Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?
Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

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Jana1971

Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 1 im Thema

Beitrag von Jana1971 » Do 19. Nov 2009, 17:34

Einfache Frage ist sicherlich was anderes, würde mich aber doch brennend interessieren.
Erblich bedingt kann meine Mutter bei der Geburt eine schwere Krankheit vererben, aber nur an Jungen. Es kam wie es kam, die Mutti wurde schwanger mit mir, und hoffte natürlich, dass es ein Mädchen wird. Ulrike hätte ich dann heissen sollen.
Bei der Geburt sagte die Hebamme Frau XXX, sie haben einen herrlichen, kräftigen Sohn geboren. Die Mutti bekam einen Heulkrampf. 5 Tage später konnte man damals 1971 in Hamburg bei Babys die Blutuntersuchung vornehmen und es stellte sich heraus, dass ich nicht betroffen bin. (Bluter Krankheit). Riesenglück, bin aber auch Sonntagskind.
Da ja nun aber während der Schwangerschaft immer nur gebetet wurde, bloss kein Junge, ob es da wohl möglich ist, dass mir gewissermaßen ein Teil Mädchen mitgegeben wurde?
Klingt jetzt wahrscheinlich alles super doof und albern. Ich würde mich über Antworten oder Einschätzungen jeglicher Art sehr freuen.
Liebste Grüße Eure Jana. :)

robotobo

Re: Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 2 im Thema

Beitrag von robotobo » Do 19. Nov 2009, 17:54

Hallo Jana,

die Genexpression bedeutet, dass es verschiedene Varianten gibt. Wenn die Furcht vorhanden war, äußert sie sich zunächst nach der Feststellung. Jungen sind ja öfter von Erbkrankheiten betroffen. Nur nicht alle werden davon wirklich betroffen. Da hast du Glück gehabt. Deine Mutter wird ihre Furcht über die Folgen der möglichen Krankheit gehabt haben, die erst nachgelassen hat, als sie wußte, du bist nicht von der Krankheit betroffen.

Wenn sie dich dennoch in den ersten Lebensjahren wie ein Mädchen behandelt hätte, dann könnte sich dies auf dein Verhalten übertragen. Der Psychoanalytiker Winnicott ist sogar der Meinung alle Menschen hätten zunächst eine weibliche Identität. Die meisten Jungen schaffen es aber sie dissoziativ von sich abzuspalten, ohne irgendwelche negative psychische Folgen erleben zu müssen. Bei manchen ist das anders. Sie haben ihre Weiblichkeit zwar auch abgespaltet, sie meldet sich aber immer wieder einmal aus dem Unbewußten. Oder, die Männer, die sich nur in junge Frauen verlieben, jagen ihrer eigenen Mädlichkeit nach, ohne es zu wissen. Siebzigjährige Männer, die sich mit Frauen einlassen, die höchstens gerade 30 sind, gehören zu solchen Kandidaten.

LG Robotobo

ExuserIn-2018-01-30
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Re: Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 3 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-01-30 » Do 19. Nov 2009, 18:02

Moin Jana!

Die Frage ist zwar durchaus berechtigt, aber ich meine sicher sagen zu können, daß es da keinen Zusammenhang gibt. Es gibt aber bei uns überraschend viele Gemeinsamkeiten.

Auch meine Eltern wünschten sich als zweites Kind ein Mädchen, einen Sohn hatten sie ja schon. Dazu kommt eine Erbkrankheit meines Vater, von der damals angenommen wurde, sie würde nur an männliche Nachkommen weitergegeben. Das ist zwar mittlerweile widerlegt, aber damals galt das als gesichert.

Naja, so ganz funktioniert hat das mit den pränatalen Wünschen nicht, sonst gäbe es Claudia so nicht und ich wäre nicht hier. Und der Wunsch, die Krqnkheit nicht weiterzugeben, hat sich leider auch nicht erfüllt, nun muß ich eben damit leben.

Aber, der Wunsch der Eltern hat sich mit der Geburt ja nicht völlig erledigt. Zwar können sie am Ergebnis nichts mehr ändern (hätten sie vorher auch nicht), aber der bleibt natürlich im Kopf und wirkt sich so auch auf das Verhalten und den Umgang aus. Meine Mutter hat mich immer ein wenig dazu angehalten, auch ein wenig im Haushalt mitzuhelfen. Das habe ich natürlich schon gern gemacht, weil es für gute Stimmung sorgte und ich mir dann auch in anderen Bereichen mal Ausrutscher erlauben konnnte. Und welches Kind hat es nicht gern, auch mal gelobt zu werden.

Da ich ein recht ruhiges und auch zurückhaltendes Kind war, paßte das ganz gut. Leider ist sie nie zum nächsten Schritt gekommen, mir dann auch die zu der Zeit (60er) passende Kleidung anzuziehen oder es mir zumindest anzubieten. Aber ich denke schon, daß viele meiner sehr weiblichen Eigenschaften aus dieser Richtung kommen. Das wurde gefördert, grobes männliches Verhalten gebremst wenn nicht verurteilt.

