TSG - Nein danke?
TSG - Nein danke? - # 4

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nicole.f
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Re: TSG - Nein danke?

Post 46 im Thema

Beitrag von nicole.f » Mo 19. Okt 2015, 23:29

Hallo Ihr Lieben,

leider muss ich Anke in dem Punkt zustimmen, als das von der IMAG so schnell keine konkrete Reform zu erwarten ist. Im Mai diesen Jahres wurden die Rechtsgutachten öffentlich ausgeschrieben, im September erfolgte die Vergabe (an eine Juristin aus Hamburg) und das Gutachten soll im September 2016 vorgelegt werden. Großartig :( Die Gesprächspartner des BMFSFJ für die IMAG stehen immernoch nicht fest, fest steht aber, dass zumindest einige Trans*-Organisationen dabei sein werden - immerhin. Welche ist aber noch nicht festgelegt.

Also von der IMAG erwarte ich nicht viel, zumindest was konkrete Schritte angeht. Ich gehe davon aus, dass bis zum Ende der Legislatur ein Papier mit einer Empfehlung vorgelegt wird. Gut informierten Kreisen zufolge sieht es aber so aus, dass es innerhalb der Regierung und den politischen Kreisen sehr mächtige konservative Strömungen gibt, die das TSG nicht anfassen wollen - vergleichbar mit der gleichgeschlechtlichen Ehe, zu der es auch keine echte Reform gibt, nur immer kleine Feigenblättchen auf die schlimmsten Entblößungen.

Aber noch ist nicht aller Tage Abend :)
Die allgemeine Situation gibt uns viel Rückenwind und wenn es über den politisch legislativen Weg nicht vorwärts geht, dann gibt es ja noch den judikativen Weg, also vor Gericht. Ich kann leider noch keine Details nennen, aber es sind mehrere Bestrebungen in der Mache, die in nicht all zu ferner Zukunft zumindest die Gutachterpflicht aus dem TSG bekommen könnten. Stay tuned! Sobald ich dazu öffentlich etwas sagen kann, werde ich das hier ganz sicher tun.

In einem Punkt muss ich Anke allerdings korrigieren - geschlechtsangleichende medizinische Maßnahmen haben und dürfen nichts mit einem TSG Verfahren zu tun haben. Ja, es ist oft so, dass die Kassen/MDK einfach mal k*ckfrech die VÄ/PÄ Gutachten einfordern und als Grundlage für eine Bewilligung einer Maßnahme hernehmen, doch das ist streng genommen nicht zulässig! Die Gutachten zur VÄ/PÄ gehören den Personen, nicht der Kasse. Die haben kein Recht auf diese Dokumente. In der Praxis wird man dies in der Rege dennoch mitachen, damit man nicht zu noch einem Gutachter / Psycho* muss und dem wieder alles erklären.

Die Gutachten zur VÄ/PÄ haben aber auch nach TSG ein ganz anderes Begutachtungsziel, als medizinische (Indikations-)Gutachten. In der Praxis sieht es nur leider so aus, dass die Gutachten zur VÄ/PÄ weit über das Begutachtungsziel hinaus gehen (und dadurch so horrende teuer werden) und dann doch halbe medizinische Gutachten sind. Das ist aber ein Fehler der Gutachter und liegt nicht im System begründet.

Wenn also eine Kasse/MDK ein Gutachten zur Bewilligung einer Maßnahme haben möchte, dann müssen sie es selbst beauftragen und auch zahlen. Es gibt zudem auch keinerlei Richtlinie oder sonstigen Anknüpfungspunkt, der eine Verbindung zwischen rechtlichem Weg nach TSG und den medizinischen Maßnahmen hergeben würde - außer der Faulheit der Kassen / der MDKs.

Von einer VÄ/PÄ darf medizinisch nichts abhängig gemacht werden - das ist völlig getrennt, soll es sein und auch bleiben.

Liebe Grüße
nicole
Zuletzt geändert von nicole.f am Di 20. Okt 2015, 10:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: TSG - Nein danke?

Post 47 im Thema

Beitrag von JuliaS » Di 20. Okt 2015, 01:38

Nach meinem unwesentlichen, rudimentärem Wissensstand ist kurzfristig nicht mit einer Änderung des TSG-Verfahrens zu rechnen. Hierzu fehlt einfach das Interesse seitens der Entscheidungsträger. Es gibt natürlich einige Initiativen die auf Änderung abzielen, allerdings erwarte ich hier keinen kurz- bis mittelfristiges Erfolg.
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Re: TSG - Nein danke?

