Erlebnis Tagebuch: (M)eine Reise in die Gefühlswelt und Seele
Erlebnis Tagebuch: (M)eine Reise in die Gefühlswelt und Seele - # 2

Lebensplanung, Standorte
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Rabea-Marie
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Re: Erlebnis Tagebuch: (M)eine Reise in die Gefühlswelt und Seele

Post 16 im Thema

Beitrag von Rabea-Marie » Mi 4. Apr 2018, 12:47

Hallo Tina!

Ich finde deine Geschichte sehr erfrischend!

In den meisten unserer Erlebnisdarstellungen, wie auch in meiner, geht es oftmals um das auskommen mit unseren Partnern.
Du schilderst aber wie du darum kämpfst und dir erarbeitest erstmal mit dir selbst auszukommen.

Eigentlich ein logischer Schritt wie ich finde, erstmal mit sich selbst ins reine zu kommen bevor man seine liebsten mit im Einklang bringt...
Andererseits kann natürlich ein verständnisvoller Partner dabei große Hilfe leisten.
Wie dem auch sei, einen Masterplan scheint es nicht zu geben...

Nichts desto trotz bin ich gespannt wie es weiter geht!

LG Rabea

Viktoria-TV
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Re: Erlebnis Tagebuch: (M)eine Reise in die Gefühlswelt und Seele

Post 17 im Thema

Beitrag von Viktoria-TV » Mi 4. Apr 2018, 18:07

Hallo,

ich glaube beides geht Hand in Hand. 2015/16 und die erste Hälfte 2017 waren schwere Jahre für meine Ehe. Ja und ich hab ganz schön dazu beigetragen. Ich fühlte mich eingesperrt,Viktoria konnte nicht raus und wurde verdrängt. Das kostete viel Kraft, die mir an anderer Stelle fehlte. Die kleinsten Dinge streßten mich. Und den Druck gab ich weiter. Ich motzte meine Frau an, wenn es zuviel wurde und suchte teilweise auch den Streit um den Druck los zu werden. Meine Frau probierte in der Zeit viel aus: Fasten, vegatrische, Ernährung, LowCarb, vegan, Yoga, Kraftsport. Bei allem fragte sie mich,ob ich mitmache. Ich habe immer ja gesagt. Aber das war nicht ich. Es war nicht das, was ich wollte, was mich ausmachte. Also wuchs die Unzufriedenheit mit mir im Laufe der Zeit an.

Erst als Sie Anfang 2017 mir zum ersten Mal sagte, dass sie meine feminine Seite toleriert und ich sie ausleben könne, wurde danach langsam besser. Ich musste es nicht mehr unterdrücken. ich konnte es hin und wieder ausleben. Zunächst in den eigenen vier Wänden. Seitdem ich auch enfemme rausgehen kann, fühlte ich mich ganz bei mir angekommen.

Was ich damit sagen will ist, dass man mit sich selbst im reinen sein, sich selbst lieben und akzeptieren - und das mein ich hier im Sinne von ausleben, nicht von erkennen und anerkennen - muss. Erst dann kann man andere lieben. Heute führen wir wieder eine harmonische Ehe :D

Danke mein Schatz (falls du das jemals lesen solltest) ;)

Ganz kurz möchte ich noch auf den Einschub eingehen, denn den halte ich für wichtig: Ich glaube man kann solange nicht mit sich selbst im reinen sein, wie man sich selbst als Mensch/Individuum nur erkennt. Anerkennung, dass man so ist wie man ist, und das man das auch noch in Ordnung findet ist der zweite Schritt. Der dritte Schritt ist das ausleben, des ganzen erst dann ist man frei, entfaltet sich und kommt mit sich selbst ins reine.
I`m not ashamed to dress "like a woman" because I don`t think it´s shameful to be a woman. - Iggy Pop -

Vicky_Rose
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Re: Erlebnis Tagebuch: (M)eine Reise in die Gefühlswelt und Seele

Post 18 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Do 5. Apr 2018, 15:33

Hi Christina,

ich finde das ist ein blödes Spiel, das Interpretieren, das in sich Hineinlauschen, das Ordnen der Gefühle, das Erklären, das Verdrängen, das Akzeptieren, das Ablehnen, das Sorgen um seine Rolle, das Sorgen um die Partnerin, das Sorgen um sich selber, wenn man sich öffnet, das Wissen, dass es anders nicht geht, die Verwirrungen, die Erkenntnisse, die man gewinnt, die Erkenntnisse, die man verwirft, die Dinge, die man nicht wahr haben will, die Dinge, die auch schön sind, die ganze Hirnakrobatik, die Scham, die Schuld, die Begeisterung, die Enttäuschungen ...

Und in der Diskussion hat das alles irgendwie keinen Bestand, ich bekomme nichts davon transportiert, was mir richtig und wichtig vorkommt. Meine Sichtweisen prallen an der Realität ab.

... und dann wieder alles von vorn.

Und warum das alles ?

