopp ausgedrückt:ick hab einen an der Klatsche und bekomm dafür aber Unterstützung finanzieller Art.Vom Brustaufbau bis GAOP,Perücken,Epilation usw... Wenn man das alles selber stemmen wollte...
In einer besseren Welt würde ich euer Ansinnen ja gutheißen.Der Plan ist gut.Aber m.M. nach nicht zu realisieren.

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Re: TSG - Nein danke?

Post 26 im Thema

Beitrag von Saskia.shewulf » Mi 28. Jan 2015, 23:13

Hallo Bianca,

genau diesen Gedankengang habe ich auch immer wieder bei genau diesem Thema.lieber etwas Balla sein und das Geld
der Kasse sinnvoll nutzen! (ap)

Es bleibt ja noch mehr als genug was selber finanziert werden muss Zb. Lasern,Fahrtkosten usw. auf jeden Fall seh ich das genau so
wie Du.


Lg saskia (flo)
Wer keinen Mut zum träumen hat
-hat keine Kraft zum Kämpfen

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Re: TSG - Nein danke?

Post 27 im Thema

Beitrag von Rosi_ » Do 29. Jan 2015, 00:07

Bianca D. hat geschrieben:
Anke hat geschrieben:Auch das Kostenargument ist nach meiner Überzeugung irreführend.
nicht irreführend,nur meiner Meinung nach im falschen Kontext. .....
Dann möchte ich einmal einen Scheit Holz in´s Fantasie-Öfelchen werfen ;-)

Wenn wir als z.B. "Frauen mit Geburtsfehler" akzeptiert werden, muss ein untypischer
Hormonwert, Haarwuchs im Gesicht oder auch die Missbildung des Genitals auch ohne
krankhafte Idenditätsstörung oder Gender-Dysphorie im Rahmen des Gesundheitswesens
behandelt werden.

Grüße
Rosi
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Re: TSG - Nein danke?

Post 28 im Thema

Beitrag von Anke » Do 29. Jan 2015, 08:04

Bianca D. hat geschrieben:Denn was wird wohl passieren,wenn Transidentität aus dem ICD gestrichen würde?
[/i]
Hallo,

da habe ich mich sicher undeutlich ausgedrückt. Ich meinte natürlich nicht die Streichung aus dem ICD! Mir geht es ausschließlich um den Weg zu den Leistungen zu kommen.

Zur Diskussion zum ICD möchte ich sagen, dass im ICD nicht nur Krankheiten stehen. Beispielsweise gibt es einen Abschnitt zum Thema Schwangerschaft. Ich denke es herrscht sicher Einigkeit, dass Schwangere sicherlich nicht krank und auf keinen Fall "Balla" sind. Deshalb ist es für mich völlig in Ordnung, dass Transsexualität im ICD aufgeführt ist. Da stört mich nur die Art und Weise. Wenn Transsexualität in ähnlicher Weise aufgeführt wäre wie Schwangerschaft, dann wäre der Punkt "Balla" weg und die Leistungspflicht würde fortbestehen.

Liebe Grüße

Anke
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Re: TSG - Nein danke?

Post 29 im Thema

Beitrag von Claudia H. » Do 29. Jan 2015, 15:37

Hallo zusammen
Ich habe in meinem Perso ein Bild von mir als Claudia und den offizellen Namen,in meinem Fall eben männlich.
L.G.Claudia

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Re: TSG - Nein danke?

Post 30 im Thema

Beitrag von Dunja.Ronja » Fr 9. Okt 2015, 12:38

Ein Tsg Beschluss ist der größte Mist den ein Transmensch überhaupt machen kann. Ein solcher Beschluss wird lediglich als kleiner Randvermerk ins Geburtsregister eingetragen anstatt daß da irgendwas geändert würde. Dies ist nirgendwo anders. Es bleibt überall der alte Datensatz bestehen, mit einem Vermerk versehen. Es herrscht reger Austausch darüber, mit einer lapidaren Schweigepflicht gegenüber Privatpersonen.
Mit TsG Beschluss ist der alte Name aktueller als ohne.

Darüber hinaus bestehen zahlreiche Rechtsprobleme, eine Kompatibilität mit ausländischen Recht besonders außerhalb Europas besteht sowieso nicht.

Ein Tsg Beschluss diskriminiert nur und schafft erheblich mehr Probleme als daß er mildern würde. Er bringt nichts.

Nur eine Änderung des Geburtsregisters würde etwas bringen, diese gibt es aber rechtlich nicht.

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