TSG - Nein danke?
TSG - Nein danke? - # 8

Hilfe und Selbsthilfe
Antworten
nicole.f
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 719
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 11:04
Geschlecht: trans* Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Siegen
Membersuche/Plz: Siegen
Hat sich bedankt: 33 Mal
Danksagung erhalten: 477 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: TSG - Nein danke?

Post 106 im Thema

Beitrag von nicole.f » Fr 1. Dez 2017, 21:21

Ihr Lieben,
ihr werdet es sicherlich bereits mitbekommen haben, das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat meine Verfassungsbeschwerde nicht zur Verhandlung angenommen, hier die kurze und längere Fassung der Pressemeldung des BVerfG dazu:

https://www.dpin.de/nf/wp-content/uploa ... 103-17.pdf
https://www.dpin.de/nf/wp-content/uploa ... 747_17.pdf

Das ist natürlich eine herbe Enttäuschung für uns alle, dazu auch ein kleines Interview mit mir in der TAZ:

http://taz.de/Trans-Aktivistin-ueber-BV ... /!5466309/

Nach dem im Großen und Ganzen eigentlich recht positiven Urteil zur Dritten Option nur wenige Wochen zuvor, ist die Ablehnung der Beschwerde ohne überhaupt ein Verfahren zu eröffnen, eine fiese Klatsche. Es rückt damit aber auch das Urteil zur Dritten Option in ein etwas anderes Licht. Wir müssen genau lesen, denn das BVerfG schreibt darin, dass alle Folgerungen nur für jene Menschen gelten mögen, die "sich in ihrer geschlechtlichen Entwicklung nicht eindeutig zuordnen lassen". Erstens "zuordnen lassen" ist wieder eine Fremdbestimmung und zweitens zeigt dieser Satz eindeutig in Richtung einer medizinischen Voraussetzung, also einer Inter* Diagnose mit somatischen Belegen. Hier ist die Hintertür für den Gesetzgeber! Schon heute ist es so, dass die Regelungen der Änderung des Personenstandsrechts vom März 2013 nur für diagnostizierte Inter* Personen gelten. Es gibt eine Liste von dafür anwendbaren Inter* Diagnosen, die in den vergangen Jahren, so hört man, auch immer kürzer geworden ist!

Es gibt jedoch auch zwei positive Aspekte an der Entscheidung der Ablehnung. Erstens sagt das BVerfG klar, das trans* selbst nicht krank ist. Zudem zeigt es die Grenzen der Begutachtung noch einmal klar auf. Inwieweit man in der Praxis damit etwas anfangen kann, bleibt abzuwarten. Die richterliche Freiheit ist, aus gutem Grund, nur schwer angreifbar.

Leider ist jetzt damit der Rechtsweg ausgeschöpft. Das BVerfG hat die Entscheidung für endgültig erklärt. Eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wäre nun zwar noch möglich, doch wenig aussichtsreich, denn gerade erst im April hat dieser im Rahmen eines Urteils gegen die Sterilisationspflicht entschieden:

https://tgeu.org/echr_end-sterilisation/

Darin sagt der EGMR klar, dass sie psychologische und sogar medizinische Begutachtungen zur Erlangung der rechtlichen Anerkennung der persönlichen geschlechtlichen Identität nicht für einen Verstoß gegen EU Grund- und/oder Menschenrechte erachten.

Was bleibt jetzt noch?

Nun, der Gesetzgeber hat bis zum 31.12.2018 Zeit, das Personenstandsrecht zu überarbeiten. Wir müssen nun darauf achten und dafür eintreten, dass nicht nur Personen mit einer staatlich anerkannten Inter* Diagnose ein Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung erhalten, sondern alle Menschen! Wir haben dafür recht genau ein Jahr Zeit... die Uhr tickt.

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
dgti: http://www.dgti.org/beratungsstellen.html#nrw

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13577
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 688 Mal
Danksagung erhalten: 5110 Mal
Gender:

Re: TSG - Nein danke?

Post 107 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 1. Dez 2017, 21:51

Guten Abend nicole,

schön, Dich mal wieder bei uns zu sehen )))(:

Zu dem von Dir angesprochenen Thema haben wir schon eine Diskussion in Gang gesetzt: http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... 47&t=15052

Herzliche Grüße
Anne-Mette

nicole.f
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 719
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 11:04
Geschlecht: trans* Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Siegen
Membersuche/Plz: Siegen
Hat sich bedankt: 33 Mal
Danksagung erhalten: 477 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: TSG - Nein danke?

Post 108 im Thema

Beitrag von nicole.f » Fr 1. Dez 2017, 21:59

Danke ;)

Hab's auch gerade gesehen... dachte aber hier der Vollständigkeit halber das dennoch sozusagen für's Erste abzuschließen.
Was ein Mist...

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
dgti: http://www.dgti.org/beratungsstellen.html#nrw

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13577
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 688 Mal
Danksagung erhalten: 5110 Mal
Gender:

Re: TSG - Nein danke?