Tschüß
Claudia
Freiheit nutzt sich nur ab, wenn man sie nicht benutzt.
(Reinhard Mey)

Jana1971

Re: Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 4 im Thema

Beitrag von Jana1971 » Sa 21. Nov 2009, 18:21

Danke für die raschen Antworten.....
Jetzt sehe ich schon etwas klarer.
Bis bald Jana. :)

Anne-Mette
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Re: Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 21. Nov 2009, 20:19

Moin,

es ist schon schwer, so weit zurück zu blicken.
Als Erstgeborener war ich sicherlich als Junge richtig, obwohl meine Eltern mir verdeutlicht haben, dass ich zu früh gekommen bin und es nicht einfach war, gleich mit einem Kind zu beginnen :)
Ich habe mich allerdings nie so "geliebt" gefühlt wie meine Schwestern. Sie hatten auch eine Gemeinschaft, während ich als Junge etwas außenstehend war.
Ich war sicherlich kein typischer Junge. "Rowdytum" war mir zuwider; auch viele Sportarten. Das machte mich nicht besonders beliebt, wenn es um die Auswahl der Mannschaften ging :)
Ich habe mich schon sehr früh für das weibliche Geschlecht interessiert - aber nicht getraut, mich auf eine Experimentalebene zu begeben.
Ich weiß nicht, was meine Eltern sich gewünscht haben - mich als Mädchen sicherlich nicht :)
Leider war das Reden mit unseren Eltern über solche Themen nicht möglich. Bestimmt hätten sie sich eher jemanden "pflegeleicht" gewünscht?
Gruß
CPG

robotobo

Re: Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 6 im Thema

Beitrag von robotobo » Sa 21. Nov 2009, 21:06

Hi CPG,

bei mir war das etwas ähnlicher. Einige Jahre später bekam ich eine Schwester, die von meinen Eltern aus meiner Sicht auch beliebter war, obwohl sie mir später erzählt haben, im Unterschied der ersten beiden Lebensjahre wäre auch ich das viel ruhiges und eigenliebes Kind war. Wenn ich morgens aufwachte, merkten sie es nicht so schnell, weil ich mit meinen Stofftieren beschäftigt war und daher stets zufrieden und vergnügt war. Meine Schwester habe stets "Randale" gemacht.
Weiterhin bin ich in meinen ersten zehn Lebensjahren überwiegend im Kontakt mit Nachbarsmädchen, meiner Schwester und den Töchtern von Freundinnen meiner Mutter gewesen. Als ich neun war hat mich ein Nachbarsjunge, der allerdings etwas älter und auf der devianten Schiene war, aufgefordert aus diesem Murkskreis herauszukommen und er hat mich in einen Fußballclub mitgenommen. Vielleicht hängt ja diese Geschichte auch mit meinem heutigen Crossdressing zusammen.

LG Robotobo

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Re: Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » So 22. Nov 2009, 11:41

Moin,

vieles ist aus meinem Inneren gekommen, ohne dass es einen Anstoß von außen gab. Ich kann mich z.B. noch gut an eine Situation erinnern; ich muss damals so 8 Jahre alt gewesen sein - meine jüngere Schwester 6.
Wir waren mit unserem Vater mit seinem Boot unterwegs. Während meine Schwester bei ihm auf dem Schoß saß und sie gemeinsam das Boot steuerten, hatte ich große Freude daran, die Kajüte aufzuräumen und etwas netter zu gestalten. Das kam aus einem inneren Antrieb. Weder hat das jemand gesagt, noch gab es einen anderen Grund.
Ich fand es total faszinierend, dass so ein Boot eine Kajüte hat, eine kleine Wohnung, die man gemütlich machen kann. Ich übernahm also gern eine "weibliche Rolle" - nach meinem damaligen Verständnis.
Es gab auch andere Erfahrungen. Ich bin auch bei viel Wind und mit den verschiedensten Booten verantwortlich unterwegs gewesen.
Über die Anziehsachen gab es damals keine großen Diskussionen. Es wurde angezogen, was Mutter bei Quelle bestellte oder was im Nachbarort gekauft wurde.
Fasziniert war ich allerdings vom Quelle-Katalog, einerseits von den Seiten mit den Transistor-Radios, andererseits von der Damen-Unterwäsche-Abteilung :) In einer "ganz fernen Fantasie" habe ich mir mal vorgestellt, so etwas anzuziehen, aber daran war in den damaligen Zeiten nicht zu denken.