Weil ich transirgendwas bin ? Sicher nicht.

Weil ich nicht akzeptiert und toleriert werde ? Auch nicht.

Weil ich mich noch immer nicht so akzeptiert habe, wie ich wirklich bin.

Ich habe meine Frau vor einigen Jahren kennen gelernt und von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Sie sagt, in weiblicher Kleidung sehe ich aus, wie eine alte Frau und ich würde sie an meine Mutter erinnern. Dicker Stoff und ich kann es verstehen. Aber auch wieder nicht. Ich verkrieche mich, um so etwas nicht hören zu müssen. Sie aber sagt, ich soll das machen, was für mich richtig ist. Die Schere sitzt fest in meinem Kopf. Und genau das ist es, was mir jetzt klar wird. Es ist diese Schere, die ausdrückt, dass ich mich nicht so akzeptiere, wie ich bin und immer wieder in die innere Selbstreflexion einsteige. Aus dem Versuch des Erkenntnisgewinns mit einer möglichen Ursachenforschung (bloß nicht selber "schuld" sein), ist eine gewöhnliches Versteck vor mir selber geworden.

Meine Frau durchschaut das schon lange und so sind Diskussionen über das Thema unfruchtbar. Sie weiß, dass ich mich quäle und dass mein innerer Leidensdruck so lange steigen muss, bis ich selber wirklich daran etwas ändere.

Danke für diesen Fred. Bei Anderen kann man so etwas leichter erkennen, aber letztlich lese ich Deine Beiträge mit meinen Augen und dass was mich berührt, ist dann die Botschaft, die mich betrifft. Ich kann mich hunderttausend Mal en femme kleiden und mich darin scheinbar akzeptieren. Wenn ich aber nicht in der Lage bin, das gleiche bei meiner Liebsten zu tun, habe ich mich nicht wirklich akzeptiert. Da hilft auch kein noch so kluges und eloquentes Diskutieren. Ich mache mich kleiner als ich sein könnte.
Viele Grüße
Vicky

Nur Mannsein ist mir zu wenig, nur Frausein (noch) zu viel ...

ChrisTina73
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Re: Erlebnis Tagebuch: (M)eine Reise in die Gefühlswelt und Seele

Post 19 im Thema

Beitrag von ChrisTina73 » Sa 21. Apr 2018, 22:47

Hallo Vicky,

vielen Dank für Dein Feedback. Für mich ist dieses Tagebuch in erster Linie auch ein innerer Dialog, den ich mit mir führe. In dem ich mir die Gedanken vieler von Euch annehme und innerlich wirken lasse, finden sie entweder Anklang in mir oder Dissonanz, was sich dann wiederum in meinen hier aufgeführten Gefühlen, unterstrichen mit "Weichspülvideos", und Gedanken und Einsichten widerspiegelt. Musik ist für mich ein MEDIUM, von und in dem ich mich treiben lassen kann.

In den letzten 10 Jahren reduzierte ich mich in meiner äusseren Welt immer mehr auf die Funktion, was "Mann" so halt macht (KellnerJob, Umschulung, Zeitarbeit, Computer), von dem ich dachte, das ist Mann-Sein, während ich innerlich immer mehr Abstand nahm, mich meiner Gefühlswelt und dem erleben dessen in meinen eigenen 4 Wänden in Phasen hingab. Der Sommer letzten Jahres war dann für mich wie der erlösende erste Schritt in die "Öffentlichkeit" -> Outing, der so viele Emotionen, soviel Gefühle freisetzte, das ich im Laufe des Jahres bis heute immer mehr zu meiner eigenen Mitte als Mann zurückfinde, der auch wieder eine innere Perspektive für sich gefunden hat.
Dieses "Janusköpfige" Leben, wie es mir in letzter Zeit bewußt wurde, fühlte sich immer mehr als Betrug an mich selbst an, denn während die weibliche Seite die männliche Seite immer mehr auf die Funktion beschränkte und in der Bewegung nach Aussen einschränkte, versuchte die männliche Seite die weibliche Seite in mir zu verdrängen, bekämpfen, zu ignorieren.

Doch so langsam verliert dieses "Drängen von innen heraus" diesen zwanghaften Charakter, sodas ich mich auch in meinem Mann-Sein und meiner bisweilen anspruchslosen Kleidung wieder wohlfühle und mich auch so nach und nach meinem Temperament, meinen Gefühlen in Maßen hingeben kann. Und wenn es wieder kribbelt und mein Körper wie elektrisiert ist, dann freue ich mich wieder auf die Rituale und den Genuß des besonderen Momentes und nehme mir etwas Zeit dafür, zumal für mich mittlerweile Abende eh einen größeren Reiz haben, auch wenn eine Shopping Tour am Nachmittag verführerisch klingt und die Abenteuerlust weckt.

LG

ChrisTina
Der Weg hinein scheint für viele rückblickend der Schwierigste, aber auch nur, weil sie den Weg heraus noch nicht gefunden haben...

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