Post 109 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 1. Dez 2017, 23:44

Moin,

nein, ist doch in Ordnung; ich habe es nur gesagt/geschrieben "der Vollständigkeit halber" - und dass Du siehst, dass wir die Angelegenheit auch von uns aus beobachtet und kommentiert haben.

Gruß
Anne-Mette

nicole.f
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 719
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 11:04
Geschlecht: trans* Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Siegen
Membersuche/Plz: Siegen
Hat sich bedankt: 33 Mal
Danksagung erhalten: 477 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: TSG - Nein danke?

Post 110 im Thema

Beitrag von nicole.f » Sa 1. Dez 2018, 20:05

Ich hatte ja versprochen, über das Weitere Vorgehen zu berichten. Nun, seit gut einem Jahr bin ich beruflich sehr eingespannt. Was einerseits gut ist, ich habe das Glück einen guten Job zu haben, was mich aber leider fast völlig vom trans* Aktivismus fern hält - und in Anbetracht der vielen nach wie vor nicht gelösten Probleme schmerzt mich das sehr. Doch die Sicherung des Lebensunterhalts und etwas Vorsorge müssen leider sein, solange ich gerade die Chance dazu habe.

Beruflich bin ich jetzt auch wieder tüchtig international unterwegs, im Europäischen Umland, aber auch China und zu zuletzt viel in den USA. Es kann sogar durchaus sein, dass ich im kommenden Jahr immer mal wieder für längere Zeit (einige Monate) in die USA darf / muss.

Reisen ohne korrigierte Papiere nach TSG ist im Allgemeinen, meinen nun zahlreichen Erfahrungen nach, eigentlich kein Problem. Einzig wichtig ist, dass das Bild im Pass mit der aktuellen Erscheinung überein stimmt. Der Rest der Eintragungen interessiert in aller Regel niemanden, vor allem ob ggf. der Name scheinbar nicht mit der persönlichen Erscheinung übereinstimmen könnte oder der Geschlechtseintrag scheinbar unpassend erscheinen könnte. So professionell sind die alle, dass die das einfach nicht interessiert, die wissen, das man einen Menschen nicht auf ein Buchstaben reduzieren kann und sollte.

Also könnte ja alles dufte sein? Warum etwas ändern?

Das Problem ist, dass man es nicht immer nur mit gut ausgebildeten Leuten zu tun hat, sondern in den jeweiligen Ländern unter Umständen auch schon einmal mit Menschen, die mit einer gefühlten Diskrepanz zwischen Erscheinung und Papieren nicht zurechtkommen und einem dann unter Umständen sehr übel mitspielen könnten. Im Europäischen Ausland ist das kaum ein Problem, da die rechtliche Situation und Schutz fast überall gleich ist. In China fühle ich mich auch sehr sicher, da dort Personen aus dem Westen, gerade aus Europa/Deutschland ein hohes Ansehen genießen. Doch in den USA bekomme ich ein zunehmend beklemmendes Gefühl. Je nach Bundesstaat könnte ich wegen des Besuchs einer öffentlichen Toilette mehrere Tausend Dollar Strafe zahlen müssen - oder ein paar Tage Gefängnis riskieren. Medizinische Behandler_innen dürfen LSBT* Menschen die Behandlung verweigern - aus Gewissensgründen, das ich nicht lache. Was für ein Gewissen ist das denn? Und seit Trump diese unsägliche Geschlechtsdefinition "Genitalien bei Geburt" auf den Tisch gebracht hat, sind trans* Personen ernsthaft gefährdet.

Das einzige was mich dann noch vor Willkür schützen würde, sind korrekte Papiere, ein Ausweis, eine Geburtsurkunde die eindeutig belegen, dass ich weiblich bin und nicht in einen Männer-Knast gehöre, sollte es mal soweit kommen. Die armen trans* Amerikaner_innen, die ihre Urkunden nicht (mehr) ändern können. Auch wenn es ein mieses Verfahren ist, ich kann, ich kann das TSG in Anspruch nehmen und sehe mich mehr und mehr dazu genötigt. Sollte ich nächstes Jahr in der Tat ein Visum für längeren Aufenthalt beantragen (müssen), dann möchte ich das auf jeden Fall mit dem richtigen Namen und dem richtigen Geschlechtseintrag.

Ach, schade, dass es soweit kommen muss. Ich hatte wirklich Hoffnung, nach den Gutachten der IMAG, mit meinem Verfahren zum BVerfG, dem BVerfG Urteil zur Dritten Option, der Menschenrechtsrüge für Deutschland, der internationalen Entwicklung in so vielen Ländern, ich hatte wahren Hoffnung, dass sich auch hier endlich etwas bewegen könnte! Aber nein.