Gruß
CPG

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Re: Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 8 im Thema

Beitrag von Bianca D. » So 22. Nov 2009, 13:02

cpg hat geschrieben:Moin,

es ist schon schwer, so weit zurück zu blicken.
Als Erstgeborener war ich sicherlich als Junge richtig,

Ich war sicherlich kein typischer Junge. "Rowdytum" war mir zuwider; auch viele Sportarten. Das machte mich nicht besonders beliebt, wenn es um die Auswahl der Mannschaften ging :)

CPG

Hallöchen,

Willkommen im "Club"!Ging mir größtenteils auch so.Wenn ich hier so die verschiedenen Vorstellungspost´s und auch zu diesem Thema lese,kristallisiert sich aber doch ein in vielen Fällen ähnlicher Werdegang von uns Crossdressern heraus.Ungeklärt bleibt nur die Frage: Angeboren oder durch den Umgang im 1. Lebensjahrzehnt anerzogen?

LG Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial

Holinka

Re: Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 9 im Thema

Beitrag von Holinka » So 22. Nov 2009, 15:00

"Rowdytum" war mir zuwider; auch viele Sportarten. (CPG)
Also ich habe in der Schule meine Mitschüler stets gerne beim Fußballspiel umgetreten.
Aber ich bin ja auch nur Crossdresser geworden, und nicht "Möchtegern- Steffi".

Franka

Re: Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 10 im Thema

Beitrag von Franka » Mo 23. Nov 2009, 22:22

Ich habe als Junge immer gern Baumhäuser gebaut, Fische gefangen und mit Feuer gespielt.
Bin mit Flößen auf dem See rumgefahren und habe Fußball, Hockey, Eishockey und Judo gemacht.
Nur meine weibliche Seite hatte ich auch damals schon immer. Und das hat sich bis heute nicht geändert.
Bin immer noch gerne ein Mann, mit all seinen Clischees und ab und zu auch mal eine Frau.

Gruß Dahlia

Nicoletta
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Re: Eltern wünschten sich ein Mädchen, bin ich deshalb so?

Post 11 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Fr 14. Mai 2010, 13:52

Jana1971 hat geschrieben: bloss kein Junge, ob es da wohl möglich ist, dass mir gewissermaßen ein Teil Mädchen mitgegeben wurde?
Hallo, Jana,

irgendwie ähnelt die Geschichte der meinen. Ich bin 1948 in Bremen geboren, nicht gerade die beste Zeit, auf die Welt zu kommen. Geplant war ich nicht, schlechte Qualität der Präservative, sagt meine Mutter. Sie hat dann versucht, mich abzutreiben, klappte aber nicht. Das habe ich erst viel später erfahren, muss ich als Fötus aber ja wohl auch mitbekommen haben. Meine Großmutter hatte nur zwei Töchter und hatte sich immer einen Jungen gewünscht, meiner Mutter auch in Aussicht gestellt, dass sie sie hinauswerfen würde, wenn ich ein Mädchen würde. Ich denke manchmal, dass ich eigentlich ein Mädchen geworden wäre und nur der starke Wille meiner Mutter einen Jungen hat aus mir werden lassen. Das wäre meine erste Antwort auf die Frage des warum.

Zwei Jahre später kam meine Schwester zur Welt, ein Wunschkind. Von da an musste ich immer zurückstecken, denn ich war ja der Große, außerdem als Junge dazu verpflichtet, Kavalier zu sein. Meine Schwester wusste das anzunutzen. Wenn beim Spielen nicht alles nach ihrer Nase ging, musste sie sich nur bei meiner Mutter beschweren, dann bekam sie unbedingt recht. Ich lernte: Junge zu sein ist ganz schön, man ist immer der Angeschmierte.

Es existiert ein Foto von mir, als ich vielleicht vier Jahre alt war, im Kleidchen, mit Haarrolle. Meine Eltern hatten sich einen Spaß daraus gemacht, mich als Mädchen zurechtzumachen als große Schwester für die Kleine. Das ist wohl nur einmal passiert, hat mir aber sicher gefallen, denn da war ich auf einmal beliebt.

Mit weiblichen Rollen bin ich ohnehin aufgewachsen. Andere KInder zum Spielen gab es nicht, draußen sollte ich nicht sein wegen der "asozialen Gegend" (wir waren inzwischen in Düsseldorf). Ich spielte also mit Teddybären, Puppenstube, Kaufmannsladen usw. Und es hat mir immer gefallen.

Meine Mutter war immer die wichtigste Person, mein Vater arbeitete ja, und ich bekam wenig von ihm mit, und wenn ich etwas von ihm wollte, hieß es meist, ich sollte meine Mutter fragen. Ich lernte also: Frauen sind das starke Geschlecht. Daher kaum verwunderlich, wenn ich vorzugsweise in Stresssituationen als Erwachsener immer wieder zu Damenwäsche, Strumpfhosen und Röcken griff. Ich fühlte mich dann wohl, stark, in Einklang mit mir.

Ich will das gar nicht weiter ausführen, mir kam es nur darauf an zu bestätigen, dass wir auch nach meiner Einschätzung entscheidend zu dem geworden sind, was wir sind, weil die Mütter auch unbewusst so geprägt haben.

Liebe GRüße,

NIcoletta
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