Post 48 im Thema

Beitrag von Anke » Di 20. Okt 2015, 14:50

nicole.f hat geschrieben:
In einem Punkt muss ich Anke allerdings korrigieren - geschlechtsangleichende medizinische Maßnahmen haben und dürfen nichts mit einem TSG Verfahren zu tun haben. Ja, es ist oft so, dass die Kassen/MDK einfach mal k*ckfrech die VÄ/PÄ Gutachten einfordern und als Grundlage für eine Bewilligung einer Maßnahme hernehmen, doch das ist streng genommen nicht zulässig! Die Gutachten zur VÄ/PÄ gehören den Personen, nicht der Kasse. Die haben kein Recht auf diese Dokumente. In der Praxis wird man dies in der Rege dennoch mitachen, damit man nicht zu noch einem Gutachter / Psycho* muss und dem wieder alles erklären.
Hallo,

vom Grundsatz her hat Nicole natürlich recht. Aber wie von ihr angedeutet, die Realität sieht völlig anders aus. Bei mir hat die Kasse sowohl das Urteil, als auch beide Gutachten angefordert. Zusätzlich wollen sie ein drittes Gutachten. Die selbe Nummer beim Operateur für die GAOP. Die Klinik will ebenfalls Urteil und beide Gutachten.

Schweren Herzens mache ich da eben auch mit. Zum einen möchte ich mir eine weiter Runde Gutachten ersparen. Zum anderen reduziert eine Weigerung die Kooperationsbereitschaft der Kasse weiter. Da mir Anstand und Höflichkeit wichtig sind, verzichte ich darauf hier aufzuschreiben, was ich dazu denke und fühle.

Liebe Grüße

Anke
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Re: TSG - Nein danke?

Post 49 im Thema

Beitrag von nicole.f » Di 20. Okt 2015, 16:25

...ja, es ist zum Würgen, Jürgen :(

Ich habe gerade das Problem sozusagen auch noch umgekehrt... nur aus Interesse hatte ich mal meine Kasse nach den Voraussetzungen für eine GaOP gefragt. Nach knapp vier Wochen bekam ich die Zusage! Das hat ein paar Gedanken, sagen wir, "beschleunigt".

Jetzt habe ich nur das Problem, dass ich keine "psychotherapeutische Begleitung" hatte, denn das setzte meine private Kasse nicht voraus. Ich habe also keinen Therapeuten, den ich nach einer Indikation fragen könnte, und auch keine TSG Gutachten - daher ja auch dieser Thread. Lediglich eine gesicherte Diagnose könnte ich vorweisen, aber keine "Indikationsgutachten", die die Operateure aber voraussetzen. Und nun?
Ich stelle mal wieder das System auf den Kopf :(

Das nervt enorm, kann ich Euch sagen. Denn ich weiß gerade nicht, was ich da machen soll. Ich werde ganz bestimmt nicht, weil die Operateure dies aus welchen Gründen auch immer, die sich mir nicht erschließen, monatelang zu einem Psycho* gehen - warum auch!? Ich habe kein psychisches Problem!? Das bereits eine Orchiektomie und über ein Jahr HET stattfand, interessiert offenbar nicht. Ich verstehe nicht, was die Grundlage für die Operateure dazu ist? Die MDS Richtlinien sind ja für mich als Privatpatientin nicht anwendbar bzw. ausschlaggebend. Die uneingeschränkte Kostenübernahmezusage der Kasse liegt schriftlich vor. Es gäbe da noch die SoC, doch die sprechen nur von zwei "referal letters" und die müssten, wenn ich das richtig gelesen habe, auch nicht unbedingt von Psycho* Ärzten zu erstellen sein, sondern schlicht eine Indikation, also eine Empfehlung, beinhalten. Die habe ich angeboten, wollten die Operateure aber nicht "Das ist so nicht üblich, da müssen Sie sich schon an den normalen Weg halten.". Ja herrjeh, und was ist der "normale Weg"!? Denn was in diesem Indikationsgutachten zu stehen habe, wollte mir auch niemand erklären.