Aber ja, ich bin auch froh, dass wir wenigstens das TSG haben, sonst wäre alles noch schlimmer. Aus gut unterrichteten Kreisen habe ich erfahren, dass im kommenden Jahr das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) und Bundesjustizministerium (BMJ) einen neuen Anlauf zu einer TSG Reform starten wollen. Immerhin. Ich wünsche viel Erfolg! Wenngleich ich nicht daran glaube. So etwas zu entwickeln dauert eine Legislatur und sollte die Regierung überleben, dann ist die halbe Legislatur bereits vorbei, d.h. das endet höchstens (mal wieder) mit einem weiteren Gesetzesvorschlag, der nicht umgesetzt wird, weil die Zeit fehlt und in der nächsten Legislatur nicht mehr angefasst wird - weil er kam ja von der vorherigen Regierung. Zudem sind BMFSFJ und BMJ die falschen Ministerien. Für Personenstandsfragen ist das Bundesinnenministerium (BMI) zuständig, so wie jetzt auch für die Dritte Option. Ein Vorstoß von BMJ und BMFSFJ ist daher meiner Meinung nach von vorne herein dazu verurteilt, nicht umgesetzt zu werden. Hoffen wir, dass in der Zwischenzeit nicht irgendein Voll-Honk auf die Idee kommt, das TSG einfach ersatzlos zu streichen. Zutrauen würde ich es diesen Nixblickern. Aus den Kommentaren zur Anhörung zur Dritten Option liest man sehr deutlich, dass sich die meisten Politiker_innen vor der Anhörung kein Stück mit dem Thema beschäftigt hatten. Warum sollten sie und andere es dann jetzt auf einmal?

Also werde ich wohl Zähne knirschend einen Antrag stellen. Doch soviel kann ich sagen, ich werde mich dafür nicht zum Affen machen, ich werde keine ausschweifende Lebens- und "Leidensgeschichte" verfassen und ich werde ganz bestimmt nicht klischeehaft weiblich zu den Gutachten oder Richtergespräch erscheinen. Ich werde intime Fragen nicht beantworten, unter Verweis auf die Begründung des BVerfG zu meiner Beschwerde - es tut nichts zur Sache. Dieser Erwartungshaltung werde ich widerstehen - hoffentlich. Und sollte sich das tatsächlich negativ auf mein TSG Verfahren auswirken, dann klage ich wieder vor dem BVerfG, denn dann wäre ich beschwert (so sagen es die Jurist_innen, dann ist mir ein Schaden entstanden).

So sieht's aus. Es könnte schlimmer sein, aber toll ist es auch nicht und ich bin enttäuscht, dass sich in den vier Jahren (!!! Was !?!!!) seit dem ich diesen Thread eröffnet hatte in der Tat effektiv nichts verändert hat. Das ist ganz schön frustrierend.

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
dgti: http://www.dgti.org/beratungsstellen.html#nrw

heike65
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 276
Registriert: Mo 23. Jul 2018, 20:51
Geschlecht: w
Pronomen: du
Wohnort (Name): Kappeln
Membersuche/Plz: 24376
Hat sich bedankt: 61 Mal
Danksagung erhalten: 96 Mal

Re: TSG - Nein danke?

Post 111 im Thema

Beitrag von heike65 » Sa 1. Dez 2018, 20:59

Ich kann ja nur von mir sprechen, wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, die Gespräche mit den Gutachtern/innen waren sehr unterhaltsam, ich würde beide gern auch im privaten Rahmen näher kennenlernen wollen.

Viel Erfolg
Heike

nicole.f
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 719
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 11:04
Geschlecht: trans* Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Siegen
Membersuche/Plz: Siegen
Hat sich bedankt: 33 Mal
Danksagung erhalten: 477 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: TSG - Nein danke?

Post 112 im Thema

Beitrag von nicole.f » Sa 1. Dez 2018, 22:05

Das ist prima, wenn Du unbeschadet aus den Begutachtungen hervorgegangen bist!

Doch das ist leider nicht immer der Fall und wegen der Fälle, in denen es nicht gut geht, möchte ich mich eigentlich dafür einsetzen, dass dieses sinnlose Verfahren endlich abgeschafft wird. Jetzt kann ich hier natürlich viel behaupten, von wegen sinnlos, schadhaft etc. und immer wieder werden praktische Erfahrungen wie von Dir dagegen sprechen können. Doch es gibt eben auch schadhafte Erfahrungen, von denen man leider nicht soviel liest oder hört, aus Scham oder weil es wirklich intime Verletzungen sind, die dabei passieren. Leider kenne ich aber solche Beispiele aus meiner Beratung und diese machen mich sehr traurig. Persönlich hätte ich mit diesen Situation kein so großes Problem, ich bin gefestigt und stark genug, dies zu verkraften und wegzustecken. Doch dieses Glück und Privileg haben nicht alle.

Die Zeit vor der Begutachtung bringt viele in einen sehr verletzlichen Zustand, ständige Rechtfertigung, ständige Infragestellung, das Finden der eigenen Identität und das alles in einer Umgebung mit rein binären geschlechtlichen Konzepten, die für viele trans* Menschen nicht wirklich passen. Manche fügen sich dem Druck und für manche wird dieses Korsett auch bald zu einer Stütze. Gratulation, für die bei denen es funktioniert! Sie können die Anforderungen und Klischees eines TSGs bedienen. Andere sind vielleicht sogar glücklich über die Beschreibungen, die ihre Gutachter_innen über sie schreiben. Doch für andere ist dies mindestens genauso falsch, wie das Geschlecht, welches ihnen bei Geburt zugewiesen wurde. Sie finden sich darin nicht wieder, es widerstrebt ihnen und sie verbiegen sich nur, ja nur um das Papier zu bekommen.

