Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)
Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur) - # 2

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Mina
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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 16 im Thema

Beitrag von Mina » So 11. Mär 2018, 08:23

Die vielschichtige Problematik, welche sich "Non-binären" entgegenstellt, sorgt indessen für den Wunsch einer machbaren Angleichung. Machbar dahingehend, das es alleine durch Gesetz und gesellschaftliche Anerkennung zu einer Lebensqualität, welcher dem inneren Empfinden gleicht, nicht kommen kann.
Naiv dahingestellt: Och, ich will mal ein bisschen beides sein, weil mir grade langweilig ist oder so.

Nein, keinesfalls. Wie weiter oben schon geschrieben, eine binär eindeutig sich selbst fühlende Person kann diesen Druck nach "Zwischeneindeutigkeit" nicht nachvollziehen. Auch nicht wenn der Umstand eines falschen Körpers fakt ist. Denn in meinem Fall ist der Körper nicht grundsätzlich falsch. Er ist nicht fehl am Platz, nur eben nicht vollständig.

Wir haben von Gesetzeswegen keine Möglichkeit, einen offiziellen Weg zu gehen. Das TSG aktuell hierzu (Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/tsg/TSG.pdf)
§ 8 Voraussetzungen
(1) Auf Antrag einer Person, die sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem
Geburtseintrag angegebenen, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet und die seit mindestens
drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben, ist vom Gericht festzustellen,
daß sie als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, wenn sie
1.   die Voraussetzungen des § 1 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 erfüllt,
2.   (weggefallen)
3.   dauernd fortpflanzungsunfähig ist und
4.   sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den
eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist.
Eine Indikation für entsprechende hormonellen Maßnahmen ist also ausgeschlossen. Zwar gäbe es wiegesagt die Möglichkeit einen Arzt mit tiefenentspannter Risikobereitschaft zu finden, welcher alles auf Privatrezept verschreibt, was aber letzlich nichts daran ändert das es ein Experiment bleibt. Die Ergebnisse einer Suche nach Forschungszielen und Auflösungen über "Zwischenmechanismen" eines hormonellen Einsatzes in dezitierter Dosis, bleiben aus. Eine Unterversorgung bei einem "Volleinsatz" in das Übergehen auf die andere binäre Seite wird beschrieben: (Quelle: http://www.dgti.org/component/content/a ... tml?id=153)
Die durch östrogen wirkende Produkte hervorgerufenen psychischen Veränderungen sind bei richtiger Dosierung und Kontrolle durch entsprechend erfahrene Ärzte gering. Sie führen in den meisten Fällen lediglich zu einer Dämpfung des Sexualverhaltens und zu zurückhaltenderen Wesenzügen. Dies schmälert im Normalfall nicht die Initiativ- und Leistungsfähigkeit. Massive Depressionen treten z.B. im wesentlichen nur dann auf wenn, Unter- oder Überdosierungen erfolgt sind. Dies kann seine Ursache im Wirkungsbild des Medikamentes haben. Als Beispiel möge die Anlage eines neuen Depots dienen, welches unter Umständen in den ersten paar Tagen ein massives Unwohlsein auslösen kann. Auch Medikamentenkombinationen können durchaus ein überdurchschnittliches Hochschaukeln der Wirkungen hervorrufen. Hier denke man im Besonderen an die Wirkungen von Androgenrezeptoren-Blockern (Androcur, Furegel). Eine weitere Ursache können biologische Funktionen Ihres Körpers sein, die außerhalb der "normalen zu erwartenden Funktionen" liegen. In jedem Falle sollte mindestens halbjährlich eine Kontrolle des Blutbildes und der verschiedenen Organfunktionswerte gemacht werden. Zu Beginn der Behandlung sollte dies für das erste halbe Jahr jeden Monat gemacht werden, bis die entsprechende Dosierung gefunden ist. Eine deutliche Senkung der verabreichten Hormonmenge ist meist postoperativ nach der GA-OP angezeigt.

Auch hier gilt wie bei jedem Medikamenteneinsatz, dass der Satz "Viel nützt viel", in der Anwendung von Medikamenten meist nicht stimmt!

Einer der elementaren Grundsätze der Biochemie, das Arndt-Schulz-Gesetz, lautet:

Schwache Reize fördern, starke hemmen und stärkste lähmen die Lebenstätigkeit.
Um größere Risiken zu bewerten, in etwa das benannte Faktor-V Leiden, kann ausgeschlossen werden wenn eine auf Symptomen ausgelößte Untersuchung stattfindet. Klein geschrieben, eine Untersuchung über einen Hämatologen, muß ja nicht im Kontext TSG veranlasst werden. Hierfür obliegt die Option aber bei eines jeden einzelnen Menschen Phantasie.



Zum Abschluß noch ein PDF zu Schulungszwecken. Vielleicht ein interessanter Einblick wie in 2016 über das Thema in Vorlesungen verfahren wurde. Vieles ist alt und manches kam hinzu. Insbesondere "nicht - klinische" Aspekte und Feststellungen. Warum? Es scheitert an der gesetzlichen Umgebung. Die Medizin ist also insgesamt schon bereit für die nächsten Schritte.

https://diversity-netzwerk.charite.de/f ... nnette.pdf
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

Manu.66
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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 17 im Thema

Beitrag von Manu.66 » So 11. Mär 2018, 10:05

Hi Mädels!

