Vanessas Grübelstunde:
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VanessaL
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Vanessas Grübelstunde:

Post 1 im Thema

Beitrag von VanessaL » Mo 12. Nov 2018, 07:59

HEUTE: Völlig von der "Rolle" (weg)?

Ich habe heute Morgen im Crossdresser-Forum das Thema „Rolle“ im Sinne von Rolle „spielen", „annehmen" (wieder)entdeckt.
Nach allem, was ich in den letzten Zweieinhalbjahren durchgemacht habe und nach allem, was ich meinen Lieben zugemutet habe, erscheint mir dieser Begriff auf dem ersten Blick wie ein Schlag ins Gesicht.
Ich bin doch keine „Rolle“ oder doch? Kann man es auf diesen Begriff reduzieren? Und was unterscheidet denn, eine "Rolle haben" von einer "Rolle spielen“.
Gibt es aktive, passive Komponenten? Gibt es Dinge, die ich beeinflussen kann, soll und muss und gibt es Dinge, die mir einfach "zu Eigen“ sind, die ich mitbringen.

Spontan fällt mit die Trennung von Wissenschaft und Geisteswissenschaft ein. Meine Biologie, meine Gene, mein Aussehen, meine „inneren Voraussetzungen“ stehen auf der einen Seite … auf der anderen Seite der „Geist“ der alles zusammenfasst und mich wohl von „geistlosen Lebewesen“ unterscheidet. Aber was ist denn das nun schon wieder, „Herz", Seele, Liebe, Gewissen, Geist, Gefühle …… Ich bin 51 Jahre und völlig verwirrt (nicht irre, bitte).

Alles wird noch einmal durcheinander gewürfelt. Wie sehe ich mich, wie fühle ich mich? Wie nehmen mich andere Menschen wahr und wie sind Ihre Gefühle zu mir? (-> das ist die Egomanin wieder)

Und noch etwas fällt mir ein. Das Rollenmodell passt recht gut auf das Schubladenmodell, meine ich. Eine Rolle eine Schublade …. Aber ist eine Schublade auch gleich eine bestimmte Rolle? Ich bin Frau und möchte auch gerne so wahrgenommen werden. Also hüpfte ich mal so in die Schublade Frau und fühl mich für mich wohl. Doch ist meine Schublade „Frau“ die Gleiche, wie „Eure“?

Übrigens, wer Struktur in diesem Text erwartet ist gekniffen. Ich bin sieben Stunden Motorrad auf Gran Canaria gefahren, keine Chance. Aber vielleicht ist das auch gar nicht mal so schlecht.

Aber wir waren bei der „Rolle“. Dazu fällt mir immer gleich Schauspiel ein, Theater. Wir hatten ja gerade Beiträge im Forum, über Soldaten, die Frauenrollen im 1. Und 2. Weltkrieg gespielt haben. Wie passend ….
Ich selbst spiele seit etwas über einem Jahr Impro-Theater und natürlich vor meinem Outing als „Mann“ mit Männerrollen. Sicher habe ich die Rolle ausgeweitet und mal die Tunte raushängen lassen, aber es war immer die Definition: Mann, der Frau spielt. Mit dem Outing gab es dann eine ganz klare Ansage meiner Lehrerin: Du bist Frau, Du spielst auch nur noch Frauenrollen! Dazu muss man sagen, dass das Improvisieren-Theater vielleicht auch die klaren Einteilungen haben muss, da ja keine Kostüme zum Einsatz kommen. Daher: ich bin Vanessa und ich kann auch nur weibliche Rollen spielen. Oh, wie war ich dankbar! Grundsätzlich ginge natürlich auch eine Transperson zu spielen, aber das kommt thematisch quasi nicht vor und da ist das Theater vielelicht auch zu sehr schwarz/weiß. Ich weiß es nicht.

Mit der Frauen“rolle“ habe ich dann aber doch ein Problem. Kleide ich mich weiblich, gelingt es anderen mich auch so zu deuten. Fahre ich zum Beispiel Motorrad, wie heute, ist wenig weibliches im Aussehen zu erkennen und auch der (Silikon-)Busen als deutliches Zeichen reicht nicht mehr aus. Da wird aus der Señora gleich wieder ein Segñor (grummel).
Ich habe im Laufe der letzten Monate meine Frauenrolle deutlich überdacht und mein Wunsch ist es, eine „natürliche“ Frau zu sein. Das ist für mich auch mal Jeans und T-Shirt tragen und keine Schminke auflegen. Tataaaa … da ist das Schubladen- und Rollenproblem. Ich passe nicht mehr hinein. Was bin ich den nun?