Zum Glück habe ich das jetzt angefangen zu klären, wo mein Druck dazu noch nicht zu groß ist. Wenn ich jetzt richtig Druck hätte, könnte ich gerade rasend werden...

Na mal sehen... offenbar mal wieder ein Stück des Weges, den ich anders als die meisten anderen zu gehen scheine.

Liebe Grüße
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Re: TSG - Nein danke?

Post 50 im Thema

Beitrag von ab08 » Di 20. Okt 2015, 16:45

Hallo meine Lieben,

entschuldigt, dass ich mich einmische. Vom TSG halte ich ja wirklich auch nicht viel. Es sollte endlich im Papierkorb verschwinden.
Aber ich versteh die Einwände von Dunja.Ronja eigentlich nicht. Mit meiner rechtlichen Situation bin ich heute eigentlich zufrieden.
Bei mir gilt NÄ 12/2008 - PÄ 3/2011

Durch Randvermerke der Standesbeamtin wurde jeweils der handschriftliche Eintrag, den mein Vater nach meiner Geburt unterschrieb, geändert.
Geburtsurkunden sind jetzt korrekt. Im Grundbuch wurde ich auch entsprechend als Besitzerin eingetragen.
Ich bin Staatsbeamtin: Sämtliche dienstlichen Datensätze (Studium/Beförderungen etc.) wurden rückwirkend korrigiert.
Natürlich könnten an meinem Geburtsort tätige Standesbeamte den nach meiner Geburt angefertigten Eintrag einsehen.
Das finde ich aber in Ordnung und entspricht meinem Rechtsverständnis.

--> Die Geburtsurkunden der Kinder lauten weiterhin auf den ursprünglichen männlichen Namen. --> Auch das finde ich gut so!!

Liebe Grüße,
eine etwas verwirrte
Andrea

Nachtrag:
Was ich unmöglich finde, dass ich heute noch für die aus dienstlichen Gründen aufgeschobene GAOP ein weiteres psychiatrisches Gutachten benötige,
obwohl das ganze Theater NÄ/PÄ bei mir schon so viele Jahre her ist.

P.S. "psychotherapeutische Begleitung" sowas hatte ich auch nie. -> Privatpatientin, psychisch gesund ...
-> Wenn mich wirklich mal was näher interessiert, frag ich in der Pause Kollegen. - Ich unterrichte ja seit 2004 auch Schüler in der Kinder&Jugendpsychiatrie...
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

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Re: TSG - Nein danke?

Post 51 im Thema

Beitrag von nicole.f » Di 20. Okt 2015, 16:58

Eine völlige Streichung des TSG wäre allerdings auch nicht gut, da müssen wir etwas mit unseren Forderungen aufpassen. Der "§5 Offenbarungsverbot" eröffnet erst eine rechtliche Handhabe, um soetwas wie eine Zeugnisumschreibung einfordern zu können. Diese ist für viele Menschen unabdingbar. Ebenso wichtig ist es für viele, dass die Historie nicht offengelegt werden darf. Das sollte also auf jeden Fall erhalten bleiben. Doch das lässt sich sicherlich auch in einem entsprechenden Paragraphen des PStG regeln.

Bei den Gutachten für GaOP ist mir nach wie vor völlig schleierhaft, was diese beinhalten sollen. Ich habe eine fachärztliche Stellungnahme vorgelegt, die eine uneingeschränkte Befürwortung aller angestrebter angleichenden Maßnahmen enthält. Reicht nicht. Aha. Na mal sehen, am 2.11. habe ich einen persönlichen Gesprächstermin und dann hoffe ich das mal näher zu klären. Wenn das nicht zu klären ist, sehe ich schon das nächste Schlachtfeld auf mich zukommen, ala "Indikationsgutachten - Nein Danke!" und ein Kampf, bis die auch endlich klar und so niederschwellig wie möglich geregelt sind. Was mich in dem ganzen Bereich immer wieder so maßlos ärgert, ist die scheinbar völlige Beliebigkeit. Je nachdem an den man gerät ist mal alles fluffig und super oder super k*cke und kaum zu überwinden. Das kann es doch echt nicht sein.