Die von Jaddy oben angegebene Quelle "1x1 der Hormone" war auch für mich sehr prägend. Die Aussagen und Schlussfolgerungen erscheinen mir sehr plausibel.

Grundtenor: Die Hormone verrichten ihre Arbeit, sie können keine Wunder vollbringen und es dauert schon sehr lange, bis sichtbare Wirkungen erzielt werden.

Ich selbst bin auch einen Zwischenweg gegangen. Keine langwierige Psychotherapie, keine Endos. Und ich stimme Jaddy zu, dass die Ärzte selbst kaum wirklich Kausalzusammenhänge in dem Stil von wenn Du das tust, dann passiert das, benennen können. Dazu gibt es auf unserem Gebiet viel zu wenig Grundlagenforschung mit empirisch belastbarem Material. Wir "doktern" buchstäblich rum. Ob mit oder ohne angebliche Fachleute wie Endokrinologen. Wie widersprüchlich alles ist, das zeigt doch allein schon die Tatsache, dass Hormone in Frankreich frei verkäuflich sind und dass Androcur in den USA verboten ist. Sind die Ärzte dort Flachpfeifen und nur die deutschen Endokrinologen die wahrhaftigen Experten?

Also, ich war bei meinem Frauenarzt und habe dort ohne wenn und aber nach dem ersten Besuch mein Hormonrezept erhalten und erhalte es bei Bedarf immer sofort. Er wollte mir auch Androcur verschreiben, aber darauf habe ich verzichtet in der Erkenntnis, dass das Testosteron auch ohne Androcur langsam aber sicher reduziert wird, wenn man über einen längeren Zeitraum weibliche Hormone nimmt.

Vor der ersten Hormoneinnahme wurde ein großes Blutbild gemacht, vor allem um die Leberwerte und den Ausgangspunkt des Hormonstatus zu bestimmen. Auch macht mein Frauenarzt jedes mal eine Ultraschalluntersuchung der Brüste. Dadurch erhalte ich objektive Werte des Brustwachstums. Subjektives Empfinden nach dem Motto "guck mal, da wächst schon was" kann reines Wunschdenken sein. Nach ungefähr sechs Monaten wird ein neues Blutbild gemacht. Meine Ausgangssituation war denkbar positiv, denn ich habe nie in meinem Leben geraucht oder Alkohol getrunken (abgesehen vielleicht von einem Glas Bier alle paar Wochen beim Griechen).

Eine wirklich umfassende Laboruntersuchung mit der Feststellung aller Hormonwerte, Vergleichen mit Referenzwerten und Interpretation der Werte gibt es für knapp 119,00 € als Speicheltest bei verisana lab in Hamburg. (verisana.de). Den habe ich machen lassen, denn Speicheltests sind aussagekräftiger als Bluttests wenn es um Hormonbestimmungen geht. Scheinbar wissen oder berücksichtigen diese wisschenschaftliche Erkenntnis die deutschen Endokrinologen nicht, oder die Krankenkassen bezahlen diese Speicheltests nicht.

Hätte mein Frauenarzt nicht so ohne weiteres meine Hormontherapie unterstützt, dann hätte ich mir wohl auch Hormone aus Frankreich oder dem Internet besorgt - allerdings immer mit entsprechenden Kontrollen durch Labortests wie denen von verisana, denn die teilen auch deutlich mit, wenn es bedenkliche Werte gibt und man besser einen Arzt aufsuchen sollte! Den deutschen Weg mit Psychotherapie und Endokrinologen empfinde ich als diskriminierend und den wäre ich bestimmt nicht gegangen!

Liebe Grüße
Manuela
Mein Lebensmotto: "Ich kann, weil ich will, was ich muss." (Kant)

Mina
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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 18 im Thema

Beitrag von Mina » So 11. Mär 2018, 11:08

Danke Manu,

ich denke an dieser Stelle währe es gut um etwas Klarheit in die Angelegenheit zu bringen und mit Klischee´s aufzuräumen.

Wie schon öfter festgestellt, gibt es keine genauen und eindeutigen Studien über die Wechselwirkung und deren tatsächlichen Einflüsse auf unser endokrines System. In den meisten Fällen laufen Langzeitbeobachtungen und die üblichen Verdächtigen, respektive Labormesswerte, in keinem plausiblen Zusammenhang zur Symptomatik der einzelnen "Testpersonen".

An dieser Stelle etwas Grundlagen in hipper und lockerer Form (Soll ja kein Fachwörtergelangweile werden)





In diesen Beispielen ist vielleicht ganz gut erklärt, wie erstmal die "Grundausstattung" funktioniert.
Für eine Zugabe von Östrogen ist es also wichtig, das der Körper die Chance bekommt Rezeptoren dafür herzustellen. Der Gesamthormongehalt im System wird registriert. Füge ich nun Hormone von aussen zu, erhöht sich der Gesamtwert und die körpereigene Hormonproduktion wird reduziert, bis der Level wieder im ursprünglichen Niveau ist. Das Testosteron wird also weniger, im Anteil. Nur ist es eben eine Gleichung um wie viel der Wert sinkt. Halte ich die Dosis von Östrogen niedrig, wird der Testo-Wert ebenfalls erstmal nur wenig sinken. Gelingt es durch die Einstellung der verabreichten Dosis, den Testowert im unteren Drittel zu halten, wird das Hormon nach wie vor seine Aufgabe erfüllen.
Das Östrogen hingegen wird eine Weile zugeführt werden müssen um dem Körper zu signalisieren, das es mehr Rezeptoren dafür benötigt. Denn andernfalls ist zwar die Gesamtmenge an Hormonen hoch, das zuviele Östrogen wird aber schlicht ausgespült. Damit habe ich also nichts gewonnen.