Was ich meine?
Aktuell kämpfe ich mit einer Klientin deren Antrag nach TSG vom AG abgelehnt wurde, weil einer der Gutachter schrieb, dass sie noch nicht seit drei Jahren als Frau lebe. Das dies gar nichts mit dem TSG und dem Verfahren zu tun hat, ist ihm egal und er will daran auch nichts ändern. Der Richter nahm diesen Halbsatz zum Anlass, den Antrag abzulehnen, obwohl die Normen des TSG dies gar nicht fordern. Meine Klientin ist natürlich völlig zerstört.
Ein anderer Klient war fassungslos und depressiv verstört, nachdem sein Gutachter nicht ablassen wollte, die Sexualität meines Klienten in dem Gutatchten ausführlich zu beschreiben und eine lesbisch dominante Ursache zu konstruieren. Dies ist nicht Begutachtungsgegendstand und hat in dem TSG Gutachten nichts zu suchen, trotzdem wurde so seine Sexualität schriftlich im Guatchten und Akten festgehalten und liegen in einem amtlichen Archiv. Intime Details, die niemanden etwas angehen.
Eine weitere Klientin, die seit längerem offen lebt und, ohne Übertreibung, schlicht "stealth" ist, also im Alltag nie als trans* erkannt wird, wurde von ihrem Gutachter derart intensiv und impertinent aus- und hinterfragt, dass sie anschließend begann an sich selbst zu zweifeln - zum Glück nur kurz, aber sie tat es, sie wurde dazu genötigt.
Eine Gutachterin erklärte bei einer Fachveranstaltung offen, dass sie ein Problem damit hat, wenn ihre Klient_innen nicht stereotypisch Geschlechterrollen bedienen, dann wären diese für sie nicht glaubwürdig und damit hätte sie dann ein Problem, positive Begutachtungen durchzuführen.

Das muss aufhören!

Das Bundesverfassungsgericht hat eindeutig festgestellt, dass geschlechtliche Selbstbestimmung ein Grundrecht ist.
Beliebigkeit durch Gutachter_innen und Gerichte sind Grundrechtsverstöße!
Intime Ausforschungen im Rahmen der Gutachten sind ungesetzlich (das TSG fordert es nicht) und Menschen verachtend!
Niemand darf sich für seine Geschlechtsidentität rechtfertigen müssen. Niemals!

Deswegen müssen die Gutachten weg.

Gut für alle, die es heil überstanden haben.
Aber das sind nicht alle und jede_r Einzelne die dadurch auch nur kleine Schäden davon getragen hat, ist eine_r zuviel.
Staatlich sanktionierte Grund- und Menschenrechtsverstöße sind nicht akzeptabel, niemals.

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
dgti: http://www.dgti.org/beratungsstellen.html#nrw

MichiWell
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2961
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: Leipzig - Chemnitz - Gera
Hat sich bedankt: 1404 Mal
Danksagung erhalten: 2094 Mal

Re: TSG - Nein danke?

Post 113 im Thema

Beitrag von MichiWell » Sa 1. Dez 2018, 22:47

Hallo Nicole,

obwohl nicht persönlich betroffen, kann ich dir nur vollumfänglich zustimmen. Die Art und Weise, wie Menschen zum Teil von den Gutachtern behandelt werden, ist eine Schande. Und ganz gleich, ob es Viele oder nur Wenige betrifft, diese Praxis muss beendet werden. Statt dessen sollte man Menschen, ob trans*, normal oder was auch immer die Möglichkeit einräumen, zu einem Psychologen zu gehen, wenn sie Hilfe brauchen. Und das nicht erst in einem halben Jahr, wenn mal ein Termin frei ist, sondern sofort.

Danke für deinen Einsatz. (yes)

Liebe Grüße
Michi
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

heike65
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 276
Registriert: Mo 23. Jul 2018, 20:51
Geschlecht: w
Pronomen: du
Wohnort (Name): Kappeln
Membersuche/Plz: 24376
Hat sich bedankt: 61 Mal
Danksagung erhalten: 96 Mal

Re: TSG - Nein danke?