Dahingehend ist auch das gerade veröffentlichte Statement der WMA sehr aufschlussreich. Es konstatiert sehr klar und eindeutig, dass es sich bei jeder Form von Trans* nicht um eine psychische Störung („mental disorder“) handelt, sondern dass solche lediglich davon ausgelöst werden können, insbesondere wenn keine adäquate medizinische Versorgung entsprechend der Wünsche der Person durchgeführt wird (bspw. durch Hormone oder andere geschlechtsangleichende Maßnahmen), Zitat: „The WMA asserts that gender incongruence is not in itself a mental disorder; however it can lead to discomfort or distress, which is referred to as gender dysphoria (DSM-5).“.

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Re: TSG - Nein danke?

Post 52 im Thema

Beitrag von Anke » Di 20. Okt 2015, 17:16

Hallo,

wie unsere speziellen Anliegen am Ende rechtstechnisch umgesetzt werden, also eigenes TSG oder Passage im PStG finde ich gar nicht so entscheidend. Entscheidend sind die richtigen Regelungen.

Wichtig wäre für mich außerdem, dass die Psychologen und Psychiater in diesen Verfahren, egal ob Namensänderung oder medizinische Eingriffe keine Rolle mehr spielen. Denn aus meiner Sicht maßen die sich eine Kompetenz an, die sie nicht mal ansatzweise besitzen. Transsexualität ist kein psychologisches Phänomen und damit auch kein Thema für diesen Fachbereich.

Liebe Grüße

Anke
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Re: TSG - Nein danke?

Post 53 im Thema

Beitrag von nicole.f » Di 20. Okt 2015, 17:55

Sicherlich ist der Ort der Regelung egal, es muss nur weiterhin geregelt bleiben, das meinte ich und das halte ich für extrem wichtig. Es gibt einige Menschen die nicht ganz zu Unrecht befürchten, dass wenn wir zu laut eine Abschaffung des TSG fordern, mit einem Mal unser Wunsch erfüllt werden könnte und wir ganz ohne gesetzliche Regelung dastehen. Das darf keinesfalls passieren, denn dann haben wir Zustände wie vor 1980 nud alles ist eine Einzelfallentscheidung ohne jede rechtliche einklagbare Handhabe.

Für den juristischen Teil gebe ich Dir völlig Recht, da haben die Psychos rein gar nichts verloren und ich gehe, wie ein paar Postings zuvor schon beschrieben, auch fest davon aus, dass dies "bald" der Fall sein wird. Spätestens dann müssen im Übrigen auch die Kassen und MDK umdenken, denn dann gibt es diese Gutachten ja auch gar nicht mehr :)

Was die medizinische Versorgung angeht befürchte ich, dass wir sie gerade für die operativen Maßnahmen so schnell nicht los werden. Aber wir können es hoffentlich hinbekommen, dass ihr Stellenwert stark schrumpft. Für eine HET ist jetzt schon anerkannt, dass ein reiner informed consent funktioniert. Das ist auch gut zu argumentieren, da die Folgen der HET langsam kommen und vieles noch umkehrbar ist - je nachdem, wielange man es bereits gemacht hat. Eine Entscheidung hat also keine sofortige unumkehrbare Auswirkung, die Personen bekommen so ganz zwangsläufig Zeit für eine hinreichende Selbstreflektion unter Einfluss der Hormone. Eine OP ist allerdings sofort nach der OP unumkehrbar. Die Entscheidung dazu muss also gut reflektiert sein und sichergestellt werden, dass die Person eine solch weitreichende Entscheidung auch treffen kann. Hier könnten die Psycho* wieder ins Spiel kommen. Solange der Gegenstand der Psycho Konsultation dann auch nur die Klärung der Frage wäre, ob die betreffende Person uneingeschränkt urteilsfähig und sich über die Folgen im Klaren ist, hätte ich damit kein großes Problem. Es darf nur keinesfalls das Geschlecht, die Indentität oder eben Trans* zum Gegenstand der Untersuchung werden! Dies ist uneingeschränkt zu akzeptieren und keinesfalls in Frage zu stellen.
Es ist auch heute nicht unüblich, dass bei größeren irreversiblen operativen Eingriffen, die nicht durch eine lebensbedrohende Situation notwendig werden, psychologische Beratung / Untersuchungen vorgeschaltet werden, vor allem wenn die Person selbst den Eingriff wünscht. Das sind dann aber nur ein oder zwei Sitzungen und gut ist. Die Sache hier ist, denke ich, dass man die Frage, ob jemand voll urteilsfähig und völlig aufgeklärt über sein Ansinnen ist, nicht dem Operateur aufbürden sollte. Operateure, also Chirurgen, sind Handwerker - gute und spezialisierte Handwerker, aber eben Handwerker. Ein Psycho* hat eine spezielle Ausbildung, um genau dies beurteilen zu können. Alternativ würde ich auch eine Stellungnahme eines über längere Zeit begleitenden Arztes in Betracht ziehen. Auch diese_r sollte dies aussagen können, denn er_sie sollte den Verlauf ja kennen.