Wenn ich hergehe und mir die Gesamtdosis der körpereigenen Hormonherstellung zuführe, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Testosteron über kurz oder lang soweit in den Keller gedrückt, das die Symptome klar sind: Einstellung der Funktion von männlichen Keimdrüsen, eine Rückbildung des Phallus und der Verlust der männlichen Libido bis hin zu weiblichen Wesenszügen.

In dem Falle, einen Ausgleich anzustreben, zwischen Östrogen und Testosteron, sind die Auswirkungen unbekannt. Welches Hormon wird dominieren und sich durchsetzen? Nach der Grundlage aber des "Schlüssel - Schloß Prinzipes" sollte eine Einstellung in die Mitte machbar sein. Zwar kann es sein das die Gabe in unregelmäßigen Abständen korrigiert werden muss, dennoch aber mit weniger Stress für den Körper verbunden ist als eine "Pre - OP Einstellung MzF".
Das ist natürlich rein spekulativ. Und genau das gilt es heraus zu finden.

Von Schädigung möchte ich an dieser Stelle also nicht direkt sprechen. Unser Körper kann damit umgehen, wenn Risiken ausgeschlossen sind und eine korrekte Analyse des fortschreitenden Vorganges erfolgt. In diesem Bezug, der Risiken gibt es vermehrt andere und wirksamere Schadstoffe. Zucker, Nikotin und Alkohol.

Und ohne die gemütliche Sonntagslaune zu trüben - sehen wir uns einfach mal an, was eine Flasche Bier an Stress in uns auslößt:

Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

Lina
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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 19 im Thema

Beitrag von Lina » So 11. Mär 2018, 13:43

Jaddy hat geschrieben:
So 11. Mär 2018, 02:46
Lina hat geschrieben:
Sa 10. Mär 2018, 21:50
Hast du dir Gedanken darüber gemacht, woran das liegt - bzw. was dich verhindert hat dein man-shield einfach so wegzulassen?

Für mich kam das einfach von selbst immer mehr, je nachdem wie ich auch spürte, dass ich von Leuten als Frau wahrgenommen wurde. Das wiederum machte es noch leichter noch mehr als Frau wahrgenommen zu werden usw. Eine selbstverstärkende Wirkung sozusagen, die irgendwann auch auf mein Leben, wenn ich nicht en femme bin, übergriff.

Hast du dir überlegt, ob die Hormone ursächlich sind, oder ob es eher durch die Entscheidung, das Experiment zu machen, die zu einer Änderung in deiner inneren Überzeugung - dein Weltbild geführt hat?
Ich habe über diese und andere Faktoren mehrfach nachgedacht, aber ich kann derzeit keine belastbare Antwort geben. Ein Weg wäre, das Östrogen jetzt für vier Wochen oder so abzusetzen und dann zu vergleichen. Allerdings haben wir auch kein reproduzierbares Testsetting.

Von meinem Gefühl her ist die neue Selbstverortung als Enbi schon ein wesentlicher Teil. Ich habe in den letzten Jahren häufig vergeblich nachzuvollziehen versucht, was das heisst, sich "als Frau" zu fühlen - oder "als Mann". Aber jetzt? Der Druck zu und der Vergleich mit binären Menschen ist weg. Andere Enbis zu kennen hilft auch. Und die stetige Achtsamkeit und manchmal Abwehrhaltung gegen falsche Zuweisung hat abgenommen. Da allerdings unterstützen meines Erachtens die körperlichen Veränderungen, die ich sehe und fühle, dass ich anders bin. Und ich denke, dass andere es eben bald auch sehen. Mit anderen Worten: Ganz ähnlich wie bei Dir.

Beim Man-Shield... keine Ahnung. Da bin ich noch überfragt. Ich sag Bescheid, wenn mir was dazu einfällt :)

Jetzt kann ich es natürlich nicht lassen ein bisschen frech zu werden: Hoffentlich gehören zu den körperlichen Veränderungen auch weniger Haarwuchs als auf dem Profilbild zu erkennen ist. OK, ich kann es mir halbwegs vorstellen - mein Körper ist auch nicht dein Körper. Meiner ist von den Proportionen und von der Tendenz zu Muskelaufbau wesentlich "geschlechtsneutraler" als die Mehrheit. Vermutlich bin ich hormonell dann auch mehr "in-between" - um bzw. große Armmuskeln aufzubauen, wird ja gerne mehr Testosteron gebraucht/zugeführt, Ich kann trainieren soviel wie ich will, da verändert sich an der Größe nicht viel.
Wieviel natürliches Östrogen ich habe - keine Ahnung. Testosteron: Vermutlich weniger als die Meisten - und es ist ja auch erwiesen, dass das allgemeine Verhalten auch einen Großen Einfluss hat.
Also halte ich es durchaus für möglich, dass die künstlich zugeführten Hormone bei dir auch psychisch mehr bewirken könnte als bei mir.