Post 114 im Thema

Beitrag von heike65 » Sa 1. Dez 2018, 22:53

Ich finde deinen Kampf durchaus bewundernswert und gut, aber du hast ja nun einmal das Problem mit den Reisen ins außereuropäische Ausland, und wenn ich dich richtig verstanden habe reizt dich dein Job, er ist auch lukrativ etc.
Knackpunkt ist so ich denn alles richtig verstanden habe, die USA unter Trump und die damit verbundenen Probleme oder Gefahren. Schau doch den Realitäten ins Auge, kannst dich auf das TSG verfahren einlassen, oder das Risiko eingehen in Good old USA unter Trump im Knast zu landen, oder nen anderen Job zu suchen.
Ich kann es verstehen und mehr wie nachvollziehen das das Gutachterverfahren zu durchlaufen eine persönliche Niederlage darstellt, aber die Realitäten sind gegeben, ein TSG wie es dir vorschwebt wird es so schnell nicht geben.

nicole.f
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 719
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 11:04
Geschlecht: trans* Frau
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Siegen
Membersuche/Plz: Siegen
Hat sich bedankt: 33 Mal
Danksagung erhalten: 477 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: TSG - Nein danke?

Post 115 im Thema

Beitrag von nicole.f » So 2. Dez 2018, 02:59

Nur damit das nicht missverstanden wird, es geht mir beim Kampf gegen die Begutachtung nicht um mich. Ich weiß genau zu welchen Gutachter_innen ich gehen müsste und weiß genau, dass das keine unangenehmen Gespräche würden. Ich weiß, wie ich den Antrag zu stellen haben und was dazu gehört. Ich würde daraus, zwar echauffiert, aber unbeschadet hervorgehen. Auch die Kosten wären für mich ärgerlich, aber kein Problem.

Nein, es geht mir hier um das Prinzip - und das ich mich kenne. Mein Elan Dinge verändern zu wollen lässt leider dramatisch nach, wenn es mich nicht mehr direkt betrifft. Sollte ich also in der Tat einknicken und die Prozedur über mich ergehen lassen, dann habe ich einen nur noch deutlich geringeren Druck, mich weiter dagegen einzusetzen. Und ja, ich kann es nicht verleugnen, ich hätte auch das Gefühl verloren zu haben, klein bei gegeben zu haben. Das schmerzt.

Ich warte jetzt noch ein wenig, bis Ende des Jahres, bis endlich ein Gesetz zur Dritten Option beschlossen ist. Vielleicht geschieht noch ein Wunder es wird doch trans* inklusiv und ohne Gutachten? Und ich werde abwarten, wie sich der Job weiter entwickelt und ob ich wirklich mehr und länger in die Staaten muss. Nächste Woche bin ich wieder bis Weihnachten in Kalifornien, wo in jedem Betrieb die Arbeiter_innenrechte ausgehängt werden müssen, so wie bei uns das Jugendschutzgesetz in Kneipen. In Kalifornien gehören dazu auch die Antidiskriminierungsrechte für Transgender - wie großartig ist das denn!? Die hängen dort in jedem Betrieb - jedem! Sie müssen! Stell sich mal einer vor, die Kernsätze des AGG müssten hier in jedem Betrieb ausgehängt werden? Kalifornien ist recht sicher für uns.

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
dgti: http://www.dgti.org/beratungsstellen.html#nrw

VanessaL
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 698
Registriert: Mi 8. Feb 2017, 13:34
Geschlecht: weiblich
Pronomen: bitte „SIE“
Membersuche/Plz: 61
Hat sich bedankt: 637 Mal
Danksagung erhalten: 628 Mal
Gender:

Re: TSG - Nein danke?

Post 116 im Thema

Beitrag von VanessaL » So 2. Dez 2018, 06:22

https://www.gesetze-im-internet.de/tsg/ ... G000400311

Guten Morgen,

ich bin ja etwas unbedarft an das Thema herangegangen. Ich habe die Diskussion über das TSG im "Bekanntenkreis" verfolgt und es ist für mich eindeutig nicht mehr Up-To-Date! Aber, es gibt zumindest ein Verfahren, das es Transidenten Menschen ermöglicht Ihren Weg auch formaljuristisch zu gehen.

Erster Abschnitt
Änderung der Vornamen
§ 1 Voraussetzungen

(1) Die Vornamen einer Person sind auf ihren Antrag vom Gericht zu ändern, wenn
1. sie sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen Geschlecht, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet und seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben,
2. mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass sich ihr Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird, und
3. sie
a) Deutscher im Sinne des Grundgesetzes ist,
b) als Staatenloser oder heimatloser Ausländer ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat,
c) als Asylberechtigter oder ausländischer Flüchtling ihren Wohnsitz im Inland hat oder
d) als Ausländer, dessen Heimatrecht keine diesem Gesetz vergleichbare Regelung kennt,
aa) ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt oder
bb) eine verlängerbare Aufenthaltserlaubnis besitzt und sich dauerhaft rechtmäßig im Inland aufhält.
(2) In dem Antrag sind die Vornamen anzugeben, die der Antragsteller künftig führen will.
....

