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Christine75
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Post 1 im Thema

Beitrag von Christine75 » Do 14. Jun 2018, 08:37

Ich habe mich in letzter Zeit viel mit der Veränderung des Körpers (Hormontherapie, Epilation, GAOP) beschäftigt.
Mittlerweile frage ich mich, warum die meisten von uns ihren Körper verändern wollen. Das Gefühl eine Frau zu sein ist doch erst einmal unabhängig vom Körper.
Es gibt sicherlich welche unter euch, die ihren Körper als Belastung empfinden ihn hassen oder Teile davon. Doch was ist mit dem Rest?
Wollen wir unsere Körper nur deshalb verändern, weil wir das wollen, oder unterliegen wir nicht einfach nur dem gesellschaftlichen Zwang, optisch auszusehen wie eine Frau, um als Frau auch akzeptiert zu werden?
Zumal auch wir in unserer Kindheit und Jugend von diesem Frauenbild geprägt worden sind und unseren Körper deshalb ändern wollen, um unserem eigenen Bild von Weiblichkeit, was dem in der Gesellschaft gleicht, so nahe wie möglich zu kommen?
Hinzu kommt, das selbst wenn wir den Weg bis zur GAOP gegangen sind,wir den männlichen Körper nie ganz abstreifen können, da immer was von ihm durchschimmert. Große Hände, breites Kreuz, Körpergröße, Größe der Füße usw.
Also frage ich mich, ob der Wunsch, seinen Körper weiblicher zu gestalten, nicht zum großen Teil von aussen beeinflußt wird? Ich sehe das ganze nun aus meiner Sicht. Vielleicht hat jemand eine ganz andere Theorie?

Magdalena
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Re: Zweifel

Post 2 im Thema

Beitrag von Magdalena » Do 14. Jun 2018, 09:42

Hallo Christine,

danke für Deine Gedanken. Den genau diese Zweifel trage ich auch mit mir herum. Trotz allem was heute möglich ist, eine richtige Frau, werden, glaube ich zumindest, geht nicht. Denn noch immer tragen wir die männlichen Chromosomen in uns. Und bei einer DNA-Analyse ist das Ergebnis entsprechend. Es ist möglich komplett als Frau zu leben und anerkannt zu sein. Viele auch hier im Forum leben es uns vor. Und ich möchte es ihnen auch nicht abstreiten eine Frau zu sein. Und ich finde eine Veränderung sollte auch nicht einem gesellschaftlichen Zwang unterliegen. Nein jede/r sollte seine Entscheidung ganz genau prüfen, ob es für einen selber das Beste ist und nicht von Außenstehenden vorgegeben. Denn jede/r muss mit jeder Veränderung auch leben wollen, ja damit zurechtkommen. Vieles lässt sich nicht einfach so zurückgeben wie ein abgelegtes Kleid, welches in die Altkleiderspende gegeben werden kann.

Ja und eine Garantie, dass die eingeleiteten Veränderungen die Erfüllung sind und jetzt das Leben lebenswerter erscheint, kann niemand geben.

Viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.

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Re: Zweifel

Post 3 im Thema

Beitrag von Ha-Fem » Do 14. Jun 2018, 10:46

Hallo Christine,

der Wunsch, den Körper geschlechtlich anzupassen, wird durch einen schwer ertragbaren inneren Druck hervorgerufen oder verstärkt. So jedenfalls war es bei mir. Ich hatte nur noch den Gedanken, Frau sein zu wollen und konnte mich auf nichts anderes mehr konzentrieren. Ich lief wie mein Schatten neben mir her und nahm die Umwelt kaum wahr. Es war eine Situation, in der ich weder sinnvoll arbeiten oder denken konnte. Nach entsprechenden Arztgesprächen wurden mir Hormone verschrieben und ich fühlte mich nahezu schlagartig besser. Das Wachstum der Brust war gewünscht und willkommen und das veränderte Gefühlsleben mehr als schön. In dieser Phase überlegte ich dann, operative Veränderungen meines Körpers anzustreben. Aber ich merkte auch, dass ich mich so wie ich jetzt war (und bin) gut fühlte. In Anbetracht vorhandener OP-Risiken nahm ich Abstand von der gaOp. Ich war ja ohnehin so schon "angekommen" und fühlte mich ganz einfach gut.