Jedoch ist eine Sache, die man nicht übersehen sollte, die folgende: Schon als ich anfing akribisch die Körperbehaarung ab zu rasieren entdeckte ich, dass ich von der Natur her gar nich so fantastisch Männlich aussehe. Die Erkenntnis alleine hat bestimmt auch mein Verhalten geändert - so dass ich weniger Angst hatte mich mit anderen Rollenmodellen zu identifizieren - und das, was wir uns hier geeinigt haben als "man-shield" zu bezeichnen weniger notwendig wurde. Ich weiß im Nachhinein, dass diese Verhaltensänderung mit sicherheit auch die Hormone beeinflusst haben - zumindest weniger Testosteron.
Du sollst also auch nicht ausschließen, dass die Zunahme von künstlichen Hormonen eine gemischt physiologisch-suggestive Wirkung hat. Dass beispielsweise schon deine Erwartungshaltung - wie immer die aussieht - schon ihre Wirkung hat, lange bevor die Hormone wirklich konkret was bewirken. Es gibt ja auch bei anderen Medikamenten Studien die bewirken, dass Placebo nicht nur die Wirkung des eigentlichen Medikaments haben kann - selbst WENN der Patient INFORMIERT ist, dass er Plazebo bekommt!!

Das hat nichts damit zu tun, ob die Patienten nun dumm wären oder so - das ist einfach nur ein bekanntes Faktum, dass Menschen so reagieren und hat nichts mit ihrer angeblichen Naivität oder Intelligenz zu tun. Warum die so reagieren ist leider bislang ein ziemlich unerforschtes Phänomen. Nach meiner Meinung stecken da ungeahntemöglichkeiten drin, sowohl behandlungsmäßig wie auch präventiv, da es such kaum um eine Einbahnstraße handelt.

Was mich aber bei dir neugierig macht: Was ist deine Absicht mit dem Ganzen? Suchst du die Freiheit (wie ich) frei zwischen den Gender-Rollen zu fließen oder ... ? Kannst du mehr dazu sagen?

Jaddy
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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 20 im Thema

Beitrag von Jaddy » So 11. Mär 2018, 15:49

Lina hat geschrieben:
So 11. Mär 2018, 13:43
Jetzt kann ich es natürlich nicht lassen ein bisschen frech zu werden: Hoffentlich gehören zu den körperlichen Veränderungen auch weniger Haarwuchs als auf dem Profilbild zu erkennen ist. OK, ich kann es mir halbwegs vorstellen - mein Körper ist auch nicht dein Körper. Meiner ist von den Proportionen und von der Tendenz zu Muskelaufbau wesentlich "geschlechtsneutraler" als die Mehrheit. Vermutlich bin ich hormonell dann auch mehr "in-between" - um bzw. große Armmuskeln aufzubauen, wird ja gerne mehr Testosteron gebraucht/zugeführt, Ich kann trainieren soviel wie ich will, da verändert sich an der Größe nicht viel.
Wieviel natürliches Östrogen ich habe - keine Ahnung. Testosteron: Vermutlich weniger als die Meisten - und es ist ja auch erwiesen, dass das allgemeine Verhalten auch einen Großen Einfluss hat.
Also halte ich es durchaus für möglich, dass die künstlich zugeführten Hormone bei dir auch psychisch mehr bewirken könnte als bei mir.
*lach* Tja ja, der Bart... Schon erstaunlich, wie sehr wir auf körperliche Signale geprägt sind, wie viel Anteil biologisches BIOS oder gesellschaftlich erlerntes Betriebssystem auch immer dabei haben.

Der Bart ist deshalb inzwischen viel kürzer. 2,5mm, Lippen frei, usw.. Und der Rest des Gesichts ist nach fünf Lasersessions fast vollständig glatt und wird offenbar dank Big-Ö feinporiger und zarter. Ein tolles Gefühl. Ganz ohne Bartschatten um den Mund möchte ich gar nicht, denn wie gesagt: Ziel sind mixed signals statt weder-noch.

Nach dem ersten Lasern im Gesicht war ich so begeistert, dass ich seitdem auch Oberkörper samt Armen mit machen lasse. Arme, Brust und Rücken waren eh nur partiell behaart. Bauch wurde leider immer mehr, aber damit bin ich jetzt auch ziemlich durch.

Also: Haarwuchs ja, aber nur auf dem Kopf bitte :)

Ich hätte von mir auch immer angenommen, recht wenig Testo zu haben. Hab auch ehrlich gesagt drauf gehofft, um vielleicht eine einfache (Pseudo-)Begründung für meine Gefühle zu haben. Nach dem Hormonstatus letztes Jahr meinte meine Liebste dann aber, ich könnte ja zur Zucht eingesetzt werden... *murmel* Alles im männlich-normalen Bereich.