§ 4 Gerichtliches Verfahren

(1) Auf das gerichtliche Verfahren sind die Vorschriften des Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit anzuwenden, soweit in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt ist.
(2) Das Gericht hört den Antragsteller persönlich an.
(3) Das Gericht darf einem Antrag nach § 1 nur stattgeben, nachdem es die Gutachten von zwei Sachverständigen eingeholt hat, die auf Grund ihrer Ausbildung und ihrer beruflichen Erfahrung mit den besonderen Problemen des Transsexualismus ausreichend vertraut sind. Die Sachverständigen müssen unabhängig voneinander tätig werden; in ihren Gutachten haben sie auch dazu Stellung zu nehmen, ob sich nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft das Zugehörigkeitsempfinden des Antragstellers mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ändern wird.
(4) ...
Soweit OK, in Bezug auf die Gutachten eher fragwürdig. Ich frage mich auch wo den jetzt der Ermessensspielraum des Richters ist .... und erst Recht, auf welcher Grundlage denn so ein Gutachten inhaltlich erstellt wird Denn eigentlich würde ja nach einer Begutachtung ein Zweizeiler reichen, oder ein Formular JA ( )/Nein ( ) zum Ankreuzen. Das ist das Einzige, was im Grunde den Richter nachher interessiert (oder?). Dann wären wir ja auch bei verträglichen Kosten ...
By the way: Kennt jemand die offiziellen, inhaltlichen Anforderungen für die Gutachten? Würde mich wirklich interessieren. Normalerweise kenne ich es so, wer bestellt bezahlt! In diesem Fall bestelle ich nicht, sondern das Gericht. Wenn ich dann bezahlen soll, würde ich zumindest wissen für was ich bezahle ;)

Richtig schräg wird es dann aber bei:

Zweiter Abschnitt
Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit
§ 8 Voraussetzungen

(1) Auf Antrag einer Person, die sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet und die seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben, ist vom Gericht festzustellen, daß sie als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, wenn sie
1. die Voraussetzungen des § 1 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 erfüllt,
2. (weggefallen)
3. dauernd fortpflanzungsunfähig ist und
4. sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist.
(2) In dem Antrag sind die Vornamen anzugeben, die der Antragsteller künftig führen will; dies ist nicht erforderlich, wenn seine Vornamen bereits auf Grund von § 1 geändert worden sind.
Fußnote

§ 8 Abs. 1 Nr. 3 u. 4: Nach Maßgabe der Entscheidungsformel mit GG unvereinbar und bis zum Inkrafttreten einer gesetzlichen Neuregelung nicht anwendbar gem. BVerfGE v. 11.1.2011 I 224 - 1 BvR 3295/07
§ 8 Abs. 1 Nr. 1: Nach Maßgabe der Entscheidungsformel mit d. GG unvereinbar und daher nichtig, BVerfGE v. 16.3.1982 I 619 - 1 BvR 938/81 -


§ 9 Gerichtliches Verfahren

(1) Kann dem Antrag nur deshalb nicht stattgegeben werden, weil der Antragsteller sich einem seine äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff noch nicht unterzogen hat oder noch nicht dauernd fortpflanzungsunfähig ist, so stellt das Gericht dies vorab fest. Gegen die Entscheidung steht den Beteiligten die sofortige Beschwerde zu.
(2) Ist die Entscheidung nach Absatz 1 Satz 1 unanfechtbar und sind die dort genannten Hinderungsgründe inzwischen entfallen, so trifft das Gericht die Entscheidung nach § 8. Dabei ist es an seine Feststellungen in der Entscheidung nach Absatz 1 Satz 1 gebunden.
(3) Die §§ 2 bis 4 und 6 gelten entsprechend; die Gutachten sind auch darauf zu erstrecken, ob die Voraussetzungen nach § 8 Abs. 1 Nr. 3 und 4 vorliegen. In der Entscheidung auf Grund von § 8 und in der Endentscheidung nach Absatz 2 sind auch die Vornamen des Antragstellers zu ändern, es sei denn, daß diese bereits auf Grund von § 1 geändert worden sind.
Ich bin echt geschockt! Da wird der § 8 quasi durch Urteile pulverisiert, so dass nur noch der erste Satz übrig bleibt. Jeder "normale" Mensch kratzt sich da doch an den Hinterkopf und hat Fragezeichen im Gesicht. Im Grunde würde hier ja die Arbeitsbescheinigung bzw. Arbeitszeugnis des AG reichen?! Oder wieder so ein Zweizeiler, diesmal vom Hausarzt!?!

Man kann es am Ende drehen und wenden wie man möchte. Das Gesetzt ist eine legale Möglichkeit seinen Namen und Personenstand zu ändert (PUNKT).
Dennoch ist es total überholt! In Teilen sicher unmenschlich und finanziell für die arbeitende Bevölkerung äußerst ungerecht! Mir fehlen klare Anforderungen an die Gutachten und ich bezweifle, dass Gutachten in diesen Umfängen für den richterliche Entscheidung notwendig sind (da sie dann ja auch öffentlich und aktenkundig sind). Ein zweiseitige Stellungnahme sollte im Regelfall völlig ausreichend sein!
Persönlich finde ich, dass das Gesetz einen großen Haken hat! Die Hürden für die Namensänderung ist genauso groß, wie die Hürde für den Geschlechtseintrag. Ich fände es tatsächlich besser, wenn die Namensänderung wesentlich vereinfacht werden würde. Grade, im Alltagsleben und grade in den ersten drei "Erprobungs-"Jahren würde mir dies das Leben deutlich erleichtern und dann wäre auch die Krux mit dem dgti-Ausweis völlig überflüssig. Ach ja, aber dann würde im Ausweis und in Verträgen ja "Herr Vanessa B." stehen .... auch nicht hübsch, also warum gibt es überhaupt die Trennung in §4 und §8?