Christine, ich schreibe das hier, um zumindest meine Beweggründe für eine körperliche Veränderung (durch Hormone) darzustellen. Sicher wird es vielen Betroffenen ähnlich ergangen sein. Einige finden ihr seelisches Gleichgewicht dann eben erst nach der gaOp wieder. Sie gehen den Weg zur Frau, so weit er eben von einem Menschen mit gebürtig männlichem Körper möglich ist.
Der seelische Druck ist letztendlich nur sehr schwer ertragbar und wohl in den meisten Fällen Auslöser für den Schritt zu körperlichen Veränderungen.

Liebe Grüße
Ann-Katrin
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...deshalb nimm mich auch so wie ich bin !

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Re: Zweifel

Post 4 im Thema

Beitrag von Nicola » Do 14. Jun 2018, 11:07

Liebe Christine, ich habe mir diese Fragen auch schon gestellt. Das Gefühl Frau zu sein kommt sicher von innen. Als Jugentliche_r hatte ich lange Haare und wurde immer wieder für ein Mädchen gehalten was ich sehr genoss, auch wenn mir zu dieser Zeit gar noch nicht wirklich bewusst war was mit mir los ist. Als ich älter wurde hatte ich kürzere Haare, habe sie jedoch gefärbt und orientierte mich von Haarschnitt an den Frauen. Je älter ich wurde desto mehr hatte ich mühe meinen Körper anzunehmen, das Kopfhaar wurde dünner und mein Aussehen entfernte sich immer mehr von dem einer Frau. Die Hormontherapie macht mich nicht jünger, aber die Tatsache, dass meine Körper und vor allem mein Gesicht wieder weiblicher aussehen gibt mir ein gutes Gefühl. Ich geniesse es auch wenn ich als Frau wahrgenommen werde, weil es sich für mich richtiger anfühlt, finde jedoch nicht, dass ich aus einem gesellschaftlichen Zwang heraus gehandelt habe.

Was die Epilation betrifft, kann ich für mich sagen, dass mich mein Bartwuchs schon immer gestört hat, die meisten dunklen Haare sind durchs lasern weg und seit bald einem Jahr gehe ich in die Nadelepilation. Diese zum Teil recht schmerzhafte Behandlung ist es mir wert, damit ich irgendwann mich nicht mehr rasieren muss.

Eine GAOP habe ich nicht vor, da es für mich kein grosses Problem ist einen Penis zu haben. Beim Badengehen wäre es schön keine Beule in der Hose zu haben, aber ich möchte meinem Körper keinen so grossen Eingriff zumuten. Eine Orchiektomie zu machen um mich Hormonell ganz umstellen zu könne war mir jedoch wichtig. Für andere ist eine GAOP jedoch sehr wichtig um sich körperlich gut zu fühlen, da sind die Empfindungen halt unterschiedlich.

Somit ist meine Meinung, dass der Wunsch seinen Körper weiblicher zu gestallten hauptsächlich von innen kommt. Ich denke es macht auch sinn das Ganze nicht zu schnell angehen anzugehen, sich bewusst sein das die Operationen noch keine perfekte Frau aus einem machen und sich jeden Schritt genau zu überlegen, was einem wichtig ist und nicht nur alles machen lässt nur weil einem die Krankenkasse es bezahl.