Ich glaube ich brauchen ein Modell mit/für inneren und äußeren Rollen/Schubladen/Voraussetzungen, denn im Gegensatz zu Cybill kann ich für andere und auch für mich keinen (herren-)Anzug mehr tragen und mich dabei wohlfühlen.
Für mich ist es eine Qual …. und quälen tue ich mich nur noch für meine Liebsten … unter Protest!


Vielleicht (Sicher) fällt mir noch mehr ein zu diesem spannenden Thema … später :)

Liebe Grüße
Vanessa
Sonntag, 11. November 2018
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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 2 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mo 12. Nov 2018, 13:54

Tja, Worte haben Wirkung... Ich habe in einem anderen Kontext endlose Diskussionen über das Wort "Spiel" geführt. "Ich spiele doch nicht, ich lebe es" war für die andere Seite sehr wichtig, während meine Fraktion argumentierte, dass unser Spiel eben eine Privatvereinbarung zwischen informierten, einwilligenden Menschen war, die wir Aussenstehenden weder aufzwingen können, noch dies anstreben sollten...

Aber diese Überlegung war eher rational und anderen lag eben "Spiel" zu nahe bei "so tun als ob", nicht echt sein, Kinderspiel, jederzeit aufstehen und zum essen gehen können. Diese emotionale Verkettung des Wortes mit einem -hm- wichtigen Element ihres emotionalen Selbstverständnisses widerstrebte ihnen zutiefst. Es nahm diesem wichtigen Teil ihres Lebens die Authentizität.

Mit "Rolle" im Genderkontext geht das genau so, denke ich. Dabei "spielen" wir jede Menge "Rollen". Als Staatsbürger*innen, als Kinder unserer Eltern, als Eltern unserer (naja, eurer :) ) Kinder, als abhängig Beschäftigte oder Freischaffende, als Kund*innen, als Funktionsträger*innen in Vereinen, als Teil einer politischen oder religiösen Gruppe, usw. Da wir zeitlebens an die starke binäre Genderung aller Rollen gewöhnt wurden, gibt es all diese Rollen in zwei Farben - und Menschen wie ich stehen daneben und versuchen sich durchzulavieren.

Rollen und Vorurteile sind zwei Seiten der gleichen Medaille und haben schon eine sinnvolle Funktion. Vorurteile im Sinne von Annahmen, wie sich jemand verhalten wird, wenn wir ihm in einem bestimmeten Rollenkontext begegnen. Und die Annahmen treffen wir aufgrund von Signalen, die wir erlernt haben.

Wenn wir einer fremden Person A im Baumarkt begegnen, sie nach Firmenregeln gekleidet ist, nehmen wir an, dass sie dort arbeitet und eher nicht Chirurg*in oder Opernstar ist. Wenn wir der gleichen Person zuerst beim Elternabend begegnen, nehmen wir an, dass sie als Elternteil oder Teil der Schule dort ist und fragen eher nicht nach 12er Dübeln, Blinddarm-OP oder einer Tannhäuser-Arie. Je nach Kontext erwarten wir von der Person eine unterschiedliche Rolle und die richtigen Signale, obwohl eigentlich alle jederzeit vorhanden wären: Paul Potts war Angestellter in einem Telefonladen.

Wie jede Vereinfachung passt es eben nur für die meisten, aber nicht für jene, die nicht die gewünschten Signale senden können, um so wahrgenommen zu werden, wie sie sich fühlen, sein wollen, etc. Negative Zuordnungen sind ein Riesenproblem, weil sie bis zu merkmalsbezogener Menschenfeindlichkeit führen. Aber auch sichtbar "fremde" Signale zu senden gilt z.B. als Anmassung oder "Betrug".