Ich glaube nicht, dass wir trotz der zahlreichen Aktivistinnen eine baldige Änderung bekommen, geschweige denn die Abschaffung des TSG. Und im Übrigen sind hier ja Interpersonen völlig außen vor. Also BITTE: eimal alles neu machen ...

In sofern, werde ich meine eigenen, persönlichen Erfahrungen mit diesem Gesetz machen ...

Liebe Grüße
Vanessa
Mein Geschlecht entsteht in Deinem Kopf.

MichiWell
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2961
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: Leipzig - Chemnitz - Gera
Hat sich bedankt: 1404 Mal
Danksagung erhalten: 2094 Mal

Re: TSG - Nein danke?

Post 117 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 2. Dez 2018, 09:21

nicole.f hat geschrieben:
So 2. Dez 2018, 02:59
Nein, es geht mir hier um das Prinzip - und das ich mich kenne. Mein Elan Dinge verändern zu wollen lässt leider dramatisch nach, wenn es mich nicht mehr direkt betrifft. Sollte ich also in der Tat einknicken und die Prozedur über mich ergehen lassen, dann habe ich einen nur noch deutlich geringeren Druck, mich weiter dagegen einzusetzen. Und ja, ich kann es nicht verleugnen, ich hätte auch das Gefühl verloren zu haben, klein bei gegeben zu haben. Das schmerzt.
Hallo Nicole,

diese Worte ... ich kann dich sehr gut verstehen. Ich bewundere dich für deinen Einsatz.

Tatsächlich geht es allen Menschen so, dass ihr Elan nachlässt, wenn sie etwas nicht mehr betrifft. Aber den wenigsten ist es auch bewusst, und noch weniger sind bereit da aktiv gegenzusteuern.


Liebe Grüße
Michi
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

MichiWell
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2961
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: Leipzig - Chemnitz - Gera
Hat sich bedankt: 1404 Mal
Danksagung erhalten: 2094 Mal

Re: TSG - Nein danke?

Post 118 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 2. Dez 2018, 09:43

VanessaL hat geschrieben:
So 2. Dez 2018, 06:22
[...] es gibt zumindest ein Verfahren, das es Transidenten Menschen ermöglicht Ihren Weg auch formaljuristisch zu gehen.

Soweit OK, in Bezug auf die Gutachten eher fragwürdig. Ich frage mich auch wo den jetzt der Ermessensspielraum des Richters ist .... und erst Recht, auf welcher Grundlage denn so ein Gutachten inhaltlich erstellt wird [...]

By the way: Kennt jemand die offiziellen, inhaltlichen Anforderungen für die Gutachten? [...]

Ich bin echt geschockt! Da wird der § 8 quasi durch Urteile pulverisiert, so dass nur noch der erste Satz übrig bleibt. Jeder "normale" Mensch kratzt sich da doch an den Hinterkopf und hat Fragezeichen im Gesicht. [...]

Man kann es am Ende drehen und wenden wie man möchte. Das Gesetzt ist eine legale Möglichkeit seinen Namen und Personenstand zu ändert (PUNKT).
[...]
Hallo Vanessa,

mit Blick auf das Problem, was ich mal anhand von ein paar zitierten Passagen zu illustrieren versucht habe, möchte ich mal versuchen, es auf den Punkt zu bringen:

Das TSG verschafft den Betroffenen keine Rechtssicherheit, keine Gerechtigkeit. Es erhebt vielmehr Willkür zu geltendem Recht. Es degradiert die Betroffenen zu Bittstellern, die allein vom Wohlwollen der Gutachter und Richter abhängig sind.

Dass du schreibst, dass sich jeder "normale" Mensch am Kopf kratzt, ehr zwar die Menschen, abder zumeist leider zu Unrecht. Den Allermeisten geht jedwedes Thema meilenweit am Arsch vorbei, so lange sie nicht persönlich oder zumindest mittelbar, also über Angehörige oder gute Bekannte, betroffen sind.

Isso! Leider.


Liebe Grüße
Michi
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 13577
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: InterS
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Hat sich bedankt: 688 Mal
Danksagung erhalten: 5110 Mal
Gender:

Re: TSG - Nein danke?