Zum Thema Psycho* und Behandlungsmodelle hatte ich im September einen Workshop zusammen mit mit David Garcia bei der Transtagung in Bern gehalten. Hier ein PDF zu meinem Teil davon:
http://nf.dpin.de/wp-content/uploads/20 ... g-Bern.pdf

Liebe Grüße
nicole
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Re: TSG - Nein danke?

Post 54 im Thema

Beitrag von LaraC » Di 20. Okt 2015, 22:10

nicole.f hat geschrieben: Dahingehend ist auch das gerade veröffentlichte Statement der WMA sehr aufschlussreich. Es konstatiert sehr klar und eindeutig, dass es sich bei jeder Form von Trans* nicht um eine psychische Störung („mental disorder“) handelt
Ich finde die deutlichen Worte der WMA hier ebenfalls sehr gut und lange überfällig. Hier wird endlich die “Lücke” zur Homosexualität “geschlossen”. Die gilt zu Recht schon lange nicht mehr als Krankheit, kann aber sehr wohl (z.B. durch Diskriminierung etc. zu einer psychischen Krankheit führen). Gut, dass das für Trans* auch mal gesagt wird! :)
nicole.f hat geschrieben: Für den juristischen Teil gebe ich Dir völlig Recht, da haben die Psychos rein gar nichts verloren
Auch das halte ich für wichtig. Da sollte jedem mündigen Bürger ganz klar Eigenverantwortung zugebilligt werden.

Aber das hier:
Anke hat geschrieben: Transsexualität ist kein psychologisches Phänomen und damit auch kein Thema für diesen Fachbereich.
ist weiterhin Quatsch und wird auch nicht wahrer, wenn man es immer wiederholt. Gott sein Dank hat sich die WMA auch hier ganz klar positioniert. Bei jeder Form von Trans* geht es im Kern um Gender Identity und Gender Expression. Das sind ganz klar psychologische Phänomene.

Wenn man das Statement der WMA mal zusammenfasst, steht da nämlich Folgendes:
1. Trans* hat entsteht aus Inkongruenz zwischen Sex und dem daraus abgeleiteten zugewiesenen Gender auf der einen Seite und der eigenen Gender Identity und Gender Expression auf der anderen Seite. Es ist ein psychologisches Phänomen.
2. Es ist definitiv keine Krankheit. Nicht psychisch und nicht medizinisch. Psychisch wird explizit ausgeschlossen, eine Aufnahme in den Katalog medizinischer Diagnosen wird aber auch nicht gefordert.
3. Durch die Inkongruenz zwischen Zuweisung und Identität kann es zu psychischen Problemen (Gender Dysphoria) kommen.
4. Diese Probleme können NICHT psychisch behandelt werden! In bestimmten Fällen können medizinische Maßnahmen (Hormone, OP, etc.) helfen.
5. Die Ursachen werden bewusst außen vor gelassen. Kein Unsinn von einem Gehirngeschlecht oder sowas. Die Ursachen spielen für eine eventuelle Behandlung auch gar keine Rolle. Das Gleiche gilt für den zeitlichen Verlauf. Kein “man war schon immer Frau.” Das passt ja auch nicht so wirklich zum Kern: Identität - die sich ja erst im Laufe des Lebens herausbildet.

Psychisches Phänomen, keine Krankheit, medizinische Behandlung. Wirklich gute Zusammenfassung des komplexen Problembereichs! (bis auf die Probleme, die Marielle im anderen Thread aufgeworfen hat. Und man könnte den gesellschaftlichen Bereich noch etwas betonen. Aber ok.) Ich fände es schön, wenn man sich darauf mal einigen könnte und den ganzen biologistischen und essentialistischen Unsinn endlich mal hinter sich lassen könnte. Ich weiß, keiner mag “die Psychos”, aber es eben psychologische Phänomene und Trans (in welcher Form auch immer) ist eines. Ich finde, die WMA hat das in ein sehr schönes Statement gepackt, dessen Umsetzung auf allen juristischen, psychologischen und medizinischen Ebenen uns alle hier echt ein ganzes Stück weiter bringen würde.
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Re: TSG - Nein danke?