Auch wenn der T-Level nichts darüber aussagt, ob und wie die verschiedenen Rezeptoren im Körper es verarbeiten - Stichwort: "weibliche Organe in einem ansonsten männlichen Körper" - finde ich es interessant, dass auch in einem hormonell "normalen" männlichen Körper das Gehirn jede Form von Gender-Nonkonformität empfinden kann - und sich mit einer Hormongabe dann doch was daran ändert.
Lina hat geschrieben:
So 11. Mär 2018, 13:43
Du sollst also auch nicht ausschließen, dass die Zunahme von künstlichen Hormonen eine gemischt physiologisch-suggestive Wirkung hat. Dass beispielsweise schon deine Erwartungshaltung - wie immer die aussieht - schon ihre Wirkung hat, lange bevor die Hormone wirklich konkret was bewirken.
Jepp. Den Anteil gibt es definitiv. Ich hab nur keine Ahnung, wie stark der ist oder wie ich den ermitteln könnte. Schon allein das Zeugs vor sich zu haben und _anzufangen_ ist ja ein Schlüsselmoment. Jetzt passiert was, jetzt wird sich was verändern. Man geht schon anders durch die Welt. Wie nach nem Coming-Out, inklusive dem Outing Rush, es jedem ungefragt auf die Nase binden zu wollen :)

Gut dass ich das schon ein paar Mal hatte im Leben. Ich hoffe, meiner Umgebung nicht allzu stark damit auf den Wecker zu gehen.
Lina hat geschrieben:
So 11. Mär 2018, 13:43
Was mich aber bei dir neugierig macht: Was ist deine Absicht mit dem Ganzen? Suchst du die Freiheit (wie ich) frei zwischen den Gender-Rollen zu fließen oder ... ?
Also, ich fliesse nicht, habe keine unterschiedlichen Persönlichkeiten. Wie gesagt habe ich versucht, mich in die binären Genderrollen hineinzufühlen. Was bedeutet es, sich "wie ein Mann" zu fühlen oder "wie eine Frau"? Ich kriege es nicht hin. Ich kann es in Grenzen nachspielen - Jahrzehnte lang geübt - aber es fühlt sich einfach nicht echt an.

Was ich bei genderbinären Menschen beobachte und als Selbstbeschreibung höre, stimmt nicht mit meinem eigenen Empfinden von Rolle, Erwartungen, Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Verhaltensnormen, Sprache und so überein. Das hat mich in den letzten Jahren zunehmend gestört, übrigens auch in der Trans*subkultur. Auch da reibe ich mich immer an der Binarität. Aber es gibt wenigstens einige, die auch "dazwischen" sind.

Die wesentliche Veränderung war im Oktober und November 2017. Abgesehen davon, dass das "nicht" bei nicht-binär mich immer noch stört - ich hätte lieber eine positive Bezeichnung, statt nur zu sagen, was ich nicht bin - hat meine Insel im Gender-Multivektorraum endlich einen Namen. Und da bin ich. Immer (schon). Ich empfinde mich nicht mal mehr weiblich oder mal mehr männlich, deshalb nicht fluide.

Leider versuchen genderbinäre Menschen immer wieder, mich einzuordnen. Da kommen so Sprüche wie "also du als Mann" oder "das ist jetzt aber sehr weiblich". Das ist Quatsch. Ich fühle mich im Ballkleid nicht weiblicher oder mit der Machete im Wald nicht männlicher.

Sie können offenbar nur zwei getrennte Kisten sehen, mit rosa und hellblau attributierten Elementen. Ich nicht. Ich sehe die tradierte Färbung, aber sie bedeutet mir nichts. Ich kippe den Inhalt der Kisten auf den großen Tisch, werfe weg, was ich nicht haben will (z.B. Macho-/Tussigehabe), addiere neue Elemente und bediene mich aus der Sammlung je nach Bedarf.

Elemente im Sinne all der genderspezifischen Dinge, Verhalten, körperliche Attribute (im Rahmen der rückständigen Medizin auf diesem Planeten).

Mal ein bisschen arrogant formuliert gegenüber genderbinären Menschen: Ihr beschränkt euch auf einen Ausschnitt der Welt, als ob euer Geschlecht eine Behinderung wäre. Ich fühle mich demgegenüber (endlich) vollständig.

So viel zum Selbstgefühl.

Disclaimer: Jede.r möchte bitte dem eigenen Gefühl folgen und glücklich werden. Wenn das ein Cis-Hetero-Leben ist: Prima. Ich rede nur über mich und mein Gefühl.

Nicola
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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 21 im Thema

Beitrag von Nicola » So 11. Mär 2018, 18:53

Hallo Jaddi, ich kann verstehen, dass du auf den ganzen Kram mit Ärzten und dich erklären Müssen verzichtest und darum deinen Weg so gewählt hasst. Meine Erfahrung ist jedoch, dass ich recht einfach alle Leistungen die ich in Anspruch nehmen wollte erhalten habe und die Krankenkassen auch bezahlen, obwohl ich mich immer klar als nicht-binär zu erkennen gab. In diesem Zusammenhang finde ich auch die Behandlungsempfehlungen die hier http://www.zora.uzh.ch/id/eprint/97330/ ... _Forum.pdf vorgeschlagen werden positiv, da sie klar von individuellen Lösungen ausgehen und auch die Vorstellung von nur zwei Geschlechtern verlässt. Ich weiss nicht wie die Situation in Deutschland ist, in der Schweiz lassen sich auf jeden Fall Ärzte finden, die offen sind für individuelle Lösungen. Ich muss natürlich zugeben, dass eine gewisse Pathologisierung trotzdem stattfindet, da die Kassen einen sogenannten «Krankheitswert» aufgezeigt bekommen wollen.
Gruss Nicola

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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 22 im Thema