In einem Enbykreis - wir hadern ja ständig mit dem Thema - meinte eins, Menschen sortieren nach "B und B". Bart und Brüste. Ich meine mich zu erinnern, dass es dazu auch Blickanalysen gab. Zuerst Gesicht, dann Oberkörper, dann Sil­hou­et­te. Bei mir selbst nehme ich das auch wahr. Trotz sichtbarer Wölbung vor der Brust dominiert selbst der schmale Restbartschatten um den Mund. Eine Freundin von uns, Wechseljahre durch, wettergegerbtes Gesicht vom Bergsteigen und Brust-OP wegen Krebs, ("weibliche") Kurzhaarfrisur, wird durchweg männlich gelesen.

Wenn du also auch in Jeans und T-Shirt weiblich gelesen werden möchtest, dann empfehle ich zu allererst das Gesicht anzugehen. Bart, Haut, Augenbrauen, Wimpern, Frisur.

Für deinen Umgang mit "Rolle(n)" hilft vielleicht, erst mal zwischen Identität und Präsentation (Genderbread: identity and expression) zu unterscheiden, auch wenn die meisten Menschen das durcheinander und mit Biologie in einen Topf werfen. Wie fährt eins denn z.B. Motorrad "als Frau" anders als "als Mann", wenn das Aussehen mit Helm erst mal nix hergibt? Welcher Unterschied ist für dich wichtig dabei? Das eigene Erleben? Die Fahrweise? Was ist da dein inneres Wesen, also der Anteil der Identität? Ist es wichtig, dass du deine Assoziationen zu "weiblichem Motorradfahren" erfüllst und erlebst und warum?

Ach ja: Wenn du zufällig auf die Antwort stossen solltest, wie man sich denn "als Frau" fühlt, im Gegensatz zu "als Mann", und zwar so, dass sich ein Mann nie so fühlen könnte, dann wäre ich äusserst dankbar für eine Erklärung :)

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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 3 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-12-09 » Mo 12. Nov 2018, 14:25

Jaddy hat geschrieben:
Mo 12. Nov 2018, 13:54


Wenn du also auch in Jeans und T-Shirt weiblich gelesen werden möchtest, dann empfehle ich zu allererst das Gesicht anzugehen. Bart, Haut, Augenbrauen, Wimpern, Frisur.

Unsere markanten Gesichter werden uns immer verraten.
Jeans und T-Shirt unterstreichen den Rest.

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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 4 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Mo 12. Nov 2018, 14:56

Hallo,

Schubladen sind in der Gesellschaft nicht wegzudenken. Ob es uns passt oder nicht, es gibt sie und wir denken alle auch so wenn es z.B. um andere Themen außerhalb dem LGBTI Komplex geht. Es gibt zwei Unterpunkte:
a) in welche Schublade(n) will dich die Gesellschaft stecken?
b) in welche Schublade(n) wollen wir gerne gesteckt werden?

Wenn a ungleich b, dann wird es nervig bis traurig. (a) hängt meistens mit reinen Äußerlichkeiten zusammen und (b) mit unserem eigenen Denken und Fühlen. Eigentlich ist ja das was du beschreibst liebe Vanessa so ziemlich das Ausgangsproblem oder das Grundproblem unserer Situation und das Existensrecht dieses Forums wenn man es so nennen will. Silberkugel habe ich jetzt auch keine, aber ich dachte und denke du wärst da sowieso viel weiter als ich.

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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 5 im Thema

Beitrag von Bea Magdalena » Di 13. Nov 2018, 05:05

Hallo Vanessa,

ich möchte unterscheiden, wer das Schubladendenken anwendet:
Du über Dich selber oder andere über Dich, bei anderen wirst Du nichts machen können. Wir Menschen "sortieren eben in Schubladen", das erleichtert uns auch vieles, auch wenn es nicht jedem/jeder, die wir einsortieren bis ins letzte Detail gerecht sein mag.
Dazu hab ich den Eindruck, dass die Abgrenzung der Schubladen variabel ist, und sich mit der Zeit oder unserer Denkweise ändert. Sogar Überschneidungen der einzelnen Schubladen sind möglich.
Wir Menschen haben zu den einzelnen Schubladen Erwartungshaltungen. Einmal einsortiert erwarten wir bestimmte Denk- und Handlungsweisen, Kleidung u.s.w.