Post 55 im Thema

Beitrag von Anke » Di 20. Okt 2015, 22:18

LaraC hat geschrieben: ist weiterhin Quatsch und wird auch nicht wahrer, wenn man es immer wiederholt. Gott sein Dank hat sich die WMA auch hier ganz klar positioniert. Bei jeder Form von Trans* geht es im Kern um Gender Identity und Gender Expression. Das sind ganz klar psychologische Phänomene.
Hallo,

es gibt nicht einmal ansatzweise irgendeinen wissenschaftlichen Beleg, dass Transsexualität ein psychologisches Phänomen ist. Statt dessen gibt zahlreiche wissenschaftliche Belege für das Gegenteil.

Liebe Grüße

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Re: TSG - Nein danke?

Post 56 im Thema

Beitrag von LaraC » Di 20. Okt 2015, 22:57

Anke hat geschrieben: es gibt nicht einmal ansatzweise irgendeinen wissenschaftlichen Beleg, dass Transsexualität ein psychologisches Phänomen ist. Statt dessen gibt zahlreiche wissenschaftliche Belege für das Gegenteil.
Du weißt nicht mal, was "psychologisches Phänomen" bedeutet, oder? Das macht die Diskussion dann natürlich schwer bis unmöglich...

Nicht psychiatrisch, nicht klinisch. "Psychologisch" sagt auch erst einmal nichts über die Ursachen. Nur falls du da was missverstanden hast. Psychologie ist die Wissenschaft vom Verhalten und Erleben (des Menschen). Wenn Geschlechtsidentität nun nichts mit Verhalten und Erleben zu tun hat, weiß ich auch nicht weiter. Und die "wissenschaftlichen Studien", die "belegen", dass Trans-Personen nichts erleben und sich nicht verhalten, würde ich schon gerne sehen. ;)

Du wirfst da "Anlage vs. Umwelt" sowie "veränderbar vs. unveränderbar" komplett mit "psychologisch" in einen Topf. Das hat aber alles erst einmal nichts miteinander zu tun. Trans* ist multikausal bedingt (Anlage UND Umwelt), nicht veränderbar und ein psychologisches Phänomen. Eigentlich ganz einfach ;)
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Re: TSG - Nein danke?

Post 57 im Thema

Beitrag von nicole.f » Mi 21. Okt 2015, 00:16

LaraC hat geschrieben:...
Aber das hier:
Anke hat geschrieben: Transsexualität ist kein psychologisches Phänomen und damit auch kein Thema für diesen Fachbereich.
ist weiterhin Quatsch und wird auch nicht wahrer, wenn man es immer wiederholt. Gott sein Dank hat sich die WMA auch hier ganz klar positioniert. Bei jeder Form von Trans* geht es im Kern um Gender Identity und Gender Expression. Das sind ganz klar psychologische Phänomene.
Sind sie das?
Ich lese die Aussage der WMA hier etwas anders und kann diese auch so unterstützen. Ich lese dies so, dass die Ursache von Trans* nach wie vor unklar ist, es aber klar ist, dass dadurch Begleiterscheinungen ausgelöst werden können, die in den Bereich der Psychologie oder gar Psychiatrie fallen. Damit ist und bleibt Trans* selbst aber unbestimmt. Sicherlich hast Du Recht, wenn Du die Definition der psychologischen Wissenschaft [1] anführst:
Psychologie (gr. ψυχολογία, psychología, wörtlich: Seelenkunde; ψυχή psyché ‚Hauch‘, ‚Seele‘, ‚Gemüt‘ und -logie als Lehre bzw. Wissenschaft) ist eine empirische Wissenschaft. Sie beschreibt und erklärt das Erleben und Verhalten des Menschen, seine Entwicklung im Laufe des Lebens und alle dafür maßgeblichen inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen. Da Empirie nicht alle psychologischen Phänomene erfasst, ist auch auf die Bedeutung der geisteswissenschaftlichen Psychologie zu verweisen.
Jetzt ist bspw. aber auch das zweibeinige Gehen ein Verhalten und wir alle erleben dieses Gehen jeden Tag. Ich fände es allerdings etwas weit hergeholt deswegen zu sagen, dass es darum ein psychologisches Phänomen sei? Es kann psychologische Auswirkungen haben, keine Frage. Aber dennoch würde ich in diesem Beispiel Erklärungen zum zweibeinigen Gehen primär in der Biologie und der Verhaltensforschung ansiedeln - ja, ein Teil der Verhaltensforschung ist auch in der Psychologie enthalten, aber Verhaltensforschung ist dennoch ein von der Psychologie eigenständiger Bereich der Biologie [2]. Kein Psychologe wird ernsthaft das Zugverhalten der Graugänse beschreiben wollen.