Beitrag von Jaddy » So 11. Mär 2018, 20:26

Nicola hat geschrieben:
So 11. Mär 2018, 18:53
Hallo Jaddi, ich kann verstehen, dass du auf den ganzen Kram mit Ärzten und dich erklären Müssen verzichtest und darum deinen Weg so gewählt hasst. Meine Erfahrung ist jedoch, dass ich recht einfach alle Leistungen die ich in Anspruch nehmen wollte erhalten habe und die Krankenkassen auch bezahlen, obwohl ich mich immer klar als nicht-binär zu erkennen gab. In diesem Zusammenhang finde ich auch die Behandlungsempfehlungen die hier http://www.zora.uzh.ch/id/eprint/97330/ ... _Forum.pdf vorgeschlagen werden positiv, da sie klar von individuellen Lösungen ausgehen und auch die Vorstellung von nur zwei Geschlechtern verlässt. Ich weiss nicht wie die Situation in Deutschland ist, in der Schweiz lassen sich auf jeden Fall Ärzte finden, die offen sind für individuelle Lösungen. Ich muss natürlich zugeben, dass eine gewisse Pathologisierung trotzdem stattfindet, da die Kassen einen sogenannten «Krankheitswert» aufgezeigt bekommen wollen.
Gruss Nicola
Hi Nicola, danke für den Link. Es scheint mindestens vereinzelt Fachpersonal zu geben, die sich auf nicht-Standard-Anforderungen einlassen können. Das ist schon mal gut. Hoffentlich werden es mehr. Aktuell werden deren Namen noch als Geheimwissen gehandelt, leider.

Genau die Pathologisierung steht mir im Weg. Ich bin nicht krank und habe glücklicherweise kein Problem, das Zeugs zu bezahlen. Gefühlt würde ich mir schon gerne ein bisschen Beitrag von der KK zurückholen (ich bin selbstständig und zahle Höchstsatz...), aber andererseits sind meine KK-Beiträge sehr gut zum Beispiel für das Hüftgelenk meiner Mutter oder lebenserhaltende Behandlungen bei Menschen angelegt, die das wirklich brauchen.

Was ich eigentlich gerne hätte ist ein.e Mediziner.in für den körperlichen Check und Risiko-Überwachung. Als Selbstzahler. So teuer ist das nicht. Bonus wäre ein einfaches Rezept, um den Umweg und die Zusatzkosten übers Internet zu sparen. Ich vermute, das hält sich ungefähr die Waage.

Rund um Bremen +100km hab ich mich erkundigt. Niemand wollte sich darauf einlassen, es sei denn ich komme mit der Indikation "Trans" von einem Psychologen. Ich weiss aber nicht, was ich mit einer Psychotherapie soll. Ich habe kein Problem mit mir, auch keinen Leidensdruck in einer Art, den eine Psychotherapie an mir lindern könnte.

Naja, Termin habe ich jetzt für Ende April bei einer trans*erfahrenen Endo in Hamburg. Ich bin gespannt, ob sie das mitträgt.

Jaddy
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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 23 im Thema

Beitrag von Jaddy » So 11. Mär 2018, 23:34

Danke Semele und Alex für die Stichworte zu den medizinischen Checks.

Ich hatte mich auch bemüht, hier Fachleute zu finden. Leider Fehlanzeige. Auch die Endo, bei der ich nen Termin habe, wollte mir keine Liste geben, was ich hier testen lassen sollte als Baseline.

Am liebsten würde ich ja eine Liste relevanter Faktoren zusammenstellen, samt Wertebereiche, Verweise auf weitere Infos, usw., die man einem trans*medizinisch unbedarften Hausarzt oder Labor geben kann. Allerdings fehlen mir dafür Ansatzpunkte zu Quellen. Wenn jemand dabei weiterhelfen kann, bin ich ganz Ohr :)

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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 24 im Thema

Beitrag von Mina » Mo 12. Mär 2018, 17:34

An dieser Stelle vielleicht noch ein paar Fachbuchlinks. Es ist eminent wichtig sich bei einer DIY - Versorgung geeignetes Grundwissen anzueignen.

Argument: Der Umstellungsprozess des Hormonhaushaltes geschieht auf dezidierter und schleichender Basis als das "nicht" gewünschte Behandlungserfolge ausgeschlossen werden können. Hinzu kommt der Umstand, das die Endokrinologie in dem Fall der "Zwischenlösungen" nach tiefer Recherche keine offiziellen Standarts bietet. Und darüber hinaus im Sektor der HRT in sehr schwammigen Bereichen rudert.

https://www.frohberg.de/product/endokri ... %402095480

https://www.frohberg.de/product/princip ... s%40247605

https://www.frohberg.de/product/endocri ... s%40213333


Ein Teil der englischsprachigen Vorschläge kann mit folgendem Buch ersetzt werden. Das ist relativ strukturiert aufgebaut und nicht zu hart in der Eigenrecherche/Vorwissen:

https://books.google.de/books?id=TIs2Wh ... &q&f=false
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Lina
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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 25 im Thema

Beitrag von Lina » Mo 12. Mär 2018, 21:44

Jaddy hat geschrieben:
So 11. Mär 2018, 23:34
Danke Semele und Alex für die Stichworte zu den medizinischen Checks.

Ich hatte mich auch bemüht, hier Fachleute zu finden. Leider Fehlanzeige. Auch die Endo, bei der ich nen Termin habe, wollte mir keine Liste geben, was ich hier testen lassen sollte als Baseline.