LG Nicola

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Re: Zweifel

Post 5 im Thema

Beitrag von Bea Magdalena » Do 14. Jun 2018, 11:32

Hallo zusammen,

Zweifel sind eine Schutzfunktion. Bei unumkehrbaren, oder sehr schwer rückgängig zu machenden Schritten absolut angebracht.
Auch mich plagen sehr viele Zweifel, aufgrund o.g. und vermutlich auch verstärkt durch das fortgeschrittene Lebensalter.
Körperlich zur Frau werden, ist im Grunde unmöglich, es ist lediglich eine bestmögliche Anpassung möglich, je männlicher der eigene Körper, umso schwieriger wirds.
Ganz anders sehe ich dies beim Charakter, da sind meiner Meinung nach alle Nuancen möglich.
Ich würde mein Wesen zeitlebens eher als weiblich beschreiben, hab aber leider einen ziemlich männlichen Körper.
Gleichzeitig sind wir sozial eingebunden in Familie, Freundeskreis, Arbeitskollegen und Gesellschaft.

Ich werde in ganz kleinen Schritten weitergehen, wo ich ankomme, kann ich nicht sagen. Auf alle Fälle werde ich mir Auszeiten gönnen, wie Karneval oder vergangenes Wochenende das XXL Treffen. Ebenso nähert sich meine männliche Erscheinung der weiblichen an, es besteht keine zu große Diskrepanz zwischen beiden, zumindest im Moment.

Durch Zweifel handle ich vorsichtig, ich finde das gut so, auch wenn ich zu Teil von ihnen geplagt werde.

Liebe Grüße
Bea
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Re: Zweifel

Post 6 im Thema

Beitrag von Christine75 » Do 14. Jun 2018, 11:46

trotz Silliconbrüsten und Rasur leichte Schminke und Frauenkleidung und schlanker Figur werde ich meist immer noch verstört angesehen. habe nun mal ein männlicheres Gesicht die kleine beule in der Hose und eine Körpergröße von 185cm.
Ich trage mittlerweile keine Perücke mehr. habe aber noch nicht so lange Haare. gerade bei heißem Wetter würd ich mich unter der Perücke kaputt schwitzen. Ich bin mir oft dann unsicher wenn andere mich dann aus den Augenwinkeln beobachten und auf meine brüste starren. manchmal denke ich ich laufe draußen am besten wieder komplett als Mann rum. aber auf der anderen Seite möchte ich als Frau wahrgenommen werden. Und das scheint nur darüber zu gehen, seinen männlichen Körper ssoweit wie möglich weiblicher erscheinen zu lassen.

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Re: Zweifel

Post 7 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-08-05 » Do 14. Jun 2018, 11:57

Huhu Christine

auch wenn das vielleicht immer verpönt ist sowas zuzugeben, aber ich für mich möchte mich schon weiblich sexy fühlen (wie Kate Bornstein immer dazu auffordert :wink: ) und dazu braucht man eben auch die Reaktion von außen - zumindest ein bisschen. Wir sind ja überhaupt erst wer, durch die Spiegelung anderer Menschen mit denen wir in Kontakt sind, nur so können wir uns erfahren. Ich glaube es ist beides, also das innere Gefühl und die Wahrnehmung von Außen, die man für sich selbst in Einklang bringen muss, wobei natürlich letztendlich das innere Gefühl wichtiger ist.
Aber es gibt ja auch keine Vorschriften wie man etwas zu sehen hat. Die äußere Erscheinung kann egal sein, wenn das Innere sich nicht durch sie nähren muss und bietet dann obendrein sogar mehr Frieden im Leben, als ständig einem Ideal hinterher rennen zu müssen.
Persönlich für mich heißt das, dass ich auf jeden Fall meinen Bart loswerden will, Brüste sind mir relativ egal und die Stimme eigentlich (in Anbetracht des Aufwands) auch. Die Umwandlung des primären Geschlechtsorgans steht bei mir aufgrund des Risikos nicht zur Debatte und ich sehe da auch keinen Widerspruch, eine Frau mit Anhang zu sein.

LG Kati
Ich trage niemals Make-up, alles an mir ist natürlich!