Alles hat miteinander irgendwelche Verbindungen, so wie es auch einen Placebo Effekt gibt, der ganz sicher ein psychologischer Effekt ist, den sich die Pharmakologie zunutze machen kann und der vielleicht auch in der Behandlung durch verschiedene andere Disziplinen genutzt werden kann bzw. dessen Erkenntnisse in anderen Bereichen wertvoll sind, um Phänomene dort zu beschreiben. Aber niemand wird deswegen eine Behandlung mit Tabletten als eine psychologische Behandlung einstufen?

Ich halte es daher für schwierig zu sagen, "Trans* ist ein psychologisches Phänomen". Es ist nicht klar, was damit gemeint ist. Einig sind wir uns ja wohl darin, dass es keine nachweisbare Ursache in der Psychologie hat, richtig? Worauf ich mich auch noch einlassen würde, wäre zu sagen, dass einige Begleiterscheinungen durch die Psychologie beschrieben werden können. Auch in Ordnung und hilft vielleicht auch ein wenig, wenn es darum geht, Komorbiditäten abzuklären und zu behandeln.

Ich denke allerdings auch, dass man klar zwischen der Beschreibung von Phänomenen und dem Umgang damit trennen muss. Ich habe nichts dagegen, wenn die Psychologie Trans* erforscht. Ganz im Gegenteil, ist dies sicherlich begrüßenswert - genau wie es begrüßenswert ist, wenn weiterhin Biologie, Neurologie etc. etc. daran forschen. Doch wogegen ich mich klar wehre ist, dass, gerade zum aktuellen Zeitpunkt, irgendeiner dieser Wissenschaften eine Deutungshoheit zugesprochen wird, die Einfluss auf das Leben von Trans*-Menschen, insbesondere die medizinische Behandlung, zu nehmen versucht.

In der Arztpraxis findet keine Forschung mit Phänomenologie [3], sondern Behandlung statt - eine psychologische Behandlung von Trans* selbst gibt es nicht, allenfalls der Begleiterscheinungen. Sind Begleiterscheinungen behandlungsbedürftig, so kann ein Teil davon vielleicht durch die klinische Psychologie [4] behandelt werden. Andere fallen, wie uns allen bekannt ist, in den Bereich der Endokrinologie, Chirurgie etc. Das wiederum führt dann dazu, dass in einer psychologischen Behandlungssituation nicht mehr Trans* selbst in Frage gestellt werden darf, sondern es darf allerhöchsten danach gefragt werden, ob dadurch psychologisch behandlungsbedürftige Begleiterscheinungen vorhanden sind - und das hat, nur am Rande bemerkt, wieder nichts mit der oft angeführten Differentialdiagnose zu tun, denn diese setzt voraus, dass es psychopathologische Störungen mit gleichem oder sehr ähnlichen Bild wie Trans* gäbe. Davon ist man aber allgemein mittlerweile abgerückt, wie es das WMA Statement ja auch andeutet.

Auch muss man sich die Frage stellen, in wie weit überhaupt jemand zu einer solchen Untersuchung und Behandlung gezwungen werden darf. Stand heute haben wir einen Zwang, denn wir werden zunächst als "psychisch krank" eingestuft und praktisch dazu genötigt, zuerst das Gegenteil unter Beweis zu stellen.

Also ich halte die alleinstehende Aussage "Trans* ist ein psychologisches Phänomen" für problematisch. Es hängt stark von der Fragestellung ab, die man mit der Aussage beantworten möchte.

Liebe Grüße
nicole

[1] Psychologie
https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie
[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Verhaltensbiologie
[3]
https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie
[4]
https://de.wikipedia.org/wiki/Klinische_Psychologie
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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Re: TSG - Nein danke?