Post 119 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » So 2. Dez 2018, 10:46

Moin,

"reine Willkür" gilt nicht in allen Fällen, es ist eher so, wie es unser alter Chemie-Lehrer in seinen Beurteilungen sagte: "... es kommt darauf an...".
Mal ganz abgesehen davon, dass wir schon seit vielen Jahren fordern: "Weg mit der Zwangsgutachterei", können einige AntragstellerInnen das "ganz easy regeln:
kurzes Gespräch bei beiden GutachterInnen, kurzes Gespräch mit RichterIn - und schon "alles erledigt".
Allerdings kenne ich auch Fälle, wo die GutachterInnen die Antragsteller "am langen Arm haben verhungern lassen".
Ich habe etliche Anrufe von Menschen bekommen, die völlig unnötige Schwierigkeiten im Berufsleben hatten, weil sich die Angelegenheit sehr lange hingezogen hat.
Chef und MitarbeiterInnen: "so lange Du nicht Deine richtigen Papiere hast, kommst Du nicht als Frau/Mann und wir sprechen Dich auch nicht mit dem neuen Namen an!
... und Du gehst natürlich auf die richtige Toilette!"
Gutachter: "wenn Sie richtig transsexuell wären, dann würden Sie aber auch 100%ig als Frau/Mann leben...".

Wenn ich zurückblicke auf 11 Jahre Forumgeschichte, dann muss ich sagen, dass sich in den vielen Jahren nicht viel "für alle" getan hat.
Noch ist Mann und Frau davon abhängig, welche GutachterInnen ihre Stellungnahme abgeben. Was in dem einen Fall ganz easy läuft, kann in einem anderen Fall bei "anderer Besetzung" ganz anders aussehen.

Wir haben viel Lebens- und Arbeitszeit gegeben, um Veränderungen zu erreichen, haben Petitionen und Resolutionen unterzeichnet, mit PolitikerInnen gesprochen und ihnen geschrieben, wir haben uns vernetzt, wir haben Vorschläge gemacht, haben Info-Stände aufgebaut, Leserbriefe und Artikel geschrieben, Interviews gegeben, uns in Vereinen organisiert...
... aber wir sind nicht sehr weit gekommen. Immer noch ist es (auch) vom persönlichen Glück und von den persönlichen Lebensumständen abhängig, ob es reibungslos klappt oder auch nicht.

Dass der Elan bei einigen AktivistInnen weniger wird, kann ich verstehen. Das geht mir auch so. Das ist allerdings nicht nur fehlenden Erfolgserlebnissen geschuldet, sondern liegt auch daran, dass sich "persönliche Pflichten" verlagert haben und daran, dass ich ein Alter erreicht habe, in dem ich mich langsam frage:
"was soll da noch kommen - und WANN?"
Eben kam eine Einladung vom Dorfausschuss: NEIN, nicht zum Kleinweihnachtsabend der Frauen, sondern zur Senioren-Weihnachtsfeier (aber wir als Zwei-Frauen-Paar).

Gruß
Anne-Mette

Bianca D.
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2918
Registriert: Fr 1. Mai 2009, 18:02
Geschlecht: weibl.
Pronomen:
Wohnort (Name): Schacht Audorf/ Düsseldorf
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 623 Mal
Danksagung erhalten: 159 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: TSG - Nein danke?

Post 120 im Thema

Beitrag von Bianca D. » So 2. Dez 2018, 12:09

Moin Nicole,

danke für deinen unermüdlichen Einsatz in der Sache, der leider bisher noch nicht von Erfolg gekrönt wurde. Ich selbst habe damals auf leidvolle Art erfahren müssen, was diese Begutachtung für Auswirkungen hat und daher würde ich es für alle kommenden Generation von Trans Menschen begrüßen, wenn dieser Unsinn endlich abgeschafft würde. Rückblickend sind die Erinnerungen schon verblaßt, es bleibt das unangenehme Gefühl, damals etwas über sich ergehen lassen zu müssen, um etwas Größeres zu erreichen (leben mit korrekten Papieren, sich nicht bei jeder Polizeikontrolle erklären zu müssen, Reisefreiheit etc..).
nicole.f hat geschrieben:
Sa 1. Dez 2018, 20:05
Es kann sogar durchaus sein, dass ich im kommenden Jahr immer mal wieder für längere Zeit (einige Monate) in die USA darf / muss.

Oh weh, das würde ich nach Möglichkeit aber abbiegen. So lange die Trump Administration das Sagen auf der anderen Seite des Großen Teichs hat, setze ich keinen Fuß mehr in dieses an sich reizvolle Land. Denn auch korrekte Papiere schützen dich nicht bei der Einreise vor der Willkür der Homeland Security.
nicole.f hat geschrieben:
So 2. Dez 2018, 02:59
ch weiß genau zu welchen Gutachter_innen ich gehen müsste
Wieso kannst du die auswählen? Ich hatte damals zwei vorgeschlagen, davon wurde einer auch vom Gericht bestellt, der Andere jedoch nicht. Da hat das Gericht einen anderen genommen. Letzterer war dann auch derjenige, der während des Termins seine Befugnisse überschritten hat.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg im nächsten Jahr für dein Engagement für die Sache, aber auch für deinen eigenen Antrag.

LG Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial

Antworten

Zurück zu „Rat - Tat - Hilfe - LGBTI Rights - Infos“