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Re: Zweifel

Post 8 im Thema

Beitrag von PiaK » Do 14. Jun 2018, 12:32

Hallo Mädels,
ich habe gerade den Thread gelesen und möchte mich auch dazu äußern und meine Erfahrungen einbringen. Ich bin Teilzeitfrau - muß also auch noch meinen "Mann" stehen. Ich ziehe aus der bestehenden Lebenssituation immer die Vorteile, die beide "Geschlechterrollen" ausmachen. Zum Körperthema kann ich sagen, ich bin 1.82cm, wiege zw. 88-90 kg. Der Wunsch nach äußerlicher Anpassung ergibt sich zum großen Teil daraus, dass man auch nach außen als Frau erkannt werden möchte und es gehört auch zur persönlichen Entfaltung sowie möchte "Frau" auch weniger Reibungspunkte mit der Umwelt vermeiden. Aber wie schon in den Beiträgen vorweg gesagt, wir können unsere biologische Statur nicht "wegzaubern" aber wir können viel kaschieren und zu unserer Persönlichkeit machen. Das beginnt beim Gang, Haarentfernung(dazu gehört auch Augenbrauen, Brust und Achsel...Beine sowieso),altersgerechter Kleidung, Körperpflege...ruhig regelmäßig eine Lotion benutzen, das Erkennen des eigenen Types, und auch Anpassung an dass weibliche BIO-Geschlecht - Frauen tragen heutzutage nunmal immer weniger Rock und 10cm Highheels, obwohl der feminine Kleidungsstil wieder im Kommen ist. Ich gehe nun seit ca. 8 Jahren Outdoor und habe die BIO-Frauen immer beobachtet und nach typisch weiblichen Gesten und Bewegungen sowie der Rethorik(Sprache) gesucht. So z.Bsp. fassen Frauen meistens mit beiden Händen ein Bierglas oder spreizen den kleinen Finger ab wenn sie ein Weinglas halten.
Frauen gehen beim Bücken in die Hocke...warum...weil sonst die Frisur durcheinander geräht. Wenn Frauen zu zweit durch die Stadt laufen, reden sie permanent...wir sind meistens still weil wir denken dass uns unsere Stimmfarbe verrät. Frauen sitzen immer mit geschlossenen oder überkreuzten Beinen und, und , und...…

Der "kleine" Unterschied zwischen den Schenkeln läßt sich einfach wegretuschieren, dazu brauch es nicht unbedingt eine OP.


Also meine Erfahrung ist - Frausein ist ein Puzzle aus vielen kleinen Bausteinen und hartem immer wieder sich verbesserndem Training wobei man darauf achten muss dass man aber auch nicht überspitzt.
Wir müssen schließlich alles, was eine Frau ausmacht, in viel kürzerer Zeit erlernen als der größte Teil der uns umgebenden BIO-Frauen...denn die hatten ein Leben lang Zeit für sich.
Aber auch da gibt es so manche Frau, die es nie gelernt hat und nie lernen wird.
Liebe Grüße

Pia

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Re: Zweifel

Post 9 im Thema

Beitrag von VanessaL » Do 14. Jun 2018, 12:49

Huhu,

ich bin monentan etwas anderer Meinung.
Das Streben nach Perfektion kann auch zum Wesensverlust führen. Was ich damit meine:
Das orientieren an Vorbildern (z.B. Frauen) ist föllig OK um eine Weg zu finden sein inneres ubd äußeres in Einklang zu bringen. Das Kopieren hingegen finde ich grenzwertig, da es die Frau so gar bicht gibt und weil es das Eigene in den Schatten stellt. Eine Folge können psychische Probleme sein - insbesondere, wenn der Wechsel in den Rollen eines Tages nicht mehr gelingt.
Jede(r) muss selber seheb und gerausfinden, wie der Weg gehen kann.
Hormone sind nach meiner Auffassung auch nicht die Zauberformel schlechthin. Aber, neben den äußeren Veränderungen (die keineswegs garantiert sind) haben Hirmone sauch auf der Gefühlsrbene Wirkung. Und das ist vielleicht sogar die wichtigere Ebene. Alle, die nicht sicher sind, das Mönnliche ganz aufgeben zu wollen, sollten die Finger davon lassen. Für die gefestigten ist es aus meiner Sicht ein guter Weg ... wie gesagt: hier geht es nicht darum, Hormone als Mittel der plastischen Chirurgie zu sehen.