Nichtsdestotrotz solltest Du dein Leben nicht aus einer Schublade heraus leben. Du bist Du, egal wie andere Dich einsortieren oder Du Dich selber einsortieren würdest. Damit haben Erwartungshaltungen, wenn Du willst auch Rollen eher eine untergeordnete Bedeutung.

Mein Tipp, sei einfach authentisch, einfach Du und lass Dich nicht durch Schubladendenken einzwängen oder unter Druck setzen.

Liebe Grüße
Bea
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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 6 im Thema

Beitrag von VanessaL » Di 13. Nov 2018, 06:22

Jaddy hat geschrieben:
Mo 12. Nov 2018, 13:54
Ach ja: Wenn du zufällig auf die Antwort stossen solltest, wie man sich denn "als Frau" fühlt, im Gegensatz zu "als Mann", und zwar so, dass sich ein Mann nie so fühlen könnte, dann wäre ich äusserst dankbar für eine Erklärung :)
Hallo Jaddy, da hast Du mich natürlich erwischt ... ich kann Dir weder das eine noch das andere erklären, da ich am Ende ja doch "nur" ich bin. Wenn es sich aber am Ende nicht erklären lässt, dann muss man auch das Genderbread-Modell in Frage stellen, oder? Und das möchte ich wirklich nicht aufgeben ....

Und vielleicht doch ein kleine Liste mit Erklärungsversuchen, die jedoch so nur mich betreffen ....
- ich fühle mich wohl und frei in einem Kleid, als Mann täte ich das nicht
- ich weine viel mehr seit ich als Frau lebe und meine emotionaler zu sein
- ich bin "beleidigt", wenn man mich für einen Mann hält und mich nicht als Frau behandelt

vielleicht gibt es ja noch mehr ... wer weiß ...

An andere Stelle ist noch mal auf dem Rollenmodell Bezug genommen worden und ich glaube Christiane hat in diesem
Zusammenhang von Hüten gesprochen. Rollen = Hüte, die man gesellschaftlich auf hat. Ich fand das recht interessant. Es ist wieder ein Beispiel dafür, wie wir versuchen komplexe Dinge zu zergliedern, um sie besser erfassen zu können. Grundsätzlich ist das natürlich auch völlig OK. Ich persönlich glaube aber, dass dies am Ende nur ansatzweise der Komplexität der Themen genüge tut - und somit letztendlich eben doch hinkt und nicht mehr passt, wenn man nur die richtige Frage stellt oder einen Perspektivwechsel macht. So, wie mich z.B. die Frage von Jaddy ins schleudern gebracht hat (Danke dafür!).

Aber Rettung war ja auch schon da ....
Bea Magdalena hat geschrieben:
Di 13. Nov 2018, 05:05
Mein Tipp, sei einfach authentisch, einfach Du und lass Dich nicht durch Schubladendenken einzwängen oder unter Druck setzen.
Bea hat mich wieder "geerdet" und mir das Fundament zurück gegeben.

Liebe Grüße
Vanessa
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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 7 im Thema

Beitrag von Jasmine » Di 13. Nov 2018, 07:15

Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 12. Nov 2018, 14:56
Schubladen sind in der Gesellschaft nicht wegzudenken. Ob es uns passt oder nicht, es gibt sie und wir denken alle auch so wenn es z.B. um andere Themen außerhalb dem LGBTI Komplex geht. Es gibt zwei Unterpunkte:
a) in welche Schublade(n) will dich die Gesellschaft stecken?
b) in welche Schublade(n) wollen wir gerne gesteckt werden?
Es mag ja sein, das es die Schubladen gibt. Möchte ich nicht bestreiten. Aber ich lasse mich in keine Schublade stecken. Wozu sollte ich mir Gedanken darüber machen, in welche Schublade mich irgendeine Person stecken möchte? Ich bin Jasmine, ein Mensch der offen und ehrlich und ohne Vorurteile anderen Menschen begegnet. So werde ich auch von meinem persönlichem Umfeld akzeptiert. Eine gute Freundin sagte mal zu mir: mich könne man nirgendwo einordnen, mit mir wird es nie langweilig.
Bea Magdalena hat geschrieben:
Di 13. Nov 2018, 05:05
Mein Tipp, sei einfach authentisch, einfach Du und lass Dich nicht durch Schubladendenken einzwängen oder unter Druck setzen.
Bea Magdalena hat es hier schon sehr gut ausgedrückt, warum sollte ich mir auch Probleme machen, wo ich keine habe?