Post 58 im Thema

Beitrag von Marielle » Mi 21. Okt 2015, 01:00

Nabend,

es ist letztlich scheissegal, ob es ein biologisches, ein psychologisches, vielleicht ein soziologisches oder doch ein multilogisches Phänomen ist, mit dem wir alle zu tun haben. Der einzig diskutable Punkt ist, wie die Rechte und Bedürfnisse von Menschen so in den gesellschaftlichen Diskurs und in das gesellschaftliche Handeln integriert werden können, dass niemandem vermeidliches Leid zugemutet wird. Dafür sollten wir streiten; gegen die, die ihre Bedürfnisse als gottgegebene Ansprüche formulieren und sie höher bewerten, als die Bedürfnisse anderer Menschen.

Wir brauchen Herz und Verstand für anderes, als uns gegenseitig in Frage zu stellen, weil es ohnehin zuviele unter uns gibt, die sich selbst auf diese Weise bestätigen. Und weil es draussen noch viel zu viele gibt, die uns alle, völlig unabhängig von allen Phänomenen, zur Hölle wünschen.


Habt es gut, macht es gut,

Marielle

PS: Ja, ich weiss; manche_r wird denken "Ausgerechnet Marielle; die hat es grad nötig."

Der vorstehende Beitrag liegt darin begründet, dass ich sachlich relativ nahe bei Laras Aussagen bin, aber Anke als Person kenne, die die Positionen anderer Menschen und diese Menschen als solche akzeptiert. Ich mag nicht mit ansehen, wie ein Streit entsteht, der eigentlich keine genügende Grundlage hat.

PPS: Eigentlich überflüssig, aber sicherheitshalber: Mein Beitrag bezieht sich nicht auf Nicoles Beitrag. Den habe ich erst nachher gelesen und ich unterstütze ihn sehr weitgehend.
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

Anke
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Re: TSG - Nein danke?

Post 59 im Thema

Beitrag von Anke » Mi 21. Okt 2015, 07:34

LaraC hat geschrieben: Du weißt nicht mal, was "psychologisches Phänomen" bedeutet, oder? Das macht die Diskussion dann natürlich schwer bis unmöglich..
Hallo Lara,

einer anderen gleich im Eingangsstatement die Kompetenz abzusprechen ist für mich unmöglich.

Ich möchte dich doch dringend bitten auf derlei künftig zu verzichten.

Gruß

Anke
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Anke
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Re: TSG - Nein danke?

Post 60 im Thema

Beitrag von Anke » Mi 21. Okt 2015, 08:35

nicole.f hat geschrieben:
Ich denke allerdings auch, dass man klar zwischen der Beschreibung von Phänomenen und dem Umgang damit trennen muss. Ich habe nichts dagegen, wenn die Psychologie Trans* erforscht. Ganz im Gegenteil, ist dies sicherlich begrüßenswert - genau wie es begrüßenswert ist, wenn weiterhin Biologie, Neurologie etc. etc. daran forschen. Doch wogegen ich mich klar wehre ist, dass, gerade zum aktuellen Zeitpunkt, irgendeiner dieser Wissenschaften eine Deutungshoheit zugesprochen wird, die Einfluss auf das Leben von Trans*-Menschen, insbesondere die medizinische Behandlung, zu nehmen versucht.
Hallo,

das drückt besser aus, worauf ich hinaus wollte, Vielen Dank Nicole!

Wobei ich sehr hoffe, dass sich die Studienqualität insbesondere in allen Forschungsbereichen endlich mal verbessert. Aber das ist ein anderes Thema.

Vielleicht braucht es auch einen interdisziplinären Forschungsansatz, der Transsexualität als eigenständiges Phänomen mit unterschiedlichen Facetten betrachtet und sich in den unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen bedient.

Wichtiger ist in der Tat, dass die Deutungshoheit der Psychologen und Psychiater weg muss. Passiert das nicht, dann befürchte ich, dass die Pathologisierung nicht aufhört und statt dessen immer nur wieder in neuem Gewand daherkommt. Im Kontext TSG ist das eher erreichbar, als im Kontext der medizinischen Maßnahmen, da stimme ich Nicole zu. Trotzdem sollte auch an diesem Ziel gearbeitet werden.

Liebe Grüße

Anke
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