Das ist zumindest meine Meinung.

Liebe Grüße an alle
VanessaL
Mein Geschlecht entsteht in Deinem Kopf.

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Re: Zweifel

Post 10 im Thema

Beitrag von Lalilaluna » Do 14. Jun 2018, 13:36

Christine75 hat geschrieben:
Do 14. Jun 2018, 08:37
[...]
Wollen wir unsere Körper nur deshalb verändern, weil wir das wollen, oder unterliegen wir nicht einfach nur dem gesellschaftlichen Zwang, optisch auszusehen wie eine Frau, um als Frau auch akzeptiert zu werden?
[...]
Also frage ich mich, ob der Wunsch, seinen Körper weiblicher zu gestalten, nicht zum großen Teil von aussen beeinflußt wird? Ich sehe das ganze nun aus meiner Sicht. Vielleicht hat jemand eine ganz andere Theorie?
Hallo Christine, hallo Rest der Welt,

ich glaube, die Frage ist nicht so eindeutig zu beantworten. Denn keine_r von uns lebt ja alleine auf dieser Welt, deswegen spielt (nicht nur hier) immer auch mit hinein, was andere von oder über uns denken (könnten). Und sei es über unser Unterbewusstsein.

Aus meiner Sicht: Ja, ich will etwas an meinem Körper verändern. Das sagt mir mein Spiegelbild jeden Tag, wenn sein muss auch mehrmals :? Seit 7 Wochen nehme ich jetzt Hormone, und ja, ich hoffe, dass die auch äußerlich etwas bewirken, vor allem im Gesicht. Naja und dass nicht irgendwann mal die Haare am Kopf auszufallen drohen ;) Wobei mir die "innneren" Wirkungen mindestens genauso wichtig sind. Die ersten davon spüre ich auch schon etwas :)

Was ich auf jeden Fall auch machen werde ist meinen echt nervigen Bartschatten loszuwerden. In erster Linie um mich selber wohler zu fühlen, aber natürlich finde ich es auch schön, wenn andere mich dann eher als Frau wahrnehmen. Das macht den Alltag in einigen Situationen einfach leichter und entspannter. Ja, ist einfach so, auch wenn es nicht ständig vorkommt.

Ob ich bis zur OP gehe weiß ich noch nicht. Ja, ich hätte das "Anhängsel" da unten lieber heute als morgen weg. Aber ob ich das Risiko dafür eingehen will? Vielleicht wirds ja die "kleine Lösung", das könnte für mich ein guter Kompromiss sein. Auch wenn einige jetzt denken, dann wäre ich ja keine "richtige" Frau. Na und? Ich muss mich wohlfühlen. Und da wären wir wieder beim Thema, von außen beeinflusst oder nicht ... )))(:

LG,

Mirjam ))):s

Sahara65
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Re: Zweifel

Post 11 im Thema

Beitrag von Sahara65 » Do 14. Jun 2018, 14:10

Zweifel ?

Unbedingt und meiner seits geht es mir nur um mein gesamtes Umfeld.
Vor allem was die Arbeit betrifft.
Veränderungen werden von jedem wahr genommen.
Nicht nur die äußeren. Hat man eine gewisse Position inne und möchte man diese auch behalten muss ich mehr als nur gut abwägen wie weit ich wirklich gehe.

Mal schnell zwei Jahre Hormone einwerfen um am Ende der Fahnenstange zu sein .......
Bei dem Gedanken bekomme ich schon Beklemmungen und leichtes Herzrasen.

Mein Inneres sagt mir aber trotzdem "tue es"

Vicky_Rose
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Re: Zweifel

Post 12 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Fr 15. Jun 2018, 09:58

Ich habe auch so meine Zweifel.

Im Kern steht die Frage, ist mein Trans* Teil meiner Persönlichkeit oder Bedürfnisbefriedigung ?

Ich meine die Frage ganz wertfrei. Könnte es nicht sein, dass es bei diesen Bedürfnissen um etwas geht, von dem ich als Kind wahrgenommen habe, dass es Frauen bekommen und Männer üblicherweise nicht ?