Liebe Grüße Jasmine
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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 8 im Thema

Beitrag von VanessaL » Di 13. Nov 2018, 08:11

VanessaL hat geschrieben:
Di 13. Nov 2018, 06:22
Jaddy hat geschrieben:
Mo 12. Nov 2018, 13:54
Ach ja: Wenn du zufällig auf die Antwort stossen solltest, wie man sich denn "als Frau" fühlt, im Gegensatz zu "als Mann", und zwar so, dass sich ein Mann nie so fühlen könnte, dann wäre ich äusserst dankbar für eine Erklärung :)
Hallo Jaddy, da hast Du mich natürlich erwischt ... ich kann Dir weder das eine noch das andere erklären, da ich am Ende ja doch "nur" ich bin. Wenn es sich aber am Ende nicht erklären lässt, dann muss man auch das Genderbread-Modell in Frage stellen, oder? Und das möchte ich wirklich nicht aufgeben ....

Und vielleicht doch ein kleine Liste mit Erklärungsversuchen, die jedoch so nur mich betreffen ....
- ich fühle mich wohl und frei in einem Kleid, als Mann täte ich das nicht
- ich weine viel mehr seit ich als Frau lebe und meine emotionaler zu sein
- ich bin "beleidigt", wenn man mich für einen Mann hält und mich nicht als Frau behandelt
Mir ist noch etwas eingefallen, Jaddy:
- als Mann wollte ich das Gefühl der Befriedigung haben, jetzt möchte ich berührt werden ...

Liebe Grüße
Vanessa
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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 9 im Thema

Beitrag von JanaH » Di 13. Nov 2018, 09:51

schön gesagt und bei den allermeissten Deiner Gedanken kann ich mit..., schön

Liebe Grüße

Jana

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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 10 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah » Di 13. Nov 2018, 13:24

Jasmine hat geschrieben:
Di 13. Nov 2018, 07:15
Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 12. Nov 2018, 14:56
Schubladen sind in der Gesellschaft nicht wegzudenken. Ob es uns passt oder nicht, es gibt sie und wir denken alle auch so wenn es z.B. um andere Themen außerhalb dem LGBTI Komplex geht. Es gibt zwei Unterpunkte:
a) in welche Schublade(n) will dich die Gesellschaft stecken?
b) in welche Schublade(n) wollen wir gerne gesteckt werden?
Es mag ja sein, das es die Schubladen gibt. Möchte ich nicht bestreiten. Aber ich lasse mich in keine Schublade stecken. Wozu sollte ich mir Gedanken darüber machen, in welche Schublade mich irgendeine Person stecken möchte? Ich bin Jasmine, ein Mensch der offen und ehrlich und ohne Vorurteile anderen Menschen begegnet. So werde ich auch von meinem persönlichem Umfeld akzeptiert. Eine gute Freundin sagte mal zu mir: mich könne man nirgendwo einordnen, mit mir wird es nie langweilig.
Liebe Jasmine,

du lässt dich nicht in eine Schublade reinstecken obwohl dein Gegenüber dich da hinein tut. Es passiert in den Köpfen was willst du dagegen machen ?

Da menschliche Gehirn arbeitet assoziativ. Daher wenn du ein Stuhl vor dir hast, welches du noch nie in deinem Leben gesehen hast und es aus Materialien und Formen besteht die sich von den bisherigen Stühlen unterscheiden, wird dein Gehirn es trotzdem mit Leichtigkeit als Stuhl erkennen und einordnen. Intern untersucht dein Gehirn das unbekannte Objekt nach Merkmalen und vergleicht es mit den Inhalten der Schubladen. Da die meisten Treffer in der Schublade "Stuhl" zu finden sind, weiß dein Gehirn: "es ist ein Stuhl". So funktionieren wir. Das gibt uns auch sehr schnell viele Informationen über das Objekt. Jetzt kannst du alles was du über Stühle weist auf das neue Objekt übertragen. Damit weiß dein Gehirn: "ich kann es abhaken. Keine Bedrohung und keine weitere Überlegung wert". Wenn jetzt aber ein Objekt, oder hier ein Passant, nicht so schnell in eine Schublade hinein passt, müssen die Menschen sich mit diesem Passanten mehr beschäftigen als es ihnen lieb ist. Schon alleine dafür gibt es Antipathie Punkte. Ferner kommen solche Überlegungen aus Unwissenheit und Vorurteile wie "vielleicht ein Perverser ist mir unangenehm" (ich will hier das Prinzip aufzeigen) erschwerend dazu. Warum wir auf andere Assoziationen kommen ist weil wir uns lange damit beschäftigen müssten. Als Beispiel kann ich, weil ich mich lange genug beschäftigt habe, alle Instrumente und was sie einzeln spielen direkt heraushören wenn eine Musik gespielt wird. Das können Leute die sich nicht damit beschäftigt haben nicht. Und beim Thema Trans und CD wollen die meisten Menschen sich auch nicht damit beschäftigen. Da liegt das Problem. Nicht wollen aber müssen ist nicht sympatisch!