Am liebsten würde ich ja eine Liste relevanter Faktoren zusammenstellen, samt Wertebereiche, Verweise auf weitere Infos, usw., die man einem trans*medizinisch unbedarften Hausarzt oder Labor geben kann. Allerdings fehlen mir dafür Ansatzpunkte zu Quellen. Wenn jemand dabei weiterhelfen kann, bin ich ganz Ohr :)
Vielleicht einfach die Endo-Leute fragen, was die Risiken sind bei einer HRT, und dann fragen was konkret untersucht, bzw. welche Tests gemacht werden um die Risiken möglichst zu minimieren. Das ist ja dein gutes Recht zu wissen. Also die gleiche Frage nur in einem andren Kontext.

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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 26 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mo 12. Mär 2018, 23:15

Lina hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 21:44
Vielleicht einfach die Endo-Leute fragen, was die Risiken sind bei einer HRT, und dann fragen was konkret untersucht, bzw. welche Tests gemacht werden um die Risiken möglichst zu minimieren. Das ist ja dein gutes Recht zu wissen. Also die gleiche Frage nur in einem andren Kontext.
Hi Lina,

die praktizierenden Endos als nicht-Kunde zu fragen habe ich erfolglos versucht. Ende April kann ich es dann als zahlender Kunde probieren. Aber es gibt ja viele Quellen. Zum Beispiel offizielle Richtlinien und Studien, etc. Ich bin gerade dabei, mich da durch zu arbeiten.

Bisher bin ich eher irritiert, wie unsicher offenbar das ganze Fachwissen beim Thema Trans-HET tatsächlich ist. Für mich sieht das arg nach Daumenwerten und "Handwerk" nach Schema F aus. Zusammengefasst für Transfrauen: Man macht einen Basistest, ob Blutbild, speziell Gerinnungsfunktionen, Leber- und Nierenwerte okay sind. Und dann die Level für Testosteron, Östrogen, Östron, optional FSH, LH. Die werden aber nur genommen, um Testosteron und Östrogen auf weibliche Zielwerte zu bringen. Dazu wird die Dosierung im ersten Jahr alle paar Monate überprüft.

Wenn ich das richtig verstanden habe, werden bei den regelmässigen Checks nur die Hormone geprüft und keine weiteren Bluttests gemacht, ausser es zeigen sich Nebenwirkungen. Und die HET ist dann "richtig", wenn die Werte im weiblichen Bereich sind. Falls Fachmenschen aus dem Bereich mitlesen, bin ich für Korrekturen und Kommentare dankbar.

So wahnsinnig anspruchsvoll sind die Bluttests also nicht. Das ist Standard-Blutbild a'la Hausarzt. Zu Beginn und einmal jährlich checken scheint mir eher eine allgemeine Absicherung zu sein. Das reale Thromboserisiko durch Östrogen ist möglicherweise real relativ gering. Sagen neuere Papiere. Blocker und Etinylestradiol sind eine andere Sache. Gleiches gilt für die Leberwerte. Aber wie gesagt: Maximal einmal jährlich checken? Das kann ich auch beim Hausarzt.

Und das Schema mit den Hormontests ist mindestens für Enbis Unsinn. Mir (und Mina) geht es um die empfundene Wirkung und körperlichen Zustand zwischen den binären Polen. Ob die Östrogenwerte im weiblichen Referenzbereich sind, ist eher unwichtig. Selbstbeobachtung auf Risiken - da wäre eine Liste von Indizien sinnvoll - und alle paar Monate checken, ob Testo, Östrogene und was damit zusammenhängt (FSH, LH, etc.) nicht aus dem Ruder laufen, wäre da möglicherweise ausreichend.

Wie gesagt: Ich bin gerade beim durchackern diverser Papiere und für weiteren Input dankbar. Das können Leitlinien, medizinische Studien, aber auch persönliche Erfahrungen sein, welche Tests wann durchgeführt wurden.

Mina
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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 27 im Thema

Beitrag von Mina » Di 13. Mär 2018, 05:25

Hm, ich kann nur aus eigener Erfahrung in Sachen Hormonen, Diagnostik und Bluttests sprechen.

Im Alter von 17 Jahren hat mein Hausarzt auf Grund von Symptomen eine Schilddrüsenüberfunktion diagnostiziert. Das T4 Hormon befand sich außerhalb des Normbereiches.
Ich bekam Tabletten.
Anschließend über Jahre regelmäßig Labor und Gespräch sowie erneut Tabletten.

Das ganze ging bis ins Alter von 35. Da hatte ich eine neue Hausärztin. Sie war sehr engagiert und wollte von meiner Schilddrüse eine Ultraschallskopie machen.
Fazit: Schilddrüse zu 75% verkleinert!
Verordnung: Tabletten absetzen und halbjährlich Labor.

Siehe da, nach einem Jahr war meine Schilddrüse wieder bei 100% und die Hormonwerte alle im Referenzbereich.

Anschließend noch die Abklärung via Nuklearmediziner, auch da alles ok.

Nun weiß ich nicht ab welchem Zeitpunkt meine Schilddrüse eigentlich wieder normal gearbeitet hat und ich ihr die Arbeit abgenommen habe durch Tabletten? So das sie sich zurück bilden konnte.

Fakt ist, allgemeine Blutbilder und Diagnosen sind ohnehin zu ungenau. Sonst wäre mir das nicht passiert.
Reaktiontests wären die Lösung gewesen. In diesem Fall.