Es würde vieles erklären. Da wäre die Identifikation mit Frauen oder das Kommen und Gehen des Wunsches nach dem en femme sein. Das Tragen weiblicher Kleidung fiel zusammen mit den ersten erotischen Gefühlen und so ist eine Art "Pawlowscher Reflex" (https://de.wikipedia.org/wiki/Pawlowscher_Hund). Die Konditionierung verbindet dabei das unbestimmte Bedürfnis mit guten (erotischen) Gefühlen und das Tragen von weiblicher Wäsche übernimmt die Rolle der Glocke. Später reicht das Tragen weiblicher Wäsche für gute Gefühle (die nicht explizit erotisch sein müssen) und dient damit, unbewusste Bedürfnisse, die ganz anders gelagert sein können, die man vielleicht noch nicht einmal benennen kann, zu befriedigen.

Gesetzt den Fall, es wäre so oder so ähnlich, dann bliebe die Frage, will ich das beibehalten oder will ich mein Verhalten ändern ? Im Falle der Bewusstwerdung der eigenen Bedürfnisse könnte es passieren, dass die Konditionierung aufgelöst wird. Warum sollte ich das tun ? Ist das eine Weiterentwicklung des eigenen Ich ? Woher nehme ich dann die guten Gefühle ?

Vieles spricht für die Theorie. Das Gehirn ist flexibel genug, Denkstrukturen zu ändern. Grundsätzliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind noch nicht im Gehirn gefunden worden. Mir ist keine bekannt, die man als fest verankert erkannt hat.

Hier sitzen meine Zweifel.
Viele Grüße
Vicky

Nur Mannsein ist mir zu wenig, nur Frausein (noch) zu viel ...

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Re: Zweifel

Post 13 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 15. Jun 2018, 11:49

Hallo Christine,

jeder Wunsch nach Veränderung kommt aus mir selbst heraus. Der Druck, der Zwang nach Veränderung war irgendwann so groß, das ich dem nachgeben musste, um nicht daran zu zerbrechen.
Von außen beeinflusst war dieser Zwang nicht.
Christine75 hat geschrieben:
Do 14. Jun 2018, 08:37
Mittlerweile frage ich mich, warum die meisten von uns ihren Körper verändern wollen. Das Gefühl eine Frau zu sein ist doch erst einmal unabhängig vom Körper.
Als ich an dem Punkt angekommen war, mir einzugestehen, das ich eine Frau bin, wollte ich natürlich auch wie eine Frau aussehen.
Dabei waren und sind mir z.B. das Gesicht / Haare & Frisur und die sekundären Geschlechtsmerkmale immer wichtiger gewesen als die primären Geschlechtsmerkmale.
So lange ich nicht spreche, werde ich als Frau "gesehen" Mein Spiegelbild passt zu meinem geschlechtlichen Empfinden.
Jede muss ja für sich entscheiden, was ihr wichtig ist. Die sichtbaren Merkmale wie Gesicht & (verpackte) Busen sind mir wichtig. Was ich in der Hose habe sieht niemand außer mein engster Familienkreis, da ist der Wunsch nach etwas passendem lange nicht so stark wie bei den sichtbaren Merkmalen.
Was einem wichtig ist um sich wohl zu fühlen, muss jeder für sich selbst herausfinden.
Wenn man sich mit geborenen Frauen vergleicht, wird man nie zufrieden sein. Man(n) kann eben niemals eine geborene Frau werden.
Ich muss nicht die schönste Frau der Welt sein, aber ich versuche die schönste Frau zu sein, die ich sein kann.

Kurz: Alles was ich verändert hab, wollte ich selbst ändern. Ich hab das nur für mich getan und für niemand anders.

Grüße
die Anja
WER WILL FINDET WEGE. WER NICHT WILL FINDET GRÜNDE.