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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 11 im Thema

Beitrag von Cybill » Di 13. Nov 2018, 13:27

Ich sehe schon: Völlig von der Rolle.

Spaß beiseite: ich glaube, ich habe hier diese Rollendiskussion losgetreten, dann versuche ich sie auch mal wieder zu beruhigen.

Frau sein / Mann sein, das ist schon mehr als die Rolle oder die jeweiligen Gefühlswelten.

Als ich die Rollenthematik aufgeworfen habe, bin ich von der aktuellen wissenschaftlichen Betrachtung des menschlichen Erlebens und Verhaltens ausgegangen. Ein guter Therapeut wird das auch so tun, alleine schon um sich die Arbeit zu erleichtern.
Rollen müssen nicht unbedingt einengend sein. Im Alltag wechseln wir sie nonchalant ohne uns darüber Gedanken zu machen.
Anders ist das mit dem Erleben, wir erleben unsere Umwelt völlig verschieden. Jeweils individuell und nichts ist vergleichbar. Die Philosophie macht sich seit Jahrhunderten Gedanken darüber und hat dennoch den Stein der Weisen nicht - auch nur ansatzweise in Sicht. das gilt natürlich dann auch dafür, wie wir unsere Rollen selbst empfinden.

Vielleicht entschärfen diese Ansatzpunkte die Diskussion.

Gruß

Cybill
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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 12 im Thema

Beitrag von Jasmine » Mi 14. Nov 2018, 06:22

Laila-Sarah hat geschrieben:
Di 13. Nov 2018, 13:24
Liebe Jasmine,

du lässt dich nicht in eine Schublade reinstecken obwohl dein Gegenüber dich da hinein tut. Es passiert in den Köpfen was willst du dagegen machen ?

Da menschliche Gehirn arbeitet ...........
Teilweise gebe ich dir Recht. ABER:
Ich denke vorurteilsfrei über alles nach und suche nach Lösungen. Auf mich bezogen freue ich mich wenn mein Umfeld mich als Mensch und eine Bereicherung für ihr Leben sieht und mich nicht in eine Schublade steckt.

Liebe Grüße Jasmine
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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 13 im Thema

Beitrag von Steffi1000 » Mi 14. Nov 2018, 07:29

Hallo Vanessa und die anderen,
Allmählich wird mir klar, das ich bis heute mehrere Rollen gespielt habe und dadurch krank geworden bin.
Die Rolle "Ich" ist vernachlässigt worden. Dabei ist diese die Wichtigste und was ich am besten kann.
Ist es nicht die Erwartung der Gesellschaft, was der einzelne (ich) zu tun hat?
Ich mir die Ausbildung selbst gesucht und gemacht, habe ein Biomädel gesucht und geheiratet, bin Vater(in) geworden, etc. Die Liste könnte 1000Seiten lang werden.
Welche Rolle wir (die vor 1975 geborenen) spielen mussten, hing vom Biologischem Geschlecht ab. Jungs sollten zu Männer und Mädchen zu Fraien gedrängt werden. Unsere Eltern wussten es nicht besser.
Die Rolle Eltern wurde von der Gesellschaft aufgedrängt.

Ich will keine Rolle spielen, außer Rolle "......." Und die hoffentlich gut.

GLG
Steffi
Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine Spuren.

Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

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Re: Vanessas Grübelstunde:

Post 14 im Thema

Beitrag von Sasha » Mi 14. Nov 2018, 18:22

Jasmine hat geschrieben:
Di 13. Nov 2018, 07:15
Laila-Sarah hat geschrieben:
Mo 12. Nov 2018, 14:56
Schubladen ...
a) in welche Schublade(n) will dich die Gesellschaft stecken?
b) in welche Schublade(n) wollen wir gerne gesteckt werden?
Es mag ja sein, das es die Schubladen gibt. Möchte ich nicht bestreiten. Aber ich lasse mich in keine Schublade stecken. Wozu sollte ich mir Gedanken darüber machen, in welche Schublade mich irgendeine Person stecken möchte? ...
Ich glaube, daß man keine Möglichkeit hat, zu verhindern, daß andere einen in eine Schublade stecken - ob man es zulässt oder eben nicht. Sicher sollte es einem letztlich egal sein, in welcher Schublade man dann gelandet ist - aber solange unsere Gesellschaft und die Menschen so sind, wie sie nun einmal sind, behandeln uns die meisten zumindest anfangs genau entsprechend ihrer Schubladenwahl - und nicht unserer eigenen. Wie man dann damit umgeht, darüber lohnt es sich, sich Gedanken zu machen, denn das bestimmen wir selbst.

VG Sasha
Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich (K. Adenauer)
Eigentlich bin ich ganz anders, doch ich komme viel zu selten dazu (Ö. von Horváth)
Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch anders zu sein (S. de Beauvoir)

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Bausteine des Lebens

Post 15 im Thema

Beitrag von VanessaL » Fr 23. Nov 2018, 06:21

Hallo,

es wird oft und viel über Entwicklungen geschrieben. Da fallen Begriffe wie 2./3. Pubertät, Evolution oder Weg und andere. Ihr wisst vielleicht was ich meine. Es geht oft um eine Prozess mit innerer und äußerer Wahrnehmung.

Mit meinem Outing im August war für mich die Frage der geschlechtlichen (Trans)Identität geklärt und der seelische Druck hat sich schlagartig aufgelöst. Natürlich ist Trans* immer noch Thema, aber belastet mich nicht mehr - ich finde grade keine andere Formulierung.

Mit der Einnahme der Hormone hat auch ein schleichender Prozess der Veränderung angefangen. Ich meine damit nicht nur die physischen sondern insbesondere die psychischen Wandlungen. Ich glaube viele, die mich hier begleiten, haben das wohl bemerkt; waren aufmerksam und haben mir Ihre Hilfe/Unterstützung angeboten.
An dieser Stelle vielen lieben Dank an Euch (flow) (ki) (flow) (ki)

Aber im Kern (der seit dem Outing endlich wieder gefestigt ist) ist alles soweit OK. Was mich umtreibt sind eher die Fragen aus der Zeit der Jugend - eben der Pubertät. Wer bin ich und wenn ja wie viele. Was ist Liebe - Freundschaft - Beziehung und was sind Gemeinsamkeiten und Abgrenzungen? Welche Rollen und Grenzen habe ich und es brechen auch viel alte Wunden auf, die schon längst verheilt waren oder zumindest schienen. Es ist wieder ein Prozess der Identitätsfindung auf anderer Ebene.

Das treibt mich grade um. Ich suche nach Ansätzen und Erklärungsmodellen dafür und bediene mich natürlich auch aus dem Bereich Sport. Ich hatte ja letztes jahr schon einmal das Modell der Sportspielleistung über das Transthema gestülpt.

Modell.pdf

Jetzt geht mir das Baukastenmodell der Sportspielfertigkeiten seit einigen Tagen nicht mehr aus dem Kopf,
IMG_0510.jpg
Und ich finde es sehr passend, wenn ich meine ICH als Ergebnis von vielen unterschiedlichen Bausteinen sehe.

Und was mit mir grade passiert, ist eine Totalsanierung oder auch Abriss und Neubau. Je nachdem wie man es sehen möchte.

Es entsteht vielleicht eine andere Statik, ein anderes Gerüst. Eine andere Form nach Außen und Innen. Räume werden größer oder kleiner und Funktionen und Aufgaben werden anders verteilt.


Liebe Grüße
Vanessa
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