Klar was es bedeuten kann. Den Ärzten mache ich keinen Vorwurf, sie handelten nach Standarts und Symptomen. Ich hätte selbst mehr tun können. Deswegen ist Information über das was mit mir passiert so fundamental wichtig.
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 28 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Di 13. Mär 2018, 07:38

Jaddy hat geschrieben:
Mo 12. Mär 2018, 23:15
Wenn ich das richtig verstanden habe, werden bei den regelmässigen Checks nur die Hormone geprüft und keine weiteren Bluttests gemacht, ausser es zeigen sich Nebenwirkungen. Und die HET ist dann "richtig", wenn die Werte im weiblichen Bereich sind. Falls Fachmenschen aus dem Bereich mitlesen, bin ich für Korrekturen und Kommentare dankbar.

So wahnsinnig anspruchsvoll sind die Bluttests also nicht. Das ist Standard-Blutbild a'la Hausarzt. Zu Beginn und einmal jährlich checken scheint mir eher eine allgemeine Absicherung zu sein. Das reale Thromboserisiko durch Östrogen ist möglicherweise real relativ gering. Sagen neuere Papiere. Blocker und Etinylestradiol sind eine andere Sache. Gleiches gilt für die Leberwerte. Aber wie gesagt: Maximal einmal jährlich checken? Das kann ich auch beim Hausarzt.
Hallo Jaddy,

meine Endokrinologie ist in München, ich wollte auf Grund der Anfahrt von etwa 75 km wechseln nach Augsburg, fand aber keinen der mir einen Termin zeitnah gab.
Also fragte ich bei meinem Hausarzt nach, und bei meinem Urologen der viele Jahre unter Frau Dr. Speer (schreibt man anders) bei Gaop's mit dabei war.
Beide Ärzte sagten mir dass sie diese Art Bluttests nicht machen könnten.
Schade, aber so musste ich bei meiner Endokrinologin bleiben.
Manu hat in ihrer Gynäkologie die richtige Ärztin gefunden, allerdings mit Speicheltests.

LG Tatjana

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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 29 im Thema

Beitrag von Lina » Di 13. Mär 2018, 07:56

Im Grunde brauchst du nur das "große Blutbild" und eine alternative Interpretation davon - oder zumindest auch das.
Dann denk dir ein paar Symptome aus, dass du Kunde wirst.

Jaddy
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Re: Do-it-yourself Hormon-Medikation, Enbi-Version (nicht nur)

Post 30 im Thema

Beitrag von Jaddy » Di 13. Mär 2018, 09:09

Tatjana_59 hat geschrieben:
Di 13. Mär 2018, 07:38
Hallo Jaddy,

meine Endokrinologie ist in München, ich wollte auf Grund der Anfahrt von etwa 75 km wechseln nach Augsburg, fand aber keinen der mir einen Termin zeitnah gab.
Also fragte ich bei meinem Hausarzt nach, und bei meinem Urologen der viele Jahre unter Frau Dr. Speer (schreibt man anders) bei Gaop's mit dabei war.
Beide Ärzte sagten mir dass sie diese Art Bluttests nicht machen könnten.
Schade, aber so musste ich bei meiner Endokrinologin bleiben.
Manu hat in ihrer Gynäkologie die richtige Ärztin gefunden, allerdings mit Speicheltests.
Hallo Tatjana,

so ähnlich sieht es hier auch aus. Lokale Hausärzt.innen, Endos und Gynäkolog.innen haben abgewunken. Zwischen den Zeilen meine ich gelesen zu haben, dass ihnen das zu unsicher schien. Die trans*erfahrene Endo in Hamburg ist 150km weg, und Termine gibts da mit monatelanger Wartezeit.

Die Speicheltests können meines Wissens nur die Hormonlevel zeigen, also nix Leber, Niere, etc. Blutgerinnung und andere Risikofaktoren wg Thrombose schon mal gar nicht. Diese Tests sind wohl a) günstiger als Blutuntersuchungen sein, b) mindestens genauso gut, sagen verschiedene Paper, und werden c) frei verkäuflich angeboten, mit Auswertung über ein Labor. Referenztabellen für Hormone (und andere Messwerte) gibt es reichlich, auch aufbereitet für Trans*Therapie.

Wenn es also "nur" darum geht, ob und wie stark die Medikation die Geschlechtshormone verschiebt, bzw. ob was aus dem Ruder läuft, reichen Speicheltests im gleichen Abstand (1-2 mal jährlich) für meine Bedürfnisse möglicherweise völlig aus.

Kannst Du sagen, um welche Messwerte es sich bei Dir genau handelte?
Lina hat geschrieben:
Di 13. Mär 2018, 07:56
Im Grunde brauchst du nur das "große Blutbild" und eine alternative Interpretation davon - oder zumindest auch das.
Dann denk dir ein paar Symptome aus, dass du Kunde wirst.
So ist es. Wobei die Frage noch offen ist, wie alternativ diese Interpretation denn tatsächlich ist. Für sachdienliche Hinweise wäre ich dankbar. Die Gegenanzeigen bzw. erhöhten Risikofaktoren kann ich auflisten. Wenn ich das fertig habe, gehe ich damit zu meinen "Hausärzt.innen". In Tüddelchen, denn die haben mich nur einmal für einen Checkup vor einer Augen-OP gesehen. Das war auch so ein Ding mit vielen Messwerten, um wirklich jedes Risiko auszuschliessen. Ich muss mir dann auch keine Symptome ausdenken, sondern einfach einmal Blutbild kaufen. Ärzte sind letztlich auch Dienstleister. Mindestens wenn man privat zahlt.

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