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Re: Zweifel

Post 14 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Fr 15. Jun 2018, 13:10

Huhu allerseits,

Ich fühle mich ja auch als TS seid dem ich mich kenne, habe aber auch die größten Bedenken wegen der Transition. Zum einen, rein gesundheitlich (große Bedenken wegen Langzeitfolgen und OP Risiken) und zum anderen ob ich dann wirklich der gewünschte Mensch werde. Und zwar für mich und für die anderen. XY Chromosome in jeder Zelle wurde ja schon gesagt, die 1.80 und der starke Knochenbau lässt sich auch nicht umkehren. Dann bleibt noch die Stimme und das angelernte Verhalten abzuschütteln. Alles durchaus schwierig aber auch irgendwo auch reizend und erstrebenswert.

Aber ich hatte so oft Träume und manche davon habe ich mir tatsächlich erfüllt. Nur der gewünschte Effekt, dass dann alles anders wird blieb oft aus. Kleines Beispiel: Habe ich erstmal das sündhaft teure Musikinstrument, dann wir meine Kunst ganz anders werden. Dann hatte ich es aber alles war beim Alten nur das ich jetzt jeden Tag Angst hatte, dass es kaputt geht. Was ich sagen möchte ist: Menschen verändern sich nicht um 180° wenn manche Parameter in ihren Leben sich ändern. Es gibt eine innere Trägheit und solche Sachen brauchen viel Zeit und ein mentales Marathon.

Eine andere Sache was mich beim der TS-Denke stört, ist die berechtigte Feststellung, was alles an Unrecht einem widerfahren ist und die sich daraus ableitende Haltung. Ich war schon immer ein lockerer, gewitzter Mensch, der das Leben auf die leichte Schulter nimmt. Seit dem ich aber Gedanken an Transition etc. hatte wurde ich durch die Erkenntnis, das mir sehr viel Unrecht im Leben widerfahren ist immer bitterer und irgendwann auch maßlos egoistisch. Das ging dann so weit, dass meine Welt an meiner Nasenspitze anfing und am Popo aufhörte. Ich muss gestehen, diese Bitterkeit und Egoismus steht mir nicht und mein Umfeld kriegt den Fett ab für den sie nichts kann. Also versuche ich mittlerweile den Spagat oder den Kompromiss: Ein wenig Platz für Laila, ein wenig Platz für den Boyfriend, sich selber nicht aufgeben, dem neuen selbst auch Platz machen, der Familie und der Umwelt nicht zu viel zumuten, usw.

Ich muss gestehen, so ultimativ Glücklich bin ich mit dieser Lösung nicht aber mir fällt auch im Moment nichts besseres ein.

Ich spreche hier nur für mich selbst und niemand soll sich angegriffen fühlen.

VlG
The trick is to keep breathing

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Re: Zweifel

Post 15 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Fr 15. Jun 2018, 13:53

Laila-Sarah hat geschrieben:
Fr 15. Jun 2018, 13:10
Also versuche ich mittlerweile den Spagat oder den Kompromiss: Ein wenig Platz für Laila, ein wenig Platz für den Boyfriend, sich selber nicht aufgeben, dem neuen selbst auch Platz machen, der Familie und der Umwelt nicht zu viel zumuten, usw.
Hi Laila,

mein spontaner Gedanke bei diesem Satz war: "Wer versucht, es allen Recht zu machen, macht es niemandem Recht."

- man kann Dinge sehen
- man kann Dinge erkennen
- man kann Dinge begreifen

Aber wenn man Dinge so weit begriffen hat, dass es einen ergriffen hat, kann man nicht mehr handeln, wie man vorher gehandelt hat, ohne sich zu missachten. Aber wenn man keine Änderungen einleitet, hat man es vielleicht erkannt, aber noch nicht begriffen.

Stammt nicht von mir und ich finde es sehr treffend. Ich zweifle beim Thema Trans, weil ich zwar vieles erkannt, aber nur wenig begriffen habe.

Vielleicht ist das ein Ansatz mit den eigenen Zweifeln umzugehen.
Viele Grüße
Vicky

Nur Mannsein ist mir zu wenig, nur Frausein (noch) zu viel ...

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